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Sonntag, 11. Januar 2015

Konzerttipp - feine Festivals im Winter

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Die Konzertsaison startet langsam aber sicher. Zum Glück auch die Saison für Liebhaberfestivals. Hier kommen Gudruns Tipps für Festivals, auf denen man sich wohl fühlen kann und garantiert musikalische Entdeckungen macht. Und das im Winter.




One of a Million Musikfestival
Baden  Ticketlink
30. Januar - 07. Februar 

... bezeichnet sich selbst als Boutique- und Entdeckerfestival. Braucht es noch mehr Empfehlung?

Bands im reichhaltigen Programm, für die ich den Weg in die Schweiz gern auf mich nehme, sind:
Emily Jane White
Get Well Soon
Keston Cobblers Club
Low Roar
Orenda Fink
Talking To Turtles 
Warm Graves

Aus unserem Archiv:
Emily Jane White, 25.03.14 
Get Well Soon, 22.08.14 
Keston Cobblers Club, 01.06.14 
Warm Graves & Talking to Turtles, 05.09.14 

 

Cross-linx Festival  
Amsterdam, Eindhoven, Rotterdam, Groningen
11.-14. Februar Ticketlink

Das Cross-linx ist ein vier Tage währender Wanderzirkus der Extraklasse. Ein interessant und ein bisschen verrückt zusammen gestellter Haufen an Musikern gastiert nacheinander in wunderschönen niederländischen Konzertorten. Die Ausgabe des Vorjahres war für mich nach 150 Konzerten DAS herausragende Konzerterlebnis. Die großen Namen der Abende 2015 sind 

Mark Lanegan Band - Squarepusher - Metropole Orkest - Bryce Dessner - SWOD - Sebastian Plano - Jameszoo Live - VanDryver - Pekka Kuusisto - Aufgang - Maarten Vos - Nadia Sirota - Poppin On Bach - FC Jongbloed/Lunatree

Auf der Festivalseite finden sich zu allen liebevoll aufgemachte Informationen und Klangschnipsel.

Aus unserem Archiv:
Cross-linx Festival 2014 in Eindhoven




Between the Beats Festival
Burghof Lörrach
5.-7. März  Ticketlink

Ein wunderbarer Konzertort im Herzen der Provinz - ein Festival, dessen Booking ein Herzensanliegen der Veranstalter ist. Sicher wird auch die Ausgabe 2015 ein "Wochenende" der Extraklasse. Mit dabei sind:

Donnerstag: hundreds | pond | only real 
Freitag: kid simius | the/das | brns
Samstag: laing | team me | carnival youth 


Aus unserem Archiv:
Between the Beats, 2013
Hundreds, 20.03.14
Team Me, Haldern, 11.08.12






Dienstag, 25. Februar 2014

Cross-linx Festival, Eindhoven, 07.02.14

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Cross-linx Festival 2014
Ort: Muziekgebouw in Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer:19:00-1:00 Uhr
Zuschauer: etwa 1000



Ich bin mit klassischer Musik groß geworden und mit Avantgarde Musik des 20ten Jahrhunderts. Natürlich fasziniert mich das heute noch so wie früher, zumal ich mich in den Musiziergesten zu Hause fühle. Besonders interessant finde ich es jedoch, wenn die ohnehin künstlichen Grenzen zwischen heutiger und früherer Popmusik verwischt werden. Und wenn die klassischen Musiktempel einen anheimelnden Platz hergeben, einen wunderschönen Abend zu erleben. Insofern ist das Konzept von Cross-linx wie für mich ganz persönlich gemacht - ein wahr gewordener Traum!



Dieses Jahr trat hinzu, dass My brightest Diamond das Festival mitkuratiert hat. Deshalb stand fest, dass ich mir das unbedingt aus der Nähe ansehen würde. Es gab keine Frage, ob sich das lohnen würde, sondern nur, wieviel ich von den vielen Angeboten würde wahrnehmen können.



Auf der Seite der großen Pluspunkte stehen für mich die drei Knaller-Hauptkonzerte mit Ólafur Arnalds, José González und My brightest Diamond. Die Detroit Party Marching Band eine Bombe hintendran. Daneben Konzerte, die für sich genommen schon sehr gut waren, aber neben den genannten Knallern in der zweiten Reihe landeten. Dazu zu meinem Entzücken ein Festival wo die Künstler im Publikum zu finden waren und sichtlich Spaß hatten, wie z.B. hier bei Tim Fite:



Die offen gebliebenen Punkte auf meiner Wunschliste hinterher eigentlich alles Luxuxprobleme: Leider ist es mir aufgrund des zeitlichen Ablaufs nicht möglich gewesen auch nur eines der vielen angebotenen Konzerte im Music Mining Programm zu sehen. Besonders leid tat es mir um Spring Collective mit Shara Worden und um Lubomyr Melnyk. Ihn habe ich nur am Merchstand sitzen sehen und er erschien mir in dem ganzen Trubel nicht so besonders glücklich.  Außerdem war der Wechsel zwischen kleinem und großen Saal so, dass man nie das ganze Konzert miterleben konnte.



