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Donnerstag, 17. Juni 2010

Faustine Seilman, Paris, 16.06.10

1 Kommentare

Konzert:Faustine Seilman

Ort: L'International, Paris
Datum: 16.06.10
Zuschauer: ungefähr 150
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


Faustine Seilman ist mit neuem Album Whispers And Shouts endlich zurück auf einer Pariser Konzertbühne! Die junge Pianistin aus Nantes hat sich seit ihrem letzten Auftritt vom März 2009 (Pop In) nicht mehr in der Seine-Metropole blicken lassen.* Damals hatte sie mich mit ihrem gefühlvollen Pianospiel und ihren melancholischen Liedern zu Tränen gerührt. Für das heutige Konzert hatte ich mir fest vorgenommen, nicht die Heulsuse (bin ja nicht Andy Möller oder !?) zu spielen und tapfer zu bleiben. Boy's Don't Cry heißt es ja schon bei The Cure. Aber schon nach dem vierten Lied des traumhaft schönen Sets kullerten wieder heiße Tränen meine Wangen runter. Zu massiv war der Druck, der auf die Drüsen ausgeübt wurde. Die unfassbar hübsche Faustine spielte erneut so herzerweichend, legte eine dermaßene Intensintät in ihren Gesang, war so erbarmunglsos hypnotisch und faszinierend, daß ich nicht anders konnte, als meinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Der Vortrag der Chanteuse und ihrer Band traf mich mit voller Wucht. Wie im Drogenwahn stieg ich leise schluchzend immer höher und höher und schwebte irgendwann frei wie ein Vogel über den Wolken. Gleich von drei Seiten wurde ich emotional bombadiert. Zu einem war da das in moll gehaltene Klavierspiel von Faustine, das mich ungemein bewegte. Schon als Jugendlicher war ich hin und weg ,wenn mir meine Klavierlehrerin nach der Übungstunde etwas vorspielte. Ich saß dann in ihrem bequemen Ohrensessel und alle Sorgen waren plötzlich wie weggeblasen. Manchmal klimperte sie eine viertel Stunde, aber wenn ich um Nachschlag bat, kam ich auch oft in den Genuß einer halbstündigen Berieselung. Ich fühlte mich dann immer wie in Watte gepackt und ging mit wunderschönen Gefühlen nach Hause. Genau jene Gefühle weckte Faustine heute wieder in mir und ich hätte sie dafür umarmen können. Aber auch ihr Bruder an der Gitarre bearbeitete meine Seele. Seine postrockigen Riffs klangen so unendlich traurig, aber auch gleichzeitig so wunderschön, daß ich weiche Knie bekam. Schließlich war es auch der sehnsuchtsvolle und wehklagende Chorgesang der Truppe, der mir durch Mark und Bein ging. Mit A Silver Mount Zionscher Dramatik sangen sie, als stünde ihr Leben auf dem Spiel und erreichten phasenweise fast die unglaubliche Dichte und Spannung der kanadischen Kultband. Schon sensationell, was da auf französischem Boden heranwächst! Auf die Talentschmiede des famosen Labels Collectif Effervescence aus Nantes ist eben Verlaß. Neben Faustin Seilman beherbergen sie solch innovative Bands wie Papier Tigre, La Terre Tremble !!!, oder Chevreuil und zeigen den auf Kommerz getrimmten Engländern mal was eine Harke ist. Schwer zu sagen, wer bei den Nantern das beste Pferd im Stall ist, aber wahrscheinlich wird mich zumindest live niemand so sehr in einen Rausch steigern können wie Faustine. Allein ihre Mimik zu beobachten ist ein ganz besonderer Genuß. Ihr verträumter Blick zu Beginn der Songs, dann der weit aufgerissene Mund, wenn sie richtig drauflos singt und schließlich das schüchterne Lächeln, wenn nach dem Vortrag eines Liedes der Applaus aufbrandet. Völlig verdienter Applaus natürlich, denn die neuen Lieder sind wirklich ganz dufte. Prison Of Gold, The Young Man and The Sea oder The Shepherd, das war vieles dabei, was mir auf Anhieb saumäßig gut gefiel.

Faustine Seilman live ist immer wieder etwas ganz Besonderes. Nicht oft schaffen es Musiker, mich dermaßen mit Haut und Haaren zu verschlingen. Die französische Pianistin kann das mühelos. Sie ist für mich eine ganz Große. Jetzt schon. Merci , Faustine!

Auszug aus der Setlist Faustine Seilman @ International, Paris

- Locked
- Lost Friends
- The Ballad Of A Starving Man
- Facing The Ocean
- Prison Of Gold
- The Young Man And The Sea
- Laissez Nous La
- The Shepherd


* nach einer Recherche bei Youtube stelle ich fest, daß ich mit dieser Behauptung falsch liege. Faustine Seilman hat am 22. April 2010 im Vorprogramm von A Silver Mt. Zion im Alhambra gespielt. Schade, daß ich nicht dabei war. Hier gibt es ein tolles Livevideo von dieser Sho
w.

Aus unserem Archiv:

Faustine Seilman, Paris, 25.03.09
Faustine Seilman, Paris, 20.11.07




Donnerstag, 26. März 2009

Faustine Seilman, Paris, 25.03.09

3 Kommentare

Konzert: Faustine Seilman

Ort: 25.03.2009
Datum: 25.03.2009
Zuschauer: ca. 40
Konzertdauer: ca. 45 Minuten




Förmlich an die Decke gehüpft vor Freude bin ich, als ich las, daß die famose Pianistin Faustine Seilman im Pariser Pop In spielen würde. Vor über einem Jahr (genauer gesagt am 20.11.2007) hatte ich sie zufällig bei einem Konzertabend ihres tollen Nanter Labels Effervescence im Nouveau Casino kennengelernt. Ihr Album war in etwa zeitgleich erschienen und lief bei mir unzählige Male auf meinem I-pod. Manchmal vernachlässigt man ja aus Zeitmangel manche vorzüglichen Alben, aber Silent Valley hat von mir glücklicherweise die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient hat. Zu schön und ergreifend waren Stimme und Pianospiel von Faustine, als daß ich daran vorbeikonnte. Keine Chance! Faustine selbst hat sich aber seitdem eher rar gemacht, meines Wissens war sie nur noch einmal in Paris und zwar Ende vergangenen Jahres im Café de la danse zusammen mit Josephine Forster. War bestimmt ein hochklassiges Konzert, was mir da durch die Lappen gegangen ist, aber man kann ja leider nicht überall sein. Umso größer war nun meine Freude, daß das brünette Mädchen aus Nantes nun endlich mal wieder die französische Kapitale beehrte.

