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Samstag, 27. August 2011

Festival Rock en Seine bei Paris, 1. Festivaltag, 26.08.11

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Konzert: Festival Rock en Seine, erster Tag mit: Foo Fighters, The Kills, Grouplove, CSS, Herman Dune, Funeral Party, Wolf Gang, Biffy Clyro, Smith Westerns, u.v.a.

Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris
Datum: 26.08.2011
Zuschauer: ausverkauft


"Frühstück" (um viertel nach vier) mit Biffy Clyro, Nachthupferl mit den Foo Fighters. Am ersten Festivaltag bei Rock en Seine wurde mir mein verpoppter Arsch gewaltig versohlt. Nichts für Pussies also das heutige Line-Up, aber auch Softies kamen zumindest teilweise auf ihre Kosten. Warme Brüder erfreuten sich sicherlich am kitschigen Achtziger Jahre-Synthiesound von Wolf Gang (eine abscheuliche Band), während Party Animals bei den Brasilanern CSS abtanzten, Freunde sonniger Melodien bei Herman Dune mitschunkelten, gothische Teenager bei den ziemlich beschissenen Funeral Party voll abgingen, stylische Trendsetter sich am aufgesexten Blues-Rock der Kills ergötzen und Indie Popper ihren Spaß mit Grouplove hatten.

Postkarte von Rock en Seine:

Wetter: bescheiden
Frauen: scharf
Essen: passabel

Klatsch von Rock en Seine:

Alison Mosshart von den Kills süffelt Backstage beim Konzert der Foo Fighters Champagner und amüsiert sich mit einer Freundin wie Bolle, während Jamie Hince (mit Designertuch um den Hals) weit von Alison entfernt in die Luft starrt und sich offensichtlich tierisch langweilt (wo ist Kate Moss??). Dave Grohl spuckt unterdessen rum wie ein Lama und säuft gutes deutsches Becks Bier. Richtig so, die französische Affenpisse, die hier als "bière" verkauft wird, kann man ja auch niemandem anbieten!

Ob Iracema Trevisan, kurz Ira, die ehemalige Bassistin von CSS auch bei Rock en Seine war? Sie läuft uns in unserer U-Bahnstation mit hochhackigen Schuhen über den Weg. Sie wohnt in unserem Viertel, ich weiß es. Ist sie eigentlich noch mit dem Kerl von Air zusammen?



Freitag, 10. Juni 2011

Herman Dune & La Femme, Paris, 09.06.11

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Konzert: Herman Dune & La Femme (The Shining Twins)

Ort: Le Trianon, Paris
Datum: 09.06.2011
Zuschauer: geschätzte 650
Konzertdauer: 1 Stunde 20 Minuten Herman Dune


Wow, was für ein absolut großartiger Konzertabend!! Herman Dune waren in Bestform (so gut habe ich sie noch nie gesehen!), der Sound brillant, die neuen Songs des aktuellen Outputs Strange Moosic auf Anhieb berauschend und die Stimmung prima.



Zuvor hatte eine französische Neo New Wave Band mit französischen Texten einen fabelhaften Auftritt hingelegt. La Femme heißt die Gruppe, in der es trotz des Namens aber nur eine Frau (dafür ist sie aber sehr sexy) und drei Männer gibt. Ein Hammer!



Dabei hatte ich an diesem verregneten 9. Juni gar nicht vorgehabt auszugehen. Aber per Facebook flatterte mir eine Einladung ins Haus. Ein eifriger Konzertgänger- Freund berichtete mir, daß er zwei Gästelistenplätze gewonnen hätte und bot mir freundlicherweise an, ihn ins Trianon zu begleiten. Da zögerte ich nicht lange, denn Herman Dune hatte ich eine Weile nicht mehr gesehen und von dem neuen Album Strange Moosic in der Presse wurden positive Dinge berichtet.

David-Ivar aka Yaya, den Chef von Herman Dune (der Band), traf ich witzigerweise bereits am Eingang. Ich traute mich aber nicht, ihn anzusprechen und ihm zu erzählen, daß ich Julie Doiron (Foto) kürzlich bei uns beherbergt hatte, nachdem die gute Julie zuvor drei Nächte bei Yaya verbracht hatte. Die beiden kennen sich gut, schließlich hatte Julie auf dem vorzüglichen Album Not On Top Background Vocals beigesteuert.

Ich erklomm die Stufen des wunderbar renovierten Theaters und drang in den oben gelegenen Konzertssal ein. Auf der Bühne war die fünfköpfige französische Band La Femme bereits in voller Aktion. Bis auf den Schlagzeuger standen sie alle fein säuberlich in einer Linie hinter ihrem Keyboard, aber der Sound war trotz des synthetischen Anteils organisch und vital. Wavige Töne erklangen und die Band drückte gewaltig aufs Tempo. Das gesamte Set war schmissig, äußerst tanzbar und in hohem Masse Rausch auslösend. Den Gesangespart teilten sich eine Pagenschnitt tragende Brünette und ein kurzgeschorener Draufgänger. Ich bervorzugte es, wenn sie sang, denn ihre Stimme war frech, provozierend und bissig.

Auch die Lieder hatten es in sich, man hatte das Gefühl ,der Sound von Indochine sei auf den neusten Stand gebracht und mit viel mehr Pfiff, Spielfreude und Indiespirit neu interpetiert worden. Die Zuschauer hatten jedenfalls ihre Helle Freude, gleich neben mir tanzten zwei sexy Pariserinnen zu jedem Stück wie wild ab.

Schade allerdings, daß man noch keinen Tonträger von La Femme erwerben konnte. Es gab wohl bereits eine EP mit vier Stücken, die aber ausverkauft ist. Ein erstes richtiges Album soll dann etwas später folgen. Ich kaufe es blind, denn frischer und ansteckender kann auf französisch gesungene Musik kaum klingen!

In der Umbaupause konnte man zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem kleinen blauen Plüschmonster (Baby Blue) schließen, das man auch in dem Video zu Herman Dunes Song Tell Me Something I Don't Know bewundern kann. Tontechniker hatten es auf eine Box gestellt und es stand fortan da wie ein Maskottchen, das der Band Glück bringt. Und der Aberglaube sollte wirken, denn von Anfang an spielten die drei Musiker (David-Ivar Herman Dune: Gitarre, Gesang, Ben Pleng: Bass und Neman Herman Dune: Schlagzeug, Backgroundgesang) wie aus einem Guss. Alles lief wie geschmiert und die neuen Stücke The Rock und Lay Your Head On My Chest zündeten auf Anhieb. Mit My Home Is Nowhere Without You kam dann der erste Titel aus dem Backkatalog, neben den sich später noch, With A Fistful Of Faith (Album Mas Cambios) Your Name/My Game, Not On Top und Good For Noone gesellen sollten.

