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Mittwoch, 31. Juli 2013

Still Corners, Ripley, 29.07.13

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Konzert: Still Corners
Ort: Indietracks Festival, Ripley
Datum: 29.07.2013
Dauer: knapp 50 min
Zuschauer: viel zu wenige!




In den Wochen vor dem Festival hatte ich mich auf eine ganze Menge Bands extrem gefreut, dabei aber immer wieder Still Corners vergessen. Bei jedem Blick aufs Lineup fiel mir wieder ein, daß ich an die Engländer wieder nicht gedacht hatte. "Ach, Still Corners spielen ja auch noch!"



Die Londoner traten als letzte Band beim Indietracks auf. Ob es am Sonntagabend lag oder an Helen Love, die sehr viel später als geplant auf der Indoorbühne noch parallel spielten, weiß ich nicht, der Platz vor der Mainstage blieb jedenfalls erschreckend leer, als Still Corners um zwanzig nach neun auftraten. Erschreckend leer im wörtlichen Sinne, denn auf den "Stehplätzen" vor den Gittern waren keine 30 Leute. Auf der ansteigenden Wiese dahinter saßen zwar noch einige Zuschauer, für die Band muß es aber frustrierend ausgesehen haben. Es hätte aber nicht zu diesem Wochenende gepasst, wenn die Headliner deshalb gemotzt hätten.


Vor ein oder zwei Jahren hätten Still Corners in Köln spielen sollen. Ihr Konzert mit Veronica Falls als Support wurde aber kurzfristig abgesagt. Bei einer anderen Gelegenheit, sie in Frankfurt zu sehen, hatte ich mich für Feist in Köln entschieden - und falsch gelegen.

Wenn ich mich nur an sie erinnert hätte, wären Still Corners einer der Hauptgründe für meine Indietracks-Vorfreude gewesen...

The Wake, die vorher auf der Outdoor-Bühne gespielt hatten, packten ihre Instrumente und gingen Richtung Campingplatz, als Still Corners mit ihrem Aufbau begannen. Sie packten jeden Menge Kram aus ihrem Bus, Bretter für die Keyboard-Konstruktionen und ein riesiges Gestell für eine Leinwand, sie waren eben einer der Headliner.



Als es dann losging, habe ich auf die Filme und Animationen auf im Hintergrund überhaupt nicht mehr geachtet. Ich erinnere mich an keines der Videos, so sehr fesselte mich die Musik. Schade, daß die ganze Deko-Mühe umsonst war, aber wir waren ja schließlich auch nicht bei Madonna.



Still Corners haben im Mai ihr zweites Album Strange Pleasures bei Sub Pop veröffentlicht. Das Konzert begann aber mit Cuckoo vom 2011er Debüt ("aber", weil überdurchschnittlich viele Gigs mit dem ersten Lied der aktuellen Platte beginnen - Klugscheißer-Wissen). Wenn man nach Referenzen für die Musik der Briten suchen möchte, liegen natürlich Beach House nahe. Vor allem die elektronischen Klänge, der Hall in Tessa Murrays Stimme erinnern an die amerikanischen Dreampop-Lieblinge. Aber auch Tessas Outfit hätte aus der Beach House Garderobe stammen können. Die dritte (und wichtigste) Gemeinsamkeit der beiden Bands sind aber die großartigen Songs, die eigenständig und originell sind, Ähnlichkeiten hin oder her.



Am Anfang - vor allem bei Beatcity - war (wie passend) der Beat zu laut, danach klang es toll und wurde zu einem wundervollen Konzert! Beste Lieder waren Submarine und vor allem das Schlußstück The trip



Ich habe wirklich keine Ahnung, wieso ich immer wieder vergessen hatte, wie toll Still Corners sind und wie sehr ich sie mag. Nach dem knackigen 50 minütigen Auftritt wird mir das nicht mehr passieren! So, wie das ganze Wochenende war, endete das Festival: extrem wundervoll!

Setlist Still Corners, Indietracks Festival, Ripley:

01: Cuckoo
02: Beatcity
03: Into the trees
04: Beginning to blue
05: Endless summer
06: Berlin lovers
07: Submarine
08: Fireflies
09: Midnight drive
10: The trip

Links:

- aus unserem Archiv:
- Still Corners, Paris, 26.03.12
- Still Corners, Berlin, 10.03.12



Freitag, 30. März 2012

Thus:Owls & Still Corners & Beth Jeans Houghton, Paris, 26.03.12

2 Kommentare

Konzert: Thus:Owls & Still Corners & Beth Jeans Houghton
Ort: Le Divan Du Monde, Paris

Datum: 26.03.12

Zuschauer: etwa 350-380


Dream Pop mit weiblich-verhuschter Stimme wohin man seine Öhrchen nur wendet.

