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Samstag, 16. Februar 2013

Pias Nites mit Serafina Steer, Lord Huron u.a., Paris, 12.02.13

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Konzert: Pias Nites, mit Serafina Steer, Lord Huron, On And On, Champs
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 12.02.2013
Zuschauer: leider nur mittlerer Andrang
Konzertdauer: pro Act etwa gut 40 Minuten

Es spricht für die großstädtische Pariser Gelassenheit, daß Jarvis Cocker* völlig unbehelligt an der letzten Pias Nites in der Pariser Fléche d'or teilnehmen konnte. Und zwar als Gast. Er war gekommen um seinen Schützling Serafina Steer zu begutachten. Jarvis hat das aktuelle Album... der Harfespielerin produziert und war deshalb natürlich neugierig, wie die Liveumsetzung gelingen würde. Es war schon eine witzige Sache, daß der Pulp Sänger plötzlich und unerwartet neben mir stand, Photos von Serafina schoss und dann sogar ein kleines Video aufnahm. Ich ließ ihn natürlich in Ruhe, schließlich wollte ich die Show auch sehen und nicht den Vortrag durch deplatzierte Plapperei stören. Hinterher ließ ich es mir allerdings nicht nehmen, ihn anzusprechen, ihm zu seiner gelungenen Kooperation zu gratulieren und zu erzählen, daß ich Serafina bereits dreimal live in Paris gesehen hätte. Davon schien er gar nichts zu wissen und meinte nur trocken: "she doesn't tell me anything."

Entdeckt hatte ich Steer beim Festival BB Mix in Boulogne-Billancourt vor den Toren von Paris. Danach sah ich sie noch zwei weitere Male live und war jeweils sehr von der Dame angetan.

Seitdem ist ein wenig Zeit ins Land gegangen und nun war ich froh, die aus Wales stammende Musikerin wieder einmal on stage zu erleben. 

Vor ihr  waren schon zwei Bands an den Start gegangen. On and On aus den US of A (das neue Signing von Cityslang) und Champs von der britischen Isle Of Wight. On and On hatte ich komplett verpasst (Ansetzung 20 Uhr, ohne Worte), Champs dann aber weitenteils mitbekommen. War ein gelungener Auftritt bestehend aus Simon & Garfunkelschen Balladen und melodischem Indierock.

Dann endlich Serafina und ihre riesige Harfe. Mit roter Hippiehose und zusammen mit einem Musiker, der später am Laptop werkelte, kam sie auf die Bühne und bot rund 40 Minuten lang wundervoll ätherischen Folk, der aufgrund der synthetischen Beiklänge bisweilen poppige Formen annahm (Nerds sprechen in diesem Falle von Folktronica).




Die klassisch ausgebildete Künstlerin Steer hat sich längst von der steifen Musikerin aus dem Konservatorium zu einer Allrounderin entwickelt, die keine Genregrenzen kennt und definitiv keine Kopie von Joanna Newsom ist. Dafür ist bereits ihre Stimme viel zu unterschiedlich. Statt kindlichem Piepsgesang hört und hörte man eine recht tiefe Frauenstimme mit herrlich englischem Akzent. Serafina hat ein solch trostspendendes und trauriges Gesangesorgan, daß ich unweigerlich an die große Sandy Denny erinnert wurde. Und als ich dann noch feststellte, daß sich die beiden optisch ähneln, war ich umso mehr verdutzt. Dennoch war das hier kein Revival Folk, sondern eine moderne Interpretation mit einer Mischung aus klassischen und zeitgenössischen Einflüssen. Das erste Lied sang Serafina auf französisch, bevor sie in ihre Muttersprache wechselte. Allein ihr beim Zupfen der Harfe zuzusehen, war ein Genuß! Immer wieder faszinierend anzusehen, diese Tätigkeit, die gleichzeitig Kraft, aber auch Gefühl erfordert. Es ist ein widerborstiges Instrument, daß freilich solch  himmlische Töne hervorlockt, daß man sich vor den Pforten des Paradises wähnt. Die harte Arbeit die dahinter steckt, verdrängt man natürlich beflissentlich, schließlich will man genießen.


