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Donnerstag, 11. November 2010

Faustine Seilman & Dark Dark Dark, Paris, 10.11.10

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Konzert: Faustine Seilman & Dark Dark Dark
Ort: Le Glaz'Art, Paris
Datum: 10.11.2010
Zuschauer: etwa 150



Faustine Seilman wird immer hübscher. Und auch immer schlanker. Ich hoffe, es ist kein Frusthungern bei ihr, sondern eine natürliche Entwicklung. Die talentierte Pianistin (schon wieder eine, nachdem es mir neulich erst Agnes Obel und Alina Orlova besorgt hatten!) aus Nantes begeistert mich nun schon seit ein paar Jahren. Kennengelernt hatte ich sie im November 2007 im Nouveau Casino bei einer Labelnight ihres famosen Collectif- Effervescence. Damals galt es das Erstlinsgwerk Silent Valley zu promoten, inzwischen ist sie bei Album Nummer zwei angelegt, das auf den Titel Whispers & Shouts hört. Von letztgennnatme Opus stammten dann auch fast alle Lieder des heutigen Sets, Stücke von Silent Valley suchte man vergeblich.

Zu dumm nur, daß ich die Anfangsphase verpasst hatte! Das Glaz'Art liegt für mich einfach ungünstig, die Anreise per Metro dauert mindestens 40Minuten. Aber die Lieder, die ich noch hören durfte, vertrösteten mich auf wundervolle Weise. Besonders hervorzuheben war das einzige auf französisch gesungene Stück im Repertoire der fragilen Pianistin. Laissez-Nous Là klang sinnlich, zärtlich und hochmelancholisch und verzauberte mich völlig. Ein Seelentröster par excellence!

Ganz zum Schluß wurde es dann noch einmal postrockig. Zu The Shepherd zeigte die Backing Band von Faustine (daunter ihr Bruder Jonathan Seilman, ebenfalls aktiv bei The Patriotic Sunday), was sie draufhat. Pianoklänge, melodisch-knarzige Gitarren, ein brummelnder Bass und ein fetziges Schlagzeug sorgten für eine ordentlichen Bums und einen schwundvollen Abgang.


Ich liebe Faustine, sie ist eines der größten Talente in Fankreich und eine solch liebenswürdige Person.

Setlist Faustine Seilman, Le Gaz'Art, Paris:

o1: Locked
02: Holy Shit
03: Lost Friends
04. Facing The Ocean
05; Prison Of Gold
06: Shout Or Shut Up
07: The Young Man And The Sea
08: Laissez-Nous Là
09: ?
10: The Shepherd

Weiter im Programm ging es mit der Band Dark Dark Dark aus Amerika. Die nette Truppe um die Pianistin (schon wieder eine!) Nona Marie Invie bot harmonisch warmen Kammerpop mit Kontrabass und Akkordeon. Ich kannte die Amis vorher überhaupt nicht, war aber auf Anhieb von ihnen angetan. Allein schon die Stimme von Nona Marie, klanglich irgendwo zwischen Cat Power und Regina Spektor, ein Genuß. Auch die feinen Songs hatten es in sich. Sie erschienen wie der perfekte Soundtrack zu dem tristen Novemberwetter, an ihnen konnte man sich sein frierendes Herzelein erwärmen. Jedes einzelne Lied war so feierlich und schön, daß man fast traurig war, wenn es verklang. Die Schweden Thus:owls sind eine stilistisch ähnliche Band, aber Dark Dark Dark haben mich noch mehr überzeugt als die Skandinavier. Kauft ihre CDs The Show Magic und Wild Go, ihr werdet es nicht bereuen!

Setlist folgt.




Donnerstag, 26. November 2009

Seeland, Kumisolo, Gablé, Paris, 25.11.09

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Konzert: Seeland & Gablé & Kumisolo

Ort. Glaz'Art, Paris
Datum: 25.11.2009
Zuschauer: leider etwa nur zur Hälfte gefüllt
Konzertdauer: von 20 Uhr 30 bis über 24 Uhr hinaus!



Schon interessant: Heute war im Gegensatz zu gestern als Cymbals Eat Guitars und die Antlers im Nouveau Casino auftraten, niemand von der Blogothèque da, aber die Konzerte im Glaz'Art waren allemal spannender. Müssen es denn immer amerikanische Bands sein, damit sie von der hippen Bloggerszene verfolgt werden? Anscheinend schon.

Dabei waren die drei Jungs und das eine Mädel von Gablé aus Caen bzw. Paris wirklich einer der faszinierendsten und ungewöhnlichsten Acts, den ich seit langem gesehen habe. Welchen Stil sie pflegen? - Ihren ganz eigenen! Sie klangen nach keiner anderen Band, die ich bisher erlebt hatte. Auf absolut verblüffende Weise vermischen sie Lo-fi-Folk, Hip Hop und Indierock zu einem einzigartigen Cocktail, der einem die Sinne raubt. Man muss schon weit ausholen, um Bands zu zitieren, die zumindest gewisse Ähnlichkeiten mit Gablé haben. Tunng könnte man nennen, die Akron/Family, Why?, Animal Collective, Gustav, François Virot, oder auch Daniel Johnston, den sie verehren. Mit dieser losen Aufzählung kommt man aber nicht allzuweit, denn alles trägt die Duftnote von Gaelle, Thomas, Mathieu und Olivier, die sich königlich amüsierten und damit auch das Publikum ansteckten. Abgefahren wie einer der Burschen immer eine Gemüsekiste aus Holz vor sein Gesicht hielt, was im Publikum damit gekontert wurde, daß jemand den Deckel eines Katzenklos in die Höhe reckte!

