Mittwoch, 8. Juli 2009

Lambchop, Köln, 07.07.09

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Konzert: Lambchop
Ort: KulturKirche Köln
Datum: 07.07.2009
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: 97 min

Bericht und alles andere folgt ganz schnell! Ein wundervolles Konzert an diesem Tag, an dem die ganze Welt über einen anderen Musiker spricht.


Auszüge aus der Setlist Lambchop, KulturKirche Köln (wird ergänzt!):

01: The old gold shoe
02: The new cobweb summer
03: Sharing a Gibson with Martin Luther jr.
04: Grumpus
05: Sweet Marie (Crooked Fingers Cover)
06: Slipped, dissolved and loosed
07: Buttons (neu)*
08: What elso could it be?
09: National Talk Like A Pirate Day
10: The distance from her to there
11: ?
12: All smiles and mariachi
13: Up with people
14: ?

15: Is a woman (Z)
16: This corrosion (Sisters Of Mercy Cover) (Z)

17: I threw it all away (Bob Dylan Cover) (Z)


Links:

- Lambchop im Konzerthaus Dortmund am 07.11.08
- Lambchop am 25.10.08 in Paris
- Kurt Wagner gemeinsam mit Calexico am 08.09.08 in Paris




Montag, 6. Juli 2009

Gossip, Mogwai, u.a., Furia Sound Festival, 05.07.09

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Konzert: Furia Sound Festival, 2. und letzter Tag, mit: Tunng, Mono, Herman Dune, Isis, Emiliana Torrini, Gossip, Mogwai, Dillinger Escape Plan, Suicidal Tendencies
...
Ort: Cergy Pontoise bei Paris
Datum: 05.07.2009
Zuschauer. tausende



Kurzzusammenfassung:

Tunng: Leider habe ich einen Großteil des Konzertes verpasst, weil die Anreise von Paris fast 1 1/2 (!) Stunden gedauert hat. Vor allem das abschließende Bullets war aber großartig und sorgte für gute Stimmung. Vermutlich 7,5/10 Punkte

Setlist Tunng:

01: Take
02: Bodies
03: Beautiful And Light
04: Woodcat
05: Tale From Black
06: King
07: Jenny Again
08: Hustle
09: Soup
10: Bricks
11: Bullets

Mono: fabelhafte Entdeckung! Himmelhochjauchzender Postrock aus Japan. Melodisch, dramatisch, packend. Klare Konzertempfehlung: 8/10

Herman Dune: Eine leichte Enttäuschung vor allem für einen Fan wie mich. Das war nicht wirklich aufregend und nur My Home Is Nowhere Without You in einer ziemlich rockigen Version ragte heraus. 6,5/10

Auszug aus der Setlist: Try To Think About Me, Next Year In Zion My Home Is Nowhere Without You, When The Water Gets Cold And Freezes On The Lake

Konzerttermine Herman Dune:

09.07.2009: Ardentes Festival, Liège (Lüttich)
16.07.2009: Montreux Jazz Festival
20.07.2009: Thau Festival
22.07.2009: Bregenz Festival
23. 07.2009: Registratur, München
24.07.2009: Festsaal Kreuzberg, Berlin
25.07.2009: Knust, Hamburg

Isis: Brutal hart, aber dennoch melodisch und euphorisierend. Wäre der diabolische Gesang nicht (wer brüllt da, der Teufel persöhnlich?), würden mir Isis noch deutlich besser gefallen. Aber auch so verbuche ich ihren Auftritt als gelungen: 7/10 Punkte


Konzerttermine Isis:

06.07.2009: Effenaar, Eindhoven
08.07.2009: BHF Langendreer, Bochum
09.07.2009: Wagenhallen, Stuttgart
10.07.2009: Beatpol, Dresden
11.07.2009: Feierwerk, München
12.07.2009: Dachstock, Bern
13.07.2009: Spaziale Festival, Turin
15.07.2009: Exaus Open Air, Trier
16.07.2009: Dour Festival

Emilian Torrini: Gähn! Über weite Strecken zum Einschlafen! Leider! Von der kessen Isländerin hatte ich mir deutlich mehr versprochen, das hier war lediglich halbwegs gefälliger Pop/Rock, der niemandem weh tut. 5,5/10 Punkte

Setlist Emiliana Torrini:

01: Fireheads
02: Heartstopper
03: Big Jumps
04: Nothing Brings me Down
05: Today Has Been OK
06: Sunny Road
07: Me And Armani
08: Birds
09: Ha Ha
10: Gun
11: Jungle Drum

