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Montag, 12. November 2012

Festival des Inrocks, Paris, 07.11.12

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Konzert: Festival des Inrocks 2012
Ort: La Cigale
Datum: 7.11.2012
Zuschauer: ausverkauft, bzw. fast ausverkauft (8.11)
Konzertdauer: Daughter noch nicht einmal 30 Minuten, Lambchop 52, Tindersticks 55 Minuten



Wieder einmal Festival des Inrocks in Paris, dieses Mal gesponsort von Volkswagen. Deutsche Bands gab es dennoch keine, was aber nicht weiter schlimm war. In der 25 jährigen Geschichte dürften ohnehin noch nicht viele (noch keine?) Gruppen aus l'Allemagne angetreten sein. Interessanterweise sind aber auch die französischen Formationen eher rar gesät. Die Zeitschrift Les Inrockuptibles, kurz les Inrocks, mag es international und lädt deshalb vor allem Gruppen aus England und Amerika ein. Dennoch ist es ein sehr französisches, in insgesamt 7 Städten stattfindendes Clubfestival, ganz im Gegensatz zum Pitchfork. Das Publikum ist typisch pariserisch und es wimmelt nur so vor bohème bourgoise, kurz bobos, Leuten die für Indielabel arbeiten und vor Journalisten  und Bloggern aus der Seinemetropole.


Den Abend in der wundervollen Cigale mit Lambchop und den Tindersticks wollte natürlich jeder sehen, wenngleich der Gig erst zwei Tage vorher ausverkauft wurde.

Um 19 war es in meiner Abwesenheit mit der französichen 10er Kapelle Mermonte losgegangen, die rein instrumental agierte und damit viele langweilten.


Zu Daughter um 19 Uh 45 war ich aber pünktlich mit dabei. Es galt die guten Eindrücke vom Auftritt beim Haldern Pop Festival bestätigt zu bekommen. Gespannt wartete ich darauf, daß es endlich losging und ich stand glücklicherweise auch sehr weit vorne, um alles ganz genau mitzubekommen. Dann ging das Licht aus und die jungen Briten um die schwarzhaarige Bobfrisur Trägerin Elena Tonra marschierte fast lautlos ein. Eine stille Truppe, diese Daughter, sehr bescheiden und angenehm, aber nicht wirklich charismatisch, obwohl Christoph das in seinem Bericht aus Luxemburg  anders gesehen hat. Dafür sind sie einfach noch viel zu schüchtern und es ist fast bezeichnend, daß sich die Sängerin hinter ihren Haaren versteckt und man nur ganz selten ihre Augen sieht. Oft kicherte sie in sich hinein, überließ das Reden aber sonst dem Hütchen tragenden Gitarristen, der extrem gut französisch sprach. Viel Zeit zum Plaudern gab es aber nicht, denn die Spielzeit war extrem kurz bemessen. Noch nicht einmal 30 Minuten lang durften Daughter zeigen, was sie drauf haben.




Aber was hatten sie denn drauf? Gab es bei ihnen irgend etwas zu hören, was man bisher noch nicht kannte? Nein, das bei aller Liebe nicht. Der sehr klare und ungemein schöne Gesang von Elena erinnerte auch vor allem hinsichtlich der Betonung der einzelnen Wörter an Laura Marling, Lucy Rose, Emmy The Great oder Tiny Ruins, während die epischen Gitarren so oder so ähnlich auch bei Post Punk Bands wie Interpol oder Postrockbands wie Explosions In The Sky zu hören sind. Nichts Neues also, aber Altbekanntes wurde äußerst wohlbekömmlich zusammengerührt. Das war hübscher Folk mit Postrockelementen, ganz der Moderne verpflichtet. Erdig klang hier nix, eher dreampoppig und der Einsatz der akustischen Gitarre kam konsequenterweise eher selten vor. Der Aufbau der Lieder ähnelte sich. Nach langsamen Beginn, spitze sich die Atmosphäre zu, wurde dichter und intensiver und am Ende gab esfast wie auf Bestellung das große Finale wütender Gitarren und erregter Schlagzeugsalven. Diesbezüglich dachte ich deshalb auch an die Band Lanterns On The Lake

Letztlich war das ein Sound, der in aktuellen britischen Folk- und Dreampopszene förmlich in der Luft lag, der aber bisher noch von keiner jungen Band so bezaubernd, charmant und elegant umgesetzt wurde.

In einem sehr ausgewogenen Set schoss das letzte Stück Home den Vogel ab. Hier wurde die Leise-Laut- Formel so perfekt dargeboten, das selbt Skeptiker zumindest über dieses Stück jubelten. "Mir alles ein bißchen zu ruhig, das letzte Lied war aber super", diesen (oberflächlichen) Spruch hörte man  hinterher gleich mehrfach.

Setlist Daughter, Festival des Inrocks 2012

01: Landfill
02: Love
03: Candles
04: Youth
05: Tomorrow
06: Home


Wem Daughter zu ruhig waren, der muss sich bei Lambchop erst recht gelangweilt haben. Die nach den Briten startende Band aus Nashville, spielte durchgängig leise auf, was Fans aber natürlich wussten. Mich störte das nicht im Geringsten, ich genoß diese Entschleunigung in vollen Zügen, war begeistert von den süß-sauren Stories des tief und gestenreich intonierenden Käppiträgers Kurt Wager und hatte auch viel Spaß an der feinen Instrumentierung mit Klarinette, Saxophon, Kurzweil und einem gerührten Schlagzeug. 



