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Sonntag, 17. November 2013

Laura Veirs, Paris, 06.11.13

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Konzert: Laura Veirs (Led To Sea)
Ort: le Divan Du Monde
Datum: 06.11.2013
Zuschauer: gut gefüllte Venue, ich schätze auf 350 Besucher


Konzerte von Laura Veirs sind immer etwas Besonderes. So natürlich, authentisch und ungekünstelt tritt heute kaum noch jemand auf. Was eigentlich normal sein sollte, bekommt seine Besonderheit dadurch, daß hedonistisches Verhalten heute die Norm ist. Wenn ich allein an das neue Doppelalbum von Aracde Fire denke, könnte ich kotzen. Da trieft die coole Attitüde, das Abfeiern des eigenen Ego und die unerträgliche Hipness aus allen Poren. "Are you cool enough" singt Win Butler bei einem Song und ich habe große Lust ihm entgegenzurufen: "Nö, ich bin nicht cool und will es auch nicht sein. Ich höre lieber Laura Veirs, die ist nicht "cool" sondern "warm"."


Ich weiß, ich ereifere mich zu sehr, komme mit einer gewissen Schwarzweißmalerei um die Ecke gebogen und sollte gelassener sein. Aber wenn ich Laura Veirs live sehe, wird mir hinterher immer bewußt, wie gekünstelt selbst in der Indie-Szene vieles ist. Da geht es fast immer nur um den Look, die Pose, das Zur-Schau-Stellen von Eitelkeiten, man denke nur an das letzte Pitchfork Festival. Bei Veirs hingegen steht die Musik im Vordergrund, der wundervolle Gesang, die warmherzigen Melodien, die klugen Texte (in denen es oft um Naturphänomene geht). Und seid sie zweifache Mutter geworden ist, gibt es für sie noch ganz andere Prioritäten im Leben, was wiederum ihrer Musik zu Gute kommt. Sie scheint noch unaufgeregter, dafür aber umso liebevoller zu werden. Der Auftritt im Divan du Monde belegte dies deutlich, er war weniger perfektionistisch als sonst, aber um so lebendiger und launemachender. Auch das letzte Album ist wieder extrem gelungen.

Natürlich spielte Laura von diesem Werk so manchen Song, aber das rund 75 minütige Konzerte war erfreulicherweise auch eine kleine Rundschau ihres bisherigen Schaffens, mit wahnsinnig schönen Liedern aller Perioden. 



Schon der Sun Song ließ im wahrsten Sinne des Wortes die Sonne im Herzen aufgehen, Wide-Eyed, Legless betörte mit dem wundervollen Geigenspiel von Alex Guy (die unter dem Moniker Led To Sea auch das gelungene Vorprogramm bestritten hatte), einer bildschöne Melodie und der traumhaften Stimme von Laura. Fester als auf den Alben klang die, lauter, auch etwas wütender und feuriger. Gut so, denn so konnte Laura auch all diejenigen Lügen strafen, die bei ihr alles für ein wenig zu nett halten.


Jedes einzelne Lied war ein funklendes Juwel, kein einzelnes war bloßer Füller. Herrlich intim Shape Shifter mit der melancholischen Geige und dem sublimen Backgroundgesang des Gitarristen Karl Blau, der manchmal (genau wie Alex Guy) zum Spaß eine Teufelsperücke trug.

Ganz ganz groß auch July Flame vom gleichnamigen Vorgängeralbum. "Can i call you mine, can I call you mine?" sang Laura eindringlich und ich schmolz dahin.

Ganz beschaulich und herbstlich das Pianostück Make Something Good, bei dem Karl Blau herrlich tief intonierte und Lauras lieblichen und samtweichen Gesang aufs Wundervollste kontrastierte.


Mit Dorothy Of The Island sang sie dann einen ihrer Keytracks des neuen Albums, in dem es um die "motherless children" ging ("motherless children have a hard time") und auch ein Wilco würdiges Gitarrenriff seinen Platz hatte.



Auch America ("How can it be so cold out here in Amercia? Everybody is packing heat in America, training their barrels on the city streets of Amercia, America, America") war einer der Perlen des neuen Werks mit für Veirsche Verhälntisse fast schweren Giarren und einem recht wuchtigen Schlagzeug.

