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um
18:04
Konzert: My Bloody Valentine
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 05.09.2013
Dauer: 90 min
Zuschauer: fast ausverkauft
Durch zigmaliges Hin- und Hergeschiebe hatte sich die dämliche Situation ergeben, daß My Bloody Valentine ihr erstes Deutschland-Konzert seit den 90er Jahren 24 Stunden nach dem ersten Holland-Konzert der Neuzeit spielen sollten. Als beide Auftritte noch ein halbes Jahr auseinander lagen, hatten wir Karten für beide gekauft. Im Mai in Eindhoven, dann würde bis Herbst das Fiepen im Ohr ja wieder weg sein. Jetzt, wo beide Konzerte an aufeinander folgenden Tagen stattfinden sollten, stellte sich uns die Frage neu, ob wirklich beide nötig wären. Nein, bei aller Liebe sicher nicht. Aber welches streichen? Für Eindhoven sprach der tolle, kleine Saal, für Köln die Anreise und die gesellschaftlichen Gründe.
Nachdem die Show in Eindhoven dann eher mau ausgefallen war, wäre ich sicher nicht mehr nach Köln gefahren, wenn nicht schon verschiedene Verabredungen getroffen worden wären. Daß es die berühmte Party werden würde, zu der man erst gar keine Lust hatte, ahnte ich da noch nicht.
Wie so oft war die Informationspolitik in Köln sehr dürftig. Fragen nach dem Beginn und nach einer Vorgruppe, die für Auswärtige durchaus Sinn machen, werden in manchen Kölner Clubs grundsätzlich ignoriert. Wer länger da ist, trinkt mehr Kölsch, scheint die einfache Rechnung zu sein. Irgendwer schrieb bei Facebook, ein Anruf beim Veranstalter habe ergeben, daß keine Vorgruppe spiele, also der auf die Tickets gedruckte Startzeitpunkt von acht Uhr gelte. Halb neun waren wir da, um zehn vor begann das Spektakel.
Aus erzählten Gründen reichte es mir durchaus aus, das Konzert in der irre heißen LMH von hinten anzusehen. Bar- oder Geschwätz-Geräusche, die gerne Konzerte im hinteren Bereich eines Saals unerträglich machen, würden heute mit dB-Stärke ausradiert werden und über Nacht ausgedachte Chereographien erwartete ich auch nicht.

Nach ein paar Takten I only said nahmen die ersten Leute in meiner Umgebung die Ohrenstöpsel raus. Ich versuchte das auch und merkte, wie leise das Konzert im Vergleich zu meinen beiden bisherigen war. Sind die Lärmvorschriften in Deutschland noch strikter als in den Niederlanden? Schon da hatten wir es als vergleichsweise harmlos erlebt. Oder ist es zwei Meter hinter den Soundleuten so viel leiser als vorne im Raum? Jedenfalls machte das aus dem Konzert ein sehr viel normaleres als diese Bombenangriffs-Ästhetik, für die MBV-Gigs sonst bekannt sind. Man verstand ein wenig Text, fast immer waren Melodien auszumachen und die Stimmen zu hören. Das klingt albern, aber bei To here knows when oder Soon waren bei den Konzerten in Glasgow und Eindhoven, die ich gehört hatte, nur tiefe, immer wiederkehrende Töne auszumachen. Was uns zu der Frage führte, wer wie das Kommando gibt, wann ein Lied zu beenden ist.

Für den Großteil des Konzerts galt, daß diese quasi-akustische Version einer My Bloody Valentine Show mir zu meiner Überraschung sehr viel Freude bereitete. Als 120 dB Spektakel hatte ich es ja auch schon erlebt. Nur verpuffte damit dann auch der Effekt des krachigen Mittelteils von You made me realise, der im englischen Sprachraum unschön "Holocaust section" heißt. Das Lärm-Staccato tut körperlich weh, wenn es laut ist. In Köln dehnte die Band um Kevin Shields diesen auf gut achteinhalb Minuten aus (dazu laufen weiße Linien über die Animationsleinwand), vier Minuten länger als am Vorabend. Aber zweimal 100 dB sind nun mal nicht 130. Nichts tat weh, kein Fremd-Magenknurren, und der ganze Effekt des körperlichen Miterlebens der Musik war futsch.
Mittlerweile sind vier Stücke der neuen Platte im Live-Programm der Band. Von denen ist Only tomorrow herausragend. An das experimentelle Wonder 2, zu dem Schlagzeuger Colm nach vorne kommt und Gitarre spielt, habe ich mich immer noch nicht gewöhnt.
