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Montag, 29. Juli 2013

Wohnzimmerkonzert bei Claudia, Stuttgart, 27.07.13

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Konzert: This is the Kit mit Rozi Plain und Morning Star
Ort: Claudias Wohnzimmer in Stuttgart-Feuerbach
Datum: 27. Juli 2013
Dauer:  30 min + 20 min + 60 min
Zuschauer: 40


 
Zeit
wie die Zeit anhält
sich auflöst
im gelungenen
Augenblick

(Annemarie Schnitt)



Wir alle waren an diesem Abend kurz davor uns aufzulösen und schmelzend in die flüssige Phase zu wechseln. Der Abend des wärmsten Tages des Jahres. Gleichzeitig fühlte ich mich so voller Leben, dem prallen Sommertag innerlich ganz anhängend auf der Heimkehr nach zwei bezaubernden Tagen Burning Eagle Festival. In diesem Zwischenraum gelang einer dieser seltenen Momente, wo die Zeit für einen Augenblick - eine Ewigkeit anhält, mich das Leben mütterlich im Arm hält und ganz bei mir sein läßt.


Ich war zum ersten Mal bei Claudia - trotzdem fühlte es sich an wie heimkehren als ich gegen 20 Uhr in Feuerbach ankam. All die zweifelnden Planereien waren nach dem gelungenen Hops nach dem Honig-Set auf dem Listhof-Gelände nach Stuttgart weggewischt und unwichtig geworden. Die letzten Grashalme und den Sand der Wiese konnte ich mir im Bad abspülen, in der Küche mit Jens ein kühles Bier trinken. Rozi, Jesse und Kate hatte ich schon im Vorbeigehen ein fröhliches Hi zugerufen - wir hatten uns noch vor ein paar wenigen Stunden in Reutlingen voneinander verabschiedet im Wissen um das baldige Wiedersehen.


Es trafen immer weiter Gäste ein, die förmlich spürbare vorfreudige Erwartung wuchs und schließlich begann das Konzert 10 vor 9. Das Wohnzimmer war rekordverdächtig gefüllt und auch Terasse und Küche voll weiterer Hörer - alle mucksmäuschenstill und gespannt. Ich dachte, ich wüsste genau, was mich erwartete, hatte ich doch sowohl Rozi Plain als auch This is the Kit gerade am Vortag schon live gesehen und genossen.



Aber den Zauber, der sich dann im letzten Tageslicht entfaltete, hatte ich so nicht vorhersehen können. Die Lieder zündeten in der intimen Athmospäre ein Feuerwerk an Emotionen. Das Publikum dankte mit Applaus, Stille und Lachen und stimmte in die Lululu-Ruf von Sides ein. Schließlich verabschiedete sich Rozi Plain mit Vielen Dank you very much. 

Ohne Pause wechselte die Musiksprache anschließend in die etwas poppigere Richtung von Morning Star und das Wort hatte nun Jesse. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir hier die Bolero Nummer I heard calling gently, die im Zimmer die Stimmung einer durchtanzten Sommernacht in Erinnerung rief und wann immer ich mich selbst anfeuern muss, werde ich auf One, two, three, four Work! zurückgreifen.


Nach einer Pause gab es Musik von This is the Kit mit den gleichen Musikern, nur dass jetzt Kate das Wort am Mikro hatte. Sie begann zunächst sehr ruhig und solo, dann trat im zweiten Stück Geigenbegleitung hinzu. Easy pickings hatte mir schon in Reutlingen so gut gefallen, zumal das picking auf dem Banjo den Text so schön konterkariert. Ich ließ mich mit der Musik treiben und konnte nur noch denken: Was für ein wunderbarer Abend.


Etwas Verwirrung stiftete ein lautes Feuerwerk in der Nachbarschaft in die getragene Musik hineinplatzend.  Und nach einer Zugabe war kurz nach 11 der musikalische Teil des Abends vorbei. Wir saßen aber noch lange zusammen und schauten erst nach den aufgehenden Sternen, dann in das Wetterleuchten der heranziehenden Gewitter.


