Posts mit dem Label Le Divan du Monde werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Le Divan du Monde werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 7. Oktober 2014

Avi Buffalo, Paris, 01.10.14

0 Kommentare

Konzert: Avi Buffalo
Datum: 01.10.2014
Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Zuschauer: etwa 250-300
Konzertdauer: eine Stunde


Ist auch son wieder 'ne Woche her, verdient aber unbedingt einen kurzen Rückblick. Der hochtalentierte Amerikaner Avigdor-Zhaner-Isenberg alias Avi Buffallo hatte zum zweiten Mal in seiner Karriere in der Stadt der Liebe Station gemacht. Sein Auftritt in der Fleche d'or vor 2 Jahren war nicht wirklich denkwürdig, aber sein erstes Album hatte ich in der Folge dennoch rauf und runter gehört. Kürzlich ist sein Zweitling At Best Cuckold erschienen und auch dieses Machwerk ist ganz ausgezeichnet geworden. Wie der Vorgänger besticht es durch bildschöne, psychedelisch gefärbte Pop-und Folksongs in der Tradition von Neil Young, den Beach Boys und den Beatles und gehört sicherlich zu den Highlights des Plattenjahres 2014.

Wie aber würde der Liveauftritt diesmal ausfallen ? Der erste Song ließ die Zuschauer sorgenvoll in Richtung Boxen schauen, denn der Sound der dort rauskam war unausgegoren, zu leise und des Talentes von Avi keinesfalls würdig. Glücklicherweise schafften es die Soundingenieure den Schaden schnell zu beheben, die Stimme von Buffalo lauter einzustellen und das Ganze wesentlich ausgewogener klingen zu lassen. Die Bedingungen waren letztlich dann doch absolut in Ordnung und im Vergleich zum ersten Paris Konzert, bei dem der Ami nur mit seiner Drummerin gekommen war, gaben heute zwei zusätzliche Musiker an Bass und Keyboard /Orgel der Musik eine deutlich reichhaltigere Note.

Was dieser nett und unscheinbar wirkende Bursche doch für eine tolle Stimme hat! So hoch, so unschuldig, so sentimental ! Er liefert den Indie Pop ab, den wir seit ein paar Jahren von den  untergetauchten Shins vermissen und erinnert mit seinen melodischen Gitarren auch an Real Estate.

Das Konzert strotzte nur so vor sonnengereiften Songs, tollen Melodien und zartschmelzenden melancholischen Momenten. Da fiel es dann schwer Highlights herauspicken. Klar, bei dem Smashit What's In It For vom ersten Album will man am liebsten ein Herz auf die Bühne pissen, kann sich gar nicht genug an dieser zerissenen hohen Stimme und dem unwiderstehlichen Refrain ergötzen, aber auch viele andere Nummern waren ähnlich fantastisch. Letztlich mochte ich jedes einzelne Lied. Vielleicht sollte man Think It's Gonna Happen Again hervorheben, das mich irgendwie an meine heißgeliebte Band Of Horses aber auch Built To Spill erinnerte. Beim letzten offiziellen Song Oxygen Tank gab es gegen Ende ein langes Giarrensolo, da fühlte ich mich plötzlich an Wilco erinnert, aber auch an Neil Young, der sicherlich ein wichtiger Einfluss war.

Das Publikum war jedenfalls angetan, sowohl von den zeitlosen Songs als auch von der sympathischen Ausstrahlung der Band (der Keyboarder grinste den ganzen Aben nur rum) und als Zugabe gab es dann noch die feine Ballade She Is Seventeen.

Avi Buffalo ist sicherlich eines der größten Talente unserer Zeit, von dem jungen Burschen werden wir bestimmt noch einiges hören !





Setlist:

01: So What
02: Can't Be Too Reponsible
03: Remember Last Time
04: Summer Cum
05: Two Cherished Understandings
06: Overwhelmed With Pride
07: Memories Of You
08: Won't be Aorund No More
09: Waht's In It For
10: Think It's Gonna Happen Again
11: Oxygen Tank

12: She is Seventeen

Fotos: in Kürze !



Sonntag, 17. November 2013

Laura Veirs, Paris, 06.11.13

0 Kommentare

Konzert: Laura Veirs (Led To Sea)
Ort: le Divan Du Monde
Datum: 06.11.2013
Zuschauer: gut gefüllte Venue, ich schätze auf 350 Besucher


Konzerte von Laura Veirs sind immer etwas Besonderes. So natürlich, authentisch und ungekünstelt tritt heute kaum noch jemand auf. Was eigentlich normal sein sollte, bekommt seine Besonderheit dadurch, daß hedonistisches Verhalten heute die Norm ist. Wenn ich allein an das neue Doppelalbum von Aracde Fire denke, könnte ich kotzen. Da trieft die coole Attitüde, das Abfeiern des eigenen Ego und die unerträgliche Hipness aus allen Poren. "Are you cool enough" singt Win Butler bei einem Song und ich habe große Lust ihm entgegenzurufen: "Nö, ich bin nicht cool und will es auch nicht sein. Ich höre lieber Laura Veirs, die ist nicht "cool" sondern "warm"."


Ich weiß, ich ereifere mich zu sehr, komme mit einer gewissen Schwarzweißmalerei um die Ecke gebogen und sollte gelassener sein. Aber wenn ich Laura Veirs live sehe, wird mir hinterher immer bewußt, wie gekünstelt selbst in der Indie-Szene vieles ist. Da geht es fast immer nur um den Look, die Pose, das Zur-Schau-Stellen von Eitelkeiten, man denke nur an das letzte Pitchfork Festival. Bei Veirs hingegen steht die Musik im Vordergrund, der wundervolle Gesang, die warmherzigen Melodien, die klugen Texte (in denen es oft um Naturphänomene geht). Und seid sie zweifache Mutter geworden ist, gibt es für sie noch ganz andere Prioritäten im Leben, was wiederum ihrer Musik zu Gute kommt. Sie scheint noch unaufgeregter, dafür aber umso liebevoller zu werden. Der Auftritt im Divan du Monde belegte dies deutlich, er war weniger perfektionistisch als sonst, aber um so lebendiger und launemachender. Auch das letzte Album ist wieder extrem gelungen.

