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Mittwoch, 8. September 2021

Maifeld Derby 2021, Mannheim, 03.-05.09.2021

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Konzert: Maifeld Derby 2021
Ort: Mannheim Reitstadion
Datum: 03.-05.09.2021
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: täglich ca. 1.500


„Der nächste Song handelt von Spaghetti, denn Spaghetti sind ziemlich toll“...Mit dieser liebenswerten Einleitung zu ihrer neuen Single bringt die luxemburgische Künstlerin C`est Karma, das positives Lebensgefühl des Wochenendes auf den Punkt. 


„Toll“ sind nämlich auch Festivals und so langsam nimmt die Branche wieder Fahrt auf. Der Weg zur Jubiläumsausgabe des „Maifeld Derby“ (wenn auch unter Corona- Bedingungen) glich eher einem 3-fachen Ochser als einer flüssigen Dressur (um mal bei den beliebten Pferdevergleichen zu bleiben). Verschiebungen, Absagen, Crowdfunding und andere Hilfen führten aber am Ende doch zum Ziel. Das Festival konnte also, wenn auch mit extrem kurzer Vorlaufzeit, stattfinden. 

Not macht erfinderisch; großes Palastzelt raus, Stühle und neue Bühne am Reitplatz rein. Viel war von den notwendigen Corona-Maßnahmen durch das straffe Programm und die clevere Umsetzung zum Glück nicht mehr zu spüren. Lediglich außerhalb des Sitzplatzes war noch eine Maske notwendig. Ansonsten galten die üblichen 3G-Regeln und das Einloggen mit Luca und Sogar Camping war möglich. Musikalisch gab es viel zu erleben. 

Das Maifeld Derby steht seit Jahren für musikalische Breite. Stilgrenzen werden gedehnt, „Scheuklappen“ gibt es nicht. 

Auffällig waren in diesem Jahr Bands und Künstler: innen, die nah am deutschen Schlager musizieren. Edwin Rosen und Dagobert wagen den Spagat, bringen aber dafür auch schon am Nachmittag das jeweils zahlreiche Publikum zum Tanzen (natürlich nur am eigenen Platz). 


Der Sound von Sofia Portanet ist da variabler. Zwischen 80er Pop, französischem Chanson und rockigeren Tönen zeigt sie, ebenfalls am Freitag, einen starken Auftritt. Genau wie Alex Mayr auf der zweiten, kleineren Biergarten-Bühne. Ihre im Studio mit tollem Wall-of Sound eingespielten Songs führt sie hier in intimeren, etwas schrofferen Tönen auf. Lediglich mit Bass und Schlagzeug als Begleitung verlieren die Stücke aber fast nichts von ihrer traumhaften Leichtigkeit. Besonders „Geisterbahn“ gewinnt live nochmal an Intensität. 



Weitere Gewinner des Freitags sind Schubsen aus Nürnberg mit ihrem charismatischen Frontmann Robert Krupar und punkigen Klänge sowie natürlich Cari Cari aus Österreich. Die beiden überraschen die Zuschauer mit einem elektrischen Didgeridoo und staubigen Wüstensounds (a la Tarantino) und machen den Reitplatz bei praller Sonne zur Westernstadt. 


Lewsberg aus den Niederlanden dagegen haben ihren Sound etwas verändert. Geige statt Schlagzeug macht die Songs etwas ruhiger und der brachiale Sound der Hauptbühne, auf der Drangsal seine rote Latexmaske zur Schau stellt, macht es nicht leichter ihnen zu folgen. 



Am Samstag überzeugt die Hauptbühne dann mit vier starken Auftritten: Zunächst Anika , die betont unterkühlt, mit bewusst unverständlichen Ansagen, der Sonne trotzt. Am Bass brilliert Jil März von der Band Gurr . Danach Sophia Kennedy mit Songs ihres starken, neuen Albums „Monsters“ und einer fantastischen Ausstrahlung, gefolgt von den gefeierten Efterklang , die Hit an Hit reihen. Sänger Caspar Clausen bekommt das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, soviel Lust hat die Band, wieder auf der Bühne zu stehen. Ein bewegender Auftritt, der beide Seiten strahlend zurücklässt. 