Obwohl ich ganz exakte Erwartungen an den Abend hatte und mit einem weiteren routiniert runtergespielten Konzert der am Mittwoch lustlos wirkenden Band gerechnet hatte, gefiel mir die Show sehr. Ein richtig guter Abend, auch wenn es schon verrückt ist, sich bei You made me realise darüber unterhalten zu können, daß man das kann!*
Setlist My Bloody Valentine, Live Music Hall, Köln:
01: I only said
02: When you sleep
03: New you
04: You never should
05: Honey power
06: Cigarette in your bed
07: Only tomorrow
08: Come in alone
09: Only shallow
10: Thorn
11: Nothing much to lose
12: Who sees you
13: To here knows when
14: Wonder 2
15: Soon
16: Feed me with your kiss
17: You made me realise
Links:
- aus unserem Archiv:
- My Bloody Valentine, Eindhoven, 04.09.13
- My Bloody Valentine, Glasgow, 09.03.13
- My Bloody Valentine, Paris, 09.07.08
- My Bloody Valentine, London, 22.06.08
* You never should
Fotos: Archiv!
um
00:35
Konzert: My Bloody Valentine
Ort: Effenaar, Eindhoven
Datum: 04.09.2013
Dauer: 90 min
Zuschauer: 700 bis 800
Mir wurde neulich hier vollkommen zurecht vorgeworfen, vor allem über die unangenehme Fahrt zum Konzert, die allgemeine Terminkonkurrenz, die Anzahl der besuchten Konzerte im Zeitraum xy zu schreiben. In meiner wöchentlichen Selbstkritikrunde habe ich mir das zu Herzen genommen und mir vorgenommen, künftig nur noch hintergründige und kluge Beiträge zu verfassen. Dies ist der erste.
My Bloody Valentine hatten 1988 und 1991 ihre beiden ersten Sudioalben veröffentlicht und die damit gewonnenen Fans sehnsüchtig auf Platte drei warten lassen. Die - die Geschichte ist oft erzählt worden - wurde dann so etwas wie das Troja der Indiemusik. Man hatte davon in Sagen gelesen, so recht an die Existenz glaubten aber nur ein paar echte Spinner. Anfang des Jahres ging dann alles ganz schnell. My Bloody Valentine kündigten von einem Tag auf dem anderen an, daß das Album mbv zum sofortigen Download über ihre Website zu Verfügung stehe. Zwanzig Jahre sind ein Tag.

Mit einer kleinen Reisegruppe hatten wir im März im Barrowlands Ballroom in Glasgow eines der ersten Konzerte mit der neuen Platte gesehen - und mein erstes My Bloody Valentine Konzert überhaupt. Der Auftritt war durchaus beeindruckend. Als vorletztes Lied spielte die Band You made me realise, den berüchtigten Tinnitus-Bringer, der ein ganzheitliches Körpererlebnis war. Vor allem der Trommelfeuer-Mittelteil, der sich anhörte wie hühnereigroßer Hagel auf einem Blechdach, war heftiger als alles andere, was ich bisher auf Bühnen erlebt hatte.
Der einzige Makel des Glasgow-Konzerts war die aus unserer Sicht wenig kluge Spannungskurve. Nach You made me realise folgte nämlich noch Wonder 2, das den Effekt des schönen Krachs vorher wieder ein wenig wettmachte.

Das Konzert in Eindhoven sollte im Mai stattfinden. Es wurde dann auf Ende Oktober und schließlich auf den 04.09. und damit auf den Abend vor dem Köln-Gig, für den ich natürlich auch eine Karte hatte, verlegt. Wäre es von Anfang an so angekündigt gewesen, hätten wir uns die Fahrt wohl erpart. obwohl das Effenaar einer der schönsten gut erreichbaren Orte ist, um Konzerte zu sehen (und eine Ecke kleiner als die Live Music Hall). Pünktlich nach der ersten Vorgruppe kamen wir in den großen Saal im Obergeschoß, der von lauten sphärischen Klängen vom Band beschallt wurde. In den Nebel und das blaue Licht kam ein paar Augenblicke später ein einzelner Gitarrist, den wir als den Support des letzten Mono-Konzerts im Gebäude 9 in Köln wiedererkannten. Der Belgier Dirk Serries macht unter dem Namen microphonics Instrumental-Gitarrenmusik, die man vielleicht als Postrock-Ambient bezeichnen könnte (wenn einem der Begriff nicht zu doof ist). Oder als Indie-Fahrstuhl-Musik, aber das ist nicht nett. Schlecht war das eine Stück wieder nicht, es war aber auch wenig aufregend und hätte, die Rückfahrt vor Augen, nicht sein müssen. Aber es brachte die Erkenntnis, daß wir zu viele Konzerte sehen. Wenn man die quasi-regionale Vorgruppe in den Niederlanden erst kennt... oh je!

Um kurz nach neun schlufften Kevin Shields, Bilinda Butcher, Debbie Googe, Colm Ó Cíosóig und Tour-Keyboarderin Jen Marco auf die Bühne. Das Effenaar ist ein würfelförmig wirkender Raum. Die Grundfläche erscheint fast quadratisch, dazu ist der Saal enorm hoch. Natürlich sind Läden wie das Gebäude 9 mit seinem Lagerhallen-Charme die schönste Art, Indie-Musik zu erleben, diese reinen Konzerthäuser, die es in den Benelux-Ländern so oft gibt, begeistern mich aber auch immer wieder. Es gab zwar ein Gitter aber keinen Fotograben, man stand also nah dran an der Band. Da der Laden bei weitem nicht ausverkauft war (er war vielleicht zu 3/4 gefüllt), war auch weit vorne viel Platz, sodaß wir den Boxentürmen ausweichen konnten und trotzdem nah dran sein konnten.