Natürlich spielte Laura von diesem Werk so manchen Song, aber das rund 75 minütige Konzerte war erfreulicherweise auch eine kleine Rundschau ihres bisherigen Schaffens, mit wahnsinnig schönen Liedern aller Perioden. 



Schon der Sun Song ließ im wahrsten Sinne des Wortes die Sonne im Herzen aufgehen, Wide-Eyed, Legless betörte mit dem wundervollen Geigenspiel von Alex Guy (die unter dem Moniker Led To Sea auch das gelungene Vorprogramm bestritten hatte), einer bildschöne Melodie und der traumhaften Stimme von Laura. Fester als auf den Alben klang die, lauter, auch etwas wütender und feuriger. Gut so, denn so konnte Laura auch all diejenigen Lügen strafen, die bei ihr alles für ein wenig zu nett halten.


Jedes einzelne Lied war ein funklendes Juwel, kein einzelnes war bloßer Füller. Herrlich intim Shape Shifter mit der melancholischen Geige und dem sublimen Backgroundgesang des Gitarristen Karl Blau, der manchmal (genau wie Alex Guy) zum Spaß eine Teufelsperücke trug.

Ganz ganz groß auch July Flame vom gleichnamigen Vorgängeralbum. "Can i call you mine, can I call you mine?" sang Laura eindringlich und ich schmolz dahin.

Ganz beschaulich und herbstlich das Pianostück Make Something Good, bei dem Karl Blau herrlich tief intonierte und Lauras lieblichen und samtweichen Gesang aufs Wundervollste kontrastierte.


Mit Dorothy Of The Island sang sie dann einen ihrer Keytracks des neuen Albums, in dem es um die "motherless children" ging ("motherless children have a hard time") und auch ein Wilco würdiges Gitarrenriff seinen Platz hatte.



Auch America ("How can it be so cold out here in Amercia? Everybody is packing heat in America, training their barrels on the city streets of Amercia, America, America") war einer der Perlen des neuen Werks mit für Veirsche Verhälntisse fast schweren Giarren und einem recht wuchtigen Schlagzeug.

Die Zeit lief unerbitterlich runter und ehe man sich versehen hatte, war man auch schon beim letzten Stück im Set angekommen.


Closer White Cherry verfügte über eine fast jazzige Note, klang wolkenverhangen und verwunschen und ein klein wenig experimentell. Hier hatte der Drummer Matt seine besten Szenen mit seinem zunächst subtilen, dann immer intensiver werdenden Spiel, aber auch die Geigerin Alex Guy trat erneut deutlich in Erscheinung.

Der Zugabenteil dann ebenfalls erste Sahne!

Die himmlische Ballade Spekuling vom Album Year Of Meteors bestritt Laura dann ganz alleine auf der Akustischen. Sätze wie "would you light the lamp dear?" wimmerte sie mit sanfter Stimme und manchmal pfiff sie sogar einzelne Passagen. Es war zum Daniederknien!

Zu Pink Light kam dann die Band zurück. "Sorry I was cruel I was protecting myself" sang Veirs und viel Orgelmusik begleitete ihre Strophen.


Der krönende Abschluss dann mit That Alice, der Frau von John Coltrane, die selbst als Jazz Harfe Spielerin aktiv war. Ein richtig rockiges Stück in bester Tradtion von Bands wie REM oder Wilco stehend. Hier heulten die Gitarren so richtig auf, pumpte das Schlagzeug von hinten unermüdlich, sang Laura so feurig wie selten zuvor.


Ein fulminanter Schlußpunkt unter einem richtig guten Konzert. "Laura Veirs, no bullshit, just very good music!"

Aus unserem Archiv:

Laura Veirs, Paris, 20.02.11
Laura Veirs, Paris, 13.01.10
Laura Veirs, Paris, 24.04.07







Montag, 1. Juli 2013

Trixie Whitley, 27.06.13

3 Kommentare

Konzert: Trixie Whitley
Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Datum: 27.06.2013
Zuschauer. etwa 200
Konzertdauer: ungefähr eine Stunde



Trixie Whitley kennt ihr hier noch nicht, oder? Das dürfte sich aber weltweit sicherlich schnell ändern, denn die 25 jährige Blondine (echte? falsche? egal!) hat eine dermaßen kraftvolle Soulstimme, daß der Mainstream bald von ihr Notitz nehmen dürfte. Ein Massenpublikum mag schließlich Powerfrauen mit wuchtigen Gesangesorganen, siehe Celine Dion, Whitney Houston, Adele.



Ob man Trixie in eine Reihe mit diesen Sängerinnen stellen sollte? Stilistisch nicht, denn sie spielt "richtigen" Soul/Bluesrock, also weniger auf die Charts getrimmte Sachen wie diese Damen, die damit allerdings ein großes Publikum gesucht und gefunden haben. Schon der Vater von Trixie, Chris Whitley (verstorben 2005 mit nur 45 Jahren), war berühmter Blues-Musiker, die in Brooklyn lebende Tochter will nun in seine Fußstapfen treten und arbeitet bereits mit Star Produzent Daniel Lanois zusammen.

Paris scheint hierbei ein gutes Karrieresprungbrett zu sein, ihre halbe Heimat Belgien (Gent wo sie geboren wurde und später als Jugendliche gelebt hat) ist nicht allzu weit, die Pariser als Blues-Fans bekannt. Ein französischer Radio Moderator mit langem Rauschebart hält sie gar jetzt schon für die Größte überhaupt.




Eins wird jedenfalls schnell klar: die Blondine mit dem streng gezogenen Scheitel ist enorm charismatisch, hat eine Stimme wie ein Vulkan und einen  Körper wie Gwen Stefani. Ihre Band ist top, man findet in ihr unter anderem den mit ihr verwandten Bassisten Alan Gevaert, der auch bei Deus im Einsatz ist. Der Sound ist schwer und polternd, man wird förmlich an die Wand gespielt. Ziemlich verrückt, bluesige Rockröhren sind nicht gerade mein Fall, aber Trixie finde ich auf Anhieb überzeugend. Ihre Stimme wirkt einfach natürlich, ist nicht forciert, der bluesige Background wurde ihr in die Wiege gelegt. Alles ist schlüssig, ihr Gitarenspiel trocken, saftig und düster. Auch die Balladen am Piano mit brüchig- rauchiger Stimme passen ins Bild. Besser gefallen mir aber die Rocker an der Elektrischen wie z.B: I Need Your Love. Wahnsinn wie beherzt sie da in die Saiten greift, ganz in ihrem Element ist und ihre männliche Begleitband mitreißt. Am Ende betreibt sie jede Menge "Show-off" mit ihrer Stimme, aber sie kann sich's erlauben, sie singt eben einfach fantastisch.




