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21:14
Cross-linx Festival 2014
Teil 1 mit Douglas Dare und Ólafur Arnalds
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer: mehr als 45 min und 60 min
Zuschauer: etwa 200 und etwa 1000
Der entscheidende Impuls zum Cross-linx zu fahren war mein Wunsch, My brightest Diamond live zu erleben. Hochwillkommene Draufgabe war, dass es an einem besonderen Ort ein ganz besonderer Abend werden würde.
In zweiter Linie schaute ich auf das Konzert von Ólafur Arnalds mit gewisser Vorfreude. Wir sind Freunde, seit 2007 Die VISIONS mir seine Eulogy for Evolution empfahl, die sich seitdem noch nicht müde gelaufen hat. Ich weiß, dass mich die Liebe zu seiner Musik mit vielen Menschen verbindet, aber ich stehe doch noch immer etwas schämig in der Ecke, wenn ich darüber sprechen soll, was seine hochemotionalen Klavier- und Streicherklänge so diametral von dem unterscheidet, was als leichte Klassikkost in den Fahrstühlen und Hotellobbies dieser Welt bei mir Brechreiz auslöst. Immer nimmt mich seine Musik mit auf Entdeckungsreise und lässt mich nicht kalt.

Überdies passierte es über die Zeit, dass der Künstler mir auch als Person sehr nah geworden ist - als Mensch, der mich in seiner Art, in der Welt zu sein, sehr interessiert. Er hat eine so geerdete Präsenz in Interviews oder wenn er seine Hörer in sein eigenes Wohnzimmer holt, um dort Musik zu machen und zu teilen. So typisch für die Künstler, die beim Label Erased Tapes zusammen arbeiten. Dabei ist er die letzten Jahre ständig um die ganze Welt getourt und hat auch mit Filmmusiken (zB. Hunger Games und Broadchurch) einige Aufmerker gesetzt und Preise gewonnen. Er ist im Business angekommen ohne für mich sichtbare Blessuren und Verfremdungen.
Schön, ihn nun endlich auch einmal live zu erleben und das so bequem in einem wunderschönen Raum sitzend, mit Garantie auf ein aufmerksames Publikum und in einer Besetzung, die noch ordentlich eins drauf setzen würde. Zunächst war aber alles ganz unspektakulär. Die Musiker - etwa 20 Streicher und Bläser der Philharmonie Zuidnederland und seine Mitmusiker Björk Óskarsdóttir, Siun Milne, Karl Pestka and Hallgrímur Jensson kamen auf die Bühne mit dem Dirigenten Clark Rundell und Ólafur Arnalds begrüßte sein Publikum mit dem Wunsch, zwei Töne zu singen. Diese nahm er mit einem iPad auf, loopte und verwendete es für den ersten Song Þú ert sólin (Du bist die Sonne) vom Album ...and they have escaped the weight of darkness.
Er selbst saß am Flügel, hatte aber stets das iPad griffbereit obenauf liegen und neben sich noch zwei Computer - einen für die eindrucksvollen Projektionen und einen weiteren für Soundschnipsel. Sehr virtuos setzte er Rhythmen ein, die zum Teil auch mit Lichteffekten gekoppelt waren. Die Dynamik war so, dass in den leisen Teilen sogar die Lüftung störend zu hören war und leider kamen in der ersten halben Stunde noch ständig trappelnd neue Zuhörer dazu. Das war doch sehr störend. Denn was uns von der Bühne her präsentiert wurde war unglaublich packend in den ganz leisen Passagen wie in den Ausbrüchen in Rhythmen und Licht.

Im Verlauf des Konzertes erklang mit Sudden Throw, Brim, This place was a shelter, Hands, be still, Only the winds viele Stücke vom aktuellen Album For now I am winter aber mit Gleypa Okkur vom Album … and They Have Escaped the Weight of Darkness und 3326 vom Eulogie-Album gab es auch zwei weitere ältere Songs. In dem Moment, wo die Steigerung in 3326 fast nicht mehr zu ertragen war, setzte ein überirdisch schönes Geigensolo ein. Da blieb mir wirklich die Luft weg. Auch die Gewöhnung gerade an dieses so vertraute Stück konnte den Zauber des Momentes nicht dämpfen.

