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Donnerstag, 5. Mai 2016

Laura Gibson, Leipzig, 03.05.16

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Konzert: Laura Gibson
Ort: Werk 2, Leipzig
Datum: 03.05.2016
Dauer: 80 min
Zuschauer: ca. 80


Ich kenne Laura Gibson seit ihrem Album "Beast of Seasons" (2009), habe es aber bisher nie geschafft, ein Konzert zu besuchen. Auf der Suche nach Gelegenheiten in dieser Woche habe ich dieses hier erst recht kurzfristig gefunden und auf der Anfahrt noch in das aktuelle Album hineingehört, um mich auf den Abend vorzubereiten.



Als ich den Saal betrete, spielt die Vorband mit 4 jungen Herren gerade ihren ersten Titel und klingt wie eine 1970er US-Band aus dem mittleren Westen. Die Überraschung ist groß, als die Ansage nach dem Titel in deutsch herüberkommt. Leon Francis Farrow kommen aus Berlin und promoten gerade ihr Debütalbum. Die Songs geben sich erdig und mit ziemlich glaubwürdigem amerikanischen Akzent. Die halbe Stunde mit ihnen ist recht kurzweilig. Schon alleine Sänger und Gitarrist/Keyboarder Phil Nemeth ist eine Augen- und Ohrenweide, erinnert er mich doch in Statur und Bühnenpräsenz ab und zu an Prince.

Als Laura Gibson mit ihrer Band die Bühne betritt, hat sich der Saal dann doch halbwegs ordentlich gefüllt. Laura begrüßt das Publikum mit den neuen Songs. Das Album "Empire Builder" wird ausgiebig vorgestellt und die Band überzeugt mit sehr variablem Instrumenteneinsatz und wohlgesetzten musikalischen Leckerbissen: wenn man Schlagzeug mit Schneebesen und anderem Küchengerät oder einen Song mit 2 Violinen spielt, zeugt das für mich von Souveränität.



Zwischen den Liedern kämpft Laura Gibson immer wieder mit ihrem Husten, dem Gesang merke ich aber nichts an. Ihre Stimme klingt zerbrechlich und vermittelt oft eine Einsamkeit, die Körpersprache jedoch zeigt Präsenz und Bodenhaftung. Ich nehme ihr ab, dass sie die Geschichten ihrer Songs durchlebt hat, obwohl sie dazu in ihren Ansagen bis auf wenige Ausnahmen keinen Bezug nimmt. "Empire Builder" zum Beispiel. In dem Song thematisiert sie ihre Zugfahrt von der West- zur Ostküste und gleicht Aufbruch, Reise und Ankommen mit ihren Lebenserfahrungen ab. "Damn Sure" ist eine Reihung sicher geglaubter Fixpunkte im Leben, die sich im Rückblick dann doch als nicht sicher zeigten. Diese Songs lässt sie wirken und für sich stehen, erzählt dagegen von der Geschichte um "Dark Lake", eine Gegend in Oregon, wo sie für eine gewisse Zeit artist in residence war, um dort zu schreiben. Den Dark Lake selbst hat sie dabei nicht besucht und in dem Song ihre eigene Vorstellung von ihm in Verse und Melodie gebracht. 


Nach dem Akustikset mit "The Longest Day" von ihrer allerersten EP und als erstem von ihr je geschriebenen Lied kehrt die Band zurück auf die Bühne. Das Set endet nach einer überraschend schnellen Stunde mit "The Last One" vom aktuellen Album. Die Zugaben bauen dann noch einmal Spannung auf für das große Finale mit "La Grande".



Es war ein Abend mit einer zurückhaltenden, sehr sympatischen Künstlerin, die eine ganz große ihrer Zunft ist - nur dass das offenbar nicht so viele wahrnehmen. Ich wünsche ihr viele Besucher auf den ausstehenden Konzerten und jede Menge Abnehmer für die CDs und Schallplatten.

Setlist:
01. Damn Sure
02. The Cause
03. Empire
04. The Search For Dark Lake
05. Not Harmless
06. Five And Thirty
07. Louis
08. The Longest Day
09. ???
10. Two Kids
11. Caldera, Oregon
12. The Last One

13. Milk-Heavy, Pollen-Eyed (Z)
14. La Grande (Z)


nächste Konzerte:
05.05.2016 Pecs (H)
06.05.2016 Wien (AT)
07.05.2016 Dornbirn (AT)


Aus unserem Archiv:
Reza & Laura Gibson, Paris, 12.12.2009
Laura Gibson, Paris, 10.05.2012
Laura Gibson & Calexico, Paris, 16.11.2012


Donnerstag, 20. September 2012

Laura Gibson & Calexico, Paris, 16.11.12

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Konzert: Laura Gibson & Calexico
Ort: Le Trianon, Paris
Datum: 16.11.12
Zuschauer: geschätzte 1000
Konzertdauer: Laura Gibson etwa 35 Minuten, Calexico circa 80 Minuten

Erkenntnisse, Beobachtungen, Fakten zum Konzert von Laura Gibson & Calexico im Pariser Trianon:

- Laura Gibson trägt jetzt eine schwarze Brille, das verstärkt den Eindruck, eine gütige, aber strenge Lehrerin vor sich zu haben.

- Optisch wird sie deshalb Laura Veirs immer ähnlicher. Auch ansonsten gibt es Parallen: beide sind toll!

- Darf ich noch einmal erwähnen, daß Fräulein Gibson 2009 bereits in meinem Wohnzimmer musiziert hat?

- Am 12 Dezember 2009 war das und dieses wundervolle Erlebnis wird wohl für immer unvergesslich bleiben, es sei denn ich kriege Alzheimer oder so was...

- Damals spielte sie eine super Akustikversion von Spirited, heute brachte sie diesen schwungvollen Ohrwurm erneut.

- Laura wird bei ihren Konzerten regelmäßig von männlichen Mitmusikern begleitet. Diese speisen sich in der Regel aus Akteuren von Musée Mécanique aber heute kam mit Brian Alfred auch der Kontrabassist von Calexico mit hinzu (bei Skin, Warming Skin)



- Der Drummer war im Vergleich zum letzten Konzert neu. Er verlieh dem Set ordentlich Punch!

- Ohnehin habe ich Laura Gibson nie so angriffslustig gesehen. In manchen Passagen trat sie mit ihren schönen Cowboyboots fast wütend auf den Boden, zum Beispiel beim glänzenden Opener La Grande. Gut so, ein wenig Feuer kann nie schaden!

- Natürlich gibt es aber immer noch die beschauliche, melancholische Laura, so bei dem samtweichen Milk-Heavy Pollen Eyed, einem "Love Song" wie sie erklärte, den sie dem Pariser Publikum widmete.






- Ganz wundervoll hierbei die Trompete, die ganz gefühlvoll das Lied untermalte und ihm eine feierliche, fast weihnachtliche Note gab!




- Und dann kam mit ganz viel Wums, ouhouhouhou-singalongs und einer unwiderstehlichen Melodie Spirited, ein Klassiker im Programm von Gibson, der erneut durch die Trompete enorm bereichert wurde.

- Bei Feather Lungs saß Laura Gibson am Piano: ein Wiegen-Lied, das sie ursprünglich  für ihre ganz kleine Nichte (1 Jahr alt) geschrieben hatte, daß nun aber auch für "anxious adults" geieignet sei.

- Ganz feine Pedal Steel bei Skin Warming Skin, auch schöne Chorgesänge mit den Männern und erneut ein wahnsinniger Singalong.




- Dramatische Version von Time Is Not, Wüstenklima pur, erneut Pedal Steel, das Ganze viel besser als auf dem Album, zum Ende hin enorme Tempobeschleunigung, treibende Drums.


- Den Abschluss bildete das countryekse und sehr schmissige The Fire, bei dem die Leute begeistert mitklatschen. Sie wollten sich wohl schon für Calexico warm machen, denn da wurde permanent mitgeklatscht. Hierzu aber mehr dann morgen...


Setlist Laura Gibson, Le Trianon, Paris

01: La Grande
02: Red Moon
03: Milk-Heavy, Pollen Eyed (Love Song dedicated to the crowd)
04: Spirited
05: Feather Lungs
06: Skin, Warming Skin
07: Time Is Not
08: The Fire


- Nun, ich hatte es ja schon angedeutet: bei Calexico wurde viel mitgeklatscht. 