I Break Horses, Blouse, Trailer Trash Tracys, Memoryhouse, My Bee's Garden, Les Colettes... Seit Beach House (Foto) mit ihrem letzten Album riesige kommerzielle Erfolge feiern konnten, sprießen die Dream Pop Formationen wie Pilze aus dem Boden. Die Pressetexte, die man zu den jeweiligen Acts lesen kann, klingen alle ähnlich. Als Referenzbands werden immer die Cocteau Twins und Broadcast genannt und in schöner Regelmäßigkeit fällt auch der Name des düsteren Filmemachers David Lynch. Sage mir keiner, daß dieser Boom zufällig entstanden ist! Die Industrie wittert genau, was läuft und schickt den Leuten nach einer Erfolgsgeschichte (wie in diesem Falle eben Beach House) gleich mindestens 10 ähnliche Bands hinterher.


Dementsprechend skeptisch war ich deshalb auch in das Konzert von Still Corners gegangen, die heute als zweite Gruppe des Abends auftraten. Was spielen sie? Dreimal dürft ihr raten, genau, Dream Pop! Und was stand im Programmheft? Nun, da werden selbstredend Broadcast und die Cocteau Twins zitiert. Laaaaaaangweilig! Oder etwa nicht?

Nein, zum Glück war das Konzert der Band um Tessa Murray und Greg Hughes keine Spur öde und sie brachten vor allem auch eigene Ideen mit ein. Natürlich begeisterte in erster Linie die luftige, sirenenhafte Hauchstimme der blonden Tessa Murray, aber das war nicht alles. Vor allem die Gitarrenparts waren klasse und originell. Der Bursche mit der Waver Frisur zauberte famos-spacige Melodien aus seiner Elektrischen, verzerrte sie aber auch oft noisig und peppte das Ganze im Vergleich zur okayen aber ein wenig blutleeren Platte deutlich auf. Das war wirklich phasenweise berauschend und hypnotisch und wurde visuell noch sehr gekonnt durch abstrakte Videos untermalt. In den besten Momenten raste mein Puls, ging ich voll und ganz in der melancholischen Schwebemusik auf und war von Alltagssorgen meilenweit entfernt. Zwar war das Set nicht durchgängig auf diesem ganz hohen Niveau, aber Langeweile kam nie auf. Dafür war auch das Songmaterial zu überzeugend. Es stammte natürlich fast ausschließlichvon Creatures Of An Hour, aber es gab auch ein ganz nagelneus Lied, das aufhorchen ließ.

Von den bekannten Sachen gefielen mir Cuckoo und I Wrote In Blood am besten, obwohl auch Into The Trees und Endless Summer ihre Reize entwickelten. Die von Markus hinsichtlich des Still Corners Konzertes in Berlin geäußerte Kritik, jedes Lied klänge ähnlich oder gleich, konnte ich in dieser Form nicht nachempfinden. Zwar ist die Grundstimmung der Songs in der Tat oft identisch, aber mittels Hall-Effekten, Loops, scharfen Giattrenriffs und Tempowechseln beim Schlagzeugrythmus wurde für Abwechslung gesorgt. Und ein großer Pluspunkt war sicherlich auch die hohe Lautstärke. Wenn Dream Pop bzw Shoegaze zu leise und schlecht abgemischt aus den Boxen kommt, bleibt der Genuß oft auf der Strecke. Im Pariser Divan Du Monde war der Sound aber glasklar und auch bei hohem Volumen präzise und nicht breiig. Es war wirklich ein intensives und sinnliches Erlebnis, eine Art hypnotischer Trip.


Entsprechend positiv waren auch die Reaktionen meiner Freunde hinterher. Quasi jeder bescheinigte den Still Corners ein richtig gutes Konzert und ich war happy und positiv überrascht, daß ich dieses Jahr wenigstens eine Dream Pop Formation aufgespürt habe, die mich wirklich überzeugen konnte.

Aber es gab auch noch zwei andere Konzerte an diesem Montagabend des Festivals les femmes s'en mêlent.


