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Donnerstag, 23. Mai 2024

Spiritualized - Fuzz Club Festival - Eindhoven - 04.05.2024

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Konzert: Fuzz Club Festival
Ort: Effenaar/Eindhoven
Datum: 04.05.2024
Dauer: 90 min.
Zuschauer: ca. 1200


Lieblingsbands sind ja immer schwer zu erklären. Besonders wenn sie unter dem Radar bleiben und einiger Erklärungen bedürfen. Spiritualized begleiten mich schon eine Ewigkeit. Große Hallen konnten sie nie füllen. Ich fühle mich in dem Sound aus krachenden Gitarrenwänden, souligem Gospel und mehrdeutigen Texten so wohl, das ich niemals ein Konzert auslassen würde, welches auch nur in einigermassen erreichbarer Nähe stattfindet.   

Glücklicherweise richtet das tolle Fuzz Club Label auch dieses Jahr wieder sein eigenes, kleines Festival im schönen Effenaar zu Eindhoven aus. Eine dieser niederländischen Kulturstätten, die mit mehreren Sälen und toller Infrastruktur zu Recht als Pop-Tempel bezeichnet werden können. 

Aus Zeitgründen wurde leider das übrige Programm vernachlässigt. Und so kann und soll hier auch leider nur über den Headliner berichtet werden, sehr untypisch für unser Konzerttagebuch.

Jason Pierce, Kopf und Mastermind hinter Spiritualized ist kein Showman. Seit Jahren sitzt er mit Sonnenbrille am Rand der Bühne, vor sich seine Texte. Die Bühnenmitte bleibt leer.

Im Halbkreis formieren sich die anderen Bandmitglieder und, wie immer, drei Sängerinnen. Doch sobald das Konzert beginnt scheint die Bühne zu schweben. Direkt wird der "Wall of Sound" körperlich spürbar. Die Melodien fliegen durch den Raum, werden durch brachiale Gitarren wieder seziert und dann  durch den mehrstimmigen Gesang wieder verbunden.


Ein Konzert von Spiritualized ist ein Gottesdienst, im allerbesten Sinne. Aber es geht weniger um Schuld, mehr um Erlösung. Drogen, gescheiterte Beziehungen, Depressionen, das Leben hat viele Tiefpunkte zu bieten. Jason berichtet davon und verliert dabei niemals das Licht am Ende des Tunnels aus den Augen. 

Diese Musik ist zutiefst traurig und gleichmaßen so voller Hoffnung, Zuversicht und positiver Emotionalität. Eine Wolke aus Sound, ohne einen Anflug von "stardom". Es gibt keine Show, keine Ansprachen, keinen Blickkontakt. Lass dich fallen und diese Musik wird dich auffangen.


Über fehlende Songs zu lamentieren ist natürlich ebenfalls sinnlos. An diesem Abend gibt es keinen einzigen Song aus "Ladies and gentleman....", dafür aber immerhin eine eklektische Version von "Shine a light" und als Finale "So long you pretty thing". 

Aber es ist so, wie Neil Young immer sagt: "They all sound the same, it`s  one song". Diese Band ist magisch, nur leider sehen zu wenige Menschen diese Zauberer.


Dienstag, 29. Juli 2014

Eels, Eindhoven, 24.06.14

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Konzert: EELS und John Bramwell
Ort: Naked Song Festival  in Eindhoven
Datum: 24.06.2014
Zuschauer: etwa 1200 (ausverkauft)



Bericht und alle Bilder von Dirk - vielen Dank!
 
Die WM, tolles Wetter,  Urlaubs-und Festivalzeit, da bleibt wenig Muße für Konzertberichte. Trotzdem muss hier einer her, denn es war ein toller Abend. Unsere niederländischen Freunde erfreuen uns ja immer wieder mit tollen Konzerten an noch tolleren Orten und so gilt es diesmal vom Naked Song Festival zu berichten. Dies fand allerdings trotz sommerlichen Datums komplett im Muziekgebouw von Eindhoven statt.

Auf sieben zum Teil sehr kleinen Bühnen im Theater verteilt ging es um den „nackten“ Song, also spielten vornehmlich Singer-/Songwriter auf. Aus Zeitgründen musste ich leider auf die frühen Acts verzichten und kann daher nur von John Bramwell, dem Sänger von I am Kloot berichten Er trat alleine mit seiner Gitarre im kleinen Konzertsaal auftrat. Er bot einen Auftritt bei dem er Solonummern mit seinen alten I am Kloot Klassikern mixte, dazu gab es launige Pubgeschichten. Leider klang immer eine etwas depressive Grundstimmung durch, da er wohl einige Rückschläge als Solokünstler in den letzten Jahren hinnehmen musste, was der Stimmung nicht gerade zuträglich war. Insgesamt eine gute aber nicht packende Performance die von seiner immer noch einmaligen Stimme getragen wurde. Für mich also nur ein Vorprogramm für die einmaligen EELS, die in den Niederlanden und Belgien ja immer noch ein vergleichsweise riesiges Stammpublikum anziehen. 


Hier im Blog leider nie ausgiebig gewürdigt ist das Gesamtwerk von Herrn E Fremden kaum noch vermittelbar. Seit der ersten Tour vor fast 20 Jahren !! in ständig veränderter Besetzung und vor allem Liveumsetzung seines Outputs, verbinden mich so viele Erinnerungen und großartige Momente mit dieser Band wie mit kaum einer anderen. Bühnenstürmungen, Weihnachtsmänner und Clowns auf der Bühne, Bestuhlung im Luxor incl. damals noch undenkbarem Rauchverbot, Streichertour, Zugaben nach Bühnenabbau bei Saallicht, aber vor allem seine Songs in immer neuen, dem Setting angepassten Strukturen und die passenden Coverversionen machen E zu einem der letzten großen Künstler des Indierock.



Und so auch an diesem Abend. Diesmal steht mal wieder seit langer Zeit ein klassisches, bestuhltes Theaterkonzert an, doch wer normale, süße Streicher erwartet hatte liegt wieder mal falsch, denn das gab es ja schon einmal. Diesmal umgibt sich der Meister zwar mit den gleichen Musikern wie bei der letzten Tour, aber sowohl Instrumentierung als auch die Outfits und Songs haben sich wieder komplett verändert. Diesmal steht eine in graue Anzüge gewandelte US-Südstaatenband auf der Bühne, komplett mit E am alten wackligen Saloonpiano, einem Stehbass und der von E „Sadmachine“ getauften Pedalsteel. Es wird viel gelacht auf der Bühne, E ist großer Form, obwohl schon ca. 30 Konzerte hinter und weitere 30 vor Ihm liegen und obwohl er hier seine aktuelle, und wohl traurigste Platte seit Jahren präsentiert, aber so ist das halt bei den EELS.