Auffällig heute die Gitarrenparts von Yaya. Ausgedehnte Soli gab es quasi in jedem Lied, aber dennoch schafte es der Bart-und Hütchenträger, seine Elektrische nicht antiquiert klingen zu lassen. Viemehr entfloss seinen Riffs der Duft sonnengereifter Apfelsinen, alles war herrlich luftig und heiter und man wähnte sich bisweilen in der Karibik. Besonders gut gefiel mir zudem der aus der Schweiz stamende Drummer Neman. Er spielte ungemein inspiriert und variabel auf, es war eine Freude ihm zuzusehen, wie er da ackerte, vorantrieb und mit vollem Köpereinsatz hieb und stach.

Ja und dann gab es auch noch den eigentümlichen Tanz von Yaya. Er trippelte leichtfüßig über die Bühne und schuf fast seinen ganz eigenen Moonwalk. Das war irre amüsant und irgendwann bequam ich mein Grinsen nicht mehr aus der Fresse. Einfach zu komisch!

Aber es wurde nicht nur gelacht und zu den sonnendurchfluteten Stücken geschwoft, sondern an der ein oder anderen Stelle kam auch die Melancholie nicht zu kurz. Insbesondere Magician bestach durch sentimentale Gitarrenparts und eine Prise Schwermut, die das Herz erwärmte. Nichts ran kam allerdings an Good For Noone (vom Album Not On Top), mit dem das reguläre Set perfekt abgeschlossen wurde. Wahnsinn, was Yaya da aus seiner Elektrischen rausholte, wie eunuchenhaft hoch er an der einen Stelle sang und wie gut das Stück einschlug!

Eine Zugabe gab es noch, dann war die Messe gelesen und die Zuschauer verschwitzt, aber ungemein glücklich.

Erstklassiges Konzert! Sahnehupferl obendrauf: die Mädchen sehen bei Herman Dune immer wie Models aus, zumindest in Paris. Mann, was waren da für Grazien unterwegs!

Setlist Herman Dune, Le Trianon, Paris:

01: The Rock
02: Lay Your Head On My Chest
03: My Home Is Nowhere Without You
04: Tell Me Something I Don't Know
05: With A Fistful Of Faith
06: Your Love Is Gold
07: Strange Moosic
08: Your Name/My Game
09: In The Long Long Run
10: Just Like Summer
11: ?
12: Not On Top
13: My Joy
14: Good For Noone

15: ?

Konzerttermine Herman Dune (ohne Gewähr):

14.06.2011: Festsaal Kreuzberg, Berlin (mit Wye Oak und Waters)
15.06.2011: Chelsea, Wien
17.06.2011: B-Sides Festival Sonnerberg, Schweiz
19.07.2011: Boomtown Festival Handelsbeurs, Gent, Belgien

Aus unserem Archiv:

Herman Dune,03.12.10
Herman Dune, Paris, 26.09.09
Herman Dune, Cergy Pontoise, 05.07.09
Herman Dune, Paris, 02.12.08
Herman Dune, Köln, 22.08.07
Herman Dune, Paris, 02.07.07

- Schöner Post von Plattenvorgericht zu Herman Dune-Strange Moosic, klick!



Samstag, 4. Dezember 2010

Nina Kinert & Bye Bye Bicycle & Yaya Herman Dune,Paris,03.12.10

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Konzert: Nina Kinert & Bye Bye Bicyicle & Yaya Herman Dune

Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 03.12.10
Zuschauer: ausverkauft (gut 300)
Konzertdauer: pro Künstler jeweils etwa 40 Minuten


Der so frostige Dezemberanfang 2010 ist in konzerttechnischer Hinsicht ziemlich heiß, zumindest in Paris. Nach wie vor gibt es in der französischen Metropole fast an jedem Tag 3 bis 4 interessante Konzerte in verschiedenen Locations. Heute spielten beispielsweise Best Coast im Nouveau Casino (ausverkauft), die Born Ruffians in der Maroquinerie (ausverkauft) und die Crystal Fighters in der Flèche d'or. Meine Wahl fiel aber auf den Konzertabend in Point Ephémère weil dort das Gesamtpaket (wie man neuerdings sagt) am besten war.

Zur heutigen Location hatte kürzlich ein Journalist in einem Printmaganzin (x-Roads) geschrieben, daß hier keine Band freiweilig spielen würde, gäbe es mehr Spielstätten in Paris und daß der Empfang hier besonders unfreundlich sei. Beim letzten Punkt hat der Schreiberling vielleicht gar nicht so Unrecht, denn ich bekam mit, wie ein mir bekannter Fotograf schroff abgewiesen wurde, weil man seinen Namen nicht auf der Liste fand. Zum Beweis für seine Akkreditierung zeigte er seine E-Mail vor, wurde aber trotzdem hingehalten und erst nach langen Diskussionen reingelassen. Leute, die keine Karte hatten, wies man recht unwirsch zurück, obwohl es normalerweise immer noch einen kleinen Restkartenverkauf an der Abendkasse gibt, auch wenn das Konzert ausverkauft ist...

Freundlicher als das Empfangspersonal zeigten sich die Schweden Bye By Bicycle, die den Konzertabend, der im Rahmen des rein schwedischen Festivals AÄÖ. stattfand, eröffneten. Sie lächelten häufig und waren ganz offensichtlich froh, in Paris die Songs ihres Debüt Albums Compass präsentieren zu können. Gespielt wurde waviger Pop mit starkem 80-er Jahre Parfum. Spätestens nach dem zweiten Lied wußte ich, daß das nix für mich war. Gezuckter Diskosound mit Bubblegum- Refrains ist nicht gerade meine bevorzugte Stilrichtung. Das Ganze klang oft wie The Cure oder The Smith light und kam noch nicht einmal annähernd an die beiden anderen aktuellen Klone dieser Kultbands, sprich die Shout Out Louds oder The Wild Nothing, ran. Ernüchterndes Fazit: Bye Bye Bicycle und ihr deprimierend fröhlicher Sound sind für die Tonne.



