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Sonntag, 7. August 2016

Burning Eagle Festival, Reutlingen, 29.07.16

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Burning Eagle Festival Freitag mit
  Leon Francis Farrow (45 min)
  Lilly among clouds (45 min)
  Faber (50 min)
  Garda (45 min)
Ort: Listhof bei Reutlingen
Datum: 29. Juli 2016
Zuschauer: 100 - 800 (ausverkauft) 


Erlebe gutes und schreibe darüber... Manchmal ist das gar nicht so einfach - vor allem wenn das gute so gut war, dass mir eine Weile noch die Worte fehlen - ich am liebsten vielleicht doch nur die Bilder erzählen lassen würde. Darüber geht die Zeit dahin und die Erinnerungen fangen schon an, auch die letzten Kritikpunkte auszufaden und der Alltag lässt einfach nicht die Lücke, um Ruhe für den inzwischen überfälligen Bericht zu finden...


Das Burning Eagle Festival hatte mich schon in seiner ersten Inkarnation 2012 bezaubert. Damals noch ein Tag im April, für den ich einfach die Fahrt nach Reutlingen nicht organisiert bekam. Aber am Vorabend hatte ich Garda in Karlsruhe zum ersten Mal erlebt und sie sozusagen als Botschafter des Festivals erlebt, an dem sie am nächsten Tag teilnehmen würden. 
 

Insofern passte es in meiner Welt wie die Faust auf's Auge, dass Garda aus Sachsen nun eine lange Spielpause ausgerechnet auf dem Burning Eagle 2016 beenden würden. Was genau den nötigen entscheidenden Impuls lieferte, dass ich mich wieder auf den Weg machen würde zu diesem zauberhaften Platz im schwäbischen Hinterland. Auch mit wunderbaren Erinnerungen an ein denkwürdiges Kennenlern-Konzert mit The gentle lurch daselbst und Dark Dark Dark 2013. Ein großes *hach*-Gefühl im Herzen also.


Als ich ankam, war es fast schon ein wenig wie Heim-Kommen nachdem es mir ja schon 2013 und 2014 so gut am Listhof gefallen hatte. Vieles war vertraut und ist ja auch inzwischen bewährt. Wie die besonders freundliche Security, die beiden Bühnen, die abwechselnd bespielt werden können oder die Auswahl an Essen und Trinken mit dem gewissen Etwas. 


Ich musste schmunzeln bei meinem ersten Boxenstop für eine große Flasche Wasser, wo zwei Schlangen antizipiert wurden mit: Hier bedienen Sie freundliche Sachsen & Hier bedienen Sie freundliche Schwaben... Neu (und für mich das erste Mal überhaupt) waren die Öko-Toiletten mit Gebrauchsanleitung.


Beim Weg um das Geländer herum zum Besucher-Eingang hörte ich schon die erste Band spielen. Auf der etwas kleineren aber meiner Meinung nach besonders Burning Eagle affinen Bühne spielten da nämlich schon Leon Francis Farrow auf. Das waren gleich vier junge Männer, nämlich
  Phil Nemeth - Gesang, Gitarre und Tasten,
  Niels Garve - Gesang und Gitarre,
  Lukas Kurz - Gesang und Schlagzeug,
  Jacco Herhaus - Gesang und Bass.

Damit war die Bühne ganz schön voll und auch der Sound war überall gut füllend und ging Gitarren-lastig ordentlich flott in die Beine. Das alles unter herrlichstem milden Sommerwetter im Grünen. Was kann man sich schöneres wünschen?

Setlist:
01: I've got plans
02: You're such a shame
03: Plastic city 
04: Know myself
05: Give it some time
06: Marilyn said
07: Wait til the lover comes
08: I'm about to cheat
09: Lara stop a car
10: Someday
 

Vielleicht ein Konzert von Lilly among clouds mit der tollen Stimme, die mich letztes Jahr beim Dresdner Sound of Bronkow so in ihren Bann gezogen hatte. Diesmal nicht solo, sondern mit einer Band:
  Gunnar Ennen (Synthie, Gitarre, Bass), 
  Jannis Reuter (Synthie und Bass, Backings) und 
  Lennard Wohlt (Schlagzeug)
als Unterstützung aber zum großen Teil den mir schon vertrauten Liedern. Die es immer noch schaffen, dass ich mir das eine ums andere Mal ein paar Tränen aus den Augen wischen musste. Vor allem Your hands are like home und Blood and history. Das schleift sich wohl so schnell auch nicht ab und traf mich mitten ins Herz. Das Publikum war schon zahlreich genug, um die Wiese vor der großen Bühne gut zu besetzen und feierte die einzige Frau im Freitagsprogramm ordentlich ab.