Am Sonntag entluden sie sich rings um Stuttgart und auch in Reutlingen katastrophal mit Hagelsturm. Aber in diesem Moment war einfach alles gut so wie es war und ein wunderschöner Abend wurde bis zur Neige genossen.Vielen Dank!

Setlist Rozi Plain

1: Foot out
2: Take it
3: Humans
4: Quarry
5: Catch up
6: Sides


 
Setlist Morning Star
1: Rainbow Land
2: Still mountain
3: I heard calling gently
4: Serious guy



Setlist This is the Kit
1: Birchwood Beaker
2: Creeping up our skins
3: Easy pickings
4: White ash cut
5: Nits
6: Water proof
7: Spores
8: Cold and got colder
9: Earthquake
10: Spinney

11: Magic spell (Z)
12: Numbers (Z) 



Aus unserem Archiv:
This is the Kit und Rozi Plain, Reutlingen, 26.07.2013
This is the Kit, Paris, 28. 09. 2011
This is the Kit und Rozi Plain, Paris, 3.12. 2009
This is the Kit, Paris, 1.2.2008
(insgesamt 13 Bericht aus Paris seit 2008)

Der Bericht zum Konzert auf dem Gigblog




Samstag, 27. Juli 2013

Burning Eagle Festival Tag 1, Reutlingen, 26.07.13

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Konzert: Tag eins des Burning Eagle Festivals für mich mit:
          Rozi Plain (30 min)
          Pamplona Grup (45 min)
          This is the Kit (45 min)
          Dark Dark Dark (45 min)
          Mikhael Paskalev (35 min)
          Get well soon (40 min)
Ort: Listhofgelände in Reutlingen
Datum: 26. Juli 2013
Dauer: 15:00 bis 23:55 Uhr


Dieses Festival hat mich vom ersten Moment an bezaubert. Alles ist mit so viel Liebe zum Detail vorbereitet. Angefangen von der Musik, vom Gelände, von den Ständen von der Auswahl an Essen und Trinken. Es ist wie ein Ausflug in eine freundlichere Welt.


Die Musik des ersten Tages hatte gleich mehrere Highlights für mich. Die Lieblinge unseres Tagebuches Get well soon spielten wunderbar auf, zuvor waren Dark Dark Dark herzerwärmend. Neuentdeckungen für mich Rozi Plain und This is the Kit und die unglaublich fröhlich aufspielende Pamplona Grup. Auch Mikhael Paskalev war in meinen Augen für diesen Tag eine hervorragende Wahl der Veranstalter.



Ich muss zugeben, dass ich mit der Lage des Festivals und meiner Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein wenig Herzklopfen hatte (vor allem bezüglich der Abreise am Abend). Aber als ich es tatsächlich geradeso rechtzeitig zum Set von Rozi Plain geschafft hatte, musste ich doch zugeben: Ja, so ein Festival passt genau hierher! Ins Grüne, unter die Bäume und zwischen die einfallsreich gestalteten Verkaufs - und Informationsstände. Ich setzte mich neben die Walderdbeeren vor die große Bogak-Bühne und ließ mich von der sommerleichten Musik von Rozi Plain einfangen und einstimmen auf zwei wunderbare Tage in so schöner Umgebung. 
 
Kate Stables bei Rozi Plain

Die Musik von Rozi Plain (E-Gitarre und Gesang) wurde von Jesse  Vernon am E-Bass und Kate Stables (Vocals) und Michael am Schlagzeug interpretiert. Die Ansagen waren freundlich und obwohl die Besetzung nach traditionell hau-drauf-mäßig klingt, eher auf der zarten und verträumten Seite. Wie sagt mein Kollege Oliver aus aus Paris das so schön: einfacher aber nie einfältiger Folk vorgetragen mit einer warmen Stimme. Und ganz am Schluss wurden wir mit einem freundlichen Indianergruß entlassen.


