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Mittwoch, 21. April 2010

Laura Gibson & Port O'Brien, Paris, 20.04.10

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Konzert: Laura Gibson & Port O'Brien

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 20.04.2010
Zuschauer: geschätzte 350
Konzertdauer: Laura Gibson etwa 45-50 Minuten, Port O Brien 75 Minuten


In Kurzform:

Laura Gibson: anmutig, elegant, sanft, leise, gefühlvoll, warmherzig, harmonisch, melancholisch

Port O'Brien: stürmisch, energisch, wild, berauschend, laut, draufgängerisch, hymnisch, erobernd

The Hillbilly Moon Explosion: was war das denn jetzt? Rockabilly? auf dem Gebiet kenne ich mich nicht aus, aber die tätowierten Frauen im Publikum standen tierisch da drauf...

Mehr Infos demnächst...

Setlist Laura Gibson, La Flèche d'or, Paris:

01: All The Pretty Horses
02: Come By Storm
03: Hands In Pockets
04: Postures Bent
05: O Frailty
06: Funeral Song
07: Where Have All Your Good Words Gone
08: Nightwatch
09: Sweet Deception
10: Spirited
11: Ghost Hill (Arbeitstitel)


Aus unserem Archiv:

Laura Gibson in einer Oliver Peel Session, Paris, 12.12.2009

Port O'Brien, Haldern, 14.08.09
Port O'Brien, Paris, 02.06.08




Mittwoch, 9. Dezember 2009

Port O'Brien, Wien, 05.12.09

1 Kommentare

Konzert: Port O’Brien
Ort: Flex, Wien
Datum: 05.12.2009
Zuschauer: fast ausverkauft, aber gerade nicht zu eng, etwa 400-500
Dauer: Frank Winter 40 Min, Port O’Brien 70 Min


von Julius aus Wien // Fotos: Nico Ostermann*

Viel zu tun hat die braune Suppe des Donaukanals, dieses schamlos begradigten und in ein enges Betonkorsett gezwungenen, ehemaligen Altarms des Danubius, nicht mit den klaren Bächen Alaskas, wo Van Pierszalowski seine Sommer verbrachte.

Allerdings kam Van auch nicht in den Genuss unberührter Landschaften mit Lagerfeuerromantik, wo die Lachse den Grizzlybären direkt ins Maul hüpfen, vielmehr schuftete er 100 Tage im Jahr auf dem Lachskutter seines Vaters. Aufstehen ist um halb drei angesagt, der weitere Arbeitstag kommt auf etwa 20 Stunden. Kein Wunder, dass ein junger Mann wie Van Pierszalowski alles andere als positiv dieser Arbeit gegenüber eingestellt ist. Und das Grau des Donaukanals dürfte jenes der riesigen Lagerhallen und der Docks auch ganz gut treffen.

All We Could Do Was Sing heißt das reguläre Debüt der Staatler. Mit „We“ gemeint ist neben Van selbst noch seine Freundin Cambria Goodwin, die in den Konservenfabriken ihren Lebensunterhalt erarbeitete. Vor vier Jahren begannen sie, an ersten Songs zu arbeiten, die auf mehreren EPs in wunderbarer Lo-Fi-Home-Recording-Ästhetik und schließlich auch auf einem ersten Album The Wind And The Swell landeten. Zur Sprache brachten die beiden vor allem das Leben zu See und an Land, das Leben für und gegen den Lachs. „I’m a fisherman’s son, that is what I’ll become.”

Kalt ist es übrigens in Alaska auch, zur Zeit hats leichte Minusgrade, so ist das im Winter eben. Und selten hat es eine bessere Überleitung gegeben, denn Frank Winter durfte als Ersatz für die ursprünglich als Support vorgesehenen First Aid Kit ran. Viel war durch kurze Recherche nicht über den guten Mann herauszufinden, doch scheint er ein in Bratislava lebender Nordengländer zu sein. Zudem ist Frank Winter ja nicht gerade der seltenste Namen unter der Sonne.