Dann machte sich die hübsche Nina Kinert bereit. Sie war nicht alleine gekommen, sondern hatte weibliche Verstärkung in Person der Basistin/Cellistin Linnea Olsson, der Gitarristin Sara Wilson und einem männlichen Drummer. Aus der ehemaligen/Folk/Countrysängerin im Stile von Dolly Parton oder Alela Diane ist inzwischen ein Popsternchen geworden, das musikalisch mit Fever Ray, Lykke Li, Bat For Lashes oder Wild Birds und Peacedrums zu vergleichen ist. Ihr neues Album Red Leader Dream hat mit dem Debüt Let There Be Love nicht mehr viel gemein. Statt traditionellen Folks gibt es nun modernen Pop, der ebenfalls von den 1980er Jahren infiziert ist. Play The World, Moonwalker (volles Rohr wie Fever Ray!) und der andere neue Titel gfielen mir aber dennoch gar nicht übel, weil die Band gut zusammenspielte und handwerkliches Können bewies. Zudem gibt es an der Stimme von Nina nicht viel rumzumäklen, sie ist fest, markant und erstaunlich wandlungsfähig. Nach wie vor gibt es Spurenelemente von Dolly Parton oder Alela Diane darin zu finden, aber auch eine kindlich-trotzige Note, die gut zu Erscheinung der Kinert passte. Das Set war kurz (maximal 7 Lieder), am Anfang von den neuen Stücken dominiert, gegen Ende aber mit zwei Klassikern aus ihrem Backkatalog aufwartend. Combat Lover schoß hierbei ganz klar den Vogel ab. Besonders die Gitarristin jagte mit ein paar shoegazigen Riffs den rhytmischen Titel in luftige Höhen, die zuvor nicht erreicht worden waren. I Shot My Man zum Abschluß kam in völlig neuem Gewande daher. Komplett umarrangiert und kaum noch wiederzuerkennen. Ein Ausdruck der musikalischen Neuausrichtung von Nina Kinert. Vieleicht hatte sie einfach keine Lust mehr auf den trockenen Singer/Songwriter-Stoff ihrer Anfänge, ist ja schließlich auch noch ein junges Mädchen. Letzlich kann ich mit der "neuen" Nina auch ganz gut leben. Ein gefälliges Konzert.



Headliner war schließlich der Franzose David-Ivar (Yaya) Herman Dune, der sich in dieses schwedische Line-up eingeschlichen hatte. Immer wieder hat er in Interviews beteuert, daß er Franzose sei, weil er in Paris aufgewachsen und zur Schule gegangen und sein Vater Franzose ist. Heute aber erinnerte er sich wohl an seine schwedische Mutter und die war Anknüpfungspunkt genug, um an diesem skandinavischen Festival teilzunehmen. Nun ja, was soll man sagen, die Tennisspielerin Mary Pierce wuchs in Kanada, als Tochter eines Amerikaners auf und spielte Fed Cup für Frankreich, weil ihre Mutter Französin ist. Warum sollte dann ein Herman Dune nicht auch auf die Herkunft seiner Mutter abstellen dürfen, um beim AÄÖ teilzunehmen?

Wie auch immer, cool wie gewohnt war er, der Vollbartträger mit den witzigen und außergewöhnlichen Texten! 123 Apple Tree schmetterte er schon an zweiter Stelle, bevor er (höchstwahrscheinlich neues) Material hinterherschickte, daß ich nicht kannte. Stilistisch wechselte er von Freak Folk zu Blues Rock und Pop und varierte auch die Stimmungen der Songs. Manches klang beschwingt und sommerlich- fröhlich, anderes wiederum melancholisch und sehr herbstlich. Ab Lied drei stieß dann auch ein Drummer hinzu, es handelte sich aber nicht um den üblichen Schlagzeuger der Band. Auch das Konzert von Dune war nicht sehr lang und nach ungefähr 35 Minuten kündugte er mit A Year In Zion, dem Titeltrack des letzten Albums, schon das letzte Stück an.

Unter dem Strich ein passabler Abend, der aber kein Konzert abwarf, daß es in meine Jahres Top 20 schaffen könnte.

Aus unserem Archiv:

Nina Kinert, Paris, 25.09.09
Nina Kinert, Köln, 14.04.08
Herman Dune, Paris, 26.09.09
Herman Dune, Cergy Pontoise, 05.07.09
Herman Dune, Paris, 02.12.08
Herman Dune, Köln, 22.08.07
Herman Dune, Paris, 02.07.07





Sonntag, 27. September 2009

Herman Dune & Yeti Lane & Kim & The Low Anthem, Paris, 26.09.09

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Konzert: Herman Dune & Yeti Lane & Kim & The Low Anthem

Ort: la Maroquinerie, Paris
Datum: 26.07.2009
Zuschauer: es war voll, aber nicht ausverkauft

Konzertdauer: jeweils 35-40 Minuten



Ein gutsortierter Plattenladen in Paris feiert fünfjährigen Geburtstag und wir sind natürlich dabei! Ground Zero, so wie das Loch im Herzen von New York, nennt sich der Shop, der von Franck Pompidor, dem Schlagzeuger der HushPuppies (Foto rechts) , mit viel Engagement betrieben wird. Der Name ist gut gewählt, bedenkt man, daß das Geschäft zu einem Zeitpunkt eröffnet wurde, wo der physische CD Umsatz stark eingebrochen ist. Dennoch hat es Franck (er wäre fast Profifußballer geworden, Vorbild: Alain Giresse) zusammen mit seiner tüchtigen Angestellten geschafft, sich eine Stammkundschaft aufzubauen und Indiemusikfans eine hervorragende Auswahl anzubieten. Er verteidigt nicht nur die besten internationalen Acts, sondern hat logischerweise auch viele Franzosen im Programm. Oft findet man bei Ground Zero CDs und Schallplatten, die es nirgendwo anders zu erstehen gibt. Das liegt zum Teil daran, daß er auch Werke von Künstlern verkauft, die per Selfrelease veröffentlichen, zum andern aber auch, daß er oft streng limitierte Sachen anbieten kann.

Besonders toll sind die Akustiksessions, die Franck in unregelmäßigen Abständen im urigen Gewölbekeller seines Ladens ausrichtet. Ich selbst kam auf diese Weise in den Genuß des hochcharmanten Konzertes von This Is The Kit und ihrer englischen Freundin Rachael Dadd und auch Peter von Poehl und Herman Dune haben schon im Ground Zero musiziert. Die Verbindung zur Familie Dune ist ohnehin sehr stark, denn niemand kann sich rühmen, mehr CDs von André Herman Dune, inzwischen unter dem Namen Stanley Brinks bekannt, im Angebot zu haben. Sie lagern in einem Pappkarton gleich an der Kasse und es gibt bestimmt 20 Stück davon!