Setlist:
01. Bombshell  
02. Long Distance relationship
02. Long Distance Relationship
03. Silence
04. Remember me
05. Listen to your mama
06. When we are old
07. The Only One
08. Your hands are like home 

09. Blood and history 


Anschließend stand(en) Faber aus Zürich auf der kleinen Bühne in sehr witziger Besetzung: Julian Pollina mit Gitarre und Gesang und Tillmann Ostendarp spielte Posaune und drums dazu. Dazu wurde tatsächlich ganz ordentlich getanzt. Die Text waren sehr schwarz humorig zwischen Weh- und Übermut, Lebensüberdruß und Albernheit. Es verhing sich in meinen Ohren, blieb mir auch quer im Hals stecken, aber es hielt mich gebannt. Die Musik ging in die Beine und so wurde sehr viel gelacht und die Zeit verging wie im Flug für mein ersehntes Highlight. 

Züri 
Bleib dir nicht treu


Auf der großen Bühne waren inzwischen die vertrauten Gesichter von Garda am letzten Soundcheck, allerdings leider ohne Cornelia Mothes an den Tasten (den Platz hatte Ludwig Bauer übernommen). Kai Lehmann - der Frontmann - hatte noch die größte Bewegungsfreiheit für sich und seine Gitarre, denn obwohl die Bühne schon ok groß war, waren Frank Heim und Lars Hiller an diversen Saiteninstrumenten, wie auch Ronny Wunderwald ganz hinten auf seinem Schlagzeugtron und  Bassist Karsten Pretschner ziemlich in die Ecken gedrängt, um Platz für ein Streichertrio zu schaffen. Damit würde es also für das Festival ganz großes Kino geben!
 

Die große Frage für mich war natürlich, ob es auch neues Material geben würde und wenn ja, wie sich das anhören würde! Diese Frage wurde mit dem ersten Ton beantwortet, denn es ging in neue Sphären mit einem neuen Stück noch ohne Namen. Dafür aber mit ordentlich Bombast und Raum für alle auf der Bühne versammelten Klangfarben. Das Publikum ging dazu auch ordentlich ab und so war das Set wirklich ein totaler Glanzpunkt schon am frühen Abend des Freitag. Das anschließende Upper lower water course klingt ja erst einmal wie Singer-Songwriter-Schiene und wandelte sich dann in ein rockiges reiten in den Sommerabend. Ja, genau das hatte ich in der Live-Pause der Band sehr vermisst....


Weiter ging es mit mir so vertrauten Songs wie A guilty conscience needs no accuser und Oh, Euphoria. Mit für mich extrem eingängiger Herzschlag-Tempo-Paukerei, mit Plinker-Gitarren und der Steigerung ins unendliche - nicht zuletzt durch die repetitiven Klavierakkorde. Bis dann endlich das erlösende All we need a promise und ein ruhig-schlagendes-Herz-Tempo als Schlusspunkt den Aufruhr unter Kontrolle brachten. Anschließend gab es wieder Geschmacksproben von neuem Material, das mich nun umso gespannter macht auf die Platte, die es wohl so bald nicht geben wird...


Bis Black als das letzte Stück des Sets einen tupfenden Abschied geben durfte und das - wie schon in der Dreikönigskirche vor ewigen Zeiten - einfach hervorragend machte. Ein wirklich gutes Beispiel von aufhören, wenn es am schönsten ist. Was leider auch für meinen Ausflug nach Reutlingen zutraf. Obwohl auf dem Programm noch mehr acts waren, die ich sehr gern und schon gar an diesem schönen Ort live erlebt hätte, war es für mich Zeit, die Heimfahrt anzutreten. Nicht ohne einen Sack der allerschönsten Erlebnisse und voller Dankbarkeit für einen ganz besonderen Tag.


