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Freitag, 18. März 2011

Mogwai, Paris, 17.03.11

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Konzert: Mogwai

Ort: Le Trianon, Paris

Datum: 17.03.2011

Zuschauer: seit langem ausverkauft

Konzertdauer: 80 Minuten oder so


Laaaaaangweeeeeeilig!*

Es spricht für den sanftmütigen Charakter meines Bloggerpartners Christoph, daß er diese maue, höhepunktarme Veranstaltung, die Mogwai in verschiedenen Städten Europas im Moment bietet, kürzlich noch mit solch schmeichelhaften Worten (" ein gutes, bzw. solides Konzert") belegt hat. Da ich ihn aber seit Kindheitstagen kenne, weiß ich haargenau, daß er die Show von Mogwai in Köln auch langweilig fand, das konnte man ganz deutlich zwischen den Zeilen lesen. Christoph sagt sowas halt eben bloß nie so direkt, beschönigt das Ganze immer ein wenig. Gerne übernehme ich die Rolle desjenigen, der Klartext redet.

Also: Das Ganze war zum Wegdämmern! Das Set plätscherte ereignislos vor sich hin und von den berühmten Laut-Leise-Wechselspielen war bei Mogwai kaum was zu spüren. Stattdessen gab es sphärischen, durchaus schönen und melodiösen Dream Pop, fast ganz ohne die berüchtigte Noisekeule, die ich bei Mogwai normalerweise so schätze. Allerdings: Wie soll man denn auch mit maximal 104 Dezibel ein Noisekonzert bieten? Ich konnte es kaum glauben, aber die Lautstärkeanzeige an der Konsole schlug wirklich kaum mal höher aus, meistens lagen die Werte sogar unter 100! Eine bodenlose Frechheit! Ich war hier mit dem Ziel hingekommen, mir so richtig schön die Ohren zerfetzen zu lassen und dann kriege ich ein Konzert bei Zimmerlautstärke. Das ist in etwa so, wie wenn jemand Bock auf schmutzige Sado Maso-Spielchen hat und stattdessen sanften Blümchensex bekommt. Wenn man bei Mac Donalds eine Stunde auf seinen fiesen Buger wartet, kann man dann noch von einem Schnellrestaurant reden? Nö! Genauso wenig war das hier ein Noisekonzert. Ich brauchte noch nicht einmal gleich neben (!) den Boxen meine Ohrenstöpsel. Kein Wunder, daß am End ein Franzose (ein besoffenes Schwein, aber das spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle) ständig reinrief: "Play it loud! Play louder! Putain, jouez plus fort! Play Bat Cat!" Zu diesem Zeitpunkt war schon etwa eine Stunde gespielt und mit dem letzten Track vor den Zugaben, You're Lionel Richie, wurde endlich mal ein wenig mehr mit den Muskeln gespielt. Ein dramaturgisch dichter und fetziger Song, der aus dem faden Set herausstach.

Auch der Zugabenteil war halbwegs gelungen. Ein von den Zuschauern freudig aufgenommener Autrorcok und zum Abschluß mit Mexican GP eine kompakte, kraftvolle Nummer, zu der sogar gesungen wurde.

Aber reicht das um einen Eintrittspreis von 35 Euro (auf dem Schwarzmarkt lagen die Preise sogar bei 50 Euro) zu rechtfertigen? Nein, keineswegs! Das hier war eine der Enttäuschungen des Konzertjahres 2011.

Vielleicht wurde ja aus Pietätsgründen nicht so laut gespielt. Auf Erdbeben -und an diese erinnern normale Mogwai-Konzerte nunmal ein wenig-, ist im Moment niemand gut zu sprechen und dazu passte, daß die Band mittels Zettel am Eingang Gästelisten-Inhaber darum bat, 5 Euro für Japan zu spenden. Eine gute, eine humane Geste. Ich hoffe die Band hat selbst auch Knete (z. B. vom überteuerten Merch) für die Erdbebenopfer nach Asien überwiesen.

* man schaue sich nur den gelangweilten Gesichtsausdruck der Besucher an, der spricht Bände.