Aber sie ließ die Zuschauer im Pop In zunächst etwas zappeln. Leute die häufiger zu (Gratis)- Konzerten in den Keller des urigen Pubs kommen, wissen, daß man es hier mit Anfangszeiten nicht so genau nimmt. Wenn das Konzert für 21 Uhr angegeben ist, muß man keinesfalls vor 21 Uhr 30 da sein, denn die Tür zum Keller wird mit Sicherheit noch verschlossen sein. Heute war es aber schon weit nach 22 Uhr geworden, bevor sich der Sesam öffnete. Faustine war gerade erst vom Essen zurückgekehrt und probte noch ein wenig auf ihrem Klavier. Das gab mir die Gelegenheit, eine nette junge Französin aus Bordeaux kennenzulernen. Sie erzählte mir, daß sie Freunde hier hingeschickt hätten, da diese Mademoiselle Seilman zuvor in Bordeaux gesehen hatten und hellauf begeistert waren. Anscheinend waren aber leider nur ganze 7 (!) Leute zu diesem Konzert gekommen. Etwas mehr waren es hier und heute in Paris aber schon, obwohl man viel Platz im Keller hatte, nachdem gegen 22 Uhr 15 endlich Einlaß gewährt wurde. Faustine Seilman selbst saß auf einer Steinstufe, nippte an ihrem Bierglas und wartete, daß die Zuschauer eintrudelten. Dann stand sie auf, setzte sich hinter ihr elektronisches Klavier und stellte sich erst einmal höflich vor. Nicht selten erlebt man, daß Folksängerinenn sich nur sehr schüchtern und zaghaft vorstellen und kaum ihren Namen herausbringen, so verängstigt und scheu sind sie. Faustine aber, obwohl äußerlich sehr ruhig und zurückhaltend wirkend, hatte eine klare und feste Stimme und vergaß auch nicht zu erwähnen, daß sie aus Nantes stamme und zum ersten Mal seit vier Jahren wieder ein reines Solokonzert gäbe. Normalerweise hat sie nämlich eine mehrköpfige Band dabei, mit der ich sie auch damals im Nouveau Casino erlebt hatte. Aber schon nach dem Erklingen der ersten Noten war klar, daß dies keineswegs den Genuß verringerte, im Gegenteil! Die wunderbar warme und klare Stimme von Faustine kam so noch besser zur Geltung und man war unmittelbar ins Geschehen einbezogen. Die Intimität in dem kleinen Raume war wirklich atemberaubend. Man war Faustine und ihren tiefmelancholischen Liedern so unglaublich nahe, es fühlte sich an, als würde sie im privaten Wohnzimmer spielen. Meine Augen waren auf ihre Mimik gerichtet. Ähnlich wie eine Sophie Hunger lebt auch Faustine ihre Stücke mit Haut und Haar, entgleitet während des Vortrages in eine Art Parallelwelt und legt unfassbar viel Leidenschaft in jede einzelne Zeile. Ihre Texte sind sehr düster und nachdenklich, manchmal anklagend. In The Ballad Of A Starving Man setzt sie sich mit dem Leiden der Armen in einer reichen Gesellschaft auseinander, ähnlich wie das eine ihrer Lieblingsbands A Silver Mt Zion bei A Million Died To Make This Sound tun. Sie beklagt die sozialen Ungerechtigkeiten und die Gleichgültigkeit der Wohlhabenden gegenüber dem Elend der Aussätzigen:" I looked outside and these greedy people eating and filling their faces without hunger; a piece of paper is not enough to feed me, I'm cold I'm starving I can't feel my fingers moving and they don't give a shit! My body is dying, but I shouldn't wait for them"...

Harter Tobak, der nahegeht ohne die Kitschgrenze zu überschreiten, denn leider hat sie ja so recht mit ihrer Aussage, jedes Jahr Im Winter verenden Penner elend auf der Straße vor großbürgerlichen Häusern und niemand schert sich groß darum...

"I can't feel my fingers moving", sang sie so eindringlich und just in diesem Moment sehe ich auf ihre kleinen agilen Hände. Hände eines kleinen Mädchens an den Armen einer Mitte 20 jährigen Frau, die glücklicherweise nicht immer so ernst und traurig ist, wie das ihre Lieder vermuten lassen würden. In den Pausen zwischen den Songs lächelt sie wunderschön und bedankt sich aufrichtig über den Applaus, der von Stück zu Stück größer und intensiver wird. Die meisten Leute kannten ihre dramatischen Lieder vorher nicht, sind aber zusehends hingerissen von der Leidenschaft und der Poesie des Vortrages. Ihre Stimme ist noch fester und lauter als auf CD, noch schöner. Das setzt mir emotional stark zu. Es gibt keinen Schutzschild zwischen Faustines ergreifenden Geschichten und dem Publikum, alles ist sehr direkt und nahegehend. Steppenwolf ist so grandios daß ich mir wünsche, es würde nie aufhören. Ihrem Klavierspiel zuzusehen ist eine Wonne; wie flink ihre Finger von links nach rechts greifen, das ist einfach zu großartig! "We have to move to a warm place" singt sie in dem Song, der mich natürlich an das epochale Buch von Herman Hesse denken lässt und der Künstlerin selbst ist es im Laufe des Sets warm geworden. Sie muß sich ihrer Jacke entledigen. Mir persönlich ist es vor allem in der Gegend um das Herz sehr warm...

Menno, ich hatte mir vorgenommen, diesmal nicht so zu schwülsteln wie in meinem Konzertbericht über Sophie Hunger, aber ich kann nicht anders, das hier ist schon wieder zu ergreifend! Wann kommt endlich das neue Album? Ich bin so dreist reinzurufen und nach dem Releasedatum zu fragen. Erst frühestens Ende 2009 ist die ernüchternde Antwort. Wie soll ich bitte schön so lange warten, wenn schon die Kostproben wie z.B. das neue The Shepherd schon wieder so wundervoll sind? Faustine, Du kannst mich doch nicht so lange zappeln lassen!