Ich werde wohl im kommenden Jahr deshalb einen Trick machen, der nur bei diesem Festival funktioniert und mir zwei Abende gönnen. Dann kann ich am zweiten Abend die großen Konzerte weglassen und die Edelsteine im Music Mining mit ausgraben.

Aus unserem Archiv:
Einladung zum Cross-linx 
Teil 1 mit Ólafur Arnalds und Douglas Dare
Teil 2 mit José González und Malvinia Meijer
Teil 3 mit My brightest diamond und Detroit Party Marching Band




My Brightest Diamond, Eindhoven, 07.02.14

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Cross-linx Festival 2014
  Teil 3 mit der Detroit Party Marching Band und My Brightest Diamond
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer: 20 min DPMB, 60 min MBD, 30 min DPMB
Zuschauer: etwa 400 


Ich war mir sicher gewesen, dass sich die Fahrt nach Eindhoven lohnen würde. Als ich nun auf den letzten Programmpunkt Shara Worden alias My Brightest Diamond wartete, war ich mir jedoch sehr bewusst, wie sehr ich auf diesem Festival schon beschenkt worden war - weit über alle meine hochgespannten Erwartungen hinaus. Ich schwamm auf einer Wolke des Glücks. 


Das Konzert von My Brightest Diamond würde in keinem der Säle stattfinden, sondern auf der Bühne im zweiten Foyer. Damit war diesmal ein Platz direkt vor der Bühne und ganz nah am Geschehen möglich (dafür im Stehen und nicht bequem im Konzertsaalsessel). Die Aufzeichnungen im Programm waren für mich etwas kryptisch. My Brightest Diamond würde mit DPMB spielen und ohne. Ich hatte mir das so übersetzt, dass sie von ihren klassischen Musikern begleitet werden würde und fand die Bühne diesen Erwartungen entsprechend vorgerichtet mit diversen Notenständern, einem Drumset rechts vorn und E-Bass rechts hinten. In dem Moment begann unweit ein rhythmisches Getöse von archaischer Blasmusik und ich fragte mich, wie hier gleich das Konzert mit der zarten Musik bestehen sollte. Noch während ich darüber leicht unruhig wurde, setzte sich aber die Musik in Bewegung und kam vom ersten Geschoss direkt vor die Bühne von Shara Worden marschiert und DPMB erwies sich als Abkürzung für die Detroit Party Marching Band. 


Was für eine Urgewalt des Spaßes sich da entlud! Die Band musste im spielen und marschieren den Platz vor der Bühne räumen, wo sich ja schon Publikum versammelt hatte und machte das sehr freundlich und fast schon überfürsorglich. Auf der Bühne versammelten sich die Musiker: Ein Quintett von klassischen Blasinstrumenten, ein Schlagzeug und ein E-Bass umrahmten die zierliche Shara und übernahmen sozusagen den Staffelstab indem erst die Musiker auf der Bühne mit der Blasmusik einen Song mitspielten und -sangen und dann für das erste Stück von My Brightest Diamond noch die Bigband begleitete. Shara hatte für diesen Teil ein Kostüm wie ein Operettenhauptmann. Danach wurde der Platz vor der Bühne frei für die Zuhörer und das Konzert nur von den Musikern auf der Bühne fortgesetzt.


Fast alle Songs des regulären Sets waren für mich neu, wirklich toll und damit besonders beglückend. Material, was auf ein weiteres hochklassisches Album Hoffnung machte (für 2014 ist ja ein Release angekündigt). In der Setliste unten habe ich für die neugierigen ein paar Livemitschnitte des neuen Materials hinterlegt.


 

Zwischendurch luden mich mit Be brave, High low middle und Apples vertraute Songs ein, mitzusingen. Und es wurde immer wieder etwas im Kostüm variiert, um Bedeutung nicht nur über Text und Musik zu transportieren. Für Be brave hatte Shara eine Maske vorbereitet, für High low middle trug sie einen Schnurrbart. Und natürlich wurde getanzt!



Zwischendurch musste sie immer wieder in sich hineinschmunzeln - offensichtlich machte ihr das Konzert selbst auch viel Spaß. Schließlich ging ein ganz großes Dankeschön an die niederländische Kulturfördrung, die einen komplett verrückten Traum, nämlich 30 Leute mit Trommeln und Blasinstrumenten für vier Tage über den Teich zu holen, möglich gemacht hatte.



Und den coolste Schlagzeuger der Welt aus Deutschland organisiert hatte und den Mann am E-Bass und die Musiker und Musikerinnen vom Sinfonieorchester. Der Schlagzeuger rechts vorn am Bühnenrand hatte auch meine Aufmerksamkeit immer wieder gebunden. Er hatte eine Art sich zu bewegen, die man nur als elegant bezeichnen kann. Wenn man ein Kontinuum von Schlagzeugstilen aufspannen wollte, wäre Tier aus der Muppetshow am diametral entgegengesetzten Pol! Ein Hingucker und genussvoller Spieler.