Es war wirklich ein Konzert für Kenner und Genießer, die die Geduld aufbrachten, in Ruhe zuzuhören, zu relaxen und  alles andere auszublenden. Dies gelang mir und ich tauchte tief ein in die herrlich warme Atmosphäre dieser sentimentalen, warmherzigen und trostspendenden Lieder, die fast alle vom aktuellen Album Mr. M stammten, in dem es einen starken Bezug zum Tode von Vic Chesnutt gibt. Ich besitze dieses Machwerk gar nicht, bin aber nun fest entschlossen, es mir schleunigst zuzulegen, um mich mit eleganten Kleinoden wie Kind Of, Gone Tomorrow oder Mr. Met zu belohnen. Mr. Met war eines der auffälligsten Stücke, bei dem es sogar am Ende eine richtige Tempobeschleunigung gab, die die Ruhe kurzzeitig beendete. Lautestes Stück war aber Nothing But A Blur From A Bullet Train von dem Album Aw C'Mon, bei dem es Kurt Wager fast nicht auf seinem Stuhl hielt. Ohnehin rotierte der Brillenträger ständig herum und ich fragte mich, warum er eigentlich nicht im Stehen performte, bei seinem Temperament. Er freute sich sichtlich über den tosenden Applaus nach jedem Lied und in einer bemerkenswerten Szene feuerte er die Leute sogar an, noch viel lauter zu werden. Beim endgültigen Abgang nach gut 50 Minuten klatschte er fest in die Hände, ließ sich feiern und schien ziemlich gerührt von dem warmherzigen Empfang.


Er und seinen Band bekamen diesen vollkommen zu recht, das war ein ganz ausgezeichnetes Konzert!

Setlist Lambchop, Festival des Inrocks 2012

01: Kind Of (Mr. M)
02: Gone Tomorrow (Mr. M)
03: Nothing But A Blur From A Bullet Train (Aw Cmon)
04: If Not I'll Just Die (Mr. M)
05: 2B2  (Mr. M)
06: Interrupted (What Another Man Spills)
07: Mr. Met (Mr. M)
08: The New Cobweb Summer (Pet Sound Sucks)
09: Nice Without Mercy (Mr. M)


Tja und dann kamen noch die Headliner Tindersticks aus England. Vielgerühmt ist deren Eleganz und Klasse und die tiefe Grabesstimme von Sänger Stuart Staples wird von Fans auch immer wieder mit euphorischen Kommentaren bedacht. Auch ich hatte die seit fast 20 Jahren bestehende Band aus Nottingham schon einmal in ausgzeichneter Verfassung erlebt, erinnere mich aber auch an einen anderen Auftritt im Bataclan, bei dem ich mich phasenweise gepflegt gelangweilt habe. Ist halt eben Altherrenmusik, genau wie Lambchop auch, selbst wenn die Tindersticks deutlich rockigere Stücke im Repertoire haben als die Gruppe von Kurt Wagner. Heute in der Cigale bekamen wir eine Mischung geboten, dynamischere Titel hielten sich mit geruhsameren Tracks die Waage. Letztlich war es eine Darbietung ihres aktuellen Albums The Something Rain + 3 Stücke aus dem Backkatalog.


Highlighst waren für mich die flotteren Sachen, allen voran This Fire Of Autumn und Frozen. Anders als auf dem Album gab es glücklicherweise keine weiblichen souligen Backgrondgesänge, unnötiger Zierrat wurde hier also weggelassen. Dennoch war die Instrumentierung gewohnt fein und ausgewogen und mein besonderes Interesse galt dem Drummer in seinem schicken Anzug, der ganz lässig seinen Part spielte und dabei Können und Klasse bewies.


Unbedingt Erwähung finden muss auch noch der vom Album Simple Pleasure stammende Song I Know That Loving. Die Atmospähre war hierbei so herrlich knisternd und siedend heiß, die Gitarren so düster und gefahrverheißend.


Auch toll der Sleepy Song, der zwar seinem Namen gemäß wahnsinnig verschlafen anfing, aber mit seinem fantastischen Trompetenpart auftrumpfen konnte.

Ingesamt spielten die Tindersticks knapp eine Stunde, verweigerten aber den heftig klatschende Fans eine Zugabe.

Unter dem Strich ebenfalls ein gutes Konzert, wenngleich mir Lambchop an diesem Tag einen Tick besser gefallen haben

Setlist Tindersticks, Festival des Inrocks 2012

01: If You Are Looking For A Way Out (Simple Pleasure)
02: Show Me Everything (neu)
03: This Fire Of Autumn (neu)
04: A Night So Still (neu)
05: Sleepy Song
06: I Know That Loving (Simple Pleasure)
07: Slippin' Shoes (neu)
08: Frozen (neu)
09: Come Inside (neu)
10: Goodbye Joe (neu)




Freitag, 30. März 2012

Lambchop, Karlsruhe, 28.03.12

3 Kommentare
Konzert: Lambchop mit Support Cortney Tidwell 28. März 2012
Ort: Tollhaus, Karlsruhe
Zuschauer: voll, etwa 550 Zuhörer
Konzertdauer: 30 min + 100 min



Bericht und Fotos von Gudrun aus Karlsruhe


In Vorbereitung des Konzertabends fiel mir auf, dass es schon 10 Jahre her ist, dass ich mit der Platte "Is a woman" großer Lambchop-Fan wurde. Das war die Zeit, wo ich auch alle Kristoffer Aström Platten haben musste. Inzwischen bin ich zu diesen traurigen Männern etwas distanzierter, aber beide Helden dieser Zeit kamen nun im Abstand von nur einer Woche nach Karlsruhe. Kristoffer Aström musste ich verpassen, da ich unterwegs war, aber wenigstens Lambchop wollte ich im Konzert einmal beschauen gehen. Und sei es nur um der alten Zeiten willen.

Den letzten Ausschlag gab für mich der Support. Ich liebe die beiden
Platten von Cortney Tidwell (die gemeinsame Platte mit Kurt Wagner aber nicht wirklich).