- Für meinen Geschmack etwas zu viel, denn phasenweise fülte ich mich wie in der Hitparade bei Dieter Thomas Heck. Jede noch so kleine Gelegenheit wurde genutzt, um die Patschehändchen gegeneinander schmettern zu lassen. 


- "Schuld" daran waren vor allem die folkloristischen spanischen bzw. mexikanischen Lieder mit den Mariachi Trompeten.

- Stehe ich auf mexikanische Musik? Nö, eher nicht

- Mag ich wüstensandgetränkten Folk mit menacholischer Note? Ja. Deshalb mochte ich speziell jene Songs, die in diesem Stil gehalten waren.




- Insofern ein wenig eine Achterbahn der Gefühle. Wenn der unfassbar smarte Joey Burns mit seiner markanten, Ryan Adams nicht unähnlichen Stimme sang, war es toll.
- Wenn die Mexikaner in der Band auf spanisch intonierten, war das eher nix für mich.

- Sehr gut folglich z. B. der sehr schöne Opener Epic (vom neuen Album Algiers), Fortune Teller (mit famosen Chören im Stile der Fleet Foxes), Para (totraurige, aber ungemein schöne Ballade).

- eher nix für mich: Across The Wire, Roka, Inspiracion (was war das? Flamenco? Igitt!)

-Jetzt wird man mich fragen: "aber du weißt doch, daß es bei Calexico auch immer wieder spanische Musik und Mariachi gibt?

- Stimmt, aber ich hatte das nicht mehr so intensiv im Gedächtnis.





- Die neuen Sachen klangen durchweg sehr vielversprechend. Epic, Splitter (ein sehr flotter Song), Sinner In The Sea oder Hushdas war vieles dabei, was das Herz erwärmt. Sehr subtile, nachdenkliche Songs, die sicherlich veritable Grower sind.

- Wunderhübsch: Titelsong Algiers, der im Zugabenteil gebracht wurde.

- Auch wie immer ganz großartig: der alte Klassiker Crystal Frontier. Hier fanden Calexico für mich die optimale Mischung aus Wüstenfolk und traditoneller mexikanischer Musik.


- Souverän und hochklassig am Schlagzeug der alte Haudegen Convertino, der seine Sticks immer hält wie ein chinesischer Tischtennsispieler seinen Schläger.

- Schon grandios wie der Covertino rührte, strich, klöppelte und dabei immer ganz cool guckte.

- Nach Crystal Frontier gab es riesigen Applaus, der noch ein weitere Zugabe zur Folge hatte. The Vanishing Mind war ein guter Abschluss eines Konzert, daß vom Pariser Publikum enthusiastisch aufgenommen worden war.

- Trotz der kleinen Lästereien, auch ich ziehe ein positives Fazit, war ein gelungenes Konzert von Calexico!

- Verschweigen will ich aber nicht, daß mir Laura Gibson einen Tick besser gefallen hat. Aber diesbezüglich bin ich wohl einfach befangen...



Setlist Calexico, Le Trianon, Paris

01: Epic
02: Across The Wire
03: Splitter
04: Roka
05: Fortune Teller
06: Para
07: Minas De Cobre (For Better Metal)
08: Inspiracion
09: Griptape
10: Dead Moon
11: Sinner In The Sea
12: Hush
13: Maybe On Maybe
13: Alone Again Or (Love)
15: Puerto


16: Algiers
17: Corona (The Minutemen)

18: Crystal Frontier

19: The Vanishing Mind

Konzerttermine Calexico & Laura Gibson:

20.09.2012: Centralstation, Darmstadt
21.09.2012: Volkshaus, Zürich
22.09.2012:  Wiener Konzerthaus, Wien
23.09.2012: Huxley's Neue Welt, Berlin
24.09.2012: Trafo, Berlin (+ Get Well Soon und Anna Ternheim, ohne Laura Gibson)
25.09.2012: Grosse Freiheit 36, Hamburg




Freitag, 11. Mai 2012

Laura Gibson, Paris, 10.05.12

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Konzert: Laura Gibson
Ort: Le Café de la Danse, Paris

Datum:10.05.12

Zuschauer: etwa 150

Konzertdauer: ungefähr 70 Minuten




Ich war heute zweimal bis zum Einpacken des schweren Equipments dabei. Zunächst nach Ende meiner ersten, am späten nachmittag stattfindenden Oliver Peel Session mit The Rustle Of The Stars (Foto) auf der neuen Terrasse, dann auch nach dem abendlichen Konzert von Laura Gibson im Café de la Danse.


Die Musiker hatten jeweils tonnenschweres Material zu verladen (auf dem Foto sieht man nur einen Bruchteil davon) und es war faszinierend zu beobachten, wie viele Taschen und Koffer da so zusammenkommen. Natürlich packte ich auch mit an, was dazu führte, daß ich den Beginn des Auftritts von Laura Gibson leider verpasste. The Rustle Of The Stars aus Frankreich und England waren bei uns mit so vielen Instrumenten aufgekreuzt (u.a. Harfe, Geige, Glockenspiel, zwei schweren Verstärkern, etc.), daß hinterher das Zusammenpacken länger als gedacht dauerte. Ich wollte mich eigentlich gegen 20 Uhr auf die Söckchen machen, kam aber erst gegen 20 Uhr 45 los.


Bis ich dann im Café de la Danse erschien, waren bereits 6 Lieder im Set gespielt worden und ich kam gerade noch rechzeitig, um Hand In Pockets, eine alten Hit, mitzubekommen. Ich war noch berauscht und euphorisch von unserem nachmittäglichem Terassenkonzert, musste mich aber jetzt schnell auf ganz andere Musik einstellen. Statt eines experimentellen, cinematografischen Schwebesounds wie bei The Rustle Of The Stars, gab es bei Laura und Band sehr feinen Folk/Folkrock zu genießen. Miss Gibson war wieder mit ihrer Begleitband von Musée Mécanique am Start, gab aber auch Kostproben von ihrer Singer-Songwriter Seite, als sie zwei Lieder hintereinander solo und akustisch vortrug. Ohne die Leistung der Band schmälern zu wollen, dies waren für mich die Highlights. Sleeper, eine traurige Ballade von Beast Of Season hatte sie eigentlich lange nicht mehr im Programm, spielt sie aber inzwischen wieder. Der Song passe zur Stimmung erklärte sie, erzählte auch was vom Frühling (den sie in Europa zunächst nicht angetroffen hatte) den längsten Tagen des Jahres und ließ ihre wehmütige Shellacplatten-stimme erklingen. Als sie die Zeilen "To take you in, is to feel a great sadness" sang, konnte man förmlich diese sadness, diese unglaubliche Traurigkeit fühlen. Gibson ist Meisterin darin, Stimmungen Ausdruck zu verleihen, ihren tiefe Melancholie zu vermitteln und mich damit emotional enorm aufzuwühlen. Aber ihre Sanftheit spendete Trost und Güte, wirkt fast wie die fürsorgliche Behandlung durch eine Krankenschwester. Verwunderlich insofern, daß eine solch ruhige und friedliche Person wie Laura Gibson sich als Fan von Nirvana outete. Als sie das Leadbelly Cover In The Pines ankündigte, merkte sie an, daß Nirvana diesen Song durch seine MTV unplugged Session bekannt gemacht habe und sie diese berühmte Akustiksession von Kurt Cobain und Band innig liebe. In The Pines, ein unglaublich oft gecoverter Song, klang bei ihr ganz speziell und wurde durch ihre Stimme quasi zu einem Gibsonschen Lied.


Dann kam die Band wieder und es wurde der alte Hit Spirited so richtig schön schwungvoll geschmettert. Wahrscheinlich das radiotauglichste Stück in ihrem Repertoire, bei dem auch der Drummer hinten mal ein bißchen Arbeit bekam und losbollern konnte. Die indianerhaft wirkenden "uhuhuhuhu-singalongs" klingen immer noch enorm catchy und der Kontrast zwischen den Stimmungen - dynamische Euphorie auf der einen und kontemplativer Schwermut auf der anderen Seite- verblüffte mich auch heute noch.

Sehr gelungen auch Time Is Not von ihrem aktuellen Werk La Grande. "Time Is Not Against Us" sang sie da im Refrain, heute aber im konkreten Falle nicht ganz zu recht, denn die Konzertuhr schritt erbarmungslos voran und ich bedauerte sehr, daß ich den Beginn verpasst hatte. Wie gerne hätte ich Laura und Band noch stundenlang zugehört. Der Sound war so brillant, die Stimmung so entspannt, die Lieder so vorzüglich.