Setlist:
01: X1
02: Upper Lower Water Course
03: A guilty conscience needs no accuser
04: Oh Euphoria, my dear
05: Iron
06: X2
07: X3
08: Black



Aus unserem Archiv:
Alle Berichte vom Burning Eagle 2013 und 2014
Lilly among clouds, Dresden, 05.09.15 
Lilly among clouds, Mannheim, 03.06.16
Garda, Karlsruhe, 15.04.14
Garda, Dresden, 01.09.13
Garda, Mannheim, 31.05.13
Garda, Lörrach, 02.03.13
Garda, Karlsruhe, 20.04.12
Garda, Paris, 15.10.08 


Loblied des klienicums auf Garda beim Orange Blossom 2010 in Beverungen

Alle Bilder



Tourdaten Lilly among clouds
05.08.2016 Münster Auf weiter Flur Festival    
27.08.2016 Aldersbach Bogaloo Folk Night    
08.10.2016 Dingolfing Redbox Festival    
14.10.2016 Ansbach Kammerspiele
 


Tourdaten Faber
23.09.2016 Mainz Schon Schön
24.09.2016 Stuttgart Keller Klub
29.09.2016 Bielefeld BunkerUlmenwall 

01.10.2016 Dortmund Way Back When Festival
08.10.2016 Salzburg Rockhouse
10.10.2016 Graz Scherbe
12.10.2016 Wien Tag
13.10.2016 Krems Cinezone
14.10.2016 Kaltern Am See Kaltern Pop
15.10.2016 Dornbirn Spielboden
17.10.2016 München Ampere
18.10.2016 Erlangen E-Werk
27.10.2016 Dresden Groovestation
28.10.2016 Erfurt Franz Mehlhose
29.10.2016 Halle Objekt 5



Sonntag, 27. Juli 2014

Burning Eagle Tag 1, Reutlingen, 25.07.14

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Burning Eagle Festival Tag 1 mit
  The Gentle Lurch (45 min)
  Talking to Turtles (45 min)
  Kalle Mattson (45 min)
Ort: Listhof bei Reutlingen
Datum: 25. Juli 2014



Was hoffe ich auf Festivals zu finden? Natürlich das besondere musikalische Livererlebnis, aber - ehrlich gesagt - auch eine Umgebung, die etwas mit mir macht und evt. auch mit den Künstlern. Nach meiner Erfahrung ist das gar nicht so einfach. Aber wenn es gelingt - was für eine Zaubermacht so ein Ausflug entfalten kann!


Im letzten Jahr war es mit dem Burning Eagle und mir so eine Liebe auf den ersten Blick und auch beim Eintreffen 2014 gab es wieder diesen Flash: Was für ein wunderhübsches Fleckchen Erde wurde hier entdeckt und wie wurde es für das Festival mit Liebe, Rücksicht und Witz herausgeputzt. Und dieses freudige Augenblitzen sah ich in ganz vielen Gesichtern beim Eintauchen in das Gelände. Ein Stückchen Paradies!


Mein Festival hatte dieses Jahr schon auf dem Bahnhof in Karlrsuhe angefangen. Zu fünft waren wir auf dem Weg nach Reutlingen und vier von uns freuten sich schon auf die Musik am Listhof. Bei unserer Ankunft am Berg trafen dicke Tropfen das Taxi (die Busse streikten) und es ging kurz danach ein ordentlicher Gewitterguss auf das Gelände nieder. Aber noch unter meinem Schirm gebeugt und auf die Pfützen schauend war das Gefühl schon da: Wie schön es hier ist! 


Nachdem ich im eigentlichen Festivalgelände angekommen war, war der Guß zum Glück schon am Ende und die Bühnen wurden gerade von den größten Pfützen befreit. Wieder war es einfach nur wunderschön zu sehen, wie das Gelände zurechtgemacht war und nur ein kleiner Dämpfer, dass das erste Konzert ausfiel (auf den nächsten Tag verschoben war). Ein wenig Hallo und Wie geht es? und umschauen, welche Essensoptionen ich später nutzen würde und dann war es so weit, dass The Gentle Lurch (aus Dresden) den musikalischen Teil eröffneten.


Die Personen auf der Bühne waren mir größtenteils bekannt, aber mit dem Projekt hatte ich sie noch nicht live erlebt. Es war großartig, überraschend, vielfältig und ließ niemanden kalt. Es gab viel Applaus und Anfeuerungen. Die Aufgaben waren in jedem Stück wieder ein bisschen anders verteilt Neli Mothes, Lars Hiller und Frank Heim sangen abwechselnd und zusammen, Timo Lippold am Bass und Ronny Wunderwald in seiner unnachahmlichen Art am Schlagzeug gaben das Fundament.  Just an diesem Freitag war das dritte Album der Band in das Licht der Öffentlichkeit getreten.