Seien wir ehrlich: irgendwie sind die Lieder von Kurt sich alle sehr
ähnlich und Texte versteht man immer nur so, naja. Als CD habe ich nur "Is a woman" behalten (sozusagen als Prototypen) und die anderen wieder weitergegeben bzw. nicht mehr
erworben. Deshalb habe ich mir auch kein besonders erregendes Konzerterlebnis versprochen, eher gediegen und etwas melancholisch für mich. Ich hätte vielleicht sogar das Konzert ganz vorübergehen lassen, wenn es nicht gerade diese Konstellation gegeben hätte, dass ich bei Kristoffer Aström keine Wahl hatte und ich den Support sehr gern sehen wollte.

Diese Vorbehalte waren während des Konzertes alle dahin - einziger
Kritikpunkt: der Support hätte sich ruhig 15 min mehr nehmen dürfen.

Ich glaube, ich bin noch nie in einem nicht klassischen Konzert
gewesen, wo der Sound so exzellent war. Für diese Art Musik der sehr leisen Töne ist das natürlich ganz besonders wichtig und damit auffällig und auffällig angenehm als Zuhörer.

Cortney Tidwell betrat auf die Minute pünktlich 20:30 Uhr nur mit einer Gitarre
die Bühne und sang ihr erstes Stück. Die Saaltechnik war wohl auch etwas überrascht und musste erst einmal Bühnenlicht an- und Saallicht ausschalten, das Publikum schnell die Plätze einnehmen. Aber dann war für das gesamte Set eine gespannte Stille, die nur durch zunächst freundlichen aber zunehmend enthusiastischen Applaus unterbrochen wurde. Für die weiteren Lieder hatte Cortney Unterstützung von zwei Herren, die entweder Keyboard und Steelguitar spielten oder Gitarren. Die Stücke waren mir gegenüber den Albumversionen sehr fremd, jedoch über die Stimme als Cortney Tidwell klar zu erkennen. Diese Frau singt wirklich Engels-gleich in den höchsten Höhen aber ganz und gar nicht niedlich und süß. Sie interagierte nicht sehr viel mit dem Publikum. Außer um ihre Mitstreiter vorzustellen und sich dafür zu bedanken, dass wir so aufmerksam zuhörten, ergriff sie kaum das Wort. Im Gespräch später am Merchandise-Stand machte sie auch eher einen sehr bescheidenen, fast zu selbstkritischen Eindruck.


Nachdem sie 21:00 Uhr ihr Set beendet hatte und ein klein wenig auf der Bühne neu geordnet wurde (wobei offensichtlich fast alles schon fertig war), ging es 21:20 Uhr mit Lambchop "richtig" los. Lambchop waren an dem Tag Kurt Wagner mit 6 weiteren Musikern. Wie schon vermutet war Cortney Teil der Band und ihre zwei Begleiter "geborgt". Dazu trat noch ein Schlagzeuger, ein Mann am Bass und einer am Flügel. Das Set war im Halbkreis aufgestellt. Links vorn war das Drumset platziert, Cortney im Scheitel und rechts vorn Kurt. Ein sehr ungewöhnliches Setting, was aber den psychologischen Effekt auf mich hatte, dass ich selbst mich als "im Kreisbogen" empfand und dies für fast jede Position im Saal möglich war. So als säße man in einer gemütlichen Kneipe beisammen. Die Atmosphäre war sehr intim und understated. Man spürte die ganzen Emotionen sozusagen unter der Oberfläche. Die Gruppe zog die Stücke aufeinander hörend ganz professionell durch gleichsam nach dem Motto, "wir wissen ja das Leben ist kein Ponyhof - da muss man nicht noch viele Worte drum machen, ihr wißt schon...". Cortneys Stimme war meist einfach wie ein Instrument eingesetzt gar nicht wie eine zweite Gesangsstimme oder als Background.

Erst nach 60 min
ergriff Kurt zum ersten Mal das Wort. Das wurde dann aber sehr schnell extrem lustig, denn er lieferte sich einen schlagfertigen Wortwechsel mit dem Mann am Flügel, der prompt anfing schlüpfrige Witze zu erzählen... Anschließend wurde das Set noch auf 90 min gefüllt.

Erst in der Zugabe ergaben sich zwei Dinge, die ich mir sehr gewünscht
hatte: ein richtiges Duett der zwei Sänger und ein Stück, wo mal die Emotionen raus durften, ohne wenn und aber. Das wurde dann vom Publikum auch besonders enthusiastisch gefeiert.

Nach dem Konzert waren Cortney und Kurt am Merchandisestand als freundliche, bescheidene und aufmerksame Menschen anwesend. Ich glaube, die Band hat den Abend mit dem Karlsruher Publikum auch als einen der schöneren Abende auf ihrer Tour für sich erlebt.

Ich werde jedenfalls nicht wieder mit dem Gedanken spielen, ein
Lambchopkonzert einfach vorbeiziehen zu lassen.



Mittwoch, 8. Juli 2009

Lambchop, Köln, 07.07.09

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Konzert: Lambchop
Ort: KulturKirche Köln
Datum: 07.07.2009
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: 97 min

Bericht und alles andere folgt ganz schnell! Ein wundervolles Konzert an diesem Tag, an dem die ganze Welt über einen anderen Musiker spricht.


Auszüge aus der Setlist Lambchop, KulturKirche Köln (wird ergänzt!):

01: The old gold shoe
02: The new cobweb summer
03: Sharing a Gibson with Martin Luther jr.
04: Grumpus
05: Sweet Marie (Crooked Fingers Cover)
06: Slipped, dissolved and loosed
07: Buttons (neu)*
08: What elso could it be?
09: National Talk Like A Pirate Day
10: The distance from her to there
11: ?
12: All smiles and mariachi
13: Up with people
14: ?