Die heute (für diese Tour) ausgewählten Songs sind herrlich. Die Spielfreude und Perfektion umwerfend und das Publikum begeistert. Gitarre und Trompete spielen auf, die Sadmachine jault und das Glockenspiel gibt den Rest. Songs wie Last Stop: this town, Mistakes of My Youth,  Grace Kelly Blues klingen wie Juwelen, kein Ton verschenkt, auch keiner zuviel… Selten hat mich ein Konzert trotz seiner Perfektion so begeistert. Lebten frühere Touren von mehr Spontanität ist hier der Triangelanschlag die Erfüllung.



Vor den Zugaben läuft E durch den kompletten Saal und lässt sich wahllos von allen drücken, er braucht die „Hugs“ für sein geschundene Seele, sagt er. Dann noch die passenden Cover-Versionen, diesmal trifft es Elvis (kein Witz) und zwei hier unbekanntere Songs von Nilsson und Leigh Harline, die aber natürlich genau wie EELS Songs dargeboten werden. Das Ende ist leider etwas kurz, aber das ist wirklich das einzige was hier zu bemängeln wäre. Ein weiterer Meilenstein in E`s Tourgeschichte. Jedesmal denke ich:  „Was soll als nächstes noch kommen ?“ - und er wird es wieder schaffen alle  zu überraschen…  


Setlist:
01. Where I'm At
02. When You Wish Upon a Star (Leigh Harline cover)
03. The Morning
04. Parallels
05. Mansions of Los Feliz
06. My Timing Is Off
07. A Line in the Dirt
08. Where I'm From
09. It's a Motherfucker
10. Lockdown Hurricane
11. A Daisy Through Concrete
12. Grace Kelly Blues
13. Fresh Feeling
14. I Like Birds
15. My Beloved Monster
16. Gentlemen's Choice
17. Mistakes of My Youth (Wonderful, Glorious outro)
18. Where I'm Going

19. Last Stop: This Town (Z)
20. Can't Help Falling in Love (Elvis Presley cover) (Z)
21. Turn On Your Radio (Nilsson cover)  (Z)


Aus unserem Archiv:
Eels, Heerlen, 04.04.13
Eels, Heerlen, 20.06.11

I Am Kloot, Paris, 23.03.13
I Am Kloot, Dresden, 15.03.13
I Am Kloot, Rüsselsheim, 10.07.10
I Am Kloot, Köln, 28.03.10
I Am Kloot, Köln, 24.10.08
I Am Kloot, Köln, 26.07.08
I Am Kloot, Paris, 27.03.08




Dienstag, 25. Februar 2014

Cross-linx Festival, Eindhoven, 07.02.14

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Cross-linx Festival 2014
Ort: Muziekgebouw in Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer:19:00-1:00 Uhr
Zuschauer: etwa 1000



Ich bin mit klassischer Musik groß geworden und mit Avantgarde Musik des 20ten Jahrhunderts. Natürlich fasziniert mich das heute noch so wie früher, zumal ich mich in den Musiziergesten zu Hause fühle. Besonders interessant finde ich es jedoch, wenn die ohnehin künstlichen Grenzen zwischen heutiger und früherer Popmusik verwischt werden. Und wenn die klassischen Musiktempel einen anheimelnden Platz hergeben, einen wunderschönen Abend zu erleben. Insofern ist das Konzept von Cross-linx wie für mich ganz persönlich gemacht - ein wahr gewordener Traum!



Dieses Jahr trat hinzu, dass My brightest Diamond das Festival mitkuratiert hat. Deshalb stand fest, dass ich mir das unbedingt aus der Nähe ansehen würde. Es gab keine Frage, ob sich das lohnen würde, sondern nur, wieviel ich von den vielen Angeboten würde wahrnehmen können.



Auf der Seite der großen Pluspunkte stehen für mich die drei Knaller-Hauptkonzerte mit Ólafur Arnalds, José González und My brightest Diamond. Die Detroit Party Marching Band eine Bombe hintendran. Daneben Konzerte, die für sich genommen schon sehr gut waren, aber neben den genannten Knallern in der zweiten Reihe landeten. Dazu zu meinem Entzücken ein Festival wo die Künstler im Publikum zu finden waren und sichtlich Spaß hatten, wie z.B. hier bei Tim Fite:



Die offen gebliebenen Punkte auf meiner Wunschliste hinterher eigentlich alles Luxuxprobleme: Leider ist es mir aufgrund des zeitlichen Ablaufs nicht möglich gewesen auch nur eines der vielen angebotenen Konzerte im Music Mining Programm zu sehen. Besonders leid tat es mir um Spring Collective mit Shara Worden und um Lubomyr Melnyk. Ihn habe ich nur am Merchstand sitzen sehen und er erschien mir in dem ganzen Trubel nicht so besonders glücklich.  Außerdem war der Wechsel zwischen kleinem und großen Saal so, dass man nie das ganze Konzert miterleben konnte.



Ich werde wohl im kommenden Jahr deshalb einen Trick machen, der nur bei diesem Festival funktioniert und mir zwei Abende gönnen. Dann kann ich am zweiten Abend die großen Konzerte weglassen und die Edelsteine im Music Mining mit ausgraben.

Aus unserem Archiv:
Einladung zum Cross-linx 
Teil 1 mit Ólafur Arnalds und Douglas Dare
Teil 2 mit José González und Malvinia Meijer
Teil 3 mit My brightest diamond und Detroit Party Marching Band




My Brightest Diamond, Eindhoven, 07.02.14

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Cross-linx Festival 2014
  Teil 3 mit der Detroit Party Marching Band und My Brightest Diamond
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer: 20 min DPMB, 60 min MBD, 30 min DPMB
Zuschauer: etwa 400 


Ich war mir sicher gewesen, dass sich die Fahrt nach Eindhoven lohnen würde. Als ich nun auf den letzten Programmpunkt Shara Worden alias My Brightest Diamond wartete, war ich mir jedoch sehr bewusst, wie sehr ich auf diesem Festival schon beschenkt worden war - weit über alle meine hochgespannten Erwartungen hinaus. Ich schwamm auf einer Wolke des Glücks. 