Rozi Plain

Setlist Rozi Plain
Foot out
Alive
Take it
Humans
Quarry
See my boat
Catch up
Sides



Auf der Better2gether-Bühne hatte ich schon im Vorbeigehen eindrucksvoll viele Instrumente vorbereitet gesehen. Geboten wurde dann von acht jungen Männern an Akkordeon, Klarinette, Trompete, Posaune, Kontrabass, E-Gitarre, Geige, und Cajon eine tanzbare Gute-Laune-Musik mit Balkananklängen, die durch die vielen Rhythmuswechsel immer etwas unvorhersagbar und überraschend blieb. Es gab nette Zwischenansagen mit schweizer Einfärbung, z.B. zum Stück Haschisch in dem die Wirkung des Stoffes durch besondere Rhythmenwechsel verdeutlicht worden war und wir hörten die Geschichte vom Fisch Jacques bevor wir uns in die vertonte Variante vertiefen konnten.



Bei Schöni Frau zog es dann endgültig die ersten Tanzwütigen aus dem Sitzen an den Bühnenrand.



Nettes Detail (und irgendwie sehr typisch für das Festival), dass Kate im Publikum saß und die jungen Männer während des Auftritts zeichnete. Wenig später war sie in ein Gespräch mit Wallis Bird vertieft. Eigentlich versuchten die Jungs Kai Lehmann von Garda zum letzten Stück auf die Bühne zu rufen, aber leider klappte das nicht - er hatte noch hinter der Bogak-Bühne zu tun. Statt dessen musste das Publikum singen üben und wurde dabei ordentlich gefordert, aber es gab kein Gesicht, auf dem nicht ein frohes Lächeln dabei zu sehen war.


Setlist Pamplona Grup
Klezmi 
Galéron 
Haschisch 
Jacques 
Flying Bulgar 
Schöni Frau 
T'Fila 
Rodeo 
Noi Siech 
Die Oros



Nach einer kurzen Pause ging es mit This is the Kit auf der Bogak-Bühne weiter. Die Besetzung war wie bei Rozi Plain, aber nun war Kate in der führenden Position und Rozi support an der E-Gitarre. Ich war ganz fasziniert von der Känguruh-Tasche für das Banjo! Der Schlagzeuger spielte bei einigen Stücken die Geige und die musikalischen Gesten bezogen sich häufig auf Folk, aber die Grenzen von Folkmusik wurden überschritten in Richtung sphärischer und psychedelischer Musik. Hauptargument für mich, warum mir die Musik so ausgesprochen gut gefiel sind eindeutig die Stimmen aller vier. Männer und Frauen in dieser Mischung waren zum wegträumen schön.

Setlist This is the Kit
Waterproof
Easy Pickings
White Ash cut
Nits
See here
Colder
Earthquake
Numbers
Spinney


Auf der kleinen Bühne ging es im Anschluss mit Friedemann Weise weiter, mir war aber schnell klar, dass dies meine Pause würde, um für mein leibliches Wohl zu sorgen und mir anschließend einen guten Platz für Dark Dark Dark zu suchen. 
 
Bild von Claudia

Deren Set begann gleich mit einem meiner Lieblingslieder It's a secret und einem ganz neuen Lied mit einem hymnischen Refrain. Bei Hear me kam nach einem extra langem Intro beim einsetzen der Pauke mit dem vertrauten Rhythmus der erste echte Gänsehautmoment des Abends. Und natürlich Trompete und Akkordeon gleichzeitig gespielt sind Bild unglaublicher Hingabe, die sich auch auf mich übertrug.


Trouble wurde anschließend sehr rockig und rhythmusbetont dargebracht. Es war auch der erste Song, in dem ich von meinem Platz aus den Blick auf den Schlagzeuger frei hatte. Ich liebe es zuzusehen, wie er sein Drumset regelrecht massiert! Natürlich war Daydreaming wieder eine tolle Nummer. Hierfür stand Nona Marie Invie vom Piano auf und sang mehrer Stücke lang im stehen. Das Lied verfehlt nie seine Wirkung auf mich und auch die anderen Hörer an diesem Abend verfielen seinem Zauber ganz offensichtlich.