Das erste Mal sei er in Wien, meinte er zu Beginn, was etwas verwundert, sind die beiden Großstädte doch gerade mal 30 Minuten von einander entfernt. Musikalische Rohkost, raue Stimme begleitet von Akustikgitarre, wurde geboten, das Instrument kam nach jedem Song in den Genuss einer Saitenstimmung und offenbar einschlägig bewanderte Fans in der ersten Reihe bekamen auf Wunsch hin ältere Songs aus seinem Werk. Durchaus sehr hübsch alles, aber die First Aid Kit wären mir persönlich doch lieber gewesen. Punkt neun Uhr verabschiedete sich der Herr und machte Platz für Port O’Brien, die schon zwei Mal in Wien gewesen waren. Einmal nämlich als Support für Get Well Soon und einmal im Rahmen eines FM4-Überaschungskonzerts im Ostklub.

Mit hübscher, sichtlich warmer Pudelmütze über Haupt und Ohren machte sich Van ans Gitarrenstimmen, ein entschieden innovativer Ansatz freilich, aber über das zielführende Element dieser Technik darf gestritten werden.

Zehn Minuten kam er wieder heraus, diesmal hatte er die Ohrenklappen hochgestülpt, was zum Totlachen aussah, sein subjektives Hitzeempfinden aber nicht entschieden besserte. Hochrot war sein Gesicht, doch er war nicht das einzige Bandmitglied mit Kopfbedeckung. Bassist Ryan Stively versuchte sich an einem Zipfelmützen-/Schlapphuthybridmodell und Schlagzeuger Joshua Barnhart wagte sich an ein ganz schräges, grelles Modell, das sich auf einer Bad Taste-Party im 80er-Style sicher gut gemacht hätte. Nur der Keyboarder wagte sich oben ohne auf die Bühne.

Don’t take my advice stellt normalerweise den Opener an Abenden mit den Kaliforniern dar, so war es auch diesmal. Zuvor aber zückte Van eine handliche Digitalkamera und lichtete das Publikum ab. Er würde es auf Facebook stellen und versprach, jeden, der ihm seinen Namen Preis gäbe, auf dem Bild zu taggen. Zwei – vielleicht anachronistische – Fragen stellten sich mir hierbei. Zum einen kann ich den Hype und die stetig steigende Popularität von Facebook leider überhaupt nicht nachvollziehen, was finden Millionen daran? (aufklärende Antworten in den Kommentaren erwünscht!) Und wie weit ist es andererseits mit den Persönlichkeitsrechten gekommen, dass man ohne seinen Willen mühelos zig Fotos im Netz von sich finden kann? Etwas spießig vielleicht, aber ich hätte doch gerne, dass man mich vorher fragt, bevor man den Auslöser drückt. Auf dem Port O’Brien-Foto dürfte ich zwar nicht verewigt sein, aber ein paar hundert andere Konzertbesucher schon.

Van Pierszalowski jedenfalls sei kein Vorwurf gemacht, er muss ja mit tausenden Abbildern seinerseits leben, etwas beunruhigt es mich aber schon, wie leicht man jemandes Leben mitverfolgen könnte, wenn man nur wollte.

Nun gut, genug aus der Orwell’schen Ecke, mit der haben Port O’Brien wirklich wenig zu tun, dafür sind andere zuständig. Wenn schon, dann ist Port O’Briens Ecke die des Hemingway, um einen anderen Freiwilligen im Spanischen Bürgerkrieg zu bemühen.

Dieser ist aber auch schon wieder 70 Jahre her, also zurück zu den jüngeren Geschehnissen: Oslo Campfire, einer der schönsten Songs des neuen Albums, sorgte für ein erstes kleines Highlight, Van Pierszalowski akklimatisierte sich allmählich und stellte nach Sour Milk/Salt Water beinahe erleichtert fest, dass schon vier Songs dargeboten waren und entledigte sich kurzerhand seiner Mütze. Und da er den Fluss der Setlist schon mal unterbrochen hatte, bekundete er, wie gern er in Wien sei, immerhin seien sie ja nicht das erste Mal da und überhaupt schon zweieinhalb Jahre auf Tour.

Verschwitzte blonde Haare hatten sich übrigens unter seiner Wollmütze verborgen, blonde Haare, die sich mit dem Rest ihres Besitzers daran machten Fisherman’s Son zu performen, mein absoluter Lieblingssong vom ersten Album, wenn nicht sogar überhaupt mein liebster von ihnen. Wenn gepresste Zähne töten könnten, hätten schon längst einige Fischer ihr Leben gelassen, so aufgesetzt frustriert schleuderte Van den Refrain ins Publikum.