Das Konzert von My Brightest Diamond würde in keinem der Säle stattfinden, sondern auf der Bühne im zweiten Foyer. Damit war diesmal ein Platz direkt vor der Bühne und ganz nah am Geschehen möglich (dafür im Stehen und nicht bequem im Konzertsaalsessel). Die Aufzeichnungen im Programm waren für mich etwas kryptisch. My Brightest Diamond würde mit DPMB spielen und ohne. Ich hatte mir das so übersetzt, dass sie von ihren klassischen Musikern begleitet werden würde und fand die Bühne diesen Erwartungen entsprechend vorgerichtet mit diversen Notenständern, einem Drumset rechts vorn und E-Bass rechts hinten. In dem Moment begann unweit ein rhythmisches Getöse von archaischer Blasmusik und ich fragte mich, wie hier gleich das Konzert mit der zarten Musik bestehen sollte. Noch während ich darüber leicht unruhig wurde, setzte sich aber die Musik in Bewegung und kam vom ersten Geschoss direkt vor die Bühne von Shara Worden marschiert und DPMB erwies sich als Abkürzung für die Detroit Party Marching Band


Was für eine Urgewalt des Spaßes sich da entlud! Die Band musste im spielen und marschieren den Platz vor der Bühne räumen, wo sich ja schon Publikum versammelt hatte und machte das sehr freundlich und fast schon überfürsorglich. Auf der Bühne versammelten sich die Musiker: Ein Quintett von klassischen Blasinstrumenten, ein Schlagzeug und ein E-Bass umrahmten die zierliche Shara und übernahmen sozusagen den Staffelstab indem erst die Musiker auf der Bühne mit der Blasmusik einen Song mitspielten und -sangen und dann für das erste Stück von My Brightest Diamond noch die Bigband begleitete. Shara hatte für diesen Teil ein Kostüm wie ein Operettenhauptmann. Danach wurde der Platz vor der Bühne frei für die Zuhörer und das Konzert nur von den Musikern auf der Bühne fortgesetzt.


Fast alle Songs des regulären Sets waren für mich neu, wirklich toll und damit besonders beglückend. Material, was auf ein weiteres hochklassisches Album Hoffnung machte (für 2014 ist ja ein Release angekündigt). In der Setliste unten habe ich für die neugierigen ein paar Livemitschnitte des neuen Materials hinterlegt.


 

Zwischendurch luden mich mit Be brave, High low middle und Apples vertraute Songs ein, mitzusingen. Und es wurde immer wieder etwas im Kostüm variiert, um Bedeutung nicht nur über Text und Musik zu transportieren. Für Be brave hatte Shara eine Maske vorbereitet, für High low middle trug sie einen Schnurrbart. Und natürlich wurde getanzt!



Zwischendurch musste sie immer wieder in sich hineinschmunzeln - offensichtlich machte ihr das Konzert selbst auch viel Spaß. Schließlich ging ein ganz großes Dankeschön an die niederländische Kulturfördrung, die einen komplett verrückten Traum, nämlich 30 Leute mit Trommeln und Blasinstrumenten für vier Tage über den Teich zu holen, möglich gemacht hatte.



Und den coolste Schlagzeuger der Welt aus Deutschland organisiert hatte und den Mann am E-Bass und die Musiker und Musikerinnen vom Sinfonieorchester. Der Schlagzeuger rechts vorn am Bühnenrand hatte auch meine Aufmerksamkeit immer wieder gebunden. Er hatte eine Art sich zu bewegen, die man nur als elegant bezeichnen kann. Wenn man ein Kontinuum von Schlagzeugstilen aufspannen wollte, wäre Tier aus der Muppetshow am diametral entgegengesetzten Pol! Ein Hingucker und genussvoller Spieler.


Schließlich wurde die DPMB wieder dazugeholt (sozusagen statt Zugabe) und zog hinterher zurück ins Foyer auf der ersten Etage, wo sie noch etwa 30 Minuten alle, die noch da waren in Begeisterung zog. Ólafur Arnalds stand direkt neben mir im Publikum und war genauso fasziniert wie ich. Er schrieb nach den vier Tagen, dass dies seine Entdeckung des Cross-linx Festival gewesen wäre:


Für mich gab es nach dem Konzert noch ein kurzes Gespräch mit einer überglücklichen Shara und eine Umarmung, die mich ganz beglückt in die Nacht entließ. Was für ein Abend war hier zu Ende gegangen und was für eine tolle Frau ist diese Shara Worden!




Setlist: 
00: DPMB mit My Brightest Diamond
01: Pressure (with DPMB)
02: Before the words
03: This is my hand
04: Be brave (All things will unwind)
05: Lover Killer
06: I am not the bad guy
07: Looking at the sun
08: High low middle  (All things will unwind)
09: Apples (A thousand sharks teeth)
10: A Bronze head
11: Inside a boy (A thousand sharks teeth)


Aus unserem Archiv:
My Brightest Diamond, Straßburg, 30.03.12
My Brightest Diamond, Paris, 28.03.12
My Brightest Diamond, Berlin, 24.11.11
My Brightest Diamond, Haldern, 13.08.11
My Brightest Diamond, Paris, 07.10.08
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.08
My Brightest Diamond, Evreux, 27.06.08
My Brightest Diamond, Paris, 22.04.08
My Brightest Diamond, Paris, 02.10.07
My Brightest Diamond, Paris, 26.02.07


Einladung zum Cross-linx 
Teil 1 mit Ólafur Arnalds und Douglas Dare
Teil 2 mit José González und Malvinia Meijer



Sonntag, 23. Februar 2014

José González, Eindhoven, 07.02.2014

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Cross-linx Festival 2014
  Teil 2 mit Lavinia Meijer und José González
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer: knapp 40 min und 60 min
Zuschauer: etwa 400 und etwa 1000


You left a lovestain on my heart
 
Im zweiten Teil des Abends in Eindhoven stand für mich zunächst die Harfenistin Lavinia Meijer im kleinen Saal auf dem Programm. War es bei Douglas Dare noch nur locker gefüllt gewesen, war nun anscheinend das Publikum des Abends beisammen und der kleine Saal so gefüllt, dass auch Leute stehen blieben. Was aber in dem Saal rein gar nichts machte. Man konnte sich auch gut auf Treppen und Brüstungen setzen und hatte die Bühne trotzdem gut im Blick. Es war durchgängig eine aufmerksame Stille im Saal.



Lavinia stammt aus Korea und ist in einer niederländischen Familie aufgewachsen. Sie ist in der klassischen Musik eine preisgekrönte Künstlerin, aber mit ihrem randständigen Instrument immer auch am Rande der Genres. An diesem Abend hatte sie ein sehr interessantes Programm für uns vorbereitet. Als Verbeugung vor dem Künstlerkollegen hatte sie zwei Stücke von Ólafur Arnalds adaptiert - sie passen natürlich auch hervorragend in die romantische Harfenfarbe. Anschließend wurde es aber sehr schräg. Bei Cities change the songs of birds wurden Verwünschungen und andere verstörende Texte von am Rande der Gesellschaft lebenden eingespielt und mit der Harfenmusik beantwortet. Sehr packend und auch bedrückend.



Mit Metamorphosis durfte es dann wieder etwas versöhnlicher weitergehen und für Karma Police gab es ganz besonders viel Beifall. Ich fand die etwa 40 min sehr interessant und die Künstlerin machte einen sehr, sehr sympatischen Eindruck. Einige Male fiel ihr das Mikro nach einer 270 Grad Umlaufbahn von hinten in den Rücken und es gab ordentlich Gelächter von ihr selbst über ihre Ungeschicklichkeit.

Setlist:
1. Tomorrow's Song (Ólafur Arnalds)
2. Erla's Waltz (Ólafur Arnalds)
3. Cities change the songs of birds (
Jacob ter Veldhuis, 3 parts)
   Lying Piece of Shit, 
   From the time she was a baby, 
   That's it, your honour
4. Metamorphosis II & IV (Philip Glass)
5. Karma Police (Radiohead)



Anschließend war José González im großen Saal "dran". Der Saal war jetzt tatsächlich auch in den oberen Tribünen ziemlich auf die letzten Plätze gefüllt. Im Vorfeld hatte ich mich nicht sehr stark mit der Musik von José González auseinandergesetzt. Er hat eine gut wiedererkennbare Stimme mit einem ganz eigentümlichen Timbre und einer beruhigenden und warmen Ausstrahlung. Aber eigentlich erschien es mir in Summe zu einförmig und nicht interessant genug. Aber in einem so schönen Saal kann man ja einfach auch die Augen zumachen und sich überraschen lassen.



Und überrascht wurde ich auf mehreren Ebenen. Zunächst damit, dass er allein mit Gitarre die Bühne betrat (ich hatte orchestrale Begleitung erwartet) und dann damit, dass ich tatsächlich anschließend eine berauschende Konzertstunde erlebte. Ich lehnte mich innerlich zurück um mich ein bisschen auszuruhen und wurde von seiner Musik an die Hand genommen und war einfach nur restlos glücklich und entspannt. Nach einiger Zeit kamen zwei weitere Musiker auf die Bühne und klatschten erst vom Rand her den Takt zu Lovestain. Anschließend nahmen sie Plätze am Flügel und am Schlagzeug ein und begleiteten José González für den Rest des Programms (außer der Zugabe).


Für die zweite Hälfte kamen schließlich auch Orchestermusiker auf die Bühne und bestätigten meine anfängliche Erwartungshaltung. Natürlich fügte das auch neue Farben zur  Musik. In Stay alive könnte man schon fast Angst bekommen, nun sei es zu glatt und pop-affin, aber die Geigen machten keinen klebrigen Überzug, sondern setzten emotionale Glanzpunkte: Don't let the darkness eat you up. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch Teardrops. Angeregt sicher durch den Fakt, dass ich das Original von Massive Attack seit Jahren kenne und liebe, aber die Version hier auf der Bühne war auch ganz besonders packend.


Als Belege dafür gibt es auch einige Videoaufzeichnungen, von denen ich zwei hier einfügen möchte. Aber sehr, sehr eindrücklich in Erinnerung ist mir geblieben, wie dieser Mann nur mit seiner Gitarre in der Lage war, mich so zu verzaubern und einen Abdruck auf meinem Herzen zu hinterlassen ... und seine ganz eigene Technik, die Gitarre zu stimmen während perlende Akkorde erklingen.

 




Ein dritter Bericht wird sich noch meinem privaten Höhepunkt My brightest Diamond widmen!

Setlist José Gonzalez
(alle Titel vom Album Veneer, 2003, wenn nicht anders bezeichnet)

1: Deadweight on Velveteen
2: Hints
3: Crosses
4: Lovestain
5: neuer Song
6: Line of Fire (Junip)
7: Down the Line (*)
8: Stay Alive (Album: The Secret Life Of Walter Mitty)
9: Hand on Your Heart (Kylie Minogue cover)
10: Cycling Trivialities (*)

11: Teardrop (Massive Attack cover)
12: Heartbeats (The Knife cover)

13: Broken Arrows (Z)

(*) vom Album: In our nature

Konzertvorschau:
26. Februar 2014 Lavinia Meijer in Berlin @ Passionskirche
13. Mai 2014 Junip in Hamburg @ Elbphilharmonie

Aus unserem Archiv:
Junip, Paris, 05.06.10
Einladung zum Cross-linx 
Teil 1 mit Ólafur Arnalds und Douglas Dare


 

Freitag, 21. Februar 2014

Ólafur Arnalds, Eindhoven, 07.02.14

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Cross-linx Festival 2014
  Teil 1 mit Douglas Dare und Ólafur Arnalds
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer: mehr als 45 min und 60 min
Zuschauer: etwa 200 und etwa 1000

  
Der entscheidende Impuls zum Cross-linx zu fahren war mein Wunsch, My brightest Diamond live zu erleben. Hochwillkommene Draufgabe war, dass es an einem besonderen Ort ein ganz besonderer Abend werden würde. 

In zweiter Linie schaute ich auf das Konzert von Ólafur Arnalds mit gewisser Vorfreude. Wir sind Freunde, seit 2007 Die VISIONS mir seine Eulogy for Evolution empfahl, die sich seitdem noch nicht müde gelaufen hat. Ich weiß, dass mich die Liebe zu seiner Musik mit vielen Menschen verbindet, aber ich stehe doch noch immer etwas schämig in der Ecke, wenn ich darüber sprechen soll, was seine hochemotionalen Klavier- und Streicherklänge so diametral von dem unterscheidet, was als leichte Klassikkost in den Fahrstühlen und Hotellobbies dieser Welt bei mir Brechreiz auslöst. Immer nimmt mich seine Musik mit auf Entdeckungsreise und lässt mich nicht kalt. 


Überdies passierte es über die Zeit, dass der Künstler mir auch als Person sehr nah geworden ist - als Mensch, der mich in seiner Art, in der Welt zu sein, sehr interessiert. Er hat eine so geerdete Präsenz in Interviews oder wenn er seine Hörer in sein eigenes Wohnzimmer holt, um dort Musik zu machen und zu teilen. So typisch für die Künstler, die beim Label Erased Tapes zusammen arbeiten. Dabei ist er die letzten Jahre ständig um die ganze Welt getourt und hat auch mit Filmmusiken (zB. Hunger Games und Broadchurch) einige Aufmerker gesetzt und Preise gewonnen. Er ist im Business angekommen ohne für mich sichtbare Blessuren und Verfremdungen.


Schön, ihn nun endlich auch einmal live zu erleben und das so bequem in einem wunderschönen Raum sitzend, mit Garantie auf ein aufmerksames Publikum und in einer Besetzung, die noch ordentlich eins drauf setzen würde. Zunächst war aber alles ganz unspektakulär. Die Musiker - etwa 20 Streicher und Bläser der Philharmonie Zuidnederland
und seine Mitmusiker Björk Óskarsdóttir, Siun Milne, Karl Pestka and Hallgrímur Jensson kamen auf die Bühne mit dem Dirigenten Clark Rundell und Ólafur Arnalds begrüßte sein Publikum mit dem Wunsch, zwei Töne zu singen. Diese nahm er mit einem iPad auf, loopte und verwendete es für den ersten Song Þú ert sólin (Du bist die Sonne) vom Album ...and they have escaped the weight of darkness


Er selbst saß am Flügel, hatte aber stets das iPad griffbereit obenauf liegen und neben sich noch zwei Computer - einen für die eindrucksvollen Projektionen und einen weiteren für Soundschnipsel. Sehr virtuos setzte er Rhythmen ein, die zum Teil auch mit Lichteffekten gekoppelt waren. Die Dynamik war so, dass in den leisen Teilen sogar die Lüftung störend zu hören war und leider kamen in der ersten halben Stunde noch ständig trappelnd neue Zuhörer dazu. Das war doch sehr störend. Denn was uns von der Bühne her präsentiert wurde war unglaublich packend in den ganz leisen Passagen wie in den Ausbrüchen in Rhythmen und Licht.