Und auch dies ließ sich noch steigern, indem Arnór Dan Arnarson (Sänger der Band Agent Fresco) den Songs For now I am winter, A Stutter und Old skin (alle vom aktuellen Album For now I am winter) seine Stimme lieh. Einen kongeniale Ergänzung zu der sonst ja rein orchestralen Musik, die bei mir an dem Abend so ankam wie beim Schlusssatz von Beethovens neunter Symphonie, wo der Chor erklingt, weil die menschliche Stimme das Fass zum überlaufen bringen kann.
Fast tänzelnd klang das Set mit Near Light (Living room songs EP) aus und ließ mich mit dem Gefühl zurück, etwas einmaliges miterlebt zu haben. Ein rundum wunderbarer, wuchtiger Abend voller Emotionen und Glück. Und das war erst der Anfang.
Setlist Ólafur Arnalds:
1: Sudden Throw
2: Brim
3: This Place Was a Shelter
4: Hands, Be Still
5: Only the Winds
6: Gleypa Okkur
7: 3326
8: For Now I Am Winter (with Arnór Dan)
9: A Stutter (with Arnór Dan)
10: Words of Amber
11: Old Skin (with Arnór Dan)
12: Near Light
Mein erstes Konzert des Abends war jedoch Douglas Dare gewesen. In der kleinen Bühne war er am Piano mit einem Mann am Schlagzeug aufgetreten. Über die ersten Stücke stahl ihm meiner Meinung nach sein Schlagzeuger eindeutig die Show (in der zweiten Hälfte des folgenden Videos sieht man wie ich das meine).
Ich fand sein Spiel faszinierend und filigran. Die Stimme von Douglas Dare ist weich und schmeichelnd und mit Caroline hatte er auch einen tollen Hit mitgebracht. Alles in allem war das Set deshalb ein sehr gelungener Auftakt des Abends für mich gewesen. Einzig schade war, dass ich das Konzert vorzeitig verlassen musste, um rechtzeitig bei Ólafur Arnalds sein zu können.
Konzertvorschau:
Ólafur Arnalds im Konzerthaus Dortmund am 23. März 2014
Aus unserem Archiv:
Einladung zum Cross-linx
Douglas Dare und Ólafur Arnalds, Wiesbaden, 22.05.2013
Ólafur Arnalds, Köln, 11.08.2008
um
04:28
Konzert: Ólafur Arnalds
Datum: 22.05.2013
Ort: Ringkirche in Wiesbaden
Dauer: Douglas Dare ca. 30 Minuten, Ólafur Arnalds ca. 90 Minuten
Zuschauer: ca. 500
von Ursula von neulich als ich dachte
Gestern Abend ging es in die Wiesbadener Ringkirche, in der man gelegentlich nicht nur
Orgelkonzerte, sondern auch Modernes hören kann. Eine Kirche als Veranstaltungsort
impliziert Sitzplätze, und nachdem erst kürzlich bei Enno Bunger unsere Sicht nicht
gerade brilliant gewesen war, bemühten wir uns um frühzeitiges Erscheinen. Leider
befand sich aber auch zu Einlassbeginn um 19 Uhr bereits eine Schlange an der
Kirchentür, so dass wir nur noch Plätze im mittleren Bereich (mit wiederum mäßiger
Sicht) ergattern konnten. Nach dem Einlass hatte man übrigens auch Gelegenheit,
als Verköstigung wahlweise Wasser, ein winziges Glas Riesling oder eine Brezel zu
erwerben, alles zu Gunsten der Ringkirche. Kurios dabei war der Hinweis auf der
Preisliste, man solle diese Dinge nicht mit in den Kirchenraum nehmen, obwohl sie doch
offenkundig dazu gedacht waren. Muss man wohl nicht verstehen.
Gegen 20 Uhr betrat nicht Herr Arnalds sondern sein Support Act Douglas Dare die
Bühne. Er war begeistert vom Kirchenambiente und bot wehmütige Lieder, zu denen
er sich selbst am Klavier begleitete. Zu verkaufen hatte er nichts (sein Album erscheint
erst in ein paar Monaten), er verschenkte aber großzügig Download-Codes für einen
seiner Songs. Zu seinem Lied "Caroline" erklärte er, es sei eigentlich nicht für den
Vortrag in einer Kirche geeignet, da es von Ehebruch handele. Er habe sich ausgedacht,
dass sein Großvater seine Großmutter mit eben dieser Caroline betrogen habe, als er
im Krieg war. Seine Großmutter dürfe allerdings nichts darüber wissen, weil sie das
Lied liebe. Wie schon häufiger dachte ich mir bei Dares Auftritt, dass Vorbands von
Sitzkonzerten unheimlich profitieren, weil das Publikum mehr oder weniger gezwungen
ist, aufmerksam zuzuhören. So erhielt Douglas Dare sicherlich auch mehr Applaus, als er
ihn bei einem "normalen" Konzertabend bekommen hätte, verdient hatte er ihn aber.