Headliner am Samstag ist dann noch Sophie Hunger , der man in diesem Jahr als Konzertgänger wohl nur schwer entkommen kann. Sie verwandelt ihre Songs von Tour zu Tour mit wechselnder Besetzung ihrer Musiker: innen immer wieder neu. Dieses Mal sind gleich 5 weitere Sänger: innen dabei und schaffen ein wohlige Atmosphäre zwischen Musical und Gospel. Echte Emotionalität soll hier in jeder Phase kreiert werden, mich packt es an diesem Abend leider nicht.



​Am Sonntag wird es dann noch heißer. Zur Mittagszeit bleiben viele Zuschauer auf den Rängen der überdachten Tribüne, was ein großes Loch zwischen Bühne und Rängen erzeugt. Die oben bereits erwähnte C’est Karma bleibt trotzdem cool, auch wenn ihr Laptop mit Sonnenstich aufgibt und sich alles gegen Sie zu verschwören scheint. Ihre Songs sind großartig und hoffentlich hat Sie in naher Zukunft mehr Glück, sich bei großen Festivals zu beweisen.


Erste Jubelrufe und wilde Tanzeinlagen folgen dann bei Dagobert , der hat netterweise seinen Freund Kai Shanghai dabei, dessen einsamer Hit „Ananas“ zum Running Gag des Tages wird. Im Biergarten schwitzen drei junge Bands aus Österreich hintereinander: Culk , Dives und Oehl


Danach senkt sich die Sonne über dem Reitplatz und das große Finale steht an. Besser hätte der Booking-Gott es nicht planen können. De Wolff aus den Niederlanden lassen endlich auch mal die Gitarren krachen. Ähnlich wie bei den Hives stehen hier nicht die Songs, sondern die Performance im Vordergrund. Und die ist, vom roten Cord-Anzug des Sängers bis zum Gitarrensolo, das hinter dem Rücken gespielt wird, perfekt. 


Und dann sind da noch The Notwist , die dem Ganzen die musikalische Absolution erteilen. In einem wilden Ritt durch die Bandgeschichte, erzeugen sie einen Sog aus Sounds, Licht und Melodien, denen sonst wirklich nur Radiohead oder LCD-Soundsystem so auf die Bühne bringen. 


Ein wirklich würdiger Abschluss eines tollen Wochenendes, das mit dem ruhigen und bezaubernden „Consequence“ ein Ende findet. Für das nächste Jahr wird laut Veranstalter schon fleißig am Line-Up gebastelt. Bald soll es bereits Infos zum Ticketverkauf für 2022 geben. Die Vorfreude steigt bereits. 

Alle Fotos: Michael Graef

















 


Donnerstag, 5. August 2021

Heimspiel Knyphausen, Eltville-Erbach, 29.07. - 01.08.21

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Festival: Heimspiel Knyphausen 2021
Ort: Draiser Hof, Eltville-Erbach
Datum: 29.07. - 01.08.2021
Zuschauer: 300 bis 500