Vor Still Corners hatten bereits Thus: Owls aus Schweden gespielt. Angeführt von der leicht soulig singenden Skandinavierin Erika Angell und genial an der Gitarre begleitet von ihrem Ehegatten Simon Angell (ein Kanadier, der auch bei Patrick Waston im Einsatz ist), zählt die Band noch drei weitere Mitglieder. Heute fehlte aber Cecilia Persson und somit sahen wir ein Quartett, in dem Ola Hultgren (Loney Dear) Schlagzeug und Martin Höpner Piano spielte.


Der Vierer musste schon um 20 Uhr ran und hatte auch etwas weniger Spielzeit als die nachfolgenden Bands. Es wurde viel Material von dem neuen Opus Harbours performt und das erste Album Cardiac Malformations stark vernachlässigt. Nach wie vor ist die Grundstimmung der Songs sehr düster und melodramatisch, sind die Strukturen komplex und vielschichtig und die Arrangements originell, was aber auch dazu führt, daß die Eingängigkeit auf der Strecke bleibt. Kaum ein Stück setzte sich nach dem gut 30 minütigen Set auf Anhieb im Ohr fest und man muss wohl das neue Scheibchen so etliche Male hören, damit es sich einem erschließt.

Was mir bei dem Konzert aber letztlich in bester Erinnerung geblieben ist, waren die Bearbeitung der Gitarre mit einem kleine Löffel und sogar einer Kette und die sexy Strumpfhose von Erika...


Sexy war schließlich ein Attribut, das man ohne weiteres auch der jungen Engländerin Beth Jeans Houghton anheften konnte. Mit ihren gebleichten blonden Haaren, dem blassen Teint und den feuerroten Lippen sah sie aus wie ein Pin Up Girl der 50er Jahre und hätte in den umliegenden Variété-Theatern in Pigalle sicher gutes Geld verdienen können. Ihr schöner Arsch steckte in einer knallengen Lederhose und die langen Nägel hatte sie gelb lackiert. Ein Paradiesvogel, diese Beth, die von einer kurios anmutenden Männertruppe, den Hooves Of Destiny, begleitet wurde. Die Burschen, vor allem der Trompeter, sahen aus wie tschechische Straßen-bzw Zirkusmusikanten, überließen aber Beth ganz klar das Rampenlicht.


Deren Musik war gar nicht so leicht zu katalogisieren. Was war das? Punk Pop? New Folk? Rockabilly? 60ies Pop? Ich weiß es nicht so genau, wahrscheinlich von allem etwas. Letztlich aber nicht so wichtig, denn ehrlich gesagt mundete mir die grellbunte Mischung nicht so recht. Das war mir zu opulent, zu glamourös glitzernd, zu schrill und modisch.


Nicht daß, das Konzert schlecht gewesen wäre -Beth ist schließlich eine glänzende Performerin-, aber so richtig kam ich da nie rein und die Songs huschten schnell an mir vorbei. Am Ende gab es noch ein Madonna Cover (Like A Prayer) und eine Zugabe, die stark nach den Ramones klang und dann war die Messe gelesen, der Konzertabend beschloßen. Beth erwies sich als fleißige Autgrammschreiberin, lächelte oft und ließ sich auch bereitwillig abknipsen. Vielleicht führt eine intensivere Beschäftigung noch dazu, daß ich bei ihr auf den Geschack komme.

Festzuhalten bliebt aber, daß die heutige Veranstaltung auf jeden Fall gelungen war und Still Corners herausragten.

Setlisten gleich!




Sonntag, 11. März 2012

Still Corners, Berlin, 10.03.03

1 Kommentare

Konzert: Still Corners
Ort: Comet Club, Berlin
Datum: 10.03.2012
Zuschauer: nicht ausverkauft ca. 100

Konzertdauer: 60 Minuten


Text und Fotos von Markus aus Berlin


Da stimme ich mich den Tag über mit der neuen CD von Still Corners ein - setze mich früh genug in die Straßenbahn - durchquere auf Schienen den Prenzlauer Berg - passiere die Bezirksgrenze zum Friedrichshain und träume vor mich hin, als mich die Großstadtrealität einholt. Ein stark alkoholisierter Rowdy kam in der Bahn auf mich zugesteuert, um sich dann mit seinen gefühlten 150kg auf meinen Schoß zu setzen. Der Musik von Still Corners sei Dank, war ich den Tag über so weichgespült, dass ich die Situation friedlich und entspannt lösen konnte. Ich schaffte es irgendwie mich aus der Masse dieses Menschen herauszuwinden und begab mich auf Sicherheitsabstand.Was hätte alles passieren können, wenn ich den Tag über Metallica oder Slipknot gehört hätte? Vielleicht haben mir Still Corners mein Leben gerettet.