Weiter gings mit neuerem Material, von Threadbare nämlich, welches sich deutlich vom ersten Album unterscheidet, aber weiterhin Musik zum Liebhaben ist und einige hochinteressante neue Wege andeutet. Zu den bekannten heiteren, übermotivierten alten Krachern, die es auch auf Threadbare wieder gibt, gesellen sich düsterere und melancholische Nummern. Zu tun hat das wohl mit dem Tod von Cambria Goodwins jüngerem Bruder. Sie selbst war an jenem Abend wie auch an den vorangegangenen der Europatour nicht zugegen und ging merklich ab.

Eine Lücke ist aber da, um geschlossen zu werden und so bat Van das willige Publikum auf die Bühne, um der Band bei I Woke Up Today zu helfen. Schlüsselrasseln, Bechertrommeln, Füßestampfen…alles was Krach macht eben sei erlaubt. Und dann natürlich das obligatorische „ahahahaha“, welches lautstark von allen intoniert wurde. Beinahe am lautesten von allen Europakonzerten, meinte Van, aber es sei dahin gestellt, ob das nicht doch nur eine typische Floskel war.

Will You Be There? war der erste Song von zweien im Zugabenblock und diese Frage kann ich mit Ja beantworten. Ich werde sie mir wieder gerne anschauen, auch wenn sie an diesem Abend etwas müde wirkten und alles routiniert wirkten. Hochsympathisch und unterhaltsam sind sie dennoch und auch wenn man nicht wirklich das Gefühl hatte, auf einem Konzert des Jahres gewesen zu sein, war es ein schöner, kurzweiliger und Erwartungen erfüllender Abend. Ein Abend, den auch Port O’Brien noch gern länger in Wien verbracht hätten, wenn sie nicht schon nach Zürich hätten weiterreisen müssen. Ein wenig Zeit, um sich über den auf ihr Konzert folgenden Electroclub im Flex lustig zu machen, fand er dennoch…

Aja: Ich weiß zwar (wie Christoph) auch nicht, ob es jetzt O’Brian oder O’Briiiien ausgesprochen wird, jedenfalls wird es nicht Port O’Brian geschrieben – wie fälschlicherweise auf viele Eintrittskarten gedruckt. Aber seitdem eine – normalerweise qualitativ hochwertige – österreichische Tageszeitung Depeche Mode kurzerhand in die Depeche Stones verwandelte, kann ich auch mit so was leben. Und am Freitag geh ich dann zum Julian Bounty, äh Plenty...

Setlist Port O'Brien, Flex, Wien:

01: Don’t Take My Advice
02: Oslo Campfire
03: Sour Milk/Salt Water
04: Treebones
05: Fisherman’ Son
06: Love Me Through
07: Calm Me Down
08: Is This Really What It’s Come To
09: Leap Year
10: Stuck On A Boat
11: My Will is Good
12: I Woke Up Today

13: Will You Be There (Z)
14: Close The Lid (Z)

Links:

- Port O'Brien, Köln, 01.12.09
- Port O'Brien, Haldern, 14.08.09
- Port O'Brien, Paris, 02.06.08


* vielen Dank für die hervorragenden Fotos!



Mittwoch, 2. Dezember 2009

Port O'Brien, Köln, 01.12.09

7 Kommentare

Konzert: Port O'Brien, Royal Bangs & First Aid Kit
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 01.12.2009
Zuschauer: sicher 3/4 voll
Dauer: Port O'Brien 65 min, Royal Bangs 35 min, First Aid Kit gut 30 min


Zwei Bands, die mir im Sommer auf Festivals große Freude gemacht haben, an einem Abend im Gebäude 9 waren entschieden zu attraktiv, um zu Hause zu bleiben. Also
ab in den liebsten Kölner Club, um neben Port O'Brien* und First Aid Kit auch noch Royal Bangs zu sehen, ein ambitioniertes Programm für einen Dienstagabend...

Auf First Aid Kit hatte ich mich nach deren tollen Auftritt bei der Wiesbadener Folklore besonders gefreut. Die beiden Schwestern Klara und Johanna Söderberg aus
einem Stockholmer Vorort sind nicht zufällig wegen eines youtube Videos, in dem sie die Fleet Foxes covern, bekannt geworden. Zum einen ist ihre Version des Tiger Mountain peasant songs ausgezeichnet, zum anderen hört man, daß Musik im Stile der Fleet Foxes die beiden Schwestern stark prägt und inspiriert. Ich war vorfreudig.