Der Genuß war auch weitestgehend ungestört, wenngleich es trotzdem ein paar Labertaschen gab, die durch ihr Geplappere nervten. Aber ich konzentrierte mich nur auf Steer, sah ihr beim Zupfen zu und versuchte, mich fallen zu lassen. Ziemlich gut gelang mir dies bei dem Stück Machine Room mit der repetetiven Gesangespassage: "transformation, transformation transformation" und den mysteriösen Tönen, die es begleitete.


Klassischer klang Brick Lane, das vor allem durch seine Sanftheit bezauberte.


An fünfter Stelle mit How To Haunt A House Party dann ein Lied, das wirklich an der Grenzlinie zwischen Elektropop und Kammerfolk hin und herwanderte. Synthetische Beats und klassisches Harfespiel gingen eine funktionierende Ehe ein und manchmal erinnerte mich das Ganze gar an Anika und ihren New Wave Dubsteb.


Wesentlich lieblicher und völlig frei von Diskoklängen dann The Moths Are Real. Hier war der Vergleich mit Sandy Denny wirklich angebracht, beide sind so anziehend melancholisch und fast mittelalterlich angehaucht.


Mit Uncomfortable dann später wieder treibende Discobeats und ein wirklich flottes Harfespiel.


Abgeschlossen wurde schließlich mit Disco Compilation, ein ebenfalls poppig klingendes Stück mit einem catchy Refrain und einem äußerst flotten Ryhthmus:


Unter dem Strich stand ein verblüffendes Konzert, bei dem deutlich wurde, daß Serafina sich wirklich nicht darauf festlegen will, ob sie Folk oder Pop macht. Sie will und kann halt eben beides. Jarvis brauchte sie eigentlich nicht dazu, aber seine Prominenz verschafft ihr hoffentlich die seit langem verdiente größere Aufmerksamkeit.

 

Aufmerksamkeit, die eine Band wie Lord Huron anscheinend bereits jetzt schon bekommt, zumidest in den USA. "All my friends are talking about this band for months!" erklärte mir ganz aufgeregt ein amerikanischer Kumpel, der seit zwei Jahren in Paris lebt und selbst als Blogger unterwegs ist. Ein gewisser Hype also, der somit geradezu nach Überprüfung schreit. Also, was taugen sie wirklich diese Lord Huron? Ist das eine Band, auf die sich die Indie Folker in den nächsten Jahren einigen können? Wenn es denn überhaupt eine Band ist, denn eigentlich handelt es sich wohl um das Solprojekt des ehemaligen Kunststudenten Ben Schneider, der- obwohl aus Michigan stammend, inzwischen in L.A. lebt.



Soloprojekt oder richtige Band, anyway, auf der Bühne standen jedenfalls viele Musiker, die einen sehr reichen, melodiösen und sonnengereiften Sound kredenzten, der unglaublich stark an die Fleet Foxes und Vampire Weekend erinnerte. Ich wußte nicht so recht, was ich davon halten sollte. Vor Begeisterung jubeln, weil die Musik wirklich sehr catchy und stimmungsfördernd war, oder mein Mißgefallen darüber bekunden, daß schon wieder eine Band unterwegs ist, die ein Stück von dem Folkkuchen, den die Fleet Foxes und Mumford & Sons gebacken haben, abbekommen will?



Das Songmaterial war jedenfalls schon einmal sehr attraktiv. Da hörte man tolle Nummern wie The Ghost On The Shore oder Man Who Lives Forever und wurde von den funkelnden Gitarren und den feinen Chorgesängen geradezu überwältigt.

Ist also jeglicher Widerstand zwecklos? Sollte man sich einfach Lord Huron zu 100 % ergeben und sich einen Teufel darum scheren, daß es zur Zeit viele Bands gibt, die ähnlich klingen?

Das Publikum in der Pariser Flèche d'or schien diese Fragen recht eindeutig beantwortet zu haben. Es bestand zu großen Teilen aus Amerikanern und war angetan, tanzte, sang mit und hatte einen fantastischen Abend.