Aber es war nichts zu machen, wie durch eine Sanduhr glitten die letzten Minuten. Fire gab es noch und auch The Rising Dark, fast a capella, bevor erstmals der Abgang geprobt wurde.

Die erste Zugabe wurde dann erneut von Laura solo absolviert und mit Time Is Not The End kam noch ein hoffnunsgvolles und absolut wundervolles Mitsinglied, bei dem sich das Pariser Publikum Mühe gab, die Noten zu treffen.

Crow/Swallow dann wieder mit Band, Fagott und Trompete und enorm viel Gefühl, ganz toll!

Es gab nach tosendem Applaus sogar noch eine abschließende Solozugabe von Laura, aber ich kann mich leider nicht mehr daran erinnnern, was das genau war.


Nach der Show blieb ich dann noch ein wenig, plauderte mit den Musikern, sprach meine Hoffnung und meinen Wunsch nach einer neuen Oliver Peel Session aus und erfuhr auch, daß Laura Gibson im September mit Calexico nach Paris zurückkommen wird.

Gegen 23 Uhr/23 Uhr 15 wurden dann erneut Instrumente verpackt und eingeladen. Dieses mal hatte ich mehr Zeit, schließlich hatte ich hinterher nichts mehr vor und nutzte auch die Gelegenheit, Laura vor der Location abzuknipsen. Allerdings führte dann die Beschwerde eines Autofahres, der durch den die Straße blockierenden Tour-Van gestört wurde, dazu, daß Abschied angesagt war. Fahrer (und Fagottspieler) Fritz aus Deutschland sprang hinters Lenkrad, bat die Musiker einzusteigen und brum brum!.. schon waren sie wieder on the road, Richtung Brüssel dieses mal...



Donnerstag, 26. April 2012

Laura Gibson, Frankfurt, 25.04.12

3 Kommentare

Konzert: Laura Gibson
Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 25.04.2012
Zuschauer: 120
Dauer: gut 70 min


Oh war das gut!

In den ersten ein, zwei Minuten wäre ich noch nicht unbedingt zu diesem Schluß gekommen, ich brauchte ein wenig, um mich auf Laura Gibsons Stimme einzulassen, die nicht nur dann ungewöhnlich klang, wenn die Amerikanerin das neben dem normalen befestigte verzerrende Mikro besang. Daß das Konzert mit jedem Stück besser, aufregender und kurzweiliger wurde, war sicher Resultat dieses Einlassens auf ihre Musik und nicht das einer besonders brillanten Dramaturgie. Gestern beim guten Maps & Atlases Konzert im Gebäude 9 war ich nach 70 Minuten einverstanden, als das letzte Lied verklang, heute hätte ich gerne viel länger zugehört, als die Sängerin mit ihren Begleitern nach der selben Zeit die letzte Zugabe beendete.

Das Bett ist ein eher kühl eingerichteter Club, mit einer bestuhlten Einrichtung (doofe Formulierung; mit Bestuhlung...) hatte ich nicht gerechnet. In der Mitte waren Sessel, Stühle und Bierbänke und einige Couchtische aufgestellt. Es passte nicht so richtig, machte aber bei Lauras Musik absolut Sinn. Durch die Möblierung wirkte der große Saal auch angenehm gefüllt, ohne die Sitzgelegenheiten hätten sich die vielleicht 120 Zuschauer im Bett verloren.

Bei den Vorbereitungen der Band die nächste Überraschung: ein Fagott wurde auf der Bühne abgelegt. Ich bin nicht sicher, ob das einer musikwissenschaftlichen Überprüfung standhalten würde, ich liebe aber Fagott und Oboe, während ich deren schmutzige Halbschwester Klarinette so gar nicht leiden kann. Oboen sieht man ab und zu bei Konzerten, aber ein Fagott? Wow!

Zunächst blieb das tolle Instrument aber liegen, Laura wurde von einem Bassisten, einem Schlagzeuger und einem Keyboarder begleitet. Den Auftakt bildete der Titelsong ihres aktuellen Albums, ein Stück, das ich mir auch in Musikclubs der 20er Jahre vorstellen könnte. La grande klingt nach Schellack und gedämpften Trompeten (die im Laufe des Abends wirklich immer wieder vorkamen). Spätestens beim dritten Lied des Konzerts, Skin warming skin, hatte es mich endgültig gepackt. Eine Theorie für den zögerlichen Beginn ist, daß Lauras Stimme nicht zu ihr passt - man (ich) erwartet zu einer solchen Stimme eine andere Person.

Zum übernächsten Song rief Laura ihren Tourbegleiter Fritz auf die Bühne. Der Gastmusiker habe ihr bislang verheimlicht, daß er Fagott spiele, diese Fähigkeit wolle man jetzt auf Tour nutzen. In der Studioversion kommen leise Bläser vor, ich kann aber nicht erkennen, ob das nicht doch eher ein Horn ist.

Beide Blasinstrumente kamen im Anschluß bei Milk-heavy, pollen-eyed zum Einsatz. Das Stück war aber nicht deshalb eines der schönsten des Abends! Milk-heavy... ist einfach von wundervoll getragener Schönheit. Wenn man jemanden erklären will, warum auch viele Musikzeitungen von Laura Gibson schwärmen, empfehle ich, dieses Lied stattdessen laufen zu lassen!

Bis dahin hatte die Sängerin aus dem Nordwesten der USA nur Lieder von La grande gespielt. Hands in pockets vom 2006er Debüt If you come to greet me war der erste Sprung zurück. Danach schickte die Sängerin die Band von der Bühne. "They'll play Angry birds on their phones!" - Laura spielte Sleepers von ihrer zweiten Platte. In einer der Pausen zwischen den Strophen krachte ein Glas auf den Boden, im Takt. Ansonsten war es glücklicherweise meist (angemessen) ruhig, quatschendes Volk hätte heute wirklich ganz besonders gestört.

Die Band spielte noch ein weiteres Level Angry birds, und Laura coverte (wie Nirvana) In the pines, das wegen ihrer besonderen Stimme wie ein eigenes Lied klang!

Lauras Begleiter hatten das Level endlich geschafft und kamen zurück. Gemeinsam spielten sie Spirited und die drei La grande Lieder Time is not (toll!) und The fire, um zum Abschluß das extrem reduzierte aber um die mitbrummenden Zuschauer ergänzte
The rushing dark vorzutragen. Ich bilde mir ein, auf solche inszenierten schönen Momente nicht zu reagieren, es klappte aber nicht.

Zur ersten Zugabe kam Laura wieder alleine. The longest day stammt auch von ihrem ersten Album und verzückte mich sehr! Die Sängerin spielte das Lied unverstärkt am Bühnenrand, die Cowboystiefel halb über der Kante. Wieder so ein geplantes Highlight, und wieder wäre es herzlos gewesen, dies zu kritisieren!

Die Band kam zurück - mit Fritz und dem Fagott - und beendete den Abend mit dem fehlenden Song von La grande. Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, einen solch tollen Auftritt zu erleben. Umso schöner!

Setlist Laura Gibson, Das Bett, Frankfurt:

01: La grande
02: Lion/lamb
03: Skin warming skin
04: Red moon
05: Feather lungs
06: Milk-heavy, pollen-eyed
07: Hands in pockets
08: Sleeper (Laura Gibson solo)
09: In the pines (Lead Belly Cover) (Laura Gibson solo)
10: Time is not
11: Spirited
12: The fire
13: The rushing dark

14: The longest day (Z)
15: Crow/swallow (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Laura Gibson, Paris, 16.04.12
- Laura Gibson, Paris, 18.01.12
- Laura Gibson, Paris, 20.04.10
- Laura Gibson, Olivers Wohnzimmer, 12.12.09



Dienstag, 17. April 2012

Laura Gibson, Paris, 16.04.12

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Konzert: Laura Gibson
Ort: Rough Trade Store chez Agnes b., Paris

Datum: 16.04.2012

Zuschauer: etwa 30-35

Konzertdauer: 45-50 Minuten



Es ist bald wieder Record Store Day.* Eine schöne Erfindung der Angelsachsen, um den Tonträgerabsatz anzukurbeln, die inzwischen auch in Paris (und anderswo) Nachahmer gefunden hat. Aus diesem Anlaß hat sich auch erneut der Rough Trade Store im Modeladen agnes b. breitgemacht, um dort für ein paar Wochen zu bleiben.