First Aid Kit begannen mit
In the morning, ihrem am meisten an die amerikanische Hippie-Band erinnernden Stück. Das Lied ist wundervoll, zündete heute bei mir allerdings gar nicht. Klara, die dunkelhaarige der beiden Schwestern, schien stimmlich nicht auf der Höhe zu sein. Ob sie erkältet war? Dazu kam, daß die Harmonie der beiden sonst so perfekt passenden Stimmen eine kleine Delle hatte. Stark war die nicht, es reichte aber, daß die Stimmen neben- und nicht miteinander klangen. Auch - und vielleicht war das die Ursache der leichten Mißklänge - waren beide für den Saal zu laut abgemischt. Es kippte alles ein wenig. Schade, schade, denn First Aid Kit leben sehr stark davon, daß der Gesang so wohl dosiert und passend ist.

Danach schickte Klara ihre blonde Schwester Johanna backstage, um Wasser zu holen. Keine große Szene, aber irgendwie bezeichnend für den Auftritt.

Die Rollen in der Band sind gut verteilt. Klara spielt Gitarre und singt einen größeren Anteil, während Johanna Keyboard und ab und an Autoharp spielt. Leider kam das spektakuläre Instrument heute nur einmal zum Einsatz. Es ist nämlich zu lustig, der jungen Schwedin beim Spiel dieser Zither-Art zuzusehen. Eigentlich stand die Musikerin die meiste Zeit ziemlich verhutzelt auf ihrer Bühnenseite, das Gesicht von vielen Haaren verdeckt und die Hände, wenn die nichts zu tun hatten, sofort in den Taschen der weiten Strickjacke verstaut. Aber die Autoharp umklammerte sie wie einen Schatz und entlockte ihr trotz enger Umarmung tolle Töne!

Irgendwie kam auch leider keine rechte Stimmung auf. Die beiden machen trotz der
Zither natürlich keine Mitgröhl-Musik, aber auch bei ihren Ansagen, Klaras Versuchen, ihrer schlechten Laune zum Trotz, mit uns zu reden, kam nichts zurück. "Das nächste Lied ist von einer Sängerin namens Buffy Sainte-Marie. Kennt ihr die?" - nichts - "Nicht Buffy die Vampirjägerin" - nichts...

Aber trotz allem bekam das Konzert noch die Kurve. Zum Fleet Foxes Cover stiegen die Söderberg Schwestern von der Bühne, baten uns, einen Kreis
um sie zu bilden und spielten mit zwei Gitarren und ohne Verstärkung. Ein sehr sehr schöner Moment!

Die beiden waren offensichtlich nicht in Bestform. Man ahnte aber sicher auch so, wie gut die Schwestern sein können. Mir hat es das nicht versaut, ich werde sie mir sicher wieder ansehen!

Setlist First Aid Kit, Gebäude 9, Köln:

01: In the morning
02: Our own pretty ways
03: You're not coming home tonight
04: Hard believer
05: Heavy storm
06:
Universal soldier (Buffy Sainte-Marie Cover)
07: I met up with the king
08: Tiger Mountain peasant song (Fleet Foxes Cover)

Danach folgte eine sagenhafte halbe Stunde! Den Namen Royal Bangs hatte ich bisher ein paarmal aufgeschnappt, aber noch keine Zeit gefunden, in ihre Musik reinzuhören. Aber - das predigen wir hier ja immer schon - neue Bands live kennen zu lernen, ist eine besonders empfehlenswerte, weil schonungslose Methode. Ich hatte wohl gar keine Vorstellung, was Royal Bang machen. Folkig sah ihr Bühnenaufbau nicht aus. Dabei hatte ich mit einem ruhigen Simon & Garfunkel-Abend gerechnet.

Hier standen jetzt aber reichlich laute Gitarren und ein mächtiger Keyboard-Turm in der
Mitte. Das Keyboard war allerdings nicht das dominierende Instrument, wichtiger waren die zwei (manchmal drei) Gitarren und das phänomenal gute Schlagzeug! Royal Bangs kommen aus Tennessee, dem schönsten US-Staat. Die Band besteht aus fünf Musikern, aus dem Sänger und Keyboarder Ryan Schaefer, den ich beim Aufbau noch für den Tourmanager oder Roadie gehalten habe, den beiden Gitarristen Brandon Biondo (mit sagenhaften Gesichtshaaren - lang leben die 70er!) und Sam Stratton, dem Bassisten Henry Gibson und Schlagzeuger Chris Rusk.

Ryans Stimme erinnerte mich manchmal an Robert Smith von The Cure, musikalisch stöbern Royal Bangs aber in einer anderen Ecke des Teichs; in der, in der sich sonst vielleicht British Sea Power oder
Modest Mouse rumtummeln - Arcade Fire in schnell, laut und ohne lustige Instrumente.

Vor allem die schmissigen Schlagzeugrhythmen machten den Auftritt der Knoxviller zu einem irre guten Erlebnis. Am besten wurde es, als Brandon seine Gitarre an Ryan
übergab und auf eine Standtrommel einschlug. Sagenhaft gut! Leider kann ich das keinem Lied mehr zuordnen, die Setlist entstammt nicht meinen Mitschriften, ich kannte ja noch nichts, sondern Brandons Gedächtnis.

Eine fabelhafte Band, die ich mir näher ansehen werde!

Setlist Royal Bangs, Gebäude 9, Köln:

01: Poison control
02: My car is haunted
03: Brainbow
04: War bells
05: Handcuff killa
06: Conquest II
07: Cat swallow
08: Tiny Prince of Keytar
09: Brother

Das lustige anders-als-meine-Vorstellung Spiel ging munter weiter. Als die Band die Bühne bestieg, waren da nur Männer, die aussahen, als wären sie gerade von einem Kabeljau-Kutter gestiegen. Cambria Holmes, die Gitarristin und Banjospielerin, die in Haldern noch dabei war, fehlte. Und als wäre sie das ruhige Element der (Live-)band gewesen, kamen mir Port O'Brien viel lauter, direkter und rockiger als in Haldern vor. Den Kaliforniern (sie betonten mehrfach aus der Bay area - wie wichtig manchmal doch so ein fehlendes n sein kann - bei San Francisco zu kommen) tat offensichtlich der Umzug von der Festivalbühne in den engeren Club gut, der entgegengesetzte First Aid Kit Effekt.

Es fing zwar mit
Don't take my advice gleich gut, aber noch vergleichsweise harmlos an. Das änderte sich beim fabelhaften Oslo campfire, denn da tickte Sänger Van Pierszalowski richtig durch. Er stürmte am Ende aufs Schlagzeug zu, lief da praktisch rein und trat ordentlich in die Zubehörtasche!

Es ist vollkommen unnötig Lieder hervorzuheben, da die Band ein gleichbleibend
hohes Niveau hielt. Und sie hatten Spaß! Ein kleines Beispiel... bei den kleinen Gitarrenstimm-Klimpereien vor Fisherman's son jubelten schon Leute im Publikum. Van Pierszalowski und den Keyboarder, der aussah, als hätte er er schon manchen Thunfisch eigenhändig aus dem Ozean gezogen, amüsierte das sehr. "Sie erkennen das schon!?"

Obwohl ich hundskaputt war, ging das alles viel zu schnell vorbei. Irgendwann (naja, bei My will is good, um genau zu sein), kam der Royal Bangs Schlagzeuger zum Extratrommeln auf die Bühne. Bei nächsten Stück, dem letzten vor den Zugaben, wurde das Spektakel noch größer. "Wir wollen, daß ein paar Leute nach oben auf die Bühne kommen! Die Frauen, die eben so getanzt haben..." Dazu sollte auch der Rest von Royal Bang als
Unterstützung hochkommen, die hörten aber die Rufe erst nicht und waren nicht aufzutreiben. Als sie gefunden waren, standen neben dem "normalen" Schlagzeuger vier Musiker um einige Toms und prügelten auf die ein. Wir Zuschauer sollten mit Flaschen, Schlüsseln und anderen Krachmacher mitmachen. Toll war es!

Danach kamen noch einige Kostproben der aufgeschnappten deutschen Satzfetzen und zwei fabelhafte Zugaben,
Stuck on a boat und Close the lid. Daß es so gut würde, hatte ich wirklich nicht erwartet. Aber damit war ich heute ja eh nicht besonders gut! Auch wenn Royal Bangs schon klasse waren, Port O'Brien waren unschlagbar!

Meine Lieblingszene war sehr unscheinbar aber köstlich: nach einem Stück, bei dem der Keyboarder und der Bassist zwei verschiedene Rasseln hatten, tauschten sie die für das nächste Lied...