Jaja, die Dunes sind Vielschreiber, es gibt Leute die behaupten, die Kerle würden jeden Tag ein neues Lied schreiben. Wahrscheinlich ist das gar nicht übertrieben, denn der umfangreiche Musikkatalog der Franzosen mit schwedischen Wurzeln wird ständig erweitert. Kein Wunder also, daß David-Ivar (Yaya) Herman Dune heute beim Konzert in der Maroquinerie keinen einzigen alten Song (oder doch es gab ganz genau einen. Aber wie hieß er?) spielte, sondern ausschließlich neues Material präsentierte. Ohne Band und Ukulele kam der kauzige Künstler angeschlurft und trug auf seiner Gitarre Stücke vor, die wohl zumindest zum Teil auf einem neuen Album erscheinen werden. Statt seines obligatorischen Hütchens trug er ein blaues Baseball Käppchen und auch der Bart und die Haare waren relativ kurz gehalten. Unprätentiös und natürlich sein Auftreten, in keiner Sekunde ließ er raushängen, daß er nicht nur in Frankreich große Erfolge hat - eine ausverkaufte Kultlocation wie das Olympia sprechen hierfür Bände, sondern auch international bekannt ist. Er ist also sprichwörtlich auf dem Teppich geblieben, obwohl er zur Betonung seiner mit Inbrunst vorgetragenen Lieder oft auf die Zehenspitzen ging und so noch ein paar Zentimeter größer zu schien, als ohnehin schon. Äuffälig war wie feingliedrig sein Gitarrespiel war. Mit seinen langen Fingern zupfte er ganz ohne Aufwand hübsche kleine Melodien aus der Klampfe heraus, die immer zwischen Euphorie und Melancholie hin- und her tänzelten. Zu der Musik von Herman Dune kann man lachen oder weinen, je nachdem in welcher Verfassung man gerade ist und die Stücke interpretiert. Witzig sind die oft ironischen und ungewöhnlichen Texte allemal, da wundert man sich, was Yaya so alles durch den behüteten Kopf schießt!(einmal rief er textlich mehrfach aus: "I was drunk, but not from the wine!") Der Kerl hat Komikertalente, keine Frage und zum Entertainer taugt er auch, obwohl er eigentlich keine großen Ansprachen hält. Er sagt es halt eben alles in seinen Liedern. Als schließlich noch sein Saxofon spielender Musikerkollege Q hinzukam, wurde es besonders komisch, denn der bärtige Glatzkopf hatte die Angewohnheit, beim Spielen ein Beinchen zu heben, wie ein Hündchen, das pinkeln muss. Die beiden nebeneinander, ein Bild für die Götter!

Bleibt abzuwarten, wie das neue Material schließlich klingen wird, wenn es mit der Band performt wird. Ich bin gespannt!

Nach kurzer Pause ging es mit dem einzigen nichtfranzösischen Act des heutigen abends weiter. Ob es eine konkrete Beziehung zwischen dem Ground Zero Plattenladen und The Low Anthem aus Providence, Rhode Island, gibt, entzieht sich meiner Kenntnis, Fakt ist aber, daß man mit den Amis ein Glückslos gezogen hatte! Sie bereicherten den ohnehin schon hochklassigen Abend ungemein. Eine feine Sache, wenn man bedenkt, daß die Karten für diese Veranstaltung überschaubare 13 Euro gekostet haben und daß man dafür über 3 1/2 Stunden Musikgenuß bekam. Und ein Genuß war es in der Tat, The Low Anthem zuzuhören! Teilweise bereits als die neuen Fleet Foxes etikettiert, zeigten die drei Musiker, daß sie stilistisch breitgefächert und eigenständig sind und ihr Repertoire sowohl sehr leisen und intimen Folk als auch stampfenden Bluesrock umfasst. Der erste Song erinnerte mich an Simon & Garfunkel, der zweite wiederum an Bon Iver. Welch betörendes Falsett bei diesem traumhaft schönen Lied namens Charlie Darwin! Ben Knox Miller schaffte es, mich emotional so stark zu berühren, wie es in letzter Zeit nur Justin "Bon Iver" Vernon vermochte. Ich fühlte mich wie in Watte gepackt und störte mich auch nicht mehr weiter daran, daß das Publikum wieder einmal auf dem Fußboden rumsaß, was ich nicht ausstehen kann. Mir schlafen davon nämlich die Füße ein und nach eingeschlafenen Füßen klangen The Low Anthem wahrlich nicht! Als sie mit Home I'll Never Be einen von Tom Waits inspirierten Blues-Stampfer abfeuerten, merkte man, daß sie auch rocken können. Aufstehen und im Takt mitwippen, wäre insofern die probate Antwort der Meute gewesen, aber die Leute blieben am Boden kleben. Mehr Bewegung gab es auf der Bühne, da wurden nämlich munter die Instrumente gewechselt. Die talentierte Jocie Adams fing zunächst am Schlagzeug an, spielte dann aber auch Gitarre, Klarinette und Crotales. Crotales, was iss'n das? Nun, das wußte ich vorher auch nicht, ich hielt das Instrument, daß Jocie mit einem Geigenbogen von unten nach oben strich, für ein Vibraphon, lag damit aber falsch. Ben Know Miller wiederum performte an der Akustikgitarre, spielte auch jeweils einmal Orgel und Horn und blies auch desöfteren in eine Mundharmonika. Jeff Prystowsky schließlich zupfte den riesigen Kontrabass und klimperte ab und an auf der Orgel.

3 Multitalente also, die mit Ticket Taker und To Ohio auch noch zwei formidable Lieder (und ich zitiere jetzt nur Beispiele, Ausfälle gab es nämlich keine) auf Lager hatten. Die muss man genau im Auge behalten, eine klasse Band!

Als dritter Starter wurde im Anschluß der aus Bordeaux stammende Franzose Kim ins Rennen geschickt. Ich hatte den Burschen mit der Prinz Eisenherz Frisur bereits einmal vor ein paar Monaten in einem Pariser Privatclub gesehen und er hatte mir recht gut gefallen. Sein Konzert wurde aber damals von einer laut plappernden Beth Ditto gestört, die im Baron zusammen mit ihrer Band Gossip eine Aftershow- Party abhielt. Kim hatte jedoch souverän reagiert und in einer Szene Beth mit seinem Banjo gejagt, um ihr zu signalisieren, daß Ruhe sein solle. Die Ditto redete aber trotzdem ungeniert weiter...

Mit mehr Disziplin und Aufmerksamkeit waren heute die Besucher in der Maroquinerie bei der Sache. Kim machte allerdings deutlich mehr Lärm als vor ein paar Monaten, als er unplugged gespielt hatte. Heute hatte er zwei Burschen der Band The Alb dabei und zu dritt rockten sie ziemlich wild ab. Die Songs von Kim sind catchy und schwungvoll und stimmlich erinnerte er mich zumindest gestern an Jack "The White Stripes" White. Stilistisch will er sich partout auf kein Genre festlegen, er wechselt zwischen Indie, Folk, Elektropop und Bluesrock wild hin und her. Ein Phänomen dieser Kim, der aus einer Musikerfamilie stammt und schon an die 20 (!) Alben (genauer gesagt 17, demnächst 18) veröffentlicht hat. Und dies mit 32! Kein Wunder, daß man da kaum nachkommt. Sicher erkannt habe ich deswegen auch nur den Hit When The River Turns Around und den eingängigen Neuling She's A Lion. Ein Großteil des fetzigen Sets dürfte letztlich vom neuen Album Mary Lee Doo gestammt haben.

Ich behalte Kim weiter im Auge, der Kerl ist umtriebig und spielt übrigens auch bald in Deutschland.

Konzerttermine von Kim in Deutschland:

14. Dezember, Lolita Bar, Kassel
15. Dezember, King Georg, Köln
16. Dezember, Cafe Galao, Stuutgart

Als letzte Band trat schließlich Yeti Lane aus Paris auf. Spaßvögel bezeichnen das rein männliche Trio auch gerne einmal als Ben sans Cyann, weil Yeti Lane aus den gleichen Musikern wie die Vorgängergruppe Cyann & Ben besteht, bloß ohne die Sängerin Cyann, die eine Solokariere starten möchte. Cyann & Ben waren bei Kritikern schon immer höchst beliebt und für alle drei Alben hagelte es Sterne in diversen Fachmagazinen. Auch die britische Musikjournaille liebte diese Formation und so wundert es nicht, daß in der aktuellen Ausgabe des NME die hochgradig tolle Single Lonesome George in den höchsten Tönen gelobt wird. "The debut single from this parisian trio sounds like Pavement playing a Neu! Song with Grandaddy. Oh, and it's about a tortoise. What's not to love?" riefen die Briten verzückt aus und liegen mit dieser Einschätzung goldrichtig. In der Tat ist Lonesome George ein unfassbar guter Song mit riesigem Suchtfaktor und man findet darin auch tasächlich Elemente des amerikanischen Indierocks, des Krautrocks und des poppigen Folksongs. Aber auch andere Stücke auf dem Debütalbum sind gelungen, wenngleich etwas weniger eingängig. Und die Liveumsetzung ist äußerst präzise und tight, Yeti Lane spielten wie immer wie ein schweizer Uhrwerk! Eine eingespielte Truppe, bestehend aus dem Gitarristen und Sänger Ben Pleng, der auch in der Band von Herman Dune dabei ist, dem zweiten Sänger LoAc, der neben Gitarre und Bass auch noch die Synthesizer bedient und dem stoischen Drumme Charlie, der mit einem unfassbaren Tempo und einer ungeheuerlichen Genauigkeit trommelt.

Neben Lonesome George ragte aus dem Set auch Twice heraus. Ein psychedelischer, düsterer, perkussiver Tornado, der ein wenig an die Dodos, aber auch Interpol erinnert und mit einer enormen Wucht daherkam. Viele Leute waren hinterher von dem Konzert sehr angetan, obwohl es auch Stimmen gab, denen der Stoff zu wenig greifbar war. Aber das ist ja gerade das tolle bei Yeti Lane. Genau wie damals bei Cyann & Ben gewinnen die Songs bei jedem Hördurchgang und werden igendwann zum ständigen Begleiter.

Ich bekenne mich hiermit zum Fan von Yeti Lane!

Fazit: Eine rundum gelungene Geburtstagsfete für einen Plattenladen, bei dem ich eigentlich noch viel öfter einkaufen sollte. Hier kocht Mutti nämlich noch selbst! Auf die nächsten fünf Jahre!

Setlist Yeti Lane, La Maroquinerie, Paris:

01: Solar
02: Only One Look
03: Twice
04: First-Rate Pretender
05: Black Soul
06: This Day
07: Space
08: Waiting
09: Lonesome Georg

10: Think It's Done (Z)



Für gute Sachen darf man ruhig werben:

Ground Zero
Disquaire Indé à Paris
23, rue Sainte Marthe,
75010 Paris



Montag, 6. Juli 2009

Gossip, Mogwai, u.a., Furia Sound Festival, 05.07.09

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Konzert: Furia Sound Festival, 2. und letzter Tag, mit: Tunng, Mono, Herman Dune, Isis, Emiliana Torrini, Gossip, Mogwai, Dillinger Escape Plan, Suicidal Tendencies
...
Ort: Cergy Pontoise bei Paris
Datum: 05.07.2009
Zuschauer. tausende



Kurzzusammenfassung:

Tunng: Leider habe ich einen Großteil des Konzertes verpasst, weil die Anreise von Paris fast 1 1/2 (!) Stunden gedauert hat. Vor allem das abschließende Bullets war aber großartig und sorgte für gute Stimmung. Vermutlich 7,5/10 Punkte

Setlist Tunng:

01: Take
02: Bodies
03: Beautiful And Light
04: Woodcat
05: Tale From Black
06: King
07: Jenny Again
08: Hustle
09: Soup
10: Bricks
11: Bullets

Mono: fabelhafte Entdeckung! Himmelhochjauchzender Postrock aus Japan. Melodisch, dramatisch, packend. Klare Konzertempfehlung: 8/10

Herman Dune: Eine leichte Enttäuschung vor allem für einen Fan wie mich. Das war nicht wirklich aufregend und nur My Home Is Nowhere Without You in einer ziemlich rockigen Version ragte heraus. 6,5/10

Auszug aus der Setlist: Try To Think About Me, Next Year In Zion My Home Is Nowhere Without You, When The Water Gets Cold And Freezes On The Lake

Konzerttermine Herman Dune:

09.07.2009: Ardentes Festival, Liège (Lüttich)
16.07.2009: Montreux Jazz Festival
20.07.2009: Thau Festival
22.07.2009: Bregenz Festival
23. 07.2009: Registratur, München
24.07.2009: Festsaal Kreuzberg, Berlin
25.07.2009: Knust, Hamburg

Isis: Brutal hart, aber dennoch melodisch und euphorisierend. Wäre der diabolische Gesang nicht (wer brüllt da, der Teufel persöhnlich?), würden mir Isis noch deutlich besser gefallen. Aber auch so verbuche ich ihren Auftritt als gelungen: 7/10 Punkte


Konzerttermine Isis:

06.07.2009: Effenaar, Eindhoven
08.07.2009: BHF Langendreer, Bochum
09.07.2009: Wagenhallen, Stuttgart
10.07.2009: Beatpol, Dresden
11.07.2009: Feierwerk, München
12.07.2009: Dachstock, Bern
13.07.2009: Spaziale Festival, Turin
15.07.2009: Exaus Open Air, Trier
16.07.2009: Dour Festival

Emilian Torrini: Gähn! Über weite Strecken zum Einschlafen! Leider! Von der kessen Isländerin hatte ich mir deutlich mehr versprochen, das hier war lediglich halbwegs gefälliger Pop/Rock, der niemandem weh tut. 5,5/10 Punkte

Setlist Emiliana Torrini:

01: Fireheads
02: Heartstopper
03: Big Jumps
04: Nothing Brings me Down
05: Today Has Been OK
06: Sunny Road
07: Me And Armani
08: Birds
09: Ha Ha
10: Gun
11: Jungle Drum

Konzerttermine von Emiliana Torrini:

09.07.2009: Les Ardentes Festival, Lüttich
10.07.2009: Fritz Im Freien, Zitadelle Berlin
20.07.2009: Zeltival Festival, Karlsruhe
24.07.2009: Kulturarena, Jena
25.09.2009: Reeperbahn Festival, Hamburg
29.09.2009: Olympia, Paris (unglaublich, aber wahr!)
04.10.2009: Muffathalle, München
06.10.2009: Live Music Hall, Köln
07.10.2009: Central Station, Darmstadt
08.10.2009: Alter Schlachthof, Dresden

Dillinger Escape Plan:

Deutlich zu viel Gebrüll. Klingt als würde eine Sau geschlachtet. Wir sind hier auf dem Konzerttagebuch, Dillinger Escape Plan überlassen wir der Visions. Ohne Wertung.


Gossip:

Grandios! Beth Ditto ist der größte Rockstar unserer Zeit! Ein fulminanter, hochspektakulärer Festivalauftritt, der kaum zu toppen war. Beim Furia Sound Festival habe ich in den letzten Jahren schon Granaten wie Sonic Youth und Queens Of The Stone Age in Aktion gesehen, aber gegen die urwüchsige Kraft von Beth sind das alles nur kleine Fische. Gossip spielten heute alles in Grund und Boden und walzten platt, was ihnen in den Weg kam. Die Ditto rammte mich mit ihrer unfassbar lauten und durchdringenden Stimme ungespitzt in die Wiese und hinterher fühlte ich mich als hätte mich ein Bus gestreift. Ein tolles Gefühl! Wer kann Beth auf dem Weg nach ganz oben noch aufhalten? Ich sehe da niemanden, die Frau ist ein Vulkan, eine Naturgewalt, ein Weltwunder (deshalb der Titel 8th Wonder?) !!! 10/10 Punkte


Gespielte Songs (Auszug): 8th Wonder, Love Long Distance, ein Auszug von Psycho Killer (Talking Heads Cover, Textzeile "Psycho Killer, qu'est-ce que c'est?"), Listen Up, Yr Mangled Heart, Jealous Girls, Standing In The Way Of Control und zum Abschluß Heavy Cross

Gossip spielen in Deutschland beim Melt! Festival (17. Juli) und am 9. Juli in Hamburg, Docks.

Mogwai:

Majestätisch, dramatisch, brilliant. Präziser und packender kann Instrumentalmusik nicht zelebriert werden. Mein drittes Mogwai Konzert war mit Abstand das beste. Es passte alles: Die Uhrzeit (22 Uhr 20, ideal für diese Art von Musik), die Songauswahl und die Lichtshow. Die Schotten waren sensationell gut und ließen desöfteren meinen Atem stocken! Wie bekifft taumelte ich am Ende mit tauben Ohren über den Rasen und konnte kaum fassen, was ich da zuvor erlebt hatte. Wie ist es möglich, daß solch brachiale Musik gleichzeitig so wunderschön ist? Und wie kann es sein, daß man ohne Texte soviel aussagen kann? Eine essentielle Band, ich würde gerne über die Rauhbeine eine Biografie schreiben, so fasziniert bin ich von ihnen!

9,5/10 Punkte

Setlist Mogwai, Furia Sound Festival, Cergy Pontoise 2009 (Merci à Stéphane!)

01: Friend Of The Night
02: Killing All The Flies
03: I'm Jim Morrison, I'm Dead
04: You Don't Know Jesus
05: Hunted By A Freak,
06: Mogwai Fear Satan
07: Batcat



Suicidal Tendencies: Überlassen wir ebenfalls der Visions und ihren Lesern.

Zum Abschluß hätte ich auch noch einen Geheimtipp des Furia Sound Festivals zu bieten: Yo Yo Acapulco kommen aus Norwegen, lieben den Klang von Ukulelen und sind musikalisch irgendwo zwischen Herman Dune, den Moldy Peaches und Coming Soon anzusiedeln, mit denen sie auch das französische Label Kitchen Music teilen. Charmant!




Mittwoch, 3. Dezember 2008

Herman Dune, 02.12.08

1 Kommentare

Konzert: Herman Dune
Ort: Olympia, Paris
Datum: 02.12.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: gut 90 Minuten



An einem naßkalten und grauen Dezembertag kommt ein Konzert mit Herman Dune und seinem sonnigen Sound wie gerufen. Irgendetwas muß man ja schließlich unternehmen gegen den Winterblues und die chronisch schlechten Nachrichten von der Konjunkturfront. Entweder wir blasen jetzt alle Trübsal, bis sich im März oder April 2009 die Sonne mal wieder blicken lässt und die Wirtschaftsaussichten gebessert haben, oder wir pfeifen einfach auf die äußeren Umstände und lassen uns jetzt schon nicht die Laune verderben. Ich entschied mich für die zweite Variante und pilgerte mit ordentlich Vorfreude im Bauch Richtung Olympia, das im schnieken Viertel zwischen Madeleine und Opera liegt. Eine konservative Gegend, in der man Gefahr läuft, von forschen Junganwälten oder Unternehmensberatern mit Blackberry in der Westentasche über den Haufen gerannt zu werden, wenn sie von der Kanzlei zur Metro hetzen. Damals als ich noch in Deutschland Jura studiert habe, wäre das sicher mein Pariser Traumviertel gewesen, heute finde ich es hier eher spießig, versnobt und uninspirierend.

Da trifft es sich gut, wenn hier ein clochardhaft aussehender Typ wie Herman Dune spielt, der die Bobos von Paris anzieht wie ein Topf Honig die Bären. Bobos, was is'n das? Habe ich auf dieser Musikseite schon oft erklärt, aber für diejenigen, die uns nicht regelmäßig lesen: Bobo= Bohème-bourgeois (oder Bourgeois-bohème), übersetzt die bürgerlichen Künstler. Ein Menschenschlag, der in Paris weit verbreitet ist. Junge kreative Menschen, die oft bei Verlagen, Plattenlabels, oder in der Werbung tätig sind und bei ihren Klamotten Teile aus dem Secondhandladen mit Designerfummel mischen. Von Kopf bis Fuß mit Markenklamotten eingedeckt zu sein ist "bähh!", das überlässt man den Russen, oder den verpönten Neureichen im 8. Pariser Arrondissement, aber ein wenig Luxus soll es ja schon sein. Man nennt sie auch "La gauche caviar" = die Kaviarlinken, in wesentlichen Zügen vergleichbar mit der deutschen Toskanafraktion. Schwingen gerne Reden über die Probleme in der Pariser Banlieue, setzen in diese trostlosen Gegenden aber selten mal einen Fuß. Man kennt das ja alles. Sie lesen gerne Philippe Djian oder Houellebecq (man beachte, die beiden Schriftsteller haben auf ihrer Webseite immer elegant eine Kippe in der Hand, genau wie damals Camus und Gainsbourg) und ihr Lieblingsmagazin heißt "Les Inrockuptibles". Auch ich bin dort abonniert, weil ich vermutlich selbst Züge eines Bobos in mir trage. In den Inrocks, wie man abgekürzt sagt, kann man immer wieder interessante Kulturberichte lesen, man erfährt von neuen Bands, Kinofilmen und den in Frankreich sehr beliebten Comics für Erwachsene, BD- Bandes Dessinées, genannt. Es gibt auch einen Politikteil, in dem in jeder Ausgabe zu erfahren ist, was für ein dummer und inkompetenter Sack doch dieser Sarkozy ist, wie arrogant und doof seine Carla ist (die Heuchler vorher fanden sie die noch gut!) und dass Obama die gesamte zivilisierte Menschheit retten und Frieden, Gesundheit und Wohlstand für Amerika und die Welt bringen wird. Ich bin immer wieder verblüfft darüber, wie die Schreiberlinge dieses Blattes die Menschheit in Gut und Böse einteilt und welch einfältiger Formeln sie sich bedienen. Obwohl ich keineswegs Fan von Sarko bin und als Amerikaner höchstwahrscheinlich (nein sicher!) auch Obama gewählt hätte, würde ich mir doch eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Thema wünschen. Denn machen wir uns hier einmal nichts vor: Bobos und Yuppies sind im Grunde genommen der gleiche Menschenschlag. Beide Gesellschaftsgruppen kommen nämlich aus dem gleichen Lager, haben einen ähnlichen Werdegang hinter sich. Es handelt sich um Leute mit gehobener Bildung und angeschlossenem Studium und später dann auch dem entsprechend gehobenem Einkommen. Man definiert sich nur anders, "ich bin konservativ", "ich bin links", was bedeutet das heutzutage schon noch? Man guck' sich doch nur mal den ehemaligen Turnschuhminister Joschka Fischer an, wie er mit seiner Süßen zur Filmpremiere des neuen James Bond Filmes getigert ist! Meine Güte ist das ein Schicki-Micki-Pärchen! Minu mit Glitzer-Colt und Joschka mit langem Mantel, ein Bild für die Götter! (ich habe natürlich trotzdem nichts gegen die beiden, sondern nur laut gelacht als ich das Foto gesehen habe; zudem benutzt man für Neureiche in Frankreich im Moment gerne den Ausdruck "bling bling", womit man auf den Glitzerschmuck dieser Leute anspielen will...)

Nein, nein, eine Spaltung der Gesellschaft in links und rechts, Bobo oder Yuppie ist mir zuwider und unzeitgemäß, ich plädiere ohnehin für die bunte Durchmischung und den Abgeodneten ohne Parteibuch. Ich plädiere, kommt da etwa der Jurist in mir hoch? Und warum erzähle ich das alles überhaupt? Hat das irgend etwas mit Herman Dune zu tun?

Nun, ich denke schon. Denn wenn das hübsche Lied Stanley Brinks von Stanley Brinks formerly known as André Herman Düne,, dem Bruder und ehemaligen Bandkollegen von David- Ivar Herman Dune (genannt Yaya) authentisch ist, dann war die Mutter eine gebildete und studierte Schwedin, die malte und gerne um die Welt reiste, irgendwann ihren späteren Mann, einen Arzt und passionierten Gitarrespieler, kennnenlernte und mit ihm (unter anderem) André und David-Ivar zeugte. Spannend dieses Hin - und Hergerissensein zwischen bürgerlicher Existenz und Künstlerdasein! Geradezu eine Klischeebeschreibung für die Herkunft von Bobos! Selbstverständlich kommt dies auch in der Person und der Musik von David-Ivar Herman Dune zum Ausdruck. Wenn man den hageren Mann mit seinem Hütchen und dem rasputinschen Bart so sieht, könnte man ihn ja glatt für einen Penner halten, aber man weiß ja, daß dem nicht so ist. Und so spiegelt sich sein Wesen und seine Art auch im Publikum wider. Wenn ich nach links schaute, sah ich einen Mitdreißiger, der kerzengerade mit Hemd, Anzugshose und geputzten schwarzen Schühchen dastand, das feine Näschen ziemlich hoch trug und wichtig etwas in seinen Blackberry tippte und wenn ich den Kopf nach rechts drehte, sah ich einen verwuschelten Typen mit wildem Bart und Parka. Äußerlich unterschiedlich, aber letztlich doch der gleiche Menschenschlag! Der eine hat wahrscheinlich Wirtschaft, Medizin oder Recht studiert und der andere Geschichte, Philosophie und Poltikwissenschaften (man verzeihe mir meine klischeehaften Beschreibungen, aber der Artikel würde viel zu lang, wenn ich tiefgründiger erörtern würde. Und außerdem: Was weiß ich schon, ob die Kerle überhaupt studiert haben?!) Von Herman Dune fühlen sich sich beide angezogen.

Aber jetzt schluß mit dem Fabulieren, kommen wir endlich zur Musik!

Eröffnet wurde der Wohlfühlabend für Akademiker von den niedlichen Baby Skins. Mit säuglinghaften Skinheads hatte das Ganze zum Glück nichts zu tun, sondern es handelt sich um das Projekt zweier Amerikanerinnen, Angela und Crystal, die beide sangen und Gitarre spielten. Eine Augenweide diese Schnuckelchen, mit ihren Kleidchen, den hübschen Schuhen und den schönen Beinen. Auch ihre Stimmen waren äußerst lieblich und charmant, wer etwas mit Kimya Dawson, Au Revoir Simone, oder Isobel Campbell anfangen kann, wird sicherlich seine Freude an ihrer CD haben, die man hinterher am Merchandising- Stand kaufen konnte. Die beiden Süßen haben bereits ihre Stimmen auf dem Album Giant von Herman Dune erklingen lassen und auch mit Lisa Li- Lund, der Schwester von Yaya haben sie bereits zusammengearbeitet. Logisch, daß dann am Ende auch David-Ivar Dune sich höchstpersönlich die Ehre gab, um die jungen Frauen zu unterstützen. Mit dabei war auch Ben, der ehemalige Gitarrist des famosen und sträflich unterschätzten Pariser Duos Cyann & Ben, das sich inzwischen aufgelöst hat. Aber Ben hat in der Zwischenzeit zahlreiche neue Betätigungsfelder gefunden. Wenn er nicht gerade in der Band von Herman Dune spielt, ist er mit seinem taufrischen Projekt Yeti Lane unterwegs, daß ich bereits im Januar 2009 begutachten werde.

Als ich Ben auf der Bühne erblickte, mußte ich sofort an Sylvain aka Ludomatic (ein Bobo, Lieblingsschriftsteller Houellebecq, nachzulesen auf seinem MySpace Profil, Treffer!) denken, der für Cyann und Ben schon Videoclips gedreht hat. Ich habe den sehr sympathischen jungen Mann in der Flèche d'or kennengelernt, er ist auch Dokufilmer und hat für die inzwischen aufgelöste Band Hopper eine 30 minütige Reportage während ihrer diesjährigen China (!)- Tournee gefilmt. Ich fragte mich schon, ob ich Sylvain heute auch noch sehen würde und siehe da: In der Pause zwischen Vorgruppe und Hauptact kam er mit Profikamera angelaufen, gab mir ein Küsschen auf die Wange (das machen in Frankreich auch Männer untereinander, wenn sie sich mögen) und begab sich in den Fotograben. Wich ich erfuhr, würde er das Konzert von Herman Dune komplett filmen. Eine tolle Sache!