Für Musikfans besonders schön ist, daß es wieder gratis Showcases gibt. Laura Gibson heute, im Lauf der Woche dann auch noch Young Man, Gravenhurst, Sea Of Bees und Crocodiles, es ist schon was geboten für's Geld, was man nicht ausgeben muss. Zumindest für die Konzerte nicht, die CDs und Platten bekommt man natürlich nicht umsonst.

Heute also Laura Gibson, die erst am Vortag im Londoner Rough Trade Store gespielt hatte und in der Nacht schon Richtung Hamburg aufbricht.

Trotz dieses Tourstresses zeigte sich die Portlanderin sehr entspannt und gut gelaunt und trumpfte mit ihrer männlichen Begleitband ziemlich laut auf, zumindest für ihre Verhältnisse. Da konnte man sich an der Trompete, der Pedal Steel Gitarre und bei einem Lied sogar einer Bassetklarinette (gespielt von Tourmanager Fritz), also einer sehr reichhaltigen Instrumentierung erfreuen.

Performt wurden ausschließlich Lieder vom neuen Album La Grande, das weiterhin fleißig promotet wird. Und bis auf zwei Ausnahmen bekamen die Zuschauer wirklich das gesamte Werk geboten, das der deutsche Rolling Stone über den grünen Klee gelobt hatte. La Grande ist in der Tat sehr schön, wenngleich man darüber streiten kann, ob es sich um Lauras bestes Album handelt. Mein absolutes Highlight darauf ist nach wie vor Skin, Warming Skin, ein richtiger Ohrwurm und durchaus charttauglich, aber auch Milk-Heavy, Pollen-Eyed, eine gefühlvolle Ballade, bei der Laura ihre stimmlichen Stärken voll ausspielte und ganz herrlich warm und fragil intonierte.




Auffällig auch heute wieder, daß Frau Gibson zwei Mikrofone hatte, ein normales und ein in eine Kupferfassung eingebettetes, daß ihre Stimme wie auf einer alten Grammofonaufnahme klingen ließ.

Viel Zeit zum Plaudern und Ankedoten erzählen blieb bei einem Showcase wie heute freilich nicht. Dennoch erzählte die Amerikanerin bei Lion/Lamb eine kleine Geschichte von Lämmern, die wohl mit einer saisonalen englischen Tradition zu tun hatte, aber von niemandem so richtig verstanden wurde.

Sei's drum, Gibson und Band verstanden es dennoch, einen Draht zum Publikum herzustellen. Beim letzten, rein akustisch und ohne Mikrofon gesungenen Lied The Rushing Dark kam die Musikerin bis an die Treppenstufe, wo ich gemütlich saß, so daß ich fast ihre caramellfarbenen Cowboyboots hätte berühren können. The Rushing Dark wurde von den drei Herren in der Band sehr hübsch im Chor gesungen und am Ende zeigten sich ein paar Besucher besonders von diesem Stück sehr angetan.

Mein Tip an euch: die kommenden Konzerttermine von Laura Gibson in Deutschland rot im Kalender anstreichen, hingehen und einen musikalisch ausgezeichneten Abend mit smypathischen und exzellenten Musikern erleben!

Setlist Laura Gibson, Rough Trade Store, Paris

01: La Grande
02: Lion/Lamb
03: Milk-Heavy,Pollen-Eyed
04: Feather Lungs
05: Skin, Warming Skin
06: Time Is Not
07: The Fire
08: The Rushing Dark

Aus unserem Archiv:

Laura Gibson, Paris, 18.01.12
Laura Gibson, Paris, 20.04.10
Laura Gibson, Paris, 12.12.09

* am 21.04.2012

Anmerkung: 1. Foto v.links nach rechts: Morgan Caris (Flowers From The Man Who Shot Your Cousin), Laura Gibson, Vincent, Chefredakteur von Popnews

Konzerttermine von Laura Gibson:

17.04.12: Uebel & Gefährlich, Hamburg
18.04.12: BeatPol, Dresden
19.04.12: Grüner Salon, Berlin
20.04.12: Bühne am Park, Gera
23.04.12: naTo, Leipzig
24.04.12: zakk, Düsseldorf
25.04.12: Das Bett, Frankfurt
26.04.12: E-Werk, Erlangen
27.04.12: Rätschenmühle, Geislingen
28.04.12: Dachauer Kultur-Schranne, Dachau
29.04.12: El Lokal, Zürich
02.05.12: Fluc Wanne, Wien
10.05.12: Café de la Danse, Paris
11.05.12: Botanique, Brüssel



Donnerstag, 19. Januar 2012

Laura Gibson & Dear Reader, Paris, 18.01.12

4 Kommentare

Konzert: Laura Gibson & Dear Reader
Ort: LePoint Ephémère, Paris

Datum: 18.01.12

Zuschauer: nicht ausverkaufte, aber gut besuchte Veranstaltung, etwa 200



Was für ein wundervolles Line-Up im am idyllischen Canal Saint Martin gelegenen Club Le Point Ephémère! Dear Reader aus Südafrika und Laura Gibson aus Portland, Oregon, USA standen im Rahmen von "en attendant les femmes mêlent"* auf dem Programm und zogen etwa 200 Musikfans an.


Für mich war es eine ganz besondere Veranstaltung, hatte ich doch Ende 2009 Laura Gibson zu einer Oliver Peel Session in mein Wohnzimmer geladen, die mir und meinen Gästen unvergesslich bleiben wird. Seitdem ist etwas Zeit ins Land gegangen und die gute Laura hat inzwischen ihr drittes, unglaublich gut rezensiertes Album La Grande auf den Markt gebracht. Zum ersten Mal auf City Slang aus Berlin im Übrigen und zur Feier des Tages war Chef Cristof Ellinghaus persönlich von der Spree an die Seine gekommen. Er und die anderen Besucher erlebten ein sehr charmantes und erlesenes Konzert der großgewachsen rötlich-blonden Dame aus Portland.



Laura erschien mit hübschen hellbraunen Cowboy Boots und zwei Begleitmusikern an Gitarre bzw. Piano (Brian J Perez) und Schlagzeug (Matthew Rubin Berger), die, wenn mich nicht alles täuscht, zu Musée Mécanique gehören. Die drei Sympathen harmonierten sehr gut zusammen und schufen einen Wild West Sound, der einen interessanten Kontrast zur Kühle und Schlichtheit der Location (eine alte Fabrikhalle) bildete. Oft fühlte man sich an Ennio Morricone und die mystische, heiße Wüstenstimmung seiner Soundtracks erinnert, aber auch an die 20 er und 30 er Jahre und alte Grammofonaufnahmen musste man denken, denn Laura Gibson setzte ihre Stimme sehr retrohaft ein und bediente sich dazu gleich zweier Mikrofone, die jeweils unterschiedlich den irreal schönen Gesang wiedergaben. Gespielt wurden fast auschließlich Titel des neuen Albums La Grande. Ein Werk, daß ich vor dem Konzert noch nicht besaß, so daß ich wirklich unbedarft und neugierig in diese Show ging. Aber ich wurde nicht enttäuscht, die Neulinge entwickelten sehr spontan ihren (im guten Sinne) altmodischen Reiz und vor allem Skin, Warming Skin ging mit seinem Singalong direkt ins Ohr. Tanzbar im eigentlichen Sinne waren die Stücke dennoch nicht, was eine recht große Gruppe lesbischer Pärchen in der Mitte des Saales nicht davon abhielt, sich im Wiegeschritt über das Parkett zu drollen. Das war zwar anfänglich relativ lustig, aber auch ein wenig irritierend, weil man das Gefühl hatte, daß sich die Mädels ein wenig über Laura Gibsons Musik lustig machten. Aber sei's drum, etwas Lockerheit und Ausgelassenheit kann bei Konzerten der Amerikanerin gar nicht schaden, weil sie damals doch immer so traurig und bedrückt wirkte. Neuerdings geriert sie sich energischer, beweglicher, einsatzfreudiger und lächelt auch mehr zwischen den Songs. Die gute Presse scheint ihr Auftrieb gegeben, ihr Selbstbewußtsein gestärkt zu haben, was aber nichts an ihrer Natürlichkeit und Bescheidenheit im Auftritt änderte. Und wer wie Eike vom klienicum die Besorgnis äußerte, Laura werde nun Sektglashalter und oberflächliche Zuschauer anziehen, konnte beruhigt werden. Nach wie vor war das Publikum sehr fachkundig und wenn überhaupt (Franzosen sind keine großen Schluckspechte) dann wurde nicht Sekt, sondern Bier aus Bechern getrunken.