Für How it went war Walt McClements am Piano und es wirkte sehr innig und persönlich. Im letzten Stück The great mistake gab es aber als "Rausschmeißer" fast New-Orleans-Jazzige Anklänge. 


Ein rundum tolles Set. Einzig zu beklagen, dass es zu schnell vorbei war.

Setlist Dark Dark Dark
It's a Secret
New song
Meet in the dark
Hear me
Trouble
Daydreaming
What I need
How it went
The great mistake



Weiter ging es im Programm des Burning Eagle mit dem mir ganz unbekannten Mikhael Paskalev. Die Band brauchte eine ganze Weile für den Soundcheck und begann 10 min später als geplant.


Bild von Claudia
Ihr Set begann Mikhael mit einer Solonummer an der Gitarre, aber es wurde im Anschluss ordentlich fetzig und nach drei Nummern kam schließlich der Moment, wo alle aufstanden und ordentlich getanzt wurde. Das passte und machte richtig Spaß. Es macht mir auch große Freude, der Dame an der Steelguitar zuzusehen. Die hatte eindeutig den Schalk im Nacken.
 
Bild von Claudia
Walls Bird überging ich im Biergarten bei einem netten Gespräch und etwas Wein. Es wurde darüber dunkel.



Schließlich sicherte ich mir einen Platz am Bühnenrand von Get well soon. Der Garten war nun ordentlich gefüllt und man stand recht dicht gepackt. Freudige Erwartung lag in der Luft. 



Leider dauerte der Soundcheck 30 min länger als geplant und es gab schon etwas Unruhe, aber als es gegen 22:45 Uhr denn losging, wurde uns mit Beckengetöse und dramatischer Einspielmusik bei Mayan Calender gleich ordentlich was geboten. Es war einfach nur euphorisierend und vielleicht DER Moment des Abends überhaupt. Die Begrüßung durch Herrn Hopper war sehr lustig. Die Organisatoren hätten die Band wirklich ganz schön betteln lassen, bis sie endlich, endlich mal auftreten dürften auf dem Burning Eagle Festival.  Nun, endlich, sei es so weit und sie freuten sich sehr darüber!


Auf der Bühne war alles etwas gedrängt, und bei den immer wieder vorkommenden Wechseln der Instrumente (fast alle durften mal ans Xylophon und bei einigen Stücken paukte man zu viert!) mussten alle ein bisschen achtsam sein. Aber es wurde ein wahrhaftes musikalisches Feuerwerk gezündet und bis zur finalen Geisteraustreibung You cannot cast out the demons you might as well dance war das Publikum gebannt und begeistert dabei und die Musiker auf der Bühne ekstatisch und dramatisch. Was für ein herrlicher Auftritt an so einem Sommerabend.


Setlist Get well soon
Mayan calender
Last days of Rome
Roland, I feel you
Werner Herzog gets shot
We are ghosts
Voice in the Louvre
Courage Tiger
Oh my good heart
Gallows
Angry young man
Burial at sea
You cannot cast out the demons you might as well dance



Im Rückweg zum Parkplatz (ich hatte zum Glück eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt zurück) einmal um den Listhof herum im Dunkeln begleitete mich noch wie ein guter Zauber die Musik von Denis Jones für 20 min. 


Was blieb mir nach diesem wunderbaren Tag zu sagen? Alles fühlte sich an wie für mich ganz persönlich gemacht. Sogar auf Hörschutz konnte ich fast durchgängig verzichten. Das Publikum war so herrlich entspannt und fast alle Künstler mischten sich auch unter das Publikum. Besser geht nicht!

Fotoauswahl:

 


Donnerstag, 20. Dezember 2012

Rozi Plain, King Creosote, BRNS, Paris, 15.12.12

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Konzert: Rozi Plain, King Creosote, BRNS
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 15.12.2012
Zuschauer: relativ gut besuchte Veranstaltung


Ein ganz ausgezeichnetes Line Up erwartete die Besucher am vergangenen Samstag in der Pariser Fléche d'or.


 


Insgesamt traten vier erlesene Ats auf, von denen ich freilich wie so oft den ersten, Her Magic Wand aus Frankreich, verpasst hatte. 