Alles auf Anfang! Alles Neu!
- von Denis Schinner - 

Vier Tage. Zwei Bands je Tag. Maximal 500 Besucher. Alle sitzen. Wo soll dass alles noch ein Festivalfeeling entwickeln lassen? Und doch stellt sich (Vor)Freude ein. Bilder vom Aufbau der, zugegebenermaßen recht klein wirkenden, Bühne, das LineUp wird Spaß machen, freies und nicht vorzubestellendes Catering, ein kleines Rahmenprogramm und Wein, Wein, Wein…Irgendwie doch vieles wie früher. Ein kurzer Plausch mit Frederick, Benjamin, Stefan und Anna über die Vorbereitungen und ein paar Eckdaten. Es ist nicht ausverkauft. Für Donnerstag und Sonntag ist noch die Abendkasse geöffnet. Sicherlich ein Resultat der coronabedingten Umstellungen. Die Leute werden sich erst langsam wieder auf Menschenansammlungen einlassen können. Das Heimspiel dauert dieses Jahr vier Tage und Kinder zahlen erstmals den vollen Preis, aufgrund der Vorgaben des Gesundheitsamtes. Denn jede Person zählt. Das hat alles Konsequenzen. Aber die Branche muss starten und jedes wiedererwachende Festival versprüht Hoffnung, auch für diejenigen Macher und Organisatoren, die aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht wieder starten können oder dürfen. 

Tag 1 - Es startet noch entspannter als erwartet. Am Donnerstag waren nur ca. 300 Besucher über den VVK auf dem Gelände. Feste Platzierungen über markierte Tische und Bänke mit ausreichend Abstand sollen die Einhaltung der aktuell in Hessen geltenden Coronaregeln mit absichern. Dazu komplette Registrierung aller vor Ort. Nichts was störend wirkt. Nein, absolut nicht. Die Organisatoren vor Ort haben ganz Arbeit geleistet um ein möglichst unbeschwertes Festivalerleben möglich zu machen. Hut ab! 



Stefanie Shrnk
- dunkelschöner Sound mit Texten voller Schwermut…allein sein ist auch blöd aber zusammen fällt irgendwie auch noch schwer… Und wenn es dann doch noch möglich ist, sich auf der ohnehin kleinen Bühne sich nochmal zu verdichten, dann spricht das für, Ja wofür eigentlich? Der Sound und die Textur passten doch sehr zum Auftakt. Irgendwie tastend, irgendwie unsicher, irgendwie etwas wankelmütig. Steine im Schuh, schmerzende Knie, Wimpern im Auge - wann kommt der Flow zurück? Spucky Action und die Katze von Jesus… manchmal etwas verwirrende Texte, man muss dran bleiben im zu folgen. Geht sitzend fast gut. Zur Zugabe ergänzt endlich eine Gitarre den Sound und es wird leichter und heller. Die Überleitung zum Hauptact des 1. Tages, die Höchste Eisenbahn, mit denen Stefanie vor zwei Jahren zusammen noch auf Tour waren, gelingt nun doch unproblematisch. 



Die Höchste Eisenbahn - Die sommerlichen Festivalgefühle steigern sich beinahe ins fahrlässig Unermessliche, als das Kollektiv anspielt. Abstände verschwimmen kurzzeitig, die Masken fallen und pure Gesichtsnacktheit offenbart sich bei dieser absolut unterbewerten Band! Der ein oder andere spielerische Patzer wird selbstkritisch zwinkernd aufs Homeoffice geschoben. Aber die Kapelle feiert sich und den Abend und alle feiern mit! Erlösend! 

Tag 2 - der Tag startet tiefenentspannt auf der Campingwiese am Weingut. Noch keine 10 Mobile sind am Morgen vor Ort. Kein Gedränge an der Dusche. Alle gechillt! Also ein wenig den Rhein auf und ab. Irgendwo auf einen leichten Riesling einkehren und es sich gut gehen lasse. Auf dem Weg zur 16:00 Uhr Weinprobe dann noch ein bisschen Soundcheck von Gisbert & Kai lauschen und dabei feststellen, dass just auch Texte von Schubert eingespielt werden, die früher mal in der Schule zelebriert wurden. Dejavue quasi… 

Die kleine aber feine Weinprobe führt über vier Stationen mit vier Weinen durch die Geschichte des Gutes und des produzierten Weines. Zweimal an dem Wochenende führt die Weinprobe einen kleinen Kreis von Interessierten an Reben, Trauben, Kessel und Tank, Gährung und Reife heran. Diese netten kleinen Rahmenprogrammpubkte haben sich in all den Jahren des Heimspiels bewährt und wären unter normalen Umständen sicherlich üppiger ausgefallen. So aber - Lieben Dank an Stefan für die Führung und an Eila für die kunstvolle Öffnung der Flaschen! 