Aber noch mal ein paar Sätze zu den einzelnen Liedern. Neben Skin stach auch der für Gibsonsche Verhältnisse recht flotte Titeltrack La Grande heraus, der hinsichtlich der Instrumentierung an den Arizona- Sound von Calexico denken ließ, was aber nicht weiter verwunderlich war, wenn man weiß daß Joey Burns bei den Aufnahmen zu dem Album aktiv mitgwirkt hat. Und die schönste Ballade war zweifelsohne Crow/ Swallow, die in einen kurzen akustischen Teil einleitete, den Laura Gibson ganz allein bestritt. Sie gab den Klasiker In The Pines (bekannt geworden durch Nirvana) und Time Is Not zum Besten, bevor die beiden Musiker wieder aus der Kabine geklettert kamen * und gemeinsam noch The Fire und das nebelverhangene The Rushing Dark gespielt wurde.

Das Publikum applaudierte eifrig und zum Glück führte diese Aufmunterung noch dazu, daß der stimmungsvolle alte Klassiker Hands In Pockets gebracht wurde. Zwar versemmelte Brain Perez ein wenig den Melodica Part (was Laura heimlich schmunzeln ließ), aber der Song war dennoch eine ganz besondere Gaumenfreude, die ich nicht hätte missen wollen. Gleiches gilt im Übrigen für den alten Hit Spirited, der mitsamt seiner ohrwurmigen Singalong- Passage im Mittelteil zelebriert worden war.

Setlist Laura Gibson, Point Ephémère, Paris

01: La Grande
02: Milk-Heavy, Pollen Eyed
03: Lion/Lamb
04: Skin, Warming Skin
05: Feather Lungs
06: Red Moon
07: Spirited
08: Crow/Swallow
09: In The Pines (Leadbelly)
10: Time Is Not
11: The Fire
12: The Rushing Dark

13: Hands in Pockets

Vor Laura Gibson war bereits eine andere junge Dame an den Start gegangen, die am Ende des Sets von Laura auch noch einen gefeierten Gastauftritt hatte. Die Rede ist natürlich von der Südafrikanerin Cherilyn MacNeil alias Dear Reader, die mit insgesamt 5 köpfiger Band auflief. Neben ihr gab es mit der hübschen Geigerin (bzw. Mulitinstrumenstalistin) auch noch eine weitere Dame anzuhimmeln. Und himmlisch war der Hör (und Seh)-Genuß in der Tat. Mit ihrem gewohnt umwerfenden Charme zelebrierte Cherilyn ihre fragilen Folkpop-Songs und brachte etliche Zuschauer schon nach ein paar Minuten zum Schmelzen. Bereits der Opener Fox (Take Your Chances) war hochfein und erlesen und hätte nicht schöner in den Abend einführen können.

Ziemlich schnell fiel mir auf, daß mich McNeil an die junge Amerikanerin Maia Vidal erinnerte, sowohl optisch (die kurzen Hare, das niedliche Lächeln) als auch stimmlich. Beiden Künstlerinnen wird ab und an vorgeworfen, es mit der Lieblichkeit und dem Zartschmelz zu übertreiben, aber im rauen und stressigen Paris (eine romantische Stadt? Nö!) kann ein wenig Schmalz gar nicht schaden. Zumal Dear Reader wirklich geschliffene Kompositionen haben, die sie auch äußerst harmonisch rüberbringen. Das Zusammenspiel der fünf Musiker, die aus verschiedenen Ländern udn Kontinenten stammen, klappte jedenfalls hervorragend und die Stimmung war gelöst und feierlich. Da wurde oft gelächelt, Anekdötchen erzählt und auch im Französischen versuchte sich Cherilyn, mit durchaus ordentlichen Ergebnissen. Allzu gerne hätte ich natürlich getestet, wie ihre Deutschkenntnisse inzwischen sind- schließlich wohnt die Gute ja nun in Berlin- aber das ließ ich lieber, schließlich wollten wir hier ja Musik hören und kein verspätetes Kaffeekränzchen abhalten.



Dear Reader besannen sich weitestgehend auf ihr neues Album Idealistic Animals, das in Frankreich erst in diesem Januar 2012 erschienen ist. Man findet darauf etliche einschmeichelnde Balladen, die zwar ab und zu knapp an der Bombastgrenze vorbeischlittern, aber live so emotional und aufrichtig gespielt wurden, daß nur ewige Nörgler meckern konnten. Toll auch, daß mit Dearheart und Great White Bear auch ein paar alte Favoriten eingestreut wurden. Das Ende war besonders gelungen und vor allem Mole hatte ein stark anziehendes, sehr inniges Moment.



Etwa 45 Minuten erfreuten Dear Reader die Pariser Zuschauer und am Ende flogen ihnen regelrecht die Herzen zu. Auch der Absatz am Merch-Stand schien mir sehr gut gewesen zu sein. Verdient!

Setlist Dear Reader, Point Ephémère, Paris

01: Fox (Take Your Chances)
02: Bear (Young's Done In)
03: Dearheart
04: Earthworm (All Hail Our Ailing Mother)
05: Elephant (Hearter)
06: Whale (Boohoo)
07: Camel (Not Black Or White But Camel)
08: Release Me
09: Great White Bear
10: Man (Idealistic Animals)
11: She's Her's he's His I'm Mine
12: Mole
13: Go Home Now

* eine Aufwärmveranstaltung für das im März stattfinden Festival Les femmes s'en mêlent
* eigentlich kamen die Herren zu früh zurück und verschwanden dann- die Türe laut zuknallend-, noch einmal. Alle lachten!

Fotos Dear Reader in Kürze!






Tourtermine Laura Gibson:

02.01.2012: Botanique, Brüssel
21.01.2012: Paradiso, Amsterdam

danach Tour durch die USA und dann:

03.04.2012: Ekko, Utrecht
05.04.2012: Cultureel Podium, Ottersum
18.04.2012: BeatPol, Dresden
19.04.2012: Grüner Salon, Berlin
24.04.2012: zakk, Düsseldorf
25.04.2012: Das Bett, Frankfurt
28.04.2012: Dachauer Kultur-Schranne
29.04.2012: El Lokal, Zürich

Berichte aus unserem Archiv:

Dear Reader, Weinheim, 15.09.11
Dear Reader, Frankfurt, 11.09.11
Dear Reader, Wien, 08.10.09
Dear Reader, Marburg, 06.10.09
Dear Reader, Düsseldorf, 28.09.09
Dear Reader, Haldern, 15.08.09
Dear Reader, Berlin, 07.08.09
Dear Reader, Paris, 06.05.09
Dear Reader, Nijmegen, 25.04.09
Dear Reader, Köln, 18.04.09
Dear Reader, Paris, 19.02.09
Dear Reader, Köln, 12.02.09

Laura Gibson, Paris, 20.04.10
Laura Gibson, Paris, 12.12.09

Anmerkung: die hübschen Fotos (Ausnahme pic 1 by Oliver Peel) stammen von David von starsareunderground.Merci!!



Mittwoch, 21. April 2010

Laura Gibson & Port O'Brien, Paris, 20.04.10

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Konzert: Laura Gibson & Port O'Brien

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 20.04.2010
Zuschauer: geschätzte 350
Konzertdauer: Laura Gibson etwa 45-50 Minuten, Port O Brien 75 Minuten


In Kurzform:

Laura Gibson: anmutig, elegant, sanft, leise, gefühlvoll, warmherzig, harmonisch, melancholisch

Port O'Brien: stürmisch, energisch, wild, berauschend, laut, draufgängerisch, hymnisch, erobernd

The Hillbilly Moon Explosion: was war das denn jetzt? Rockabilly? auf dem Gebiet kenne ich mich nicht aus, aber die tätowierten Frauen im Publikum standen tierisch da drauf...

Mehr Infos demnächst...