In manchen Stücken fühlte ich mich an Lambchop erinnert, vieles war auch ganz ohne Vergleich für mich. Die einzelnen Stimmen drückten jeweils ihren ganz eigenen Stempel auf die Songs. Ein bisschen Wüstenluft wehte durch das Set manches würde als Abspann zu einem Clint Eastwood Film passen mit einer verhalten positiven Auflösung aber ohne Hollywood-Zuckerguss. 



Talking to Turtles hatte ich zuletzt vor zwei Jahren gesehen und ich war sehr gespannt auf neues Material. Am 15. August soll ja das neue Album Split erscheinen. Diesmal standen sie zu zweit auf der kleineren Bühne und hatten offensichtlich so richtig Lust auf den Auftritt. Die Heiterkeit liegt ja wohl zum einen in der Natur der beiden und auch ein bisschen in der Musik und das wurde natürlich bereitwillig vom Publikum gespiegelt.


Es wurde fleißig mitgesungen und geklatscht. Neues Material gab es leider nicht so viel wie ich gehofft hatte - nur drei Stücke. Aber auch die vertrauten Stücke sind ja noch immer so schön wie beim ersten hören. 


Kalle Mattson stand mit zwei Mitmusikern auf der großen Bühne. So ein junger Kerl dachte ich bei mir - aber er füllte mit seinem Charme, seiner Musik und seiner Präsenz auch den Raum vor der Bühne. Obwohl er "nur" mit Gitarre, Bass und Tasten (also z.B. ohne Schlagzeugdruck) seine Musik präsentierte. Und auch der eine Weile einsetztende Regen konnte die Begeisterung nicht dämpfen. Die von der Trompete gesetzten Glanzlichter passten wunderbar und es war hoffentlich auch für ihn ein stimmungsvoller Abschied von Europa für das laufende Jahr. Auch wenn er wohl mit seiner Frisur, die von der nassen Luft geformt wurde, nicht ganz zufrieden war.


Nach dem Set blieb mir noch eine Abschiedsrunde über das Gelände, ein Abstecher zum Albgold und dann eine zuckelige Fahrt zurück nach Karlsruhe. In Erinnerung bleiben von dem Tag die vielen glücklichen Gesichter, die Gelassenheit, das mit Händen fassbare Glück in der Luft.

Mehr Bilder: 




Tourdaten Talking to Turtles:

06.09. Rostock // Peter Weiss Haus
11.09. Leipzig // Conne Island
12.09. München // Milla
13.09. Wiesbaden // Schlachthof
14.09. Berlin // Privatclub
16.09. Bochum // BHF Langendreer
18.09. Jena // Cafe Wagner 
19.09. Freiburg // The Great Räng Teng Teng
20.09. Düsseldorf // FFT

 

Aus unserem Archiv:
Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12
Talking To Turtles, Rüsselsheim, 21.07.12
Talking To Turtles, Wiesbaden, 13.12.11

David Lemaitre, Mannheim, 02.06.13  
Burning Eagle, Tag 2, 2013
Burning Eagle, Tag 1, 2013




Sonntag, 28. Juli 2013

Burning Eagle Tag 2, Reutlingen, 27.07.13

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Konzert: Tag zwo des Burning Eagle Festivals
          Neufundland (35 min)
          Green Apple Sea (35 min)
          Zigitros (45 min)
          Daniel Nordgren (30 min)
          Honig (45 min)
Ort: Listhofgelände in Reutlingen
Datum: 27. Juli 2013
Dauer: 14:00 bis 18:15 Uhr



Es gibt bestimmt gut begründete psychologische Theorien, die nachvollziehbar begründen, dass man auf keinen Fall so einen Bericht mit irgendwelchen Negativa beginnen sollte. Aber das ist mir jetzt mal Schnuppe, zumal es genau genommen um ein Luxusproblem geht: Im Planungsvorlauf für das Festival auf dem Listhofgelände gab es nach der endgültigen Fassung des Lineups für mich eine schwierige Entscheidung zu treffen: Für Efterklang und Amatorski und gegen Get well soon oder umgekehrt. Zwei Übernachtungen in Reutlingen hätten meine Lebensbalance auf verschiedenen Skalen zu sehr belastet. Der gestrige Bericht hat schon verraten, dass die Entscheidung für einen langen Freitag und einen verkürzten Samstag fiel. Deshalb endet mein Bericht über den zweiten Tag schon am frühen Abend nach dem Set von Honig. Ich zweifele keinen Moment daran, dass ich damit Höhepunkte hier nicht bezeugen kann und muss das anderen überlassen. 