Gablé boten ein Set voller stilistischer Brüche, überraschender Wendungen und Tempowechseln. Die Zuschauer wurden regelmäßig auf dem falschen Fuß erwischt und bedankten sich mit lautem Gejohle und Szenenapplaus. Coolste Lieder der Band, die zwei Alben auf ihrer Habenseite verbuchen kann (Guitars With A Cloud Of Milk 2008, I'm Ok, 2009) sind sicherlich Drunk Fox In London und das urkomische Walking ("I've been walking for hours"), aber das Tollste ist, daß bei ihnen jedes Stück anders klingt.

Was für ein kreativer Haufen, diese duchgeknallten Franzosen! Eine der interessantesten Neuentdeckungen des Jahres, keine Frage!

Vor Gablé waren allerdings schon zwei weitere Acts aufgetreten. Anabel's Poppy Day hatte ich leider verpasst, weil ich die falsche Metroverbindung genommen hatte und somit wertvolle Zeit verlor, aber von Seeland bekam ich jede Minute mit. Seeland stammen aus Birmingham, Großbritannien und klangen live für mich in erster Linie nach The Wedding Present. Die Grabesstime des blonden Sängers erinnerte aber auch an Ian Curtis. Von Anfang an war ich von dem klassischen, melodiösen Britpop angetan. Das machte richtig Laune. Dominierend waren Gitarren und polternde Bässe, so daß ich wirklich an Bands der Factory-Arä dachte. Seltsamerweise klingt das erste Album (das ich mir hinterher gekauft habe) aber ganz anders, als das, was ich und die anderen gestern im Glaz'Art zu hören bekamen. Es ist wesentlich elektronischer und poppiger und die Gitarren sind in den Hintergrund gedrängt worden. Schon seltsam, daß es zwischem der Musik aus der Konserve und dem Liveerleben oft so große Unterschiede gibt. Live fand ich Seeland hervorragend, das Album, das nach eigenen Angaben von den Beach Boys und den deutschen Elektropionieren Harmonia beeinflusst ist, begeistert mich aber bisher nicht sonderlich. Es ist mir eine Spur zu glatt und zu harmlos. Es fehlt genau der Biß, der im Glaz'Art gezeigt wurde und mich das gut dreißigmnütige Set in vollen Zügen genießen ließ. Aber nun gut, zumindest eine Konzertempfehlung kann ich für Seeland geben, das ist ja auch schon einmal etwas.

Auszug aus der Setlist Gablé, Glaz'Art, Paris:


- First Lady Of A President
- Chaos
- Walking
- Boring
- Chicken
- Lux Interior End
- Drunk Fox In London


Setlist Seeland, Glaz'Art, Paris:

01: 5 am
02: Captured
03: Turnaround
04: Crimson
05: Circles
06: Hang On Lucifer
07: Goodbye
08: Static Objects
09: Call The Incredible
10: Black Dot


Es war schon fast mitternacht als die süße Japanerin Kumisolo an den Start ging. Die Frau mit dem klassischen Pagenschnitt ist Teil der Pariser Girlgroup The Konki Duet, aber seit gut einem Jahr auch solo unterwegs. Kürzlich ist ihr erstes Album My Love For You Is A Cheap Pop Song erschienen und hat glänzende Kritiken eingefahren. Das renommierte Musikmagazin Rock & Folk schlägt Kumisolo gar als eine der Künstlerinnen des Jahres vor. Stilistisch ist das Ganze eindeutig zu verorten: POP! Zuckersüß, unschuldig, charmant, eine Spur kitschig, und sehr 80ies -lastig. Kumi verkörpert für mich eine typische Japanerin, sie ist fashion addict, trendy und liebt knallbunte Farben und pluckernde Elektro Beats. Zudem hat sie einen unwiderstehlichen Lolita-Charme, dem man sich kaum entziehen kann. Wenn sie auf französisch singt, dann schmunzeln alle Franzosen im Saal und würden sie am liebsten knuddeln! Irgendwie klingt sie auch ein bißchen nach Au Revoir Simone und das ist ja überhaupt nicht verkehrt. Dadurch, daß sie jetzt live immer einen Bassisten dabei hat, ist auch der Sound polternder und waviger geworden und wirkt weniger clean und geschmirgelt.

Am Tollsten ist es aber, wenn Kumisolo auf japanisch singt, dann denkt man unweigerlich an Deerhoof oder auch Pizzicato Five. Unf für Überaschungen ist sie immer gut, das Covern des Bob Dylan Klassikers Mr. Tambourine Man ist wohl der beste Beweis dafür. Insofern schade, daß ich das Konzert nicht mehr zu Ende sehen konnte. Ich musste mich sputen, um die letzte U-Bahn zu erwischen und verließ nach Coeur Fragile das Glaz'Art.