Und zu gewinnen gibt es auch etwas von diesem Konzert:
Van Pierszalowski, der wie er mir mit einem "sure!" bestätigte, Fischer ist, hat das für unser Gewinnspiel signiert:













Setlist Port O'Brien, Gebäude 9, Köln:

01: Don't take my advice
02: Oslo campfire
03: Sour milk / salt water
04: Tree bones
05: Fisherman's son
06: Love me trough
07: Calm me down
08: Is this really what it's come to
09: Leap year
10: My will is good
11: I woke up today

12: Stuck on a boat (Z)
13: Close the lid (Z)



* von denen ich immer noch nicht weiß, ob sie jetzt Port O'Brian oder Port O'Briiiin ausgesprochen werden



Freitag, 14. August 2009

Port O 'Brien, Haldern Pop Festival, 15.08.09

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Konzert: Port O'Brien

Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals
Datum: 14.08.2009
Zuschauer: ziemlich viele
Konzertdauer: ca. 45-50 Minuten


Mitreißende Indie-Kapellen, die in den Mittagsstunden auf der Hauptbühne schwungvollen und euphorisienden Rock mit leicht melancholischer Note abliefern, haben in Haldern ja schon Tradition. Vor zwei Jahre begeisterten an gleicher Stelle die flotten Schweden von Friskja Viljor, im letzten Jahr sorgten dann die Amis von Okkervil River für Adrenalinstöße en masse.

2009 übernahmen Port O'Brien diese Rolle. Unter einem strahlend blauen Himmel lieferten sie wahrlich traumhafte Hymnen, die vermutlich auf langen Kutterfahrten in Alaska entstanden sind, denn bekanntlich ist der blonde Sänger und Gitarrist Van Pierszalowski im Haupt- (oder inzwischen nur noch Neben?) Beruf Fischer. Ein echter Naturbursche also, der auch auf der Bühne temperamentvoll und stimmgewaltig zu Werke geht. Neben ihm stach besonders die dunkelgelockte Banjospielerin und Gitarristin Cambria Holmes ins Auge und die teilt nicht nur die Bühne, sondern auch das Leben mit ihm. Allerdings agierte sie eher dezent und zurückgenommen, obwohl sie vor ein paar Jahren mit ihrem Freund die Band, die inzwischen 5 Livemitglieder zählt, gegründet hatte. Scheinbar wird es für Musiker immer attraktiver mit Port O'Brien zu spielen, denn heute gehörte zu meiner Überraschung auch Two Gallants Schlagzeuger Tyson Vogel zum Line-Up. Unverkennbar sein wildes Schlagzeugspiel, bei dem seine lange Mähne wie bei einem Headbanger vor und zurück wirbelt und der Schweiß nur so tropft. Mit seiner ursprünglichen Band hatte ich ihn bereits vor 2 Jahren im Spiegelzelt in Haldern gesehen und man kann der Musikpresse entnehmen, daß mit den Two Gallants für ihn wohl Schluß ist. Schade, aber wir trösten uns ja ganz wunderbar mit Port O'Brien, die eine Mischung aus Songs von ihrem Album All We Could Do Was Sing (bei uns 2008 erschienen) und ihrem nagelneuen, noch nicht veröffentlichten Werk performten. Ein markanter Song davon war Oslo Campfire und der machte schon mal gehörig neugierig auf den bald erscheinenden Hörstoff. Ansonsten kannte man natürlich eher Sachen von All We Could Do Was Sing, wie zum Beispiel das betörende Fisherman's Son, bei dem es textlich heißt: "I'm doing fine in Alaska, I don't mind the storm"... Beginnend als eine Ballade, entwicklete die Nummer gegen Ende hin so richtig Schwung und Druck und ließ nicht nur mich vergnügt mitwippen.

Das Beste hatten sich die Amis aber für den Schluß aufgehoben. Mit dem wunderbar indierockigen Close The Lid (Text: I'm not afraid to die as long as I am by your side") und dem unwiderstehlichen Singlehit I Woke Up Today wurde das Konzert mit Rasse und Klasse beendet.

Gut!!

Setlist Port O'Brien Haldern Pop Festival 2009:

01: Don't Take My Advice
02: Tree Bone
03: Sour Milk/Salt Water
04: Oslo Campfire
05: Fisherman's Son
06: The Rooftop Song
07: High Without The Hope
08: My Will Is Good
09: Close The Lid
10: I Woke Up Today




Dienstag, 3. Juni 2008

Fleet Foxes, Paris, 02.06.08

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Konzert: Fleet Foxes
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 02.06.2008
Zuschauer: 400-500
Konzertdauer: knapp 40 Minuten


Ach menno!! Können sich die Veranstalter in der Flèche d'or nicht mal an die Zeitpläne halten, die sie vorher im Internet veröffentlichen? Regelmässig passiert es nämlich, dass die Reihenfolge innerhalb der angesetzten Bands (oft bis zu vier) in letzter Minute über den Haufen geworfen wird.