Schließlich wurde die DPMB wieder dazugeholt (sozusagen statt Zugabe) und zog hinterher zurück ins Foyer auf der ersten Etage, wo sie noch etwa 30 Minuten alle, die noch da waren in Begeisterung zog. Ólafur Arnalds stand direkt neben mir im Publikum und war genauso fasziniert wie ich. Er schrieb nach den vier Tagen, dass dies seine Entdeckung des Cross-linx Festival gewesen wäre:


Für mich gab es nach dem Konzert noch ein kurzes Gespräch mit einer überglücklichen Shara und eine Umarmung, die mich ganz beglückt in die Nacht entließ. Was für ein Abend war hier zu Ende gegangen und was für eine tolle Frau ist diese Shara Worden!




Setlist: 
00: DPMB mit My Brightest Diamond
01: Pressure (with DPMB)
02: Before the words
03: This is my hand
04: Be brave (All things will unwind)
05: Lover Killer
06: I am not the bad guy
07: Looking at the sun
08: High low middle  (All things will unwind)
09: Apples (A thousand sharks teeth)
10: A Bronze head
11: Inside a boy (A thousand sharks teeth)


Aus unserem Archiv:
My Brightest Diamond, Straßburg, 30.03.12
My Brightest Diamond, Paris, 28.03.12
My Brightest Diamond, Berlin, 24.11.11
My Brightest Diamond, Haldern, 13.08.11
My Brightest Diamond, Paris, 07.10.08
My Brightest Diamond, Haldern, 08.08.08
My Brightest Diamond, Evreux, 27.06.08
My Brightest Diamond, Paris, 22.04.08
My Brightest Diamond, Paris, 02.10.07
My Brightest Diamond, Paris, 26.02.07


Einladung zum Cross-linx 
Teil 1 mit Ólafur Arnalds und Douglas Dare
Teil 2 mit José González und Malvinia Meijer



Sonntag, 23. Februar 2014

José González, Eindhoven, 07.02.2014

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Cross-linx Festival 2014
  Teil 2 mit Lavinia Meijer und José González
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer: knapp 40 min und 60 min
Zuschauer: etwa 400 und etwa 1000


You left a lovestain on my heart
 
Im zweiten Teil des Abends in Eindhoven stand für mich zunächst die Harfenistin Lavinia Meijer im kleinen Saal auf dem Programm. War es bei Douglas Dare noch nur locker gefüllt gewesen, war nun anscheinend das Publikum des Abends beisammen und der kleine Saal so gefüllt, dass auch Leute stehen blieben. Was aber in dem Saal rein gar nichts machte. Man konnte sich auch gut auf Treppen und Brüstungen setzen und hatte die Bühne trotzdem gut im Blick. Es war durchgängig eine aufmerksame Stille im Saal.



Lavinia stammt aus Korea und ist in einer niederländischen Familie aufgewachsen. Sie ist in der klassischen Musik eine preisgekrönte Künstlerin, aber mit ihrem randständigen Instrument immer auch am Rande der Genres. An diesem Abend hatte sie ein sehr interessantes Programm für uns vorbereitet. Als Verbeugung vor dem Künstlerkollegen hatte sie zwei Stücke von Ólafur Arnalds adaptiert - sie passen natürlich auch hervorragend in die romantische Harfenfarbe. Anschließend wurde es aber sehr schräg. Bei Cities change the songs of birds wurden Verwünschungen und andere verstörende Texte von am Rande der Gesellschaft lebenden eingespielt und mit der Harfenmusik beantwortet. Sehr packend und auch bedrückend.



Mit Metamorphosis durfte es dann wieder etwas versöhnlicher weitergehen und für Karma Police gab es ganz besonders viel Beifall. Ich fand die etwa 40 min sehr interessant und die Künstlerin machte einen sehr, sehr sympatischen Eindruck. Einige Male fiel ihr das Mikro nach einer 270 Grad Umlaufbahn von hinten in den Rücken und es gab ordentlich Gelächter von ihr selbst über ihre Ungeschicklichkeit.

Setlist:
1. Tomorrow's Song (Ólafur Arnalds)
2. Erla's Waltz (Ólafur Arnalds)
3. Cities change the songs of birds (
Jacob ter Veldhuis, 3 parts)
   Lying Piece of Shit, 
   From the time she was a baby, 
   That's it, your honour
4. Metamorphosis II & IV (Philip Glass)
5. Karma Police (Radiohead)



Anschließend war José González im großen Saal "dran". Der Saal war jetzt tatsächlich auch in den oberen Tribünen ziemlich auf die letzten Plätze gefüllt. Im Vorfeld hatte ich mich nicht sehr stark mit der Musik von José González auseinandergesetzt. Er hat eine gut wiedererkennbare Stimme mit einem ganz eigentümlichen Timbre und einer beruhigenden und warmen Ausstrahlung. Aber eigentlich erschien es mir in Summe zu einförmig und nicht interessant genug. Aber in einem so schönen Saal kann man ja einfach auch die Augen zumachen und sich überraschen lassen.