Setlist Kumisolo, Glaz'Art, Paris:

01: Intro

02: Etude Pour Kinoko
03. Cheap Pop Song
04. Confiance Absolue
05. Mr. Tambourine Man
06: Coeur Fragile
07: Nasty Boy
08: ...
09: I Know What Boys Like
10: Dance Music
11: Vodka


- Videoclip Kumisolo- Dance Music
- Kumisolo Mr. Tambourine Man live



Mittwoch, 11. November 2009

All Smiles, Fairguson, u.a., Paris, 10.11.09

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Konzert: All Smiles, The Patriotic Sunday, Fairguson, Safeashome (Carte Blanche aux Boutiques Sonores)
Ort: Le Glaz'Art, Paris
Datum: 10.11.2009
Konzertdauer: insgesamt über 3 1/2 Stunden



Wenn man so klingt wie Grandaddy, dann spielt man irgendwann auch zusammen mit Grandaddy.

Halt, gleich zwei Ungenauigkeiten in einem Satz. Wie jeder Musikfreak weiß, gibt es die Band Großvater nicht mehr und außerdem klingen die heute im Glaz'Art aufspielenden Franzosen Fairguson nicht nur nach der ehemaligen Gruppe um Bandleader Jason Lyte, sondern auch nach Midlake, Syd Matters und vor allem sich selbst. Und auch Jason Lyte war heute nicht am Start, sondern Jim Fairchild, ein kalifornischer Singer/Songwriter, der bis zum Split 2006 Giarrist von Grandaddy war und auch schon bei Modest Mouse die Elektrische hielt. Sein Projekt nennt sich All Smiles und ist eigentlich eine Band mit wechselnder Besetzung, in der schon Mitglieder von Indiegrößen wie Sleater Kinney, Modest Mouse, Menomena und Great Northern mitwirkten (und teilweise immer noch wirken).

Entsprechend groß war die Erwartungshaltung, aber leider wurde es nicht so gut wie erhofft. Jim Fairchild kam ganz alleine mit seiner Akustikgitarre und schaffte es nicht, mich zu berühren. Sein Set rauschte weitestgehend an mir vorbei. Woran das lag, ist schwer zu sagen. Seine an Elliott Smith erinnernde Stimme ist eigentlich genau mein Fall, sein Songwriting ist subtil und seine Referenzen einwandfrei. Dennoch: ich langweilte mich. Vielleicht sind die von einer mehrköpfigen Band arrangierten Lieder einfach nicht dazu geeignet, solo und mit Holzklampfe vorgetragen zu werden. Dabei hing er sich eigentlich wirklich ins Zeug, schrammelte auf ziemlich innovative Weise auf seiner Akustischen und war auch happy in Paris zu sein. Erst gegen Ende kam ich besser rein und genoß das letzte Drittel. Schon verrückt, mir gefällt jedes einzelne Lied auf seiner MySpace Seite und ich muß mir deshalb wohl auch die beiden Alben zulegen (Ten Readings Of A Warning 2007, Oh For The Getting And Not Letting Go 2009), sein Konzert war aber nur mittelmäßig prickelnd. Der Ton ließ allerdings auch zu wünschen übrig.

Darunter hatten dann auch die Franzosen Fairguson zu leiden. Davon in Kürze mehr...

Setlist All Smiles, Glaz'Art, Paris

01: Pile of Burning Leaves
02: Brother I Know My Way
03: I Was Never The One
04: It Never Saves Me
05. Our Final Roles As Birds
06: Sprinting Hyphens
07: Tired Jaws
08: The Ones I Want To Live
09: I Know It's Wrong
10. Leave Love
11: The Brightest Beyond

All Smiles bei Wikipedia

Fotos in Kürze!

Konzertdaten von All Smiles:

11.11.09: d:qliq, Luxemburg
12.11.09: Hafen 2, Offenbach
13.11.09: Le 8, Montpellier





Donnerstag, 3. September 2009

Farewell Poetry & Heligoland, Paris, 02.09.09

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Konzert: Farewell Poetry & Heligoland (Jason Edwards)

Ort: Le Glaz'Art, Paris
Datum: 02.09.2009
Zuschauer: mittelere Raumauslastung
Konzertdauer: insgesamt mindestens 2 1/2 Stunden



Fans der Stilrichtungen Post-Rock, Shoegaze, Post-Punk aufgepasst: Ich habe zwei heiße Tips für Euch!

Über den ersten, Farewell Poetry, bin ich quasi in meiner Wohnung gestolpert, denn die beiden Macher des Projekts, Frédéric D. Oberland und seine Freundin Jayne Amara Ross saßen bei der Oliver Peel Session mit Simone White als Gäste auf unserer Couch (siehe Bild rechts). An jenem unvergesslichen Tag war die Pariser Akordeonspielerin Jeanne Madic aktiv beteiligt, denn sie eröffnete auf brilliante Weise für Simone. Damals war Jeanne aber noch nicht Teil des Farewell Poetry Kollektivs, diese Verbindung muß also erst in den letzten Wochen zustande gekommen sein.