Die nun schon erprobte Platzzuordnung schafft weitere Entspanntheit. Des Deutschen liebste Beschäftigung im Urlaub, das Ausbreiten von Handtüchern auf Plätzen, Liegen oder Picknickdecken entfällt hier gänzlich. Alle 500 Besucher:innen (ausverkauft) schlendern entspannt durch die Reihen und suchen ihre gebuchten Tischnummern… 



Ole - Ich wünsche Dir alles Gute und viele Tage am Meer! Was braucht es mehr? Außer vielleicht ein Piano und einen Oli Schulz, der das Tape rauskramt und Gisbert nahe ans Ohr legt. Ein wunderbares leises, lautes, vor allem tiefes Konzert zum Mitlauschen und um dem Rauschen des Meeres hinterherzuhören. Danke! 



Gisbert zu Knyphausen & Kai Schuhmacher - das Schubert Programm, entstanden nach einer Anfrage vo Kai vor rund zwei Jahren, passte sicherlich in die Zeit. Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt. So lässt sich sicherlich die Romantik treffend zusammenfassen. Opulent im Wort und mit dem Arrangement auch opulent im Spiel. Das gesamte Programm, mit Flügel, Streichern, Posaune, E-Gitarre und Drums begleitet, zeichnet das ständige Auf- und Ab zu Schuberts Lebzeiten und transportiert in die Neuzeit. Unterbrochen wird das Set durch etliche bekannte Stücke von Gisbert, zu denen das Publikum Platz immer wieder verlässt und tanzen möchte. Und so reagiert auch das Publikum entsprechend. Mal jauchzend - mal (zu Tode) betrübt. Mal sitzend - mal tanzend! Und man fragt sich, ob der Abend nicht doch noch mehr Leichtigkeit gebraucht hätte. 

Tag 3 - Seepferdchenprüfung. Auf ins Freibad! Bis zum Abend mit erneut 500 Besucher:innen ist viel Zeit und somit erreicht das Entspannungslevel ungekannte Tiefen. Überhaupt entwickelt sich dieses Festival zum entspanntestes Festival ever! 



Ätna - nach deren krankheitsbedingter Absage, wir waren wirklich untröstlich 😢, schickte sich mit Finn Ronsdorf einer an, die Festivalherzen zu erobern, den bislang nur Kenner oder Besucher des letzten ENES kennen mochten. Stimmlich herausragend, eröffnete er dem Publikum 45 Minuten zwischen Staunen, Schmunzeln und absoluter Gebanntheit. Sicherlich viel mehr als nur ein Ersatz!
 


Sophie Hunger - wie gewohnt mehrsprachig zieht die Schweizerin Ihr Publikum vom ersten Akkord an in Ihren Bann. Das neue Album Halluzinationen spielt sie in der Aufnahmebesetzung mit ihr an der Gitarre, Julian Satorius an den Drums, dazu Piano, Horn und fünf Sänger:innen um Marc Beriybill (Cliffs) im Back - der Zauberchor, am Stück und leitet zum Schluss mit dem Codewort „HOPE“ über in die Realität der Neuzeit. Sie schlägt sofort eine Brücke zu jedem, zu jeder Einzelnen im Publikum und genießt dabei die Präsenz. Nichts wird dem Zufall überlassen, neben dem obligatorischen Gitarrenwechsel, werden selbst die Becken an den Drums getauscht um andere Klangfarben erzeugen zu können, sprachlicher Wechsel, mal zart, mal wild und abrupt. Die Backupsingers mal ausgestellt, mal im Vordergrund wenn sich Sophie ans Piano setzt und die Sicht freigibt. 



Der Abend klingt aus mit einer wunderschönen Playlist, tönend aus einer vermeintlich herren-, oder damenlosen Tasche auf einer Weinzeltgarnitur. Es wird (mit Abstand) getanzt und da ist es wieder, das Gefühl der Leichtigkeit und des zu Hause seins. Danke den/derunbekannten Playlistersteller:in! 