Im Verlauf des Konzertes erklang mit Sudden Throw, Brim, This place was a shelter, Hands, be still, Only the winds viele Stücke vom aktuellen Album For now I am winter aber mit  Gleypa Okkur vom Album … and They Have Escaped the Weight of Darkness und 3326 vom Eulogie-Album gab es auch zwei weitere ältere Songs. In dem Moment, wo die Steigerung in 3326 fast nicht mehr zu ertragen war, setzte ein überirdisch schönes Geigensolo ein. Da blieb mir wirklich die Luft weg. Auch die Gewöhnung gerade an dieses so vertraute Stück konnte den Zauber des Momentes nicht dämpfen.



Und auch dies ließ sich noch steigern, indem Arnór Dan Arnarson (Sänger der Band Agent Fresco) den Songs  For now I am winter, A Stutter und Old skin (alle vom aktuellen Album For now I am winter) seine Stimme lieh. Einen kongeniale Ergänzung zu der sonst ja rein orchestralen Musik, die bei mir an dem Abend so ankam wie beim Schlusssatz von Beethovens neunter Symphonie, wo der Chor erklingt, weil die menschliche Stimme das Fass zum überlaufen bringen kann. 

Fast tänzelnd klang das Set mit  Near Light (Living room songs EP) aus und ließ mich mit dem Gefühl zurück, etwas einmaliges miterlebt zu haben. Ein rundum wunderbarer, wuchtiger Abend voller Emotionen und Glück. Und das war erst der Anfang.




Setlist Ólafur Arnalds:
1: Sudden Throw
2: Brim
3: This Place Was a Shelter
4: Hands, Be Still
5: Only the Winds
6: Gleypa Okkur
7: 3326
8: For Now I Am Winter (with Arnór Dan)
9: A Stutter (with Arnór Dan)
10: Words of Amber
11: Old Skin (with Arnór Dan)
12: Near Light 



Mein erstes Konzert des Abends war jedoch Douglas Dare gewesen. In der kleinen Bühne war er am Piano mit einem Mann am Schlagzeug aufgetreten. Über die ersten Stücke stahl ihm meiner Meinung nach sein Schlagzeuger eindeutig die Show (in der zweiten Hälfte des folgenden Videos sieht man wie ich das meine).



Ich fand sein Spiel faszinierend und filigran. Die Stimme von Douglas Dare ist weich und schmeichelnd und mit Caroline hatte er auch einen tollen Hit mitgebracht. Alles in allem war das Set deshalb ein sehr gelungener Auftakt des Abends für mich gewesen. Einzig schade war, dass ich das Konzert vorzeitig verlassen musste, um rechtzeitig bei Ólafur Arnalds sein zu können.



Konzertvorschau:
Ólafur Arnalds im Konzerthaus Dortmund am 23. März 2014



Aus unserem Archiv:
Einladung zum Cross-linx 
Douglas Dare und Ólafur Arnalds, Wiesbaden, 22.05.2013
Ólafur Arnalds, Köln, 11.08.2008




Montag, 21. Oktober 2013

Kraftwerk, Eindhoven, 18.10.13

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Konzert: Kraftwerk
Ort: Evoluon, Eindhoven
Datum: 18.10.2013
Dauer: 125 min
Zuschauer: ca. 1.000 (ausverkauft)



In Berichten über die Kraftwerk 3D Konzerte liest man immer wieder, daß die Band sich die Auftrittsorte selbst aussucht. In Düsseldorf bestand Ralf Hütter auf der Grabbehalle, obwohl es größere Räume gegeben hätte. Im Evoluon, so liest man, wollten Kraftwerk unbedingt spielen. Und als ich las, was sich hinter dem merkwürdigen Namen verbirgt, wollte ich sie dabei unbedingt ansehen. Obwohl ich mit dem Gesamtkatalog im Januar schon eine ganze Menge Abende mit Kraftwerk verbracht hatte...

Das Evoluon ist ein in den 60er Jahren im Auftrag von Philips gebautes Museumsgebäude, das wie eine gelandete fliegende Untertasse aussieht, so wie man sich die damals vorstellte. Eine Linse auf Stelzen. Im Inneren sind der Traktorstrahl und die Untersuchungsräume für die Entführungsopfer entfernt; die Untertasse besteht aus einem riesigen Foyer und mehreren in den oberen Bereichen rundlaufenden Galerien. Auf einer dieser Galerie war die Bühne aufgebaut, die Zuschauer standen auf der darunter und auf denen auf der anderen Seite des Rundbaus. Das - die 3D-Brillen und über uns eine wabenartige Dachkonstruktion - es wirkte alles wie ein Dokumentarfilm aus den 50er Jahren über das Jahr 2000.


Natürlich tauchte die Band nicht einfach aus einem Backstagebereich auf (den es hinter der Bühne auch gar nicht geben konnte). Irgendwann deutete großes Geraune von der gegenüberliegenden Empore darauf hin, daß etwas passiere. Einen Augenblick später kam der gläserne Röhrenaufzug mit den vier Musikern in unserem Stockwerk an. Mit ihren eng anliegenden linierten Taucheranzügen wirkte auch das, als entspringe es einen Science-Fiction Film.


Ich hatte einen Großteil des Gesamtwerks der Band (ab Autobahn) im Januar bereits gesehen, rechnete also nicht mit Überraschungen. Eine große, extrem liebevoll gemachte kam aber gleich im ersten Stück. Kraftwerk spielten Spacelab und zu den bekannten 3D Animationen im Hintergrund gab es eine Ergänzung. Irgendwann schwebte nämlich nicht nur die Raumstation durchs Bild, es flog auch das Evoluon, das UFO, in dem wir standen, durch die All-Landschaften. Später flog die Kamera auf die gelandete Untertasse zu, das Gebäude war endgültig ins Konzert integriert!


Auf Spacelab folgten zwei weitere Lieder von Mensch-Maschine: The robots und Metropolis. Von The Man-Machine ist richtiger, da alle Lieder (soweit vorhanden) in der englischen Version vorgetragen wurden. Auch das rundete mein Kraftwerk-Gesamterlebnis weiter ab, da bei den Katalog-Konzerten in Düsseldorf die deutschen Versionen gespielt wurden. Auch wenn alle Man-Machine Lieder auf der Setlist standen, war das Konzert anders gegliedert als die Abende in der Kunstsammlung NRW. Dies war ein echtes Best-Of ohne chronologische Sortierung. Zwar wurden Lieder, die zusammen gehören, blockweise gespielt (Computer world, Home computer, It's more fun to compute, Computer love - oder die Radioactivity-Stücke), in Düsseldorf wurden die Lieder im Best-Of-Teil des Abends aber Platte für Platte gespielt.

Auch waren einige Lied-Versionen anders. Autobahn war beispielsweise deutlich kürzer. Trotzdem war das Konzert noch ein Stück länger als die Anfang des Jahres, 125 Minuten! Und das, obwohl die vier Musiker nach einer kurzen Pause noch ein zweites Konzert spielen sollten. Wie wichtig Kraftwerk für die Musik der letzten 30, 40 Jahre gewesen sind, hätte die Band auch mit einem kürzeren Auftritt verdeutlichen können. Das einmalige Erlebnis, diese Band in solch einer Umgebung zu sehen, auch nach 80 Minuten Konzert hätte niemand gemotzt. Die Musiker um Ralf Hütter, der immerhin 67 Jahre alt ist, haben da aber offenbar (genau wie bei der Saalsuche) höhere Ansprüche. Noch ein zweiter Auftritt nachher? Na und? Wir spielen zwei Stunden!


Nach der Trilogie Boing boom tschak, Techno pop und Musique non-stop von Electric Café kamen Ralf Hütter, Fritz Hilpert, Henning Schmitz und Falk Grieffenhagen noch zu drei jüngeren Zugaben zurück. Um fünf nach neun endete das Konzert, achtzig Minuten später sollte das nächste beginnen.


Auch nach acht Konzerten im Januar hat Kraftwerk live keinen Deut Faszination eingebüßt. Wobei ich gestehen muß, daß in Eindhoven das Gebäude der Band ein wenig die Show stahl. 


Kraftwerk sind ein weltweites Kunstereignis, das hat die Band mit ihrer Konzertreihe im MoMa und in der Tate Modern bewiesen. Weltweite Kunstereignisse sind aber eigentlich etwas, um das man besser möglichst große Bögen macht. Nicht so in diesem Fall. Und auch dafür war Eindhoven der perfekte Ort: das Publikum war wohltuend "normal", es fehlte komplett das Schickeria-Pack, das sich von solchen Ereignissen (ähh, Events) normalerweise angezogen fühlt.

Hoffentlich gilt das Mantra aus Techno pop auch für die Band selbst. "Es muß immer weitergehen..." Bin dabei!

Setlist Kraftwerk, Evoluon, Eindhoven:

01: Spacelab
02: The robots
03: Metropolis
04: Numbers
05: Computer world
06: Home computer
07: It's more fun to compute
08: Computer love
09: The man machine
10: The model
11: Neon lights
12: Autobahn
13: Tour de France
14: Tour de France 2003 
15: Airwaves
16: Intermission
17: News
18: Geiger counter
19: Radioactivity
20: Ohm sweet Ohm
21: Trans-Europe Express
22: Metal on metal
23: Boing boom tschak
24: Techno pop
25: Musique non-stop

26: Aerodynamik (Z)
27: Expo 2000 (Z)
28: Planet of visions (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Kraftwerk, Düsseldorf, 20.01.13 (Tour de France)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 19.01.13 (The Mix)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 18.01.13 (Electric Café)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 17.01.13 (Computerwelt)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 16.01.13 (Die Mensch-Maschine)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 13.01.13 (Trans Europa Express)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 12.01.13 (Radioaktivität)
- Kraftwerk, Düsseldorf, 11.01.13 (Autobahn) 

Mehr Fotos folgen!



Donnerstag, 5. September 2013

My Bloody Valentine, Eindhoven, 04.09.13

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Konzert: My Bloody Valentine
Ort: Effenaar, Eindhoven
Datum: 04.09.2013
Dauer: 90 min
Zuschauer: 700 bis 800



Mir wurde neulich hier vollkommen zurecht vorgeworfen, vor allem über die unangenehme Fahrt zum Konzert, die allgemeine Terminkonkurrenz, die Anzahl der besuchten Konzerte im Zeitraum xy zu schreiben. In meiner wöchentlichen Selbstkritikrunde habe ich mir das zu Herzen genommen und mir vorgenommen, künftig nur noch hintergründige und kluge Beiträge zu verfassen. Dies ist der erste.

My Bloody Valentine hatten 1988 und 1991 ihre beiden ersten Sudioalben veröffentlicht und die damit gewonnenen Fans sehnsüchtig auf Platte drei warten lassen. Die - die Geschichte ist oft erzählt worden - wurde dann so etwas wie das Troja der Indiemusik. Man hatte davon in Sagen gelesen, so recht an die Existenz glaubten aber nur ein paar echte Spinner. Anfang des Jahres ging dann alles ganz schnell. My Bloody Valentine kündigten von einem Tag auf dem anderen an, daß das Album mbv zum sofortigen Download über ihre Website zu Verfügung stehe. Zwanzig Jahre sind ein Tag.


Mit einer kleinen Reisegruppe hatten wir im März im Barrowlands Ballroom in Glasgow eines der ersten Konzerte mit der neuen Platte gesehen - und mein erstes My Bloody Valentine Konzert überhaupt. Der Auftritt war durchaus beeindruckend. Als vorletztes Lied spielte die Band You made me realise, den berüchtigten Tinnitus-Bringer, der ein ganzheitliches Körpererlebnis war. Vor allem der Trommelfeuer-Mittelteil, der sich anhörte wie hühnereigroßer Hagel auf einem Blechdach, war heftiger als alles andere, was ich bisher auf Bühnen erlebt hatte.


Der einzige Makel des Glasgow-Konzerts war die aus unserer Sicht wenig kluge Spannungskurve. Nach You made me realise folgte nämlich noch Wonder 2, das den Effekt des schönen Krachs vorher wieder ein wenig wettmachte.


Das Konzert in Eindhoven sollte im Mai stattfinden. Es wurde dann auf Ende Oktober und schließlich auf den 04.09. und damit auf den Abend vor dem Köln-Gig, für den ich natürlich auch eine Karte hatte, verlegt. Wäre es von Anfang an so angekündigt gewesen, hätten wir uns die Fahrt wohl erpart. obwohl das Effenaar einer der schönsten gut erreichbaren Orte ist, um Konzerte zu sehen (und eine Ecke kleiner als die Live Music Hall). Pünktlich nach der ersten Vorgruppe kamen wir in den großen Saal im Obergeschoß, der von lauten sphärischen Klängen vom Band beschallt wurde. In den Nebel und das blaue Licht kam ein paar Augenblicke später ein einzelner Gitarrist, den wir als den Support des letzten Mono-Konzerts im Gebäude 9 in Köln wiedererkannten. Der Belgier Dirk Serries macht unter dem Namen microphonics Instrumental-Gitarrenmusik, die man vielleicht als Postrock-Ambient bezeichnen könnte (wenn einem der Begriff nicht zu doof ist). Oder als Indie-Fahrstuhl-Musik, aber das ist nicht nett. Schlecht war das eine Stück wieder nicht, es war aber auch wenig aufregend und hätte, die Rückfahrt vor Augen, nicht sein müssen. Aber es brachte die Erkenntnis, daß wir zu viele Konzerte sehen. Wenn man die quasi-regionale Vorgruppe in den Niederlanden erst kennt... oh je!