Setlist Mogwai,Le Trianon, Paris:


01: White Noise
02: Rano Pano
03: Travel Is Dangerous
04: Death Rays
05: Christmas Steps
06: I Know You Are But What Am I?
07: How To Be A Werewolf
08: I'm Jim Morrison, I'm Dead
09: San Pedro
10: 2 Rights Make 1 Wrong
11: Helicon 1
12: You're Lionel Ritchie

13: George Square Thatcher Death Party
14: Autorock
15: Mexican Grand Prix

(all meine Lieblingsstücke fehlten: Like Herod, Hunted By A Freak, Batcat, Glasgow Mega-Snake, auch dies enttäuschend)

Aus unserem Archiv:

Mogwai, Köln, 14.03.11
Mogwai, Cergy Pontois, 05.07.09
Mogwai, Paris, 28.10.08
Mogwai, Paris, 24.08.07




Dienstag, 15. März 2011

Mogwai, Köln, 14.03.11

6 Kommentare

Konzert: Mogwai
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 14.03.2011
Zuschauer: deutlich mehr als erwartet, aber nicht ganz ausverkauft
Dauer: Mogwai 90 min, RM Hubbert lange 40 min


Wahnsinnig viel Lust auf dieses Konzert hatte ich nicht mehr, ich war nämlich beleidigt, daß Mogwai vom zunächst angesetzten Bürgerhaus Stollwerck in die immer weniger gemochte Live Music Hall verlegt worden waren. Und das nicht etwa, weil das (schöne) Stollwerck ausverkauft gewesen wäre, die LMH wurde einfach frei, denn Beady Eye wurden (Überraschung!) zu groß für die und zogen ins Ewerk. Als dann noch das Angebot kam, Efterklang stattdessen zu sehen, war ich fast so weit. Am Ende siegte aber die Neugier auf mein erstes Mogwai Konzert, und auf die Frage, ob es mir leichter fiele als meinem Blogger-Kollegen Oliver, nach dem Konzert einzuschätzen, wie Mogwai sich live geschlagen haben.

Komplizierter Satz - einfache Antwort: nein, das fällt mir nicht leicht.

Ich weiche dem aber zunächst noch etwas aus. Als wir in der Halle ankamen, war sie schon voller als gedacht und befürchtet. Wir fanden trotzdem weit vorne noch Platz, genau rechtzeitig, um das Vorprogramm von Beginn an zu erleben. RM Hubbert, ein Gitarrist aus Glasgow, setzte sich auf einen Stuhl und begann, instrumentale Akustikgitarrestücke zu spielen. Die Lieder klangen sehr spanisch, RM klopfte immer wieder auf sein Instrument, zupfte zum Teil atemberaubend schnell und wäre in jedem Flamenco- oder Salsa-Laden begeistert aufgenommen worden. Ich mache mir nichts aus spanischer Gitarrenmusik und langweilte mich wahnsinnig. Einzig mein Wunsch, nicht nach jedem Lied Olé zu brüllen, hielt mich wach. RM redete viel in wunderbaren schottischen Singsang, er erzählte oft, um was es in den Liedern gehe (da fehlt mir bei Instrumentalstücken leider die Phantasie - die sind schön oder nicht schön, die handeln aber von nichts). Mal erzählte er stumm von seinem Hund, mal arbeitete er in einem Lied den frühen Tod seiner Eltern auf. Das wirkte zwischen den Liedern sympathisch, manchmal rührend (wenn er zum Beispiel erklärte, daß das Publikum eigentlich sein Therapeut sei, er als Schotte diese günstige Art der Therapie liebe). Aber es war leider zwischen den Ansagen so unendlich langweilig und unpassend.

Es wurde zehn nach zehn, bis Mogwai schließlich auf die Bühne gingen. Die Schotten haben bekanntlich vor ein paar Wochen ihr neues Album mit dem tollen Titel Hardcore will never die, but you will veröffentlich und dafür gute Noten geerntet.

Mit dessen Opener White noise begann der Abend. White noise ist recht schnell und enorm melodisch und damit nicht untypisch für die Stücke des neuen Albums. How to be a werewolf ist weiteres gutes Beispiel für die flotten Mogwai Melodien auf Hardcore will never die... Oder San Pedro, das durchaus auch von den Thermals stammen könnte (die machen ja mittlerweile auch solche Balladen). Die drei gefielen mir von den neuen Stücken gestern am besten - bis gegen Ende You're Lionel Ritchie noch einmal richtig punktete.

Mogwai spielten vom neuen Album immerhin sieben Titel. Der Rest des Programms wurde mit Stücken aller früheren Platten mit Ausnahme des Debüts bestritten.