15: Is a woman (Z)
16: This corrosion (Sisters Of Mercy Cover) (Z)

17: I threw it all away (Bob Dylan Cover) (Z)


Links:

- Lambchop im Konzerthaus Dortmund am 07.11.08
- Lambchop am 25.10.08 in Paris
- Kurt Wagner gemeinsam mit Calexico am 08.09.08 in Paris




Samstag, 8. November 2008

Lambchop, Dortmund, 07.11.08

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Konzert: Lambchop (akustisch)
Ort: Konzerthaus Dortmund
Datum: 07.11.2008
Zuschauer: nahezu ausverkauft
Dauer: Lambchop 115 min, The Paper Hats gut 30 min


Auf der nächtlichen Rückfahrt von Dortmund Richtung Süden erzählte Doro aus dem Rhein-Main-Gebiet beim einslive-Talkradio Domian von ihrer Konzertsucht. Sie sehe im Monat mindestens fünf Konzerte und fühle sich schlecht, wenn es weniger wären. Leute gibt es!

Die Hinfahrt auf der A1 war anders spannend. Keinerlei Meldungen über Verkehrsstörungen an einem frühen Freitagabend. Erstaunlich und zu schön, um wahr zu sein! Wir wären laut Navi um 19 Uhr und damit ausreichend früh vor unseren Verabredungen in Dortmund gewesen, um noch den massiv steigenden Hunger zu stillen. Dummerweise verunglückte dann ein Auto in einer Baustelle, und wir standen... Der bequeme Puffer schmolz und schmolz. Als es endlich wieder lief und wir fuhren, schafften wir es, gerade so pünktlich zu den letzten Gongs im Konzerthaus anzukommen.

Hungrig und abgehetzt saß in meinem Stuhl, als vorne auf der Bühne ein junger Mann Blazer, Jeans und Gitarre erschien, sich auch setzte und ein erstes sehr akustisches Lied spielte. Während er das so tat, und nach den ersten Minuten offensichtlich wurde, daß er nicht singen würde, hatte ich viel Zeit, mich umzugucken. Der Saal war bis auf wenige Plätze voll. Auf der Bühne dominierte ein Flügel, es standen aber an allen Ecken Gitarren, auch E-Gitarren mit Verstärkern, ein Schlagzeug (ein abgespecktes) und ein Keyboard. Es sah also nach einem semiakustischen Konzert später aus. Während ich mich umguckte, spielte William Tyler, der als The Paper Hats auftrat, weiter dieses erste Lied. Ich weiß, daß ich hiermit als furchtbarer Banause auffalle, auf mich wirkte Williams Spiel aber eher wie ein Bewerbungsauftritt um einen Gitarristenposten, als das Vortragen von Liedern. Ganz sicher waren die Dinge, die er da tat, hoch komplex und sehr anspruchsvoll. Sie waren aber auch nicht richtig spannend. Aber auch nicht so unspektakulär, daß ich eingeschlafen wäre, wie mein Sitznachbar. Das zweite und dritte Achtminutenstück war ähnlich, dann tat sich etwas. William stand auf, nahm eine E-Gitarre, und rückte das Mikro vor seinem Mund zurecht. "I don't sing, I just like moving the microphone..."

Diese letzte Lied heiße Crystal Palace. "It's about a deserted building." Ich hörte mir also andächtig all die kleinen Anekdoten über Treppen, auf denen Gras wächst, über leere Säle und die Menschen, die da früher einmal feierten, Schicksale, die mit dem Gebäude verknüpft waren und all die kleinen anderen Momente des Londoner Gebäudes an
und kam langsam besser in die Instrumentalmusik des jungen Amerikaners rein...

Nach einer guten halben Stunde waren die vier Lieder beendet und William verabschiedete sich beeindruckt von Saal und Menschenmenge. "Ich habe noch nie vor solch vielen Leuten gespielt!" Und vermutlich auch noch nicht in einem solch aufregenden Konzertsaal. Denn das Dortmunder Konzerthaus ist wirklich sehenswert. Mir gefallen die klaren Linien des Raums, die extrem hohe Decke oder der Bühnenbau extrem gut. Aber herausragend ist selbstverständlich die Akustik! Man hörte schon bei den Paper Hats jedes kleinste Kratzen an der Gitarre, alles, was
William an seinem Instrument bewegte, klang laut und kristallklar im Saal wider. Das Konzept, in diesem klassischen Konzerthaus, Popkünstler auftreten zu lassen, ist brillant. Bei meinem letzten (weil bisher einzigen) Besuch hatte ich die deutsche Nummer eins Polarkreis 18 hier gesehen.

Der Vorgruppen-Sänger erschien kurz danach wieder mit den anderen Lambchop Mitgliedern, wobei dies nicht korrekt ist, denn eine eigentliche Band mit festen Musikern gibt es nicht. Heute traten neben Mastermind Kurt Wagner Pianist Tony Crow, Bassist Matt Swanson, Schlagzeuger Scott Martin und die drei Gitarristen Alex McManus, William Tyler und Ryan Norris auf. Ryan spielte zwar überwiegend akustische Gitarre, hatte aber
auch Parts am Keyboard, das, es war schließlich ein Akustikkonzert, als Orgel deklariert wurde.

Kurt Wagner erschien in dem Outfit, das er schon in Paris anhatte. Outfit ist aber sicher falsch, da ich vermute, daß Kappe, abricotfarbener Pullover und weißes Hemd keine Bühnenverkleidung sind sondern seine bevorzugte Kleidung. Ich muß Olivers Beschreibung vom Pariser Konzert widersprechen. Für mich sah Kurt Wagner nicht
nach einem US Trucker aus, nichts erinnerte mich an den Klischee-Trucker, der irgendwo in einem Diner sitzt und Kaffee und Bacon frühstückt. Aber ich glaube, darum geht es gar nicht.