Es spricht meiner Meinung aber sehr für das Festival, dass auch die Zeit in der ersten Hälfte des Samstagsprogramm mit Neufundland, Green Apple Sea und Honig für mich gleich drei wunderschöne Perlen barg, sich Zigitros als eine recht positive Überraschung erwiesen und das Set von Daniel Nordgren mich an diesem heißen Sommertag dazu einlud mich ganz fallen und treiben zu lassen. Kein einziges innerliches skip und schon gar keine halb ärgerlich verbrachte Wartezeit.

Der zweite Tag begann 14 Uhr mit brüllender Sonne und kaum Wolken am blauem Himmel. Die Jungs von Neufundland vorn an der Bühne hatten da eine richtige Tortur auszustehen: Sie wurden frisch gebraten - alles heiß und hell und die Gitarren verstimmten sich dauernd. 


Mir gefiel die Musik der Kölner gleich. Es war recht eingängiger Indie-Rock mit den genau richtigen Ecken und Kanten für mich und am Schluss gab es auch noch ordentliche Hexenaustreibung an den elektronischen Reglern. Aber eigentlich sorgten die Texte dafür, dass ich das Set wohl auch in naher Zukunft nicht so leicht aus dem Kopf bekommen werde. Eher unerwartet für einen so heiteren Sommertag versetzten sie mich in einen sehr nachdenklichen Modus: wo wollen wir uns unterstellen wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt - das hatte mich auf einmal voll getroffen. Und die verwendeten Bilder waren nicht platt und Effekte heischend, sondern drückten ein Lebensgefühl aus, das an Fragen in mir anknüpfte, die mich schon mein Leben lang begleiten. 


Interessanterweise fragte ich mich schon im Moment des Konzertes wie sehr  sich diese Art von Fragen in den verschiedenen Generationen gleichen, wo sich die Umstände im Laufe der Zeit so stark gewandelt haben. Meiner Mutter und meiner Oma fiel der Himmel auf dem Kopf als Fliegerbomben. Danach wurde nichts je wieder gut aber andererseits war danach alles eine Verbesserung.  Und für die Kinder - meine Generation - sollte die Welt ja auch unbedingt besser werden. Was aber nicht wie erhofft eintrat, denn wir hatten die begründete Erwartung, dass ein atomarer Erstschlag durch menschliches Versagen eher heut als morgen die Menschheit auslöschen wird. Unser Szenario von Welt auf den Kopf fallen. Meine Kinder und damit auch die jungen Männer von Neufundland haben diese Sorge nicht mehr in der gleichen Form, aber sie stehen in einer Welt wo die Begriffe Nähe und Entfernung gerade neu definiert werden und Deutschland am Hindukusch verteidigt wird. Unsere Welt spuckt Rauch und fordert uns heraus, uns immer wieder einzumischen. Das ist immer neu und bleibt doch erstaunlich konstant.



Setlist Neufundland 
1: Napoleon
2: Raus, Raus
3: Hallo
4: Unterstellen
5: Lernen
6: Großbuchstaben
7: Und reicht dir das


Einmal in der nachdenklichen Stimmung war eigentlich auch das Set von Green Apple Sea - wenngleich musikalisch ganz anders gelagert - eine Fortschreibung der existenziellen Gedanken. Where do you go when there's no place to go. Allerding war dies sowohl musikalisch als auch textlich von einem eher tröstlichen Unterton getragen in einer Art Grundvertrauen, dass sich schon alles irgendwie klären wird und wir alle ähnliche Sorgen tragen, wenn sie auch verschiedene konkrete Gesichter haben. Sehr sympathisch fand ich die Ansagen zu den Liedern, die jeweils einen guten Einstieg gaben, eine weitere Dimension der Musik etwas schneller zu erfassen. Ich schleiche virtuell schon länger um diese Band herum - ich glaube, mit dem Auftritt in Reutlingen haben sie mich nun endgültig gekriegt!


Setlist Green Apple Sea
1: Northern Sky
2: Nightmares
3: Whale watching
4: Satellite Wings
5: Sleep Now
6: How else
7: El fin del
8: One of a million
9: Farewell
10: Please slow down




Das erste Lächeln huschte mir übers Gesicht als Zigitros sich selbst vorstellten. Man muss sich dabei die schweizer Mundart vorstellen und der Name bekommt eine ganz andere Färbung! Die Gesangsstimmen fand ich angenehm und auch ein bisschen zum wegträumen. Andererseits luden Refrains zum mitgrölen ein. Das klingt wie ein Widerspruch, war es an dem Nachmittag in der Sommersonne aber gar kein bisschen. Ein sehr schönes Set, das in meinen Augen perfekt in das Festival passte.