Tag 4 - Nun doch etwas geschafft von den vorangegangenen Tagen, glücklicherweise ohne Ausfälle, was durchaus mit der Qualität der probierten Weine zu tun haben dürfte, geht es auf die Zielgeraden. Shopping in der Vinothek, noch ein Café in der Strandbar und ein wenig Soundchecklauscherei bei den wunderbaren Black Sea Dahu. WoMo abfahrbereit richten und auf zum legendären Tisch 32 mit neu gewonnen Musikfreunden aus Magdeburg und Darmstadt. Die feste Zuordnung der Tische und Plätze hätte auch ins Auge gehen können. Danke an Stefanie & Matthias, Petruna & Hanno, Helena oder Michael für die sehr kurzweilige Zeit und den gemeinsamen Spaß! 



Lúisa - feinster Indiepop aus Hamburg. Bereits das zweite Mal nach 2017 beim Heimspiel, damals noch solo, heute von Matze am Bass und Lasse an den Drums unterstützt. Lieder vom Kommen, Bleiben und Gehen. Mal als Chanson getarnt, mal kraftvoll tanzbar. Schöööön! 


Black Sea Dahu - Mein ganz persönliches Finale. Die Züricher Band um die drei Geschwister liefern seit Jahren wirklich, wirklich grandiose Konzerte ab. Dabei nehmen sie die Zuhören mit in ungeahnte Tiefen und tauchen mit ihnen ganz ein in das komplette Gefühlsspektrum. Das Ganze wird sorgfältig und dicht arrangiert mit einem hörbaren Verständnis für das Ganze. Die Zugaben beziehen alle mit ein. Die Bühne wird ins Dunkel gelegt, eine Passage mit dem Publikum wird eingeübt und die Band und die Musik verschmelzen mit dem gesamten Festival. Eine weitere Zugabe wird ohne Probe gespielt. Dass dies möglich wird, zeigt die ganze Qualität von Black Sea Dahu. Denn der Song erscheint erst in rund zwei Monaten ;) 




Was bleibt am Ende? Mich beschleicht das Gefühl einiges gerne in die „neue“ Festivalzeit mit hinübernehmen zu wollen. Weniger Besucher, mehr Platz, Genuss und Qualität, überhaupt mehr Qualität bei begrenzter Quantität! Und ich bemerke bei mir eine Veränderung dahingehend, dass ich Konzertbesuche wohl zukünftig eher nach Orten wähle und nicht mehr nur ausschließlich nach den Bands. So könnten sich die Orte mit den besten Konzepten durchsetzen. Konzepte die Sicherheit und Unbeschwertheit fördern und nicht noch den letzten Euro herausholen müssen. Eben Orte wie das Weingut Baron Knyphausen! Mein Dank gilt Frederick, Benjamin, Stefan, Anna und all den nicht genannten Macher:innen dieses famosen kleinen, feinen Festivals! See you I’m nächsten Jahr! Es war wunderbar! Fühlt Euch gedrückt! Die ganze Galerie in Kürze auf www.desc-photography.com




Sonntag, 24. November 2019

Fink + Sophie Hunger, Dortmund, 22.11.2019

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Konzert: Fink + Sophie Hunger
Ort: Konzerthaus Dortmund
Datum: 22.11.2019
Dauer: 105 + 40 Min.
Zuschauer: ausverkauft



Popkonzerte in klassischen Konzertsälen sind ja schon lange keine Seltenheit mehr. Das Dortmunder Konzerthaus bietet sogar ein Pop-Abo, in dessen Rahmen auch dieses Konzert, ja schon fast ein Doppelkonzert, stattfand. 



Sophie Hunger hätte wahrscheinlich alleine auch den Saal gefüllt. Als häufiger Gast im nicht weit entfernten Haldern, und durch ihre stilistische Bandbreite, hat sie sich ja mittlerweile ein größeres Stammpublikum erspielt.



Heute tritt sie nur zu zweit mit ihrem Drummer als Support von Fink auf. 40 Minuten bleiben ihr, um im schummrigen Licht eben diese Bandbreite komplett auszuspielen. Von klassischem Pop mit rockigen Einflüssen bis zu a cappella Gesang ohne Mikrofon wird alles geboten. Das alles auch noch mehrsprachig und äußerst sympatisch in der Ansprache, so fliegen ihr auch hier die Herzen zu. 

Leider wird sie zu Fink nicht mehr die Bühne betreten, ein Duett wäre sicher großartig geworden. Doch Fink ist nicht der spontane Entertainer und auch nicht der Rocker, den man hinter seinem wilden Bart und vielen Metallketten vermuten würde. 



Eher ein Soundtüftler und Perfektionist steht da diesmal mit zwei Drummern auf der Bühne. Diese arbeiten in einer Art Teilzeit, mal wechseln sie sich an den Drums ab, mal spielt einer von ihnen Gitarre und manchmal erfordern die Arrangements auch beide Schlagzeuge. 



Am Ende werden es nur 13 Songs sein, die Band wird aber 105 Minuten dafür benötigen. Fink auf CD und Live vergleichen zu wollen, ist unmöglich. Sind die Platten oft verhuscht und leise arrangiert, schwillt live fast jeder Song zu einem kleinen Orkan an. 

Unter 10 Minuten geht da fast nichts. Und fast jeder Song profitiert von dieser Transformation. Gerade bei der neuen CD muss man schon ganz genau hinhören, um die Klasse von Songs wie "We watch the Stars" oder "Once you get a taste" zu erahnen, live fällt es wesentlich leichter. Nur spontan ist an diesem Konzert nichts, auch wenn es sich oft so anhört.



Perfekt vorbereitet geht Fink mit seiner Band da zur Sache und auch bei der einzigen Zugabe, einem akustischen Cover von Chaka Khans "Walkin`in the Sun", geht der Plan auf. Fink ist ein beseelter Musiker, der sich sicherer und besser fühlt, wenn er wilde Improvisationen anderen Bands überlassen kann. Ein Umstand, der diesem Abend keinen Abbruch tut. 

Gerade in diesen Konzertsaal passt die oft fast sakrale Musik von Fink hervorragend. Ein toller Abend.

Fotos: Denis Schinner
desc Photography 


Freitag, 30. August 2019

alinae lumr Tag 1, Storkow, 23.08.19

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1. Tag Alínae Lumr Festival - meine Auswahl
  John Moods 45 min
  Kliffs 45 min
  Charlotte Brandi 60 min
Ort: Storkow (Mark)
Datum:  23. August 2019



Im Vorausblick auf das Alínae Lumr Festival hatte ich schon von den besonderen Orten geschwärmt an denen meine Lieblingsmusik in Storkow dargeboten wird. Mit den Worten der Organisator*innen gesprochen: "alínæ lumr lädt ein zu einem ereignisreichen Urlaub auf dem Land. Auf der Burg, am Marktplatz, den Hinterhöfen, der Altstadtkirche, auf versteckten Wiesen und am See wartet ein sorgfältig kuratiertes Musik- und Kulturprogramm und die charmante Altstadt Storkow auf euch. Festivalbüro ist eure erste Station – hier könnt ihr euch eure Bändchen und ein Lächeln abholen."
 

Leider hatte ich in der Woche zuvor heftigst Streit mit meinem Rücken und deshalb auch einige kurze Nächte. So musste ich mein Musikprogramm ein wenig abkürzen und z.B. das mitternächtliche Konzert von Sophie Hunger weglassen.