Die Setlist der aktuellen Touretappe ist bekannt und bei allen Clubkonzerten gleich. Mit tief sitzendem Ohrenschutz wäre und war es auch nicht einfach, alle Lieder sofort zielsicher zu erkennen, es war also hilfreich, zu wissen, was kommen sollte. Ich hatte gleich das Gefühl, daß das Konzert merklich leiser bzw. weniger laut (leise ist das falsche Wort in diesem Zusammenhang) war als das in Glasgow. Am Ende waren die Regler deutlich weniger weit aufgedreht als im Barrowlands. In Glasgow gab es beim Einlass und an der Bar Spender mit kostenlosen Ohrstöpseln, hier hatte ich dies nicht gesehen. Aber in unserer Umgebung trug jeder Dämmung im Ohr (beim End Of The Road Festival am Wochenende hatte ich einen kurzen Smalltalk mit einem Ordner nach dem Jens Lekman Konzert und riet ihm, sich vor Dinosaur Jr. Ohrenstöpsel zu besorgen. Er antwortete, er möge laute Musik. Außerdem sei er im Irak gewesen und hätte da einen Bombenexplosion erlebt).

Am Anfang fiel mir das noch nicht unbedingt auf, ab dem zweiten Drittel des Konzerts wurde es aber deutlich, daß im Vergleich zu März eine Ecke Pepp fehlte. Die Show war weitaus routinierter, so als spiele die Band seit einem halben Jahr jeden Abend das gleiche Programm (was sie macht). Daß nicht viel Entertainment neben der Musik stattfände, wussten wir. So etwas fehlte mir auch nicht. Die bunten, meist perfekt passenden Hintergrundanimationen reichen vollkommen. Ansonsten besteht das Bühnenbild aus Verstärkern. Frontmann Kevin Shields kündigt auch nicht jedes Lied an, er redet kaum, anders wäre das merkwürdig. In Eindhoven entschuldigte er sich für einen verpatzten Einsatz (vermutlich. Das Genuschel war für mich nicht richtig zu verstehen) und verabschiedete sich vor You made me realise mit "ok, it's the last song. Thank you and goodbye." Mehr nicht. Auch passiert sonst nicht viel auf der Bühne. Die beiden Sänger Bilinda und Kevin bewegen sich wenig, Debbie und Colm in der Mitte dafür dauernd, ebenso wie Keyboarderin Jen, die allerdings nur, um von der Bühne zu gehen oder zurück zu kommen. Jen spielte übrigens bei den meisten Liedern, bei denen sie Einsätze hatte, eine weitere Gitarre. So weit alles wie gehabt. Aber trotzdem wurde das Gefühl immer größer, daß Shields und Kollegen nicht in Form - oder schlicht überspielt waren.

An konkreten Ereignissen kann ich das nicht festmachen, auch nicht an einzelnen Liedern ("das wurde jetzt lustlos runtergesungen" oder "der Gesang war schief" kann man bei 110+ dB Stücken auch wenig glaubwürdig behaupten). Aber das vage Gefühl sagt, daß dieses Konzert eine Ecke schlechter als das vor sechs Monaten war. Recht gut, ja. Aber nicht mehr.
Wonder 2 wird jetzt nicht mehr als letztes Stück gespielt. Das Lied unterscheidet sich vom Rest dadurch, daß Schlagzeuger Colm eine zusätzliche Gitarre spielt. Dafür stand Jen wieder am Keyboard. Ich meine, in Glasgow hätten alle fünf Musiker mit Gitarren (bzw. Bass) in einer Reihe geschrammelt.
You made me realise und insbesondere der vierminütige Hagel-Part in der Mitte wirkten besonders runtergespielt. In Glasgow tat das Dauerfeuer körperlich weh. Die Regler waren noch einmal massiv hochgedreht worden, und das Gitarrengeprassel war im ganzen Körper zu spüren. Die Effenaar-Version war laut, aber nicht besonders laut (im Vergleich zum Rest). Es mag irre sein, dies zu bemängeln, aber es fehlte der Spaß. Ob das an niederländischen Lärmschutzvorschriften liegt, weiß ich nicht. Das kann ich vielleicht nach Köln besser beurteilen. Jedenfalls brachte der Abend in Eindhoven die Erkenntnis, daß sich der Konzertausflug auf alle Fälle gelohnt hatte. Der im März nach Glasgow.
