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Freitag, 23. Juli 2010

Dum Dum Girls, Paris, 23.07.10

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Konzert: Dum Dum Girls (Angil & The Hiddentracks & Carp)

Ort: La Plage du Glaz'Art,Paris
Datum: 23.07.10
Zuschauer: 250-300
Konzertdauer: 40 Minuten


Gestern die Vivian Girls im Nouveau Casino, heute die Dum Dum Girls am Strand des Glaz'Art, da konnte man natürlich prima Vergleiche anstellen. Welche 60ies Pop infizierte Girlgroup war besser? Klarer Fall: Die Vivian Girls! Stilistisch sind die beiden Mädchenbands wirklich ähnlich und auch die Einflüsse scheinen die Gleichen zu sein, aber die Dum Dum Girls zeigten abgesehen von der charismatischen Sängerin und Gitarristin Dee Dee einen ziemlich pommadigen Auftritt. Die rothaarige Bassistin schien sich regelrecht zu langweilen und machte nicht gerade den Eindruck, heute abend gerne auf einer Bühne vor einem künstlich aufgeschütteten Strand in Paris zu stehen. Auch die vom Zuschauer aus links agierende Gitarristin mit dem stylishen schwarzen Pagenkopf wirkte desinteressiert und mehr auf die perfekte Pose bedacht als auf das Übermitteln von ungestümer Lebens-und Spielfreude. Zugegeben ihr Anblick war entzückend, aber reichen erotische Spitzenstrümpfe wirklich aus , um den gleichgültigen Gesichstausdruck zu überspielen? Zum Glück gab es die dynamische Frontlady Dee Dee, die mit Schmackes in ihre Saiten griff und sang wie dereinst Kate Jackson von den Long Blondes. Hinzu die rote Lippen und die schwarzen Haare, bei ihr stimmte auch (aber eben nicht nur) die Optik. Neben der "Chefin" machte auch die asiatische Drummerin mit ihrem energiegeladenen Spiel einen guten Eindruck, wenngleich auch ihr nie ein einziges Lächeln über die Lippen kam.

Die gespielten Songs hatten recht hohen Wiedererkennungswert. Obwohl ich die Dum Dum Girls vorher erst einmal live gesehen und das Debütalbum nicht allzu oft gehört habe, waren mir die zuckersüßen Refrains von Songs wie Bhang Bhang oder Jail La La auf Anhieb bekannt. Ein paar Mädchen im Publikum (von denen es recht viele gab, die Dum Dum Girls scheinen vor allem bei Frauen anzukommen, warum auch immer) hüpften wild rum, der Rest hielt sich eher vornehm zurück. Nach gut einer halben Stunde hatten die vier Girls dann auch all ihre Lieder abgespult und es gab lediglich noch ein kurze Zugabe. Insgesamt kein schlechtes Konzert, aber ich werde den Verdacht nicht los, daß sich das Interesse an dieser Girlgroup sehr schnell abnutzen wird. In ein paar Jahren kräht eh kein (gallischer) Hahn mehr nach denen!

Anmerkung: Fotos sind Archivaufnahmen vom Point FMR, die aktuellen Pics kommen noch.

Setlist Dum Dum Girls, Plage de Glaz'Art, Paris:

01: Play With Fire
02: Hey Sis
03: Catholicked
04: I Will Be
05: Oh Mein M
06: Yours Alone
07: Bhang, Bhang, I'm A Burnout
08: Jail La La
09: Baby Don't Go
10: It Only Takes One Night
11: Everybody's Out
12: Rest Of Our Lives

Aus unserem Archiv:

- Dum Dum Girls, Primavera Festival, 28.05.2010
- Dum Dum Girls, Paris, 20.05.10



Samstag, 4. Juli 2009

Marie-Flore & Serafina Steer, Paris, 03.07.09

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Konzert: Marie-Flore & Serafina Steer

Ort: La Plage de Glaz'Art, Paris
Datum: 03.07.2009
Zuschauer: 150 vielleicht?
Konzertdauer: jeweils ca. 40 Minuten



Strandfeeling mitten in der Großstadt: Wäre die Sicht nicht durch den Blick auf den häßlichen Hotelklotz getrübt, könnte man sich hier glatt am Mittelmeer fühlen. Klar, ein bißchen Fantasie braucht man dafür, aber Sand, Liegestühle und ein Barbcecue gab es am Plage de Glaz'Art zumindest schon einmal. Fast romatisch, wären da nicht die zwei ekligen dicken Ratten gewesen, die durch die Bambuszäune hindurchgekrochen kamen und sich unmitellbar in Grillnähe ein kleines Kämpfchen lieferten. Owlle, die Freundin von Marie-Flore, die auch bei den letzten zwei Titeln des Sets aufs Lieblichste mitzwitscherte, war plötzlich hellwach und ließ einen spitzen Schrei los. Das war vor der Show. Während des Konzertes der zarten Pariser Folkeuse Marie-Flore ließen sich die Ratten zum Glück nicht mehr blicken und man konnte ungestört die neuen Titel genießen. Davon gab es eine ganze Menge, gleich der Opener war bisher unbekannt. Born And Raised hieß er und vereinte sämtliche Qualitäten der 22 Jährigen: die samtweiche Stimme mit dem zarten Schmelz, das einfühlsame Gitarrespiel und die unwiderstehliche Melancholie, die sich durch sämtliche Stücke zieht. Auch I Remember und When I Was Young waren nagelneu, während Trapdoor (hierzu gibt es ein Video, hier!) und Half Past Three (B-Seite ihrer ersten Single) schon fast als Klassiker zu bezeichnen sind. Aber gemeinsam mit Owlle ist das Ganze vielleicht sogar noch schöner, denn die beiden hübschen Stimmen passen ganz hervorragend zusammen und somit waren Soft Divide und Chances Are wahrlich ein Genuß. Eigentlich wollte Marie-Flore danach schon verschwinden, aber so leicht ließ ich sie nicht gehen: Ich forderte vehement ihren betörenden Hit Empty Walls (hier in einer charmanten Cargo Session) und da ich hierbei Unterstützung von einem anderen Fan erhielt, wurde mein Wunsch schließlich erfüllt.