Den hatte ich letztlich auch, alle Bands waren gut, die Stimmung angenehm und die Pias Nites im Allgemeinen ein Garant für schöne Konzerte!

* Foto: Archiv.



Dienstag, 29. März 2011

Promise & The Monster & Serafina Steer, Paris, 27.03.11

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Konzert: Promise & The Monster & Serafina Steer

Ort: Théatre de la Cité Internationale, Paris

Datum: 27.03.11
Zuschauer: 250-300 vielleicht? (Kapazität 500 Plätze)



Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, aber wer als Mann zu früh kommt, wird seine Frau nie glücklich machen können.
..

Ähem, ja. Lassen wir die Schlüpfrigkeiten und kommen zu den traumhaft schönen Konzerten, die im Rahmen des Festival les femme s'en mêlent, im Théatre de la Cité Internationale geboten wurden. Eine wundervolle Location, gelegen auf dem Campus der Universität des 14. Pariser Arrondissements. Man fühlte sich wie auf einem englischen Elite- College, wenn man die gepflegten Grünanlagen entlangschlenderte und einen Blick auf die Trutzburgen der Wissenschaft richtete.

Großartig Zeit für Rundgänge hatte ich allerdings nicht, ich war wie eingangs gesagt zu spät dran. Das Théatre dela Cité Internationale war für mich schwer zu erreichen, keine U-Bahn in der Nähe und die Tram, die als Transportmittel herhalten musste, war verflucht langsam unterwegs.

Als ich gegen 19 Uhr in das Theater eintrat, war die britische Harfespielerin Serafina Steer deshalb auch mit ihrem Programm schon so gut wie durch. Als ich auf die weiträumige Bühne schaute, war neben Serafina auch noch eine andere Dame zu erkennen. Es handelte sich um die Französin Emmanuelle Parrenin, die auf einem wundersamen Instrument namens vielle à roue (auf deutsch: Drehleier) performte. Ich glaube Regine Chassagne von Arcade Fire spielt auch gelegentlich auf so einem Ding, daß seltsame, mystische Laute ausstößt. Nach nur einem Lied verließ aber Emmanuelle wieder das Parkett und Serafina performte alleine bereits ihren letzten Sing des Abends. Unglaublich behände und agil sausten ihre Hände die Saiten ihres riesigen Instruments (gut und gerne 2 Meter hoch!) entlang und sie sang dazu im Stile einer Sandy Denny (Fairport Convention). Es war herrlich und ich war dementsprechend sauer, quasi das gesamte Konzert verpasst zu haben. Glücklicherweise kam Serafina nach Abschluß dieses Stücks noch einmal zu einer Zugabe zurück und spielte Tiger, einen ihrer bekanntesten Songs. Atemberaubend melancholisch, verstörend, betörend und mit einem tollen Rhythmus aufwartend. Wundervoll die Stimme von Serafina, voller Sehnsucht, auch in hohen Tonlagen absolut sicher und unglaublich bewegend.

Nicht nachvollziehbar, warum Serafina in Zeiten der riesigen Erfolge von Joanna Newsom noch kein Weltstar ist, der große Säle füllt. Sie hat eine klassische Ausbildung mit Bestnoten abgeschlossen und ist ein Wahnsinnstalent!



Hoch talentiert ist ohne jeden Zweifel auch die Schwedin Billie Lindahl aka Promise & The Monster. Die junge Dame trat nach Serafina Steer auf und wurde ab Song zwei von ihrer Landsfrau Lisa O Piu begleitet. Die beiden Skandinavierinnen (eine schwarz, die andere blond, für jeden etwas) schufen eine enorm dichte, knisternde Atmosphäre, fast wie in einer Kirche. Billie sang auf das Wundervollste und ihre ätherische Stimme schien durch den Raum zu gleiten. Unterdessen spielte Lisa Querflöte, ab und zu Autoharfe und in einer der spekatulärsten Momente brachte sie mit ihren zarten Fingern sogar zwei gefüllte Wassergläser zum Schwingen. Die beiden harmonierten perfekt miteinander und ein Lied war schöner als das andere. Gesanglich fühlte ich mich manchmal an Mariee Sioux erinnert, aber auch Marissa Nadler schien nie allzu weit zu sein. Alles klang so verwunschen, so weltentrückt, einfach so irreal schön. Die weichen Sessel im Theater trugen zusätzlich zu meiner Entspannung bei, so daß ich mich dabei ertappte, fast wegzunicken. Aber nicht etwa weil es langweilig war! Nein, vielmehr, weil mich das Ambiente so perfekt relaxte, daß ich jedwede Muskelspannung fallen und mich zu den engelsgleichen Gesängen hinabgleiten ließ.