Erst in den letzten Tagen erfuhr ich, daß Jeanne (Foto links) zusammen mit Farewell Poetry im Glaz'Art auftreten würde. Ich freute mich riesig, Jeanne wiederzusehen, denn sie ist nicht nur eine außergewöhnliche (und ungewöhnliche!) Künstlerin, sondern auch ein ganz lieber, warmherziger Mensch. Aber entgegen der ursprünglichen Ansetzung sollten Farewell Poetry erst ganz am Ende auftreten. Zuvor gab es noch den musikalisch guten, mir an diesem Tage aber zu getragenen Amerikaner Jason Edwards mit seiner vielköpfigen Band. Der Bursche macht wüstensandgeschwängerten Folk, der an Tom Waits oder Bob Dylan erinnert. Sein Indiehit heißt Codeine und den sollte man sich auf seiner MySpace Seite mal anhören.


Nach Jason Edwards waren dann die inzwischen in Paris lebenden Australier Heligoland an der Reihe. Die von der Sängerin und Akustikgitarristin Karen Vogt angeführte Band ist in den letzten zwei Jahren in europäischen Indieclubs schon viel rumgekommen. In Deutschland spielten sie dieses Jahr bereits im Gleis 22 in Münster, im Bett in Frankfurt und im Schokoladen in Berlin, aber auch in Prag und Luxemburg sind sie schon aufgekreuzt. Heute aber nun wieder einmal ein Termin in der Wahlheimat Paris. Und das Konzert hielt, was es versprach, denn Karen hat nicht nur eine ganz wunderbare, warme und sinnliche Stimme, sondern verfügt auch über ein sympathisches Wesen. Hinzu kommt, daß ihre männliche Begleitband einen hochdramatischen, zum Träumen animierenden Post-Rock/Dream Pop- Sound kredenzte, der mit herrlichen kleinen Gitarrenmelodien gespickt war. Der kahlköpfige Gitarrist arbeitete dermaßen hart an seinen feinen, sphärischen Riffs, daß ihm der Schweiß nur so von der Stirne tropfte, während der Basser mit geschlossenen Augen vor sich hin schwelgte. Den französischen Drummer konnte man leider kaum sehen, aber auch er war ganz ausgezeichnet. Obwohl ich zuvor nie von Heligoland gehört hatte, gibt es die Band schon einen ganze Weile, seit 1999 bestehen sie schon, aber vermutlich nicht genau in der heutigen Besetzung. Im Moment arbeiten sie an Album Nummer 3, wovon auch die meisten Stücke des heutigen Sets stammten. Sehr sehr vielsprechende Stücke im Übrigen, die die Qualität der Songs von den Vorgängern A Street Between Us und Shift These Thoughts noch locker toppen sollte. Eine Perle von A Street Between Us wurde uns aber auch gegönnt und zwar Red Pocket, das man sich in Ruhe bei Last Fm anhören kann. Ein bildhübsches Lied, das getragen beginnt und sich im weiteren Verlaufe immer mehr verdichtet und von hochmelodischen Gitarren wie auf Flügeln getragen wird. Zum Abschluß gab es dann noch Cabo De Gata von Shift These Thoughts und hinterher war klar, daß ich soeben eine potentielle neue Lieblingsband gesehen hatte!


Setlist Heligoland, Glaz'Art, Paris:

01: Kiss Kiss Bang Bang
02: Nearness
03: Speedy
04: Landscape
05: Mapping
06: I'm In Love
07: Red Pocket
08: A Year Without Sunlight
09: Cabo De Gata

Es war schon weit nach 22 Uhr, als Farewell Poetry begannen, ihren ganzen "Kram" auf der Bühne auszubreiten. Hierzu gehörten zwei aufgeklappte Koffer, in denen sich allerlei mysteriöse Steckverbindungen befanden, zwei schwarze Raben, Glöckchen an einer Schnur, ein Harmonium, ein Geigenbogen zur Bearbeitung der Gitarre, ein Glockenspiel, ein Akordeon und viele andere spannende Geräuscherzeuger. Ganz in der Mitte der Bühne hatte sich die höllisch attraktive rothaarige Jayne Amara Ross postiert, die in der Folge für den sinnlichen Sprechgesang verantwortlich war, mit dem jedes der fünf endlos langen Lieder eingeleitet wurde. Der Start wurde mit Hymn (The Martyrs' Mount) gemacht und sofort breitete sich eine dichte, düstere und gespenstische Atmosphäre aus. Jayne und ihr Partner Frédéric sind stark vom Film beeinflusst und vertonen ihre verträumten Gedanken, so daß man quasi Zeuge eines Soundtracks wird. Welche Filme sie wohl inspiriert haben? Das müsste man sie schon selbst fragen, aber es versteht sich, daß es keine Hollywood Blockbuster waren, sondern sehr spezielle, experimentelle und pechschwarze Werke. Mir persönlich lief ein kalter Schauer nach dem anderen über den Rücken und als am Ende des Stücks die postrockigen Gitarren losjaulten, wurde ich bis auf den Mond geschossen! Ich war völlig in den Bann gezogen und konnte meine Augen nicht von der bildhübschen und mysteriösen Jayne nehmen. Traumversunken brabbelte sie auch beim dritten Lied, January: In The Bold Jaws Of Beartraps einen mit völlig verrauchter Stimme vorgetragenen Text, indem teilweise auch vulgäre Ausdrücke wie "fuck" oder "cock" vorkamen. Erotisiert taumelte ich durch 10 Minuten purer Dramatik und war von dem sinnlichen Spektakel wie benommen.

