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Samstag, 24. Oktober 2015

Die Nerven, Bonn, 22.10.15

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Konzert: Die Nerven
Ort: Harmonie, Bonn
Datum: 22.10.2015
Dauer: 70min
Zuschauer: ca. 200



Der Rockpalast präsentierte wie jedes Jahr sein Crossroads-"Festival" in der Bonner Harmonie. Der Begriff Festival ist hier aber sehr weit gefasst, spielen pro Abend doch nur je zwei Bands auf einer Bühne des relativ kleinen Clubs. Gespart wurde jedenfalls nicht, die komplette Technik incl. Schlagzeugerkamera an der Decke und Strobo-Lightshow wurde aufgefahren. 

Die Nerven waren kurzfristig für eine andere Band eingesprungen, zum Glitterhouse-Label bestehen ja wohl durch das OBS im Sommer immer gute Kontakte. Da die Nerven hier ihr erstes Konzert nach Veröffentlichung ihrer neuen Platte spielen sollten, dazu in ungewohntem Rahmen und vor dem eigentlichen Tourstart, klang das ganze nach einem interessanten Abend. In der Harmonie selber ist die Zeit seit jeher stehengeblieben. Fotos alter Blues-und Rockveteranen zieren die Wände des Clubs. Dazu ein Publikum aus Langzeitverehrern des Rockpalastes und jungen Bonner Studenten. 

Für die Nerven sicher neues Terrain, nach Jahren in weniger schönen Jugendclubs und Punkschuppen der Republik. Erstaunlich war, wie wenig sich die Band davon beeindrucken ließ. Schon vom ersten Stück, dem tollen "Die Unschuld in Person" hörte man, wie sich der Sound der Band perfektioniert hat. Dazu die extrem gute Abmischung des Sounds durch die WDR-Profis, so hatte man die Nerven wohl noch nie gehört. 


Es wurde der erwartet spannende Abend. Eine Band gerade auf dem Durchbruch zu neuen Ufern. Jetzt stehen die Entscheidungen an. Wie löst man sich vom Untergrund hin zu einem neuen Publikum, wie weit lässt man das Professionelle zu, wieviel Spontanität wird zu Gunsten einer perfekten Show geopfert? Um es vorweg zu nehmen: Es war ein sehr guter Mix aus allem. 

Die besten Songs aus dem neuen Album kamen für mich etwas zu früh ("Barfuß durch die Scherben"), aber vielleicht wächst der Mut zum neuen Programm ja noch während der Tour. Der wechselnde Gesang zwischen Max und Julian tat dem Ablauf ebenfalls gut. Allein die Cover-Version von "No love lost" mit dem teilweisen Gesangvon Drummer Kevin bot für mich keinen Reiz. 

Zum Ende hin wurden die instrumentalen Teile dann wie erwartet länger und krachiger, die Spontanität und Spielfreude bei den alten Stücken ging noch leichter von der Hand. "Morgen breche ich aus" und "Angst" beenden den Set nach 60 Minuten, ein langes "Nie wieder scheitern" dient als Zugabe mit kleiner Feedbackorgie. 



Die Band zeigt sich überaus freundlich und dankt für den "netten Abend". Viele weitere Abende werden folgen. Bleibt zu hoffen, dass sich alle Beteiligten (Band und Fans) mit den neuen Umständen arrangieren können. Hier zeigten die Nerven aber bereits, dass sie durchaus bereit sind in der nächsthöheren Liga mitzuspielen. Zu gönnen ist es ihnen schon lange.

Der Rockpalast wird dieses Konzert, zunächst gekürzt am 16.11.2015 zwischen 0:15 und 2:15 Uhr im WDR Fernsehen ausstrahlen.

Aus unserem Archiv:
Die Nerven, Rüsselsheim, 11.07.15
Die Nerven, Stuttgart, 06.02.14
Die Nerven, Stuttgart, 17.01.14
Die Nerven, Karlsruhe, 07.12.13
Die Nerven, Stuttgart, 06.09.13
Die Nerven, Stuttgart, 01.08.13 



Freitag, 6. März 2015

Gemma Ray, Bonn. 05.03.15

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Konzert: Gemma Ray
Ort: Harmonie, Bonn
Datum: 05.03.2015
Dauer: Gemma Ray knapp 90 min, Ned Collette 40 min
Zuschauer: 70 bis 80  



Gemma Ray und ich hatten lange Zeit überhaupt keinen Kontakt. Ich hatte hier vor Jahren von einem Pariser Konzert der Engländerin gelesen, dabei hatte sich das Schlüsselwort "bluesig" fest in meinem Gedächtnis verankert. Und wenn man mich mich etwas jagen kann, dann mit Dingen, die bluesig sind. Oder soulig. Und mit Broccoli, aber das ist ein anderes Thema.

Vor einiger Zeit kaufte ich mir Gemmas aktuelle Platte und war angenehm überrascht. Ich spürte den Blues, er tat aber weit weniger weh als befürchtet. Das Album der Britin erinnerte mich manchmal an Anna Calvi, auch eine tolerierte Bluesrockerin, Gemmas Stimme an Anna Ternheim. Da Gemma in Berlin lebt, tourt sie scheinbar häufig in Deutschland (richtig verfolge ich das erst seit ich meine Vorurteile abgelegt habe). Der Termin in Bonn passte mir perfekt in den Kram. 

In der Nähe der Harmonie, einer schönen Kneipe mit wundervollem Konzertsaal, ist Parken eine Katastrophe, hatte ich von meinem letzten Besuch in Erinnerung. Diesmal war es unkompliziert -  und ich viel zu früh.



Gottseidank gibt es in allen Innenstädten mit Musikkneipen Nachbarn mit Rechtschutzversicherungen und damit die Notwendigkeit, Konzerte früh beenden zu müssen. Bei zwei Künstlern bedeutete das, daß der Abend früh begann und ich nicht zu lange warten musste. Um acht begann er mit dem in Berlin lebenden Australier Ned Collette, der vierzig Minuten lang ruhige Folk-Stücke vortrug. Neds Stimme gefiel mir sehr gut, auch wenn sie ab und zu etwas bröckelte. Seine Stücke waren sicher auch objektiv gut, meine in den letzten Jahren massiv angestiegene Folk-Reaktanz, verhinderte echte Begeisterung. Ein Stück in der Mitte gefiel mir sehr gut, der Rest war ok, aber eben nicht meine musikalische Erfüllung.