Setlist Zigitros
1: Yours, truly
2: Wondering white
3. Horses an hold
4: Anchor & Sparrows
5: Nightshade grinning
6: Bellevue balcony
7: Black boots
8: Sinister
9: Whoever
10: Witch hunt
11: Bravery of none



Das Set von Daniel Nordgren nutzte ich zum essen und trinken. Die Biertische standen so günstig zur kleinen Better2gether Bühne, dass ich auch von da das meiste gut mitbekam. Seine schmachtende Amerikana-Musik-Mischung hatte ja die Sonne förmlich in der DNA und kam total überzeugend. Ich ließ mich damit treiben und genoß einfach nur ohne nähere Analyse.



Mit dem Set von Honig kam für mich schon leise der Abschied angekrochen. Ich bewegte mich noch einmal in alle Ecken des Festivalgeländes und genoß die schöne Atmosphäre. Die Band trat barfuß auf und es war wohl ihr erster Auftritt in kurzen Hosen? Konnte ich gar nicht so recht glauben.



Wie immer hatte mich die Musik von Honig vom ersten Moment an. Besondere Highlights waren aber For those lost at sea und In my drunken head. In den Zwischenansagen wurde viel rumgeblödelt. Es schien ihnen echt gut zu gehen da vorn auf der Bühne und ich glaube, sie genossen die Festivalatmosphäre in vollen Zügen. Kritik von mir aber daran, dass ich von Julias Stimme fast gar nichts gehört habe. Ihr dürft doch einen Trumpf nicht in den Skat drücken, Jungs!


Setlist Honig
1: Hometowns

2: The morning chorus
3: Song for Julie
4: Look what we brought in
5: For thoses lost at sea
6: Swimming lessons
7: In full makeup
8: In my drunken head
9: This old house
10: Burning down bookshops

Damit hieß es für mich Abschied nehmen von diesem bezaubernden Festival. Von Leuten, die ihren Müll mitnehmen und rücksichtsvoll nacheinander schauen. Von der Gelegenheit, meine Lieblingsmusiker im Publikum zu sehen und einen kleinen Schwatz mit ihnen zu halten.

Vielen Dank an alle, deren Idealismus und Begeisterungsfähigkeit diese zwei Tage in unsere Welt gebracht haben. Das nächste Burning Eagle steht schon jetzt in meinen Kalender für 2014 gemeißelt!



Aus unserem Archiv:
Tag 1 des Burning Eagle 2013
Honig,  Köln am 22. Oktober 2012 

Mehr Bilder


Samstag, 27. Juli 2013

Burning Eagle Festival Tag 1, Reutlingen, 26.07.13

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Konzert: Tag eins des Burning Eagle Festivals für mich mit:
          Rozi Plain (30 min)
          Pamplona Grup (45 min)
          This is the Kit (45 min)
          Dark Dark Dark (45 min)
          Mikhael Paskalev (35 min)
          Get well soon (40 min)
Ort: Listhofgelände in Reutlingen
Datum: 26. Juli 2013
Dauer: 15:00 bis 23:55 Uhr


Dieses Festival hat mich vom ersten Moment an bezaubert. Alles ist mit so viel Liebe zum Detail vorbereitet. Angefangen von der Musik, vom Gelände, von den Ständen von der Auswahl an Essen und Trinken. Es ist wie ein Ausflug in eine freundlichere Welt.


Die Musik des ersten Tages hatte gleich mehrere Highlights für mich. Die Lieblinge unseres Tagebuches Get well soon spielten wunderbar auf, zuvor waren Dark Dark Dark herzerwärmend. Neuentdeckungen für mich Rozi Plain und This is the Kit und die unglaublich fröhlich aufspielende Pamplona Grup. Auch Mikhael Paskalev war in meinen Augen für diesen Tag eine hervorragende Wahl der Veranstalter.