Die Zeit lief unerbitterlich runter und ehe man sich versehen hatte, war man auch schon beim letzten Stück im Set angekommen.


Closer White Cherry verfügte über eine fast jazzige Note, klang wolkenverhangen und verwunschen und ein klein wenig experimentell. Hier hatte der Drummer Matt seine besten Szenen mit seinem zunächst subtilen, dann immer intensiver werdenden Spiel, aber auch die Geigerin Alex Guy trat erneut deutlich in Erscheinung.

Der Zugabenteil dann ebenfalls erste Sahne!

Die himmlische Ballade Spekuling vom Album Year Of Meteors bestritt Laura dann ganz alleine auf der Akustischen. Sätze wie "would you light the lamp dear?" wimmerte sie mit sanfter Stimme und manchmal pfiff sie sogar einzelne Passagen. Es war zum Daniederknien!

Zu Pink Light kam dann die Band zurück. "Sorry I was cruel I was protecting myself" sang Veirs und viel Orgelmusik begleitete ihre Strophen.


Der krönende Abschluss dann mit That Alice, der Frau von John Coltrane, die selbst als Jazz Harfe Spielerin aktiv war. Ein richtig rockiges Stück in bester Tradtion von Bands wie REM oder Wilco stehend. Hier heulten die Gitarren so richtig auf, pumpte das Schlagzeug von hinten unermüdlich, sang Laura so feurig wie selten zuvor.


Ein fulminanter Schlußpunkt unter einem richtig guten Konzert. "Laura Veirs, no bullshit, just very good music!"

Aus unserem Archiv:

Laura Veirs, Paris, 20.02.11
Laura Veirs, Paris, 13.01.10
Laura Veirs, Paris, 24.04.07







Montag, 21. Februar 2011

Laura Veirs & Caitlin Rose, Paris, 20.02.11

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Konzert: Laura Veirs and The Hall Of Flames & Caitlin Rose (Youri Blow)

Ort: La Maroquinerie Paris (Les Nuits de l'Alligator # 6)
Datum: 20.02.11
Zuschauer: viele, aber nicht ganz ausverkauft (etwa 400)
Konzertdauer: Laura Veirs mindestens 75 Minuten, Caitlin Rose 45 Minuten



Klarer Fall: für das formidable Konzert von Laura Veirs müssen Höchstnoten gezückt werden! Die junge Mutter (ihr Sohn namens Tennessee ist 10 Monate alt und mit auf Tour, "he is very cute" wie die stolze Mutter versicherte) und ihre Begleitband The Hall Of Flames, bestehend aus dem famosen Gitarristen Tim Young und der nicht minder tollen Geigerin Alex Guy, legten einen Auftritt aufs Parkett, der sich für einige Zeit sehr positiv in mein Gedächtnis einbrennen wird. Ich habe Laura hinterher gesagt, daß diese Show (meine vierte von und mit ihr) ihre bisher beste war und das meinte ich auch so. Noch nie habe ich die Brillenträgerin so witzig, locker und gelöst erlebt. Sonst wirkt sie ja immer ein bißchen streng, fast wie eine Lehrerin, aber heute hat sie richtig rumgealbert. Vor allem in der sicherlich amüsantesten Szene, als ihr fabelhafter Gitarrist sich plötzlich das Mikro schnappte und Klassiker der Pop-(Un?)- Kultur anspielte und sie spontan darauf reagierte. Es war ein richtiges Medley bekannter (und eigentlich scheußlicher) Hitparadennummern, bestehend aus Versatzstücken von Chartbreakern wie Beat It von Micheal Jackson, Into The Groove von Madonna, Eye Of The Tiger von Survivor und Gassenhauern von Phil Collins, AC/DC, Led Zeppelin etc. Zum Totlachen und richtig gut und übergangslos gespielt. Der Saal johlte, zu recht! Aber auch der melancholische Teil kam nicht zu kurz und mit der Ballade Spelunking rührte mich Laura zu Tränen (" If I took you darling to the caverns of my heart, would you light the lamp dear?"). Ohnehin waren mir die wundervollen Lieder der Amerikanerin in den letzten Jahren stets ein Trostpflaster in dunklen Stunden. Wenn es mir richtig schlecht ging, ich von Panikattaken, Depressionen und Ängsten geplagt wurde, dann habe ich immer Laura Veirs gehört. Es war, als würde eine geliebte Person Gute-Nacht-Geschichten erzählen, mich beruhigen, mich in den Schlaf wiegen. Die sanfte und liebliche Stimme der ehemaligen Geologin strahlte einfach soviel Zuversicht, Neugierde auf die Phänomene dieser Welt, Hoffnung und Trost aus und half bessser als ein professioneller Seelenklempner. Ich bin ihr zu großem Dank verpflichtet.