Dann aber schon Rozi Plain aus Bristol, UK. Sie stand gemeinsam mit Kate "This Is The Kit" Stables und Jessie "Morningstar" D. Vernon auf der Bühne. Kate an der Trompete, Rozi an der Gitarre und Jessie am Bass so die Rollenverteilung. 



Mit diesem kargen Instrumentarium schafften es die drei überaus sympathischen Musiker, kleine feine Songs zu kreieren, die in punkto Charme und Liebenswürdigkeit Bestnoten verdienten. Alles hier war so sanft, so dezent, so herzerwärmend. Kein Bedarf an Effekten, Gekünsteltheiten oder wilden Posen, Rozi und ihren Freunden reichten leise Harmoniegesänge, schöne Melodien und eine spärliche musikalische Untermalung  völlig aus, um uns zu verzaubern. Man merkte ihnen die Liebe zu ihrer Musik an, wurde Zeuge einer eindrucksvollen Demonstration von Entschleunigung. In hektischen Zeiten und einer stressigen Stadt wie Paris Gold wert, so etwas. Da kommt man eingepfercht wie ein Sardine aus der übervollen Metro an und findet sich plötzlich in einer Oasis der Ruhe und Harmonie wieder. Und sofort fühlt man sich schon etwas besser, fängt an zu entspannen, loszulassen und die Muskeln zu lockern.







Auf der Bühne wurden unterdessen tolle Lieder wie Humans oder See My Boat gespielt, die man sogar als Vinylsingle mit schönem Art Work käuflich erwerben konnte.


 


Dabei sind eigentlich alle Tracks auf dem aktuellen Album Joined Sometimes Unjoined und viele von dem ersten Longplayer Inside Over Here sehr gelungen. Insofern ist eine Konzentrierung auf einzelne Hits also nicht notwendig. See My Boat ist allerdings wirklich ein Kleinod. Wenn die Gitarren da so herrlich auffunkeln, das Lied im Verlauf immer intensiver wird und der Gesang ins Herz vordringt, ist man als romantisch veranlagter Mensch einfach chancenlos und gibt sich wie ich der Sache widerstandslos hin.


 


Den Vogel schoß dann zum Schluss noch Sides ab, als sich King Creosote und seine Freundin hinzugesellten, man zu fünft kindliche Gesänge anstimmte und dazu gemeinsam die Arme in die Luft riss. Das war eine Atmosphäre wie auf einem Kindergeburtstag und die habe ich eigentlich immer geliebt.

Mit angenehmen Gefühlen im Bauch endete also dieser wundervolle Auftritt und ein kurzer Plausch am Merch mit Kate und Rozi steigerte mein Befinden noch weiter.

Setlist Rozi Plain, La Flèche d'or, Paris:

01: Take It
02: I Know
03: Sololo
04: Humans
05: Catch Up
06: Cold Tap
07: Friend City
08: See My Boat
09: Sides






Ideale Voraussetzungen um den nun startenden Schotten King Creosote zu genießen. Wir hatten ihn ja schon kurz bei Rozi auf der Bühne erlebt und nun nahm er diese (zunächst) ganz alleine ein. Ein relativ kleines Männchen mit grauen Haaren und ein paar Furchen im Gesicht, die darauf schließen ließen, daß er keine 20 mehr war.


 


Seine Stimme klang wahnsinnig gut. Er verfügt über eine ganz außergewöhnlich puren und naturreinen Gesang, der mich an seinen Landsmann Alasdair Roberts denken ließ. Beide eint ein poetischer, literarischer Ansatz, eine Art des zeitlosen Songwritings, die man fast als mittelalterlich, zumindest aber als althergebracht bezeichnen kann. Der Bursche verfügte zudem über viel (schwarzen) Humor, schmunzelte zynisch als bei Lied vier seine junge Lebensgefährtin zu ihm auf die Bühne kam und bluffte einen Herrn in der ersten Reihe an: "Ah, jetzt guckst du und fotografierst! Eben als ich hier allein stand, haste das nicht gemacht. Aber ich verstehe das, wenn man die Wahl zwischen einem alten häßlichen Mann und einer jungen hübschen Frau hat..."