Schade, daß man die gehörten Songs nicht anschließend auf einem Tonträger erwerben konnte. Bis auf The Delusioned And Insane, das von der hübschen Antarktis Ep stammt, handelte es sich um noch unveröffentlichte Tracks, die auf einem künftigen Album Platz finden sollen. Zumindest hatte ich aber die Gelegenheit, hinterher ein wenig mit Billie und Lisa zu plaudern. Die beiden Schwedinnen waren unglaublich nett und liebenswürdig, erzählten, daß sie auch noch andere Projekte hätten (Shore For Shelters für Promise The Monster, Birch Book für Lisa O' Piu) und versprachen, bald wiederzukommen.

Unter dem Strich: ein wahnsinnig gelunger Konzertabend. Stilvolles Ambiente, entzückende Artistinnen und ein vorbildlich leises Publikum. Genuß pur!

Setlist Promise & The Monster, Théatre de la Cité Internationale, Paris

01: The Delusioned and Insane
02: Wither
03: Night Out
04: Spine
05. Nico
06: Sheets
07: Sharp
08: Slopes
09: Sand
10: Dorothy



Samstag, 4. Juli 2009

Marie-Flore & Serafina Steer, Paris, 03.07.09

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Konzert: Marie-Flore & Serafina Steer

Ort: La Plage de Glaz'Art, Paris
Datum: 03.07.2009
Zuschauer: 150 vielleicht?
Konzertdauer: jeweils ca. 40 Minuten



Strandfeeling mitten in der Großstadt: Wäre die Sicht nicht durch den Blick auf den häßlichen Hotelklotz getrübt, könnte man sich hier glatt am Mittelmeer fühlen. Klar, ein bißchen Fantasie braucht man dafür, aber Sand, Liegestühle und ein Barbcecue gab es am Plage de Glaz'Art zumindest schon einmal. Fast romatisch, wären da nicht die zwei ekligen dicken Ratten gewesen, die durch die Bambuszäune hindurchgekrochen kamen und sich unmitellbar in Grillnähe ein kleines Kämpfchen lieferten. Owlle, die Freundin von Marie-Flore, die auch bei den letzten zwei Titeln des Sets aufs Lieblichste mitzwitscherte, war plötzlich hellwach und ließ einen spitzen Schrei los. Das war vor der Show. Während des Konzertes der zarten Pariser Folkeuse Marie-Flore ließen sich die Ratten zum Glück nicht mehr blicken und man konnte ungestört die neuen Titel genießen. Davon gab es eine ganze Menge, gleich der Opener war bisher unbekannt. Born And Raised hieß er und vereinte sämtliche Qualitäten der 22 Jährigen: die samtweiche Stimme mit dem zarten Schmelz, das einfühlsame Gitarrespiel und die unwiderstehliche Melancholie, die sich durch sämtliche Stücke zieht. Auch I Remember und When I Was Young waren nagelneu, während Trapdoor (hierzu gibt es ein Video, hier!) und Half Past Three (B-Seite ihrer ersten Single) schon fast als Klassiker zu bezeichnen sind. Aber gemeinsam mit Owlle ist das Ganze vielleicht sogar noch schöner, denn die beiden hübschen Stimmen passen ganz hervorragend zusammen und somit waren Soft Divide und Chances Are wahrlich ein Genuß. Eigentlich wollte Marie-Flore danach schon verschwinden, aber so leicht ließ ich sie nicht gehen: Ich forderte vehement ihren betörenden Hit Empty Walls (hier in einer charmanten Cargo Session) und da ich hierbei Unterstützung von einem anderen Fan erhielt, wurde mein Wunsch schließlich erfüllt.