Die Bedingungen in der Maroquinerie waren heute aber einfach ideal. Ich saß am linken Bühnenrand und konnte aus nächster Nähe und ganz entspannt zuhören und genießen. Der Sound war brillant und das Trio spielte wie aus einem Guß. Der Gitarrist kitzelte lediglich 30 Zentimeter vor mir die schönsten Ohrenschmeichler aus seinen Saiten und holte wahrlich Verblüffendes aus seinem Instrument heraus. Ganz feine kleine Gitarrenmelodien, aber auch sphärische und manchmal leicht verzerrte Klänge, die er mit einer kleine Eisenstange erzeugte. Die Songs erfuhren somit eine Neuinterpretation, die nicht Lichtjahre vom jeweiligen Original entfernt war, aber für eine gelungene Abwechslung zu den Studioversionen führte. Und die Geigerin am rechten Bühnerand strich und zupfte nicht nur ganz wunderbar, sondern war auch diejenige, die ein wenig französisch sprach und mit ihren Ansprachen Sympathiepunkte bei den nationalstolzen Franzosen einfuhr (Laura guckte dann immer in die Luft und meinte schulterzuckend: "What did you say?). Besonders witzig war, daß sie sagte, der kleine Sohn von Laura, Tennesse, sei der "Roi", also der König, weil sobald er irgendwas wolle, alle sofort aufsprängen. Ich kan mir vorstellen, daß dem Team, zu dem auch der Produzent Tucker Martin und eine Nanny gehören, unterwegs "on the road" nicht langweilig wird.

Kommen wir zu den stärksten Momente des insgesamt sehr ausgewogenen Sets: Spelunking hatte ich erwähnt, aber auch July Flame ("Can I Call You Mine?", wie eindringlich sie diese Zeilen sang!), Titeltrack des letzten Albums und das enorm schwungvoll vorgetragene Jailhouse Fire ragten besonders heraus. Daneben gab es aber auch immer mal wieder Traditionals, so den betörenden Song Pretty Little Horses, den ich live auch schon von Matt Bauer gehört hatte. Natürlich dominierte das Material des letzten, sehr gelungen Outputs, July Flame, aber mit Riptide und Ether Sings wurd auch Carbon Glacier bedacht, während Saltbreakers komplett ausgelassen wurde. Warum nur? Don't Lose Yourself und vor allem Cast A Hook gehören doch zum stärksten Material der Veirs. Aber das waren nur Marginalien, schließlich konnte sie nicht all ihre Perlen bringen, davon hat sie inzwischen einfach auch schon viel zu viele. Schön, daß sie ganz am Schluß noch das hauchzarte Through December intonierte und damit perfekt abschloß.

Wieder einmal hat sie bewiesen, daß sie einer der ganz Großen ist. Top Ten Konzert am Ende des Jahres, da lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster!