Und überrascht wurde ich auf mehreren Ebenen. Zunächst damit, dass er allein mit Gitarre die Bühne betrat (ich hatte orchestrale Begleitung erwartet) und dann damit, dass ich tatsächlich anschließend eine berauschende Konzertstunde erlebte. Ich lehnte mich innerlich zurück um mich ein bisschen auszuruhen und wurde von seiner Musik an die Hand genommen und war einfach nur restlos glücklich und entspannt. Nach einiger Zeit kamen zwei weitere Musiker auf die Bühne und klatschten erst vom Rand her den Takt zu Lovestain. Anschließend nahmen sie Plätze am Flügel und am Schlagzeug ein und begleiteten José González für den Rest des Programms (außer der Zugabe).


Für die zweite Hälfte kamen schließlich auch Orchestermusiker auf die Bühne und bestätigten meine anfängliche Erwartungshaltung. Natürlich fügte das auch neue Farben zur  Musik. In Stay alive könnte man schon fast Angst bekommen, nun sei es zu glatt und pop-affin, aber die Geigen machten keinen klebrigen Überzug, sondern setzten emotionale Glanzpunkte: Don't let the darkness eat you up. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir auch Teardrops. Angeregt sicher durch den Fakt, dass ich das Original von Massive Attack seit Jahren kenne und liebe, aber die Version hier auf der Bühne war auch ganz besonders packend.


Als Belege dafür gibt es auch einige Videoaufzeichnungen, von denen ich zwei hier einfügen möchte. Aber sehr, sehr eindrücklich in Erinnerung ist mir geblieben, wie dieser Mann nur mit seiner Gitarre in der Lage war, mich so zu verzaubern und einen Abdruck auf meinem Herzen zu hinterlassen ... und seine ganz eigene Technik, die Gitarre zu stimmen während perlende Akkorde erklingen.

 




Ein dritter Bericht wird sich noch meinem privaten Höhepunkt My brightest Diamond widmen!

Setlist José Gonzalez
(alle Titel vom Album Veneer, 2003, wenn nicht anders bezeichnet)

1: Deadweight on Velveteen
2: Hints
3: Crosses
4: Lovestain
5: neuer Song
6: Line of Fire (Junip)
7: Down the Line (*)
8: Stay Alive (Album: The Secret Life Of Walter Mitty)
9: Hand on Your Heart (Kylie Minogue cover)
10: Cycling Trivialities (*)

11: Teardrop (Massive Attack cover)
12: Heartbeats (The Knife cover)

13: Broken Arrows (Z)

(*) vom Album: In our nature

Konzertvorschau:
26. Februar 2014 Lavinia Meijer in Berlin @ Passionskirche
13. Mai 2014 Junip in Hamburg @ Elbphilharmonie

Aus unserem Archiv:
Junip, Paris, 05.06.10
Einladung zum Cross-linx 
Teil 1 mit Ólafur Arnalds und Douglas Dare


 

Freitag, 21. Februar 2014

Ólafur Arnalds, Eindhoven, 07.02.14

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Cross-linx Festival 2014
  Teil 1 mit Douglas Dare und Ólafur Arnalds
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 7. Februar 2014
Dauer: mehr als 45 min und 60 min
Zuschauer: etwa 200 und etwa 1000

  
Der entscheidende Impuls zum Cross-linx zu fahren war mein Wunsch, My brightest Diamond live zu erleben. Hochwillkommene Draufgabe war, dass es an einem besonderen Ort ein ganz besonderer Abend werden würde. 

In zweiter Linie schaute ich auf das Konzert von Ólafur Arnalds mit gewisser Vorfreude. Wir sind Freunde, seit 2007 Die VISIONS mir seine Eulogy for Evolution empfahl, die sich seitdem noch nicht müde gelaufen hat. Ich weiß, dass mich die Liebe zu seiner Musik mit vielen Menschen verbindet, aber ich stehe doch noch immer etwas schämig in der Ecke, wenn ich darüber sprechen soll, was seine hochemotionalen Klavier- und Streicherklänge so diametral von dem unterscheidet, was als leichte Klassikkost in den Fahrstühlen und Hotellobbies dieser Welt bei mir Brechreiz auslöst. Immer nimmt mich seine Musik mit auf Entdeckungsreise und lässt mich nicht kalt. 