Vorher kam bereits Never Enough sehr gut rüber, ein catchy Song mit knackigem Refrain, bei dem auch der bärtige Drummer mitsingt.

Insgesamt dauert das Set nicht sehr lange. Beschlossen wird es von der Piano Ballade Breathe You In My Dreams, bei der Trixie stimmlich all ihre Qualitäten ausspielt, mal sanft wimmert, mal kraftstrotzend intoniert.




Verlängert wird das Ganze aber durch mehrere Zugaben, sogar eine wirklich ungeplante ob des großen Applauses. Die Leute sind wirklich begeistert, obwohl der Zuschauerandrang auch in Paris noch nicht gewaltig war. 200 dürften wir wohl gewesen sein. Bald werden es sicherlich viel mehr werden, schwer vorstellbar, daß man diese Frau mit dieser Stimme und dieser Ausstrahlung auf ihrem Weg nach oben stoppen kann!

Setlist:

01: Thousand Thieves
02: Irene
03: Silent Rebel
04: Gradual Return
05: Fourth Corner
06: Never Enough
07: Pieces
08: I Need Your Love
09: Hotel No Name
10 Breathe You In My Dreams

Zugaben



Dienstag, 29. Januar 2013

Les Colettes, Paris, 26.01.13

0 Kommentare

Concert: Les Colettes
Lieu: Le Divan Du Monde
Date: 26.01.2013
Spectateurs: environ 250



* deutscher Text unten




Toute le monde connait le phénomène du coud de foudre. On est frappé de la fameuse " décharge électrique " de l'amour. Mais parfois on s'emballe peut- être un trop vite et après il n'est pas certain que le feu ne s'éteint pas aussi vite.




Quand j'ai vu les Colettes pour la premiére fois c'était certainement un coup de foudre. Elle jouaient en première partie de Mina Tindle à la Maroquinerie et j'ai tout de suite accroché. Quelles belles harmonies vocales! Quelles sublimes compositions! Quel univers féerique!

Depuis j'ai pris un grand plaisir en écoutant leur premier Ep. Mais le temps passe vite, nous sommes désormais en 2013 et il y a déjà de nouvelles chansons et un nouvel EP nommé Children.

Les Colettes ont bien sur joués des titres de ces deux EPs pendant leur concert au Divan Du Monde.

Elles étaient programmées entre deux autres groupes, mais je me suis concentré uniquement sur l'épatante démonstration de grâce, de talent et de passion de ces trois musiciens.

Diane Sorel (chant, percussions, batterie), Delphine Ciampi (guitare électrique coeurs) et Anne Gouverneur (violon, basse, coeurs) m'ont impressionné du début à la fin.



Dès les premières notes une ambiance chaude, sensuelle, menaçante, fragile, et ensorcelante reignait au jolie Divan Du Monde et je suis rentré dedans tout de suite.




Tout au long du concert les trois musiciennes ont trouvé une parfait équilibre entre parties douces et enchanteresses et phases plus bruillantes et puissantes. Leur musique sombre et mystérieuse peut atteindre des sommets assez vertigineux (écoutez le titre ultra dramatique Five Doors) mais ne devient jamais grandiloquent. La tension était palpable et j'étais capté comme par un film  surréaliste, surtout pendant le divine Pearl.




Leurs morceaux s'appellaient entre autres Edelweiss, Clock ("in the jungle everything seems quiet") ou Tipsy Toes et étaient touts plus jolis les uns que les autres. C'est rare qu'un nouveau groupe a déjà un son aussi mur, élaboré et complex avant la sortie même du premier album. Ceci s'explique aussi par le fait que les trois filles avaient déjà accumulées pas mal d'expériences en jouant dans le groupe de Claire Diterzi (c'est là où elles se sont rencontrées), dans un autre projet passionnant qui s'appelle Fiodor Dream Dog (Diane) ou avec JP Nataf ou Bertrand Bélin (Anne).






Ce qui est remarquable c'est qu'elles ont leur propre univers bien à elles. Bien sûr il y a quelques petites vraisemblances avec des artistes comme PJ Harvey, Bat For Lashes, Björk ou My Brightest Diamond, mais leur patte est déjà bien visible.

Chez les Colettes tous les élements se marient parfaitement. La voix douce et pure de Diane fut joliment contrasté par son propre jeu dynamique de la batterie, mais également par les riffs des guitare abrasifs mais mélodique de Delphine. La violine d'Anne était la cerise sur le gâteau et attribuait une bonne dose de mélancolie séduisante.

J'aurais pu écouter pendant des heures, mais malheureusement après 8 morceaux  d'une noirceur irrésistible et d'une classe folle ce concert très intense à pris fin.

Mais nous sommes chanceux, la carrière des Colettes est seulement en train de commencer (its only just the beginning!). Par contre il faut se dépêcher quand même un peu pour les choper en live, puisque Anne est enceinte et va s'arrêter à partir de mai. J'ai hâte de les revoir en concert!

Setlist:

01: Clear Waters
02: Edelweiß
03: 5 Doors
04: Kimberley
05: Pearl
06: Clock
07:Tipsy Toes
08:Walking



Liebe auf den ersten Blick war das wohl mit mir und den Colettes. Im Vorprogramm von Mina Tindle 2012 entdeckt und gleich ins Herz geschlossen. Nun weiß man aber hinterher nicht immer sicher, ob das nur ein Strohfeuer war, oder man wirklich eine neue Lieblingsband gefunden hat. In der Regel erfährt man das dann doch erst nach ein paar Konzerten und Platten.

Nach dem samstäglichen Auftritt der Girlgroup hat sich mein überaus guter Eindruck von 2012 aber definitiv gefestigt. Mehr noch, ich habe jetzt schon das Gefühl, selten eine bessere Band aus Frankreich gesehen zu haben! Les Colettes steigen bei mir also sofort in meinen ganz persönlichen Olymp des französischen Pophimmels auf, in dem tolle Bands wie Syd Matters, Francoiz Breut, Dominique A, Holden, Laetitia Sadier von Stereolab, Florent Marchet, Le Prince Miiaou, Myra Lee, Kim Novak, Marie-Flore, Maissiat, Barbara Carlotti, Mina Tindle oder Cyan et Ben residieren (keine abschließende Aufzählung).