Nach einer halben Stunde folgte eine kurze Umbaupause, bis um 20:45 Uhr Ólafur
Arnalds mit einigen Streichern und einem Posaunisten / Mac-Bediener die Bühne betrat.
Als allererstes wurde das Publikum gebeten, im Chor zwei Noten so lange wie möglich
zu singen. Er nahm das Ganze mit einem iPad auf, loopte es und verwendete es für den
ersten Song "Þú ert sólin". Vorweg erfuhren wir noch, dass die Gesangseinlage des
Münchener Publikums vom Vorabend nicht verwendbar gewesen sei, Wiesbaden aber
viel besser singen könne.
Im Vorfeld hatten wir bereits gemutmaßt, dass es mit Arnalds meist instrumentalen
Liedern - er verbrachte den Abend am Klavier - so gut wie unmöglich sein dürfte, eine
Setliste mitzuschreiben. Das ließ sich letztlich durch ein Foto von der offiziell für die
Künstler ausgelegten Liste klären, dieses zeigte uns aber auch, dass keineswegs nach
jedem Lied pausiert wurde - nach dem ersten Applaus folgte nämlich schon "Hands, be
still", also laut Setliste bereits das vierte Lied. Zu den Songs gab es jeweils Lichteffekte
und Nebel, so dass der Raum immer wieder anders wirkte.
Bei einem Stück - ich glaube, es war "Near Light" - erfuhren wir, dass Arnalds es
ursprünglich als Werbesong komponiert hatte, es dann, nachdem es vom Auftraggeber
abgelehnt worden war, selbst veröffentlichte und sich nun darüber amüsiert, dass
Kommentatoren auf Youtube den Song für besonders tiefsinnig halten. Nach "Undan
Hulu", das aus nahe liegenden Gründen auch "Cello Song" heißt (es kommt nämlich
ein Cello vor), folgte "Poland", das in Polen entstand - genauer gesagt lieferte der
vergebliche Versuch, in einem Tourbus auf den dort sehr holprigen Autobahnen zu
schlafen, die Inspiration (und laut Arnalds den Beweis, dass es in traurigen Liedern nicht
immer um gebrochene Herzen gehen muss).
Als letztes Lied widmete Arnalds "Ljósið" seiner Großmutter, die ihn als Chopin-Fan
zur klassischen Musik geführt habe und damit letztlich für seine musikalische Karriere
verantwortlich sei.
Natürlich wollte das Publikum eine Zugabe und bekam auch eine - bei "Lag fyrir
ömmu" kehrten die Streicher nicht mit zurück auf die Bühne, spielten anscheinend
aber trotzdem mit (oder sie kamen doch vom Band).
Vorweg erfuhren wir, dass
Publikumsreaktionen sich stark nach Ländern unterscheiden. In Italien applaudiert man
anscheinend nur kurz und intensiv, dann wartet man still auf die Zugabe. Deutschland
dagegen hatte den Musiker anhaltend zurück auf die Bühne geklatscht, eine zweites Mal
gelang das aber nicht - nach einer Verbeugung war endgültig Schluss.
Ólafur Arnalds Musik kam in der Kirchenatmosphäre sehr gut zur Geltung. Es ging
mir dabei wie bei "echter" klassischer Musik, was bedeutet, dass ich gelegentlich
wegträumte und an völlig andere Dinge dachte als an die Musik auf der Bühne. Das,
was ich mitbekam, war aber wunderschön, und auch die Lichtuntermalung, die mal an
Schnee, mal an Schmetterlinge erinnerte, passte ganz wunderbar in die Kirche.
Setliste:
Þú ert sólin
Þú ert jörðin
Tomorrow's Song
Hands, be still
Only the wind
Beth's Theme
Gleypa Okkur
We (too) shall rest
The place was a shelter
3326
Brotsjór
Words of Amber
Undan Hulu
Poland
Near Light
Ljósið
Lag fyrir ömmu