Überdies passierte es über die Zeit, dass der Künstler mir auch als Person sehr nah geworden ist - als Mensch, der mich in seiner Art, in der Welt zu sein, sehr interessiert. Er hat eine so geerdete Präsenz in Interviews oder wenn er seine Hörer in sein eigenes Wohnzimmer holt, um dort Musik zu machen und zu teilen. So typisch für die Künstler, die beim Label Erased Tapes zusammen arbeiten. Dabei ist er die letzten Jahre ständig um die ganze Welt getourt und hat auch mit Filmmusiken (zB. Hunger Games und Broadchurch) einige Aufmerker gesetzt und Preise gewonnen. Er ist im Business angekommen ohne für mich sichtbare Blessuren und Verfremdungen.


Schön, ihn nun endlich auch einmal live zu erleben und das so bequem in einem wunderschönen Raum sitzend, mit Garantie auf ein aufmerksames Publikum und in einer Besetzung, die noch ordentlich eins drauf setzen würde. Zunächst war aber alles ganz unspektakulär. Die Musiker - etwa 20 Streicher und Bläser der Philharmonie Zuidnederland
und seine Mitmusiker Björk Óskarsdóttir, Siun Milne, Karl Pestka and Hallgrímur Jensson kamen auf die Bühne mit dem Dirigenten Clark Rundell und Ólafur Arnalds begrüßte sein Publikum mit dem Wunsch, zwei Töne zu singen. Diese nahm er mit einem iPad auf, loopte und verwendete es für den ersten Song Þú ert sólin (Du bist die Sonne) vom Album ...and they have escaped the weight of darkness. 


Er selbst saß am Flügel, hatte aber stets das iPad griffbereit obenauf liegen und neben sich noch zwei Computer - einen für die eindrucksvollen Projektionen und einen weiteren für Soundschnipsel. Sehr virtuos setzte er Rhythmen ein, die zum Teil auch mit Lichteffekten gekoppelt waren. Die Dynamik war so, dass in den leisen Teilen sogar die Lüftung störend zu hören war und leider kamen in der ersten halben Stunde noch ständig trappelnd neue Zuhörer dazu. Das war doch sehr störend. Denn was uns von der Bühne her präsentiert wurde war unglaublich packend in den ganz leisen Passagen wie in den Ausbrüchen in Rhythmen und Licht.


Im Verlauf des Konzertes erklang mit Sudden Throw, Brim, This place was a shelter, Hands, be still, Only the winds viele Stücke vom aktuellen Album For now I am winter aber mit  Gleypa Okkur vom Album … and They Have Escaped the Weight of Darkness und 3326 vom Eulogie-Album gab es auch zwei weitere ältere Songs. In dem Moment, wo die Steigerung in 3326 fast nicht mehr zu ertragen war, setzte ein überirdisch schönes Geigensolo ein. Da blieb mir wirklich die Luft weg. Auch die Gewöhnung gerade an dieses so vertraute Stück konnte den Zauber des Momentes nicht dämpfen.



Und auch dies ließ sich noch steigern, indem Arnór Dan Arnarson (Sänger der Band Agent Fresco) den Songs  For now I am winter, A Stutter und Old skin (alle vom aktuellen Album For now I am winter) seine Stimme lieh. Einen kongeniale Ergänzung zu der sonst ja rein orchestralen Musik, die bei mir an dem Abend so ankam wie beim Schlusssatz von Beethovens neunter Symphonie, wo der Chor erklingt, weil die menschliche Stimme das Fass zum überlaufen bringen kann. 

Fast tänzelnd klang das Set mit  Near Light (Living room songs EP) aus und ließ mich mit dem Gefühl zurück, etwas einmaliges miterlebt zu haben. Ein rundum wunderbarer, wuchtiger Abend voller Emotionen und Glück. Und das war erst der Anfang.




Setlist Ólafur Arnalds:
1: Sudden Throw
2: Brim
3: This Place Was a Shelter
4: Hands, Be Still
5: Only the Winds
6: Gleypa Okkur
7: 3326
8: For Now I Am Winter (with Arnór Dan)
9: A Stutter (with Arnór Dan)
10: Words of Amber
11: Old Skin (with Arnór Dan)
12: Near Light 



Mein erstes Konzert des Abends war jedoch Douglas Dare gewesen. In der kleinen Bühne war er am Piano mit einem Mann am Schlagzeug aufgetreten. Über die ersten Stücke stahl ihm meiner Meinung nach sein Schlagzeuger eindeutig die Show (in der zweiten Hälfte des folgenden Videos sieht man wie ich das meine).



Ich fand sein Spiel faszinierend und filigran. Die Stimme von Douglas Dare ist weich und schmeichelnd und mit Caroline hatte er auch einen tollen Hit mitgebracht. Alles in allem war das Set deshalb ein sehr gelungener Auftakt des Abends für mich gewesen. Einzig schade war, dass ich das Konzert vorzeitig verlassen musste, um rechtzeitig bei Ólafur Arnalds sein zu können.