Ich muss zugeben, dass ich mit der Lage des Festivals und meiner Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein wenig Herzklopfen hatte (vor allem bezüglich der Abreise am Abend). Aber als ich es tatsächlich geradeso rechtzeitig zum Set von Rozi Plain geschafft hatte, musste ich doch zugeben: Ja, so ein Festival passt genau hierher! Ins Grüne, unter die Bäume und zwischen die einfallsreich gestalteten Verkaufs - und Informationsstände. Ich setzte mich neben die Walderdbeeren vor die große Bogak-Bühne und ließ mich von der sommerleichten Musik von Rozi Plain einfangen und einstimmen auf zwei wunderbare Tage in so schöner Umgebung. 
 
Kate Stables bei Rozi Plain

Die Musik von Rozi Plain (E-Gitarre und Gesang) wurde von Jesse  Vernon am E-Bass und Kate Stables (Vocals) und Michael am Schlagzeug interpretiert. Die Ansagen waren freundlich und obwohl die Besetzung nach traditionell hau-drauf-mäßig klingt, eher auf der zarten und verträumten Seite. Wie sagt mein Kollege Oliver aus aus Paris das so schön: einfacher aber nie einfältiger Folk vorgetragen mit einer warmen Stimme. Und ganz am Schluss wurden wir mit einem freundlichen Indianergruß entlassen.


Rozi Plain

Setlist Rozi Plain
Foot out
Alive
Take it
Humans
Quarry
See my boat
Catch up
Sides



Auf der Better2gether-Bühne hatte ich schon im Vorbeigehen eindrucksvoll viele Instrumente vorbereitet gesehen. Geboten wurde dann von acht jungen Männern an Akkordeon, Klarinette, Trompete, Posaune, Kontrabass, E-Gitarre, Geige, und Cajon eine tanzbare Gute-Laune-Musik mit Balkananklängen, die durch die vielen Rhythmuswechsel immer etwas unvorhersagbar und überraschend blieb. Es gab nette Zwischenansagen mit schweizer Einfärbung, z.B. zum Stück Haschisch in dem die Wirkung des Stoffes durch besondere Rhythmenwechsel verdeutlicht worden war und wir hörten die Geschichte vom Fisch Jacques bevor wir uns in die vertonte Variante vertiefen konnten.



Bei Schöni Frau zog es dann endgültig die ersten Tanzwütigen aus dem Sitzen an den Bühnenrand.



Nettes Detail (und irgendwie sehr typisch für das Festival), dass Kate im Publikum saß und die jungen Männer während des Auftritts zeichnete. Wenig später war sie in ein Gespräch mit Wallis Bird vertieft. Eigentlich versuchten die Jungs Kai Lehmann von Garda zum letzten Stück auf die Bühne zu rufen, aber leider klappte das nicht - er hatte noch hinter der Bogak-Bühne zu tun. Statt dessen musste das Publikum singen üben und wurde dabei ordentlich gefordert, aber es gab kein Gesicht, auf dem nicht ein frohes Lächeln dabei zu sehen war.


Setlist Pamplona Grup
Klezmi 
Galéron 
Haschisch 
Jacques 
Flying Bulgar 
Schöni Frau 
T'Fila 
Rodeo 
Noi Siech 
Die Oros



Nach einer kurzen Pause ging es mit This is the Kit auf der Bogak-Bühne weiter. Die Besetzung war wie bei Rozi Plain, aber nun war Kate in der führenden Position und Rozi support an der E-Gitarre. Ich war ganz fasziniert von der Känguruh-Tasche für das Banjo! Der Schlagzeuger spielte bei einigen Stücken die Geige und die musikalischen Gesten bezogen sich häufig auf Folk, aber die Grenzen von Folkmusik wurden überschritten in Richtung sphärischer und psychedelischer Musik. Hauptargument für mich, warum mir die Musik so ausgesprochen gut gefiel sind eindeutig die Stimmen aller vier. Männer und Frauen in dieser Mischung waren zum wegträumen schön.

Setlist This is the Kit
Waterproof
Easy Pickings
White Ash cut
Nits
See here
Colder
Earthquake
Numbers
Spinney


Auf der kleinen Bühne ging es im Anschluss mit Friedemann Weise weiter, mir war aber schnell klar, dass dies meine Pause würde, um für mein leibliches Wohl zu sorgen und mir anschließend einen guten Platz für Dark Dark Dark zu suchen. 
 
Bild von Claudia

Deren Set begann gleich mit einem meiner Lieblingslieder It's a secret und einem ganz neuen Lied mit einem hymnischen Refrain. Bei Hear me kam nach einem extra langem Intro beim einsetzen der Pauke mit dem vertrauten Rhythmus der erste echte Gänsehautmoment des Abends. Und natürlich Trompete und Akkordeon gleichzeitig gespielt sind Bild unglaublicher Hingabe, die sich auch auf mich übertrug.