Wie immer prima! Und die erste EP More Than Thirty Seconds If You Please wird im September erscheinen, darauf freue ich mich schon sehr!

Setlist Marie-Flore, La Plage de Glaz'Art, Paris:

01: Born And Raised
02: Trapdoor
03: Made Of Sticks
04: Night Disorder
05: While You Were There
06: I Remember
07: When I Was Young
08: Half Past Three
09: Soft Divide
10: Chances Are

Danach ging Serafina Steer zusammen mit ihrer Freundin Polly Huggett an den Start. Serafina kannte ich schon, denn ich hatte die britische Harfespielerin im Vorprogramm des Comeback-Konzerts der Young Marble Giants in Boulogne Billancourt gesehen und war auf Anhieb angetan. Allerdings erschein sie damals alleine und entlockte ihrer Harfe wundervollste Töne. Wahrscheinlich hatte sie in der Zwischenzeit Lust auf ein wenig Veränderung, möglicherweise war ihr der klassische Solo-Vortrag an ihrem Instrument zu eintönig geworden und so lief sie heute mit einer Keyboarderin auf. Polly harmonierte mit Serafina ganz hervorragend. Nicht nur ihre Fingerfertigkeit an dem kleinen Casio war verblüffend, sondern vor allem ihr Gesang wunderwunderschön. Fingerfertigkeit und zwar in höchster Vollendung war natürlich auch Serafina selbst zu bescheinigen. Sensationell wie sie mit einer Hand Harfe spielte und mit der anderen in die Tasten des Keyboards griff! Und diese beiden Stimmen im Chor, zum mit der Zunge schnalzen! Ich war hin und weg, zumal mich der Gesang von Serafina an meine Lieblingssängerin, die früh und tragisch Verstorbene Sandy Denny (Fairport Convention) erinnerte. Auch wenn sie zwischen den Songs Ansagen machte, erinnerte sie an Sandy, das gab mir fast Stiche ins Herz. Was die englischen Folksängerinnen in den letzten zwei Jahren mit mir anstellen, ist sowieso schon fast gemein zu nennen. Sharron Kraus, Mary Hampton, Rachael Dadd, Laura Marling, soviele würdige Nachfolgerinnen von Sandy, die mich mit ihren traurigen, aber dennoch profund schönen Songs regelmäßig an den Rande der Tränen treiben, sobald ich ihre puren Stimmen höre. Seltsam, daß von den Vorgenannten lediglich Laura Marling einem breiteren Publikum bekannt ist, denn die anderen haben mindestens genauso viel auf der Pfanne. Aber so ist dan nun einmal, Gerechtigkeit gibt es in auch in der Folkszene nur bedingt, aber ich habe bei Serafina den Eindruck, sie kann damit sehr gut leben. Sie ist mit ihren 27 Jahren reif genug, um zu wissen, daß nicht nur schnelle kommerzielle Erfolge zählen. Wichtig ist letztlich die Leidenschaft für die Kunst und die Fähigkeit das Publikum, bestehe es auch nur aus einigen eingeweihten und gutinformierten Insidern, emotional zu erreichen. Und das schafft sie ganz hervorragend. Lieder wie Motion Pictures oder Cheap Demo Bad Science & Horton Jupiter sind einfach ein Fest für die Ohren und wenn die beiden dann auch noch Morrissey auf fast genial zu nennende Weise covern (Suedehead), ist das Glück perfekt. Wahrscheinlich war auch der Pariser Himmel angetan von dieser exquisiten Darbietung, denn er zeigte sich in den dramatischsten Farben und untermalte perfekt die wunderbare Atmosphäre.

Wenn da nicht der eingangs erwähnte Hotelklotz gewesen wäre...