Les Colettes spielten im wundervollen Divan Du Monde zwischen zwei fürchterlichen Acts, über die ich lieber den Mantel des Schweigens werfe.



Die drei Mädels, Diane Sorel (Gesang, Percussions, Schlagzeug im Stehen), Delphine Ciampi (Gitarre, Backgroundgesang) und Anne Gouverneur (Geige, Bass, Backgroundgesang) bezauberten von Anfag bis Ende, schufen eine eines David Lynch Filmes würdige schwüle Atmosphäre und hatten auch starkes Songmaterial zu bieten.

Sie performten Stücke von ihren beiden EPs, auf denen sich so manche unentdeckte Perlen finden. Allesamt atmospärisch dicht, spannungsgeladen und feenhaft. Gewisse Ähnlichkeiten zu PJ Harvey, Björk oder Bat For Lashes bestanden, waren aber nicht allzu stark ausgeprägt.

Man höre nur Tipsy Toes oder Clearwaters, um sich ein Bild zu machen.







Der Höhepunkt der Dramatik wurde im Mittelteil mit Pearl erreicht. Hier wurden alle Stärken des Trios ausgespielt. Die einfühlsame Geige, der liebliche Gesang und die gefahrverheißende Gitarre fügten sich zu einem faszinierenden Ganzen zusammen. Ein cinematografischer Song zum Dahinschweben mit Chören, die von Engeln hätten stammen können. Damit hatten sie mich wirklich geplättet und der Rest war nur noch ein Zubrot, den Sieg hatten sie schon davongetragen.

Wie ein Gestörter stürzte ich mich deshalb hinter auf die neue EP namens Children am Merchstand und seitdem läuft das Scheibchen bei mir in Dauerrotation.

Les Colettes sind wirklich wow!!



Montag, 10. September 2012

Hannah Cohen & Maud Lübeck, Paris, 06.09.12

0 Kommentare

Konzert: Hannah Cohen & Maud Lübeck

Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Datum: 06.09.2012

Zuschauer: 80-90
Konzertdauer: Maud Lübeck 30, Hannah Cohen gut 45 Minuten




War das jetzt eine Art Lana del Rey "in natürlich"? Ich meine, Hannah Cohen sieht schon sehr puppig aus, oder etwa nicht? Vergleiche mit der Del Rey scheinen mir also nicht an den Haaren herbeigezogen zu sein, zumal ja beide Models sind bzw. waren. Liest man zumindest immer. "Hannah Cohen, das Model, blablabla." Wen interessiert's? Mich nicht. Trotzdem schön festzustellen, daß bei ihr mit großer Wahrscheinlichkeit alles natürlich ist. Aufgespritzte Lippen, Silikon in den Wangen, aufgeklebte Fingernägel, nichts von alledem gibt es bei der jungen Dame mit der samtweichen Flüsterstimme.


Stattdessen präsentierte sich eine natürliche Schönheit mit guten Manieren* und einem höflichen Auftreten dem interessierten und auf Stühlen sitzenden Publikum. Ein scheues Rehlein, das auch zwischen den Liedern nur flüsterte, als habe sie Angst irgendwen aufzuwecken. Aber geschlafen haben wir ohnehin nicht, da wir alle geblendet waren. Nicht von der Schönheit der Sängerin- die sahen wir so gut wie gar nicht-, sondern von dem saumäßig grellend Licht, das unsere Augen quasi permanent attackierte. Dem Lichttechniker hätte man in diesem Moment Sackratten gewünscht, aber keiner traute sich, sich zu beschweren, auch ich nicht. So saßen wir also da wie die Deppen und hätten am liebsten Sonnenbrillen zur Verfügung gehabt. Der Kopf dröhnte uns von den grellen Lampen und es fiel schwer, sich auf die zweifelsohne wundervolle Musik zu konzentrieren.


Aber ich riss mich dennoch zusammen, schließlich hatte mir Hannah Cohen mit dem auf Bella Union erschienenen Album Child Bride eines der betörendsten Werke des Jahres geschenkt, da wollte ich die Freunden der Liveumsetzung nicht missen. Und spätestens als ich mich von meinem Platz erhoben hatte und mich an der schattigen Seite postierte, lief es besser. Nun war ich nicht mehr geblendet. Oder doch, aber diesmal wirklich von Hannah, ihrer sanften Stimme und dem dezenten Giutar picking! Ein Genuß.

Cohen spielte im Übrigen nicht alleine, sondern hatte den bärtigen E-Gitarristen Josh Kaufman an ihrer Seite, der ein paar sehr hübsche Melodien aus seinem Instrument herauskitzelte und wirklich eine Bereicherung darstellte. Zudem wurde auch ganz reduziert mit einem kleinen Keyboard gearbeitet, das ein paar sphärische Klänge beisteuerte oder ein wenig Rhythmus hinzufügte. Spartanisch instrumentiert also das Ganze und so pur ist mir das meistens eh am liebsten. Zwar gab es ein paar Nörgler hinterher, die die Lieder zu gleichförmig fanden, aber die hatten sicherlich nicht das Album oft genug gehört, ansonsten wären bei ihnen mehr unterschiedliche Melodien hängen geblieben. Songs wie Don't Say, Sorry oder The Crying Game waren nämlich wirklich traumhaft und auch abwechslungsreich. Freilich ist Hannah Cohen in der Tat noch nicht perfekt, sondern steht noch am Anfang ihrer Karriere. Gerade ihr Auftreten hätte noch eine Spur sicherer sein können, ihre Gestik und Mimik ausdrucksvoller, ihre Songs manchmal eine Spur energischer und prägnanter. Aber in letzter Hinischt war sehr positiv zu vermerken, daß ein neues, unveröffentlichtes Lied die stärkste und eingängigste Melodie hatte und das beste Stück des harmonischen Sets darstellte. Ein Set, daß dahinflog wie ein flüchtiger, gehauchter Kuss. Man hätte Hannah Cohen gerne länger an ihren vollen (aber eben nicht aufgesprizten) Lippen gehangen, hätte gerne mehr traurige Liebeslieder gehört, sich noch stärker an der anziehenden zarten Melancholie berauscht. Aber daraus wurde nichts, da die Newcomerin einfach noch nicht genügend Material hatte. Nach gut 45 Minuten inklusive einer Zugabe und einem ordentlichen Neil Young Cover im Mittelteil (Transfomer Man) war darum Schluß und man darf gespannt sein, wie es mit dem singenden Model weitergeht. Eine längere Karriere als Lana del Rey traue ich ihr auf jeden Fall zu. Aber diese Wette ist zu einfach, um damit viel Geld zu verdienen, also lassen wir das lieber....