Zehn Minuten nach dem Ende des sehr gut angenommenen Konzerts des Australo-Berliners begann bereits Teil zwei des Abends. Gemma Ray trat gemeinsam mit ihrem Schlagzeuger Andy Zammit auf die Bühne. Auch wenn das Konzert vorzüglich werden sollte und dies natürlich an Songs, Stimme und dem Vortrag der Sängerin lag, war der Schlagzeuger der heimliche Star des Abends. Also sollte er auch gewürdigt werden.  


Andy Zammit ist gebürtiger Waliser, lebt in London und ist Herr des Gemma Ray Labels Bronze Rat. Und er spielt Schlagzeug, Keyboard (manchmal gleichzeitig) und Melodica. Vielleicht bekocht er seine Sängerin auch noch. Nach Waving the mirrors (einem der eindrucksvollsten Stücke des Abends) erklärte die Sängerin: "I'm pushing this man to the limit!" Demnächst werde sie von ihm verlangen, Akkordeon zu lernen. Das werde er sicher in ein paar Tagen schaffen. Andy guckte beim Trommeln häufig herrlich verrückt zur Decke hoch. Er wirkte vor allem dann auf mich wie eine Mischung aus Eddie Argos und Olli Schulz.


Gemma und Andy spielten viele Stücke vom neuen Album. Dabei war das Schlagzeug herrlich zurückgenommen, die Lieder waren einfacher aber sehr viel wirkungsvoller als vom Band. Ich kenne ihr vorheriges Werk nicht genug, um mich über Hits gefreut oder andere vermisst zu haben. Das Set war stimmig, die Lieder faszinierend. Auch die beiden neuen Stücke (eines hatte den Refrain "the original one" und heißt wohl auch so, das andere stellte sie als "brandnew" vor) waren hervorragend und passten perfekt zum Rest. Meine Lieblinge neben Waving at mirrors waren The right thing did me wrong und Motorbike (obwohl Motorräder in die gleiche Kategorie wie Broccoli und Blues gehören).


Als Gemma nach mehr als einer Stunde Konzert von der Bühne ging und kurz danach wiederkam, bedankte sie sich für das warmherzige Publikum in Deutschland (sowas hat uns sicher noch nie jemand nachgesagt - und außerdem lebt sie in Berlin!). In London würde man nach zwanzig Minuten von der Bühne gebuht. 

Sie spielte die ersten Zugaben so, wie sie sie im Schlafzimmer ursprünglich geschrieben habe, ganz zurückgenommen (und nicht etwa im Pyjama, sie hatte weiterhin das hübsche Blumenkleid an, das sie auch auf dem Plattencover trägt). Danach schlurften Ned und Andy ("these two zombies") zurück und begleiteten sie bei zwei letzten Liedern - Fire house, das sie mit dem Babelsberg Film Orchester aufgenommen hatte und Eyes and ears, das sie dem im Herbst verstorbenen Radio 1 Musikchef Peter Radszuhn widmete.

Setlist Gemma Ray, Harmonie, Bonn:

01: 900 miles (Odetta Cover)
02: Put the bolt in the door
03: If you want to rock and roll
04: They all wanted a slice
05: Flood and a fire
06: The original one
07: The wheel
08: Motorbike
09: Waving at mirrors
10: ? (neu)
11: There must be more than this
12: Desoto
13: Out in the rain
14: The right thing did me wrong
15: So do I

16: Rescue me (Z)
17: Shake baby shake (Z)
18: Fire house (Z)
19: Eyes and ears (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Gemma Ray, Berlin, 01.01.13
- Gemma Ray, Paris, 23.02.09


Mittwoch, 20. August 2014

Mister & Mississippi und Honig, Bonn, 27.03.14

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2. Abend im Rahmen des Crossroads Festival 2014
mit Konzerten von Mister & Mississippi und Honig & Band
Ort: Harmonie Bonn
Datum: 27. März 2014
Dauer: 60 min + 90 min
Zuschauer: 250-300


Es gibt seltene Abende, da ist einfach alles perfekt. Seit ich für einige Jahre in Bonn gearbeitet habe, bin ich glücklich, wenn sich eine Gelegenheit findet, dort einen Besuch zu machen. Und immer neu gefällt mir die Atmosphäre der alten Bundeshauptstadt am Rhein und es ist wie ein schönes Stück Heimat. Das Lokal Harmonie ist auch nur unwesentlich entfernt von der Ecke, in der ich vor Jahren dann nach Dienst unterwegs war.  Zum Rex Kino bin ich nur immer schon eine Ecke eher abgebogen und deshalb noch nie beim Harmonie vorbeigekommen.


Es ist schon vorstädtisch (mit etwas Geduld kann man noch zum Hauptbahnhof laufen) und unprätentiös. Aber dabei sehr einladend auf die gute rheinische Art. Der zweite und dritte Grund, dass ich mich auf diesen Abend sehr gefreut habe, waren, dass zwei meiner liebsten  Bands auftreten würden. Von Mister & Mississippi wusste ich zuerst und die Information machte meine Entscheidung schon fest. Als dann auch noch Honig mit Band auf den Plan gesetzt wurde, fühlte ich mich wie Hans im Glück. 


Im Harmonie war ich sehr früh. Damit hatte ich aber viel Zeit, um mir einen guten Platz zu suchen. Die Wahl fiel schließlich auf den Balkon wegen der guten Sicht und der Bequemlichkeit (ich konnte sitzen und die Bühne sehr gut sehen). Für die Fotos war das etwas knifflig, aber sonst war es einfach perfekt. Zumal ich von diesem Punkt auch einen großen Teil des Publikums im Blick hatte.


Der Abend begann sehr pünktlich und war auch im äußeren Ablauf recht berechenbar, da durch die Aufzeichnung für das Fernsehen der Zeitrahmen ziemlich fest vorgegeben war. Ich hatte den Eindruck (beim unwillkürlichen belauschen der angeregten Unterhaltungen überall), dass die meisten für Honig gekommen waren und sich auf seinen Auftritt freuten. Es gab auch einige Stimmen, die anscheinend einfach alle Abende des Festivals in die Harmonie kamen und sich dort überraschen ließen. 


Mister & Mississippi hatte aber wohl kaum jemand auf dem Plan und so war es schon beim ersten Song förmlich mit Händen zu greifen, wie den Leuten vom ersten Akkord an der Mund offen stehen blieb. Auf der Bühne waren

Samgar Lemuël Jacobs – Gesang / Percussion
Maxime Barlag – Gesang / Percussion
 / Tasten / Glockenspiel
Tom Broshuis – Gitarren / Tasten

Danny van Tiggele – Gitarren / Gesang


ganz konzentriert, fast ohne Ansagen, aber musikalisch zündeten sie vom ersten Moment an ein wahres Feuerwerk. Das ging nach vorn und war überdies von einer Lichtshow begleitet, die auf die emotionsgeladene Musik noch ordentlich eins drauf setzte. Ich würde sagen - das war auf den Punkt perfekt inszeniert. 