Live sehen Mogwai wie die meisten anderen Postrockbands
aus: mehr oder weniger zappelnde Gitarristen, manchmal auf dem Boden hockend und an den Effekten spielend, mehr passiert nicht. Von einer Bühnenshow zu sprechen, ist also verwegen. Abwechslungen bestanden ausschließlich darin, daß mal mehr (maximal drei) und mal weniger (einer) Gitarristen spielten. Oder ab und zu eine Geige eingesetzt wird. Man kann ein Mogwai Konzert also sicher auch mit geschlossenen Augen oder mit einem guten Buch, in der Ecke sitzend genießen, ohne zu viel zu versäumen; präsent wäre die Musik alleine schon wegen ihrer meist infernalischen Lautstärke.

So viel zur Beschreibung.

Auch wenn ich mit dieser Meinung vermutlich sehr alleine stehe und ordentlich Gegenwind bekomme, restlos überzeugt hat mich der Abend nicht. Und damit meine ich natürlich nicht die kleinen Pannen, die Verspieler, das verpatzte Ende eines Stücks oder die Probleme, die zum schnellen Abbruch der ersten Zugabe Auto rock geführt haben. Das ist alles vollkommen in Ordnung. Was mir fehlte, besonders im Vergleich zu den japanischen Mono, war das Gefühl, von dieser lauten Instrumentalmusik vollkommen gefesselt zu werden, begeistert und mit offenem Mund am Rand zu stehen. Ob es nur an der Halle, den 200 Konzerten, die zwischen Mono und Mogwai lagen oder meiner Müdigkeit lag, bezweifele ich. Auf Platte mag ich Mogwai lieber als Mono, live war es deutlich umgekehrt. Die Gründe dafür sind letztenendes egal, wie so oft entscheidet das Bauchgefühl und das urteilte während und nach der Show, daß es ein gutes, vielmehr ein solides Konzert war. Und daß Mogwai ganz sicher nicht meine liebste Liveband sind, ich mir aber vornehme, ihre Platten viel öfter zu hören, weil die schließlich großartig sind.


Setlist Mogwai, Live Music Hall, Köln:

01: White noise
02: Rano Pano
03: Letters to the Metro
04: Killing all the flies
05: I know you are but what am I?
06: How to be a werewolf
07: San Pedro
08: I'm Jim Morrison, I'm dead
09: George Square Thatcher death party
10: You're Lionel Ritchie
11: 2 rights make 1 wrong
12: Bat cat

13: Auto rock (abgebrochen) (Z)
14: Hunted by a freak (Z)
15: Christmas steps (Z)

Links und Fotos gleich!




Montag, 6. Juli 2009

Gossip, Mogwai, u.a., Furia Sound Festival, 05.07.09

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Konzert: Furia Sound Festival, 2. und letzter Tag, mit: Tunng, Mono, Herman Dune, Isis, Emiliana Torrini, Gossip, Mogwai, Dillinger Escape Plan, Suicidal Tendencies
...
Ort: Cergy Pontoise bei Paris
Datum: 05.07.2009
Zuschauer. tausende



Kurzzusammenfassung:

Tunng: Leider habe ich einen Großteil des Konzertes verpasst, weil die Anreise von Paris fast 1 1/2 (!) Stunden gedauert hat. Vor allem das abschließende Bullets war aber großartig und sorgte für gute Stimmung. Vermutlich 7,5/10 Punkte

Setlist Tunng:

01: Take
02: Bodies
03: Beautiful And Light
04: Woodcat
05: Tale From Black
06: King
07: Jenny Again
08: Hustle
09: Soup
10: Bricks
11: Bullets

Mono: fabelhafte Entdeckung! Himmelhochjauchzender Postrock aus Japan. Melodisch, dramatisch, packend. Klare Konzertempfehlung: 8/10

Herman Dune: Eine leichte Enttäuschung vor allem für einen Fan wie mich. Das war nicht wirklich aufregend und nur My Home Is Nowhere Without You in einer ziemlich rockigen Version ragte heraus. 6,5/10

Auszug aus der Setlist: Try To Think About Me, Next Year In Zion My Home Is Nowhere Without You, When The Water Gets Cold And Freezes On The Lake

Konzerttermine Herman Dune:

09.07.2009: Ardentes Festival, Liège (Lüttich)
16.07.2009: Montreux Jazz Festival
20.07.2009: Thau Festival
22.07.2009: Bregenz Festival
23. 07.2009: Registratur, München
24.07.2009: Festsaal Kreuzberg, Berlin
25.07.2009: Knust, Hamburg

Isis: Brutal hart, aber dennoch melodisch und euphorisierend. Wäre der diabolische Gesang nicht (wer brüllt da, der Teufel persöhnlich?), würden mir Isis noch deutlich besser gefallen. Aber auch so verbuche ich ihren Auftritt als gelungen: 7/10 Punkte


Konzerttermine Isis:

06.07.2009: Effenaar, Eindhoven
08.07.2009: BHF Langendreer, Bochum
09.07.2009: Wagenhallen, Stuttgart
10.07.2009: Beatpol, Dresden
11.07.2009: Feierwerk, München
12.07.2009: Dachstock, Bern
13.07.2009: Spaziale Festival, Turin
15.07.2009: Exaus Open Air, Trier
16.07.2009: Dour Festival

Emilian Torrini: Gähn! Über weite Strecken zum Einschlafen! Leider! Von der kessen Isländerin hatte ich mir deutlich mehr versprochen, das hier war lediglich halbwegs gefälliger Pop/Rock, der niemandem weh tut. 5,5/10 Punkte

Setlist Emiliana Torrini:

01: Fireheads
02: Heartstopper
03: Big Jumps
04: Nothing Brings me Down
05: Today Has Been OK
06: Sunny Road
07: Me And Armani
08: Birds
09: Ha Ha
10: Gun
11: Jungle Drum

Konzerttermine von Emiliana Torrini:

09.07.2009: Les Ardentes Festival, Lüttich
10.07.2009: Fritz Im Freien, Zitadelle Berlin
20.07.2009: Zeltival Festival, Karlsruhe
24.07.2009: Kulturarena, Jena
25.09.2009: Reeperbahn Festival, Hamburg
29.09.2009: Olympia, Paris (unglaublich, aber wahr!)
04.10.2009: Muffathalle, München
06.10.2009: Live Music Hall, Köln
07.10.2009: Central Station, Darmstadt
08.10.2009: Alter Schlachthof, Dresden

Dillinger Escape Plan:

Deutlich zu viel Gebrüll. Klingt als würde eine Sau geschlachtet. Wir sind hier auf dem Konzerttagebuch, Dillinger Escape Plan überlassen wir der Visions. Ohne Wertung.


Gossip:

Grandios! Beth Ditto ist der größte Rockstar unserer Zeit! Ein fulminanter, hochspektakulärer Festivalauftritt, der kaum zu toppen war. Beim Furia Sound Festival habe ich in den letzten Jahren schon Granaten wie Sonic Youth und Queens Of The Stone Age in Aktion gesehen, aber gegen die urwüchsige Kraft von Beth sind das alles nur kleine Fische. Gossip spielten heute alles in Grund und Boden und walzten platt, was ihnen in den Weg kam. Die Ditto rammte mich mit ihrer unfassbar lauten und durchdringenden Stimme ungespitzt in die Wiese und hinterher fühlte ich mich als hätte mich ein Bus gestreift. Ein tolles Gefühl! Wer kann Beth auf dem Weg nach ganz oben noch aufhalten? Ich sehe da niemanden, die Frau ist ein Vulkan, eine Naturgewalt, ein Weltwunder (deshalb der Titel 8th Wonder?) !!! 10/10 Punkte


Gespielte Songs (Auszug): 8th Wonder, Love Long Distance, ein Auszug von Psycho Killer (Talking Heads Cover, Textzeile "Psycho Killer, qu'est-ce que c'est?"), Listen Up, Yr Mangled Heart, Jealous Girls, Standing In The Way Of Control und zum Abschluß Heavy Cross

Gossip spielen in Deutschland beim Melt! Festival (17. Juli) und am 9. Juli in Hamburg, Docks.

Mogwai:

Majestätisch, dramatisch, brilliant. Präziser und packender kann Instrumentalmusik nicht zelebriert werden. Mein drittes Mogwai Konzert war mit Abstand das beste. Es passte alles: Die Uhrzeit (22 Uhr 20, ideal für diese Art von Musik), die Songauswahl und die Lichtshow. Die Schotten waren sensationell gut und ließen desöfteren meinen Atem stocken! Wie bekifft taumelte ich am Ende mit tauben Ohren über den Rasen und konnte kaum fassen, was ich da zuvor erlebt hatte. Wie ist es möglich, daß solch brachiale Musik gleichzeitig so wunderschön ist? Und wie kann es sein, daß man ohne Texte soviel aussagen kann? Eine essentielle Band, ich würde gerne über die Rauhbeine eine Biografie schreiben, so fasziniert bin ich von ihnen!