Aber beginnend mit dem Lächeln im Festivalbüro am Markt hatte ich einen phantastischen ersten Tag. Auf dem Markt war noch der Aufbau der Essstände im Gange als das erste Konzert dort begann. Rückenfreundlich genoss ich es auf den Stühlen des Fair-Kaufladens bei einem schönen Tee (der selbstverständlich auch mit einem Lächeln serviert worden war). Im Rahmen des für mich nun schon dritten Besuches in Storkow fühlte es sich wie eine lieb gewordene Tradition an, dort jeden Tag einmal herein zu schauen. Das Konzert von John Moods war jedoch eher wenig mitreißend für mich.


Mein immer noch still in meinem Herzen hell leuchtender Höhepunkt war dann gleich anschließend das Konzert von Kliffs am Mühlenfließ. Hier stimmte einfach alles: ein ganz aufmerksames Publikum, das freundliche Grün ringsherum, die Abendsonne, das sympathische Duo auf der Bühne und die Musik. Und was ich an Festivals besonders toll finde: wenn sich auch Musizierende, die später erst dran sind (oder hier gar nicht auftreten), ins Publikum mischen.


Manches aus dem Set von Kliffs war mir vom im Frühjahr veröffentlichten EP schon recht vertraut und es gab auch Musik, die ich vor einem Jahr in Dresden - noch unter dem Namen Mark Berube - live von ihnen gehört hatte. Allerdings gab es auch Experiment mit ganz neuer Musik und die damit verbundene Nervosität auf der Bühne. Es ist immer ein bisschen wie ein großes Lob ans Publikum, wenn so etwas gewagt wird.


Besonders mochte ich diesmal Beyond my control, das diese phantastische Leichtigkeit des Sommertages wunderbar einfing und quasi die Essenz des Konzerts zusammenfasste. Aber auch Mississippi Prom mit der ausführlichen Geschichte dazu geht mir immer noch durch den Kopf. Bevor es für mich zum Burghof weiterging, gab es noch ein paar nette Begegnungen und Umarmungen von lieben Menschen. Es ist immer noch so wunderbar überraschend, wie sich aufgrund von Musik "meine Leute" aus nah und fern auf den Weg machen.


In der Burg hörte ich noch die letzten 10 Minuten von Night repair, die von etwa 20 Enthusiasten ordentlich abgefeiert wurden. Innerlich feierte ich dabei vor allem ab, wie unterschiedlich die Musik klingt, die für das Festival eingeladen worden war. 


Die Bühne im Burghof war schon für das Konzert von Sophie Hunger vorbereitet und ordentlich "voll gestellt", aber vorn in der Mitte fand Charlotte Brandi mit ihrem Trio Platz und spielte vor einem freundlich mitgehenden Publikum auf. Die Musik von der Burg hört man an vielen Orten im Ort mit und sie pulsiert durch interessante Echos immer wieder aus irreführenden Richtungen. Dieses lustige Hopsen durch den stillen Ort in der Mark stellte ich mir vor als ich dem Set lauschte.



Mit der untergehenden Sonne ging es dann für mich zurück ins Quartier - nicht ohne noch anderen lieben Leuten in die Arme zu laufen. Ich war auch nach dem verkürzten Tag randvoll mit wunderschönen Erlebnissen und einem still leuchtenden Glück im Herzen.

 


Aus unserem Archiv:
Berichte von 2016: Tag, 1, 2
Berichte von 2015: Tag 1, 2, 3


Samstag, 14. November 2015

Sophie Hunger, Dresden, 05.11.15

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Konzert: Sophie Hunger
Ort: Alter Schlachthof
Datum: 5.11.2015
Dauer: 110 Min
Zuschauer: ca. 700

Vorband: Faber Faber und seine Band (1 Mitstreiter an Posaune und Schlagzeug) betreten 20 Uhr die Bühne. In der Info auf seiner Seite heißt es „Faber, ein Träumer und Zweifler, ein Charmeur …“. Die Beschreibung passt gut zu den Texten, die wir hören. Faber spielt deutschsprachige Musik zwischen Singer/Songwriter, Punk und Polka. Die Texte sind für mich, was man engagiert und links nennt und als als Zugabe gibt es ein Stück zur aktuellen Mittelmeer-Boot-Problematik aus der Brille der neidvollen hier in der Mitte Europas. Eine sehr sympathische Vorstellung mit markantem Ende, vor allem in Dresden!