Ob die junge Caitlin Rose aus Nashville,Tennessee, eine ganz Große wird, muß sie in den nächsten Jahren erst noch beweisen. Eine guten Schritt mit ihren schwarzen Cowboyboots hat sie mit ihrem ansprechenden und gelobten Album Own Side Now bereits getan, aber um in der Champions- League der Folksängerinnen zu spielen, muss man schon mindestens 2 oder 3 hervorragende Alben heraushauen. An der Stimme und dem Selbstvertrauen mangelt es ihr jedenfalls nicht. Ihr gut geöltes Kehlchen hatte die Kraft eines Zuchtbullen und mit ihrer Power könnte sie bestimmt Glas zum Bersten bringen. Sie sang wesentlich druckvoller, inbrünstiger und lauter als auf Platte, beherrschte aber auch die leiseren Töne. Ihrer herrlichen Countrystimme wohnt ein liebliches, herzliches Element inne, das man auch in ihrer Persönlichkeit wiederfindet. Mit den Händen in den Taschen ihres schwarzen Lederjackets stand sie ganz lässig da und intonierte Sachen wie Spare Me als sei es das Leichteste der Welt. Ihr Blue Jeans war so knatscheng, daß ich mich fragte, wie sie sich damit hinsetzen kann, ohne daß der Hosenknopf aufspringt. Das enge Teil umhüllte ihre kräftigen, aber nicht fetten Oberschenkel und verpackte ihren Arsch aufs Beste. Haha, ich werde vulgär, aber Cailtin selbst hat die saftigen Sprüche ebenfalls drauf: "Fucking, fucking fucking", fast jedes Wort wurde mit diser Vorsilbe bedacht. Und im Hinblick auf den Merchandising Stand meinte sie ganz lässig: "After the show we will sell some shit." Ein kesses, saftiges junges Weibsbild, diese Caitlin. Etwas naseweis und neunmalklug, aber doch sehr liebenswürdig und für jeden Scherz zu haben (sie erzählte irgendwann von dem Schoolbook, das jeder Schüler in Amerika habe, da schreibe man zum Beispiel rein wie häßlich die Lehrerin sei und so weiter). Caitlin wird uns in den nächsten Jahren mit Songs wie Shanghai Cigarettes und dem formidablen Sinful Wishing Well noch viel Freude bereiten, soviel ist sicher. Und schon sehr bald spielt sie mit ihren beiden talentierten männlichen Mitstreitern (an Gitarre und Pedal-Steel) in Deutschland. Nicht verpassen!



Setlist Caitlin Rose, La Maroquinerie, Paris:

01: Learning To Ride
02: Own Side
03: New York
04: Spare Me
05: Shanghai Cigarettes
06: Things Change
07: For The Rabbits
08: Sinful Wishing Well

09: Rose

Setlist Laura Veirs La Maroquinerie, Paris:

01: Carol Kaye
02: Sun Is King
03: Riptide
04: When You Give Your Heart
05: Where Are You Driving?
06: All The Pretty Little Horses (Traditional)
07: The Old Cow Died (Traditional)
08: Jailhouse Fire
09: Life Is Good Blues
10: Spelunking
11: Wide-Eyed, Legless
12: I Can See Your Tracks
13: Make Something Good
14: July Flame

15: Freight Train
16: Ether Sings

17: Jamaica Farewell (Traditional)
18: Through December




Mittwoch, 13. Januar 2010

Laura Veirs, Paris, 13.01.10

4 Kommentare

Konzert: Laura Veirs
Ort: Forum Fnac Les Halles, Paris
Datum: 13.01.2010
Zuschauer: hmm. vielleicht 40?
Konzertdauer: leider nur etwa 25-30 Minuten



Laura Veirs ist nicht nur ein bißchen schwanger. Ihr runder Bauch verrät, daß das freudige Ereigenis nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. Im wievielten Moment sie wohl ist? Hmm, leider bin ich auf dem Gebiet kein Experte, aber ich könnte mir sogar vorstellen, daß es bereits während der bis zum 10. Februar laufenden Europa Tournee so weit sein könnte. Praktischer wäre es natürlich, wenn sie erst nach dem 13. März, also nach dem letzten Gig in den USA, entbinden würde. Ich sagte es bereits, ich bin auf dem Gebiet kein Experte und außerdem sieht man es ja bei einigen Frauen deutlicher und früher, wenn sie in anderen Umständen sind.