Mit meinen Lieblingen von Beach House rechnete ich eigentlich erst gegen 23 Uhr, sie waren an vierter Stelle erwähnt. Als ich gegen 22 Uhr abgehetzt in dem überfüllten Laden ankam, waren die Dream Popper aber schon durch mit ihrem Programm. Mir blieb nur noch der sehnsüchtige Blick auf den verschlossenen roten Vorhang und die tröstenden Worte meines Freundes Philippe: "Oliver, Du hast sie doch erst neulich als Vorgruppe von Scout Niblett gesehen, ist doch nicht so schlimm!" Hach, er hatte gut reden, er war ja pünktlich da und hatte sogar schon ein kleines Konzert der Born Ruffians im Truskel hinter sich, das um 18 Uhr 30 begonnen hatte. Auf Gratisbasis wurde in Paris also wieder einmal musikalisch so einiges geboten!

Und das hervorragende Line-Up des heutigen Abends zog natürlich etliche Kenner, Dauerkonzertgänger, Musikjournalisten und Musiker an, die alle bei der Veranstaltung des glänzenden Labels Cooperative dabei sein wollten, das auch Künstler von Bella Union beherbergt. Bella Union macht seinem Namen alle Ehre, da sind nämlich einige Schönheiten vertreten. Schon allein für die famose Band Midlake würde ich gerne persönlich den Laden mein Eigen nennen!

Wer war also heute unter den zahlreichen Besuchern? Nun, zunächst schon einmal viele Freunde und Bekannte von mir, aber auch prominente Musiker. Der hervorragende Schwede Peter von Poehl, Neuzugang bei Bella Union, war z.B. Gast. Aber auch Ex-Posies Sänger und Neupariser Ken Stringfellow wurde gesichtet, darüber hinaus Dorothée von The Rodeo, ihre Kollegin von Hopper, Mitglieder von Housse de Racket, den Shades und schliesslich Faustine, die Drummerin von Koko von Napoo und zudem gefürchtete Kritikerin beim Magazin Magic. Sie erzählte mir von einem guten Auftritt von Beach House, der jedoch ein wenig von Tonproblemen gestört wurde. Allerdings war sie auch gekommen, um die Fleet Foxes zu interviewen. Gerne hätte ich diesen Job für sie übernommen, aber vielleicht bekommen wir vom Konzerttagebuch ja in Haldern einmal die Chance, die aufstrebenden Amis mit Fragen zu löchern...

Bevor die Fleet Foxes an der Reihe waren, traten aber zunächst Port O'Brien aus Kalifornien auf. Und die mehrköpfige Band, in der neben Sänger und Gitarrist Van Pierszalowski auch eine fesche brünette Lady Banjo und Mandoline spielte, war wirklich gut. Eine tolle Entdeckung also und wenn man sich ansieht, mit wem die Aufsteiger dieses Jahr so auf Tour sind, erahnt man schon, dass die klasse sein müssen! Wer darf schon solch exquisite Acts wie Vetiver, die Silver Jews, die Fleet Foxes, die Dodos, Bon Iver und Frank Black supporten? Eben! Also unbedingt den begeisternden Indie-Folk von Port O' Brien entdecken und wie die Leute heute in der Flèche d'or zu Hits wie "I Woke Up Today" mitwippen! Glänzend!!

Danach fieberten alle dem Auftritt der Fleet Foxes aus Seattle entgegen, die Flèche d'or war nach wie vor knackig voll und man stand dicht an dicht. Zur Abkühlung brachte mir ein Bekannter eine Cola mit, die der vor mir stehende Fotograf prompt aus Versehen umkippte. 5 Euro waren nutzlos auf den Boden geflossen, aber von solchen Kleinigkeiten liess ich mich jetzt nicht mehr ablenken.