Sophie Hunger habe ich erst in diesem Jahr mit ihrem aktuellen Album "Supermoon" kennengelernt. Gekauft und wieder und wieder gehört beeindrucken mich nach wie vor die abwechslungsreichen Songs in 4 Sprachen und irgendwie besondere Schwingungen in der Musik, die mich magisch zum Plattenspieler zieht.



In den letzten Minuten vor Konzertbeginn werden die Mikros akribisch eingestellt, das Publikum wird leicht unruhig, begrüßt die Band dann aber freundlich und enthusiastisch. Sophie startet mit „Supermoon". Und gleich an dem Titel zeigt sich, dass auf der Bühne sehr frisch und frei gespielt wird, die Albumversionen werden zur Interpretation und Improvisation freigegeben. Absoluter Höhepunkt des Abends ist dabei für mich „Queen Drifter“, das im Chorus eine komplett neue Melodie bekommt.



Während des Konzertes bedankt sich Sophie Hunger noch bei Faber und erzählt von ihren eigenen Anfängen auf der Bühne. Vorbands haben ja meist nur 30 Minuten (nur sehr großzügige Bands lassen auch mal 45 Minuten zu), anfangs reicht das eigene Repertoire gerade, um diese halbe Stunde zu füllen. Sophie erinnert sich gern an diese Zeit. Heute ist es schon eher die Qual der Wahl der Auswahl und mich stellt sich die Aufgabe, mir nun endlich auch mit den früheren Werken anzuhören. 



Der Abend ergibt für mich als Sophie Hunger - Neuhörer ein sehr intensives Bild. Manche Songs kommen so zurückgenommen rüber, Sophie nur am Piano oder an der Akustikgitarre und dann wechselt die Szenerie auf der Bühne, es folgen Songs mit voller Band und vollem Drive. Aus dem heraus nehmen sie auch gern mal die Abfahrt in Richtung Jazz und Improvisation. Während des Abends kommen natürlich auch ältere Titel zur Vorstellung, die ich daran erkenne, dass ich sie nicht kenne. Das Publikum ist da schon sattelfest und trägt Sophie und ihre Band auf Händen durch den Abend. So erlebe ich ein abwechslungsreiches Programm durch das beachtliche Werk dieser jungen Künstlerin.

Überhaupt die Band: Recht früh am Abend stellt Sophie Hunger ihre Mutmusiker vor. Das macht sie sehr liebevoll und wartet den langen Applaus für jedes Bandmitglied ab. Ihre Kollegen auf der Bühne sind Alberto Malo (Schlagzeug), Alexis Anérilles (Gesang, Keyboards, Trompete und Flügelhorn) Simon Gerber am Bass und an der Klarinette. sowie Geoffrey Burton an einer sehr wandlungsfähigen E-Gitarre.



Nach zweimal 3 Zugaben und knapp 2 Stunden geht ein wunderbar warmherziges Konzert zu Ende.


Setlist: 
01. Supermoon
02. Fathr
03. Superman Woman
04. Heharun
05. Queen Drifter
06. Die ganze Welt
07. Spaghetti
08. Das Neue
09. Le Vent
10. Mad Miles
11. Spiegelbild
12. Shape
13. We are the Living
14. 1983

15. Walzer für Niemand (Z)
16. The Age of Lavender (Z)
17. Am Radio (Z)

18. Protest Song (Z)
19. Speech (Z)
20. Trainpeople (Z)



Aus unserem Archiv:
Sophie Hunger, Karlsruhe, 02.08.2015
Sophie Hunger, Berlin 18.06.2015
Sophie Hunger, Paris, 29.01.2013
Sophie Hunger, Paris, 21.07.2013

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