Setlist Laura Gibson, La Flèche d'or, Paris:

01: All The Pretty Horses
02: Come By Storm
03: Hands In Pockets
04: Postures Bent
05: O Frailty
06: Funeral Song
07: Where Have All Your Good Words Gone
08: Nightwatch
09: Sweet Deception
10: Spirited
11: Ghost Hill (Arbeitstitel)


Aus unserem Archiv:

Laura Gibson in einer Oliver Peel Session, Paris, 12.12.2009

Port O'Brien, Haldern, 14.08.09
Port O'Brien, Paris, 02.06.08




Sonntag, 13. Dezember 2009

Reza & Laura Gibson, Paris, 12.12.09

3 Kommentare

Konzert: Reza & Laura Gibson (Oliver Peel Session # 14)
Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris
Datum: 12.12.2009
Zuschauer: 34
Konzertdauer: Reza etwa 40 Minuten, Laura Gibson 65 Minuten




Als ich vor ein paar Wochen auf die deutschen Konzertdaten der amerikanischen Folksängerin Laura Gibson hingewiesen habe, hätte ich nicht im Traum daran gedacht, daß die hochsympathische Blondine zusammen mit ihren beiden Begleitmusikern von Musée Mécanique in unserem Wohnzimmer das letzte Konzert ihrer Tournee geben würde!

Zugegebenermaßen hatte ich aber schon Gewehr bei Fuß, als ich las, daß sie am 10. Dezember in der Pariser Flèche d'or auf dem Programm stand. Ob da nicht ein Abstecher in unsere Wohnstube möglich wäre? Vielleicht am 11. Dezember? Oder am 13.? Den 12. hielt ich nicht für machbar, da ich am diesem Tage schon seit geraumer Zeit eine Oliver Peel Session mit Reza vereinbart hatte. Aber wie sollte ich Laura sagen, daß ich sie gerne bei uns begrüßen würde? Einfach eine E-mail bei MySpace schreiben? Zu unpersönlich! Sie über ihre private E-mail Adresse kontaktieren? Gute Idee, aber mich verließ ein wenig mein Mut. Was, wenn sie nicht auf das Konzept "House show" steht? Ach, wahrscheinlich würde sie einfach überhaupt nicht antworten...

Dann aber sah ich durch Zufall bei MySpace, daß mein Bekannter Morgan Caris, der hinter dem hervorragenden Projekt Flowers From The Man Who Shot Your Cousin steht, Laura Gibson kennt. Morgan war gerade wieder von Kanada nach Paris zurückgekehrt und ich traf ihn beim Konzert von This Is The Kit im Espace B. Ich brachte das Thema Laura Gibson zur Sprache. "Ob Laura nicht eine Session bei uns spielen würde, was meinst Du Morgan", raunzte ich ihn an. "Würdest Du sie fragen und den ersten Kontakt herstellen?" Er versprach zu helfen und hielt das Ganze auf für realistisch.

Ein paar Tage später hatte ich eine E-mail der besonderen Art in meinem Briefkasten. Das Schreiben stammte von... Laura Gibson selbst! Sie würde sehr gerne eine Home Show spielen und hätte am 11., 12., oder 13. Dezember Zeit dafür! Ich solle mir einfach einen Tag aussuchen. Ich war wie vom Blitz getroffen und musste sofort mit meiner Frau sprechen! Als sie meinen freudigen Blick sah, schwante ihr schon, worum es gehen würde. In ihrer direkten Art ließ sie mir ausrichten: "Am Freitag (11) geht es schon mal gar nicht, weil ich da sehr lange arbeite und danach wie tot ins Bett falle. Und wenn Du gedenkst, sie für Sonntag einzuladen, dann musst Du alles selbst vorbereiten, ich werde dann zu einer Freundin gehen. Ich brauch auch mal ein bißchen Ruhe!"

Peng, das saß! Ich verstand mein Frauchen vollkommen, wollte aber um jeden Preis Laura Gibson in unsere Bude kriegen. Ein solch charmantes Angebot einer derart talentierten Sängerin kann man doch nicht so mir nichts dir nichts ausschlagen! Aber was tun? Am Samstag dem 12. die Session mit Reza stemmen und am Sonntag das ganze Essen für die Gäste alleine vorbereiten? Davor graute mir! Zu anstrengend ist es, solche Sessions zu organisieren und durchzuführen. Im Grunde genommen fühle ich mich vor und hinterher immer absolut platt. Nein, der einzige Weg war zwei Sessions am Samstag zu machen. Ich mußte Reza anschreiben, um ihn zu fragen, ob er damit einverstanden wäre. Ich hatte ziemlichen Bammel, denn ich kann verstehen, daß ein Künstler verschnupft reagiert, wenn man ihm einen weiteren, noch dazu bekannteren Act hinzubucht. Aber Reza reagierte ganz fantastisch. Er richtete aus, daß ihm das nichts ausmache und er sich auch freue, Laura Gibson live zu sehen. Er machte lediglich zur Bedingung als Erster an den Start zu gehen und ich sollte außerdem dafür sorgen, seine CD Moonless ein wenig zu promoten. Letzteres war für mich selbstverständlich, schließlich lief das vorzügliche Album bei mir seit Wochen in Dauerschleife. Somit stand fest, daß es am 12. Dezember eine doppelte Session geben würde. Reza und Laura Gibson im Doppelpack, wahrlich eine ganz feine Sache!

In der Folge stand das übliche Vorbereitungsprozedere auf dem Programm: Einladungs E-mails an Freunde und Bekannte verschicken, mit den Künstlern bestimmte Details absprechen und natürlich Einkäufe erledigen, da die Gäste verköstigt werden möchten und auch nicht auf dem Trockenen sitzen wollen. Zwar bringen viele ein Fläschen Wein, Süßigkeiten oder Blumen mit, aber darauf kann man nicht sicher zählen. Wir selbst, sprich meine Frau und ich, sehen zu, daß wir genug Bier, Wein und Softdrinks haben und überlegen auch, was wir zum Essen anbieten können. Wir entschieden uns diesmal für Sandwichs mit unterschiedlichen Belägen, da diese immer Abnehmer finden.

Am Donnerstag, dem 10. Dezember, trat dann Laura Gibson zusammen mit Musée Mécanique in der Flèche d'or auf (Infos, Setlist, Videos dazu unten). Für mich war es selbstverständlich, bei dieser Veranstaltung auf der Matte zu stehen. Erstens wollte ich mir den musikalischen Teil nicht entgehen lassen und zweitens natürlich unbedingt die Gelegenheit nutzen, Laura Gibson persönlich kennenzulernen. Und diese ergab sich dann vor ihrem Konzert. Ziemlich nervös lief sie durch die Flèche d'or und hatte verständlicherweise auch nicht den Kopf frei, sich länger mit mir zu unterhalten. Ich konnte das nachvollziehen, denn mir war klar, daß sie vor ihrem Auftritt Ruhe haben wollte und gedanklich noch ein paar Abläufe durchging. Hinzu kam, daß sie gesundheitliche Probleme hatte. Ein hartnäckiger Schnupfen, verbunden mit einem unangenehmen Husten, machten ihr schwer zu schaffen. Für Sänger bzw Sängerinnen natürlich besonders störend. Aber sie riss sich in bemerkenswerter Weise zusammen und absolvierte zusammen mit Micah und Sean von Musée Mécanique, die zuvor einen ganz vorzüglichen Auftritt mit ihrem eigenen Projekt hingelegt hatten, ein wundervolles Konzert. Ich war entzückt und enorm angetan. Was für ein Talent! Welch traumhaft schöne Stimme! Und was für eine angenehm natürliche Ausstrahlung! Daß sie wirklich sehr nett und zugänglich ist, konnte ich dann am Merchandising Stand erfahren. Wir unterhielten uns ganz entspannt und sie war lieb und herzensgut. Auch Micah und Sean waren mir auf Anhieb sympatisch und ich hatte sogar noch die Gelegenheit, ihren exzellenten deutschen Tourmanager kennzulernen, der neben Laura auch noch einige andere Granaten (u.a. Alela Diane, Calexico, Lambchop, Rickie Lee Jones, Magnetic Fields, etc.) betreut. So ganz nebenbei bekundeten auch noch vier junge Amerikanerinnen, die das Konzert genossen hatten, ihr Interesse bei unserer Session mit Laura dabei zu sein. Dagegen hatte ich rein gar nichts einzuwenden, denn wir sind immer offen für neue Gesichter.