 


Die beiden sangen dann auch perfekt zusammen, wenngleich ich keine einzelnen Lieder namentlich benennen kann.* King Creosote hat bereits über vierzig (!) Alben veröffentlicht, unter anderem auf dem renommierten Label Domino (Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, The Kills u.va.) und arbeitet auch mit vielen anderen Künstlern zusammen, so zum Beispiel mit Jon Hopkins, mit dem er gemeinsam sogar für den Mercury Prize nominiert worden war.


Ein Tausendsassa also, der mit Fence Records sogar sein eigenes Label betreibt und darauf unter anderem Werke von James Yorkston, François and The Atlas Mountains und...Rozi Plain! veröffentlicht.

Wer lieblichen, feinfühligen Folk schätzt, der ist bei King Creosote und seinem Fence Label in besten Händen. Ein betörendes Konzert!



Dann wurde es musikalisch ganz anders. Statt Folk gab es nun Indierock mit leicht experimenteller Note. BRNS aus Belgien hieß die vierköpfige Truppe, die nun den Zuschauern gewaltig einheizte.


Schon ihr Bühnenaufbau war ungewöhnlich. Der Sänger und der Schlagzeuger (der ebenfalls sang) waren vorne seitlich zum Zuschauer aufgestellt und sahen sich somit an. Hinten agierten dann noch zwei weitere Musiker, diese allerdings mit dem Blick Richtung Publikum.

Gespielt wurde ein sehr flotter und zackiger Sound mit vielen Tempo- und Rhythmuswechseln, Cowbells, schräg schönen Harmoniegesängen und einem eigenwilligen Charme. Das erinnerte entfernt an Alt-J, Animal Collective oder auch Yeasayer, hatte aber keinesfalls den Charakter von Trittbrettfahrer- Musik.


Überragend der schnauzbärtige Drummer! Wie der draufknallte und mit vollem Körpereinsatz rödelte wie ein Besessener, das war schon ganz großes Tennis! Kein Wunder, daß die Musik so euphorisierend wirkte, obwohl ihr eine zarte Melancholie innewohnte, die BRNS in eine gwisse Nähe zu den Girls In Hawai stellte.

Das Publikum reagierte begeistert auf BRNS und feuerte die Jungs so richtig schön an, zumal es das allerletzte Konzert ihrer Tour war.

Ich fieberte ebenfalls mit und war enorm froh, eine solch kreative Band für mich entdeckt zu haben!


 

Insgesamt ein prima Konzertabend, der sich voll gelohnt hatte!

* vorher sang er Nothing Compares To You von Sinead O'Conor bzw. Prince, das kannte ich natürlich.


Montag, 19. November 2012

Rozi Plain, Paris, 17.11.12

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Konzert: Rozi Plain (mit den Gästen This Is The Kit und Morningstar)
Ort: Boutique Gals Rock, Pigalle-Viertel, Paris
Datum: 17.11.2012 
Zuschauer: etwa 15
Konzertdauer: 30 Minuten




Von den wunderbaren Musikern, die aus der britischen Stadt Bristol kommen, habe ich ja hier schon mehrfach geschwärmt. This Is The Kit, Morningstar, Rachael Dadd, Andy Skellam, François And The Atlas Mountains, all diese Sympathen mag ich seit langem und habe sie deshalb (bis auf François) auch schon bei meinen Oliver Peel Sessions empfangen. Waren ganz herzliche und unbeschwerte Abende, denn die genannten Künstler sind trotz ihres Talentes herrlich unkompliziert, angenehm und ungekünstelt. Rozi Plain war mir aber bisher erst ein einziges Mal live untergekommen und zwar vor ein paar Jahren im Espace B. Sie spielte da (natürlich!) zusammen mit  This Is The Kit und auch François and The Atlas Mountains. Diese beiden musikalischen Freunde haben auch beim letzten, bei Talitres erschienenen Album Joined Sometimes Unjoined mitgeholfen und dazu beigetragen, daß es hervorragende Kritiken einheimsen konnte.