Aber wie kommt es eigentlich, daß mir eine meiner allerliebsten Folksängerinnen schon so früh im Jahr präsentiert wird? Ihr "richtiges" Konzert mit Band ist doch erst am 29. Januar? Promotermine wahrnehmen dürfte das Stichwort sein und da das neue Album in Europa am 11. Januar erschienen ist, muss sie trotz Schwangerschaft ihre Frau stehen. Auf Twitter hatte sie zwar über Jetlag geklagt und daß sie bereits jetzt ihre Heimat vermisst ("Fighting jet lag in Paris. Off to find lunch...Missing home already!"), allerdings sich auch über den Schneefall an der Seine -Metropole gefreut ("Snowing in Paris"). Im CD-und Buchladen Fnac schneit es natürlich nicht, das Dach ist dicht (im Gegensatz zu ...äh, nein, ich sag's nicht, wir reden nicht über Politik) und der Store stickig und warm. Etwa 40 bis 50 Leute dürften sich eingefunden haben, um zu erfahren, wie die neuen Songs live klingen. Bei Lied Nummer 1, When You Give Your Heart fühle ich mich noch ziemlich abgehetzt, da ich wieder auf den letzten Drücker gekommen war, aber schon mit Life Is Good Blues geht mir mein Herzelein auf. Die natürlich-sympathische Ausstrahlung der Zöpfchen - und Cowboystiefel tragenden Frau ist nach wie vor entzückend und ihr narrativer, kontemplativer Gesangsstil einfach traumhaft. Ich merke, wie sie mich durch ihre Brille hindurch ansieht und erröte fast ein wenig. Schon toll, daß man ihr in einem eigentlich ansonsten so schnöden CD Laden so nahe sein kann, das schafft Intimität und sorgt auch dafür, daß alle mucksmäuschenstill sind. Vielleicht glotzt mich Laura an, weil sie mich von früheren Konzerten wiedererkannt hat? - Nein, ich träume, das ist abwegig, dafür hat sie in den letzten Jahren zuviele Gesichter gesehen. Warscheinlich bemerkt die inzwischen in Portland, Oregan lebende Musikerin lediglich, daß ich einer von zwei Typen bin, die rumknipsen. Bei Song drei setzte ich ab, weil ich ungestört das feine, neue Lied genießen will. Wide-Eyed, Legless heißt es und es gefällt mir auf Anhieb. Es ist durchzogen von einer hübschen, optimistisch stimmenden Melodie und einem energischen Fingerpicking. Volltreffer! Dieser Song mit dem chatchy Refrain wird mich noch das ganze Jahr begleiten, so viel ist jetzt schon sicher! Als die letzte Note des Stücks verklungen ist, kündigt Laura schon die letzten beiden Lieder an ( "I have a couple of more", was immer heißt, daß noch genau zwei kommen). Ich bin enttäuscht, etwas mehr als 5 Tracks hätte ich mir schon gewünscht! Aber Nummer vier und fünf sind wahrlich gute Trostpflaster. Bei July Flame schnallt sich Laura sogar zum ersten Mal die Elektrische um und trägt mit viel Gefühl den Titeltrack ihres aktuellen Albums vor. Noch so ein Ohrwurm, der sofort hängenbleibt, melancholisch, warmherzig und wunderschön. Der Refrain "Can I call you mine" hat sich jetzt schon in die Gehörgänge gefressen. Von Fireworks war bei July Flame die Rede und die 5 geboteten Stücke waren wirklich so etwas wie ein kleines Feuerwerk. Da sieht auch das Publikum so und lässt die Veirs nicht so einfach ziehen. Energisch wird eine Zugabe eingefordert und zu jedermans Freude performt sie mit Sleeper In The Valley noch ein Stück, das auf einem Gedicht von Arthur Rimbaud basiert. Und nun scheint sie gar nicht mehr aufhören zu wollen, denn es gibt als Sähnehäubchen noch den Opener des Albums, I Can See Your Tracks, den sie wieder mit ihrer Akustikgitarre bestreitet. Viel Zärtlichkeit und Weltklugheit geht von ihrem Gesang und den Texten aus, man merkt, daß sie eine empfindsame, blitzgescheite, hellwache Person ist, die sich gern zurückzieht und ganz in Ruhe an ihren Kompositionen arbeitet, ohne sich von der Hektik des Alltags stressen zu lassen. Schön wie wie ein Vogel singt sie Zeilen wie: "Oh, I can smell the smoke from your fire, babe, but I'll leave you alone". Schade, daß Jim "My Morning Jacket" James nicht dabei ist, der auf dem Album durch seinen echohaften und irgendwie nach den Fleet Foxes klingenden Backgroundgesang Glanzpunkte setzt, aber auch ohne ihn ist das Lied ein Gedicht (wenn auch keins von Rimbaud).