Um kurz nach neun schlufften Kevin Shields, Bilinda Butcher, Debbie Googe, Colm Ó Cíosóig und Tour-Keyboarderin Jen Marco auf die Bühne. Das Effenaar ist ein würfelförmig wirkender Raum. Die Grundfläche erscheint fast quadratisch, dazu ist der Saal enorm hoch. Natürlich sind Läden wie das Gebäude 9 mit seinem Lagerhallen-Charme die schönste Art, Indie-Musik zu erleben, diese reinen Konzerthäuser, die es in den Benelux-Ländern so oft gibt, begeistern mich aber auch immer wieder. Es gab zwar ein Gitter aber keinen Fotograben, man stand also nah dran an der Band. Da der Laden bei weitem nicht ausverkauft war (er war vielleicht zu 3/4 gefüllt), war auch weit vorne viel Platz, sodaß wir den Boxentürmen ausweichen konnten und trotzdem nah dran sein konnten.

Die Setlist der aktuellen Touretappe ist bekannt und bei allen Clubkonzerten gleich. Mit tief sitzendem Ohrenschutz wäre und war es auch nicht einfach, alle Lieder sofort zielsicher zu erkennen, es war also hilfreich, zu wissen, was kommen sollte. Ich hatte gleich das Gefühl, daß das Konzert merklich leiser bzw. weniger laut (leise ist das falsche Wort in diesem Zusammenhang) war als das in Glasgow. Am Ende waren die Regler deutlich weniger weit aufgedreht als im Barrowlands. In Glasgow gab es beim Einlass und an der Bar Spender mit kostenlosen Ohrstöpseln, hier hatte ich dies nicht gesehen. Aber in unserer Umgebung trug jeder Dämmung im Ohr (beim End Of The Road Festival am Wochenende hatte ich einen kurzen Smalltalk mit einem Ordner nach dem Jens Lekman Konzert und riet ihm, sich vor Dinosaur Jr. Ohrenstöpsel zu besorgen. Er antwortete, er möge laute Musik. Außerdem sei er im Irak gewesen und hätte da einen Bombenexplosion erlebt).

Am Anfang fiel mir das noch nicht unbedingt auf, ab dem zweiten Drittel des Konzerts wurde es aber deutlich, daß im Vergleich zu März eine Ecke Pepp fehlte. Die Show war weitaus routinierter, so als spiele die Band seit einem halben Jahr jeden Abend das gleiche Programm (was sie macht). Daß nicht viel Entertainment neben der Musik stattfände, wussten wir. So etwas fehlte mir auch nicht. Die bunten, meist perfekt passenden Hintergrundanimationen reichen vollkommen. Ansonsten besteht das Bühnenbild aus Verstärkern. Frontmann Kevin Shields kündigt auch nicht jedes Lied an, er redet kaum, anders wäre das merkwürdig. In Eindhoven entschuldigte er sich für einen verpatzten Einsatz (vermutlich. Das Genuschel war für mich nicht richtig zu verstehen) und verabschiedete sich vor You made me realise mit "ok, it's the last song. Thank you and goodbye." Mehr nicht. Auch passiert sonst nicht viel auf der Bühne. Die beiden Sänger Bilinda und Kevin bewegen sich wenig, Debbie und Colm in der Mitte dafür dauernd, ebenso wie Keyboarderin Jen, die allerdings nur, um von der Bühne zu gehen oder zurück zu kommen. Jen spielte übrigens bei den meisten Liedern, bei denen sie Einsätze hatte, eine weitere Gitarre. So weit alles wie gehabt. Aber trotzdem wurde das Gefühl immer größer, daß Shields und Kollegen nicht in Form - oder schlicht überspielt waren. 

An konkreten Ereignissen kann ich das nicht festmachen, auch nicht an einzelnen Liedern ("das wurde jetzt lustlos runtergesungen" oder "der Gesang war schief" kann man bei 110+ dB Stücken auch wenig glaubwürdig behaupten). Aber das vage Gefühl sagt, daß dieses Konzert eine Ecke schlechter als das vor sechs Monaten war. Recht gut, ja. Aber nicht mehr.

Wonder 2 wird jetzt nicht mehr als letztes Stück gespielt. Das Lied unterscheidet sich vom Rest dadurch, daß Schlagzeuger Colm eine zusätzliche Gitarre spielt. Dafür stand Jen wieder am Keyboard. Ich meine, in Glasgow hätten alle fünf Musiker mit Gitarren (bzw. Bass) in einer Reihe geschrammelt. 

You made me realise und insbesondere der vierminütige Hagel-Part in der Mitte wirkten besonders runtergespielt. In Glasgow tat das Dauerfeuer körperlich weh. Die Regler waren noch einmal massiv hochgedreht worden, und das Gitarrengeprassel war im ganzen Körper zu spüren. Die Effenaar-Version war laut, aber nicht besonders laut (im Vergleich zum Rest). Es mag irre sein, dies zu bemängeln, aber es fehlte der Spaß. Ob das an niederländischen Lärmschutzvorschriften liegt, weiß ich nicht. Das kann ich vielleicht nach Köln besser beurteilen. Jedenfalls brachte der Abend in Eindhoven die Erkenntnis, daß sich der Konzertausflug auf alle Fälle gelohnt hatte. Der im März nach Glasgow.

Setlist My Bloody Valentine, Effenaar, Eindhoven:

01: I only said
02: When you sleep
03: New you
04: You never should
05: Honey power
06: Cigarette in your bed
07: Only tomorrow
08: Come in alone
09: Only shallow
10: Thorn
11: Nothing much to lose
12: Who sees you
13: To here knows when
14: Wonder 2
15: Soon
16: Feed me with your kiss
17: You made me realise

Links:

- aus unserem Archiv:
- My Bloody Valentine, Glasgow, 09.03.13
- My Bloody Valentine, Paris, 09.07.08
- My Bloody Valentine, London, 22.06.08


* das hier soll ein fundierter Bericht werden: um 21.07 Uhr also



Mittwoch, 20. Juni 2012

Naked Song Festival, Eindhoven, 16.06.12

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Konzert: Naked Song Festival

Ort: Muziekgebouw Frits Philips, Eindhoven

Datum: 16.06.2012
Zuschauer: etwa 900

Konzertdauer: jeweils ca. 50 Minuten


Bericht von Uwe Runia, Fotos von Marcel Houweling


Wie hatte ich nach dem letzten Jahr geschrieben: "Kann man wiederholen." Gesagt, getan. Nach den ersten Programmankündigungen wurde die Karte bestellt und nach und nach wurde die Vorfreude größer.