Konzerttermine von Emiliana Torrini:

09.07.2009: Les Ardentes Festival, Lüttich
10.07.2009: Fritz Im Freien, Zitadelle Berlin
20.07.2009: Zeltival Festival, Karlsruhe
24.07.2009: Kulturarena, Jena
25.09.2009: Reeperbahn Festival, Hamburg
29.09.2009: Olympia, Paris (unglaublich, aber wahr!)
04.10.2009: Muffathalle, München
06.10.2009: Live Music Hall, Köln
07.10.2009: Central Station, Darmstadt
08.10.2009: Alter Schlachthof, Dresden

Dillinger Escape Plan:

Deutlich zu viel Gebrüll. Klingt als würde eine Sau geschlachtet. Wir sind hier auf dem Konzerttagebuch, Dillinger Escape Plan überlassen wir der Visions. Ohne Wertung.


Gossip:

Grandios! Beth Ditto ist der größte Rockstar unserer Zeit! Ein fulminanter, hochspektakulärer Festivalauftritt, der kaum zu toppen war. Beim Furia Sound Festival habe ich in den letzten Jahren schon Granaten wie Sonic Youth und Queens Of The Stone Age in Aktion gesehen, aber gegen die urwüchsige Kraft von Beth sind das alles nur kleine Fische. Gossip spielten heute alles in Grund und Boden und walzten platt, was ihnen in den Weg kam. Die Ditto rammte mich mit ihrer unfassbar lauten und durchdringenden Stimme ungespitzt in die Wiese und hinterher fühlte ich mich als hätte mich ein Bus gestreift. Ein tolles Gefühl! Wer kann Beth auf dem Weg nach ganz oben noch aufhalten? Ich sehe da niemanden, die Frau ist ein Vulkan, eine Naturgewalt, ein Weltwunder (deshalb der Titel 8th Wonder?) !!! 10/10 Punkte


Gespielte Songs (Auszug): 8th Wonder, Love Long Distance, ein Auszug von Psycho Killer (Talking Heads Cover, Textzeile "Psycho Killer, qu'est-ce que c'est?"), Listen Up, Yr Mangled Heart, Jealous Girls, Standing In The Way Of Control und zum Abschluß Heavy Cross

Gossip spielen in Deutschland beim Melt! Festival (17. Juli) und am 9. Juli in Hamburg, Docks.

Mogwai:

Majestätisch, dramatisch, brilliant. Präziser und packender kann Instrumentalmusik nicht zelebriert werden. Mein drittes Mogwai Konzert war mit Abstand das beste. Es passte alles: Die Uhrzeit (22 Uhr 20, ideal für diese Art von Musik), die Songauswahl und die Lichtshow. Die Schotten waren sensationell gut und ließen desöfteren meinen Atem stocken! Wie bekifft taumelte ich am Ende mit tauben Ohren über den Rasen und konnte kaum fassen, was ich da zuvor erlebt hatte. Wie ist es möglich, daß solch brachiale Musik gleichzeitig so wunderschön ist? Und wie kann es sein, daß man ohne Texte soviel aussagen kann? Eine essentielle Band, ich würde gerne über die Rauhbeine eine Biografie schreiben, so fasziniert bin ich von ihnen!

9,5/10 Punkte

Setlist Mogwai, Furia Sound Festival, Cergy Pontoise 2009 (Merci à Stéphane!)

01: Friend Of The Night
02: Killing All The Flies
03: I'm Jim Morrison, I'm Dead
04: You Don't Know Jesus
05: Hunted By A Freak,
06: Mogwai Fear Satan
07: Batcat



Suicidal Tendencies: Überlassen wir ebenfalls der Visions und ihren Lesern.

Zum Abschluß hätte ich auch noch einen Geheimtipp des Furia Sound Festivals zu bieten: Yo Yo Acapulco kommen aus Norwegen, lieben den Klang von Ukulelen und sind musikalisch irgendwo zwischen Herman Dune, den Moldy Peaches und Coming Soon anzusiedeln, mit denen sie auch das französische Label Kitchen Music teilen. Charmant!