Hach, Laura, ich habe jede Minute dieses kurzen Konzertes genoßen, hätte Dir gerne mehr erzählt von meiner Begeisterung für Deine wundervolle Musik und wo ich Dich überall schon live gesehen habe, aber es gab natürlich auch andere Leute, die mit Dir plauschen wollten!

Ich glaube an July Flame werde ich 2010 noch meine helle Freude haben! Thanks, Laura!

Setlist Laura Veirs, Forum Fnac des Halles, Paris

01: When You Give Your Heart
02: Life Is Good Blues
03: Wide-Eyed, Legless
04: Carol Kaye
05: July Flame

06: Sleeper In the Valley (Rimbaud)
07: I Can See Your Tracks

- Blogger-Großmeister Eike hat auf seinem preisgekrönten Klienicum schon wieder unverschämt früh über das neue Album von Laura Veirs berichtet. Seinen wie immer sehr lesenwerten Artikel gibt es hier. Nur in einem Punkt liegt er falsch: Die Brille ist geblieben. Das "oben ohne"- Foto für das Promoposter war also gestellt.

- Hier ein paar Livevideos der neuen Songs von Laura Veirs in sehr ordentlicher Qualität:

- I Can See Your Tracks
- When You Give Your Heart
- July Flame
- Life Is Good Blues

Ausgewählte Konzerttermine von Laura Veirs:

29.01.2010: Café de la danse, Paris
30.01.2010: L'Aeronef, Lille
31.01.2010: Paradiso, Amsterdam
01.02.2010: AB Club, Brüssel
02.02.2010: Studio 672, Köln*
03.02.2010: Gleis 22, Münster
05.02.2010: Lido, Berlin
06.02.2010: Übel & Gefährlich, Hamburg


* einen schönen Konzertbericht über das Kölner Konzert von Laura Veirs im Studio 672 hat Pretty- Paracetamol. Klick!

Aus unserem Archiv:

Laura Veirs, Paris, 24.04.07




Mittwoch, 25. April 2007

Laura Veirs & Marissa Nadler, Paris, 24.04.07

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Konzert: Laura Veirs & Marissa Nadler
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 24.04.2007
Zuschauer: Wahrscheinlich ausverkauft


Nachdem sich die Präsidentschaftskandidaten in Frankreich während des Wahlkampfs so rührend um Einzelschicksale gekümmert haben, werde ich mich demnächst auch mal schriftlich an den - oder die Präsidentin der Republik wenden und kürzere Taktzeiten für die Buslinie 96 einfordern! Jedes Mal, wenn ich zur Maroquinerie möchte, warte ich ewig an der Haltestation "Filles du calvaire" und verpasse deshalb regelmässig die oft guten Vorgruppen. Zum Glück bekam ich diesmal von der schüchternen Amerikanerin Marissa Nadler noch den Grossteil des Sets mit, auch wenn mir wiederum der ein oder andere frühgebrachte Song durch die Lappen ging. Was ich da so hörte, gefiel mir durchaus gut, denn die brünette Dame aus Providence/Rhode Island hat schon eine besondere Stimme. Nur mit ihrer Klampfe bewaffnet, hauchte sie ein melancholisches Lied nach dem anderen ins Mikro und liess die Temperaturen in der ohnehin brütend heissen Maroquinerie noch weiter ansteigen.

"It' so hot in here, let's go swimming after the show!" Gute Idee Marissa, aber wo finden wir nachts in Paris einen See, oder Swimming-Pool? Während mir der Schweiss von der Stirn tropfte, genoss Fräulein Nadler sichtlich ihren Auftritt in der Stadt der Liebe und gab einige Stücke von ihrem neuen Album "Song 3: Bird on the water", aber auch ältere Titel von den Vorgängeralben zum Besten. Auf ihrer MySpace-Seite kann man nachlesen, welchem Musikstil das Ganze zugeordnet werden kann. "Melodramatischer Pop-Song/ Gothic/Amerikanisch" steht da neben ihrem Bildchen. Gothic? Nun ja, schon ein bisschen, es hatte schon eine schwarze und depressive Seite, aber ihre sirenenhafte, an Hope Sandoval oder Joni Mitchell erinnernde Stimme hat mich ziemlich schnell verzaubert. Ich beschloss, mir mal ein paar Lieder von ihr zu besorgen, was ich Freunden dieser Stilrichtung auch empfehlen kann.