Durch eine etwas zu späte Abfahrt und daraus resultierend eine (wenn auch nicht allzu lange) Schlange beim Einlass kam ich etwas zu spät zum ersten Auftritt, Tiny Ruins im kleinen Saal.

Dabei handelt es sich um das Projekt der Neuseeländerin Hollie Fullbrook. Sie wurde von einer Bassistin und einem Posaunisten begleitet. Die Posaune sorgte für eine Auflockerung der doch recht ruhigen Stücke, die mich nicht so ganz mitreißen konnten. Trotzdem ein schöner Anfang für den Tag.


Nach diesem Auftritt hatte ich erst mal "frei", der nächste geplante Auftritt war erst in zwei Stunden fällig und ich wollte die Zeit mit Essen/Trinken und ein paar Gesprächen verbringen. Aber beim Weg aus dem Konzertsaal kam ich an der sogenannten "Mix Stage" vorbei, wo jede Stunde ein Musiker interviewt wurde und ein paar Stücke akustisch spielte. Da fing gerade der Kurzauftritt von Jim White an, auf den hatte ich mich sehr gefreut und daher blieb ich stehen, hörte mir ein paar sehr schöne Stücke an (sofort am Anfang "Jailbird", eins meiner Lieblingsstücke von ihm) und erfreute mich wieder mal an den tollen Fragen die Journalisten manchmal auf Lager haben. Musikjournalisten sind anscheinend auch nicht besser als Sportjpurnalisten ("Erik Zabel, wieder nur zweiter. Woran lag's?", ein Klassiker) - nachdem Jim erzählte das er mehr als 10 Jahre in New York Taxi gefahren ist (und dabei alles erlebt hat von gestohlenem Geld bis zur Pistole am Kopf) bevor er mit der Musik anfing kam die Frage: "Do you miss that?". Ein konsternierter Blick und dann ein langsames und deutliches "No" mit einem sehr erstaunten Unterton in der Stimme.

Danach doch noch etwas essen, Smalltalk halten und ein halbes Stündchen der Belgierin Renée (schöner Pop-Folk mit Gitarre, Cello und Keyboards, kommt auf die Beobachtungsliste) zugehört und schon war die Pause vorbei.


Nach der Absage von Howe Gelb wurde Abigail Washburn in den großen Saal verlegt. Ich war zuerst ein wenig traurig weil das nicht unbedingt der intime Rahmen war den ich mir für ihren Auftritt eigentlich gewünscht hatte. Aber sie fegte mit ihrem Begleiter Kai Welch (Gitarre, Keyboards, Trompete, Gesang) alle Bedenken aus dem Raum. Tolle Musiker, die ihren Folk/Weltmusik-Mix (ein Lied sogar in Mandarin) überzeugend darboten. Ein Stück trauten sie sich sogar in diesem Riesensaal unverstärkt nur mit Gesang und Trompete vorzutragen ("because we can") und brachten den nicht ganz vollen Saal beim alten Gospelstück "Keys To The Kingdom" zum Mitschnippen und Mitsingen - Respekt! Mindestens ein Konzertbesuch beim nächsten Europabesuch steht auf dem Zettel.

Weil Abigail etwas zu lange Soundcheck hatte und verspätet anfing spielte sie konsequent auch 10 Minuten zu lang und dadurch wurde es mal kurz etwas ungemütlich weil ich schnell in den anderen Saal zu Jim White wechseln musste. Das klappte aber noch sehr gut und ich konnte einen Platz ziemlich vorne ergattern.

Zusammen mit seinen belgischen Begleitern an Kontrabass und Gitarre und einer Batterie an Pedalen zum Loopen und zum Abruf des elektrischen Schlagzeugers folgten sehr schöne 45 Minuten, der zweite Höhepunkt des Abends. Tolle Songs (obwohl naturgemäß wegen der Kürze des Festivalauftritts etliche Favoriten fehlten) in schönen Versionen und zwischendurch als Einleitung zu "If Jesus Had A Motorhome" die sehr lange Geschichte von etlichen Jesus Impersonators in seiner damaligen Heimatstadt Pensacola ("für Jesusse das was Memphis für Elvisse ist"), mit knochentrockenem Humor gewürzt. So etwas mag ich ja sehr und es ist schön das auch bei etwas größeren Konzerten zu hören. Zum (leider pünktlichen) Schluss ein rockendes "Handcuffed To A Fence In Mississippi" und dann war es leider schon vorbei.

Wieder Umsteigen in den großen Saal, als erste Headlinerin stand Agnes Obel auf dem Plan. Von ihr kannte ich nur den Namen und wusste das sie mit ihrer Musik sehr erfolgreich ist, gehört hatte ich von ihr aber noch nichts. Begleitet von einer Cellistin setzte sie sich hinter den aufgebauten Flügel und spielte ihre Musik, die ich spontan als Klassik-Pop bezeichnen würde. Sehr intensiv und sehr schön, leider mit einigen technischen Problemen bei ihrem Gesangsmikro (der einzige technische Zwischenfall, schade). Als einziges Stück erkannt habe ich die Coverversion von John Cales "Close Watch" mit abgewandeltem Schlussteil. Spannend war auch in diesem Musikzusammenhang der Einsatz von Loops beim Cello um ein Rhythmusfundament unter einige Stücke zu legen.

Nach drei großartigen Konzerten hintereinander war ich etwas geplättet und nicht mehr so recht aufnahmefähig. Daher schaute ich mir Doug Mcleod nur für zwei Stücke an, nahm mir Zeit für ein Bier und ein wenig Unterhaltung und verpasste gleichzeitig auch noch Gemma Ray (eigentlich sehr schade, aber zu viel ist zu viel). Als Ausgleich konnte ich aber eine tolle Lösung im Getränkebereich beobachten. Im "Meneer Frits", einem zum Muziekgebouw gehörenden Restaurant in dem auch Auftritte stattfanden, wurden die Getränke in Gläsern verkauft; im restlichen Gebäude in Plastikbechern. Was macht man nun wenn ein Besucher aus dem Restaurant zu einem anderen Auftritt möchte? Klar, am Ausgang saß eine junge Dame an einem Tisch mit Plastkbechern, wer mit Getränk rauswollte musste umschütten - so sind sie beim Bier, die Niederländer.


Zum Abschluss im großen Saal spielten die Tindersticks. Auf die hatte ich mich eigentlich auch gefreut, aber ihre Stücke plätscherten so vor sich hin, Stuart Staples ist keine Rampensau und von den Musikern riss es auch keiner raus. Vielleicht lag es daran das der Kopf schon voll war, aber die Band die ich zu Hause ab und an recht gerne von Konserve höre überzeugte live an diesem Abend nicht. Man sollte gehen wenn es am schönsten ist, leider weiß man bei einem Festival nicht wann dieser Punkt erreicht ist. Aber dieser kleine Dämpfer zum Abschluss ändert nichts am positiven Fazit auch für dieses Jahr: "Kann man wiederholen."



 

Konzerttagebuch © 2010

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