Gegen Ende kommt dann auch noch der spitzbärtige Musiker The Healthy Boy hinzu und spielt mit viel Körpereinsatz Gitarre. Er geht jedesmal tief in die Knie, bewegt sich ganz virtuos, das habe ich in dieser Art vorher noch nie gesehen. Er singt auch ab und zu und ist mit Sicherheit selbst ein toller Musiker. Wenn ich nicht zu erschöpft gewesen wäre, hätte ich mich auch gerne davon überzeugen lassen, denn er ist nach Faustine mit seinem Eigenwerk an der Reihe. Ich aber verlasse das Pop In, denn jeder kennt ja den Spruch: "Man soll gehen, wenn es am schönsten ist." Und das war ganz klar bei Faustine Seilman der Fall!

Am Ende kommt noch einmal das Mädchen aus Bordeaux auf mich zu und sagt ganz bewegt : "Das war zum Weinen schön, ich hatte Tränen in den Augen...

Setlist Faustine Seilman, Le Pop In, Paris 2009:

01: Road Of Silence
02: The Ballad Of A Starving Man
03: Soap Opera
04: Steppenwolf
05: The Shepherd
06: Holy Shit
07: Hopefully
08: Keys Are Bound To Be Found
09: Plic Ploc
10: God

Links:

- Faustine Seilman am 20.11.2007 im Pariser Nouveau Casino hier
- mehr Fotos von Faustine Seilman hier
- Videoclips von Faustine Seilman: Keys Are Bound To Be Found,
The Man Who Said No, Sincerly Yours live, Soap Opera




Freitag, 24. Februar 2012

Faustine Seilman & The Healthy Boy, Paris, 23.02.12

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Konzert: Faustine Seilman & The Healthy Boy + My Name Is Nobody
Ort: 'Espace B, Paris

Datum: 23.02.12
Zuschauer: leider nur 20


Melancholische Pianistinnen (am besten mit Hauchstimme) treffen bei mir anscheinend einen ganz speziellen Nerv. Anders ist es nicht zu erklären, daß ich nach Konzerten von Alina Orlova, Soap & Skin, Mohna, Cyann, Emily Jane White oder Lisa Germano immer ganz benommen von dannen schleiche.


Bei der aus Nantes stammenden Klavierspielerin Faustine Seilman erging es mir gestern im Pariser Espace B ähnlich. Von der hochmelancholischen Musik, die sie zusammen mit ihrem Gesangespartner und Gitarristen Benjamin Nerot aka The Healthy Boy zelebrierte, war ich regelrecht berauscht. Wie beschwipst stand ich dann da am Merch, zeigte auf die Vinylplatte und äußerte meinen Wunsch, diese fein gestalte Werk erwerben zu wollen. Für schlappe zwölf Euro erstand ich eine Scheibe, von der bis auf Romances und Thrown On The Floor sämtliche Lieder dargeboten wurden. Lieder voller Schwermut, Wehmut, tiefer Melancholie, aber auch Zärtlichkeit, Hoffnung, Poesie. Dunkelschwarze Kreationen, die aber dennoch hell wie Sterne funkelten. Die butterweiche Stimme von Faustine ergänzte sich hierbei aufs Beste mit dem grummeligen Baritongesang des kauzigen The Healthy Boy. Ein Hauch von Gainsbourg/Birkin lag sogar in der Luft, irgend etwas typisch französisch Sinnliches, Erotisierendes, Myteriöses wohnte dem Sound inne. Am meisten angetan war ich natürlich erneut vondem absolut gefühlvollen, in Moll gehaltenen, Klavierspiel von Faustine, aber auch die Melodien, die der Healthy Boy aus seiner Elektrischen zupfte, klangen absolut verführerisch.


Stücke wie Promenade kamen zum Vortrag. Ein eleganter Seelentröster par excellence, mit Textpasagen wie "people are rushing around, learning how to hate their neighbours". Düsterer Kammerpop in Perfektion, vorgetragen mit einer Ruhe und Sensibilität, die mir den Atem raubte.

Wundervoll auch der Titeltrack des Albums The Long Life's Journey, bei dem der Healthy Boy den Hauptgesangespart stemmte. Tief wie ein Nick Cave hauchte er auf fast gruselige Weise den Text und Faustine klimperte dazu unbeschreiblich schön. Eine Art Walzer, toll!




Abgeschlossen wurde das durchgängig exquiste Set durch Did You Ever, genauso hochmelancholisch wie das zuvor Gespielte, aber mit einem catchy "dadadada-Singalong versehen, der sich zart durch das Stück zog.

Der Wahnsinn, der helle Wahnsinn! Pianistinnen ziehen mir einfach immer wieder die Schuhe aus! Was für ein intimer Abend, in den My Name Is Nobody, ebenfalls aus Nantes, als Einzelkämpfer an Banjo und Gitarre gekonnt eingeführt hatte.

Pour nos lecteurs français:


Apparemment les pianistes féminines mélancoliques m'attirent au-delà de toute expression. Sinon je ne m'explique pas pourquoi, après avoir vu des concerts d'Alina Orlova, Soap & Skin, Mohna, Cyann, Cat Power, Emily Jane White ou Lisa Germano je suis à chaque fois complètement envouté.



Le concert sublime de Faustine Seilman à L'espace B ne dérogeait pas à cette règle. La talentueuse pianiste de Nantes donna avec le guitariste/chanteur Benjamin Nerot alias The Healthy Boy un spectacle de toute beauté, qui m'a scotché sur mon siège. Après le concert j'étais sur mon petit nuage et ressentait le désir d'acheter leur album The Long Life's Journey, qui est uniquement disponible sur Vinyl. Un album qui n'est pas seulement un très bel objet, mais aussi truffé de chansons ultra mélancoliques, envoûtantes, poétiques et hantées. Faustine et Benjamin nous ont joué presque la totalité de ce petit chef d'oeuvre et brillaient surtout par l'épatant contraste entre la voix douce et fragile de Faustine et la voix suave et très grave de Benjamin. Cela rappelait parfois le duo diabolique entre Nick Cave et Kylie Minogue, mais également une sorte de Gainsbourg/Birkin revisité. Le tout avait en tout cas une ambiance très française, c'était très sensuel, élégant et séduisant.

Le jeu de piano de Faustine était une fois de plus très touchant et inspiré, mais les jolies mélodies de guitare du Healthy Boy contribuaient également à ce plaisir auditif.

Les deux ont présenté des morceaux comme Promenade, une chanson élégante qui donne un sentiment de consolation incroyable servie par un texte sombre, mais subtil: "people are rushing around, learning how to hate their neighbours..."

Egalement magnifique fut le titre éponyme de l'album, sur lequel The Healty Boy chantait l'essentiel des paroles. Il le susurrait très très bas (au point de me fait peur!) tandis que Faustine faisait résonner des mélodies magiquement belles.