Und dann war er gekommen, der große Tag! Ausnahmsweise hatte ich gut geschlafen, eine Seltenheit in der Nacht vor der Session. Ich tätigte letzte Einkäufe, checkte E-mails der potentiellen Gäste und ging eine Runde im Park spazieren, um den Kopf freizubekommen. Meine Frau schmierte unterdessen fleißig Sandwiches. Ohne sie könnte ich die Sessions nie und nimmer stemmen, ihr gebührt ein ganz großes Lob.

Gegen 16 Uhr rief mich Reza an und fragte, ob er seinen Verstärker mitbringen solle. Ich bejahte, denn es ist immer sicherer, wenn die Künstler mit ihrem eigenen Material ankommen. Wir haben zwar einen geliehenen Verstärker von Marshall, aber mit dem gab es auch schon das ein oder andere Problem. Reza erwies sich als wahrer Gentleman, er schleppte auch ein Mikro an, das Laura Gibson später benutzen durfte und borgte zudem Micah von Musée Mécanique seine Gitarre. Ohnehin eine enorm angenehme Erscheinung, dieser Reza Hatami. Im Alter von zwölf Jahren kam er mit seinen Eltern aus dem Iran nach Frankreich und spricht inzwischen akzentfrei französisch. In einem seiner schönsten und berührendsten Lieder, der Ballade Rain, geht es um seine Familie und ich bin immer sehr gerührt, wenn er textlich fragt: "Do you think they were happy, before they left their country?"

Aber vor seinem Set warteten wir erst einmal bis genügend Leute eintröpfelten. Ich mache immer drei Kreuze, wenn ich sehe, das ausreichend Gäste zusammenkommen, denn man kann sich nie sicher sein, daß auch alle erscheinen, die schriftlich zugesagt haben. Letztendlich waren wir 34, darunter so einige Amerikaner. Eine erfreuliche Resonanz!

Und dann schickte ich den guten Reza in den Ring. Ein paar Sätze zur Vorstellung, ein kurzes Dankeschön fürs Kommen und log ging es. Und zwar ganz schön laut. Reza hatte aus Angst, man könne ihn hinten nicht verstehen, den Verstärker viel zu stark aufgedreht und spielte das erste Lied mit einer Dezibelzahl, mit der man einen Saal für 500 Leute hätte beschallen können! Aber solche kleinen Pannen nehmen wir bei uns ganz sportlich, denn gerade das macht den Charme der Sessions aus. Ab dem zweiten Lied war der Sound dann auch perfekt und höchstens das Miauen unserer dicken Katze störte ab und an den wundervollen Vortrag von Reza. Wer den Singer - Songwriter nicht kennt, muss wissen, daß er normalerweise mit einer vierköpfigen Band (inklusive Kontrabass) unterwegs ist und teilweise richtig rockig werden kann. Hier und heute aber verließ er sich auf das Zusammenspiel von Stimme und Akustikgitarre. Und dieses Zusammenspiel klappte ganz hervorragend, denn Reza hat eine famose Baritonstimme und ein höchst elegantes und schnelles Gitarrenspiel in die Waagschale zu werfen. Zu Beginn zitterte seine Stimme zwar ein wenig vor Aufregung, dann aber wurde sie von Stück zu Stück sicherer und fester. Reza bekundete, daß er es ein wenig einschüchternd finde, so nah vor den Zuhörern zu spielen, das seien schon ganz besondere Bedingungen in einem Appartment. Und das stimmte natürlich, denn jeder guckt dir ganz genau auf die Finger, bemerkt jeden noch so kleinen Schnitzer und hört Dir hochaufmerksam zu. Eine Ruhe wie in unserer Wohung während einer Session, herrscht bei normalen Konzerten nie. Irritiert fragte Reza deshalb ein paar mal nach, ob bei den Gästen auch alles in Ordnung sei, sie seien so unglaublich leise.

Wobei sich das leise sein auf die Zeit während des Vortrages der Songs bezog. Nach jedem Lied brandete hingegen oft ein sehr lautstarker Beifall auf, der den Franzosen sichtlich beflügelte und auch rührte. Er dankte es dem Publikum mit einigen Perlen seines glänzenden zweiten Albums Moonless, darunter Child und The Letter. Das düstere, fast psychedelische The Flying Girl befindet sich allerdings schon auf der ersten EP des Musikers. Ich hätte ihm stundenlang zuhören können, aber er beendete sein Set bereits nach 35 Minuten mit Back Home. Stürmischer Applaus brandete auf und er versüßte uns den Abend dann noch mit einer gelungenen Coverversion des eigentlich absolut scheußlichen 80 er Jahre Klassikers The Final Countdown von Europe.

Unsere Gäste begannen nun, sich auf das Buffet zu stürzen und Bekanntschaft zu schließen. Wir haben inzwischen einige Stammgäste, aber mit jeder Session stoßen neue Gesichter hinzu. Ungemein bereichernd, auf diese Weise soziale Kontakte zu schließen und Leute aus allen möglichen Ländern kennenzulernen. Dass ich bei 35 Gästen nicht die Gelegenheit habe, mit jedem ausgiebig zu plaudern, sollte sich von selbst verstehen. Aber ich versuche dennoch, allen das (wahrhaft empfundene) Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Ein besonderes Anliegen ist mir die Betreuung der jeweiligen Künstler. Im konkreten Falle hatte Laura Gibson mich um einen Tee mit Honig gebeten, um ihre kränkelnde Stimme zu ölen. Ich hatte auch schon das Wasser aufgesetzt, aber völlig vergessen, es vom Herd zu nehmen. So sprudelte das Wasser fast 45 Minuten lang auf der Herdplatte vor sich hin, denn es stand bereits vor (!) dem Konzert von Reza da. Etwas betröpfelt schaute Laura auf den Topf, in dem nur eine Pfütze dümpelte, weil der Rest inzwischen verdunstet war. Ich entschuldigte mich mehrfach und setzte ihr neues Wasser auf. Peinlich! Aber sie reagierte unglaublich lieb und nahm mir das nicht übel. Dabei wollte ich doch alles tun, um sie einsatzfähig zu kriegen! Sogar ein Grippemedikament trieb ich auf und irgendwie bildete ich mir ein, daß das zumindest psychologisch geholfen haben mag, denn Laura spielte quasi beschwerdefrei durch und musste erst bei der Zugabe einmal kurz husten.

Aber es gab noch ein anderes Problem. Sean von Musée Mécanique brauchte für sein Minikeyboard 5 AA Batterien. Soviel hatte ich nicht im Hause! Mist! Was jetzt? Ich wollte unbedingt, daß er das Instrument einsetzen kann und fackelte nicht lange, stieß die Tür auf und eilte bei eisigen Temperaturen im T-Shirt zum nächsten arabischen Tante Emma Laden, um die Batterien aufzutreiben. Mit drei Päckchen unterm Arm kam ich wieder und Laura, Micah und Sean hatten schon alles aufgebaut und waren spielbereit. Sean steckte die Batterien in sein Keyboard und ich war in der glücklichen Situation ganz besondere musikalische Gäste ankündigen zu dürfen: "Listen everybody. I'm very glad to present you Laura Gibson and Micah and Sean from Musée Mécanique. For me it's like a dream come true to have Laura here, I can't believe it! They were touring all over Europe. They have played in Germany Holland, Switzerland, Holland, Belgium, Austria and in The UK. Today it's their last concert of the tour. So make yourself comfortable and let's start"

Laura trat ans Mikro und warnte schon einmal sicherheitshalber vor, daß sie erkältet und nicht bei Stimme sei. Aber diese Warnung war wie bereits erörtert unangebracht, sie sang ganz ausgezeichnet. Überhaupt ihre Stimme: so herrlich warm, betörend und mit einer jazzigen Note versehen, die ihr einen wunderbar altmodischen Charme verleiht. Als käme das Ganze von einem alten Grammofon, so in etwa klingt das bei Fräulein Gibson. Während ich diese Zeilen schreibe, läuft gerade die Tonbandaufnahme von diesem Konzert auf meinem Kopfhörer und ich bin wirklich sehr gerührt, wenn ich Laura singen höre. Ich bin nicht der Einzige, dem es so erging, ein paar unserer Gäste haben mir hinterher gestanden, daß sie mit Tränen in den Augen dem wundervollen Vortrage gelauscht hatten. Aber nicht nur Lauras tolle Stimme war erwähnenswert, sondern auch die brillante musikalische Begleitung durch Sean und Micah. Die beiden spielten auf engstem Raume so unglaublich gekonnt und perfekt getimt Melodica, Glockenspiel, Banjo, singende Säge und Keyboard, daß es mir den Atem verschlug. Laura alleine auf der Akustikgitarre wäre schon herrlich gewesen, aber mit den lieblichen Glöckchen, der einfühlsamen Melodica und der himmelhochjauchzenden Säge war das ganze noch eine Spur schöner und aufregender. Sensationell wie es die drei Musiker schafften, in einem Wohnzimmer die Lieder von Lauras Alben authentisch nachzuspielen!