Der kleine Comet Club war nicht ausverkauft - es fanden sich ca. 100 Andere außer mir dort ein. Hinter der Bühne war großes weißen Baumwolltuch aufgehängt. Als das Konzert um 21:30 losging, wurden auf dieses Tuch diverse experimentelle Videokunst-Filmchen projiziert, wie man diese auch schon aus den Videos der Band kennt. Mit dem Beginn des ersten Stückes „Graham´s Theme“ - einem reinen Instrumentalstück, begann auch das Wirken der Nebelmaschine. Sphärische Klänge, Nebel und fahles Licht werden sich das ganze Konzert über wie ein roter Faden durchziehen. Nachdem ich meinen persönlichen Horrorfilm schon in der Straßenbahn erlebt habe, war ich nun neugierig auf den Soundtrack der Londoner. Enya meets Goldfrapp. Ab dem dritten Lied setzte der Gesang von der zuckersüßen und feenartigen Sängerin Tessa Murray ein. Ihre langes blondes Engelshaar hing weit ins Gesicht. Sie hauchte jeden Ton und jede Silbe. Ein wahrlich wunderbarer Anblick. Der zweite Hälfte von Still Corners, Greg Hughes, war bis auf die zwei Zugaben am Ende des Konzertes hinter dem Schlagzeug.Unterstützt wurden die Beiden von Leon Dufficy an der Gitarre und sowie Luke Jarvis am Bass, die beide souverän und engagiert mitspielten.Es folgten noch weitere Lieder des aktuellen Albums - darunter auch das düsterschöne „I Wrote In Blood“ (mein persönlicher Favorit), welches aus den anderen Liedern deutlich herausstach. Und da haben wir auch schon meinen größten Kritikpunkt an der Musik des Duo´s: Die Lieder sind sich live zu ähnlich. Was daheim im Wohnzimmer noch als Untermalung gut funktionierte, verlor sich auf dem Konzert. So sehr ich mich auch bemühte mich auf die Musik einzulassen so sehr mißglückte mir dieses. Normalerweise schafft der Zwischenapplaus eine kurze und erwünschte Unterbrechung, um seinen vorherigen Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich auf ein neues Lied einzustellen. Bei Still Corners störte diese Unterbrechung eher. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Band eine Videoprojektion im Hintergrund nutzt. Wären doch die Lieder eine perfekte Hintergrundmusik. Nachdem das normale Set abgespielt wurde, verschwand die Band von der Bühne. Zu der Zugabe kamen dann noch Greg Hughes, der sich dieses Mal eine Gitarre nahm, Tessa Murray sowie Leon Dufficy, der sich ans Schlagzeug setzte. Das Trio spielte dann zwei Coverversionen - zuerst I´m On Fire von Bruce Springsteen sowie das großartige Eyes im Original von Rouge Wave. Da wünschte ich mir, dass sich Frau Murray öfter trauen würde, ihre schöne Stimme mehr zur Geltung zu bringen.

Am Ende des Konzerts hatte ich das Bedürfnis die anderen Newcomer aus London lautstark zu hören: Veronica Falls. Ich hätte mir gewünscht, sie wären direkt im Anschluss auf die Bühne gekommen. Dann wäre der Konzertabend perfekt gewesen. So hatte ich am Ende des Konzerts das Gefühl, als würde noch etwas fehlen - als hätte die Band es bei mir nicht geschafft einen nachhaltigen und bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sie blieben zu sehr im Hintergrund - trotz hoher Lautstärke, schönen Klängen und viel Engagement. Vielleicht ist es die Tragik von Filmmusik, dass sie nur mit den passenden Bildern einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen kann. Diese Bilder fehlten für mich. Der Rote Salon der Volksbühne und seine roten Sesseln und Sofas hätte der Musik sicherlich besser zu Gesicht gestanden, als der triste und fade Comet Club. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Setlist Still Corners, Comet Club, Berlin:

01: Graham's Theme
02: Memory Mood
03: Cuckoo
04: Endless Summer
05: Submarine
06. History Of Love
07: The White Season
08: I Wrote In Blood
09: Hunter
10: Blue Eyes
11: Into The Trees

12: I'm On Fire (B. Springsteen)
13: Eyes (Rogue Wave)






 

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