Sie begannen das Set des Abends mit Shape Shifter sehr innig mit den beiden Stimmen von Maxim und Samgar und das Auditorium wurde ganz still. Aber schon nach 2:30 min wurde ordentlich Bums draufgesetzt - prominent dabei ein temperamentvolles Glockenspiel-Solo. Dafür wurde sofort begeistert Applaus gezollt. Six feet under war mit einem stetigen Herzschlag-Klopfen unterlegt, die Gitarrenlinie und der Gesang von Maxim schufen eine besinnliche Stimmung und schließlich wurde vielstimmig hymnisch die Zeile Oh father forgive me what have I done zelebriert. Das anschließende Same room different house begann temperamentvoll synkopisch und bestimmt mit seinem I don't want to let you go und endete auch mit einem uptempo Finale.


Im Konzert kam nun eine acapella Nummer im Publikum, die mich auch immer wieder besonders begeistert: Bon vivant. Leider hat es dieser Teil nicht in die Fernsehfassung geschafft, denn ich fand es war einer der Höhepunkte des Sets. Geisterhaft wurde es später bei Gloom, in dem die Männerstimme von Samgar begann. Beim anschließenden Running musste das Publikum mitsingen, ohne dass es groß einer Aufforderung oder Einstudierungen bedurfte. Das hatte Samgar wirklich toll eingefädelt...


Circulate begann mit einer Dämmerstimmung, die durch eine Klaviermelodie erzeugt wird und einem Duett, in dem Samgar deutlich höher sang als Maxime. Nachdem die Gitarre eine Strophe "singen" durfte, wurde auch der Gesang auf einmal kraftvoll und verschafft mir auch bei jedem Wieder-ansehen in der Aufzeichnung einen Gänsehautmoment. Bevor endgültig ein bombastischer Teil Hoffnung aufscheinen läßt und sich dem ruhigen Ende nähert, was mit euphorischem Applaus gefeiert wurde.



Ein gigantisches Finale wurde mit dem letzten Stück Northern Sky hingelegt. An sich schon ein recht dramatisches Stück wurde es scheinbar beendet mit einer der zwei "Danke Bonn"-Ansagen des Abends, um doch noch einmal in einer total exstatischen Krachorgie ordentlich zum Abschied zu "winken". Was für ein Abend mit einer in Bestform aufspielenden Band!

Setlist Mister & Mississippi
01: Shape Shifter
02: Six feet Under
03: Southern Comfort
04: Same Room, different house
(05: Bon vivant)
06: Gloom
07: Running
08: Calm
09: Nemo Nobody
10: In Between
11: Circulate
12: Follow the sun
13: Northern sky


Honig hatten es im Anschluss ein bisschen schwer, die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen. Ich hatte schon im Set den Eindruck, dass Stefan Honig selbst vielleicht nicht ganz fit sei, weil er in den Ansagen auf mich den Eindruck machte, ein bisschen neben sich zu stehen. Nach dem Konzert hörte ich, dass wohl der ganze Tag mit Pleiten, Pech und Pannen nicht geizig gewesen war und schon das rechtzeitige auf der Bühne stehen in dem Kontext als Erfolg zu werten war. Dass es dann Probleme mit dem Sound und anschließend mit der kleinen Gitarre gab, hat bestimmt auch nicht dazu beigetragen, die Stimmung zu stabilisieren. Von all dem sieht man in der Aufzeichnung nichts, weil nur ein Teil des Konzerts ausgewählt wurde (in der Setlist unten habe ich ein Minus hinter die nicht gesendeten Stücke gesetzt). Außerdem denke ich, dass es auch nur Personen aufgefallen ist, die Honig schon einmal in "Normalform" erlebt hatten.


Jedenfalls war auch dieser zweite Konzertteil alles in allem ein wirklich guter Abend, der nur im Vergleich zum perfekten ersten Teil und dem, was man z.B. im August nun in Haldern erleben durfte, hinter dem zurück blieb, was möglich gewesen wäre. Das Publikum ging voll und ganz mit und ließ keinen Zweifel, dass ihm die Pannen ganz schnuppe waren und es die gebotene Musik sehr mochte. 


Es wurde schon viel Material vom dieser Tage erscheinenden neuen Album gespielt (unten mit (*) markiert) und in meinen Augen damit viele gute Argumente geliefert, sich dieses Kleinod zu kaufen. Meine ganz persönlichen highlights waren aber am Ende des Sets konzentriert: In my drunken head - so ruhig aber dabei so kraftvoll und das We are alone in this together bot ein exzessives Ende des regulären Sets. Als Zugabe ging es für Golden Circle ins Publikum. Insgesamt sehr folkig und für Hometowns stand Stefan Honig solo mit Gitarre vor den Bonnern. Schließlich wurde bedeutet, dass doch noch ein weiteres Stück ins Zeitlimit passt und hinter den ausgezirkelten Schlusspunkt noch Homesick geschoben.



Setlist Honig
01: Leave me now (*) -
02: Overboard (*)
03: Song for Julie -
04: Look what the tide brought in -
05: For those lost at sea -
06: Peaches (*)
07: The morning chorus
08: Lemon law (*)
09: Dear liar (*)
10: A boy (*)
11: Harmony
12: Swimming lessons (*)
13: Burning down bookshops
14: In my drunken head
15: We are alone in this together (*)

16: Golden circle (Z) (*)
17: Hometowns (Z) -
18: Homesick (Z) 


Rockpalast-Mitschnitt Mister & Mississippi
Rockpalast-Mitschnitt Honig & Band

Aus unserem Archiv:
Mister & Mississippi, Karlsruhe, 22.09.13 

Honig, Ludwigsburg, 30.11.13
Honig, Reutlingen, 27.07.13
Honig, Köln, 22.10.12
Honig, Haldern, 11.08.12
Honig, Köln, 30.11.09


Alle Bilder:




Montag, 19. August 2013

The B-52's, Bonn, 19.08.13

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Konzert: The B-52's
Ort: Kunst!Palast, Bonn
Datum: 19.08.2013
Dauer: gut 75 min
Zuschauer: rund 1.500



Ist es wirklich eine gute Idee, die B-52's 2013 zum ersten Mal zu sehen? Eine Band, die mir vor 20, 25 Jahren extrem wichtig war und deren ersten beiden Alben einen starken Einfluß auf meinen Musikgeschmack hatten? Vor ein paar Jahren hatte ich bei den Sisters Of Mercy erlebt, wie so etwas gehörig schiefgehen kann. Der Auftritt der Bandreste um Andrew Eldritch war entsetzlich peinlich und - wenn ich das Wort nicht hasste - das eindrucksvollste Beispiel für Fremdschämen. Leider hatte mir das seelenlose Kaputtsingen ihrer (seiner - nur Eldritch war beteiligt) alten Hits die Musik der Wave-Helden im Anschluß vollkommen verleidet.