See you soon, Hannah!

Setlist Hannah Cohen, Le Divan Du Monde, Paris

01: Carry You Under
02: Don't Say
03: If You Tried
04: Say Anything
05: Transformer Man (Neil Young)
06: The Crying Game
07: Sunrise
08: Sorry

09: Shadows

Bericht Maud Lübeck am Montag.

* sehen wir mal davon ab, daß sie ihren Mitmusiker seltsamerweise vorstellte in dem sie mit dem Fuß (!) auf ihn zeigte.



Samstag, 8. September 2012

Deer Tick, Paris, 04.09.12

1 Kommentare

Konzert: Deer Tick
Ort: Le Divan Du Monde, Paris

Datum: 04.09.12

Zuschauer: schätzungsweise 150


Meine Fresse, sind das wilde Hunde! Ich rede von den Jungs von Deer Tick, einer Band aus Providence in Rhode Island, die auf ihrer Europa Tour im Divan Du Monde zu Paris Station machte. Ich wusste ja schon von früheren Konzerten, daß die durchgeknallt sind, traf aber jedesmal (Ausnahme: der legendäre Showcase bei Fargo, einem Plattenladen) auf eine etwas müde Truppe, die noch einen Kater in den Schuhen stecken hatte. Heute aber entfaltete der Alkohol seine positive Wirkung und lockerte vor allem die Zunge und die Beine des stark tätowierten Sängers John McCauley. Falls sie an jenem 4. September morgens einen Kater hatten (wovon ich ausgehe), haben sie sich den glatt weggesoffen! Mehrere Pullen Rotwein wurden heute während des Konzertes gelehrt und John trank praktischerweise immer aus der Flasche, so als wolle er sagen: "Gläser sind was für Pussys!" Das Preisschild des Roten stand gleich noch mit dran, 4,60 € war das Gesöff wert, für Deer Tick muss es also kein teurer Burgunder sein, Hauptsache das Zeug knallt rein.

Und Reinknallen war auch der richtige Begriff für den Auftritt von Deer Tick, denn das tat er und zwar gewaltig! Die jungen Burschen ballerten wirklich oft aus allen Rohren und schmetterten ihren ungestümen Blues Rock mit Grunge-Einschlag (Spitzname: Deervana), bis die Schwarte krachte. Manchmal ließen sie aber auch den weichgewordenen Cowboy raushängen und verzückten mit herzerweichenden Balladen wie dem sensationellen Baltimore Blues No.1 dem Hit Twenty Miles oder Smith Hill, die John mit seiner völlig verrauchten und versoffenen Reibeisenstimme mit viel Inbrunst vortrug (er verzog dabei immer den Mundwinkel oder riss die Augen weit auf, ein krasser Anblick!). Für mich eigentlich die besten Momente, denn die ruhigen Stücke von Deer Tick sind wirklich unglaublich schön und dabei quasi kitschfrei, ein Kunststück, das nicht jede Band beherrscht.

Aber natürlich sind auch die rockigen Sachen gut und sorgten für Stimmung und ein paar johlende Amis im Publikum. Allen voran die spät gebrachte Punknummer Let's All Go To The Bar, das mich wahnsinnig an die Ramones oder The Clash erinnerte.

Abwechslungsreich war es auf jeden Fall und wer die Stimme von McCauley auf Dauer etwas nervig fand, hatte in zwei Fällen die Chance, andere Bandmitglieder singen zu hören. Clownin' Around (ein Lied, bei dem es um den Mord an einem Clown geht) wurde vom dem schwergewichtigen Drummer Dennis Ryan mit schöner Stimme vorgetragen und bei einem anderen Lied durfte der sehr jung und brav aussehende Gitarrist Ian O'Neil ans Mikro.

Was sonst noch hervorzuheben war? Der prima Stimmungssong These Old Shoes (von wem stammte der eigentlich ursprünglich?), der sehr positiv gestimmte Midtempo Track Miss K von dem neuen (vierten) Album Divine Providence und das schwungvolle Eddie Cochran Cover Summertime Blues. Auch sehr cool: das Nirvana Cover School, das auf der Setlist nicht vermerkt war.


Seltsam allerdings der endgültige Abgang. What Kind Of Fool Am I klang nach Frank Sinatra (ohne Scheiß jetzt!) und wurde nur von John und dem Keyboarder Rob Crowell vorgetragen. John McCauley wanderte ohne Gitarre über die Bühne, die Rotweinpulle in der Hand, und sang manchmal scherzhaft wie Satchmo. Die Leute lachten sich kaputt und ohnehin hatten heute alle ihren Spaß, das war ein tolles Konzert!

Setlist Deer Tick, Divan Du Monde, Paris:

01: Ashamed

02: The Bump
03: Easy
04: Mirror World
05: Main Street
06: Baltimore Blues No. 1
07: Clownin' Around
08: Funny Word
09: 20 Miles
10: These Old Shoes
11: Now It's Your Turn
12: When It All Falls Down
13: Smith Hill
14: Old Lady
15: Sink Or Swim
16: Miss K.
17: Summertime Blues (Eddie Cochran Cover)

18: Walls
19: Let's All Go To The Bar
20: What Kind Of Fool Am I?

+ School von Nirvana

Aus unserem Archiv:

Deer Tick, Paris, 08.01.11
Deer Tick, Paris, 15.09.10
Deer Tick, Paris, 14.09.10




Dienstag, 22. Mai 2012

Exitmusic & Trailer Trash Tracys, Paris, 21.05.12

0 Kommentare

Konzert: Exitmusic & Trailer Trash Tracys

Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Datum: 21.05.12
Zuschauer: halbvoll (ich bin Optimist), alos etwa 150


Hä? Waren Exitmusic wirklich so schauderhaft, oder war ich nur schlecht gelaunt?