Konzertvorschau:
Ólafur Arnalds im Konzerthaus Dortmund am 23. März 2014



Aus unserem Archiv:
Einladung zum Cross-linx 
Douglas Dare und Ólafur Arnalds, Wiesbaden, 22.05.2013
Ólafur Arnalds, Köln, 11.08.2008




Sonntag, 20. Februar 2011

Efterklang, Eindhoven, 18.02.11

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Konzert: Efterklang
Ort: Effenaar, Eindhoven (Cross Linx Festival)
Datum: 18.02.2011
Zuschauer: ein paar hundert
Dauer: gut 40 min


Die erste Station beim Eindhovener Cross Linx Festival war das Kulturzentrum Effenaar, in dessen großen Saal die dänische Band Efterklang auftrat. Efterklang waren mit einem Messing-Orchester angekündigt worden. Als das Licht ausging erschienen dann auch zunächst acht (!) Blechbläser: Horn, Posaune, zwei Trompeten, drei Saxophone und Klarinette. Und weil da schon so viele Begleitmusiker standen, ließ sich auch Efterklang nicht lumpen und erschien zu neunt, wobei das nicht ganz stimmt, weil einer dieser neun Pianist und Arrangeur Daniel Bjarnason war.

Der Isländer, der in Freiburg Musik studiert hat, hat neben seiner Tätigkeit für Efterklang u.a. auch für Sigur Rós und Ölof Arnalds (demnächst hier) gearbeitet. Daniel spielte durchgängig Klavier, stand aber immer wieder kurz auf, um das Bläserorchester zu dirigieren. Allerdings übernahm auch Sänger Casper Clausen Dirigenten-Aufgaben, auch er zeigte immer wieder an, wann wer einsetzen sollte - sicher sehr nötig bei 17 Musikern auf der dafür doch recht kleinen Bühne! Neben den vier Kern-Efterklang-Mitgliedern gehörten Heather Woods Broderick, ihr Bruder Peter zu den Unterstützern, die anderen drei erkannte ich leider nicht.*

Die Unterstützung durch die Bläser war besonders und machte die Musik der Dänen anders, als ich sie in Haldern erlebt hatte. Manchmal gab es ewig lange Instrumentalintros, andere Lieder gingen ineinander über, wobei der Übergang eine Bläserpartie war (Monopolist und Raincoats). Bei der Masse an Blasinstrumenten blieben die Assoziationen zu Big Band Musik nicht aus. Ich sah einige Male vor meinem inneren Auge Max Greger vorbeitröten. Andere Stücke klangen mit den Bläsern eher wie die CD Versionen - ach, man muß das nicht sezieren, das erzeugte Klangbild aus Bläsern (auch der Efterklang Schlagzeuger spielte mindestens bei einem Stück eine zusätzliche Trompete, Heather Woods Broderick Flöte), Gitarren, Keyboards und vielen Percussion-Instrumenten war einzigartig und ein großes Erlebnis!

Den größten Knüller hatten sich die verstärkten Dänen für's Ende aufgehoben, da stimmten sie Modern Drift, einen ihrer schönsten Songs an. Er wurde aber noch etwas schöner als sonst, denn nachdem das Lied eigentlich fertig war, bildeten die siebzehn eine Polonaise und zogen mit Blasinstrumenten und Glöckchen von der Bühne und durch den Saal und musizierten da weiter, es war wundervoll!


Setlist Efterklang, Effenaar, Eindhofen, Cross Linx Festival:

01: ?
02: Alike
03: Scandinavian love
04: Harmonics
05: Monopolist
06: Raincoats
07: Modern drift

Links:

- aus unserem Archiv:
- Efterklang, Haldern, 14.08.10
- Efterklang, Paris, 28.04.10
- Efterklang, Paris, 03.11.09
- Efterklang, Paris, 07.04.08

* vermutlich war einer von ihnen Arnold Marinissen, ein niederländischer Percussionist




Samstag, 19. Februar 2011

Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11

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Konzert: Owen Pallett
Ort: Muziekgebouw Eindhoven, Cross Linx Festival
Datum: 18.02.2011
Zuschauer: vielleicht 200
Dauer: 60 min


Mein Hauptgrund, zum Eindhovener Cross Linx Festival zu fahren, war der Auftritt von Owen Pallett. Nachdem ich eine Weile gebraucht hatte, die Musik des kanadischen Geigers liebenzulernen, gehört der Musiker mittlerweile zu meinen Lieblingskünstlern. Daß Efterklang und The National weitere Teilnehmer des Cross Linx' sein würden, war selbstverständlich auch kein Nachteil und rechtfertigte den Ausflug.

Das Cross Linx Festival findet in vier niederländischen Städten an vier aufeinander folgenden Tagen statt. Für uns kam aus terminlichen und geografischen Gründen nur Eindhoven in Frage. Nachdem bereits Efterklang im Kulturhaus Effenaar gespielt hatten (Bericht folgt), zog der Festivaltroß durch die Eindhovener Fußgängerzone zum Muziekgebouw, das in einer Shoppingpassage liegt und mehrere klassische Konzertsäle beherbergt. Owen Pallett war in einem der kleineren Säle angesetzt, der bestuhlt war und etwa 300 Zuschauern Platz bot. Ganz gefüllt war er allerdings zu Beginn nicht, parallel trat im großen Saal Sharon van Etten auf, die offenbar deutlich attraktiver wirkte.