Beim letzten Lied schließlich, wurde ein weißer Vorhang, der als Leinwand diente, aufgespannt. Hinter diesem spielten die Musiker den Track As True As Troilus , der mit schwelgerischen Gitaren im Stile von Explosions In The Sky aufwarten konnte. Vorne lief unterdessen ein Filmchen ab. In rascher Folge sah man einen Mann mit Pferdekopf (Eselkopf), weiße Mäuse, Umrisse einer düsteren Stadt (ich dachte an Edinburgh) und eine weißgelockte laszive Frau. Es war ein Fest für alle Sinne! Mindestens 10, eher 15 Minuten lang, wurde eine knisternde Stimmung aufgebaut, die sich schließlich in wildem Lärm und Schlagzeugdonnerhagel entlud.

Farewell Poetry hatten mich weidwund geschossen und mit offenem Munde zurückgelassen. Meine Hände zittterten und mir warm unsäglich warm. Was für ein schaurig-schöner Schocker!


Setlist Farewell Poetry, Glaz'Art, Paris (merci à Jayne et Frédéric!):
01: Hymn (The Martyrs' Mount)
02: Hope
03: January: In The Bold Jaws Of Beartraps
04: An Under-Worked Horse Is An Unsafe Ride
05: As True As Troilus (Film)

Pour nos lecteurs français:

Très belle programmation pour les fans de Post Rock/Post Punk, Shoegaze ce soir au Glaz'Art de Paris! Avec les australiens Heligoland (exilés à Paris) et Farewell Poetry de Paris, il y avait même deux nouvelles perles de ce genre à découvrir. Même si la qualification "nouvelle" n'est pas forcément le cas pour Heligoland, puisque le groupe avait déjà publié leur premier Ep éponyme en 2000. Depuis ils ont fait du chemin, publié deux albums complets et tourné un peu partout en Europe. Mené par la chanteuse Karen Vogt, ils ont proposé à un public ravi leurs tous nouveaux morceaux de l'album à venir. Karen possède une voix cristalline et sensuelle que le groupe épaulait à merveille. Guitares aériennes, son dramatique et post-rock, les Heligoland ont su me rallier à leur cause.

Le collectiv Farewell Poetry ensuite, mené par la très belle chanteuse rousse Jayne Amara Ross et le guitariste Frédéric (ex 21 Love Hotel) a donné un spectacle dense, féerique et envoûtant. Très inspiré par le cinema, le groupe qui compte 7 membres : Frédéric D. Oberland (guitare électrique, harmonium, field recordings), Dave Olliffe (guitare électrique, baryton), Jayne Amara Ross (mots, sampler, projections Super ( & 16 mm N&B), Michel Aubinais (batterie), Colin JohnCo (feedbacks analogique, mpc), Jeanne Madic (accordéon), Eat Gas (Guitare électrique, glockenspiel), m'a laissé complètement bouche bée avec des compositions sombres, ultra-complexes et pleines d'élégance. Les morceaux longs et dramatiques ont souvent commencé par le spoken word de Jayne dont la voix rauque m'a donné la chair de poule, et terminé par des solos de guitares melodiques, post-rock et noisy. C'était un spectacle pour tous les sens, beau, sensuel et hypnotique. À la fin il y avait même un petit court-métrage à admirer. Le groupe jouait derrière le rideau et sur l'écran (un drap blanc) on voyait la silhouette d'une vieille ville fortifiée ,un homme à tête de cheval, des souris blanches et une vamp à chevulure bouclée!
Quelle belle découverte! Quel groupe creatif et innovateur! Je suis persuadé qu'on va beaucoup entendre parler d'eux à l'avenir!

Links:

- mehr Fotos von Heligoland hier
- mehr Fotos von Farewell Poetry hier

- charmante Videosession von Le Cargo mit Heligoland: Hier performen sie Nearness auf einer Parkbank in Paris. Der Wind bläst, aber Karens eindringliche und wunderschöne Stimme überdeckt alle Geräusche, auch diejenigen von vorbeifliegenden Tauben. Toll!
- Ausschnitt aus dem Film von Farewell Poetry, As True As Troilus



Samstag, 4. Juli 2009

Marie-Flore & Serafina Steer, Paris, 03.07.09

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Konzert: Marie-Flore & Serafina Steer

Ort: La Plage de Glaz'Art, Paris
Datum: 03.07.2009
Zuschauer: 150 vielleicht?
Konzertdauer: jeweils ca. 40 Minuten



Strandfeeling mitten in der Großstadt: Wäre die Sicht nicht durch den Blick auf den häßlichen Hotelklotz getrübt, könnte man sich hier glatt am Mittelmeer fühlen. Klar, ein bißchen Fantasie braucht man dafür, aber Sand, Liegestühle und ein Barbcecue gab es am Plage de Glaz'Art zumindest schon einmal. Fast romatisch, wären da nicht die zwei ekligen dicken Ratten gewesen, die durch die Bambuszäune hindurchgekrochen kamen und sich unmitellbar in Grillnähe ein kleines Kämpfchen lieferten. Owlle, die Freundin von Marie-Flore, die auch bei den letzten zwei Titeln des Sets aufs Lieblichste mitzwitscherte, war plötzlich hellwach und ließ einen spitzen Schrei los. Das war vor der Show. Während des Konzertes der zarten Pariser Folkeuse Marie-Flore ließen sich die Ratten zum Glück nicht mehr blicken und man konnte ungestört die neuen Titel genießen. Davon gab es eine ganze Menge, gleich der Opener war bisher unbekannt. Born And Raised hieß er und vereinte sämtliche Qualitäten der 22 Jährigen: die samtweiche Stimme mit dem zarten Schmelz, das einfühlsame Gitarrespiel und die unwiderstehliche Melancholie, die sich durch sämtliche Stücke zieht. Auch I Remember und When I Was Young waren nagelneu, während Trapdoor (hierzu gibt es ein Video, hier!) und Half Past Three (B-Seite ihrer ersten Single) schon fast als Klassiker zu bezeichnen sind. Aber gemeinsam mit Owlle ist das Ganze vielleicht sogar noch schöner, denn die beiden hübschen Stimmen passen ganz hervorragend zusammen und somit waren Soft Divide und Chances Are wahrlich ein Genuß. Eigentlich wollte Marie-Flore danach schon verschwinden, aber so leicht ließ ich sie nicht gehen: Ich forderte vehement ihren betörenden Hit Empty Walls (hier in einer charmanten Cargo Session) und da ich hierbei Unterstützung von einem anderen Fan erhielt, wurde mein Wunsch schließlich erfüllt.

Wie immer prima! Und die erste EP More Than Thirty Seconds If You Please wird im September erscheinen, darauf freue ich mich schon sehr!

Setlist Marie-Flore, La Plage de Glaz'Art, Paris:

01: Born And Raised
02: Trapdoor
03: Made Of Sticks
04: Night Disorder
05: While You Were There
06: I Remember
07: When I Was Young
08: Half Past Three
09: Soft Divide
10: Chances Are

Danach ging Serafina Steer zusammen mit ihrer Freundin Polly Huggett an den Start. Serafina kannte ich schon, denn ich hatte die britische Harfespielerin im Vorprogramm des Comeback-Konzerts der Young Marble Giants in Boulogne Billancourt gesehen und war auf Anhieb angetan. Allerdings erschein sie damals alleine und entlockte ihrer Harfe wundervollste Töne. Wahrscheinlich hatte sie in der Zwischenzeit Lust auf ein wenig Veränderung, möglicherweise war ihr der klassische Solo-Vortrag an ihrem Instrument zu eintönig geworden und so lief sie heute mit einer Keyboarderin auf. Polly harmonierte mit Serafina ganz hervorragend. Nicht nur ihre Fingerfertigkeit an dem kleinen Casio war verblüffend, sondern vor allem ihr Gesang wunderwunderschön. Fingerfertigkeit und zwar in höchster Vollendung war natürlich auch Serafina selbst zu bescheinigen. Sensationell wie sie mit einer Hand Harfe spielte und mit der anderen in die Tasten des Keyboards griff! Und diese beiden Stimmen im Chor, zum mit der Zunge schnalzen! Ich war hin und weg, zumal mich der Gesang von Serafina an meine Lieblingssängerin, die früh und tragisch Verstorbene Sandy Denny (Fairport Convention) erinnerte. Auch wenn sie zwischen den Songs Ansagen machte, erinnerte sie an Sandy, das gab mir fast Stiche ins Herz. Was die englischen Folksängerinnen in den letzten zwei Jahren mit mir anstellen, ist sowieso schon fast gemein zu nennen. Sharron Kraus, Mary Hampton, Rachael Dadd, Laura Marling, soviele würdige Nachfolgerinnen von Sandy, die mich mit ihren traurigen, aber dennoch profund schönen Songs regelmäßig an den Rande der Tränen treiben, sobald ich ihre puren Stimmen höre. Seltsam, daß von den Vorgenannten lediglich Laura Marling einem breiteren Publikum bekannt ist, denn die anderen haben mindestens genauso viel auf der Pfanne. Aber so ist dan nun einmal, Gerechtigkeit gibt es in auch in der Folkszene nur bedingt, aber ich habe bei Serafina den Eindruck, sie kann damit sehr gut leben. Sie ist mit ihren 27 Jahren reif genug, um zu wissen, daß nicht nur schnelle kommerzielle Erfolge zählen. Wichtig ist letztlich die Leidenschaft für die Kunst und die Fähigkeit das Publikum, bestehe es auch nur aus einigen eingeweihten und gutinformierten Insidern, emotional zu erreichen. Und das schafft sie ganz hervorragend. Lieder wie Motion Pictures oder Cheap Demo Bad Science & Horton Jupiter sind einfach ein Fest für die Ohren und wenn die beiden dann auch noch Morrissey auf fast genial zu nennende Weise covern (Suedehead), ist das Glück perfekt. Wahrscheinlich war auch der Pariser Himmel angetan von dieser exquisiten Darbietung, denn er zeigte sich in den dramatischsten Farben und untermalte perfekt die wunderbare Atmosphäre.