Mein Sitznachbar machte sich solche Gedanken nicht, er schlief wieder, wachte meist nur beim Applaus zwischen den Stücken auf. Sicherlich war die sehr ruhige Musik gefährlich, wenn man sehr müde im Konzertsaal saß. Denn trotz der meist vier Gitarren war die Grundstimmung sehr still und leise. Kurt saß auf Bühnenkisten und hatte einen Stapel einzelner Blätter vor sich liegen. Nach jedem Lied legte er das gerade abgesungene Papier ordentlich auf einen zweiten Stapel auf dem Boden. Ob er Texte oder Noten auf den Zetteln hatte oder eine Setlist für Kurt einfach nicht leserlich ist, konnte ich nicht herausfinden, gesehen hatte ich so etwas aber noch nicht. Es war ziemlich komisch, Kurt beim Blättern zu beobachten.

Die erste Hälfte des Konzerts bestand zum Großteil aus Titeln des neuen Albums OH (ohio) . Einzige Ausnahme war das Bob Dylan Cover You're a big girl now. Ansonsten spielte der Musiker aus Tennessee (11 Wahlmänner) mit seinen sechs Begleitern anfangs zehn der elf Lieder des neuen Albums. Auch wenn jeder Titel mit großem Beifall bedacht wurde, schien Kurt Wagner Zweifel zu haben. "Gleich kommen Lieder, die ihr besser kennt", hielt er ein paarmal für nötig. Dabei wollte sicher niemand auf solche Perlen wie National Talk Like A Pirate Day verzichten! Mal abgesehen von dem wundervollen Titel (der sich auf den jedes Jahr am 19. September weltweit begangenen Feiertag bezieht), ist das Lied fabelhaft und hat mich auch live sehr begeistert! Ein nächstes richtiges Highlight für mich war Of Raymond! Hätte mein Nachbar das doch auch bloß genießen können.

Unmittelbar nach diesem musikalischen Knüller kam die dieser Tage unvermeidliche Kommentierung der US Wahl. Kurt Wagner beruhigte uns, daß sie selbstverständlich vor ihrer Abreise gewählt hatten. Und sie freuten sich sehr über Barack (nicht "Barak", Monsieur le Président)
Obamas Wahl. "Nicht, daß McCain kein guter Kerl wäre!", das Pianist Tony präzisierte: "Er ist einer der wenigen Republikaner, der an die Evolution glaubt!" - "Weil er dabei war." Der Sänger erwiderte: "A good second choice!" - Tony: "Evolution?" Ich hatte plötzlich unglaublichen Hunger auf Spaghetti.

"Das ist jetzt das letzte unbekannte Lied," leitete der
Kappenträger Popeye ein. Eine sehr gute Wahl, gerade diesen Titel ans Ende des Ohio*-Blocks zu setzen, obwohl es das drittletzte Lied der Platte ist. Eine gute Wahl deshalb, weil der Titel ganz plötzlich laut wird und sich damit von den vorhergehenden abhob. Dieser Bruch im Lied war also auch das Zeichen, daß nun ältere Titel kämen.

Aber es war natürlich nur ein symbolischer Bruch, denn es ging weiter wie zuvor -
wundervolle Lieder, mit Instrumentierung, die in diesem besonderen Konzertsaal traumhaft klang. Und diese Stimme! Das Nörglige, Genuschelte, das so gut klingt, die tollen Höhenunterschiede. Beeindruckend!

Irgendwann wurde Kurt Wagner unruhig und nahm sein
Handy aus der Tasche, um auf die Uhr zu gucken. Tony bemerkte es auch: "Expecting a call?" Irgendwie der Humor zur Musik.

Unruhig wurde ich langsam auch. Nicht wegen meines Hungers, sondern weil das Parkhaus der 500.000 Einwohner-Stadt, in dem wir geparkt hatten, um Mitternacht schloß. Aber Kurt blätterte und blätterte, und die Band spielte weiter. Ich weiß nicht, ob der Tourbus auch in unserem Parkhaus stand, die Blicke auf die Handyuhr wurden häufiger. Nach Flick nahm der Mann aus dem schönsten US-Staat die restlichen Partituren und sah durch, was noch geplant war. "Wir spielen noch ein Lied, habt ihr Wünsche?" Zum zugerufenen Is a woman gab es ein Blatt, das letzte
Lied war also ausgewählt. Mit diesem sehr schönen Titel endete um kurz vor halb zwölf der Hauptteil des Konzerts.

Nach ganz kurzer Pause erschienen die Musiker wieder. Tony zählte ab, ob alle da waren, es fehlten aber der Bandleader und Bassist oder rechter Gitarrist. Als alle da
waren, wurden wir wieder befragt, was wir hören wollten. " Your fucking sunny day!" - "For real?" entgegnete Kurt. Auch seine Kollegen schienen nicht sicher zu sein. Was macht man in einer Wahlwoche? Lambchop stimmten ab, Kurt Wagner befragte alle, ob sie einverstanden wären, um dann kopfschüttelnd "Kids!" zu kommentieren.

Ganz zum Schluß folgte dann noch der eine fehlende Titel von Ohio, I believe in you. Und ein Witz von Tony, den ich wieder vergessen habe, der aber zu erstauntem Gemurmel im Publikum führte. Es ging um einen Vater mit zwei Geschlechtsteilen und die Erklärung des Sohns dafür. Kurt Wagner, der vorher noch ein wenig erleichtert gesagt hatte, daß wir Glück gehabt hätten, daß Tony sich mit seinen Witzen zurückgehalten habe ("manchmal macht er das nicht..." ), fand, "that might be a little bit inappropriate." Ich fand nichts an diesem Abend unangemessen. Es war sehr schön. Daß ich mich nicht hundertprozentig auf die Musik konzentrieren konnte, lag an Hunger und Anreise, die innere Ruhe fehlte. Meinem Nachbarn nicht. Der konnte sich prima fallen lassen.