Samstag, 4. Juli 2009

Get Well Soon, Bonn, 04.07.09

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Konzert: Get Well Soon
Datum: 04.07.2009
Ort: Rheinaue Bonn (Rheinkultur)
Zuschauer: einige Tausend
Dauer: 60 min


"Rheinkultur? Nein, da sind mir zu viele Leute", war die Standard-Antwort, als ich heute erwähnte, daß ich in die Bonner Rheinaue fahren würde. 170.000 bis 200.000 "Kultur"-Freunde finden sich alljährlich in der weitläufigen Grünanlage, um da ohne Eintritt reichlich Bands zu sehen. Solche kostenlosen Riesenveranstaltungen schrecken auch mich kräftig ab, es war allerdings weniger schlimm, als ich gedacht hatte; zwei Drittel der Zuschauer waren immerhin nicht assig und fies! Aber schön ist eine solche Veranstaltung wirklich nicht...

Auf der Suche nach Informationen über das Festival, hatten mich die Veranstalter
heute morgen schon einmal richtig mit perfekter Organisation beeindruckt: nach Informationen wie Zeitplan, Bühnen und Parken guckend, war ich auf der Festival-Homepage gelandet, gar kein schrecklich exotischer Ansatz. Die Website funktioniert allerdings nicht - aber es gibt ja myspace, da fand ich immerhin alles Wissenswerte - zur letztjährigen Ausgabe...

Get Well Soon waren der Hauptgrund der spontanen Entscheidung, nach Bonn zu fahren. Ich war ein paar Minuten zu früh an der blauen Bühne (idiotensicher organisiert; zielgruppenorientiert) und durfte die letzten Lieder einer schrecklichen Hip-Hop Band noch genießen. Dann erschienen endlich Konstantin Gropper und seine Bandkollegen, um ihren Bühnenaufbau zu machen.

Um kurz nach sechs ging es los. An der Geige - dies ist die variable Position in der Band - trat heute wieder Theresa auf, die Violinistin, die ich schon bei der Folklore in
Wiesbaden erlebt hatte. An den anderen Instrumenten schienen mir die üblichen Verdächtigen zu stehen.

Ich möchte nicht auf jedes Lied eingehen, dafür haben wir schon zu oft über die großartigen Get Well Soon geschrieben. Bei mir wechseln ganz regelmäßig die liebsten Stücke der Band. Heute gefielen mir ganz besonders
Christmas in adventure parks, vielleicht, weil ich es lange nicht gehört habe, das Cover Born slippy nuxx, If this hat is missing I have gone hunting und einmal mehr I sold my hands for food so please feed me!

Bei gut 30° C und wenig Schatten (die Bühne stand genau falschrum) fiel mir wieder auf, daß Get Well Soon und ihre düstere Musik auf im strahlenden Sonnenschein
nachmittags perfekt funktionieren. Eigentlich gehören die schwermütigen Stücke im Herbst nach drinnen, dachte ich immer, die Mischung aus Dramatik und krachenden Gitarren (meist am Ende der Titel), Postrock-Glockenspiel und Trompeten begeistert mich aber auch mit zugekniffenen Augen in der Knallsonne! Kleine Augen deshalb, weil ich Sonnenbrillen immer schrecklicher finde und nicht trage. Und huch, damit war ich nicht alleine. "Ich trage keine Sonnenbrillen. Da merkt man erst mal, was U2 der Popmusik angetan haben", sagte der Sänger irgendwann.

Konstantin Gropper war redselig. "Hallo, wir sind Culcha Candela." Bevor sich die ersten Kulturfreunde (ich mochte besonders die Remmidemmi-Brüller) fragen konnten, wann denn Hamma! käme, klärte der Frontmann auf. "Nein, wir sind Get Well Soon. Aber mit positiven Vibes die Welt verbessern, ist auch unser Ding!"

Wie sehr die Hitze Konstantin zusetzte, merkte man nur einmal. Gegen Ende bei
People Magazine front cover sang er plötzlich nicht weiter und ließ eine halbeTextzeile aus. Konstantin Gropper schob das auf seine sonnen- "weiche Birne." "Ich hoffe, ihr wisst das zu schätzen, wenn ich hier auf der Bühne sterbe!" Worauf jemand im Publikum mit "auf geht's!" antwortete... Konstantin starb nicht und auch sonst waren keine sonnenbedingten Ausfälle zu beobachten. Und die eine Panne blieb die einzige des einstündigen Konzerts.