Die Reaktionen meiner Freunde und Bekannten ließen auf die zweite Variante schließen. Die äußerten sich nämlich hinterher durch die Bank weg ziemlich begeistert. Ich allerdings verbuchte ein viel zu bombastisches Konzert mit einer Sängerin, die Züge einer Heulboje in sich trug. Schrecklich wie weinerlich Aleksa Palladino sang, noch schlimmer wenn die Songs zur Mitte hin explodierten, die Emphase turmhoch nach oben geschraubt wurde, die Schwülstigkeit keine Grenzen mehr kannte. Manchmal hätte ich wirklich am liebsten dem Band-Namen enstprechend den Exit gesucht.

Wie war es möglich, daß eine solch gekünstelte Gruppe bei Secretly Canadian, einem vorzüglichen Label (Bowerbirds, Sharron van Etten, Julie Dorion u.v.a.), gesignt ist? Wie kam es, daß selbst der ansonsten so geschmackssichere Eike vom Klienicum sich wohlwollend über Exitmusic äußerte?

Noch einmal die eingangs gestellte Frage: war ich einfach nur schlecht gelaunt? Schließlich war der gespielte musikalische Stil eigentlich ja schon zeimlich nahe dran an meinem Beuteschema. Traumversunkene Stimmung, ein ätherischer Gesang, shoegazige Gitarren (gespielt von Devon Church, dem Ehemann von Aleksa), was wollte ich eigentlich mehr? Oder was wollte ich weniger? Nun, ich wollte eben weniger Überladenheit, mehr Zurückhaltung und Subtilität, weniger Pathos. Auf der Platte klingt die Stimme von Aleksa angenehm nach Emily Haines von Metric, live erinnerte sie mich hingegen an Furien wie Soap & Skin oder Zola Jesus und der Sound an Beach House auf Prozac. Dabei ist das Liedmaterial nicht schlecht, The Sea und The Hours in der Konserve durchaus gut.






Aber bei Passage, dem Titeltrack zum Album, wurde noch einmal deutlich, warum bei mir der Daumen letztlich nach unten ging. Der Song fing zärtlich und berührend an, verlor sich dann aber in einem an Bombast nicht zu überbietendem Finale, bei dem mir die hysterischen Gesänge der Serienschauspielerin Aleksa Palladino den letzten Nerv raubten.

Guckt euch bitte das Video in Ruhe an und urteilt selbst. Ab 2:01 wird es für mich quasi unhörbar.



Fotos und Bericht Trailer Trash Tracys folgen!



Freitag, 20. April 2012

And Also The Trees, Paris, 18.04.12

0 Kommentare

Konzert: And Also The Trees
Ort: Le Divan Du Monde, Paris

Datum: 18.04.12

Zuschauer: geschätzte 420




Kennt ihr dieses Phänomen? Man hört über Monate hinweg begeistert Platten von einer bestimmten Band, legt sie dann bei Seite und ehe man sich versehen hat, sind über zwei Jahre ins Land gegangen und man hat sich überhaupt nicht mehr mit der Gruppe beschäftigt.

So jedenfalls ging es mir mit den kultigen Briten And Also The Trees, die heute im Divan Du Monde auf dem Programm standen. Die akustische CD When The Rains Come von 2009 habe ich rauf und runter gehört, aber auch das über diverse Alben verstreute Altwerk mit Hits wie Dialogue, Virus Meadow und Vincent Craine geradezu verschlungen.


Ins heutige Konzert im stilvollen Divan Du Monde ging ich jedoch unvorbereitet. Das neue Album Hunter Not The Hunted kenne ich nicht und auch die alten Sachen habe ich nicht mehr gehört. Aber das war eigentlich kein Problem, denn mit herrlich düsteren Zungenschnalzern wie Prince Rupert und The Beautiful Silence, die schon sehr früh gebracht wurden, kam ich schnell rein.

Hach, The Beautiful Silence, was für ein poetisches, verführerisches Stück Musik und dann auch noch dieser zarte "lalala"-singalong, schnell wusste ich, daß ich bei And Also The Trees und ihrem melodisch-melancholischen Gitarrensound richtig war!

Aber wie kamen die neuen Sachen rüber? An vierter Stelle in der Setlist wurde der Titeltrack des neuen Werkes Hunter Not The Hunted gespielt. Ein sehr sachter und friedvoller Song, eröffnet per Melodica von Emer Brizzolara, dem blonden Gift mit dem süßen Pferdeschwanz und dem knackigen Po (ja was denn? seit nicht so prüde!). Von Gesang konnte man im engeren Sinne nicht reden, das war eher spoken word, was der überaus charismatische Frontmann Simon Huw Jones, der mit seinem traditionellen weißen Manschettenhemd aufgelaufen war, da bot. Eine sehnsüchtige Ballade zum Träumen und Schwelgen, die auch am Ende nicht lauter und intensiver wurde. Burn Down This Town, ein anderes neues Lied, war stimmunsgmäßig nicht unähnlich.

Mit The Legend Of Mucklow wurden dann aber nicht sehr viel später punkigere und wildere Töne angeschlagen und als Dialogue an achter Stelle ertönte, hüpfte mein Herz in die Höhe. Die Gitarrenmelodie des ewig jung aussehenden Justin Jones (wie alt ist der Bursche? fast 50? was?) war wieder so was von unverschämt cathcy, der Gesang von Simon so toll tief und gothisch angehaucht und der von Ian Jenkins gezupfte Bass holperte so packend durchs Stück, daß ich vor Begeisterung innerlich bebte. Ein Mega Hit der New Wave Ära, der auch heute noch wahnsinnig aufregend und modern klingt. "All the things I said to you" croonte Simon, es war eine Wonne...


Danach flachte meine Konzentration nach und nach ab. Plötzlich wurde mir die Hitze im Raum bewußt und ich fühlte mich recht unwohl. Ich musste mich ein wenig bewegen und stieg über die Treppe in den oberen Bereich des Divan Du Monde. Leute in den Dreißigern, Vierzigern und mitunter Fünfzigern hingen auf gemütlichen Sofas ab, das Ganze hatte noblen Lounge-Charakter. Diejenigen, die saßen, konnten die Show jedoch gar nicht sehen, dazu musste man schon am Geländer stehen. Ich bestellte mir an der Bar einen Drink und erfreute mich an dem gespenstischen Vincent Craine mit seinen gelegentlichen lauten Ausbrüchen.