Circa gegen 21 Uhr konnte Ludomatic dann mit seiner Arbeit beginnen. David-Ivar kam nämlich auf die Bühne, genauso wie sein Drummer Neman, eine ganze Sektion Blechbläser (Trompete, Klarinette, Horn), Ben spielte wieder Gitarre und die Baby Skins waren für die lieblichen Background- Vocals zuständig. Eine richtige Kapelle war das also und die Damen und Herren sollten dem Publikum einen wunderbaren Abend bereiten!

Alles war wunderbar harmonisch, die Musik schwung-und stimmunsvoll und die Künstler auf der Bühne motiviert und mit Spaß bei der Sache. Im Grunde genommen war es ja eine Art Heimspiel für Yaya Dune, der sich oft in Paris aufhält und die Seine-Metropole, genau wie Berlin und New York zu seinen drei Hauptwohnsitzen zählt. Dune ist trotz seiner inzwischen eingetretenen Erfolge natürlich und zugänglich geblieben, oft schon gab er kleine Sessions in dem hervorragend sortierten Indie-CD und Plattenladen Ground Zero, der von Frank Pompidor, dem Schlagzeuger der Band HushPuppies mit Liebe und Hingabe geführt wird. Als vor ein paar Monaten die neue CD Next Year In Zion herauskam, ließ sich Yaya wieder dort blicken, für einen richtigen Auftritt reichte aber der Platz nicht und so signierte er halt eben vor Ort die Scheibchen. Von seinem Bruder André (jetzt Stanley Brinks) gibt es in dem Laden übrigens die größte Auswahl Frankreichs, sie haben so gut wie jede der unzähligen Werke vorrätig. Und auch auf der Bühne des altehrwürdigen Olympia zeiget er sich bescheiden und zog keine Show ab. Wenn er mal ein paar Worte auf französisch an das Publikum richtete, dann war er in seiner Wortwahl sehr knapp und wenig ausschweifend: "On est content d'être ici ce soir, c'est bien que vous êtes venus"- "Wir sind froh, daß wir heute abend hier sind und ihr alle gekommen seit".

Schon ein skuriler Vogel dieser David Ivar Herman Düne, wenn er da mit seinem Anzug und Hütchen über die Bühne trippelt, mal einen Abstecher zu seinem Gitarristen Ben, oder dem Drummer Neman macht, um sich schließlich wieder in Ruhe hinter dem Mikro zu postieren. Seine Stimme ist sehr markant, schräg und außergewöhnlich, er trifft allerdings jeden Ton und schafft es, die Vocals von den Platten nahezu perfekt wiederzugeben. Bei den einzelnen Stücken wird allerdings immer ein wenig improvisiert, man hört nie ganz genau die gleiche Version, die man vom Album her kennt, was ich sehr lobenswert finde, weil man ja ansonsten auch bei sich zu Hause die Scheibe laut hören könnte.

Die meisten Titel stammten von dem Opus Giant und natürlich dem aktuellen Output, aber es gab auch Stücke von Not On Top, meinem Lieblingsalbum des Künstlers. Besonders cool kam der Titeltrack, bei dem nicht nur der Rhythmus flott ist, sondern auch die Texte herrlich zynisch und selbstironisch:

"I feel a little strange
Feels like I'll never get my shit together
27 and I'm fucked
Well, it's 10 years from teenage
and that's a freaking lot
I think I'm getting old
and I thought I'd never say
that I bought Nevermind
and it changed my life"...

Yaya stand auf Nirvana, interessant, oder? Nicht das man das heute noch hören würde, aber der Bursche hat eine solche Musikkultur, daß einem ganz schwindelig wird! Sie reicht von seiner Lieblingsband The Velvet Underground (ein Einfluß, den man auch kaum erkennt), über die Beatles und Bob Dylan bis hin zu...Harry Belafonte! Und von dem Calypso- Einfluss Belafontes ist eine Menge zu spüren, irgendwo schwirrte in vielen Liedern des heutigen abends Angelina oder der Banana Boat Song rum. Aber auch deutliche Ähnlickeiten zu Calexico und deren Mariachi- Trompeten waren festzustellen, gerade bei dem neuen Material wie On A Saturday oder dem dem Laune machenden Titeltrack Next Year in Zion. Natürlich wurde auch der größte Hit von Giant, I Wish I Could See You Soon geschmettert, genauso Take Him Back To New York City und wenn ich mich recht entsinne 123 Apple Tree, nicht allerdings Bristol.

Erstaunlich, daß trotz all dieser euphorisierenden Lieder das Publikum nur schwerlich in die Gänge kam. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis die Leute zum ersten Mal richtig mitklatschten. Ansonsten waren die meisten eher ruhig und hüftsteif, was allerdings auch damit zu begründen war, daß man ziemlich eingekesselt stand. Zu viele Menschen auf zu engem Raum, da blieb kaum Platz für Bewegung, schade, schade!

Aber wenistens den verdienten lauten Beifall spendeten die Leute nach jedem Lied. Den größten Szenenapplaus erntete Yaya allerdings, als er sich die winzige Ukulele schnappte, um darauf ein Liedchen anzustimmen und auch in dem Moment, wo ein älterer Herr hinzutrat, der in eine Mundharmonika blies. Man merkt es schon: An unterschiedlichsten Instrumenten wurde nicht gespart und so wurde auch gut die einzige kleine Schwäche im Programm kompensiert. Die Tatsache nämlich, daß die Stimme von David- Ivar auf Dauer etwas eintönig und nervig werden kann.

Auch zur besten unter etlichen Zugaben kam schließlich ein kurioses Instrument zum Einsatz. Neman spielte nämlich bei dem tollen My Home Is Nowhere Without You auf der singenden Säge, was seinen belustigenden Effekt bei den Zuschauern natürlich nicht vefehlte.

Nach gut neunzig Minuten und mindestens 5 Zugaben war dann allerdings Schluß und ein grauer, verregneter Wintertag in Paris wesentlich freundlicher gestaltet!

Freut Euch also auf die Konzerte von Herman Dune in Deutschland! Hier sind die Termine:

04.12.2008: Feierwerk, München
05.12.2008: Fri Son, Fribourg, Schweiz
06.12.2008: Feuerwache, Mannheim
07.12.2008: Gloria, Köln
08.12.2008: Zeche, Bochum
09.12.2008: Columbiahalle, Berlin
11.12.2008: Fabrik, Hamburg



 

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