Setlist My Bloody Valentine, Effenaar, Eindhoven:
01: I only said
02: When you sleep
03: New you
04: You never should
05: Honey power
06: Cigarette in your bed
07: Only tomorrow
08: Come in alone
09: Only shallow
10: Thorn
11: Nothing much to lose
12: Who sees you
13: To here knows when
14: Wonder 2
15: Soon
16: Feed me with your kiss
17: You made me realise
Links:
- aus unserem Archiv:
- My Bloody Valentine, Glasgow, 09.03.13
- My Bloody Valentine, Paris, 09.07.08
- My Bloody Valentine, London, 22.06.08
* das hier soll ein fundierter Bericht werden: um 21.07 Uhr also
um
02:07
Konzert: My Bloody Valentine
Ort: Barrowland Ballroom, Glasgow
Datum: 09.03.2013
Zuschauer: 2.000 (ausverkauft)
Dauer: My Bloody Valentine knapp 95 min, Le Volume Courbe 30 min
"The Valentine bring it to another dimension!"
gab mir der bärtige Plattenverkäufer im Monorail, dem Laden der
Pastels, mit auf den Weg. Unter meinen Einkäufen war eine
Raritäten-Sammlung von My Bloody Valentine, die uns ins Gespräch
brachte. "Gehst du heute abend hin?" - "Ja, sicher" - "Denk an
Ohrhörer!" - "Habe ich dabei, ich weiß, daß es laut wird." - "Das wird
sogar sehr laut!" - "Ich habe mit den Ohrhörern schon Dinosaur Jr.
geschafft." - "The Valentine bring it to another dimension!"
Als
My Bloody Valentine ihre kurze Clubtour zur legendären dritte Platte
mbv angekündigt hatten, dauerte es nicht lange, bis ein mail kam. "9. März, Glasgow?"
Ja, natürlich. Ich hatte My Bloody Valentine nie live gesehen und hatte
die Hoffung fast schon aufgegeben. Dummerweise hatte ich aber mein
Budget an UK-Reisen für 2013 schon großzügig verteilt: im April wollte
ich zu James, im März zum London Popfest, beides war fest eingeplant.
Außerdem war das Indietracks im Sommer gesetzt. Innerhalb weniger Tage
kamen dann aber My Bloody Valentine und Suede im Alexandra Palace dazu -
und ich war langsam überfordert. Das Popfest und James wurden
gestrichen, My Bloody Valentine und Suede gebucht, immer noch irre, aber
anders irre.
Und dann erschien am 2. Februar wirklich
das Nachfolgealbum von Loveless und beendete damit den Running Gag des
Wartens auf die Platte. Am nächsten Morgen hatte ich meine Version von
mbv und war begeistert. Fresh as a daisy, wie meine aus dem
Konzertkalender gestrichenen Lieblinge James sagen!
Erstaunlicherweise war der erste Ansturm
auf die Karten nicht sehr groß. Obwohl schon ein Vorabverkauf
stattgefunden hatte, hatten wir keine Probleme, zum regulären
Vorverkaufsstart Tickets zu kaufen. Mit 27 Pfund waren die auch nicht
schrecklich teuer (wobei fünf mehr oder weniger strenggenommen egal
wären für ein Konzert, zu dem man mit dem Flugzeug anreist).

Als wir vor dem Barrowlands ankamen, war
es bitterkalt und der Einlaß hatte sich verzögert. Es gab noch eine
Schlange, die einmal um die Hausecke ging. Mit Öffnen der Türen ging es
im Prinzip flott rein, allerdings hatte ich das Glück, daß ich nach
Durchqueren des Metalldetektors noch zur Taschenkontrolle durfte und an
einen Ordner geriet, der auch verlangte, mein Portemonnaie nach
versteckten Drogen und Waffen zu durchsuchen. Ich weiß ehrlich gesagt
nicht, ob Waffen ein Problem bei schottischen Konzerten sind oder waren,
und ob diese Kontrollen also ein lästiges Übel sind, ich empfand es
jedenfalls als extrem unangenehm, das Portmonnaie incl. des
Kleingeldfachs vollkommen selbstverständlich durchsucht zu bekommen und
hatte eine Stinklaune.

Oben im Saal war noch nicht viel los. Der
Barrowland Ballroom besteht aus drei Stockwerken. Im Erdgeschoß ist der
Einlaß, im ersten Stock Toiletten, fester Merchstand und Bar und im
zweiten Stock der Konzertsaal mit Bar und Bierstand am Rand. Der
Bierstand ist extrem pragmatisch organisiert: wer keine Lust hat, sich
für ein gezapftes Gesöff an der Bar anzustellen, kann an einen Tisch
gehen, hinter dem drei Verkäufer Bierdosen in Plastikbecher kippten.
Eindrucksvolle Mengen Bierdosen!

Um acht begann das Vorprogramm mit Le Volume Courbe,
einer Band um die Französin Charlotte Marionneau. Zu ihr gesellten sich
allerhand Musiker in komischen Outfits, einer mit Poncho, einer mit
lustigem Hut, eine Westerngeigerin, die dauernd in die Knie ging
(grausam affig, solche Bewegungen auf der Bühne). Musikalisch hätte Le
Volume Courbe mit seinem Weltmusik-Einschlag besser zu Blur gepasst, den
Platz im My Bloody Valentine Vorprogramm hatte die Band ihrer Beziehung
zur Hauptgruppe zu verdanken. Auf dem 2005er Debüt der Französin hatten
Kevin Shields und Colm Ó Cíosóig mitgespielt, gemeinsam mit dem MBV
Frontmann betreibt Charlotte ein Label. Das 30minütige Vorprogramm war
nicht schlecht, stellenweise gut, passte aber überhaupt nicht. Aber weil
Charlottes Gesang ganz wundervoll ist (und ein wenig an Soko erinnert),
fühlte ich mich gut unterhalten.