Owen Pallett macht zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftige Musik. Für das Radio-Ohr ist der Kanadier vollkommen unhörbar. Da die Mehrzahl des Festivalpublikums kulturinteressiert, aber nicht unbedingt Stammgast in Indieclubs war, war gut nachvollziehbar, daß die amerikanische Singer/Songwriterin den großen Saal füllte, während für Owen Pallett eine überschaubarere Zuschauergruppe blieb.

Owens Musik ist nicht (auf den ersten Blick) eingängig, weil im Regelfall klassiche Songstrukturen fehlen. Der Musiker baut seine Stücke mit eigentlich sehr einfachen Mitteln auf, er benutzt eine Geige, ein Keyboard und seine Stimme. Dabei baut er - wir haben das häufiger beschrieben - die Lieder schichtweise auf, er nimmt zunächst etwa ein paar Geigenzupfer auf, spielt sie wiederholt ab und hat einen Rhythmus. Dazu kommt vielleicht eine Geigenspur oder eine Keyboardmelodie, die auch aufgenommen und wiedeholt abgespielt - geloopt werden. Im Gegensatz zu vielen (auch guten) Musikern, die sich dieser Technik bedienen, ist dieser Entstehungsprozess aber beim Kanadier so homogen, daß kein großes Vorbereiten passiert, das den Fluß des Konzerts stört.

Owen Pallett spielte ein Best off Set. Seine letzte Platte Heartland ist vor gut einem Jahr erschienen und bildete das Grundgerüst des Konzerts. Da Heartland von seinen drei Alben (die ersten beiden entstanden unter dem Namen Final Fantasy) das mit der größten Hitdichte ist und dazu die Knüller der beiden ersten Platten und der EP A Swedish Love Story vom vergangenen September gespielt wurden, hatte der Auftritt trotz der langen Dauer von einer Stunde keinerlei Hänger - im Gegenteil, ich hätte dem Kanadier gerne noch viel länger zugehört.

Neben meinen Lieblingen This is the dream of Win & Régine, Midnight directives, This lamb sells condos und den beiden Lewis-Liedern war ein Geräusch der schönste Moment für mich. Owen klopfte nämlich irgendwann auf die Decke seiner Violine. Statt eines Klopfgeräuschs ergab das einen fast elektronisch klingenden, peitschenden Ton, der geloopt einen Doppelgänger eines Diskobeats erzeugte, unglaublich, auf wie viele Arten einer Geige offensichtlich Töne entlockt werden können!

Wenn man ein Haar in der Loopsuppe suchen wollte, was ich will, weil ich viel zu oft viel zu unkritisch wirke, dann war das das Fehlen eines lustigen Covers. Owen Pallett spielt häufig vollkommen anders klingende Versionen mehr oder weniger bekannter Lieder. Es macht schrecklich viel Spaß, die zu erkennen zu versuchen. In Eindhoven war keines dabei, obwohl gegen Ende, als der Sänger um eine Idee bat, jemand hinter mir vehement Owens Caribou Cover Odessa forderte. Das Cover, das ich schon einmal erlebt hatte, kam leider nicht, auch kein anderes. Aber das gibt mir einen zusätzlichen Anreiz, mich auf sein Konzert kommende Woche zu freuen. Vielleicht dann irgendwas von Lady Gaga?

Setlist Owen Pallett:

01: E is for estranged
02: A man with no ankles
03: The great elsewhere
04: Lewis takes action
05: What do you think will happen now?
06: Took you two years to win my heart
07: This is the dream of Win & Régine
08: Scandal at the parkade
09: This lamb sells condos
10: Arctic circle
11: Midnight directives
12: Many lives -> 45p
13: Lewis takes off his shirt

Links:

- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10




The National, Eindhoven, 18.02.11

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Konzert: The National (Cross Linx Festival)
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 18.02.2011
Zuschauer: 1.500
Dauer: gut 95 min


Heute mittag hielt ich es plötzlich für eine sehr dämliche Idee, im Freitagsverkehr nach dem Arbeiten nach Eindhoven zu fahren, nur um da drei Bands zu sehen und nachts übermüdet zurückzukommen. Glücklicherweise halten solche Vernunftanfälle nie lange an, wir saßen also um fünf im Auto und fuhren zum Cross Linx Festival.