Wie immer prima! Und die erste EP More Than Thirty Seconds If You Please wird im September erscheinen, darauf freue ich mich schon sehr!

Setlist Marie-Flore, La Plage de Glaz'Art, Paris:

01: Born And Raised
02: Trapdoor
03: Made Of Sticks
04: Night Disorder
05: While You Were There
06: I Remember
07: When I Was Young
08: Half Past Three
09: Soft Divide
10: Chances Are

Danach ging Serafina Steer zusammen mit ihrer Freundin Polly Huggett an den Start. Serafina kannte ich schon, denn ich hatte die britische Harfespielerin im Vorprogramm des Comeback-Konzerts der Young Marble Giants in Boulogne Billancourt gesehen und war auf Anhieb angetan. Allerdings erschein sie damals alleine und entlockte ihrer Harfe wundervollste Töne. Wahrscheinlich hatte sie in der Zwischenzeit Lust auf ein wenig Veränderung, möglicherweise war ihr der klassische Solo-Vortrag an ihrem Instrument zu eintönig geworden und so lief sie heute mit einer Keyboarderin auf. Polly harmonierte mit Serafina ganz hervorragend. Nicht nur ihre Fingerfertigkeit an dem kleinen Casio war verblüffend, sondern vor allem ihr Gesang wunderwunderschön. Fingerfertigkeit und zwar in höchster Vollendung war natürlich auch Serafina selbst zu bescheinigen. Sensationell wie sie mit einer Hand Harfe spielte und mit der anderen in die Tasten des Keyboards griff! Und diese beiden Stimmen im Chor, zum mit der Zunge schnalzen! Ich war hin und weg, zumal mich der Gesang von Serafina an meine Lieblingssängerin, die früh und tragisch Verstorbene Sandy Denny (Fairport Convention) erinnerte. Auch wenn sie zwischen den Songs Ansagen machte, erinnerte sie an Sandy, das gab mir fast Stiche ins Herz. Was die englischen Folksängerinnen in den letzten zwei Jahren mit mir anstellen, ist sowieso schon fast gemein zu nennen. Sharron Kraus, Mary Hampton, Rachael Dadd, Laura Marling, soviele würdige Nachfolgerinnen von Sandy, die mich mit ihren traurigen, aber dennoch profund schönen Songs regelmäßig an den Rande der Tränen treiben, sobald ich ihre puren Stimmen höre. Seltsam, daß von den Vorgenannten lediglich Laura Marling einem breiteren Publikum bekannt ist, denn die anderen haben mindestens genauso viel auf der Pfanne. Aber so ist dan nun einmal, Gerechtigkeit gibt es in auch in der Folkszene nur bedingt, aber ich habe bei Serafina den Eindruck, sie kann damit sehr gut leben. Sie ist mit ihren 27 Jahren reif genug, um zu wissen, daß nicht nur schnelle kommerzielle Erfolge zählen. Wichtig ist letztlich die Leidenschaft für die Kunst und die Fähigkeit das Publikum, bestehe es auch nur aus einigen eingeweihten und gutinformierten Insidern, emotional zu erreichen. Und das schafft sie ganz hervorragend. Lieder wie Motion Pictures oder Cheap Demo Bad Science & Horton Jupiter sind einfach ein Fest für die Ohren und wenn die beiden dann auch noch Morrissey auf fast genial zu nennende Weise covern (Suedehead), ist das Glück perfekt. Wahrscheinlich war auch der Pariser Himmel angetan von dieser exquisiten Darbietung, denn er zeigte sich in den dramatischsten Farben und untermalte perfekt die wunderbare Atmosphäre.

Wenn da nicht der eingangs erwähnte Hotelklotz gewesen wäre...

Aber: träumen heißt auch häßliche Dinge auszublenden und sich nur auf das Sublime zu konzentrieren. Danke Marie, Flore, danke Serafina, ihr habt mich 90 Minuten lang auf eine Wolke gebettet.

Setlist Serafina Steer, Plage de Glaz'Art, Paris (thanks to Serafina!):

01: G.S.O.H.
02: Motion Pictures
03: Port Isaac
04: Trucker
05: Ulular
06: Margoton
07: Suedehead
08: Tiger
09: By This River
10: Curses Curses
11: Cheap Demo Bad Science & Horton Jupiter

Links:

Videos: Serafina Steer - Tiger
Suedehead live
Curses Curses BBC Collective Session



 

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