Setlist Lambchop, Konzerthaus Dortmund:

01: Ohio
02: Slipped dissolved and loosed
03: You're a big girl now (Bob Dylan Cover)
04: National Talk Like A Pirate Day
05: Close up
06: Sharing a Gibson with Martin Luther King jr.
07: I'm thinking of a number (between 1 and 2)
08: A hold of you
09: Of Raymond
10: Please rise
11: Popeye
12: Give it
13: The daily growl
14: The new cobweb summer
15: Autumn's vicar
16: Flick
17: Is a woman

18: Your fucking sunny day (Z)
19: I believe in you (Z)

* Obama 51%

Links:

- Lambchop am 25.10.08 in Paris
- Kurt Wagner gemeinsam mit Calexico am 08.09.08 in Paris

Die Fotos sind gefälscht. Sie stammen vom Pariser Auftritt der Band. Ich versichere aber hier reinsten Gewissens, daß die Künstler in Dortmund genauso aussahen.



Samstag, 25. Oktober 2008

Lambchop, Paris, 25.10.08

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Konzert: Lambchop (White Hinterland)
Ort: Café de la danse, Paris
Datum: 25.10.2008
Zuschauer: vermutlich ausverkauft
Konzertdauer: Lambchop ca. 65-70 Minuten



Während meine Frau zu einem Konzert von Ex-Suede Sänger Brett Andersson eingeladen war und Hopper ihren endgültigen Bühnenabschied in der Flèche d'or zelebrierten, machte ich mich auf den Weg ins Café de la Danse, wo Lambchop auf dem Programm standen.

Der Veranstaltunsgort liegt im quirligen Bastille-Viertel, wo Samstags abends immer die Hölle los ist. Ich mußte mich deshalb regelrecht durch die Menschenmassen hindurchkämpfen, um so früh wie möglich an meinem Zielort anzukommen.

Nachdem ich den Eingang passiert hatte, hörte ich schon von weitem eine Frauenstimme. Sie gehörte zur Vorgruppe White Hinterland, die mit ihrem Set schon in vollem Gange war. Ich trat in den hörsaalähnlichen Raum, wo das bei Folkkonzerten übliche Bildungsbürgertum brav auf seinen Stühlchen kauerte. Kein einziger Platz war mehr frei, gut für die auftretenden Bands, schlecht für mich! Ich versuchte, mich stehenderweise auf White Hinterland zu konzentrieren und das fiel mir wahrlich nicht leicht. Zunächst einmal musste ich herauszufinden, in welcher Sprache die junge Blondine am Piano überhaupt sang. Das war doch...na klar, französisch! Perfekt war die Aussprache aber nicht, was nicht verwundert, denn White Hinterland sind Amerikaner. Eike vom Klienicum, der die Band sehr schätzt, wusste zu berichten, daß im Oktober eine EP mit Coverversionen von Serge Gainsbourg, Francoise Hardy und Brigitte Fontaine erschienen ist. Ansonsten spielten White Hinterland aber überwiegend englisches Material von ihrem Album Phylactery Factory. Die musikalischen Qualitäten des Trios - neben der Pianistin bestand die Formation aus einem Bassisten mit kurzer Hose und einem kleingewachsenen Drummer - will ich gar nicht in Abrede stellen, aber zugegebenermaßen langweilten mich die drei ziemlich stark. Das mag auf meinen völlig übermüdeten Zustand zurückzuführen sein, änderte aber nichts an meinen Empfindungen. Zudem stimmte mich die psychedelische Suppe, die einen Esslöffel Jazz intus hatte, auch noch depressiv. Ich war deshalb froh, als die Chose nach einem auf der Ukulele vorgetragenen Lied vorbei war.

In der Pause versuchte ich dann vergeblich ein Sitzplätzchen zu ergattern. Mir blieb letztlich nichts anderes übrig, als mich im Schneidersitz auf den Boden vor der Bühne zu pflanzen. Umringt von Mitdreißigern- und Vierzigern mit unifarbenem Hemd, Jeans und Brille hockte ich also da und starrte auf die Bühne, auf der sich schon früh Kurt Wagner mal blicken ließ. Der Glamour-Faktor im Publikum war gleich null, aber wer stylische Leute beim Schaulaufen der Eitelkeiten beobachten will, sollte besser zu den Kills oder den Kings Of Leon gehen. Hier und heute war Bodenständigkeit und Geerdetheit angesagt.

Kurt Wagner selbst sieht ja schon wie der typische Durschnittsamerikaner aus, man könnte ihn sich durchaus als Malermeister oder Schreiner (ist er das nicht sogar ursprünglich?) vorstellen. Optisch also ein durchschnittlich hübscher Mensch (eine Zuschauerin rief ihm am Ende zu: "Kurt, you are sexy", was er schlagfertig und hochsympathisch abwiegelte: "Oh dear, you shouldn't say these things, you know, that I'm not"), allerdings ausgestattet mit einer wunderschönen, trostspenden Stimme und dem Talent zum intelligenten Songwriting. Jemanden wie Kurt Wagner würde sich wohl jeder als lieben Onkel oder Großvater wünschen, denn wer könnte schöner und herzergreifender Geschichten, die das Leben schrieb, erzählen?