Höhepunkte gab es dagegen viele! Theresas Gesang zu Beginn von
Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day zum Beispiel! Die Stellen, an denen die Geigerin mitsang, gefielen mir alle ganz besonders, weil ihre Stimme perfekt in die Stücke passt. Auch bei Christmas in adventure parks war dies einfach wundervoll! A propos zweite (und dritte) Stimmen: mir war bisher nie aufgefallen, wie perfekt die auch bei Ticktack! Goes my automatic heart funktionieren, wenn Trompeter Maxxi das Motiv singt (leider nicht mit Robotorstimme) und der Rest "huhuuuu" macht, ein Traum!

Ganz besonders gut gefiel mir auch das jüngste Stück des Sets,
Busy hope, das unter Konstantin Gropper firmierend auf dem Soundtrack des Wim Wenders Films "Palermo Shooting" veröffentlicht ist. Busy hope klingt leichter als die meisten anderen Lieder des Musikers. Leichter, nicht schlechter! Busy hope ist ein weiterer Knüller! Insbesondere das lange Instrumental-Ende begeistert mich enorm!

Wieder einmal ein hervorragendes Konzert der aktuell besten deutschen Band, die ich gar nicht oft genug sehen kann. Spätestens im Dezember habe ich wieder Gelegenheit dazu, da touren Konstantin und Band wieder durch deutsche Clubs.


Setlist Get Well Soon, Rheinkultur, Bonn:

01: Prelude
02: You/Aurora/You/Seaside
03: We are safe inside while they burn down our house
04: Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day
05: People Magazine front cover
06: Born slippy nuxx
07: Christmas in adventure parks
08: Busy hope
09: I sold my hands for food so please feed me
10: Ticktack! Goes my automatic heart
11: If this hat is missing I have gone hunting
12: Lost in the mountains (of my heart)

Links:

- aus unserem kleinen Get Well Soon Archiv:
- Get Well Soon, Paris, 06.05.2009
-
Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.2009
- Get Well Soon, Paris, 14.10.08
- Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
- Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
- Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
- Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
- Get Well Soon, Köln, 09.04.08
- Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
- Get Well Soon, Haldern, 02.08.07
- mehr Fotos von Get Well Soon bei der Rheinkultur



Marie-Flore & Serafina Steer, Paris, 03.07.09

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Konzert: Marie-Flore & Serafina Steer

Ort: La Plage de Glaz'Art, Paris
Datum: 03.07.2009
Zuschauer: 150 vielleicht?
Konzertdauer: jeweils ca. 40 Minuten



Strandfeeling mitten in der Großstadt: Wäre die Sicht nicht durch den Blick auf den häßlichen Hotelklotz getrübt, könnte man sich hier glatt am Mittelmeer fühlen. Klar, ein bißchen Fantasie braucht man dafür, aber Sand, Liegestühle und ein Barbcecue gab es am Plage de Glaz'Art zumindest schon einmal. Fast romatisch, wären da nicht die zwei ekligen dicken Ratten gewesen, die durch die Bambuszäune hindurchgekrochen kamen und sich unmitellbar in Grillnähe ein kleines Kämpfchen lieferten. Owlle, die Freundin von Marie-Flore, die auch bei den letzten zwei Titeln des Sets aufs Lieblichste mitzwitscherte, war plötzlich hellwach und ließ einen spitzen Schrei los. Das war vor der Show. Während des Konzertes der zarten Pariser Folkeuse Marie-Flore ließen sich die Ratten zum Glück nicht mehr blicken und man konnte ungestört die neuen Titel genießen. Davon gab es eine ganze Menge, gleich der Opener war bisher unbekannt. Born And Raised hieß er und vereinte sämtliche Qualitäten der 22 Jährigen: die samtweiche Stimme mit dem zarten Schmelz, das einfühlsame Gitarrespiel und die unwiderstehliche Melancholie, die sich durch sämtliche Stücke zieht. Auch I Remember und When I Was Young waren nagelneu, während Trapdoor (hierzu gibt es ein Video, hier!) und Half Past Three (B-Seite ihrer ersten Single) schon fast als Klassiker zu bezeichnen sind. Aber gemeinsam mit Owlle ist das Ganze vielleicht sogar noch schöner, denn die beiden hübschen Stimmen passen ganz hervorragend zusammen und somit waren Soft Divide und Chances Are wahrlich ein Genuß. Eigentlich wollte Marie-Flore danach schon verschwinden, aber so leicht ließ ich sie nicht gehen: Ich forderte vehement ihren betörenden Hit Empty Walls (hier in einer charmanten Cargo Session) und da ich hierbei Unterstützung von einem anderen Fan erhielt, wurde mein Wunsch schließlich erfüllt.