Laura Veirs schien dagegen fast fröhlich rüberzukommen, mit ihren Handclaps, der lustig gekleideten männlichen Band, die sie mitgebracht hatte (die Herren trugen allesamt mit unfassbaren Stickereien verzierte Anzüge, z.B. aufgenähte Schmetterlinge und Octopusse!), und ihrer witzigen runden Brille. Für den Paris-Auftritt hatte sie extra ein blau-weiss gepunktetes Kleid und rote, flache Schuhe angezogen. Wahrscheinlich stellen sich Amerikaner so die typische Pariserin vor...

Nach Paris kommt Laura Veirs eh gerne, spielte sie doch heute bereits zum dritten Male in der Maroquinerie. Beim ersten Auftritt an diesem Ort war ich auch schon dabei und bedauerte damals, dass nur so wenige Leute den Weg in den Kellerraum gefunden hatten. Heute aber war die Hütte voll! Und das hat sie verdient, denn mit dem neuen Opus "Saltbreakers" liefert Laura bereits ihr fünftes gutes Album in Folge ab. Von eben jenem "Saltbreakers" stammten dann auch gleich die ersten drei - und die meisten anderen Songs des Konzertes. Den Auftakt bildete "Pink light", gefolgt von "Saltbreakers" und der wundervollen Ballade "Nightingale". Danach bedankte sich die Blondine dann erst einmal... auf deutsch! Ja genau, auf deutsch, sie sagte "danke schön", da sie gerade von Deutschland gekommen war und sie noch Umstellunsprobleme hinsichtlich der jeweiligen Landessprache hatte. Das nahm ihr das Pariser Publikum aber natürlich nicht übel, da sie schnell auf das "Merci" umschwenkte und vor allem, weil sie mit "Parisian Dream" einen der Kapitale Frankreichs gewidmeten Titel vortrug. Besonders gut gefiel mir dann im Anschluss "Shadow Blues" das einzige Lied , das sie von dem tollen Album "Carbon glacier" brachte.

Aber auch die neuen Stücke verfehlten nicht ihre Wirkung, vor allem "Drink deep" hatte es mir angetan, mit seinem gefühlvollen Piano und seinem zarten Gitarrenspiel. Ein Lied zum "Drin-Versinken"! Auch "Black-eyed-Susan" von dem Album "The triumphs & Travels of Orphan Mae", drückte mächtig auf die Tränendrüse. Tränen flossen aber heute keine, denn das Set war deutlich rockiger als ich es von Laura Veirs gewohnt war. Die dreiköpfige männliche Band, "The Saltbreakers", liessen es phasenweise richtig krachen, so dass man auch nicht mehr ohne weiteres von Laura Veirs der "Singer/Songwriterin" reden kann. Ich finde, dass ist auch gut so, denn schliesslich muss sich ihr Sound ja weiterentwickeln und der Prozess weg von der Sängerin mit der Klampfe hin zur Indie-Rockerin ist ihr sehr ordentlich gelungen. Das sah wohl auch das Pariser Publikum so, das minutenlangen Beifall spendete und noch mit zwei Zugaben verwöhnt wurde.

See you next year, Laura, an gleicher Stelle mit neuem Album im Gepäck!

Setlist Laura Veirs:

01: Pink Light
02: Saltbreakers
03: Nightingale
04: Secret Someones
05: Parisian Dream
06: Cast a hook
07: Shadow Blues
08: Where gravity is dead
09: Ocean Night Song
10: Drink Deep
11: Galaxies
12: To the county
13: Black-eyed Susan
14: Black Butterfly
15: Don't loose yourself

16: Rialto (Z)
17: Wrecking (Z)

von Oliver



 

Konzerttagebuch © 2010

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