Le set enrichi par deux titres inédits fut conclu par Did You Ever, chanson aussi mélancolique ("nous ne sommes pas des gens tristes et dépressives, non, non!") que tout le reste, mais doté d'un très attirant singalong!


C'était somptueux! Des pianistes fragiles comme Faustine arrivent toujours à me mettre à genoux!

En tout une fort belle soirée, agréablement introduite par le chanteur My Name Is Nobody, et qui s'est achevée en apothéose
!!







Donnerstag, 11. November 2010

Faustine Seilman & Dark Dark Dark, Paris, 10.11.10

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Konzert: Faustine Seilman & Dark Dark Dark
Ort: Le Glaz'Art, Paris
Datum: 10.11.2010
Zuschauer: etwa 150



Faustine Seilman wird immer hübscher. Und auch immer schlanker. Ich hoffe, es ist kein Frusthungern bei ihr, sondern eine natürliche Entwicklung. Die talentierte Pianistin (schon wieder eine, nachdem es mir neulich erst Agnes Obel und Alina Orlova besorgt hatten!) aus Nantes begeistert mich nun schon seit ein paar Jahren. Kennengelernt hatte ich sie im November 2007 im Nouveau Casino bei einer Labelnight ihres famosen Collectif- Effervescence. Damals galt es das Erstlinsgwerk Silent Valley zu promoten, inzwischen ist sie bei Album Nummer zwei angelegt, das auf den Titel Whispers & Shouts hört. Von letztgennnatme Opus stammten dann auch fast alle Lieder des heutigen Sets, Stücke von Silent Valley suchte man vergeblich.

Zu dumm nur, daß ich die Anfangsphase verpasst hatte! Das Glaz'Art liegt für mich einfach ungünstig, die Anreise per Metro dauert mindestens 40Minuten. Aber die Lieder, die ich noch hören durfte, vertrösteten mich auf wundervolle Weise. Besonders hervorzuheben war das einzige auf französisch gesungene Stück im Repertoire der fragilen Pianistin. Laissez-Nous Là klang sinnlich, zärtlich und hochmelancholisch und verzauberte mich völlig. Ein Seelentröster par excellence!

Ganz zum Schluß wurde es dann noch einmal postrockig. Zu The Shepherd zeigte die Backing Band von Faustine (daunter ihr Bruder Jonathan Seilman, ebenfalls aktiv bei The Patriotic Sunday), was sie draufhat. Pianoklänge, melodisch-knarzige Gitarren, ein brummelnder Bass und ein fetziges Schlagzeug sorgten für eine ordentlichen Bums und einen schwundvollen Abgang.


Ich liebe Faustine, sie ist eines der größten Talente in Fankreich und eine solch liebenswürdige Person.

Setlist Faustine Seilman, Le Gaz'Art, Paris:

o1: Locked
02: Holy Shit
03: Lost Friends
04. Facing The Ocean
05; Prison Of Gold
06: Shout Or Shut Up
07: The Young Man And The Sea
08: Laissez-Nous Là
09: ?
10: The Shepherd

Weiter im Programm ging es mit der Band Dark Dark Dark aus Amerika. Die nette Truppe um die Pianistin (schon wieder eine!) Nona Marie Invie bot harmonisch warmen Kammerpop mit Kontrabass und Akkordeon. Ich kannte die Amis vorher überhaupt nicht, war aber auf Anhieb von ihnen angetan. Allein schon die Stimme von Nona Marie, klanglich irgendwo zwischen Cat Power und Regina Spektor, ein Genuß. Auch die feinen Songs hatten es in sich. Sie erschienen wie der perfekte Soundtrack zu dem tristen Novemberwetter, an ihnen konnte man sich sein frierendes Herzelein erwärmen. Jedes einzelne Lied war so feierlich und schön, daß man fast traurig war, wenn es verklang. Die Schweden Thus:owls sind eine stilistisch ähnliche Band, aber Dark Dark Dark haben mich noch mehr überzeugt als die Skandinavier. Kauft ihre CDs The Show Magic und Wild Go, ihr werdet es nicht bereuen!

Setlist folgt.




Mittwoch, 21. November 2007

Faustine Seilman, Paris, 20.11.07

4 Kommentare

Konzert: Faustine Seilman

Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 20.11.2007
Zuschauer: mittlere Füllung


Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Konzertbericht über Black Rebel Motorcycle Club folgen. An diesem Dienstag klappte aber auch so gar nichts wie geplant, so daß ich schließlich im Nouveau Casino bei der entzückenden Folksängerin Faustine Seilman landete. Die junge Frau aus Nantes spielt glänzend Klavier und ihre Band Postrock im Stile von A Silver Mount Zion.

Den kompletten Bericht gibt es morgen hier.

Und da kommt er, der angekündigte Bericht:

Also, mal ganz von vorne. Mit der Karte von Black Rebel Motorcycle Club (BRMC) in der Tasche machte ich mich sehr früh auf den Weg in die Stadt. Ich wollte um 17 Uhr 30 eine Bekannte im Café Charbon treffen, das im Ausgehviertel Oberkampf liegt. Meine Armbanduhr zeigte 16 Uhr 30 an, ich glaubte perfekt in der Zeit zu liegen. Normalerweise bräuchte ich für die Strecke eh nur eine gute halbe Stunde. An diesem Dienstag war aber nichts normal. Es fing damit an, daß meine Metro-Linie 8 komplett blockiert war. Eiserne Gitter versperrten den Zugang zu den Gleisen. Mir war klar, daß auch heute wieder gestreikt würde, einen Totalausfall der Linie hielt ich jedoch für unwahrscheinlich...

Zurück auf der Straße machten aufgebrachte Gewerkschafter ihrem Ärger auf die Regierung Luft. Mit ihren CGT -Fahnen hätten sie lieber zum Fußball gehen sollen, da hätten sie den Verkehr weniger gestört. So aber blockierten sie auch noch die Straßen rund um den Invalidendom. Das Chaos war unbeschreiblich, selten habe ich so viele Polizeifahrzeuge gesehen. Es wurde also nicht nur gestreikt, sondern zusätzlich auch noch demonstriert und zwar von Seiten der Beamten, die mit den Verkehrsbetrieben nichts zu tun haben.

Wie kam ich jetzt bloß zu meiner Verabredung? 40 Minuten hatte ich vergeblich auf ein Taxi gewartet, das nie kam. An einem anderen Stand hatte ich nach einer weiteren halben Stunde schließlich mehr Glück. Die Fahrt durch das Chaos auf den Straßen dauerte allerdings mindestens 50 (!) Minuten. Zu meinem Date kam ich mit über einer Stunde Verspätung und somit vergeblich!

Mir war gewaltig die Laune vergangen, ich brauchte erst einmal Nervennahrung. Die bekam ich in meiner Lieblingscrêperie auf der anderen Straßenseite. Der unglaublich nette und kommunikative Betreiber servierte mir nicht nur zwei köstliche Crêpes - ein herzhaftes und ein süßes - sondern fungierte auch als Psychater. "So ist das in Paris nun einmal mit den Streiks und den Demos", sagte er gelassen, "da darf man sich nicht drüber aufregen." Wenn Du aber gleich noch ins Elysée Montmartre willst, mußt du mindestens eine halbe Stunde latschen. Geh doch einfach ins Nouveau Casino, das ist gleich gegenüber!" Der Mann hatte Recht und für den spendierten Espresso danke ich ihm auch, indem ich mal den Namen seines Ladens nenne: marche ou crêpe, 88 rue Oberkampf, 75011 Paris. Sein Geschäft hebt sich wohltuend von den üblichen, oft sehr banalen und nicht immer hygienisch einwandfreien Crêperies ab. Bei ihm gibt es topsaubere Auslagen, mit völlig ausgefallenen Crêpes, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Ich hatte vorher z.B. noch nie ein Crêpes mit Karamellstückchen gegessen. Köstlich!

Ich also raus aus dem Reich der Verlockungen und zurück auf den harten Pariser Asphalt. Es regnete inzwischen in Strömen. Jetzt bis zum Montmartre latschen? - Nein, danke! Gute Idee, daß mit dem Nouveau Casino, zumal dort das kleine aber feine französische Label Effervescence einen Abend mit seinen Künstlern veranstaltete. Hierzu gehörten auch Percevalmusic, die als erste dran waren. Eine ziemlich experimentalle Sache das. Erinnerte mich an Battles. Vielleicht aber nur deshalb, weil das die einzige Band auf dem Gebiet Math-Rock ist, die ich kenne. Und math-rockig schienen mir auch Percevalmusic draufzusein. Amüsanterweise spielten sie nicht auf, sondern vor der Bühne. Auf Augenhöhe mit den Zuschauern also. Abgefahren!

Die danach folgende Künstlerin Faustine Seilman aus Nantes interessierte mich aber noch viel mehr. Durch Zufall bin ich beim Stöbern durch den riesigen CD-Laden Fnac auf ihr Album "Silent Valley" aufmerksam geworden und habe mich spontan in ihre Stimme und ihr fast klassisch zu nennendes Piano-Spiel verliebt. Nach dem heutigen Abend ist mir auch die junge Frau selbst ans Herz gewachsen. Bekleidet mit einer Pippilangstrumpf-artigen roten Strumpfhose auf schwarzem Kleid hauchte sie ein schönes, melancholisches Lied nach dem anderen ins Mikro. Das hatte etwas vom Folk-Gesang einer Cat Power, oder einer Shannon Wright, aber wenn ihre Band aufspielte, ging das Ganze in Richtung Postrock. Der flehentliche Gesang und die langgezogegen Soli erinnerten mich spontan an A Siver Mt. Zion, die ich auch prompt auf ihrer MySpace Seite als Haupteinfluss wiedergefunden habe. Parallelen gab es aber auch zu Cyann & Ben, die ich heiß und innig liebe. Hach, es war herrlich! Glockenspiel, Akkordeon, Spielzeugpianos, versponnenes Herz, was willst Du mehr?

Gefiel glaube ich auch den anderen im Publikum. An dieses richtete Faustine dann auch dankende Worte: "schön, daß ihr trotz der Streiks so zahlreich gekommen seid."

Ehrensache Faustine, schön, daß ich trotz der Streiks und der Karte für BRMC bei Dir gelandet bin. So ist Paris...

Setlist Faustine Seilman, Nouveau Casino, Paris:

01: Nocturne, Italy Square
02: The Ballad Of A Starving Man
03: Steppenwolf
04: Sincerely Yours
05: Mum
06: In A Silent Valley
07: Soap Opera
08: Road Of Silence
09: Keys Are Bound To Be Found
10: The Man Who Said No

Die danach aufspielenden Papier Tigre aus Nantes waren auch nicht übel. Das Trio bot hektischen (Grunge?) Rock im Stile von Fugazi und Q And Not U. Ich war allerdings ziemlich müde von dem Tag und nicht mehr richtig aufnahmefähig. Hört Euch Papier Tigre aber auf jeden Fall mal an und ebenso die anderen Bands des Effervescence-Labels, als da wären Chevreuil, My Name Is Nobody. Melodramatic Sauna, oder auch Room 204.



Freitag, 18. Januar 2013

My year in lists- die 30 besten Konzerte von Oliver Peel

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Die besten Konzerte des Jahres von Oliver Peel

2012 habe ich sicherlich deutlich mehr als 200 Konzerte gesehen. Keine Frage, ich bin süchtig, aber mit den Nebenwirkungen kann ich gut leben! Für einen Junkie wie mich ist es natürlich wahnsinnig schwierig eine Auswahl der besten Gigs zu treffen, weil so viele schöne Konzerte dabei waren. Wie jedes Jahr habe ich es dennoch versucht:



01: Motorama, Le Point Ephémère, Paris



Frischer Wind aus dem eisigen Russland! Natürlich war auch ich vorher skeptisch und fragte mich wie viele andere, ob Motorama nicht ein weiterer mehr oder minder überflüssiger Klon von Joy Division bzw. Interpol seien, aber das sensationelle Konzert im Indieschuppen Point Ephémère hat mich restlos überzeugt und zum glühenden Fan werden lassen. So viele Glücksmomente hat mir 2012 live keine Band bereitet und so viel wie an jenem Abend habe ich auch bei keinem anderen Konzert getanzt. Hochmelodische Gitarren, ein wahnsinnig zackiger Rhythmus und die Grabesstimme von Vladislav Parshin sorgten für denkwürdige Augenblicke und Herzrasen. Gegen Ende wurde die anfangs leicht nervöse Band immer wilder. Ich war wie auf Speed. Für solche Momente lebt ein Konzertblogger wie ich. Verdient auf Platz ein und für 2013 immer noch ein heißer Tip! 

02) Peter Hook and The Light playing Closer from Joy Division, Le Trabendo, Paris




Joy Division lebt und ist 2012 größer als je zuvor. Zumindest die Lieder der Band aus Macclesfield bei Manchester. Es wäre eine Risenverschwendung, die alten Klassiker des Post Punk Genres nicht mehr zu spielen, nur weil der überaus charismatische und unerreicht tief und aggressiv singende Leader Ian Curtis seit langem tot ist. Hooky hat den Gesang nämlich tadellos hingekriegt, klang herrlich böse und angriffslustig und war in blendender Spiellaune. Es solle auch keiner, der bei diesem Konzert in Paris nicht dabei war sagen: "ich habe Peter Hook vor zwei Jahren schon mal gesehen und das war nicht so dolle." An jenem Dezemberabend war er gut, sehr gut sogar, das kann jeder bezeugen und die Reaktionen hinterher durch die Bank weg euphorisch. Jeder schwärmte in den höchsten Tönen und viele sagten, daß hier der Geist von Joy Division spürbar war. Curtis bleibt unerreicht, aber Hooky war unbestritten überragend, hat der Platte Closer neues Leben eingehaucht. 

03) Band Of Horses, Le Trianon, Paris


Die Band Of Horses gibt immer fantastische Konzerte, zumindest wenn ich dabei bin. Ich hatte vor diesem Gig fast vergessen, wie stark die Band um Ben Bridwell ist, dabei landeten sie mit ihren Konzerten immer ganz weit vorne bei mir. Im wunderschönen Theater Trianon hielten sich urwüchsige amerikanische Folkrocksongs und powerpoppige Stücke die Waage und der Stimme von Ben kann ich eh nicht widerstehen. Verdienter Platz 3. 

 04) Pulp, L'Olympia, Paris



"Do you remember the first time?" Kommt darauf an, was mit der "first time" gemeint ist. Vor etwa 20 Jahren spielten Pulp schon einmal beim Festival des Inrocks in Paris, aber dabei war ich freilich nicht. Mein "first time" mit Pulp bezieht sich also eher auf das Hören ihrer Alben wie Common People oder This Is Hardcore, von denen natürlich viele Hits stammten. Die Stimmung war durchgängig bombig, der Boden bebte und alle sangen lauthals die Parolen mit. Die Mutter von Jarvis hatte Geburtstag und zur Feier des Tages bekam sie ein Ständchen vom Publikum, was sie eher irritierte, als beglückte. Sie ist glaube ich ganz froh, wenn ihr Sohn im Rampenlicht steht und nicht sie. War aber die ganze übrige Zeit auch der Fall, außer auf Jarvis habe ich eigentlich auf keinen anderen Musiker auf der Bühne sonderlich geachtet. 

05) Damien Jurado, Spiegelzelt des Haldern Pop Festivals, Haldern



Ein magisches Konzert im Spiegelzelt zu Haldern an einem heißen Sommernachmittag. Der deutlich schlanker gewordene Singer-Songwriter sang mit seiner famosen Falsettstimme seine todtraurigen Songs und schaffte es, eine Verbindung zum Publikum herzustellen, wie es ihm ansonsten nie so richtig gelang. Ein Lied war schöner und nahegehender als der Nächste und am Ende tobte das Zelt. Jurado hatte bewiesen, daß ihm seine Stimme und seine Akustikgitarre ausreichen, um Emotionen zu schüren. 

06) Wilco, Le Grand Rex, Paris

Im Grand Rex zu Paris waren Wilco deutlich besser und engagierter als beim Haldern Festival. Zwar war Jeff Tweedy ziemlich wortkarg und etwas sauertöpfisch drauf, aber seine Stimme und sein Gitarrenspiel klangen perfekt. Auch seine Band leiste sich kaum Fehler und Gitarrist Nels Cline sorgte mit seinen genialen Soli für Szenen-Applaus. In Paris wussten auch die neuen Lieder zu überzeugen und nicht nur Klassiker wie Impossible Germany oder At Least That's What She Said. Ein Wahnsinnsgig! 

 07) Grandaddy, Festival Rock en Seine, Paris



Mann, war das ein schönes Konzert! Die Comebacker Grandaddy und ihr wimmernder Sänger Jason Lytle spielten beim Festival Rock en Seine ihre ganzen alten Klassiker und trieben mir Trähnen in die Augen. Währenddesen rauchte der vollbärtige Drummer hinten ganz lässig seine Zigarettchen. Der beste Auftritt des Festivals landet bei mir immerhin in den Top Ten und hätte eigentlich auch Top 5 sein können. 

08) Malvina Meinier, Théâtre de Ménilmontant, Paris


Meine Pariser Entdeckung des Jahres ist die junge Pianistin Malvina Meinier. Die spielte zsuammen mit einem Damenchor und einem kleinen Kammerorchester die bildhübschen Lieder ihres Debütalbums The Wise One und ließ mich noch monatelang davon schwärmen. Ähnlich toll wie der Hauptact: Supportact Kinrisu aus den USA, die mit ihrer Kleindmädchenstimme und ihrem eigenwilligen Fickerpicking Glanzlichter setzte. 

09) Bowerbirds, Le Café de la Danse, Paris

Auch hier gilt: die Bowerbirds waren in Paris deutlich besser als beim Haldern. Lag aber auch daran, daß sie mit viel mehr Musikern in Paris antraten und ein viel größeres Instrumentarium nutzen konnten, um ihre warmherzigen Folksongs angemessen zu zelebrieren. War schon kurios, daß Beth Tacular in Haldern gar ohne ihr obligatorisches Akkordeon antrat.

10) New Order, Fête de l'Huma, La Courneuve bei Paris



Um endlich New Order zu sehen, wurde ich glatt für einen Tag zum Kommunisten! Das kommunistische Blatt L'Humanité hatte zur jährlichen Fête de l'Huma geladen und wie immer bevölkerten fast 80 000 Menschen die Hauptbühne. Eine Wahnsinnskulisse für eine in die Jahre gekommene Kultband wie New Order, die aber bewies, daß ihr 80 er Jahre Elektropop super gealtert ist und sogar noch junge Leute begeistern kann. Für mich war das eine Nostlagie-Reise in meine frühe Jugend, als ich bei "Formel Eins"zu True Faith die Videos der sich ohrfeigenden Puppen sah und das Lied tausend mal hintereinander auf meinem kleinen Plattenspieler hörte. 


Der Abschluß dann mit Love Will Tear us Apart und Tränen als man das Konterfei des Trenchcoat tragenden Ian Curtis auf der Leinwand sehen konnte. Dahinter die Aufschrift: "Forever Joy Disvion." Dem ist nichts hinzuzufügen. 

11) Faustine Seilman and The Healthy Boy, Espace B


Noch eine Pianistin aus Frankreich, noch ein Geheimtip, obwohl ich die junge Dame aus Nantes nun schon ein paar Jahre kenne und sie eigentlich längst viel mehr Fans verdient hätte. Nach zwei feinen Soloalben hat sie einen nur auf Vinyl erhältlichen Longplayer mit dem kauzigen Healthy Boy eingespielt und die beiden Künstler  harmonierten mit ihren grundverschiedenen Stimmen einfach perfekt. Das Ganze klang stark nach Nick Cave, als er zusammen mit Kylie Minogue und PJ Harvey die sogenannten Murder Ballads aufnahm.


 


12) Echo and The Bunnymen, Le Bataclan, Paris


Immer noch Kult, immer noch geil. Die Band aus Liverpool präsentierte sich in glänzender Form, Ian McCulloch intonierte verraucht und markant wie gewohnt und die Songs klangen absolut zeitgemäß. Bei Echo & The Bunnymen ist der Konzertgenuß sicherlich Tagesform abhängig, aber an jenem Tag in Paris gab es nix zu meckern. Eine essentielle Band, immer noch tauend mal besser als viele junge Post-Punk Klone. 

 13) Nór 12, ein Wohnzimmer in Paris



Bezaubernde Däninnen, von denen man noch viel hören wird. Bei den Mädels findet man solch schöne Instrumente wie Klarinette, Mandoline, Kalimba und Kontrabass, ihre Harmoniegesänge sind entzückend, die CD Hüllen basteln sie alle selber. Das Konzert in einem winzigen Pariser Appartement war hochcharmant und absolut denkwürdig!






Clara Luzia, Au Petit Moulin et chez Galsrock, Paris






Clara Luzia aus Österreich könnte theoretisch sogar auf eins landen, hätte sie 2012 ein "richtiges" Konzert in Paris gegeben. Ich erlebte sie lediglich bei kurzen Showcases, aber die waren so intim und herzbewegend, daß es die junge Dame damit immerhin weit nach vorne schaffte. Das neue Album We Are Fish wird ein Hammer, die Songs sind Seelentröster par excellence und es würde mich nicht wundern, wenn Clara Luzia 2013 bei mir auf dem Treppchen landen würde. 

15) Tiny Ruins u.a. Balades Sonores, Shakespeare & Co und Oliver Peel Session







Meine Sängerin des Jahres, die ich ebenfalls auf keinem "richtigen" Konzert, dafür aber bei etlichen Showcases und... bei mir im Wohnzimmer/bzw. meiner Terrasse sah! Ihr Album Some Were Meant For Sea habe ich zu recht auf eins gewählt, ihr kommendes Konzert in der altehrwürdigen, 1000 Zuschauer fassenden Cigale im Vorprogamm von Alela Diane wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Highlight des Konzertjahres 2013. 

16) Arthur Beatrice, Midi Festival, Hyères, Südfrankreich


Hoch kreative Band aus England, die ich als Support von Bon Iver in Südfrankreich entdeckt und dann ein paar Wochen später im Spiegelzelt zu Haldern wiedergesehen habe. Auch sie werden 2013 abräumen, dann nämlich erscheint ihr heiß ersehntes Debütalbum.
17) The Walkmen, Pitchfork Festival, Paris

18) Crystal Castles, Festival Evreux, Le Rock Dans Tous Ses Etats, Frankreich 
19) Portico Quartett, Le Café de la Danse, Paris 
20) Mina Tindle, La Maroquinerie, Paris 
21) The Luyas, Espace B, Paris 
22) Tindersticks/Lambchop/Daughter, Festival des Inrocks, La Cigale, Paris 23) Efterklang, Café de la Danse, Paris 
24) Wedding Present, La Boule Noire, Paris 
25) Peter Doherty, Le Gibus, Paris 
26) Farewell Poetry, La Loge, Paris 
27) Orion Rigel Domisse, L'Espace B, Paris 
28) Nils Frahm, Le Café de la Danse, Paris 
29) Alina Orlova, Le Café de la Danse, Paris 
30) Sophie Hunger, Le Café de la Danse, Paris 

Ganz knapp an den Top 30 vorbei: Sharon van Etten, Laura Gibson, Shearwater, Liz Green, Mariee Sioux, Gossip 


Sonntag, 31. Dezember 2017

Gudruns Beste Alben 2017

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Eigentlich gibt es ja hier Konzertberichte, aber einmal im Jahr lege ich gern Alben ans Herz, die sich über die Zeit für mich als besonders und herausragend erweisen. Die Ausbeute für 2017 folgt - nicht ganz ohne links zu Konzertberichten hinter den Bandnamen. 

Danish String Quartet
Last Leaf


Amber Rubarth
 

 


Roxanne de Bastion
 


 

Faustine Seilmann
 


 

Sóley
 


 

Josienne Clarke and Kit Downes
 


 

Martin Kohlstedt


 
 

Einar Stray Orchstra



 

Dear Reader
 




Binoculers



 

Phoebe Bridgers
 

 

Sons of Noel and Adrian




Montag, 10. Januar 2011

My Year in Lists: die 20 besten Konzerte des Jahres 2010.Teil 1 (Oliver Peel)

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Kürzlich habe ich mit Christoph zusammen die Statistik für das Konzertjahr 2010 gemacht und wir haben erfreut und auch ein wenig stolz festgestellt, daß wir auch dank unserer Gastautoren (merci! ihr wisst, wer ihr seit!) einen neuen Rekord geschafft haben. 413 Konzertberichte! Ich glaube 287 davon gingen auf meine Kappe. Jetzt weiß ich also auch, warum ich während der Weihnachtsfeiertage so verflucht müde war!

Bei annähernd 300 besuchten Shows ist es natürlich äußerst schwierig, die Highlights rauszupicken. Zumal die meisten Konzerte glücklicherweise denkwürdig und hochkarätig waren. Dennoch setzten sich einige besonders in den Hirnwindungen fest und werden dort wohl auch für immer mit Wohlklang und prickelnden Gefühlen assoziiert werden.

Die besten Konzerte des Jahres, PLätze 20-11 (Oliver Peel)

20: Christina Antipa, Le Pop In, Paris, 11.05.2010

Die Kalifornierin Christina Antipa ist trotz ihres großen Talents viel zu unbekannt. Stimmlich erinnert sie mich an Laura Marling, bewegte mich allerdings 2010 deutlich stärker als die blonde Engländerin. Auch wenn Christina keine Oliver Peel Session bei uns gespielt hätte, würde ich ihre Musik mögen. Alles bei ihr klingt so warm, zärtlich, liebevoll. Im Pop In gab sie ihr vielleicht schönstes Konzert und verzauberte mich mit ihren wundervollen Folksongs, die auch eine Cat Power (aus der Phase You Are Free) nicht besser hinbekommen hätte. Künstlerisch ist also alles bestens bei Christina Antipa, nur die Vermarktung könnte noch effizienter sein.



19: Solvents, Le Vieux Leon, Paris, 22.05.2010

Noch so eine amerikanische Band, die in unserem Wohnzimmer gespielt hat. Aber auch hier gilt: ich würde die Solvents auch ohne diese schöne Erfahrung lieben. Jarred und seine Partnerin legten so unfassbar viel Herzblut und Intimität in den Gesang, daß es manchmal schon fast schmerzte. Im Vieux León, einem eher unpricklenden Schuppen in Paris, rührten sie mich damit zu Tränen. Und dann diese Geige...

18: Mohna, Le Scopitone, Paris, 16.03.2010:

Mohna Steinwidder kommt aus Hamburg, scheint aber in Paris fast bekannter zu sein, als in ihrer Heimat. Die Pianistin mit der Steineerweichstimme musizierte ebenfalls bei uns, trat dann aber noch einmal in einem 'richtigen" Konzertsal auf. Im inzwischen wieder geschlossenen Scopitone wickelte sie die Franzosen im Handumdrehen um ihre Klavierspielerinnenfinger und darf zur Belohnung im März 2011 beim renommierten Festival Les femmes s'en mêlent auftreten. Glückwunsch!

17: Your Kid Sister, In The Garden, Paris, 15.11.2010:

Your Kid Sister ist Maia Vidal, die in Spanien lebt, in den USA aufgewachsen ist und französische und amerikanische Elternteile hat. Ein wahnsinnig süßes Ding, das aber nicht auf ihr putziges Aussehen reduziert werden sollte. Sie spielt fantastisch Akkordeon und Toy Piano singt traumhaft schön und covert ganz frech die Punkband Rancid. In der kleinen Bar In The Garden provozierte sie mit ihrem super Auftritt minutenlange Beifallsstürme. Völlig verdient!



16: Heligoland, Le Scopitone, Paris, 05.05.2010:

Australier, die in Paris leben und feinsten Shoegaze spielen. Ihr melodienverliebtes Set im Scopitone benebelte meine Sinne und ließ mich für eine Stunde alles andere vergessen. Sängerin Karen hat eine Stimme aus Samt und Seide und Gitarrist Dave Olliffe kitzelt regelmäßig ein traumhaftes Riff nach dem anderen aus seiner Gitarre. Zum Davonschweben.

15: Faustine Seilman, International, Paris, 16.06.2010:

Faustine kommt aus Nantes und ist Pianistin und Sängerin. Ihr Bruder spielt Gitarre in ihrer Band, mit der sie durch Frankreich tourte. Ihre Musik ist unglaublich melancholisch, aber gleichzeitig hoffungspendend und herzerwärmend. Dunkler Postrock mit Piano made in France, so könnte man das Ganze stilistisch beschreiben. Damit hat sie mir im International erneut das Herz gebrochen.

14: Deer Tick, Fargo Store, Paris, 15.09.2010

Hey, war das ein Spaß in der urigen Boutique von Fargo Records! Die (im positiven Sinne) verrückten Amis Deer Tick legten einen Akustikgig hin, der sich gewaschen hatte. Vor vielleicht 30 Leuten schrie sich Frontman John Joseph McCauley III die ohnehin schon heisere Kehle noch heiserer und musizierte zusammen mit seinen Kumpels frei von der Leber weg. Dabei waren die Jungs am Vortag alles andere als in olympischer Form. Beim Konzert im Café de la danse bot John Joseph stark grippegeschwächt eine miese Leistung, päbbelte sich am 15. September aber mit Hilfe von einigen Bieren im Fargo Store so richtig auf und gab alles. Hut ab vor diesem Einsatz! Ich will nur hoffen, daß es die vier jungen Lebemänner von Deer Tick nicht zu bunt mit dem Alkohol treiben, denn dann würden sie ihr Talent unnütz vergeuden. Eine super Band! Achtung: das ganze (!) Konzert kann man sich in bester Qualität bei le-hiboo.com ansehen. Klick!

13: Beach House, Le Trabendo, 03.06.2010

Victoria Le Grand hauchte mich im Pariser Trabendo in Grund und Boden. Wahnsinn wie sie mich mit iher Stimme bearbeitete und regelrecht schwindelig sang! Das ging mir durch Mark und Bein und ließ mich hinterher fast bekifft zurück. Seltsam: weder im Frankfurter Bett noch beim Festival des Inrocks in der Pariser Cigale konnte sie mich ein paar Wochen bzw. Monate später ähnlich berühren. Vielleicht sind an den unterschiedlichen Konzerteindrücken die Hormone schuld, plausible Erklärungen gibt es oft nicht.

12: Chokebore, La Maroquinerie, Paris, 19.02.2010

Chokebore aus Hawaii sind zurück und wie! Die wiedervereinte Band um Womanizer Troy von Balthazar verwandelte die Maroquinerie ruck zuck in einen Hexenkessel. Schweißgebadete Menschen gingen von Anfang an voll mit und setzten oft zum Crowdsurfen an. So höllisch traurig wie Chokebore rockt halt eben keine Band auf der Welt. Kurt Cobain hatte recht, Chokebore sind die Besten. Troy, du Held!

11: Owen Pallett, Festival La Villete Sonique, Paris, 01.06.2010

Wunderkind oder so, wie? In meinen Ohren klang das, was Owen auf der Geige anstellte auf jeden Fall innovativ, virtuos und trotzdem herrlich unanstrengend. Talentierte Musiker tendieren ja teilweise dazu, zu nerven, aber bei dem Kanadier war das ganz und gar nicht der Fall. Hinzu kam, daß bei diesem Konzert die Akustik absolut perfet war. Hörgenuß pur!

Die Plätze 10-1 gibt es dann morgen. Stay tuned!



 

Konzerttagebuch © 2010

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