Aber: träumen heißt auch häßliche Dinge auszublenden und sich nur auf das Sublime zu konzentrieren. Danke Marie, Flore, danke Serafina, ihr habt mich 90 Minuten lang auf eine Wolke gebettet.

Setlist Serafina Steer, Plage de Glaz'Art, Paris (thanks to Serafina!):

01: G.S.O.H.
02: Motion Pictures
03: Port Isaac
04: Trucker
05: Ulular
06: Margoton
07: Suedehead
08: Tiger
09: By This River
10: Curses Curses
11: Cheap Demo Bad Science & Horton Jupiter

Links:

Videos: Serafina Steer - Tiger
Suedehead live
Curses Curses BBC Collective Session



Mittwoch, 31. Oktober 2007

Young Marble Giants, Paris, 28.10.07

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Konzert: Young Marble Giants (& Serafina Steer)
Ort: Festival B.B. Mix, Boulogne Billancourt bei Paris
Datum: 28.10.2007
Zuschauer: ca. 450


Auf das Festival BBMix in Boulogne Billancourt bin ich durch Flyer aufmerksam geworden, die in schöner Regelmäßigkeit vor Konzerten verteilt werden. Die meisten teilnehmenden Bands sagten mir aber überhaupt nichts, abgesehen von Fujiya & Miyagi , Deerhof und...den Young Marble Giants! Was die Young Marble Giants gibt es noch?, schoß es mir durch den Kopf. Von dieser Kultband hatte ich zumindest schon gelesen, obgleich ich ihr einziges Album "Colossal Youth", ein von Kritikern hochgelobtes Werk aus dem Jahre 1980, nicht besitze. Und irgendwie kam auch eines ihres bekanntesten Stücke "Brand-New-Life" auf meinen i-pod, es war auf einem Sampler, der der Musikzeitschrift Magic beilag, enthalten.

"Brand-New-Life" gefiel mir dann auch prompt so gut, daß ich Blut geleckt hatte und mehr von diesem minimalistischen Post-Punk haben wollte. Der Festivaltermin in Boulogne-Billancourt kam mir da gerade recht und zudem handelte es sich um ein Gratisevent. Allerdings mußte man sich für die letzten drei Tage telefonisch in die Gästeliste eintragen lassen. Bis ich endlich zum Hörer gegriffen hatte, war es allerdings schon zu spät; "die Sitzplatzkapazität ist ausgeschöpft, mein Herr, tut uns leid!". Mist, ich hatte gepennt! Da die Franzosen aber die hilfsbereitesten Menschen der Welt sind, wenn es darum geht, interessierte Leute mitreinzuschleußen, machte ich mich am Sonntag um 15 Uhr 30 trotzdem in Richtung des Centre Gorse auf, in dessen Auditorium der lediglich zweite Konzerttermin der Young Marble Giants nach einer Pause von 27 Jahren (!) stattfinden sollte . Das allerste Konzert nach der ewig langen Pause hatte das Trio beim walischen Hay-Festival im Mai 2007 gegeben.

Meine Hartnäckigkeit sollte sich schließlich auszahlen, denn nachdem die Leute mit Reservierung allesamt eingetreten waren, durften auch diejenigen, die auf gut Glück gekommen waren, ein grünes Eintrittskärtchen bekommen und der Sesam öffnete sich. Danke an dieser Stelle an die unglaublich engagierte Französin Marie Pierre Bonniol, die die Waliser nach Paris geholt hatte. Marie Piere, Du bist ein Schatz!

Vor dem Auftritt der Gebrüder Moxham und Sängerin Alison gab es aber noch Vorgruppen. Zu Exil kam ich wegen der Warterei zu spät, aber die harfespielende Serafina Steer bekam ich zum Glück noch mit. Die Waliserin hat gerade ihr erstes Album "Cheap Demo Bad Science" herausgebracht und spielte daraus wundervolle Folk-Songs vor, die nicht nur an Joanna Newsom erinnerten, sondern auch an Brian Eno, von dem sie ein Lied coverte. Der Vergleich mit Fräulein Newsom hinkt in stimmlicher Hinsicht allerdings etwas. Serafina hat nämlich einer eher weiche, ruhige, an Vashti Bunjan erinnernde Stimme. Was sie vortrug, gefiel mir außerordentlich gut, ich kann jedem nur empfehlen, sich mit der klassisch ausgebildeten Frau zu beschäftigen!