Zur Promo des Werkes ist nun Rozi seit einiger Zeit auf Tour. Ihr Weg führte sie auch durch einige deutsche Städte, nun aber ist sie in der Stadt der Liebe angekommen.


Am Samstag kamen wir Pariser daher in den Genuß, Rozi in einem sehr intimen Rahmen erleben zu können. Die auf feminitische Musikkultur spezialisierte Boutique Gals Rock hatte mal wieder zu einem ihrer schönen Showcases im hinteren Teil des Ladens geladen und etwa 15 Leutchen ließen sich dann auch schließlich blicken. Rozi, Kate "This Is The Kit" und Jesse "Morningstar" gaben sich dann trotzdem soviel Mühe, als würden sie für mindestens 150 Gäste spielen. Wie immer schufen sie eine herrlich entspannte, ganz warmherzige Atmosphäre, ließen ihre kleine Tochter durch den Laden toben, während sie performten und sangen mit sanften und sehr lieblichen Stimmen die Texte der feingliedrigen Lieder von Rozi Plain.


Diese performte mit niedlicher Zipfelmütze auf dem Kopf und Akustikgitarre unter dem Arm Take It und dann I Know, während Kate Stabels für den Backgroundgesang und die Percusssions und ihre Hut tragender Ehemann Jesse D Venon aka Morningstar für den Bass verantwortlich war. Es war erstaunlich, mit wie wenigen Mitteln es die Musiker verstanden, Gefühle zu vermitteln. Die Gitarre wurde von Rozi nur leicht angezupft, ihr Gesang war ungemein ruhig und gedämpft und auch Jesse bearbeitete seinen Bass nur ganz leicht, aber dennoch kam was rüber. Entschleunigung war angesagt. Weg von der Hektik des Tages, hin zu einer kleinen Reise in die Welt der jungen Dame aus Bristol. Mein Plus antwortete augenblicklich und verlangsamte sich um mindestens 10 Schläge. Wiegenlieder, perfekt für den Samstagabend, zumindest wenn man ihn anders verbringen wollte als seine Pariser Mitbürgerinnen und Mitbürger.


Zwar wurde bei dem tollen, äußerst quirligen Humans ein wenig das Tempo verschärft, aber es blieb letztlich bei der Besinnlichkeit, denn mit Catch Up wurde es schon wieder langsamer (dafür aber noch schöner).


Zu ihrem etwas bekannteren Stück My Boat hatte Rozi eine kleine Anekdote beizusteuern, sie erklärte schmunzelnd, daß sie heute im Parc de la Villette auf dem Wasser ein kleines Schiff mit der Aufschrift "My Boat" gesehen habe. Der Titel gehörte zu den stärksten im recht kurzen Set, das seinen vorläufigen Abschluß mit einem verträumten Stück hatte, das ich namentlich nicht kannte.


Weil die Leute aber noch nicht genug hatten, spielte Rozi auch noch Let's Go, bevor sie uns mit der CD unterm Arm und ein Lächeln auf den Lippen in den noch jungen Pariser Abend entließ.


Freitag, 4. Dezember 2009

Rozi Plain, This Is The Kit,u.a., Paris, 03.12.09

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Konzert: Rozi Plain & Ladybird & Morningstar & This Is The Kit & François And The Atlas Mountains
Ort: Espace B
Datum: 03.12.2009
Zuschauer: hmm. 80-100?
Konzertdauer: insgesamt über 3 1/2 Stunden



Ein neue Konzertlocation erfreut die Herzen der Pariser Folkfans. Espace B heißt der rechteckige Raum, der aussieht wie ein Partykeller und seit 2 Monaten (oder sind es schon 3?) feine, handverlesene Acts empfängt. Kürzlich war sogar Six Organes Of Admittance da, ein Leckerbissen!

Heute gab es für faire 8 Euro gleich fünf Bands (größtenteils aus Bristol, UK, stammend) zu genießen.