Jetzt war das Risiko heute durchaus überschaubar. Ich freue mich immer noch, wenn ich irgendwo Lieder der B-52's höre, aber richtig wichtig ist mir die Gruppe aus Athens nicht mehr. Anders als bei anderen Lieblingsbands von früher würde ich ein Desaster gut überstehen. Daß die Gefahr eines Flops hoch war, war mir auch bewußt. Die B-52's haben sich immer als Party-Band verstanden. Musiker jenseits der 60, die sich in die Kleider, Frisuren und Tanzstile von früher zwängen, bringen das Risiko einer Selbstdemontage einfach mit.

Es dauerte nicht lange, um all meine Zweifel auszuräumen. Eigentlich brauchte es nur ein paar Takte Planet Claire. Die drei Gründungsmitglieder der B-52's, Cindy Wilson, Fred Schneider und Kate Pierson standen nebeneinander und mussten zunächst gar nicht viel machen, da das Stück vom Debütalbum weitestgehend instrumental gehalten ist (bis Freds markanter Schrei-Sprechgesang einsetzt). Trotzdem wanderte Kate von ihrem Platz zu den beiden anderen Sängern. Den Fotografen war dies vorher angekündigt worden. Man wünsche sich vor allem Fotos, auf denen alle drei zu sehen sind. Um dies zu erleichtern, komme Kate Pierson ein paarmal zur anderen Seite der Bühne.


Wichtigstes Element der Musik der Band aus Georgia sind neben den einfachen Melodien das "Ansingen" der Sänger; einer singt, der andere antwortet. Die Lieder sind keine Duette sondern Dialoge zwischen Fred und den Frauen (wofür es sicher einen Fachbegriff gibt - und "Dialog" ist natürlich auch Quatsch). 

Neben dem tollen Gesang des Frontmanns, der ein blaues Glitzerhemd trug (das ein wenig optimistisch gewählt war), ist vor allem Kates Stimme herausragend (im wörtlichen Sinne). In der Hochphase der Band sang die Frau im Pailletten-Kleid auch mit Iggy Pop und R.E.M. (Shiny happy people) und hatte eine der besten Pop-Stimmen ihrer Zeit. Sie ist mit der offenbar pfleglich umgegangen, denn ihr Gesang war auch live hervorragend. Nur bei Roam, das die beiden Frauen alleine bestritten (Fred war von der Bühne verschwunden), klang eine der beiden Stimmen manchmal dünn, ich vermute, es war Cindys.


Eigentlich gibt es noch vier der fünf Gründungsmitglieder der Band. Keith Strickland, der Gitarrist, geht aber nicht mehr mit auf Tour. Nach dem Tod von Cindys Bruder Ricky Mitte der 80er Jahre hatten sich die Rollen der Musiker irgendwann geändert. Seitdem singen Cindy, Kate und Fred nur noch (neben ein paar Bongos oder Kuhglocken, die man nebenher bedienen kann). Live übernimmt eine (deutlich jüngere) vierköpfige Band die Begleitung. Da die Melodien für einen Laien wie mich nicht unbedingt von ihrer Komplexität leben, scheint dieser Job ein dankenswerter zu sein. Man kann nicht viel kaputt machen, auch wenn das viel negativer klingt als es klingen soll. Aber für Rhythmen wie den von Rock lobster braucht man nicht unbedingt die ursprünglichen Musiker an den Instrumenten.* Die Stimmen sind wichtig - und die waren da und sie waren sehr gut!


Das Programm war ein best-of, wie man es erwarten konnte (und so, wie sie es überall spielen). Sehr viel aus der Phase vor dem großen (richtigen) kommerziellen Durchbruch 1989 und wenig aus der Zeit nach Love shack und Roam. Perfekt! Obwohl ich die meisten Lieder lange nicht gehört hatte (fünfzehn Jahre?), funktionierten Hits wie Lava, Whammy kiss, Party out of bounds, Private Idaho wie früher! Nichts, überhaupt nichts war peinlich an dieser Aufführung. Da war keine Band, die ihre alten Erfolge coverte, da waren drei für amerikanische Verhältnisse extrem würdevoll gealterte Popstars, die zwar tanzten, aber dabei nicht betont jugendlich aussehen wollten. Das hatte sehr viel mehr Stil, als ich befürchtet hatte.

Daß nicht immer alle drei Sänger auf der Bühne waren, hatte sicher auch keine Altersgründe. Fred ging für Roam und Legal tender weg, weil er bei den Stücken nicht singt. Und ein Sänger, der sonst nichts macht und nur tanzend rumsteht, sieht nunmal dämlich aus. Also ging er weg. Girl von Ipanema goes to Greenland bestritt Cindy alleine (und widmete es ihrem verstorbenen Bruder Ricky). Da war auch Kate nicht auf der Bühne. 


Der Abend hätte noch deutlich besser sein können, wenn das Publikum weniger gehemmt gewesen wäre. Natürlich gab es die rheinisch-fröhliche Mitklatschorgie zu Love shack (ich wette, da fiel sehr oft "das ist unser Lied, Schatzi!"), ansonsten verpufften Freds Ansagen (oft in einem passablen Deutsch!) leider total. So als spielte die Band nicht in einem Zirkuszelt sondern auf einem Squash-Platz. "This is 6060-842, it's a punk song. Is it called 'zero' in German?" Nichts. "Schnitzels, beer, Sauerkraut and rock lobsters." Auch keine Reaktion. Wie schade! Dabei waren die Ansagen so toll (Whammy kiss: "Dieser Somg ist auch ein Song!"). Das Publikum im Kunst!Palast genoss eher still. Am stillsten ein schillernder Mann mit sehr viel Metall in den Ohren und einem dünnen grauen Bart, der eine selbstgedrehte was-auch-immer Kippe im Mund hatte, die er, ohne sie zu berühren, während des kompletten Konzerts aufrauchte, bis immer mal wieder Asche über den Bart nach unten fiel. Auch er wurde erstmals bei Love shack beweglich, da war die Kippe aber auch aufgeraucht.

Nein, der Abend war alles andere als peinlich. Es war eine sehr gute Idee, die B-52's doch noch anzugucken. Ihre Zeitgenossen Tom Tom Club aus gemeinsamen Konzerten und Parties in den New Yorker Szeneclubs der frühen 80er (Max's und CBGB) hatte ich vor ein paar Wochen ähnlich gut auf dem Museum Ludwig in Köln gesehen. Diese Musik scheint jung zu halten und jung zu bleiben. Wundervoll!

Setlist The B-52's, Kunst!Palast, Bonn:

01: Planet Claire
02: Mesopotamia
03: Private Idaho
04: Lava
05: Dance this mess around
06: Girl from Ipanema goes to Greenland
07: Roam
08: Legal tender
09: Love in the year 3000
10: Is that you Mo-Dean?
11: 6060-842
12: Whammy kiss
13: Love shack

14: Party out of bounds (Z)
15: Rock lobster (Z)

Tourdaten The B-52's:

20.08.13 Hanau, Amphitheater 
21.08.13 Berlin, Huxleys 
23.08.13 Leipzig, Parkbühne 
24.08.13 München, Muffathalle


* es geht sogar mit Computerteilen und Robotern:  







Freitag, 22. März 2013

Get Well Soon, Bonn, 21.03.13

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Konzert: Get Well Soon, Brothers & Bones 
Ort: Bonn, Harmonie 
Datum: 21.03.13 
Zuschauer: ca. 300 (ausverkauft) 
Dauer: Get Well Soon ca. 80 min, Brothers & Bones ca. 50 min


von Dirk von Platten vor Gericht


Wirft man einen Blick auf die Statistiken dieser Seite, so stellt man fest, dass Get Well Soon für das Konzerttagebuch in etwa das darstellt, was der FC Bayern München aktuell in der Bundesliga ist, nämlich Tabellenführer mit einem unglaublichen Vorsprung. Umso verwunderlicher, dass Christoph ein Konzert der Mannheimer Band auslässt, obwohl es doch „nicht weit von Köln“, also in seiner direkten Nachbarschaft stattfindet. Also mussten wir, um den Tabellenvorsprung von Get Well Soon weiter auszubauen, spontan am Tag des Konzertes noch Tickets bestellen, um nur wenige Stunden später an der Abendkasse zu erfahren, dass dies gerade noch rechtzeitig war, da das Konzert von Get Well Soon und Brothers & Bones in der Bonner Harmonie inzwischen ausverkauft war. 


Das Konzert fand im Rahmen des vom WDR veranstalteten Crossroads-Festival statt. „Zwei Mal pro Jahr“, so die Homepage des WDR, „geben sich in angenehmer Clubatmosphäre vier Tage lang internationale Acts die Ehre. Wie umfassend der Rockpalast stets alle Facetten des Rock darstellt und definiert wird wieder deutlich an der musikalischen Bandbreite, für die „Crossroads“ auch in dieser Staffel steht.“ Das durften (oder mussten) wir auch an diesem Abend erleben, denn als erstes betraten frühzeitig um 19:15 Uhr Brothers & Bones, ein Quintett aus Cornwall, die Bühne. 


Angekündigt wurden sie uns als hervorragende Live-Band und dieses Versprechen wurde tatsächlich eingehalten. Ein Sänger mit Akustikgitarre und ein E-Gitarrist, dessen Fingerfertigkeit einen der fünf auf der Bühne postierten Kameramänner derart faszinierte, dass das Objektiv über weite Strecken des Sets nahezu an der Gitarre klebte, sorgten dafür, dass sich die zahlreichen, sich im Publikum befindenden Rockpalast-Jünger absolut begeistert waren. Angetrieben wurden sie zudem äußerst dynamisch von einem Bassisten und gleich zwei Schlagzeugern. Zwischenrufe wie „Rock’n’Roll!“ und Szenenapplaus zeigten, dass Brothers & Bones mit ihrer Mischung aus erdigem Folk und Southern Rock eine ideale Wahl für den Rockpalast waren, nur leider nicht für uns. 

Setlist Brothers & Bones, Crossroads Festival, Harmonie, Bonn: 

01: Here Comes The Storm 
02: I See Red 
03: Back To Shore 
04: Follw Me Down 
05: Save Your Prayers 
06: Man In Need 
07: Skin & Bones 
08: On The Run 
09: Gold & Silver 
10: For All We Know 
11: Long Way To Go 
12: Hold Me Like The Sun 
13: Your Revolution 
14: Don’t Forget To Pray 


Nachdem uns eine längere Umbaupause von ca. 40 Minuten angekündigt worden war, da „ziemlich viel Kram“ auf die Bühne gebracht werden musste (gemeint war wohl das reichhaltige Instrumentarium von Get Well Soon) betraten gegen 21:00 Uhr nach dem Intro „The End Of The World“ von Skeeter Davis die sechs Mitglieder von Get Well Soon die Bühne. Der Bühnenaufbau war wie gewohnt, also Schlagzeuger Paul und Bassist Timo auf der linken Bühnenhälfte, Konstantin und Verena Gropper im Zentrum, links und rechts von einem mit roten Samttüchern verhangenen Tisch mit weiteren Instrumenten, dahinter Keyboarder Marcus und am rechten Bühnenrand Gitarrist Maxxi, der auch gelegentlich Trompete, Posaune oder Vibraphon bediente. Verzichtet wurde jedoch im Vergleich zum letzten von mir besuchten Konzert in Düsseldorf auf die kristallartige Skulptur sowie die dazugehörige Symbol-Projektion im Bühnenhintergrund. 

Wie gewohnt war hingegen wieder die Setliste: „Prologue“ und „The Last Days Of Rome“ führten zunächst ruhig und verhalten ins Programm, die schnelleren und dynamischeren „5 Steps / 7 Swords“, „Roland, I Feel You“ und „Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day“ stellten frühe Highlights dar, bevor sich das Set, das sich hauptsächlich aus den letzten beiden Alben zusammensetzte, wieder deutlich beruhigte. Durch die äußerst abwechslungsreiche Instrumentierung, Verena griff u.a. zu Geige, Melodica, Mandoline, Becken und Triangel, kam jedoch keine Langeweile auf. Der Hauptteil des Konzertes wurde von „You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)“ furios beendet. 

Konstantin Gropper zeigte sich recht wortkarg, denn außer dem Hinweis, dass Get Well Soon so authentisch seien, dass sie sich noch nicht einmal fürs Fernsehen witzige Ansagen ausdenken würden, und dass Marcus gern seine Mutter und alle, die ihn kennen, grüßen möchte, war nicht viel von ihm zu hören. Im Zugabenteil wurde „I Sold My Hands For Food So Please Feed Me “ noch mit den Worten angekündigt, dass nun noch etwas zum Tanzen käme. Das Bonner Publikum zeigte sich so begeistert, dass Get Well Soon, für eine weitere, nicht auf der ausliegenden Setliste vermerkten Zugabe („Red Nose Day “) noch einmal auf die Bühne „geklatscht“ wurden. 

Highlights des Crossroads Festivals 2013 (u.a. mit ... And you will know us by the Trail Of Dead, Rival Sons oder Flowerpornoes) überträgt der WDR am 08.04.13 (00:15-02:15 Uhr), das Get Well Soon Konzert folgt am 07.05.13 um 02:50 Uhr auf 3sat. 

 Und zum Abschluss noch einen Blick auf die aktuelle Tabelle des Konzerttagebuchs: Get Well Soon führt nun mit 7 Konzerten Vorsprung vor den Blood Red Shoes. Genau so muss es sein - wie auch in der Bundesliga. 

Setlist Get Well Soon, Crossroads Festival, Harmonie, Bonn: 

01: Prologue 
02: The Last Days Of Rome 
03: 5 Steps / 7 Swords 
04: We Are Free 
05: Just Like Henry Darger 
06: Roland, I Feel You 
07: Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day 
08: Good Friday 
09: Werner Herzog Gets Shot 
10: A Gallows 
11: Courage, Tiger! 
12: Oh My! Good Heart 
13: Angry Young Man 
14: You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance) 

15: A Voice In The Louvre (Z)
16: I Sold My Hands For Food So Please Feed Me (Z)

17: Red Nose Day (Z)

Links:

aus unserem Gropper-Verzeichnis:
Get Well Soon, Frankfurt, 21.01.13
Get Well Soon, Frankfurt, 21.01.13
Get Well Soon, Esch-sur-Alzette, 14.10.12
Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.12
Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.12
Get Well Soon, Paris, 24.08.12
Get Well Soon, Dortmund, 28.07.12
Get Well Soon, Frankfurt, 22.06.12
Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
Get Well Soon, Wien, 23.11.10
Get Well Soon, Rüsselsheim, 09.07.10
Get Well Soon, Dortmund, 05.05.10
Get Well Soon, Paris, 16.03.10
Get Well Soon, Heerlen, 07.03.10
Get Well Soon, Frankfurt, 02.03.10
Get Well Soon, Paris, 26.01.10
Get Well Soon, Wiesbaden, 22.08.09
Get Well Soon, Bonn, 04.07.09
Get Well Soon, Paris, 06.05.09
Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.09
Get Well Soon, Paris, 14.10.08
Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
Get Well Soon, Köln, 09.04.08
Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
Get Well Soon, Haldern, 02.08.07

 
 

Samstag, 5. September 2009

Amy MacDonald, Bonn, 04.09.09

6 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Museumsplatz, Bonn
Datum: 04.09.2009
Zuschauer: vielleicht 3.000 (vermutlich ausverkauft)
Dauer: Amy MacDonald 70 min, The Good Morning Diary 30 min


Einmal merkte man Amy MacDonald deutlich an, was gut zwei Jahre ununterbrochenes Touren bedeuten, wie hart das Leben im Bus und das gleichzeitige Bewältigen plötzlichen Riesenruhms sein müssen - und, auf der anderen Seite, wie sehr sie ihre Musik liebt und darin aufgeht. Als die Schottin als zweite Zugabe ihr (nicht mehr ganz) neues Troubled soul spielte, ein sehr ruhiges Stück, das zwar keine Single sein wird aber einen gewissen Charme hat, brüllten irgendwo Leute ununterbrochen "Amy". Tokio Hotel Zielgruppe. Während ihre Musiker noch das Ende des Lieds spielten, ließ die Sängerin ihre Wut deutlich raus: "You've just ruined the whole song! The choir in the corner. Yes, my name is Amy but there's no need to shout it!"

Es war das vorletzte Konzert des Shooting Stars, das sie mit ihrem ersten Album spielte. Morgen noch Bochum, dann wird erst einmal Pause sein. Sicherlich ist diese nötig, um Akkus aufzuladen - aber auch, um mit neuen Songs zu beweisen, daß Amy wirklich so viel Songwriting Talent hat, wie ihre erste Platte andeutete. Wir haben die Schottin hier von ihrem ersten Deutschland-Auftritt an begleitet und mit offenem Mund ihre Blitzkarriere beobachtet (und werden das auch weiter tun, und sei es, um den ersten Wetten Dass?? Auftritt mit "habe ich doch immer schon gesagt", zu kommentieren - auch wenn wir ihr den wirklich nicht wünschen...).

Ganz am Anfang einer möglichen Karriere steht auch die heutige Vorgruppe. "Das ist unser erstes Konzert heute", sagte Sänger Chris Buseck gegen Ende des halbstündigen Auftritts. Welch ein Start, gleich als erstes vor tausenden Zuschauern
zu spielen! Für die nächsten tausend werden die Hamburger einige Konzerte lang sammeln müssen.

Nach einem Debüt hörte sich The Good Morning Diary nicht an; die Musik wirkte ausgewachsen, die (offenbar neuen) Begleitmusiker von Chris machten einen sehr professionellen Eindruck (an der Frisur des Schlagzeugers müssen wir noch einmal arbeiten). Auf seiner noch wenig besuchten myspace-Seite beschreibt Chris Buseck sich als Singer/Songwriter (viele Lieder kann man da leider nicht hören), live dagegen klang die Geschichte nach britischen Gitarrenpop-Bands.
Die besten Momente hatte The Good Morning Diary, wenn es nach Keane oder Travis (Automatic feelings - das beste Lied des Sets) klang, die langweiligen, wenn James Blunt sich durchsetzte.

Es passte gut und Potential für eine Radiokarriere sehe ich ganz klar. Vielleicht ein paar mal weniger die eigene Website erwähnen (und wenn dann die richtige...), aber sonst passte es. Von der Band werden wir sicher noch hören.

Setlist The Good Morning Diary, Museumsplatz, Bonn:

01: Handle with care
02: Saving yourself
03: The girl in the red jumper
04: Taste of distrust
05: Automatic feelings
06: Slow motion boredom

Die Früchte des Erfolgs, den sich die kleine Amy in den vergangenen Jahren zurecht erarbeitet hat, sah man dann bereits beim Umbau. Schlagzeug und Keyboards standen nicht bloß auf kleinen Podesten, sie hatten einen gewaltigen Unterbau, dessen Vorderseite mit zig Bassdrum-Dummies (und der echten dazwischen) dekoriert war. Früher stand auf der dicken Trommel "Amy MacDonald", heute war es auf zwölf Felle verteilt!

Auch Amy hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Gewachsen ist die Schottin nicht mehr, auch wenn sie mit immer höheren Schuhen daran arbeitet. Hoppla, was waren das wieder für Teile... Dazu trug sie ein schwarz-silber kariertes Kleid (die schwarzen Karos bestanden aus Pailletten, die silbernen aus Mäandern - und alles glitzerte um
die Wette) über schwarzer Strumpfhose. Das Auffälligste war aber Amys neue Haarfarbe, strohblond. Von dunkelbrauner Nicht-Frisur ist sie jetzt bei blond und gestylt angekommen.

Musikalisch-unverändert fing es an. Mein Liebling Poison Prince machte wie zuletzt immer den Anfang. Auch der Rest entsprach exakt dem Set des Konzerts in Bochum im Februar. Da fehlten mir also die Überraschungen. Ich konnte also mehr auf die Musik achten. Oder richtiger "ich hätte können"... Denn um uns rum standen leider enorm viele Leute, die es interessanter fanden, bei dem ein oder anderen Bierchen über die süsse Vorgruppe
oder andere wichtige Themen zu reden, während Amy sang oder in ihrem köstlichen Schottisch Ansagen machte. Sehr nervig. Was hätte ich mir so ein "You've just ruined the whole song" auch für die Damen gewünscht...

Um ganz ehrlich zu sein, kam mir der ruined-Gedanke auch einige Male bei Amys Gitarristen. Der Mann mit der Wollmütze spielt für meinen Geschmack eine viel zu wichtige Rolle in den Arrangements der Stücke; ohne Zweitgitarre wäre Amys Live-Musik ganz sicher reicher. Das merkte man an all den Stellen, an denen diese Einsätze fehlten, ganz besonders aber bei den beiden von ihr alleine vorgetragenen Titeln. Mr. Brightside, ihr Killers- (oder in Amys Sprache Kellers-) Cover war dabei heute ein besonderes Highlight! Dabei setzte zwar auch später die Band ein, der Anfang war jedoch besonders famos! Auch das zweite Cover, Dancing in the dark (Kommentar dazu von meiner unfreiwilligen Konzertnachbarschaft: "das kenne ich, das ist gut!"), war wundervoll!

Ihre eigenen Lieder habe ich schon besser, weil zurückgenommener, gehört. Aber wer weiß, wer ihr zweites Album produziert, vielleicht werden die Stücke da leichter
arrangiert. Die manchmal nach Steelguitar klingenden Einlagen einmal ausgeblendet, sind Amys Lieder natürlich unverändert gut.

Die Begleitband habe ich nur zum Teil wiedererkannt. Der Keyboarder Shannon kam mir zum Beispiel neu vor. In Glasgow hatte sie einen anderen. Jamie (Bass und Trompete), Adam (Schlagzeug) und Jolyon (Gitarre) meine ich, schon gekannt zu haben.

Mit der Band befand sich Amy in einem Studio in San Francisco zum Proben. Dabei habe man auch eine neue Version von
A wish for something more eingespielt, die alte sei ihnen langweilig geworden. Das neue A wish for something more hat einen alternativen Beginn (gut!) und viele Gitarren (nicht gut!), ist aber vor allem sehr laut (gutgutgut!).

Neben dem ruinierten Troubled soul spielte Amy auch wieder das andere neue Lied The next big thing. Mir gefallen beide mittlerweile gut, aber es sind eher B-Seiten als neue Hits. Erfrischend fand ich die kleine Panne bei The next big thing. Denn trotz
Proben in Übersee stotterte die Band beim Rhythmus des Lieds einmal gewalig. Bei aller Routine passieren also auch noch solche Dinge; das kann nicht schaden!

Nach gut 50 Minuten (und dem Dank an uns, weil in Deutschland die meisten ihrer mittlerweile 2,5 mio verkauften Alben über den Ladentisch gegangen sind) war erst einmal Schluß. Aber es fehlten ja noch ein paar Hits - und es war noch Zeit bis 22 Uhr. Die drei
Zugaben, Troubled soul, Dancing in the dark und Let's start a band waren noch einmal ein schöner Abschluß!

Ein sehr schönes Konzert auf einem der tollsten Plätze für Open Air Sachen. Die Bühne liegt zwischen Kunstmuseum und Kunst- und Ausstellungshalle und ist durch ein Zeltdach weitestgehend regensicher. Das war aber nicht nötig, da die Sonne über Bonn schien. Vielleicht hellte das Wetter auch Amys Laune nach den Schreiereien wieder ein wenig auf... Eine komische Meinung vom Bonner Publikum wird sie aber so oder so behalten. Auch wegen meiner Lieblingsgeschichte des Abends.

Vor Run erzählte sie, wie das Lied entstanden ist.
"Das habe ich geschrieben, nachdem ich die Killers gesehen habe." [keine Reaktion des Publikums] "Die Killers!" [nichts] "Mr. Brightside!" [...] - und Amy lachte und schüttelte den Kopf.

Setlist Amy MacDonald, Museumsplatz, Bonn:

01: Poison Prince
02: L.A.
03: Youth of today
04: Barrowland Ballroom
05: Footballer's wife
06: Mr. Brightside (The Killers Cover)
07:
A wish for something more
08: Mr. Rock & Roll
09: The next big thing (neu)
10: This is the life
11: The road to home
12: Run

13: Dancing in the dark (Bruce Springsteen Cover) (Z)
14: Troubled soul (neu) (Z)
15: Let's start a band (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Amy MacDonald, Bochum, 26.02.09
- Amy MacDonald, Köln, 22.10.08
- Amy MacDonald, Köln, 06.03.08
- Amy MacDonald, Glasgow, 14.12.07
- Amy MacDonald, Frankfurt, 16.09.07
- mehr Fotos von Amy in Bonn



Samstag, 4. Juli 2009

Get Well Soon, Bonn, 04.07.09

8 Kommentare

Konzert: Get Well Soon
Datum: 04.07.2009
Ort: Rheinaue Bonn (Rheinkultur)
Zuschauer: einige Tausend
Dauer: 60 min


"Rheinkultur? Nein, da sind mir zu viele Leute", war die Standard-Antwort, als ich heute erwähnte, daß ich in die Bonner Rheinaue fahren würde. 170.000 bis 200.000 "Kultur"-Freunde finden sich alljährlich in der weitläufigen Grünanlage, um da ohne Eintritt reichlich Bands zu sehen. Solche kostenlosen Riesenveranstaltungen schrecken auch mich kräftig ab, es war allerdings weniger schlimm, als ich gedacht hatte; zwei Drittel der Zuschauer waren immerhin nicht assig und fies! Aber schön ist eine solche Veranstaltung wirklich nicht...

Auf der Suche nach Informationen über das Festival, hatten mich die Veranstalter
heute morgen schon einmal richtig mit perfekter Organisation beeindruckt: nach Informationen wie Zeitplan, Bühnen und Parken guckend, war ich auf der Festival-Homepage gelandet, gar kein schrecklich exotischer Ansatz. Die Website funktioniert allerdings nicht - aber es gibt ja myspace, da fand ich immerhin alles Wissenswerte - zur letztjährigen Ausgabe...

Get Well Soon waren der Hauptgrund der spontanen Entscheidung, nach Bonn zu fahren. Ich war ein paar Minuten zu früh an der blauen Bühne (idiotensicher organisiert; zielgruppenorientiert) und durfte die letzten Lieder einer schrecklichen Hip-Hop Band noch genießen. Dann erschienen endlich Konstantin Gropper und seine Bandkollegen, um ihren Bühnenaufbau zu machen.

Um kurz nach sechs ging es los. An der Geige - dies ist die variable Position in der Band - trat heute wieder Theresa auf, die Violinistin, die ich schon bei der Folklore in
Wiesbaden erlebt hatte. An den anderen Instrumenten schienen mir die üblichen Verdächtigen zu stehen.

Ich möchte nicht auf jedes Lied eingehen, dafür haben wir schon zu oft über die großartigen Get Well Soon geschrieben. Bei mir wechseln ganz regelmäßig die liebsten Stücke der Band. Heute gefielen mir ganz besonders
Christmas in adventure parks, vielleicht, weil ich es lange nicht gehört habe, das Cover Born slippy nuxx, If this hat is missing I have gone hunting und einmal mehr I sold my hands for food so please feed me!

Bei gut 30° C und wenig Schatten (die Bühne stand genau falschrum) fiel mir wieder auf, daß Get Well Soon und ihre düstere Musik auf im strahlenden Sonnenschein
nachmittags perfekt funktionieren. Eigentlich gehören die schwermütigen Stücke im Herbst nach drinnen, dachte ich immer, die Mischung aus Dramatik und krachenden Gitarren (meist am Ende der Titel), Postrock-Glockenspiel und Trompeten begeistert mich aber auch mit zugekniffenen Augen in der Knallsonne! Kleine Augen deshalb, weil ich Sonnenbrillen immer schrecklicher finde und nicht trage. Und huch, damit war ich nicht alleine. "Ich trage keine Sonnenbrillen. Da merkt man erst mal, was U2 der Popmusik angetan haben", sagte der Sänger irgendwann.

Konstantin Gropper war redselig. "Hallo, wir sind Culcha Candela." Bevor sich die ersten Kulturfreunde (ich mochte besonders die Remmidemmi-Brüller) fragen konnten, wann denn Hamma! käme, klärte der Frontmann auf. "Nein, wir sind Get Well Soon. Aber mit positiven Vibes die Welt verbessern, ist auch unser Ding!"

Wie sehr die Hitze Konstantin zusetzte, merkte man nur einmal. Gegen Ende bei
People Magazine front cover sang er plötzlich nicht weiter und ließ eine halbeTextzeile aus. Konstantin Gropper schob das auf seine sonnen- "weiche Birne." "Ich hoffe, ihr wisst das zu schätzen, wenn ich hier auf der Bühne sterbe!" Worauf jemand im Publikum mit "auf geht's!" antwortete... Konstantin starb nicht und auch sonst waren keine sonnenbedingten Ausfälle zu beobachten. Und die eine Panne blieb die einzige des einstündigen Konzerts.

Höhepunkte gab es dagegen viele! Theresas Gesang zu Beginn von
Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day zum Beispiel! Die Stellen, an denen die Geigerin mitsang, gefielen mir alle ganz besonders, weil ihre Stimme perfekt in die Stücke passt. Auch bei Christmas in adventure parks war dies einfach wundervoll! A propos zweite (und dritte) Stimmen: mir war bisher nie aufgefallen, wie perfekt die auch bei Ticktack! Goes my automatic heart funktionieren, wenn Trompeter Maxxi das Motiv singt (leider nicht mit Robotorstimme) und der Rest "huhuuuu" macht, ein Traum!

Ganz besonders gut gefiel mir auch das jüngste Stück des Sets,
Busy hope, das unter Konstantin Gropper firmierend auf dem Soundtrack des Wim Wenders Films "Palermo Shooting" veröffentlicht ist. Busy hope klingt leichter als die meisten anderen Lieder des Musikers. Leichter, nicht schlechter! Busy hope ist ein weiterer Knüller! Insbesondere das lange Instrumental-Ende begeistert mich enorm!

Wieder einmal ein hervorragendes Konzert der aktuell besten deutschen Band, die ich gar nicht oft genug sehen kann. Spätestens im Dezember habe ich wieder Gelegenheit dazu, da touren Konstantin und Band wieder durch deutsche Clubs.


Setlist Get Well Soon, Rheinkultur, Bonn:

01: Prelude
02: You/Aurora/You/Seaside
03: We are safe inside while they burn down our house
04: Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day
05: People Magazine front cover
06: Born slippy nuxx
07: Christmas in adventure parks
08: Busy hope
09: I sold my hands for food so please feed me
10: Ticktack! Goes my automatic heart
11: If this hat is missing I have gone hunting
12: Lost in the mountains (of my heart)

Links:

- aus unserem kleinen Get Well Soon Archiv:
- Get Well Soon, Paris, 06.05.2009
-
Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.2009
- Get Well Soon, Paris, 14.10.08
- Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
- Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
- Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
- Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
- Get Well Soon, Köln, 09.04.08
- Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
- Get Well Soon, Haldern, 02.08.07
- mehr Fotos von Get Well Soon bei der Rheinkultur



 

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