Danach versank ich in meinem roten Sesselchen und wartete auf die Comeback-Band. Es war derart gemütlich, daß ich fast dahindämmerte.
Dann aber brandete Jubel auf und zwei Männer im mittleren Alter und eine gut konservierte Frau mit Kleidchen betraten das Podium. Das waren sie also, die Young Marble Giants! Der Empfang war herzlich, das Publikum fachkundig und zum Teil im Alter der Hauptdarsteller des Tages. Am Bass agierte der großgewachsene Phil Moxham , an den Keys und der Gitarre sein leicht füllig gewordener Bruder Stuart und die lieblichen Gesangesparts wurden von der natürlich-sympatischen Alison Statton beigesteuert. Was ich von meiner Position aus nicht sah: die Band ist neuerdings vierköpfig, seitdem Andrew Moxham noch hinzugestoßen ist. Die Waliser hatten normalerweise nie einen Schlagzeuger, sondern verwendeten einen Drumcomputer, an dem heute Andrew saß. Wenn ich bei der anschließenden öffentlichen Pressekonferenz aber richtig zugehört habe, soll der dritte Moxham im Bunde neuerdings echte Drums spielen. Und neuerdings heißt in dem Zusammenhang auch, daß es ein nagelneues Stuidoalbum geben soll!!

Heute spielte die Band aber erst einmal alte Klassiker von "Colossal Youth".
Und gleich der Auftakt mit Brand-New-Life hatte es in sich, das kurze Gitarrenriff zu Beginn machte nämlich gleich die Richtung deutlich. Mimimalistische, aber dennoch geniale und äußerst charmant gesungene Titel waren Trumpf. Und kurz waren sie. Kurz und ergreifend, wie man so schön sagt. Alle ziemlich ähnlich aufgebaut, mit dem pluckernden Drumcomputer zu Beginn, kurzen Gitarrenriffs und prägnanten Bassläufen und fast immer recht abrupt endend. Besonders gut gefiel mir der Mittelteil mit "Music For Evenings" und dem Hit "Searching For Mr Right", der über einen spitzenmäßigen Basslauf verfügt. Der Applaus war heftig und verdient. Gesprochen wurde trotzdem nicht viel, die Waliser sind Stoiker, reden nur soviel sie müßen, wenn sie aber etwas sagen, klingt es immer sehr herzlich.

Aufgrund der Kürze der Stücke verging die Zeit wie im Fluge, "Include Me Out" und "Final Day" ragten noch heraus, bevor mit "N.I.T.A." schon das angeblich letzte Lied gespielt wurde. Circa 45 angenehm verbrachte Minuten waren vergangen, als die Band zum ersten Mal die Bühne verließ. Sie ließen sich aber noch einmal blicken und spielten zwei gefeierte Zugaben, die letzte bestehend aus "Credit In The Straight World". Die Kultstars, die keine sein wollen, hatten fertig und stellten sich etwas später den Fragen von Journalisten und Fans in einer öffentlichen Preesekonferenz. Davon werde ich gesondert berichten...

Setlist Young Marble Giants, Boulogne Billancourt:

01: Brand-New-Life
02: Wurlitzer Jukebox
03: Choci Loni
04: Ode To Booker T.
05: Radio Silents
06: Eating Noddemix
07: Music For Evenings
08: Searching For Mr. Right

09: Constantly Changing
10: Include Me Out
11: Cakewalking
12: Final Day
13: N.I.T.A.

14: Salad Days (Z)
15: Credit In The Straight World (Z)

Bilder der Young Marble Giants hier

Hinweis: bitte die unterstrichenen Liedtitel anklingen, dann stößt man auf You Tube Videos, mit teilweise alten Aufnahem von 1980!





 

Konzerttagebuch © 2010

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