Jeder einzelne Song war ein veritables Kleinod, so daß ich nicht sagen kann, ob mir der Opener Come By Storm, der schwungvolle Hit Hands In Pockets oder das von herrlichen Chorgesängen getragene O Frailty besser gefallen hat.

Aber es gab nicht nur die Lieder, die zur besonderen Atmosphäre beitrugen, sondern auch die vielen kleinen Anekdoten, Erläuterungen und Zwischenfälle. Laura erklärte beispielsweise, daß sie sehr ungeschickt sei und beim Stimmen ihrer Gitarre diese oft gegen einen Gegenstand haue ("I'm very glumsy"), während Micah zur gleichen Zeit versuchte, ein Fenster zu schließen. Da dieser Vorgang etwas länger dauerte, rief ich ihm auf englisch zu, daß er den Hebel nach oben ziehen müsse, was er ganz cool und trocken mit folgenden Worten konterte: "We have windows in America too, Oliver." Großes Gelächter, aber ich erwiderte frech: "Ja schon, aber nicht so alte, wie wir in Paris! " Da musste der Musiker herzhaft schmunzeln.

Dann sollte das Publikum mitmachen. Den dadada- Singalong zu dem walzerähnlichen Nightwatch bekamen vor allem die weiblichen Gästen super hin und unser Wohnzimmer wurde von einem improvisierten Sängerchor und der unglaublich laut vibrierenden singenden Säge beschallt. Laura schien zufrieden und erklärte, daß dieses Lied auf der Tour unterschiedlich funktionierte. Die Deutschen (mit Ausnahme der Berliner!) hätten das ganz toll hinbekommen, aber am besten sei es in kleinen deutschen Städten gelaufen. Kleine deutsche Städte? "Meinst Du München, rief ich leicht provokant herein und Micah erwiderte: "No, we mean very small towns."

Noch witziger in diesem Zusammenhang: die Schweizer hatten das Mitgesinge nach Lauras Meinung überhaupt nicht drauf gehabt. Aber sie wolle niemanden verletzen. "Ob denn Schweizer im Raume seien? Nein? Dann ist ja gut"...

In der Folge performte Laura drei Lieder ganz alleine. Beim Traditional All The Pretty Horses ( das sie als "sweet lullaby turns screepy cowboy song" bezeichnete) war ihre Stimme so pur, rein und nahegehend wie ich das nach ihrem Hustauftritt in der Flèche d'or nicht zu Träumen gewagt hätte. Traumhaft! Auch ihr Guitarpicking war sehr grazil, sie arbeitet viel mit ihrem langen Zeigefinger ,den sie gekonnt über die Nylonsaiten strich. Country Country hatte sie für ein Thaterstück geschrieben, was bei ihr alte Erinnerungen ans Tageslicht beförderte. Sie hätte eigentlich nie sonderlich viel Gück mit Theaterstücken gehabt, denn in der Highschool sollte sie den Gesangespart von Bye Bye Birdie übernehmen, war aber so nervös ("frozen" wie sie es plastisch ausdrückte), daß sie es verpatzte und bei der offiziellen Aufführung des Stückes an den Vorhang verbannt wurde! Dumm gelaufen! Dabei waren die anwesenden Eltern alle so stolz auf ihre Kinder und lobten sie in den höchsten Tönen ("Oh Johnny, I knew you were meant for the stage, oh Tina, it's your very special night", köstlich wie Laura die Lobhuldeleien der Eltern schilderte!), was Lauras Mutter dazu veranlasste, ein Schild hochzahlten, auf dem stand: "You do the courtains, Laura Gibson!"

Eine wahrlich amüsante Anekdote, auf die der traurige Funeral Song folgte, bevor Micah und Sean zurückkamen und gemeinsam das feine Stück Where Have All your Good Words Gone? performten, bei dem die Säge noch eimmal divenhaft laut aufheulte. Dann durften die Jungs, die unglaublich froh waren, daß mal jemand ihren Bandnamen richtig ausspricht, allein ran und Micah sang im Stile eine Guy Garvey (Elbow) die an Simon & Garfunkel erinnernde Balladee Things That I Know. Musée Mécanique sind brillant, ihr im Januar erscheinendes Album muss ich unbedingt haben!

Unterdesen war die Zeit für die letzten zwei Lieder von Laura angebrochen. Sie schoß mir Pfeile durchs Herz, als sie erklärte, daß es für sie das Schönste sei, die Tour mit einem Wohnzimmerkonzert zu beenden. Ich bekam eine Gänsehaut und rang um Fassung, hatte aber Glück, daß Laura nun mit viel Schmiss Spirited schmetterte, ein Song, der musikalisch eine Mischung aus Alela Dianes The Pirate's Gospel und Mushaboom von Feist darstellt.

Mit dem Elisabeth Cotten Cover Shake Sugaree endete dann nach über eine Stunde dieses wundervolle Konzert und ich hatte das Gefühl, mein Weihnachtsgeschenk schon am 12. Dezember bekommen zu haben.

Was für eine herrliche Session zum Abschluß des Jahres! Wow, wow, wow!

Aber wie sollen wir nun bloß dieses Niveau halten?

Reza magistrale! Laura Gibson époustouflante! Une soirée magique!

Setlist Laura Gibson, Oliver Peel Session # 14, Paris:

01: Come By Storm
02: Hands In Pockets
03: Postures bent
04: O Frailty
05: Nightwatch
06: All The Pretty Horses (Traditional)
07: Country, Country
08: Funeral Song
09: Where Have All Your Good Words Gone?
10: Things That I Know (Musée Mecanique)
11: Spirited
12: Shake Sugaree (Elizabeth Cotten)

Hier gibt es ein famoses Video von einem Auftritt in der Old Church in Portland. Laura Gibson performt Spirited.

Setlist Reza, Oliver Peel Session # 14, Paris (merci à Reza)

01: Desert Land
02: Waiting
03: Flying Girl
04: Rain
05: Child
06: Remake
07: The Letter
08: Back Home

09: The Final Countdown (Europe Cover)

Videos von dieser Oliver Peel Session von Uschi (danke, Uschi!):

- Laura Gibson - Hands In Pockets
- Laura Gibson - Come By Storm
- Laura Gibson - Where Have All Your Good Words Gone

Reza - Flying Girl
Reza - Rain
Reza- Save My Life

Exkurs:

- Musée Mécanique in einer charmanten Session von Le-hiboo.com (klick!) Sie performen Things That I Know im Restaurant der Flèche d'or. Auf verlinkter Seite von le-hiboo gibt es auch zwei sehr schöne Livevideos von Musée Mécanique. Nothing Glorious und Under Glass. Desweiteren auch drei feine Videos vom Auftritt von Laura Gibson in der Flèche d'or. Hands In Pockets, Come By Storm und Shadows on Parade.

Tres belles vidéos de Musée Mécanique et de Laura Gibson @ La Flèche d'or sur le hiboo. C'est par ici

Setlist Laura Gibson, La Flèche d'or, Paris:

01: Shadows On Parade
02: Hands In Pockets
03: Come By Storm
04: O Frailty/Postures Bent
05: Nightwatch
06: All The Pretty Horses (Traditional)
07: Conutry, Country
08: Where Have All Your Good Words Gone?
09: Sweet Deception
10: Spirited
11: Glory

12: Take This Waltz (Leonhard Cohen Cover)

Setlist Musée Mécanique, La Flèche d'or, Paris:

01: Two Friends Like Us
02: Under Glass
03: Nothing Glorious
04: Things That I Know
05: Somehow Bound
06: SleepingIn Other Clothes
07: Southern Road

Hier schreibt Eike, der Wayne Gretzky der Bloggerszene, über das Konzert von Laura Gibson in München.



 

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