Wenn da nicht der eingangs erwähnte Hotelklotz gewesen wäre...

Aber: träumen heißt auch häßliche Dinge auszublenden und sich nur auf das Sublime zu konzentrieren. Danke Marie, Flore, danke Serafina, ihr habt mich 90 Minuten lang auf eine Wolke gebettet.

Setlist Serafina Steer, Plage de Glaz'Art, Paris (thanks to Serafina!):

01: G.S.O.H.
02: Motion Pictures
03: Port Isaac
04: Trucker
05: Ulular
06: Margoton
07: Suedehead
08: Tiger
09: By This River
10: Curses Curses
11: Cheap Demo Bad Science & Horton Jupiter

Links:

Videos: Serafina Steer - Tiger
Suedehead live
Curses Curses BBC Collective Session



Freitag, 22. Mai 2009

Arch Woodman, Fairguson u.a., Paris, 21.05.09

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Konzert: L'Ascensationelle des Boutiques Sonores, mit Arch Woodmann, Jordan, Fairguson, (und Montgomery und Fordamage, die habe ich aber nicht mehr gesehen)

Ort: Le Glaz'Art, Paris
Datum: 21.05.2009
Zuschauer: recht gut gefüllter Laden



An Christi Himmelfahrt beehrten fünf tolle Indiebands aus Frankreich das Glaz'Art und das Ganze kostete auch nur 5 Euro Eintritt. Aber jede einzelne Band war so viel mehr als 1 Euro wert! Hier und heute wurden aufstrebende Bands präsentiert, die in den nächsten Monaten und Jahren noch von sich reden machen werden. Besonders Arch Woodmann, über die wir bereits auf dem Konzerttagebuch berichtet hatten, bestätigten den guten Eindruck, den ich von ihnen im Point Ephémère vor ein paar Wochen gewonnen hatte. Mehr noch, sie waren noch besser als ich das in Erinnerung hatte. Ihr zwischen Folk, Noise-und Postrock angesiedelter Sound ist sehr komplex, ausgeklügelt und voller Finessen. Ursprünglich wohl lediglich das Projekt des Franzosen Antoine, kann man inzwischen von einer vollwertigen Band sprechen, in der fünf junge Musiker hochinspiriert zu Werke gehen. Vor allem die süße Flötistin Lucie, die auch für herrlichen Glöckchenklang sorgt und der bärtige Gitarrist, der sein Arbeitsgerät teilweise mit einem kleinen metallenen Stab (wie nennt man so etwas genau?) bearbeitete*, verdienten sich Bestnoten. Das Quintett, das aus der Bretagne und der Normandie stammt, performte Songs von seinem vorzüglichen Album Draped Horse Blue Licorne Argentée Feather Blue, von denen mir das an My Bloody Valentine erinnernde Hunter und das abschließende All Parades And Marches besonders gefielen. Klarer Tip!

Mit den anschließend startenden Jordan tue ich mich da etwas schwerer. Nicht, weil sie schlecht wären, sondern weil ihr Musikstil, der stark von Bands wie At The Drive In und den Blood Brothers beeinflusst ist, nicht unbedingt mein Lieblingsgenre ist. Will heißen: Es wird mir zu viel gebrüllt und gekrächzt, das vertragen meine alten Ohren nicht mehr so gut. Allerdings konnte ich heute doch auch einige melodische Parts raushören und live sind sie absolut druckvoll und energisch. Deshalb sollten deutsche Fans von At The Drive In bzw. Mars Volta auch die folgenden drei Konzerttermine von Jordan in ihrem Kalender eintragen:

09.06.2009: Astrastube, Hamburg
10.06.2009: Lokal, Berlin
12.06.2009: Hempels, Augsburg

Fairguson waren schließlich ganz wunderbar. Eine mehrköpfige Band, zu deren countrylastigen Klängen man so richtig genüßlich schwofen kann. Ich glaube die Jungs hören privat die gleiche Musik wie ich, den man kann gut einige meiner Lieblingsbands heraushören, z.b. Syd Matters, H-Burns, Grandaddy, Midlake und Vetiver. Besonders schön war es für mich, vor dem Konzert ein paar Takte mit dem Keyboarder zu wechseln, der im Rollstuhl sitzt. Als ich ihm erzählte, daß ich sie schon einmal im Pop In gesehen hatte und sehr mochte, war er aufrichtig gerührt und faltete seine Hände zum Dank wie ein Priester. Ich finde es ganz großartig, daß die anderen Bandmitglieder ihn so toll integrieren, es ist wahrlich nicht so leicht, als Körperbehinderter auf die Bühne und die Kabinen zu kommen. Er ist auf die Hilfe der anderen angewiesen und die Jungs sind in der Hinsicht ganz prima, ganz wie ihre wunderschöne Musik. Bravo! Und Homecoming ist für mich jetzt schon eines der Lieder des Jahres.


Pour nos lecteurs français: Chronique à venir.

- Mehr Fotos von Arch Woodmann hier
- Mehr Fotos von Jordan hier
- Mehr Fotos von Fairguson hier


* diese Technik kann mann auch in einer charmanten Balkon Session bewundern. Arch Woodmann /From These Lands. Toll! Klick!
- eine weitere Outdoor Session mit Arch Woodmann auf einem kalten Pariser Balkon im Januar. Der arme Kerl friert ganz offensichtlich. Aber er hat ja Ohrenschützer. Prima! Klick!



Sonntag, 12. Oktober 2008

Marie Flore, Paris, Paris, 11.10.08

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Konzert: Marie-Flore (You and You)
Ort: Le Glaz'Art, Paris
Datum: 11.10.2008
Zuschauer: ca. 70-80
Konzertdauer: ca. 35 Minuten



Seitdem ich Marie-Flore 2007 im Vorprogramm der New Pornographers gesehen habe, versuche ich, kein Konzert dieses aufgehenden Sterns am Pariser Folkhimmel zu verpassen.

Das letzte Mal habe ich sie im Mai im Divan du Monde erlebt. In der Zwischenzeit ist schon wieder einiges bei der jungen Dame mit den wunderschönen Augen passiert. So wurde bekannt, daß im Januar 2009 endlich die erste EP mit 6 Tracks auf den Markt kommen wird und schon jetzt gibt es einen nagelneuen Videoclip zu bewundern, den der talentierte Gautier gedreht hat. Der Filmer hat die hübsche Marie-Flore dabei gekonnt in Szene gesetzt, sie wirkt in dem kurzen Streifen auf natürliche Weise sinnlich und verführerisch. Zu dumm nur, daß sie in dem in einem Wohnwagen gedrehten Clip anscheinend etwas mit einem anderen Typen hat! Da kann man glatt neidisch werden...

Noch besser als ein Video ist aber natürlich der Livegenuss der jungen Künstlerin. Es ist immer wieder charmant anzusehen, wenn sie auf niedliche Weise schüchtern das Mikro schnappt und kurz und knapp "Bonsoir" sagt, bevor sie kurzentschlossen loslegt. Auch sonst bleiben ihre Ansagen sehr knapp, selbst ihren Namen erwähnt sie immer nur beiläufig, so als wäre ihr das alles ziemlich peinlich. Dabei hat sie eigentlich gar keinen Grund schüchtern zu sein, denn sie hat wirklich eine sehr schöne, warme und sinnliche Stimme. Meist haucht sie die ihre melancholischen Lieder nur ganz sanft und wird deshalb teilweise schon mit Cat Power verglichen. Aber hängen wir den Korb nicht zu hoch und hüten uns davor, junge Talente zu verheizen! Marie-Flore's Schultern wären zu schmal, um unnötigen Druck zu ertragen. Erfreuen wir uns eher an den gelungenen Liedern, die man auf der Ep genießen werden kann. Empty Walls wird mit Sicherheit darunter sein, eine irre schöne Ballade, ein Lovesong natürlich. Auch hierzu gibt es einen wunderbaren Videoclip, den man sich unbedingt ansehen sollte. Ebenfalls gesetzt dürfte Half Past Three sein. Verträumt, sentimental, spärlich instrumentiert, ein Seelentröster par excellence...

Im Vordergrund stand heute aber vor allem Trapdoor, weil es eben hierzu den neuen Videoclip gibt. Wenn man sich den ansieht- und hört fällt einem sofort das Banjo auf und ganz dezent gibt es auch Saxofonklänge. Live kam Marie-Flore aber bisher immer nur alleine mit der Gitarre, so daß man sich das Ganze reduzierter vorstellen muss. Aber ausgerechnet den rockigsten Titel im Programm, While You Were There versemmelte die Gute leider ein wenig. Etwas verunsichert schaute sie in die Runde und fragte die Zuschauer, ob sie zum nächsten Lied übergehen, oder das Stück noch einmal wiederholen solle. Das Votum war eindeutig, der Song wurde noch einmal angestimmt und im zweiten Anlauf passte alles! Dieser kleine Patzer machte aber überhaupt nichts, denn für mich persönlich müssen Konzerte nicht immer hundert 100 % perfekt und fehlerfrei sein. Und die Routine wird kommen, da bin ich ganz sicher.

Ohne weitere Fehlerchen wurde dann der Rest des Sets bestritten. Das gespielte Lied Street findet man auch bei Youtube und das abschließende Downtown (ein künftiger Hit!) kann man sich in Ruhe auf der MySpace Seite der Künstlerin anhören. Dort ertönt dann auch wieder ein stimmungsvolles Banjo.

Schön!

Und schön war übrigens auch das, was die nachfolgende Band You and You bot. Ich kann wirklich empfehlen, in ihre hübschen Folkpop-Songs mal reinzuhören!

Setlist Marie-Flore, Glaz'art, Paris:

01: Sweet To The Taste
02: Trapdoor
03: While You Were There
04: Empty Walls
05: Street
06: Twist Me
07: Half Past Three
08: Downtown



Links:

- mehr Fotos von Marie-Flore hier
- Videoclip Trapdoor (angucken!)
- Videoclip Empty Walls
- Half Past Three live im Divan du Monde
- Empty Walls live im Divan du Monde





 

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