Und von jenen Geschichten gönnte uns der liebe Kurt dann schließlich auch ein gutes Dutzend voll. Um 20 nach 9 ging das Konzert los und Mister Wagner vollzog als erste Handlung etwas Hochkomisches: Er schleuderte einen altmodischen Wecker in Richtung Publikum und bat den verdutzten Mann, der das Teil gefangen hatte, ihm immer mal wieder Bescheid zu sagen, wieviel Zeit noch verbliebe. Man könne nur genau eine Stunde spielen, dann müsse hier Schluß sein, sonst gäbe es Probleme mit dem Ordnungsamt.

Anfangs hielt ich das für einen Gag, aber Lambchop hielten sich tatsächlich grob an die eine Stunde Spielzeit. Beim letzten Lied vor der einzigen Zugabe klingelte dann allen Ernstes der Wecker und die Amerikaner wußten so, daß ihnen keine Zeit mehr verbliebe.

Vorangegangen war ein Konzert, daß gespickt war mit Titeln des neuen Albums Oh (Ohio). Er wolle ungern zurückblicken, erklärte Kurt Wagner den Auswahl der Stücke und so kam man fast vollständig in den Livegenuss des neuen Albums.

Los ging es gleich mit dem Titeltrack des neuen Albums, Ohio. Quasi sofort war die Magie da! Erlesene Musiker (sieben an der Zahl) zauberten äußerst harmonische Klänge und bewiesen von Anfang an, daß sie zu recht als eine der besten und beständigsten Bands der Welt gehandelt werden. Neben Kurt Wagner, der in der Mitte saß und Gitarre spielte, tat sich besonders der Pianist hervor. Er war auch einer der gesprächigsten Bandmitglieder (was sage ich da, eigentlich redeten an diesem Abend nur Kurt und zitierter Pianist) und hatte zu dem Song National Talk Like A Pirate Day eine lustige Story parat. Er schilderte nämlich, wie ein Mann von Piraten in Gefangenschaft genommen worden war und nachdem der erste Schock überwunden war, viel Spaß an diesem Schicksal hatte, denn der rote Wein floß reichlich. Lediglich der Mangel an Frauen machte ihm zu schaffen, aber dafür gab es eine Lösung. Wie die aussieht, erzählt Euch der Pianist vielleicht bei einem der kommenden Deutschlandkonzerte von Lambchop. Ich will auch nicht immer alles schon vorher verraten...

Verraten kann ich allerdings, daß das Konzert wundervoll war und das Kurt Wagner extrem energisch und expressiv auf seinem Stühlchen rotierte. Bei einem Lied stand er sogar halb auf und schrie mit ausgestrecktem Zeigefinger den Liedtext. Wow, soviel Leidenschaft hatte ich gar nicht erwartet, denn vor ein paar Wochen sah ich Herrn Wagner im Pariser Social Club und dort war er doch wesentlich ruhiger! Auch die Lieder wurden schneller und schwungvoller präsentiert, als ich mir das vorgestellt hatte. Klar, Balladen wie A Hold Of You blieben auch live eher besinnlich, aber Stücke wie das zitierte Pirate Day gallopierten in hohem Tempo durch das Café de la Danse. Auch Up with People gegen Ende hatte Dampf unter dem Kessel, was mich dazu animierte, endlich aufzustehen und ein wenig am Rande zu tanzen, ich meine, wenn der Song schon Up With People (vom Album Nixon) heißt...

Die allermeisten Leute blieben aber sitzen, was ich ein wenig bedauerlich fand. Zwar muß dem Publikum (bis auf einen unverschämten Herrn, der innerhalb einer Stunde viermal raus und reingelatscht kam und sich jedesmal an mir abstützte!) für die Disziplin ein großes Kompliment gemacht werden, aber ein bißchen mehr Bewegung hätte trotzdem nicht geschadet. Sei es drum, die gute Stunde verging wie im Fluge und mit Let's Go Bowling, entnommen von I Hope You're Sitting Down gab es lediglich eine einzige Zugabe. Glänzend auch hier noch einmal der Text: "Take no pictures of the ruins of our life that died without fight and oh we're doing everything just right, except for touching and for holding and consoling, Let's go bowling"....

Setlist Lambchop, Café de la danse, Paris:

01: Ohio
02: Slipped, Dissolved And Loosed
03: You Are A Big Girl Now
04: National Talk Like A Pirate Day
05: A Hold Of You
06: Sharing A Gibson With Martin Luther King
07: Please Rise
08: Popeye
09: Give It
10: The Man Who Loved Beer
11: Your Fucking Sunny Day
12: Up With People
13: I Believe In You

14: Let's Go Bowling (Z)

Ausgewählte Konzerttermine von Lambchop:

26.10.2008: Ancienne Belgique, Brüssel
27.10.2008: Mousonturm, Frankfurt
28.10.2008: Tivoli, Utrecht
05.11.2008: Centre Culturel Opderschmelz, Dudelange
06.11.2008: Burgerweeshuis, Deventer
07.11.2008: Konzerthaus, Dortmund
08.11.2008: Schüür, Luzern
09.11.2008: Amerika-Haus, München
10.11.2008: Halle 02, Heidelberg
11.11.2008: Volkshaus, Basel
12.11.2008: Alter Schlachthof, Dresden
13.11.2008: Conne Island, Leipzig
14.11.2008: Fabrika Trciny, Warschau
15.11.2008: Passionskirche, Berlin
16.11.2008: Fabrik, Hamburg
18.11.2008: Vega, Kopenhagen





Dienstag, 9. September 2008

Kurt Wagner & Calexico, Paris, 08.09.08

3 Kommentare

Konzert: Kurt Wagner (Lambchop) & Calexico
Ort: Social Club, Paris (Soirée Libé)
Datum: 08.09.2008
Zuschauer: standen dicht an dicht



Ein Abend in dem es um das Thema Liebe geht (soirée libe), toll so etwas, oder?