Wie immer prima! Und die erste EP More Than Thirty Seconds If You Please wird im September erscheinen, darauf freue ich mich schon sehr!

Setlist Marie-Flore, La Plage de Glaz'Art, Paris:

01: Born And Raised
02: Trapdoor
03: Made Of Sticks
04: Night Disorder
05: While You Were There
06: I Remember
07: When I Was Young
08: Half Past Three
09: Soft Divide
10: Chances Are

Danach ging Serafina Steer zusammen mit ihrer Freundin Polly Huggett an den Start. Serafina kannte ich schon, denn ich hatte die britische Harfespielerin im Vorprogramm des Comeback-Konzerts der Young Marble Giants in Boulogne Billancourt gesehen und war auf Anhieb angetan. Allerdings erschein sie damals alleine und entlockte ihrer Harfe wundervollste Töne. Wahrscheinlich hatte sie in der Zwischenzeit Lust auf ein wenig Veränderung, möglicherweise war ihr der klassische Solo-Vortrag an ihrem Instrument zu eintönig geworden und so lief sie heute mit einer Keyboarderin auf. Polly harmonierte mit Serafina ganz hervorragend. Nicht nur ihre Fingerfertigkeit an dem kleinen Casio war verblüffend, sondern vor allem ihr Gesang wunderwunderschön. Fingerfertigkeit und zwar in höchster Vollendung war natürlich auch Serafina selbst zu bescheinigen. Sensationell wie sie mit einer Hand Harfe spielte und mit der anderen in die Tasten des Keyboards griff! Und diese beiden Stimmen im Chor, zum mit der Zunge schnalzen! Ich war hin und weg, zumal mich der Gesang von Serafina an meine Lieblingssängerin, die früh und tragisch Verstorbene Sandy Denny (Fairport Convention) erinnerte. Auch wenn sie zwischen den Songs Ansagen machte, erinnerte sie an Sandy, das gab mir fast Stiche ins Herz. Was die englischen Folksängerinnen in den letzten zwei Jahren mit mir anstellen, ist sowieso schon fast gemein zu nennen. Sharron Kraus, Mary Hampton, Rachael Dadd, Laura Marling, soviele würdige Nachfolgerinnen von Sandy, die mich mit ihren traurigen, aber dennoch profund schönen Songs regelmäßig an den Rande der Tränen treiben, sobald ich ihre puren Stimmen höre. Seltsam, daß von den Vorgenannten lediglich Laura Marling einem breiteren Publikum bekannt ist, denn die anderen haben mindestens genauso viel auf der Pfanne. Aber so ist dan nun einmal, Gerechtigkeit gibt es in auch in der Folkszene nur bedingt, aber ich habe bei Serafina den Eindruck, sie kann damit sehr gut leben. Sie ist mit ihren 27 Jahren reif genug, um zu wissen, daß nicht nur schnelle kommerzielle Erfolge zählen. Wichtig ist letztlich die Leidenschaft für die Kunst und die Fähigkeit das Publikum, bestehe es auch nur aus einigen eingeweihten und gutinformierten Insidern, emotional zu erreichen. Und das schafft sie ganz hervorragend. Lieder wie Motion Pictures oder Cheap Demo Bad Science & Horton Jupiter sind einfach ein Fest für die Ohren und wenn die beiden dann auch noch Morrissey auf fast genial zu nennende Weise covern (Suedehead), ist das Glück perfekt. Wahrscheinlich war auch der Pariser Himmel angetan von dieser exquisiten Darbietung, denn er zeigte sich in den dramatischsten Farben und untermalte perfekt die wunderbare Atmosphäre.

Wenn da nicht der eingangs erwähnte Hotelklotz gewesen wäre...

Aber: träumen heißt auch häßliche Dinge auszublenden und sich nur auf das Sublime zu konzentrieren. Danke Marie, Flore, danke Serafina, ihr habt mich 90 Minuten lang auf eine Wolke gebettet.