Es
war deutlich, daß MBV um neun beginnen sollten, der Start verzögerte
sich aber um fast eine Viertelstunde. Allerdings war wenig Hektik zu
spüren, vielleicht mussten nur ein paar Sicherungen ausgetauscht werden,
um die immense Menge an Verstärkern verkraften zu können. Freitag
hatten My Bloody Valentine das erste Konzert ihrer Tour in Birmingham
gespielt, vielleicht dauert es ein paar Auftritte, bis alles wieder
flutscht.
Als
es dann losging, war es irgendwie wie die Veröffentlichung der Platte.
Erst wartete jeder sehnsüchtig, als es dann soweit war, präsentierte die
Band sich ziemlich unspektakulär. Auf alle dramatischen Effekte wie
Dunkelheit, einen Vorhang oder eine Intro-Musik verzichtete man, die
vier Indiehelden schlufften auf die Bühne und schnappten sich ihre
Instrumente. So wie sie im Februar das lange erwartete Album einfach
online gestellt hatten. So, da isses. Und so, da sind wir.
Es blieb gerade genug Zeit, die Ohrstöpsel mit den dicksten Filtern reinzustopfen, bevor I only said und When you sleep von Loveless
startete. Auch wenn es (zu diesem Zeitpunkt) weniger schlimm laut als
befürchtet war (aber ein Verzicht auf Ohrhörer trotzdem zu sofortigem
Tinnitus geführt hätte!), war ansonsten alles wie erwartet. Der Gesang,
vor allem von Gitarristin Bilinda Butcher war allenfalls als gehauchte
Andeutung zu hören. Kevin Shields bewegte seinen Mund oft vor dem Mikro.
Ob er sang oder nur Druck auf den Ohren hatte, war für mich nicht
auszumachen. Zu hören war stattdessen der wundervoll melodische Krach,
der die Lieder der Band in großer Lautstärke sind. Die Frage, ob solch
ein Konzert in so viel leiser, daß man es ohne Ohrenschutz verfolgen
kann, nicht besser wäre, stellte sich mir während des Auftritts aber
überhaupt nicht. Leiser wäre weniger spannend gewesen.

Vom
neuen Album spielten die vier lediglich drei Stücke, das hatte ich
anders vermutet. Ich hätte mir einige Lieder von mbv live gut vorstellen
können. Da die aber nur für uns Fans wirklich neu sind und für Shields
und Co. vermutlich gleichalt wie die wirklich frühen Stücke wirken,
überrascht mich dies jetzt nicht mehr.
Die
dritte Platte ist in drei Teile aufgeteilt, habe ich irgendwo gelesen -
und kann dies absolut nachvollziehen. Drei Lieder, die klingen, als
stammten sie von Loveless, dann drei ein wenig popigere, dann dreimal
experimentell-noisig. Aus jedem Drittel spielten MBV ein Stück. Only tomorrow, New you und Wonder 2.
Vom restlichen Programm stammte das meiste von Loveless und von den diversen EPs. Alleine von You made me realise spielte die Gruppe vier Lieder.
Ab
und zu kam eine zusätzliche Musikerin auf die Bühne und spielte
Keyboard, bei New you von mbv zum Beispiel. Dann verschwand sie wieder,
großa auszumachen waren die Keyboards aber eh nicht.
So weit, so gut...
Und dann wurde es am Ende doch noch so laut, wie ich erwartet hatte. Zu You made me realise
drehte der Soundmann dann noch einmal richtig auf. Es war wirklich
erstaunlich deutlich zu spüren, wie plötzlich eine neue Lautstärke-Stufe
erreicht wurde. The Valentine bring it to another dimension, mein
Plattenverkäufer hatte recht! Den fast zehnminütigen Teil, der wie Hagel
auf einem Blechdach klingt, haben My Bloody Valentine 2009 mit 130 dB
gespielt, das entspricht der Schmerzgrenze. Ein Flugzeugtriebwerk
erzeugt 120 dB, was nach dem Bundesumweltministerium als "unerträglich bis schmerzhaft"
gilt. Kein Wunder, daß alle, die sich auf die ausgeteilten einfachen
Ohrstöpsel verlassen hatten, sich die Ohren zuhielten. Wow! Auf Video
klingt das laut und krachig, live war es sagenhaft eindrucksvoll!
You made me realise ging in Wonder 2
über - am Ende standen alle fünf Musiker mit Gitarre auf der Bühne und
schrammelten einfache Akkorde oder Töne. Der Übergang passte gut, das
Konzert endete mit den fünf Gitarristen um kurz vor elf.
Mein
erstes My Bloody Valentine Konzert kam meinen vorherigen Einschätzungen
sehr nahe. Es war ein riesengroßes Erlebnis, ein großartiger Abend,
aber kann in der Art, wie die Band ihre Konzerte spielt, nicht an einen
Auftritt wie den von Blur im vergangenen Jahr heranreichen. Aber so ist
es ja auch nicht gedacht.
Setlist My Bloody Valentine, Barrowland Ballroom, Glasgow:
01: I only said
02: When you sleep
03: New you
04: You never should
05: Honey power
06: Cigarette in your bed
07: Only tomorrow
08: Come in alone
09: Only shallow
10: Thorn
11: Nothing much to lose
12: To here knows when
13: Slow
14: Soon
15: Feed me with your kiss
16: You made me realise
17: Wonder 2
[In der Ankündigung hatte ich großspurig versprochen, alle Ansagen von Kevin Shields wiederzugeben. Here we go...: "Good night!"]
um
16:29
Konzert: My Bloody ValentineOrt: Le Zénith, ParisDatum: 09.07.2008Zuschauer: nicht ausverkauftKonzertdauer: ca. 85 Minuten"Bilinda (oder Belinda?), I love you!"
Nach jedem Titel bekunden ein paar Franzosen neben mir der My Bloody Valentines Gitarristin Bilinda Blutcher lautstark ihre Liebe und Verehrung. Ich kann sie gut verstehen, die brünette Künstlerin sieht mit ihren kurzen roten Hotpants und der Netzstrumpfhose in die sie ihre langen Beine gehüllt hat, einfach umwerfend attraktiv aus. Und die Frau ist 47!Ich sehe Bilinda und die anderen Musiker von My Bloody Valentine heute zum ersten Mal. Auch in Zeitschriften habe ich nie darauf geachtet, wie die Band aussieht, die diese legendären Gitarrenwände hochzieht und dazu so leise und weltentrückt singt.Die Gruppe bekommt für mich zum ersten Mal ein Gesicht. Das ist in etwa so, wie wenn man in einer Romanverfilmung die Figuren, die man aus dem Buch kennt, in Fleisch und Blut sieht.
Manchmal ist man dann enttäuscht oder irritiert, weil die Protagonisten ganz anders sind, als man sie sich vorgestellt hat.Ich allerdings bin auch schnell von Bilinda in den Bann gezogen. Und das liegt nicht in erster Linie an ihrer attraktiven Figur. Nein, was mich fasziniert ist dieser verträumte, fast abwesende Blick, diese blauen Augen!
Sie scheint unter Hypnose zu stehen, wenn sie singt. Verstehen kann man sie kaum, ihre Lippen kleben am Mikro, aber sie flüstert nur hinein. Mich stört das nicht, auch auf dem legendären Album " Loveless" ist ihre Stimme vor lauter Gitarren fast unkenntlich gemacht und wirkt irgendwie wie untergemischt.Warum ich jetzt ausgerechnet mit Bilinda anfange? Achte ich wieder zu stark auf Äusserlichkeiten?
Nein, es hat simplere Gründe. Die Gitarristin, die gar nicht zur Gründungsbesetzung gehörte, steht einfach zufällig auch auf der linken Seite (vom Publikum aus gesehen), wo ich mich platziert hatte und Kevin Shields, Sänger, Songwriter, Bandgründer und Gitarrist von My Bloody Valentine ist ist von ihr (und somit auch von mir) meilenweit entfernt!
Selten habe ich erlebt, dass zwischen den Hauptsängern einer Band soviel Abstand eingehalten wurde wie heute.Bilinda und Kevin agieren am vorderen Bühnenrand und weiter hinten, so ungefähr in der Mitte zwischen den beiden musizieren die beiden anderen Bandmitglieder. Die Bassistin. Debbie Googe hält sich dabei immer in der Nähe des Schlagzeugers Colm O Ciosoig auf. Ein richtiges Zusammenspiel ist das also insgesamt nicht, jeder konzentriert sich auf seinen Part, kommuniziert wird nicht untereinander, weder durch Gestik noch durch Mimik. Bilinda sagt sowieso den ganzen Abend nichts,
jedenfalls nicht zwischen den Liedern, sie ist versunken in ihr mitunter brachiales Gitarrenspiel und nach den Stücken beschränkt sie sich auf das (regelmässig vorkommende) Wechseln der Gitarre und auf die Aufnahme von Flüssigkeit (stilles Wasser) . Kevin allerdings richtet ab und an ein Wort an das Publikum ( dort ist die Zusammensetzung so: Verhältniss Männlein-Weiblein circa. 65 zu 35, Altersdurchschnitt mindestens 30, viele Leute aus der Indie-Szene, die man auch aus kleinen Konzertsälen kennt...) und entschuldigt sich vor allem für den schlechten Sound. Den hatte ich persönlich gar nicht als so miserabel empfunden,
was vielleicht auch wiederum an meinem Standort liegt. Ein Mann neben mir ruft nämlich treffenderweise hinein: "No problem, the sound is good!".Gut ist vielleicht übertrieben, aber vermiest wird mir das Konzert jedenfalls in akustischer Hinsicht nicht.
Die sehr leise gesungenen Texte aber, kann man vor allem vor dem Hintergrund der sehr lauten Instrumentierung nicht verstehen, soviel ist schon klar. Hinterher weiss sowieso jeder, warum man die Stilrichtung von My Bloody Valentine auch Noise nennt! Spätestens nach dem abschliessenden Donnerhagel,
der während lang empfundener 15 Minuten bei" You Made Me Realise" auf das Publikum einprasselt, hat jeder einen leichten bis mittelstarken Tinnitus in den Ohren. Kein Wunder also, dass auch Sänger Kevin Probleme mit seinem Gehör hat!Aber es wurde nicht nur Lärm geboten hier und heute!
Allein die auf die rückwärtige Leinwand projezierten Videos waren das Eintrittsgeld wert! Da konnte man vom ersten Lied an hypnotisch wirkende abstrakte Bilder und Formen sehen, die die Zuschauer mit ihren grellen und ständig wechselnden Farben auch ohne Einnahme von halluzigenen Drogen auf einen Trip schickten.
Mal hatte man den Eindruck, die Band spiele vor einem herbstlichen Laubwald, dann wiederum glaubte man einen extrem bunten Konfettiregen niedergehen zu sehen.Am eindrucksvollsten (und erschreckendesten!) war aber ein Video, bei dem man eine unbekleidete Frau sah, die durch einen Schacht fiel und am Ende auf dem Boden aufzuprallen schien,
so als hätte sie sich irgendwo runtergestürzt, um sich auf grausame Weise das Leben zu nehmen. Mir stockte der Atem, das war schon harter Tobak, zumal sich die Szene während des Liedes ständig wiederholte! Ein Psychothriller der verschärften Sorte also, "Vertigo" von Alfred Hitchcock war nichts dagegen...Hinsichtlich der gespielten Lieder hielt sich die Band an die beiden Kultalben
"Isn't Anything" (1988) und natürlich "Loveless" (1991) und einzelnen Songs von EPs (wovon auch die Noisekeule "You Made Me Realise" stammte).Schon der Auftakt mit " I Only Said" und seinem sich ständig wiederholenden Thema war beeindruckend und wirkte trotz seines Alters (minimum 17 Jahre alt!) modern,
ja fast avantgardistisch. Und zum ersten Mal kam ich in den Genuss eines wuchtigen Sounds, denn die Originalalben sind ja teilweise mit alter Analogtechnik aufgenommen und wirken im Gegensatz zu heutigen CDs fast leise. Aber auch da gibt es inzwischen Abhilfe, denn sowohl "Isn't Anything" als auch "Loveless" sind 2008 remastered und somit kräftig aufpoliert zu haben.
Von "Loveless" stammte auch der zweite Knüller des Abends, das fast heiter und optimistisch wirkende "When You Sleep". Einzelne Leute fingen an zu tanzen, was aber letztlich darauf hinauslief, heftige Vor-und Rückwärtsbewegungen mit dem Kopf und dem Oberköprer zu unternehmen. Die meisten Leute blieben dabei auf der Stelle kleben.
Und selbstverständlich sollte sein, dass weder mitgesungen- noch geklatscht wurde, dazu eignet sich die Musik von My Bloody Valentine einfach überhaupt nicht. Eher zum Träumen, wie z.B. bei dem famosen "To Here Knows When" oder dem Klassiker "Soon" der im hinteren Drittel gebracht wurde.
Ich persönlich fand aber auch die schnellen Titel toll, so z.B. das schmissige Stück "When You Wake" oder die Singleauskopplung "Feed Me With Your Kiss", beide auf "Isn't Anything " vertreten.Das abschliessende "Do You Realise" diente hingegen eher als Gratis-Rückenmassage
(der Boden vibrierte wie wild!), denn als Zungenschnalzer. Viele Leute hielten sich die Ohren zu, oder verliessen gleich den Zénith. Diejenigen, die gegangen waren, verpassten aber noch eine - wenn auch recht kurze Zugabe - die überraschenderweise noch kam. Überraschend vor allem deshalb, weil die Band schon seit 10 Minuten die Bühne verlassen hatte und es nicht mehr danach aussah, als würden sie noch einmal zurückkommen.
Kevin Shields wurde übrigens Stunden später noch im kleinen Pariser Pub "Truskel" gesichtet, wo vor kurzer Zeit Pete Doherty mit seinem nächtlichen Überraschungsauftritt für Schlagzeilen gesorgt hatte.Fazit: ein gutes Konzert einer faszinierenden und stilprägenden Band, das neben Noise und wirren Videobildern auch einige schöne Melodien zu bieten hatte. Kein Widerspruch, das macht das Phänomen My Bloody Valentine gerade aus! Setlist My Bloody Valentine, Le Zénith, Paris:01: I Only Said02: When You Sleep03: When You Wake04: You Never Should05: Cigarette In Your Bed06: Come In Alone07: Only Shallow08: Thorn09: Nothing Much To Lose10: To Here Knows When11: Blown A Wish12: Slow13: Soon14: Feed Me With Your Kiss15: Sue Is Fine16: You Made Me RealiseLinks:
- You Tube - Video von "I Only Said" live aus dem Pariser Zénith- "Only Shallow" Original Videoclip- Videoclip von "Soon"- mehr Fotos von MBV hierZur gleichen Zeit fand im Trabendo das Konzert von My Morning Jacket statt. Das hätte ich auch gerne gesehen, aber ich habe zumindest jemanden getroffen, der mir netterweise die Setlist gegeben hat. Der Gig dauerte wohl zwei (!) Stunden, es war aber nicht ausverkauft.Setlist My Morning Jacket, Trabendo, Paris:01: Evil Urges02: Off The Record03: Gideon04: What A Wonderful Man05: Two Halves06: Sec Walkin07: Thank You Tod08: I'm Amazed09: Touch Me Pt. 110: Laylow11: Golden12: I Will Sing13: Smokin From Shootin14: Touch Me Pt. 215: Bermuda (Z)16: Wordless (Z)17: Highly Suspicious (Z)18: Phone Went West (Z)19: Dondante (Z)20: Anytime (Z)21: One Big Holiday (Z)
um
22:42
Konzert: My Bloody ValentineOrt: Roundhouse, LondonDatum: 22.06.2008Zuschauer: 3300 (ausverkauft)Konzertdauer: ca. 1 StundeAls Ende 2007 bekannt gegeben wurde, dass My Bloody Valentine wieder Konzerte geben würden, mochte man es kaum glauben, so lange hatte man von dieser Band nichts mehr gehört. Und dennoch scheint es noch viele Fans zu geben, denn es wurden zwar mehr und mehr Zusatztermine angekündigt, ausverkauft waren aber trotzdem alle: Allein im Roundhouse ist die Band zwischen dem 20. und dem 23. Juni täglich aufgetreten. Und wir waren am 22. dabei.Das Roundhouse ist, man ahnt es, ein rundes Gebäude aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die ehemalige Werkstatt für Dampfmaschinen ist heute eine sehr ästhetische und stimmungsvolle Konzerthalle, in der auch Morrissey und The Jesus and Mary Chain bereits aufgetreten sind.Am Einlass begrüßte uns ein Schild, das darauf hinwies, dass Ohrenstöpsel erhältlich seien. Freunde, die das Konzert des Vorabends besucht hatten, hatten uns dringend
geraten, das Stöpselangebot anzunehmen – dieser Hinweis sollte sich im Verlauf des Abends als nützlich erweisen…Zunächst jedoch unterhielt uns (im weitesten möglichen Sinne) aber ein alternder Rockabilly, der auf seiner Gitarre Oldies wie „Suspicious Minds“ zerschredderte und bei dessen Performance sich der Verdacht aufdrängte, dass er vielleicht gar nicht gebucht worden war, sondern einfach die Bühne gekapert hatte. Eine „richtige“ Vorband gab es nämlich ebenfalls, laut last.fm hieß sie „Le Volume Courbe“. Erwähnenswert ist hier allein die Tatsache, dass wir uns bereits Tage nach dem Konzert an nichts Relevantes zu dem Auftritt erinnern konnten…Vielleicht waren wir auch zu sehr damit beschäftigt, über die Gründe für dieses unerwartete Comeback zu spekulieren: Immerhin ist es 17 Jahre her, dass My Bloody
Valentine mit der Aufnahme ihres zweiten Albums „Loveless“ ihr Label fast in den Ruin getrieben und kurz danach ihre musikalische Karrieren beendet haben. Kevin Shields hat den einen oder anderen Remix und Soundtrack abgeliefert, sonst herrschte absolute Stille. Warum also jetzt eine Wiedervereinigung? Nun, vielleicht haben finanzielle Interessen eine Rolle gespielt, und das kann man der Band ja nicht vorwerfen, zumal die Rechnung mit dem Run auf die Karten ja offenbar aufgegangen ist.Aber nun endlich zum Auftritt, den wir ohrenstöpselgeschützt mit dem größtenteils über 30jährigen Publikum genossen (wiederum im weitesten Sinn): Die Highlights „Only Shallow“ und „Soon“ umrahmten ein Konzert, bei dem die Stimmen fast unhörbar hinter den extralauten Gitarren zurücktraten. Zu Scherzen mit dem
Publikum oder der Beantwortung unserer Mutmaßungen hinsichtlich der Beweggründe war niemand aufgelegt: Herr Shields beließ es bei einem „Hello“ und einem „Sorry“ (Letzteres bezog sich auf ein abgebrochenes Liedintro).Nach dem wirklich nun nicht gerade leisen Konzert“hauptteil“ kulminierte der letzte Song in eine meandernde, sich monoton dahin schleppende, fünfzehnminütige Krachorgie, die dem Publikum das
Letzte abverlangte. Mögliche Reaktionen waren hier: Saal verlassen, Ohrenstöpsel bis zum Anschlag ins Gehör rammen und Hände fest darüber pressen, während der ganze Körper mitwummert, oder Kevin Shields einen Gott sein lassen und die nächsten Tage mit Tinnitusinfusionen verbringen.Fazit: Ein erinnerungswürdiger Abend, an dem aus dem Werkkatalog nur „Sometimes“ fehlte, von dem man aber sicherlich keine Live-CD erwerben möchte.Setlist My Bloody Valentine, Roundhouse, London:*01: Only Shallow02: When You Sleep03: You Never Should04: (When You Wake) You’re Still In A Dream05: Lose My Breath06: I Only Said07: Come In Alone08: Thorn09: Nothing Much to Lose10: To Here Knows When11: Slow12: Blown A Wish13: Soon14: Feed Me With Your Kiss15: Sueisfine16: You Made Me Realize* Internetrecherche
von Ursula und Dirk von Platten vor Gericht