Allerdings hatte der Libe Music Club nichts mit dem deutschen Wort Liebe zu tun (wäre ja auch falsch geschrieben), sondern war schlicht und einfach eine Veranstaltung der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift Libération (abgekürzt Libe).

Das Blatt hatte in seiner letzten Ausgabe Coupons für den heutigen Abend mit Kurt Wagner und Calexico beigelegt, die man am Eingang des Social Clubs vorlegen musste, um gratis das Konzert zu genießen.

Eine tolle Sache, das sagte ich doch bereits!

Natürlich hatte sich in Pariser Folkkreisen schnell herumgesprochen, dass es am heutigen Montag gute Musik für lau geben würde und so war dann die Schlange vor dem trendigen Laden (der neuerdings eher auf Elektromusik macht) entsprechend lang.

Drinnen angekommen stand man dann dicht an dicht (unter den Zuschauern auch Pariser Musiker, z.b. Red, David von Pollyanna, Sebastian Schuller) und harrte der Dinge, die da kommen würden. Was würde Kurt Wagner spielen? Alte Klassiker von Lambchop? Die herzzereissende Ballade Paperback Bible vom letzten Album Damaged? Ich war gespannt!

Und während ich noch mit meinen Kumpels plauderte, kam plötzlich und unerwartet Kurt Wagner zwischen uns hineingepoltert und intonierte a-capella sein erstes Liedchen. Wir waren völlig perplex! Der Mann mit der schwarzen Hornbrille drängte sich so dicht an uns vorbei, dass man riechen konnte,, dass er sich vorher schon ein Bierchen gegönnt hatte. Aber was wurde gespielt? Ich kannte den Song, den Kurt auf der Bühne angekommen weitersang, nicht. Auch meine Freude und Bekannten konnten diesbezüglich nicht weiterhelfen. Der Lambchop Boss selbst hingegen, sprach davon, dass das Lied mal ein recht grosser Charthit gewesen sei, allerdings in einer anderen Fassung. Na dann...

Es ging weiter im Programm, der Mann mit dem Truckerkäppi und der herrlich warmen, rauchigen Stimme spielte solo Lieder von dem bald erscheinenden neuen Album von Lambchop, das OH (Ohio) heissen wird. Und es wird gut werden, unglaublich gut! Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte, begebe sich auf die Seite des feinen Labels Merge, wo man das ganze Album in Ruhe anhören kann. Es ist reichhaltig bestückt mit den schönsten und berührendsten Lieder, die man sich nur vorstellen kann. Eine besondere Perle, die man in Paris zu hören bekam: Slipped Dissolved And Loosed. Kurt Wagner redet darauf von dem Blackbird ("and the blackbird sang the song too bad"), Tony Curtis und den bones of heaven und sein Gitarrenspiel war so gefühlvoll, dass mir noch wärmer ums Herz wurde, als es ohnehin schon in dem überfüllten Social Club war.

Darüber hinaus spielte Kurt eine Hand voll weiterer Songs von OH (Ohio), darunter am Ende Please Rise ("Stand up, Stand Strong, Stand True, etc..."), einen wundervollen Seelentröster. Ich glaube, dass auch Hold Of You, Ohio und Of Raymond zum Programm gehörten, sicher bin ich mir da aber nicht. Klar ist aber, dass die neuen Stücke traumhaft schön sind und es insofern zu verschmerzen war, dass mein Lieblingslied Paperback Bible heute nicht kam.

Kurt Wagner räumte nun die Bühne für Joey Burns und John Convertino von Calexico, die gutgelaunt Platz hinter Gitarre und Schlagzeug Platz nahmen. Besonders Sänger Joey war bester Dinge, er scherzte ständig mit dem Publikum und gestand seine Liebe zu Paris und zu den französischen Musikern. Zunächst nannte er die Folkkünstler Dominique A (eigentlich Belgier wie Jaques Brel) und Francoiz Breut (die Ex-Freundin von Dominique A, die ich auch schon live erlebt hatte und die am 10. Oktober bei der Popkomm in Berlin auftreten wird) als Vorbilder und dann - zur allgemeinen Überraschung- den recht trashigen Philippe Katerine. Er outete sich als Fan des Paradiesvogels, der mit seinem letzten Album richtig viele Platten verkauft hatte und spielte sogar den größten Hit davon: Louxor, j'adore (hier unbedingt das Video angucken, um zu sehen wie Panne das ist! Katerine mit rosafarbenem Ballettänzerinnen-Anzug).

Natürlich war die Version von Joey wesentlich countrylastiger als das diskoorientierte Original, es gab aber auch bei Calexico die markanten Stellen, wo die Musik aussetzt ("je coupe le son"), bevor sie um so wilder wieder losballert ("je remets le son"). Das Pariser Publikum johlte und lachte sich einen Ast ab. Joey Burns versicherte hinterher, dass er Katerine wirklich möge und dass das alles keineswegs ein Scherz sei.

Zum Glück gab es aber dann die eigenen, geschmackssichereren Lieder vom neuen Calexico - Album , Carried To Dust. Gespielt wurden unter anderem Man Made Lake (Joey Burns, der alte Frauenversteher gab zu verstehen, dass es eigentlich ja auch Woman Made Lake hätte heissen können), Two Silver Trees (hier schon im Originalclip zu geniessen) und Writer's Minor Holiday, auf dem die Stimme von Joey Burns fast nach Ryan Adams klang.

Insgesamt wurde so circa 45 Minuten musiziert, bevor Kurt Wagner noch einmal auf die Bühne gab und zusammen mit Joey und John eine kurze Zugabe zum Besten gab.

Eine tolle Sache, solch ein Li(e)be-Club in Paris!

Mehr Bilder hier




 

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