Setlist Serafina Steer, Plage de Glaz'Art, Paris (thanks to Serafina!):

01: G.S.O.H.
02: Motion Pictures
03: Port Isaac
04: Trucker
05: Ulular
06: Margoton
07: Suedehead
08: Tiger
09: By This River
10: Curses Curses
11: Cheap Demo Bad Science & Horton Jupiter

Links:

Videos: Serafina Steer - Tiger
Suedehead live
Curses Curses BBC Collective Session



Donnerstag, 2. Juli 2009

Thos Henley, Paris, 01.07.09

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Konzert: Thos Henley

Ort: Le Pop In, Paris
Datum: 01.07.2009
Zuschauer: ca. 35
Konzertdauer: ca. 35 Minuten (eine Minute pro Zuschauer, lol)



Artisten, die mal eine Oliver Peel Session bei uns gespielt haben, lasse ich logischerweise nicht so schnell aus dem Auge. Man freundet sich nicht nur mit der Musik an, sondern auch mit dem Menschen, der sie geschaffen hat. Thos Henley ist sowieso ein dufter Typ, nett, weltoffen, intelligent und lebenslustig. Mit seiner nonchalanten Art kommt er überdies bei jungen Frauen enorm gut an. Er wohnt gleich mit zwei hübschen Mädels in einer WG, wenn das nicht der Traum eines jeden 21 jährigen ist?! Hinzu kommt sein überwiegend weiblicher Fanclub, der ihm überall hin folgt. Schon als ich in die Straße einbiege, die zum Pop In führt, sehe ich sie auf Steinstufen sitzen. Seit der Session in unserem Wohnzimmer kennen sie mich auch und grüßen schon von weitem. Als ich sie erreiche, lächeln sie mich an und sagen: "Wir haben gerade eben von Dir geprochen." Wow, was für eine Ehre!, denke ich mir und stelle fest, daß das Abhalten von Sessions vielfältige Vorzüge hat. Neben dem Genuß von guter Musik in intimer Atmosphäre, tragen sie enorm zur Schaffung von sozialen Kontakten bei, eine wichtige Sache in einer anonymen Großstadt wie Paris. Musik verbindet eben Menschen und Kulturen! Die Lieder von Thos scheinen insbesondere bei den Skandinavierinnen gut anzukommen, sein Fanclub besteht hauptsächlich aus Schwedinnen und Finninen, obwohl seit unserer Session auch Französinnen hinzugekommen sind. Das Pop in, wo Thos heute auftreten wird, ist ohnehin ein multikultureller Laden, man begegnet hier sehr oft Amerikanern, Kanadiern, Engländern, Deutschen etc. Ich fühle mich in dem Pub, in das auch Herman Düne schon etliche seiner Freak Folker - Freude eingeladen hat, pudelwohl. Das einzige Problem ist, daß man nie weiß, wann es hier losgeht. Konzerte sind regelmäßig für 9 Uhr angestzt, aber vor 9 Uhr 30 tut sich hier nie was. Heute warten wir sogar bis 10 Uhr 30, bevor Thos alleine mit Klampfe das Kellergewölbe in Beschlag nimmt. Mit unfassbarer Inbrunst intoniert er seine lyrischen Folksongs und wirkt plötzlich viel reifer, als ein üblicher 21 Jähriger. Nur wenn er zwischen den Liedern in den Haaren wuschelt, seine Brille am T-Shirt reibt und zerstreut in die Runde blickt, merkt man wie jung er eigentlich ist. "Michael Jackson is dead" meint er plötzlich und fährt fort mit: Jens Lekman has swine flu, tha'ts even worse actually." Trockener Humor, dafür sind die Briten ja bekannt. Passenderweise heißt einer seiner Songs dann auch To Me You Are So English und den hat er sogar schon einmal für das Balcony TV performt. Auch das wundervolle The Wife bekommen wir zu hören, diese tolle "Lalala" Nummer, die er auch schon bei der Oliver Peel Session zum Besten gegeben hatte. Sein vermutlich schönste Lied ist aber Summer On The Tames von dem ich bisher annahm, das es The Library heißt, weil das Stück mit diesen Zeilen beginnt. Sehnsüchtiger machen aber die Zeilen "We always swam togehter", denn nach einem kühlen Bad sehnt sich wohl jeder hier...

Nach gut 35 Minuten ist Schluß und ich sehe mich erneut in meiner Auffassung bestätigt, daß dieser blonde Bursche ein großes Talent ist. Ich bleibe ihm auf den Fersen!

Links:

- Thos Henleys Oliver Peel Session in Olivers Wohnzimmer
-
Videos: Thos Henley To Me You Are So English in einer wunderbaren Balcony Session. Thos is great! I admire you! ; The Wife in einer Oliver Peel Session, Videclip Her
- Unbedingt auch diese Stick & Sessions mit den Mystery Jets angucken. Thos Henley hat sie selbst gedreht. Super, ganz großes Kino!



 

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