Trouble wurde anschließend sehr rockig und rhythmusbetont dargebracht. Es war auch der erste Song, in dem ich von meinem Platz aus den Blick auf den Schlagzeuger frei hatte. Ich liebe es zuzusehen, wie er sein Drumset regelrecht massiert! Natürlich war Daydreaming wieder eine tolle Nummer. Hierfür stand Nona Marie Invie vom Piano auf und sang mehrer Stücke lang im stehen. Das Lied verfehlt nie seine Wirkung auf mich und auch die anderen Hörer an diesem Abend verfielen seinem Zauber ganz offensichtlich.


Für How it went war Walt McClements am Piano und es wirkte sehr innig und persönlich. Im letzten Stück The great mistake gab es aber als "Rausschmeißer" fast New-Orleans-Jazzige Anklänge. 


Ein rundum tolles Set. Einzig zu beklagen, dass es zu schnell vorbei war.

Setlist Dark Dark Dark
It's a Secret
New song
Meet in the dark
Hear me
Trouble
Daydreaming
What I need
How it went
The great mistake



Weiter ging es im Programm des Burning Eagle mit dem mir ganz unbekannten Mikhael Paskalev. Die Band brauchte eine ganze Weile für den Soundcheck und begann 10 min später als geplant.


Bild von Claudia
Ihr Set begann Mikhael mit einer Solonummer an der Gitarre, aber es wurde im Anschluss ordentlich fetzig und nach drei Nummern kam schließlich der Moment, wo alle aufstanden und ordentlich getanzt wurde. Das passte und machte richtig Spaß. Es macht mir auch große Freude, der Dame an der Steelguitar zuzusehen. Die hatte eindeutig den Schalk im Nacken.
 
Bild von Claudia
Walls Bird überging ich im Biergarten bei einem netten Gespräch und etwas Wein. Es wurde darüber dunkel.



Schließlich sicherte ich mir einen Platz am Bühnenrand von Get well soon. Der Garten war nun ordentlich gefüllt und man stand recht dicht gepackt. Freudige Erwartung lag in der Luft. 



Leider dauerte der Soundcheck 30 min länger als geplant und es gab schon etwas Unruhe, aber als es gegen 22:45 Uhr denn losging, wurde uns mit Beckengetöse und dramatischer Einspielmusik bei Mayan Calender gleich ordentlich was geboten. Es war einfach nur euphorisierend und vielleicht DER Moment des Abends überhaupt. Die Begrüßung durch Herrn Hopper war sehr lustig. Die Organisatoren hätten die Band wirklich ganz schön betteln lassen, bis sie endlich, endlich mal auftreten dürften auf dem Burning Eagle Festival.  Nun, endlich, sei es so weit und sie freuten sich sehr darüber!


Auf der Bühne war alles etwas gedrängt, und bei den immer wieder vorkommenden Wechseln der Instrumente (fast alle durften mal ans Xylophon und bei einigen Stücken paukte man zu viert!) mussten alle ein bisschen achtsam sein. Aber es wurde ein wahrhaftes musikalisches Feuerwerk gezündet und bis zur finalen Geisteraustreibung You cannot cast out the demons you might as well dance war das Publikum gebannt und begeistert dabei und die Musiker auf der Bühne ekstatisch und dramatisch. Was für ein herrlicher Auftritt an so einem Sommerabend.


Setlist Get well soon
Mayan calender
Last days of Rome
Roland, I feel you
Werner Herzog gets shot
We are ghosts
Voice in the Louvre
Courage Tiger
Oh my good heart
Gallows
Angry young man
Burial at sea
You cannot cast out the demons you might as well dance



Im Rückweg zum Parkplatz (ich hatte zum Glück eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt zurück) einmal um den Listhof herum im Dunkeln begleitete mich noch wie ein guter Zauber die Musik von Denis Jones für 20 min. 


Was blieb mir nach diesem wunderbaren Tag zu sagen? Alles fühlte sich an wie für mich ganz persönlich gemacht. Sogar auf Hörschutz konnte ich fast durchgängig verzichten. Das Publikum war so herrlich entspannt und fast alle Künstler mischten sich auch unter das Publikum. Besser geht nicht!

Fotoauswahl:

 


 

Konzerttagebuch © 2010

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