Dann kam mit Whiskey Bride noch ein sehr schöner neuer Titel, bevor der Klassiker A Room Lives In Lucy das offizielle Set glanzvoll beendete.

Von den insgesamt vier Zugaben ragte The Untangled Man heraus. Der hochaufgeschossene Simon machte mit seinen langen Armen ausladende Bewegungen und der Sound seiner Band wurde immer lauter und intensiver, bevor in der zweiten Hälfte auch vom Schlagzeug ein mächtiger Wumms von hinten mit hinzukam. Ein ganz exquister Titel, der die große Klasse der Briten unterstrich und wieder mal die Frage aufwirft, warum die nie Weltstars geworden sind. Nun, wahrscheinlich sind sie für die Masse einfach zu gut!

Setlist And Also The Trees, Divan Du Monde, Paris

01: Prince Rupert
02: The Beautiful Silence
03: Shaletown
04: Hunter Not The Hunted
05: What's Lost Finds
06: The Legend Of Mucklow
07: Burn Down This Town
08: Dialogue
09: Rive Droite
10: The Woman On The Estuary
11: Only
12: Vincent Craine
13: Whiskey Bride
14: A Room Lives In Lucy

15: Rip Ridge
16: Angel, Devil, Man And Beast
17: The Untangled Man

18: Gone...Like The Shallows

Aus unserem Archiv:

And Also The Trees, Paris, 30.10.09
And Also The Trees, Paris, 10.06.09
And Also The Trees, Paris, 21.09.08



Sonntag, 15. April 2012

Marie-Flore, Paris, 12.04.12

0 Kommentare

Concert: Marie-Flore (en première partie d'Absynthe Minded)

Lieu: Le Divan Du Monde

Date: 12.04.2012

Spectateurs: environ 200

Durée du concert 30-35 minutes




J'ai vu la jeune chanteuse Marie-Flore maintes fois en concert. Mais je ne me lasse toujours pas de ses prestations douces, intimistes et mélancoliques à souhait. Le fait qu'elle a de nouvelles chansons à proposer à chaque fois y est pour beaucoup. Elle écrit sans cesse et son écriture s'améliore avec le temps. Depuis qu'elle a croisé Pete Doherty et fait sa première partie plusieurs fois, elle est (involontairement?) influencée par son style, par sa nonchalance et sa plume raffinée. Surtout dans ses nouveaux morceaux on retrouve "la patte" de Mister Doherty. Cette façon so british de composer des chansons poétiques, mélodieuses et efficaces. Mais attention, je ne dis pas que la française imite le chanteur des Babyshambles, mais a juste marié ses vieilles chansons au son folk américain avec des trucs nouveaux plus directs, bruts et aux sonorités anglaises.

Jeudi soir la toujours aussi timide (et ironique) Marie-Flore a présentée au public du Divan Du Monde* plein d'exemples de ses nouveaux titres. Ils s'appellent Bluish Nights Shifting Sands ou Loud Dark Crowd, des perles exclusives qu'on ne peut trouver nulle part pour l'instant. Ils vont (peut-être) apparaitre sur le premier album qui va sortir..."maybe someday,maybe never" comme Marie aime plaisanter souvent à ce sujet.

Seulement au milieu de son concert on pouvait retrouver avec By The Dozen et notamment la ballade envoûtante Empty Walls (un tube immense dans un monde juste!) des morceaux déjà connus.

Mais la plus grande tuerie est très probablement Do You still Fancy Me?, une chanson qui me collait encore à l'oreille une heure après être parti du Divan Du Monde pour voir un autre concert.

Quoi dire? Sublime comme toujours. Mais c'est pour quand l'album, enfin??

Setlist Marie-Flore, Divan Du Monde, Paris

01: Bluish Nights
02: Shifting Sand
03: Ode to Mr. Green
04: By The Dozen
05: Empty Walls
06: Loud Dark Crowd
07: Timid Proud One
08: Do You Still Fancy Me ?

* un endroit qu'elle connait bien, elle y a joué souvent, notamment en 2008 (selon elle: quand j'étais jeune, il y a dix ans!")

Marie-Flore dans nos archives:

Marie-Flore, Paris, 17.11.11
Marie-Flore, Paris, 11.09.11
Marie-Flore, Paris, 21.10.10
Marie-Flore, Paris, 14.04.10
Marie-Flore, Paris, 10.03.10
Marie-Flore, Paris, 03.07.09
Marie-Flore, Paris, 11.04.09
Marie-Flore, Paris, 13.01.09
Marie-Flore, Paris, 11.10.08
Marie-Flore, Paris, 17.05.08
Marie-Flore, Paris, 24.04.08
Marie-Flore, Paris, 15.02.08
Marie-Flore, Paris, 30.09.07



Freitag, 30. März 2012

Thus:Owls & Still Corners & Beth Jeans Houghton, Paris, 26.03.12

2 Kommentare

Konzert: Thus:Owls & Still Corners & Beth Jeans Houghton
Ort: Le Divan Du Monde, Paris

Datum: 26.03.12

Zuschauer: etwa 350-380


Dream Pop mit weiblich-verhuschter Stimme wohin man seine Öhrchen nur wendet.

I Break Horses, Blouse, Trailer Trash Tracys, Memoryhouse, My Bee's Garden, Les Colettes... Seit Beach House (Foto) mit ihrem letzten Album riesige kommerzielle Erfolge feiern konnten, sprießen die Dream Pop Formationen wie Pilze aus dem Boden. Die Pressetexte, die man zu den jeweiligen Acts lesen kann, klingen alle ähnlich. Als Referenzbands werden immer die Cocteau Twins und Broadcast genannt und in schöner Regelmäßigkeit fällt auch der Name des düsteren Filmemachers David Lynch. Sage mir keiner, daß dieser Boom zufällig entstanden ist! Die Industrie wittert genau, was läuft und schickt den Leuten nach einer Erfolgsgeschichte (wie in diesem Falle eben Beach House) gleich mindestens 10 ähnliche Bands hinterher.


Dementsprechend skeptisch war ich deshalb auch in das Konzert von Still Corners gegangen, die heute als zweite Gruppe des Abends auftraten. Was spielen sie? Dreimal dürft ihr raten, genau, Dream Pop! Und was stand im Programmheft? Nun, da werden selbstredend Broadcast und die Cocteau Twins zitiert. Laaaaaaangweilig! Oder etwa nicht?