The National sind in den vergangenen drei, vier Jahren immer größer geworden und gehen mit dieser Rolle souverän um. Ihr letztes Album High Violet spätestens hat sie zu einer festen Größe nicht mehr nur in der Indieszene werden lassen, was solche fiesen Folgen wie Morgenmagazin Ankumpeleien von Cherno Jobatey mit sich brachte. Weit weniger fies, aber auch Folge der stetig wachsenden Bekanntheit, sind Headliner-Posten bei Festivals wie diesem, bei dem die Zielgruppe eben nicht das Indiepublikum eines Haldern-Wochenendes, sondern die kulturinteressierte Szene Eindhovens war. Im riesigen Saal saßen sicher sehr viele, die nie vorher von The National gehört hatten. Und genau das machte den Charme des Festivals aus.

Wir hatten uns zunächst reflexartig in eine der ersten Reihen des Stehbereichs gestellt (der in diesem Saal nicht vorgesehen war, es war vermutlich der ebene
Orchestergraben; die Leute in den ersten Sitzreihen sahen jedenfalls von der Band nichts), dann aber überlegt, daß es neu und spannend sein könnte, sich weit nach oben zu setzen und von der Akustik des Konzertsaals berauschen zu lassen. Das taten wir, saßen schließlich fünf Meter über dem Mischpult und sollten schnell merken, daß die Entscheidung nicht dumm war.

The National spielen keine Musik für klassische Konzertsaale, sie haben ja nicht mal Glockenspiele im Programm. Die Amerikaner machen Rock*musik. Efterklang oder Owen Pallett vorher - das wäre naheliegend gewesen, eine laute Band in einem solchen Saal, ist eigentlich Verschwendung (des Saals). Aber das ist natürlich Unsinn; The National wirken überall gut, wichtig ist nur, daß sie sich rau und wenig produziert anhören. Und so war es, auch wenn man das noch nicht unbedingt von Beginn an
merkte, weil da mit Runaway und Anyone's ghost zwei ruhigere Stücke kamen. Beide Titel hörten sich hervorragend in der atemberaubend guten Akustik des Saals an. Es war wie unter Kopfhörern. Die Stärke der Kombination The National/Muziekgebouw kam aber erst beim dritten Lied Brainy zur Geltung: der von Sänger Matt Berninger gegrummelte Refrain in glasklarem Klang, das war schon etwas ganz Besonderes! Und es ging so weiter... Squalor Victoria mit den Ausbrüchen des Frontmanns, mein Liebling Slow Show oder Apartment Story, Fake Empire, Mr. November aber auch Terrible Love vom aktuellen Album - roh wie in kleinen verwanzten Hinterhofclubs aber mit der brillanten Akustik eines Saals, der für Klassik-Orchester gebaut worden ist, das machte ganz viel Sinn und vor allem Spaß!

Zu Wasp Nest, dem Stück von der 2004er Cherry Tree EP, erschien Owen Pallett auf
der Bühne. Bei dessen Konzert hatte der Kanadier noch dafür geworben, zu einem parallel zu The National stattfindenden Auftritt zu gehen, was mich zu dem Schluß führte, er möge die Amerikaner nicht. Offenbar ein Trugschluß: Matt Berninger stellte ihn als "unseren Freund Owen Pallett" vor, der dann bei einigen Lieder Geige spielte, allerdings sehr dezent im Hintergrund.

Das Konzert war musikalisch überragend, daran gibt es nichts zu diskutieren. Dem brillanten Klang hatten wir das wirkliche Konzertgefühl geopfert, das kann man aber durchaus einmal machen. Vor allem, weil wir gegen Ende dann doch noch mittendrin waren. Bei den Zugaben, als Mr. November anstand, kletterte der Sänger ins Publikum. Das ist ein alter Hut, wenn man die Band schon gesehen hat. Matt hatte
aber jetzt besonders viel Auslauf, und den nutzte er. Er kletterte immer weiter nach oben und sang (und schrie) am Ende auf einem der Balkone sehr weit oben. Dummerweise führte die Tür an diesem Balkon nicht wieder auf direktem Wege zur Bühne, also musste sich der Amerikaner etwas anderes überlegen: er kletterte vorne über die Brüstung nach unten, indem er eine riesige Lücke von ein paar Metern überwand und einen schmalen Weg entlanghangelte - der geheime Bruder von Lara Croft.

Es ging gut, also werden wir auch weiter großartige Konzerte dieser Band sehen.
Neben der Band von "diesem Typen mit der Nazifrisur"** ist The National sicher der beste große Act, den man zur Zeit sehen mag, sofern man guten Musikgeschmack hat.

Setlist The National, Cross Linx Festival, Muziekgebouw Eindhoven:

01: Runaway
02: Anyone's ghost
03: Brainy
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of everyone
08: Conversation 16
09: Lemonworld
10: Apartment story
11: Sorrow
12: Abel
13: Wasp nest
14: England
15: Fake empire

16: The geese of Beverly Road (Z)
17: Mr. November (Z)
18: Terrible love (Z)
19: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:
- aus unserem Archiv:
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07


* ekelhaftes Wort; aber Pop trifft es ja wirklich nicht
** einer der köstlichen Kommentare über Arcade Fire nach deren Grammy-Gewinn



 

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