Den Konzertreigen eröffnete Rozi Plain aus England. Zusammen mit dem Franzosen François begeisterte sie mich auf Anhieb mit ihrer natürlichen und sympathischen Ausstrahlung und ihren einfachen, aber nie einfältigen Folksongs. Ihre Stimme klang jazziger als auf ihrem Album Inside Over Here (2008), von dem sie interessanterweise nur The Post als Opener spielte. Der Rest war neu und eine Spur weniger folkig. Keinmal kam nämlich das auf dem Album omnipräsente Banjo zum Einsatz. Stattdessen performten sowohl Rozi als auch François auf E-Gitarren und schufen eine herrliche Klangfarbe, gespickt mit kleinen und feinen Gitarrenmelodien. Im Mittelpunkt stand aber immer die relaxte, trostspendende Stimme von Rozi, die so herrlich weich und warm klang. Tolle Songs gab es zur Genüge. Sting Sting, You Can See My Boat, oder auch Eating In My House, allein das Ende des recht kurzen Sets war wundervoll. Im Anhang habe ich Livevideos von den Liedern beigefügt. Unbedingt anschauen!

Setlist Rozi Plain, Espace B, Paris:

01: The Post
02: Bathtime
03: Means
04: End can come
05: Sting Sting

06: You Can See My Boat
07: Eating In Your House

Rozi Plain- Livevideos: You Can See My Boat,
Sting Sting,
Eating In Your House


Nach Rozi Plain stieg Ladybird in den Ring. Eine Band um den Franzpsen Victor Crespi, die frischen powerpoppigen Sound mit Geigen und Trompeten ablieferten, mir aber etwas weniger zusagten, weil ich Victor nicht unbedingt für den besten Sänger halte. Aber das kann man anders sehen...

Als dritter war Jesse D Vernon aka Morningstar an der Reihe. Ein witziger Kerl und Lebensgefährte von Kate Stables aka This Is The Kit. Überraschenderweise spielt er keinen Folk, sondern relaxten und sonnengereiften Sixties Pop (Beispiel: Guess it Was You), zu dem man herrlich mitwippen kann. Seine Begleitband wechselt von Stadt zu Satdt und er hat schon etliche Alben auf den Markt gebracht. Eine Einarbeitung in sein Werk lohnt sich!

Danach kam mit Kate Stables seine bessere Hälfte ins Spiel. Ihren Werdegang verfolge ich schon eine ganze Weile und ich kann mit Fug und Recht behaupten, daß sie immer besser wird! Von ihrem hübschen Debütalbum spielt die stets fröhliche junge Frau kaum noch etwas, stattdessen offeriert sie dem Publikum in diesem Jahr etliche Neuheiten, die endlich auf einen Tonträger gebannt gehören. Von einer reinen Folksängerin mit Banjo hat sie sich inzwischen zu einer Indierockerin gewndelt, die 90 % des Sets auf einer E-Gitare vorträgt und somit musikalisch in die Nähe von Julie Doiron rückt. Die neuen Sachen haben jedenfalls richtig Schmiß und wenn jedes Lied so ein Volltreffer wird wie Waterproof und Spinney, dann dürfte das zweite Album ein Highlight des Musikjahres 2010 werden! Ich kann den Release kaum abwarten!

Danach war allerdings bei mir der Saft raus. Entkräftet verließ ich den Espace B und bekam von François and The Atlas Mountains nur noch zwei Lieder mit. Was ich hörte klang vielversprechend, ich muß mir den Burschen noch einmal in Ruhe ansehen...


Setlist This Is The Kit, Espace B, Paris:

01: Easy Pickings
02: Moon
03: Birchwood Beaker
04: Tangled Walker
05: White Ash Cut/Sleeping Some
06: Waterproof
07: Spinney


Links:

- Charmante Session (mit Baby, das eifrig mitspielt) von Le Cargo mit This Is The Kit - White Ash Cut, Birchwood Beaker
- Rozi Plain - You Can See My Boat live
- Das berichtet das Klienicum über Frànçois And The Atlas Mountains





 

Konzerttagebuch © 2010

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