9,5/10 Punkte

Setlist Mogwai, Furia Sound Festival, Cergy Pontoise 2009 (Merci à Stéphane!)

01: Friend Of The Night
02: Killing All The Flies
03: I'm Jim Morrison, I'm Dead
04: You Don't Know Jesus
05: Hunted By A Freak,
06: Mogwai Fear Satan
07: Batcat



Suicidal Tendencies: Überlassen wir ebenfalls der Visions und ihren Lesern.

Zum Abschluß hätte ich auch noch einen Geheimtipp des Furia Sound Festivals zu bieten: Yo Yo Acapulco kommen aus Norwegen, lieben den Klang von Ukulelen und sind musikalisch irgendwo zwischen Herman Dune, den Moldy Peaches und Coming Soon anzusiedeln, mit denen sie auch das französische Label Kitchen Music teilen. Charmant!




Mittwoch, 29. Oktober 2008

Mogwai, Paris, 28.10.08

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Konzert: Mogwai (The Twilight Sad)

Ort: Casino de Paris
Datum: 28.10.2008
Zuschauer: sehr gute Auslastung
Konzertdauer: satte 106 Minuten (The Twilight Sad mickrige 28 Minuten)



Puh! Das heutige Konzert ist für mich verdammt schwierig zu beurteilen! Auch ein paar Stunden später bin ich noch hin-und hergerissen. War das jetzt famos und überaus dramatisch oder mittelmäßig und eher langweilig? Nun, eigentlich beides, denn es gab unglaublich wuchtige, hochdynamische Passagen (vor allem mit Bat Cat ganz zum Schluß, ein Hammer!), aber auch sehr langatmige und zähe Strecken.

Leichter zu beurteilen ist die Frage, ob Mogwai zu Rockstars taugen. Denn das ist mit einem klaren "nein" zu beantworten! Uncharismatischer kann man wohl kaum sein, als diese bieder aussehenden schottischen Postrocker. Wobei sich dann widerum die nächste Frage aufdrängt: Ist das nicht eigentlich schon wieder sehr sympathisch? Keine großen Posen, keiner drängt sich in den Mittelpunkt (im wahrsten Sinne des Wortes, alle Bandmitglieder waren außen oder hinten platziert), ist doch toll und allemal besser als selbstverliebte Frontleute wie Johnny Borrell oder Pete Doherty, oder etwa nicht? Hmm, ich weiß es nicht so genau...

Ich muss einfach mal darüber schlafen.

So, inzwischen habe ich eine Nacht darüber geschlafen und rolle das Geschehen des gestrigen Tages am besten noch einmal von vorne auf.

Der Abend begann gut. Eine junge Frau in der Metro hatte nämlich mein Joy Division T-Shirt entdeckt, daß Ian Curtis in einer typisch besessenen Pose zeigt und anerkennend ihren Daumen in die Höhe gehoben, so als wolle sie mir sagen: "Hey, Du musst ja ein toller Typ sein, wenn Du Joy Divison magst, gratuliere!" Sie stieg vor mir aus und wünschte mir noch einen schönen Abend. Da sage noch jemand, man müsse sich unbedingt einen Hund anschaffen, um mit Frauen ins Gespräch zu kommen!...

Mein T-Shirt hatte ich taktisch gewählt. Nach einer alten Regel, die besagt, daß das Publikum immer so aussieht wie die Band klingt, bin ich davon augegangen, daß die Besucher überwiegend in schwarz erscheinen würden. Ich lag genau richtig und witzigerweise trug nicht nur eine Frau im Publikum eine schwarze Militärkappe, sondern auch James Graham, der Sänger der schottischen Vorgruppe The Twilight Sad. An seinen Posen war ganz klar zu erkennen, daß er selbst riesiger Joy Division - Fan ist, denn die gesamte Mimik und Gestik erinnerte extrem stark an Ian Curtis. Auch die Musik war hochmelancholisch und dark, allerdings doch ein wenig gezuckerter und optimistischer als der Sound seiner und meiner Helden. The Twilight Sad hatte ich Ende letzten Jahres im Vorprogramm von Scout Niblett für mich entdeckt. Ihr Stil traf genau meinen Nerv, melodisch-melancholischer Dark-Rock mit starkem schottischem Akzent à la Malcolm Middleton, toll so etwas!

Was ich allerdings vom damaligen Konzert nicht mehr so richtig in Erinnerung hatte, war die unglaubliche Lautstärke der Schotten. Sänger James schmiss sich schon beim ersten Lied auf die Knie und kauerte dem Publikum den Rücken zugewandt vor seinem Drummer, der auf sein Instrument einprügelte wie ein Gestörter. Meine Ohren bekamen sofort mächtig etwas ab und ich fürchtete um mein Gehör. Das Problem war, daß ich keine Ohrenstöpsel dabei hatte. Und das bei einem Konzert von The Twilight Sad und Mogwai! Au Backe!

Benommen von dem (melodischen) Lärm, den tollen Liedern und der imposanten Mimik von James Graham, wurde ich in eine Art Parallelzustand versetzt. Bei den anderen Zuschauern zog das Ganze scheinbar etwas weniger. Die meisten standen nur rum und glotzten regungslos auf die Bühne. Wahrscheinlich kannten sie weder das Album Fourteen Autumns & Fourteen Winters (Ende 2007 bei Fat Cat erschienen), noch die im June 2008 veröffentlichte EP Here, It Never Snowed. Afterwards It Did. Schade, denn diese beiden Werke stecken voller sphärischer Perlen, von denen allerdings nur gerade einmal sechs an der Zahl dem Publikum serviert wurden. Der erste kleine Hit der Gruppe, That Summer, At Home I Had Become The Invisible Boy war dabei und ich glaube auch Mapped By What Surrounded Them. Besonders toll fand ich aber den Opener des Albums, Cold Days From The Birdhouse, weil dort der Sänger so richtig aus sich rausging und schrie wie ein Besessener. Klasse auch der Aufbau des Songs. Zunächst ist der Gesang fast a-capella und es gibt nur ein paar sphärische Gitaren und etwas Keyboard, bevor das Schlagzeug einsetzt und einem eine regelrechte Noise-Keule im Stile von My Bloody Valentine in die Fresse geballert wird.

"Thanks forr coming out so errly (ich versuche hier gerade den starken schottischen Akzent nachzumachen), it's a pläsure to play in Paaris again. And wee ple wis Mogwai, that's one of our feverite bands", sprach James irgendwann und das Vergnügen lag ganz auf meiner Seite, denn The Twilight Sad gehören auch zu meinen "Favorite Bands", ich finde die ganz großartig!

Dann wurde umgebaut, Setlisten am Boden befestigt und - was besonders witzig war - für jeden Musiker von Mogwai Dosenbier platziert und sofort geöffnet, um ihnen diesen Handgriff später zu ersparen. Dosenbier passt natürlich zu Fußball wie die Faust aufs Auge und aus ihrer Begeisterung für Fußball machen Mogwai kein Geheimnis. So hing an dem Drumset von Schlagzeuger Martin Bulloch wie immer ein grün-weißer Schaal, den Farben von Celtic Glasgow. Auch Aufkleber mit der schottischen Flagge auf den Marschall-Boxen waren zu sehen. Fußball, Dosenbier, Schottland, Rockmusik: Mogwai lieben es volksnah und bodenständig, da wird kein Arbeiterklischee ausgelassen. Aber da fehlt doch noch etwas? Richtig, die Weiber! Dass die raubeinigen Typen auf der Bühne auch auf freizügig bekleidete Miezen stehen, unterstrich der links postierte Bassist (bei Wikipedia als Gitarrist beschrieben, aber das Teil hatte wirklich nur vier Saiten, man kann nachzählen!) John Cummings durch einen riesigen Aufkleber mit einem fast nackten Playgirl auf seinem Arbeitsgerät.

Wer jetzt aber glaubt, die fünf Bauernlümmel da vorne würden grobschlächtige Musik machen, wie man das nach den ganzen Klischees und auch aufgrund des Äußeren der Bandmitglieder erwarten könnte (Chef Mogwai Stuart Braithwaite hat die Ausstrahlung eines ehemaligen DDR-Grenzbeamten!), irrt sich.

Vielschichtige und hochkomplexe Lieder ziehen die Schotten nämlich hoch und über den Kontrast zwischen laut und leise und langsam und schnell in ihrer Musik ist schon viel geschrieben worden. Da will ich dann auch gar nicht mehr ansetzen, denn jeder, der sich schon einmal mit Mogwai beschäftigt hat, weiß, daß auf lange, ja langatmige ruhige Phasen, in schöner Regelmäßigkeit spontane Lautstärke -und Tempowechsel folgen, die einen unwirsch aus dem Halbschlaf wecken, in den man zuvor verfallen ist.

Der Beginn des Konzerts dann ist wenig spektakulär, die ersten vier Lieder plätschern ein wenig vor sich hin, ohne daß es im Publikum zu großen Regungen kommt. Die meisten Leute bewegen sich ohnehin keinen Schritt, sondern nicken nur teils energisch mit dem Kopf, wie das bei Postrock-Konzerten so üblich ist. Wahrscheinlich könnte jemand bei "Wetten ,Daß?" auftreten und die entsprechenden Bands an dieser Nickbewegung erkennen. Ob man diesbezüglich Unterschiede zwischen Mogwai, Explosions In The Sky, A Silver Mount Zion, oder 65 Days Of Static erkennen könnte?...

Auch auf der Bühne passiert nicht viel. Die eigentlich noch recht jungen Schotten (im Schnitt ca. 32 Jahre alt), sehen mit ihrem schütternen Haar und ihren kleinen Bierplautzen schon aus wie über 40 und bewegen sich auch so. Mit Sicherheit sind das die nettesten, natürlichsten und unkompliziertesten Typen, die man sich überhaupt vorstellen kann, aber ihr Mangel an Charisma irritiert mich doch ein wenig. Und warum steht bei Mogwai eigentlich keiner in der Mitte? Jede Fußballmannschaft hat doch Mittelfeldspieler und Stürmer und nicht nur Verteidiger und Ausputzer, warum ist das bei den Fußballnarren aus Glasgow anders? Irgendwie fehlt hier ein brillianter Individualist neben diesen ganzen Teamplayern, die mannschaftsdienlich spielen. Jemand, der die Tore macht. Ein Sänger um es auf den Punkt zu bringen. Oder eigentlich gerade nicht? Macht nicht der fehlende Gesang gerade erst den Reiz und die Dramatik der Kompositionen von Mogwai aus? Eingefleischte Fans der Band werden mit Sicherheit sagen, daß man sich die Texte im Kopf selbst ausdenken und seine eigene Phantasie bemühen soll. Also schließe ich die Augen und versuche als Reaktion auf die Musik, Bilder im Kopfe enstehen zu lassen. Das gelingt mir nicht so richtig, weil mir zu heiß ist und die Füße schmerzen. Deshalb beobachte ich lieber eine blauäugige Schönheit links neben mir. Die Süße hat glasklare Augen, wie ein Husky. Sie wippt energisch zu den Rhythmen mit, die gespielt werden. Das gefällt mir und ist fürs Auge allemal attraktiver als die Burschen von Mogwai anzuklotzen. Auf der Bühne geht eh nichts ab, die Glasgower könnten auch hinter einem Vorhang spielen. Die einzige Abwechslung bietet ein Laptop, auf dem Bilder von Fußballmatches von Celtic Glasgow zu sehen sind, was auch sonst! Mit Friend Of The Night vom Vorgängeralbum Mr. Beast kommt aber endlich etwas mehr Beweging ins Publikum rein. Ein melodisches, ein schönes Stück! Auch der Liveklassiker Hunted By A Freak wird sehr gut aufgenommen. Hierzu setzt sich Gitarrist Barry Burns hinter das Piano und bedient sich eines sogenannten Vocoders, der seine Stimme verzerrt. Es wird neben einem anderen Song auf dem Stuart Braithwaite Worte ins Mikro flüstert, das einzige Lied bleiben, indem so etwas ähnliches wie Gesang zu hören ist. Auf dem aktuellen Album The Hawk Is Howling findet man nichts dergleichen, alles ist instrumental gehalten. Eines der Highlights von diesem Werk kommt in der Form von I Love You I'm Going To Blow Up Your School. Zunächst verhalten startend, verdichtet sich der Titel zu einem komplexen Schocker, der irgendwann explodiert. Noch genialer sind aber die Zugaben. Bei Like Herod wird über etliche Minuten hinweg eine irre Spannung aufgebaut, die sich in einem dramtischen Finale entlädt. Allein dafür hat sich letztlich die Eintrittskarte gelohnt, mangelndes körperliches Engagement der Musiker hin oder her! Absoluter Hammer ist aber der Schlusstrack Bat Cat! Das ist fast schon instrumentaler Heavy Metal, aber ohne die fiesen langen Haare und die banalen Riffs. Ein Meisterwerk allererster Güte, der mich versöhnlich stimmt und dafür sorgt, daß ich das Konzert insgesamt als gelungen bezeichnen kann. Und irgendwie geht eine seltsame Faszination von Mogwai aus, die sich schwerlich in Worte fassen lässt. Gut möglich, daß man in 10 oder 20 Jahren rückblickend von einer der besten Bands der Musikgeschichte sprechen wird, denn die Lieder sind so komplex und vielschichtig, daß man bei jedem neuen Hördurchgang neue interessante Facetten erkennen kann. Ich bleibe am Ball, wie man beim Fußball sagt, denn Mogwai sind letztlich...geil!

Links:

- Mehr Fotos von The Twilight Sad hier
- Videoclip That Summer, At Home I Had Become The Invisible Boy
- Video And She Would Darken The Memory live
- Cold Days From The Birdhouse live
- mehr Photos von Mogwai hier

Setlist Mogwai, Casino de Paris, Paris:

01: Yes! I Am A Long Way From Home
02: The Precipice
03: XMas Steps
04: Scotland's Shame
05: Friend Of The Night
06: Hunted By A Freak
07: I'm Jim Morrisson, I'm Dead
08: Thank You Space Expert
09: Secret Pint
10: I Love You, I'm Going To Blow Up Your School
11: Two Rights Make One Wrong
12: Helicon 1

13: Like Herod
14: Bat Cat




Samstag, 25. August 2007

Mogwai, Rock en Seine, 24.08.07

0 Kommentare

Konzert: Mogwai

Ort: Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 24.08.2007



Die schottische Band Mogwai stand schon seit geraumer Zeit auf meiner Wunschkonzertliste. Kennengelernt hatte ich die Glasgower jedoch erst seit dem Erscheinen ihrer CD Mr. Beast (2006) da ich vorher mit Instrumentalmusik (obwohl ja auch bei Mogwai ab und zu gesungen wird) nur wenig anfangen konnte.
Dies hat sich inzwischen geändert, Postrock gehört zu meinen Lieblingsstilen, zumal dieses Feld von mir noch nicht sonderlich beackert wurde und somit Raum für Entdeckungen bleibt. 2007 haben es mir beispielsweise die Alben von Exlosions In The Sky und Electrelane angetan, aber auch das Konzert von A Silver Mount Zion im Pariser Cabaret Sauvage hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ich war also gespannt, wie mir Mogwai gefallen würden. Würden sie mich wie auf der letzten CD in ihren Bann ziehen, oder live eher blaß bleiben? Nun, leider war eher die zweite Variante der Fall, die Schotten langweilten mich heute phasenweise sogar. "Schuld" daran hatte möglicherweise der kurz vorher stattfindende fetzige Auftritt von Dinosaur Jr. Nach solch einem Adrenalinstoß war es schwierig runterzukommen und den oft schleppenden und melancholischen Rythmen des nordenglischen Quintetts die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Ich kam einfach gedanklich nie richtig in dieses Konzert hinein und dies trotz toller Titel wie "We're No Here" und "Friend Of The Night". Wenn ich richtig aufgepasst habe, brachten sie in der Mitte des Sets auch den alten Song "Hunted By A Freak", bei dem Gitarrist John Cummings den verzerrten Gesangespart beisteuerte. Bandgründer Stuart Braithwaite und E-Bassist Dominic Aitchinson wirkten hingegen eher zurückhaltend. Am meisten fiel mir eigentlich der Drummer auf (ich glaube er heißt Martin Bulloch), vielleicht weil er ein St-Pauli Sweet Shirt trug...

Fußball war im Hinblick auf das Äußere Auftreten eh ein Thema, Stuart Braitwaite trug einen Celtic Glasgow Pulli und auch das Drumset wurde von einem Schal des schottischen Traditionsvereins geziert. Die Aggressivität des Sportclubs ließen die Mogwais aber weitgehend vermissen, lediglich bei dem abschließenden Rocker "Glasgow Mega Snake" kam etwas Stimmung auf. Ich denke, eine solch große Bühne, wie es die "Grande Scène heute war, taugt nicht unbedingt für ein Konzert von Mogwai. Darum habe ich beschlossen, mir die Band noch einmal in einem intimeren Rahmen anzuhören.


Setlist Mogwai, Rock en Seine


01: Yes! I Am A Long Way Home
02: Friend Of The Night
03: Travel Is Dangerous
04: I Know You Are But What Am I
05: Hunted By A Freak
06: 2 Nights Make 1 Wrong
07: We're No Here
08: Glasgow Mega-Snake



 

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