Der Vorhang ging auf und die fünfköpfige Band faszinierte sofort mit herrlichen, a-cappela vorgetragenen Chorgesängen. "What a life I lead in the summer, what a life I lead In The Spring" drang es aus den weitaufgerissenen Mündern des Bassisten und des verwuschelten Sängers mit dem Zottelbart und der Mütze. Fast pastoral mutete der glänzende Opener "Sun Giant" von der gleichnamigen EP an. Ein Auftakt nach Mass also und das trotz meiner trockenern Kehle und der unangenehmen Enge.

Das nächste Stück ("Drops In The River") wurde schon an den ersten zarten Gitarrenklängen erkannt, da im Publikum auch einige Amerikaner waren,
die die Fleet Foxes wahrscheinlich schon einmal in ihrer Heimat gesehen hatten. Ganz verwunschen und träumerisch begann es und in die reduzierten Klänge mischten sich immer lauter werdend die Ohuohu- Chöre, die dann in die ersten Strophen mündeten. Der Song wurde immer lauter und forscher und die Instrumentierung üppiger und satter, es war ein Genuss! Die Atmosphäre war dicht und knisternd, genau wie sie sein soll. Teilweise hatte das Lied klassische Folk-Rock Strukturen, die aber immer wieder durch kurze Brüche und Tempowechsel durchkreuzt wurden, so dass eine interessante Mischung aus Tradition und Moderne entstand. Die Stimme von Sänger Robin Pecknold war aussergewöhlich und erinnerte mich irgendwie an Jim James von My Morning Jacket, was ja wahrlich keine schlechte Referenz ist.

Die Fleet Foxes selbst lobten aber lieber andere über den grünen Klee, genauer gesagt ihre Labelkollegen und Tourpartner Beach House. "They are the best band in America right now!", wiederholte vor allem der rothaarige Bassist mehrfach.

Beach House sind die beste amerikanische Band zur Zeit? Stimmt das wirklich?
Sind das nicht die Fleet Foxes selbst? Das Songmaterial um diesen Titel zumindest für 2008 zu beanspruchen, hätten die Kerle durchaus! Man höre sich doch nur einmal das leicht an Grizzly Bear erinnernde "English House" an! Wunderbar hier erneut die Chöre zu Beginn, die hochmelodischen kurzen Gitarrenriffs, das trippelnde Schlagzeug, das Zusammenspiel der Band, einfach alles! "Oho, my love" sang Robin, bevor wieder die Band einsetzte und losstürmte.

Bei der "White Winter Hymnal" erreichte meine Laune ihren Höhepunkt, dieser Ohrwurm ist jetzt schon einer der besten Songs des Jahres 2008!

Dazu könnte sich aber auch problemlos das nachfolgende "Your Protector" gesellen, bei dem Pecknold seine überragenden stimmlichen Fähigkeiten perfekt ausspielen konnte. Mit solchen Killersongs kommen sie bedrohlich nahe an die beste amerikanische Folkrock- Band der letzten Jahre, die Band Of Horses, heran.

Das nachfolgende von Pecknold solo vorgetragene "Oliver James" konnte da nicht ganz mithalten, unterstrich aber die Ähnlichkeit der sensationellen Stimmen von Robin und Jim "My Morning Jacket" James (selbstverständlich könnte man in diesem Zusammenhang auch Ben "Band Of Horses" Bridwell nennen).

Danach trat die komplette Band wieder hinzu und schmetterte schwungvoll das treibende und begeisternde "Mykonos",
das von einer wunderbaren Melodie und einer zarten Melancholie durchzogen wurde. Und den Abschluss bildete ein weiterer Knüller, nämlich "Blue Ridge Mountains", bei dem die Mandolinen und Gitarren auf das Schönste durch das Lied hüpften.

In lediglich 38 Minuten hatten die Fleet Foxes eindrucksvoll bewiesen, warum sie zu den besten Bands des Jahres 2008 gehören. Auf ihren Auftritt beim Haldern Festival freue ich mich riesig!

Und wer das Glück hat, in Hamburg oder Berlin zu wohnen, kommt am 4. Juni im Knust und am 5. Juni im Café Zapata schon früh in den Genuss der wunderbaren Songs der Amerikaner.

Setlist Fleet Foxes, Flèche d'or, Paris:

01: Sun Giant
02: Drops In The River
03: English House
04: White Winter Hymnal
05: Your Protector
06: Oliver James (solo)
07: Mykonos
08: Blue Ridge Mountains

Links:

- das schreibt Bloggerfreund Eike über die Fleet Foxes. Unbedingt lesen!
- Livemitschnitt aus dem Pariser Point FMR von English House




 

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