Nein, zum Glück war das Konzert der Band um Tessa Murray und Greg Hughes keine Spur öde und sie brachten vor allem auch eigene Ideen mit ein. Natürlich begeisterte in erster Linie die luftige, sirenenhafte Hauchstimme der blonden Tessa Murray, aber das war nicht alles. Vor allem die Gitarrenparts waren klasse und originell. Der Bursche mit der Waver Frisur zauberte famos-spacige Melodien aus seiner Elektrischen, verzerrte sie aber auch oft noisig und peppte das Ganze im Vergleich zur okayen aber ein wenig blutleeren Platte deutlich auf. Das war wirklich phasenweise berauschend und hypnotisch und wurde visuell noch sehr gekonnt durch abstrakte Videos untermalt. In den besten Momenten raste mein Puls, ging ich voll und ganz in der melancholischen Schwebemusik auf und war von Alltagssorgen meilenweit entfernt. Zwar war das Set nicht durchgängig auf diesem ganz hohen Niveau, aber Langeweile kam nie auf. Dafür war auch das Songmaterial zu überzeugend. Es stammte natürlich fast ausschließlichvon Creatures Of An Hour, aber es gab auch ein ganz nagelneus Lied, das aufhorchen ließ.

Von den bekannten Sachen gefielen mir Cuckoo und I Wrote In Blood am besten, obwohl auch Into The Trees und Endless Summer ihre Reize entwickelten. Die von Markus hinsichtlich des Still Corners Konzertes in Berlin geäußerte Kritik, jedes Lied klänge ähnlich oder gleich, konnte ich in dieser Form nicht nachempfinden. Zwar ist die Grundstimmung der Songs in der Tat oft identisch, aber mittels Hall-Effekten, Loops, scharfen Giattrenriffs und Tempowechseln beim Schlagzeugrythmus wurde für Abwechslung gesorgt. Und ein großer Pluspunkt war sicherlich auch die hohe Lautstärke. Wenn Dream Pop bzw Shoegaze zu leise und schlecht abgemischt aus den Boxen kommt, bleibt der Genuß oft auf der Strecke. Im Pariser Divan Du Monde war der Sound aber glasklar und auch bei hohem Volumen präzise und nicht breiig. Es war wirklich ein intensives und sinnliches Erlebnis, eine Art hypnotischer Trip.


Entsprechend positiv waren auch die Reaktionen meiner Freunde hinterher. Quasi jeder bescheinigte den Still Corners ein richtig gutes Konzert und ich war happy und positiv überrascht, daß ich dieses Jahr wenigstens eine Dream Pop Formation aufgespürt habe, die mich wirklich überzeugen konnte.

Aber es gab auch noch zwei andere Konzerte an diesem Montagabend des Festivals les femmes s'en mêlent.


Vor Still Corners hatten bereits Thus: Owls aus Schweden gespielt. Angeführt von der leicht soulig singenden Skandinavierin Erika Angell und genial an der Gitarre begleitet von ihrem Ehegatten Simon Angell (ein Kanadier, der auch bei Patrick Waston im Einsatz ist), zählt die Band noch drei weitere Mitglieder. Heute fehlte aber Cecilia Persson und somit sahen wir ein Quartett, in dem Ola Hultgren (Loney Dear) Schlagzeug und Martin Höpner Piano spielte.


Der Vierer musste schon um 20 Uhr ran und hatte auch etwas weniger Spielzeit als die nachfolgenden Bands. Es wurde viel Material von dem neuen Opus Harbours performt und das erste Album Cardiac Malformations stark vernachlässigt. Nach wie vor ist die Grundstimmung der Songs sehr düster und melodramatisch, sind die Strukturen komplex und vielschichtig und die Arrangements originell, was aber auch dazu führt, daß die Eingängigkeit auf der Strecke bleibt. Kaum ein Stück setzte sich nach dem gut 30 minütigen Set auf Anhieb im Ohr fest und man muss wohl das neue Scheibchen so etliche Male hören, damit es sich einem erschließt.

Was mir bei dem Konzert aber letztlich in bester Erinnerung geblieben ist, waren die Bearbeitung der Gitarre mit einem kleine Löffel und sogar einer Kette und die sexy Strumpfhose von Erika...


Sexy war schließlich ein Attribut, das man ohne weiteres auch der jungen Engländerin Beth Jeans Houghton anheften konnte. Mit ihren gebleichten blonden Haaren, dem blassen Teint und den feuerroten Lippen sah sie aus wie ein Pin Up Girl der 50er Jahre und hätte in den umliegenden Variété-Theatern in Pigalle sicher gutes Geld verdienen können. Ihr schöner Arsch steckte in einer knallengen Lederhose und die langen Nägel hatte sie gelb lackiert. Ein Paradiesvogel, diese Beth, die von einer kurios anmutenden Männertruppe, den Hooves Of Destiny, begleitet wurde. Die Burschen, vor allem der Trompeter, sahen aus wie tschechische Straßen-bzw Zirkusmusikanten, überließen aber Beth ganz klar das Rampenlicht.


Deren Musik war gar nicht so leicht zu katalogisieren. Was war das? Punk Pop? New Folk? Rockabilly? 60ies Pop? Ich weiß es nicht so genau, wahrscheinlich von allem etwas. Letztlich aber nicht so wichtig, denn ehrlich gesagt mundete mir die grellbunte Mischung nicht so recht. Das war mir zu opulent, zu glamourös glitzernd, zu schrill und modisch.


Nicht daß, das Konzert schlecht gewesen wäre -Beth ist schließlich eine glänzende Performerin-, aber so richtig kam ich da nie rein und die Songs huschten schnell an mir vorbei. Am Ende gab es noch ein Madonna Cover (Like A Prayer) und eine Zugabe, die stark nach den Ramones klang und dann war die Messe gelesen, der Konzertabend beschloßen. Beth erwies sich als fleißige Autgrammschreiberin, lächelte oft und ließ sich auch bereitwillig abknipsen. Vielleicht führt eine intensivere Beschäftigung noch dazu, daß ich bei ihr auf den Geschack komme.

Festzuhalten bliebt aber, daß die heutige Veranstaltung auf jeden Fall gelungen war und Still Corners herausragten.

Setlisten gleich!




 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates