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Dienstag, 30. Mai 2023

Heavenly, London, 19. & 20.05.23

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Konzert: Heavenly
Ort: Bush Hall, London
Datum: 19. & 20.05.2023
Dauer: 75 bzw. 80 min
Zuschauer: jeweils 400 (ausverkauft)



"Inasmuch as we need holes in our heads and pins in our clothes and chocolate sauce on our record players, we need Heavenly - forebears of short-haired girl bands stomping around onstage and irritating the shite out of everyone. Interesting fact: if you laid out all the singles that Heavenly have sold in a straight line, you would have way so much f*** spare time. Get a life." Ob der Kritiker des NME, der so über die Heavenly-Single P.U.N.K girl geurteilt hat, eine große Karriere als Musikjournalist hatte, ist mir nicht bekannt, vermutlich aber schon. Denn als die Single erschien, war Britpop das große Ding, Tweepop wurde belacht. DIY Bands und Labels, denen Botschaften wichtiger als Einnahmen waren, passten gar nicht in diese Popwelt. The Battle of Britpop war das Motto. 

Die Heimat vieler Tweepop-Legenden, das Bristoler Label Sarah Records, stellte seinen Betrieb 1995 nach knapp hundert Singles ein. 20 Jahre später war der NME altersweise. In seiner Liste der "greatest indie labels of all time" setzte er Sarah Records auf Platz zwei (nach 4AD), bevor das Blatt drei Jahre später eingestellt wurde. Sarah kamen zwar nie zurück, viele der Bands, die dort veröffentlicht haben, gibt es aber noch oder wieder. Beim Indietracks, bei Konzerten in England (und in Köln) habe ich in den vergangenen Jahren einige der alten Sarah-Heldinnen und Helden sehen können, The Orchids, Even As We Speak, St. Christopher, Secret Shine, Boyracer, The Wake, Action Painting und große Teile von Aberdeen. Und jetzt endlich auch Heavenly! 

Eine Heavenly-Reunion schien immer ausgeschlossen, nachdem Schlagzeuger Mathew Fletcher 1996 kurz vor der Veröffentlichung des vierten Albums Operation Heavenly starb. Der Rest der Band machte als Marine Research weiter, später entstand Tender Trap. Amelia Fletcher (Gitarre und Gesang) und ihr Mann Rob Pursey (Bass in all den Bands) gründeten vor ein paar Jahren die Catenary Wires und ein eigenes Label. Da blieb wenig Luft für die Hoffnung auf eine Heavenly- (oder Talulah Gosh-) Wiederkehr. Aber wie der Mann vom NME habe ich eben keine Ahnung von Musik.

Aus dem einen Reunion-Konzert wurden schnell zwei, die Karten für die 400 Personen fassende Bush Hall waren nämlich blitzschnell ausverkauft. 28 Jahre nach dem letzten Konzert 800 Tickets zu verkaufen, unterstreicht wohl, wie geliebt Bands wie Heavenly auch nach langen Jahren noch werden. Elastica, if you read this: WOULD YOU PLEASE COME BACK! How often do I have to ask?

Unsere Reisegruppe aus dem Rheinland, München und dem Ruhrgebiet war bei weitem nicht die ungewöhnlichst weit angereiste. Das Publikum war zu großen Teilen deckungsgleich mit dem des heißgeliebten Indietracks, Leute aus den USA, Spanien, Frankreich oder Belgien schienen fast in der Mehrheit.


Die Bush Hall ist ein wunderschöner ehemaliger Ballsaal mit Spiegeln und Stuckdecke. Zuletzt hatte ich vor der Seuche dort Adorable gesehen. Nach der sehr unterhaltsamen Vorgruppe Panic Pocket aus London, die vergangene Woche ihr Debütalbum Mad half hour veröffentlicht hat und die ich sicher wiedersehen werde, kamen Heavenly um 21:15 auf die Bühne.


Daß meine Angst, daß hohe Erwartungen auch große Enttäuschungen bedeuten können, Quatsch war, war sofort klar. Die kommenden 75 Minuten waren der erhoffte Tweepop-Himmel! Und wie! Shallow, Our love is heavenly, Cool guitar boy, das Gainsbourg-Lied Nous ne sommes pas des anges vom letzten Heavenly Album, Atta girl und der Tictok-Hit P.U.N.K. girl (click!)... oh, war das gut!

Zwischen Band und Publikum schien ein Wettbewerb zu bestehen, wer besser gelaunt ist - Unentschieden, denke ich.

Die zweite spannende Frage vorher war, wer Calvin Johnsons Part in C is the heavenly option übernehmen würde. Der Gründer von K Records und Beat Happening Mann hätte eigentlich kommen können, er hätte nicht die weiteste Anreise gehabt. An seiner Stelle trat aber ein anderer Indiestar mit markanter Stimme, Darren Hayman von Hefner. Die fehlende besondere Chemie der beiden Stimmen von Amelia und Calvin machte Darrens Bühnenperformance wett!

Am Tag danach - wir waren natürlich wieder da - sang der britische Comedian Stewart Lee Calvins Part. Das Konzert war ansonsten bis auf kleine Änderungen der Reihenfolge und eine Improvisation während einer Gitarrenstimmpause sehr ähnlich - also großartig!

Bis vor der Pandemie fanden solche grandiosen Abende regelmäßig im Juli in Derbyshire statt. Seit es das Indietracks Festival nicht mehr gibt, sind sie leider unberechenbarer. Ich würde mich irre ärgern, hätte ich den verpasst.

Setlist Heavenly, London, Nacht eins: 

01: Starshy 
02: Our love is heavenly 
03: And the birds aren't singing 
04: Sperm meets egg, so what? 
05: Three star compartment 
06: Cool guitar boy 
07: Shallow 
08: Hearts and crosses 
09: She and me 
10: Space manatee 
11: I fell in love lost night 
12: Cut off 
13: Nous ne sommes pas des anges (France Gall Cover) 
14: Trophy girlfriend 
15: C is the heavenly option (mit Darren Hayman von Hefner) 
16: Atta girl 

17: Dig your own grave (Z)
18: P.U.N.K. girl (Z)

19: Art school (The Jam Cover) (Z) 



Setlist Heavenly, London, Nacht zwei: 

01: Our love is heavenly 
02: Starshy 
03: And the birds aren't singing 
04: Sperm meets egg, so what? 
05: Three star compartment 
06: So 
07: Cool guitar boy 
08: Shallow 
09: Hearts and crosses 
10: She and me 
11: Space manatee 
12: I fell in love last night 
13: Cut off 
14: Nous ne sommes pas des anges (France Gall Cover) 
15: Trophy girlfriend 
16: C is the heavenly option (mit Stewart Lee) 
17: P.U.N.K. girl 

18: Dig your own grave (Z)
19: Atta girl (Z)

20: Art school (The Jam Cover) (Z)




Montag, 11. November 2019

Adorable, London, 02.11.19

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Konzert: Adorable
Ort: Bush Hall, London
Datum: 02.11.2019
Dauer:
Zuschauer: 425 (ausverkauft)



Heute vor 25 Jahren spielten Adorable ein Konzert in Brüssel und verkündeten auf der Bühne ihre Auflösung. Creation Records hatte die Band kurz vorher rausgeworfen, nachdem das zweite Album Fake hinter den wirtschaftlichen Erwartungen zurückgeblieben war. Mitte der 90er Jahre war eben keine gute Zeit mehr für Shoegaze-Bands, Slowdive und Ride hörten ein bzw. zwei Jahre später auf. Hauptgrund für das Adorable-Ende war allerdings das Verhältnis der Bandmitglieder untereinander. Auf der einen Seite stand Sänger Pete Fijalkowski, auf der anderen die anderen drei. In Interviews heute sagen vor allem Bassist Wil und Schlagzeuger Kevin, daß sie die Band als großen Spaß und Pete als überehrgeizigen Schleifer empfanden. Es gab keine Vermittlung zwischen diesen Lagern, die Band löste sich auf und verschwand. 


Daß solch ein Ende letztlich das ist, was in den Köpfen der beteiligten übrigbleibt, muß frustrierend sein. Egal, wie gut der Anfang war, der letzte Eindruck bleibt. Und der letzte Eindruck war dauernder Streit und dann der Schock, daß alles vorbei war. Als er eine der wenigen Ansagen an diesem Abend fast 25 Jahre später machte, drückte Pete Fij genau das aus. "Wenn wir an Adorable denken, kommt uns nur das verkorkste Ende in den Sinn, das wollten wir korrigieren."
 


Diese Korrektur sollte ein neues letztes Konzert sein, ein neugeschriebenes Ende von Adorable. Im März war Pete alleine mit akustischer Gitarre durch Deutschland getourt und hatte Lieder aus allen Phasen seiner Karriere gespielt und dazu Episoden aus seinem Leben berichtet. Der Sänger arbeitet heute in einem Pflegeheim und erzählte von seinen Erlebnissen dort. Wenn er über Adorable-Songs sprach, klangen die Anekdoten viel weiter weg und distanziert. Bei meinen beiden akustischen Konzerten in Köln und Montabaur wäre ich nie auf die Idee gekommen, ein gutes halbes Jahr später Adorable einmal sehen zu können. Der Plan war aber bereits im März fix, die Ankündigung erfolgte etwas später. Und wie so viele alte Helden schätzen auch Pete, Robert, Wil und Kevin ihre heutige Größe komplett falsch ein. Zwei Konzerte wurden angekündigt, eines zum Warmwerden in Yorkshire und eines in der wunderschönen Bush Hall in London - Kapazität 425. Die Tickets für beide Konzerte waren innerhalb von Minuten ausverkauft, es folgten eine Weile später ganz offensichtlich aus der Not heraus geplante Zusatzshows in Yorkshire (eine) und in London (zwei, eine vor und eine nach der Samstags-Show).


Wir waren beim offiziell letzten, inoffiziell vorletzten Konzert der Band, die ihr Ende zurechtrücken wollte. "Dies ist kein Neubeginn, das ist ein neues Ende", betonte Pete auch noch.

Die Bush Hall ist ein ehemaliger Tanz-Saal mit Spiegeln und Kronleuchtern, einer der schönsten Konzertsäle, die ich kenne. Wir waren von der Freitags-Show vorgewarnt worden, daß der Sound nicht perfekt gewesen sei, was nichts von der Vorfreude nahm. Wir waren auch vorgewarnt, daß es einen Film vorher geben solle, waren aber überzeugt, daß beim offiziellen Schlußkonzert der angekündigte "special guest" vorher auftreten würde und hatten spekuliert, wer das wohl sein könne (Favorit: Piroshka). 

Der Special guest war der Film, ein Kurzfilm über ein Paris nach dem dritten Weltkrieg, eine Aneinanderreihung von Bildern, die in Trümmern und am Flughafen Orly spielten, in zu leisem Französisch mit kaum lesbaren englischen Untertiteln.


Danach wurde es am Rand der Bühne hektisch. In dem kleinen Bereich zwischen Backstage-Tür und Bühnentreppe versammelten sich Freunde der Band. Creation-Gründer Alan McGee entdeckte ich nicht, den hatte ich irgendwie hier erwartet. Der Prophet im eigenen Land...: Zu meinem Erstaunen waren wohl weit mehr Gäste aus dem Ausland als aus Großbritannien da. Pete fragte dies irgendwann ab, sehr viel mehr als die Hälfte schien eine weitere Reise gehabt zu haben. In meiner Nähe standen größere Gruppen aus Italien aber auch ein guter Teil der deutschen Shoegaze-Szene war da.

Das Konzert begann mit der Single I'll be your saint und war das Best-Of, das zu erwarten war bzw. das wir erhofft hatten. Keine überraschende Erkenntnis, denn der Katalog der Band ist nach zwei Alben und ein paar Singles nicht sehr groß. Und auch wenn es ein Traum gewesen wäre, wenn Adorable einfach alles gespielt hätten, funktionieren Musiker-Hirne leider anders als Musiknerd-Träume. Wir bekamen 14 Lieder und drei Zugaben, also 17 Hits, ein Konzert das vermutlich doppelt so lang wie alle während ihrer aktiven Karriere war und wir bekamen das Gefühl, gemeinsam mit 424 Leuten in einem Raum zu sein, denen die Musik und diese Gelegenheit auch so viel bedeutete, dafür am erst Tage vorher verschobenen Brexit-Datum nach London zu reisen.


Es war durchweg brillant, kurzweilig, laut, pannenfrei (der Vorteil des vierten Konzerts nach 25 Jahren).  Wie viel Freude die Musiker daran hatten, sah man vor allem Gitarrist Robert Dillam an. Er feuerte uns immer wieder an und wirkte extrem euphorisch, es war herrlich! So weit ich weiß, hat neben Pete nur Robert auch nach Adorable Musik gemacht, für Stephen Williams (Wil - stellvertretender Institutsleiter an der Uni in Coventry) und Kevin Gritton (Direktor eine Schule in Derby) war der Ausflug in die Vergangenheit eine Spur ungewöhnlicher. 

In den letzten Tagen kam zum fantastillionensten Mal das Gerücht eine Smiths-Reunion auf. Gottseidank wird die nie stattfinden. Die wichtigen Wiedervereinigungen sind für jemanden wie mich, der die meisten seiner Lieblingsbands in den 90ern verpasst hat, die von Bands wie Lush, Slowdive, Ride, My Bloody Valentine und jetzt Adorable. Alle stilvoll, die Erwartungen übererfüllend und musikalisch relevant wie damals. Oder vermutlich viel relevanter.

Setlist Adorable, Bush Hall, London:

01: I'll be your saint
02: Vendetta
03: Favourite fallen idol
04: Glorious
05: Road movie
06: Sunburnt
07: Kangaroo court
08: Radio days
09: Sunshine smile
10: Summerside
11: Submarine
12: Sistine Chapel ceiling
13: Cut #2
14: Breathless

15: Crash sight (Z)
16: Homeboy (Z)
17: A to fade in (Z)




Dienstag, 5. November 2019

Night Flowers, London, 31.10.19

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Konzert: Night Flowers
Ort: Redon, London
Datum: 31.10.2019
Dauer: Night Flowers gut 55 min, Ex-Vöid gut 20 min, Foundlings knapp 30 min
Zuschauer: verkleidet!



Im März waren Night Flowers Gast beim Cologne Popfest, daher bin ich nicht ganz neutral, denn das organisiere ich mit. Die Londoner Band (mit Wurzeln in Hull) hatte ich beim Indietracks 2014 kennengelernt, 2016 als Support von Allo Darlin' an deren Abschiedswochende und beim Indietracks 2018 wiedergesehen. Um Bands wie Night Flowers in Köln spielen zu sehen, haben wir das Popfest gegründet; Genre: perfekter Indiepop.

Nach dem Debütalbum Wild notion von 2018 und einer Reihe von Singles und EPs erschien vergangene Woche die zweite Platte Fortune teller auf Dirty Bingo Records. Gefeiert wurde die Veröffentlichung an Halloween in einem Club in London. "Expect fancy dress, prizes, fortune telling and more!" hieß es in der Ankündigung. Auf das "More" war ich besonders gespannt, anders als oft gab es keine lästigen sondern sehr spannende Vorgruppen: Foundlings und Ex-Vöid, zwei Bands, die auf dem Indietracks gespielt haben, die ich da aber verpasst hatte.


Das Redon ist ein kleiner Club in einem Bahnbogen in Bethnal Green im Osten Londons. Der Club hat eine hohe Holzbühne, über der sich eine Empore befindet. Dekoriert war das Redon mit allerlei Halloween-Grusel, passend zur politischen Stimmung der letzten Monate. Neben dem Merch-Stand standen zwei abenteuerliche Maschinen, Cassandra die Wahrsagerin und ein Hirn-Auslese-Apparat. Wir machten alles mit. Cassandra druckte uns unsere Zukunft voraus, nachdem sie die Handflächen intensiv analysiert hatte (irgendwas mit "Du wirst drei Konzerte in den kommenden drei Tagen sehen und keine Zimt-Cola finden"). Das Publikum war der Fancy-Dress-Vorgabe gefolgt, wir sahen einen Wolf, einen Zirkusdirektor, eine Sowjetunion-Fahne... Schon vor der ersten Band war der Abend ein sehr großer Spaß!

Um kurz nach acht kamen zuerst Foundlings auf die Bühne. Foundlings sind Amber, Bryan, Matthew und Olly, ihre Musik "breathless indie-pop" (Steve Lamacq). Die Band hat bisher Singles und eine EP veröffentlicht und ist beim schottischen Label Last Night From Glasgow. Das kurze Set überzeugte mich sofort. Die Lieder haben einen melancholischen Einschlag und durchaus Postpunk-Elemente. Irgendwo habe ich gelesen, Foundlings klängen, als seien Fleetwood Mac auf Sarah Records erschienen. Das war toll!


Danach kam viel Neon-Gelb auf die Bühne! Die Mitglieder von Ex-Vöid hatten sich textmarkerfarben angezogen, mit Brillen und Bommel-Stirnbändern (als "sexy aliens") chic gemacht. Sängerin Alanna McArdle und Gitarrist Owen Williams waren vorher Teil der walisischen Band Joanna Gruesome, die ich ein paarmal gesehen hatte. Ähnlich wie ihre erste Band sind Ex-Vöid musikalisch schwer zu fassen. Ihre Songs sind Indiepop, der immer wieder von Punk-Elementen (Geschrei!) unterbrochen wird. Das ist viel spannender, als es klingt und machte mir großen Spaß! Leider war auch der Ex-Vöid-Auftritt viel zu kurz, die Band hat aber einfach noch nicht schrecklich viel Material.

Bei Night Flowers ist das anders. Obwohl die Band so jung wirkt, hat sie unendlich viele großartige Lieder im Programm, das Konzert in London war aber vor allem eine Album-Veröffentlichungs-Party, also stand Fortune teller im Mittelpunkt des Konzerts, Night Flowers spielten das Album komplett. Ich hatte das ein wenig gehofft, weil die Platte fantastisch ist! Was für ein Glück, sie von Anfang bis Ende hören zu dürfen! Gitarrist und Co-Sänger Greg sagte irgendwann, daß es vermutlich das einzige Mal sei, daß die Band die Platte ganz spiele.

Der Wolf und der Zirkusdirektor waren auch wieder aufgetaucht und standen als Gitarrist und Bassist auf der Bühne, Greg war existenzialistischer Clown, Schlagzeuger Zebedee Strongman und Sängerin Sophia glitzerte. Wir hatten zwischendurch immer wieder Angst, daß der Wolf von der kleinen Bühne stürzt, viel sehen konnte er durch sein Maul nicht. Und wir wollten das Konzert unbedingt komplett sehen...



Nach dem letzten Fortune-teller-Stück folgten direkt drei alte Lieblinge. Embers (Night Flowers EP), Losing the light und Hey love (Wild notion). Danach wurde beschert ("prizes"). Die Band beriet sich kurz, wer die besten Kostüme trage und kürte dann drei Siegerinnen ("third place: my mom!" - Greg). Übergangen wurde dabei das beste Outfit des Abends - Bandmanager Luke als Freddie Mercury mit Mikro-Ständer.


Glow in the dark und das perfekt passende Cheap-Trick-Cover I want you to want me beendeten das wundervolle Konzert. Night Flowers sind eine verflucht tolle Live-Band und ich ziemlich stolz, daß die bereits beim Cologne Popfest gespielt hat.

Setlist Night Flowers, Redon, London:

01: Night train
02: Lotta love
03: Merry-go-round
04: Perfect storm
05: Fortune teller
06: Carry on
07: I've loved you (such a long time)
08: No coming down

09: Embers
10: Losing the light
11: Hey love
12: Glow in the dark
13: I want you to want me (Cheap Trick Cover)

Links:

- Night Flowers, London, 10.12.16





Sonntag, 25. März 2018

ME & Deboe, London, 23.03.18

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Konzert: Jelly Cleaver (25 min)
  Circe's Diner (40 min)
  ME & Deboe (60 min)
Ort: Gallery Cafe St. Margaret's house in London
Datum: 23. März 2018
Zuschauer: etwa 30


Wie man einen Hauch Abenteuer in sein Leben bringt (oder überhaupt bringen mag) ist ja eine sehr persönliche Sache. Ich mag es, mir in einer fremden Stadt die Orte zu suchen, wo Musik mit Herz präsentiert wird. Dafür binde ich mir im Vorfeld sehr viel Zeit ans Bein, weil ich eigentlich kein abenteuerlustiger Mensch bin und lieber vorher möglichst genau weiß, wie ich wohin komme und was ich erwarten kann - selbst wenn ich unterwegs keinen Internetzugang haben sollte. Ich hatte erwartet, in London an einem Freitag Abend dabei die Qual der Wahl zu haben. Das traf aber überhaupt nicht zu, denn sowohl musikalisch als auch vom Konzept her war schnell mein klarer Favorit ein Abend mit einem reinen Frauen-Lineup in einem auf dem Foto nett aussehenden Café.


Auf den Weg hatte ich mir noch einen Besuch in der Caravansérail-Buchhandlung gelegt. Das neue Abenteuer von Anne Vegnaduzzo. Ich hatte sie 2014 in Paris kennengelernt als Gastgeberin einer Oliver Peel Session. Sie hat in ihrer Pariser Wohnung ständig Künstlern aus aller Welt für mehrere Wochen einen Wohn-und Arbeitsort geboten als Break'Art Mix. Eine ihrer Sonntagsmatinees dort 2015 mit Jenny Ritter ist mir ebenfalls in bester Erinnerung. Nun lebt sie seit etwa neun Monaten in London und hat mit ihrer Cousine diesen Laden eröffnet, der auch ein Ort für Kunst und Künstler ist. 
 

Die beiden Punkte Café und Buchladen waren mit einem 25 min Spaziergang dazwischen gut zu verbinden. Nachdem ich an der Station Shoreditch Highstreet der S-Bahn entstiegen war, erschloss sich mir zunächst, dass das Londoner East-End aus Call the midwife noch nicht ganz der Vergangenheit angehört. Zwischen hammerhart gümmligen Fabrikanlagen und engen Wohngassen fand ich schließlich den Weg in die Buchhandlung (dort finden auch Konzerte statt!) in einer Ecke, die sich schon auf den Weg gemacht hat, das dunkle Image loszuwerden es aber auch noch nicht ganz abgelegt hat. Was für eine wunderbare Oase die zwei Frauen sich dort geschaffen haben! Ein wirklich einladender Boxenstop. 
 

Ich war nun natürlich ein wenig gefaßt darauf, dass auch das St. Margaret house diesen semigenialen Charme ausströmen würde. Auch der Weg durch die Bethnal Green Road bestätigte mich in diesem Gefühl. Allerdings änderte sich die Atmosphäre an der U-Bahn Station Bethnal Green wieder kollossal. Es wurde grün und weit. Es gab sehr repräsentative Häuser und auch den Komplex mit dem Galleriecafé kann man nur schnuckelig nennen. Also war ich in einem Teil von London angekommen, den ich als Wohnort nicht ausschlagen würde... 
 

Im Café selbst fand ich die Atmosphäre sehr entspannt und furchtbar nett. Statt wie am Vorabend noch ewig an der verschlossenen Tür warten zu müssen, ging es sofort hinein, es gab super leckeren Tee für mich und die letzte Phase des Soundchecks ging mit viel lachen vonstatten und machte mir schon große Lust auf das Konzert.


Das Café füllte sich gut und der Abend begann dann sehr pünktlich mit Jelly Cleaver.  Sie macht recht textlastige Musik und ihre Stücke (sie bezeichnet sie als Song-Suiten) sind dann gern 10 min lang. Zum Glück klang für mich wohltuend selbstironischer Humor durch die Zeilen ... this song is about wealth, equality and birds... so waren die 25 Minuten zwar recht meditativ aber auch angenehm kurzweilig. Für mehr hätte mir aber wohl die Geduld gefehlt.


Es ging ohne viel Federlesens weiter mit einem Ereignis, dass sich schon im Soundcheck als wahrscheinlich die Entdeckung des Abends erwies: Circe's diner aus Bristol waren wie eine Energieinfusion. Witzig, total selbstironisch, angstfrei full on sexy, temperamentvoll und laut. Das machte sie sehr nahbar und liebenswert für mich. Die beiden Frauen Rosina Buck und Bronte Shande haben ganz unterschiedliche Stimmen. Die eine rauchig verrucht, die andere ein echter Crooner und das ergänzt sich in der Zweistimmigkeit hervorragend. Es ging um Beziehungen, Sex, Lügen, Tiger und Vampire. Der einzige Mann im Boot war ihr Glockenspiel John. Am Ende durften wir auch alle ein wenig mitmachen.


Als Hauptact gab es schließlich das Duo ME & Deboe aus Liverpool. Das sind Mercy Elise (aus Halifax West Yorkshire) und Sarah Deboe und sie waren nicht weniger energetisch aber auf eine ganz andere Art. Es war ein bisschen wie akustischer Rock. Zwei Frauen-Rockröhren und zwei Gitarren, die ziemlich ordentlich einheizten. Die Gitarren wurden so sehr geschlagen, dass sie dauernd nachgestimmt werden mussten und zwischendurch sogar der Verstärker aufgab. Die Stimmung war phänomenal gut und es wurde im sogar im Publikum an mehreren Stellen getanzt bis zum Ende - The End.


Alles in allem ein rundum gelungener Abend für mich, der auch schön vorgezeigt hat, wie unterschiedlich Frauen Musik machen - alle auf einem wahnsinnig hohen Niveau. Der Laden hat jedenfalls getobt und mein Herz war gefangen.


Mittwoch, 27. Dezember 2017

Sleeper, London, 05.08.17

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Konzert: Sleeper
Ort: Kentish Town Forum, London (Star Shaped Festival)
Datum: 05.08.2017
Dauer: gut 60 min
Zuschauer: 2.300 (ausverkauft)



Je näher der Termin rückte, desto schlechter erschien mir die Idee, zu einem Britpop-Melancholie-Festival nach London zu fahren. Am Wochenende vorher hatten wir (wie immer) die drei besten Musiktage des Jahres in Derbyshire verbracht. So kurz nach dem Indietracks muß schon eine ganz besondere Band spielen, um mich zu treffen. Daß das einer der Britpop-Zombies des Star Shaped Festivals sein würde, schien mir auf den Weg aus den Midlands in den Süden unwahrscheinlich.


Das Festival im Kentish Town Forum brachte Bands von damals und Fans von damals zusammen. Es begann um 14:50 Uhr mit Salad in Zweierbesetzung ("Salad Undressed"), danach kamen die sehr guten My Life Story, Dodgy, Space (schlimm!), Sleeper und die Bluetones.



Salad und My Life Story hatten meine Bedenken schon weggewischt, daß das Festival ein Ärgernis werden würde, Sleeper machten dann als vorletzte Band so viel Spaß, daß ich sie zum Headliner machte und die Bluetones einem Supermarkt-Abendessen opferte.

Sleeper existierten zwischen 1993 und 98, veröffentlichten in der Zeit drei Top-10-Alben und spielten bei den vier Star Shaped Festivals (die an vier Wochenenden nacheinander in britischen Großstädten stattfanden) ihre ersten Konzerte seit 98.

Beim Konzert machte ich den gleichen Fehler wie alle in den 90ern. Ich achtete nur auf Frontfrau Louise Wener, die aus einem Top Of The Pops Video von 1996 hätte entsprungen sein können. Louise war zur aktiven Zeit von Sleeper eines der Postergirls des Britpop. Ich habe Sleeper damals nie gesehen, sie ist aber auch heute noch so charismatisch auf der Bühne, daß ihre ruhigen Bandkollegen daneben kaum auffielen.



Das Set bestand aus Liedern der drei Platten und ihrem vermutlich bekanntesten Stück, dem Blondie-Cover Atomic vom Trainspotting-Soundtrack.

Auch das Sleeper-Konzert wurde von der Nostalgie getragen, es war aber trotz der alten Songs nicht nur eine Stunde "ach schön, das noch mal zu hören", dafür war Louise zu sehr Popstar. Das Konzert war das einer gut gealterten Band, obwohl sie das ja eigentlich nicht ist, weil es sie vor den Star Shaped Wochen im Juli und August gar nicht mehr gab.

Obwohl Sleeper toll waren und obwohl ich seit August immer wieder Sale of the century im Ohr habe, werde ich mir künftige Ausgeben des Star Shaped Festivals aber wohl sparen, es sei denn, Elasti...

Setlist Sleeper, The Forum, London:

01: Pyrotechnician
02: Dress like your mother
03: Delicious
04: What do I do now?
05: Lie detector
06: Statuesque
07: Vegas
08: Nice guy Eddie
09: Atomic (Blondie Cover)
10: Inbetweener
11: She's a good girl

12: Miss you (Z)
13: Lady love your countryside (Z)
14: Sale of the century (Z)



Dienstag, 9. Mai 2017

The Proper Ornaments, London, 25.03.17

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Konzert: The Proper Ornaments
Ort:Boston Music Room, London (20 years of trouble)
Datum: 25.03.2017
Dauer: knapp 40 min
Zuschauer: ca. 250



"Ich gehe raus, ich muß was essen." Nach 30 Sekunden Proper Ornaments war ich sicher, daß jetzt die (vielleicht einzige) Gelegenheit des Tages sein würde, am Grill im Innenhof zwischen den Gebäudeteilen, in denen der Dome und der Boston Music Room liegen, Station zu machen. Nach The Proper Ornaments kamen Tigercats, The Loves und Comet Gain, die ich alle sehen wollte. Der Fluch eines zu gut besetzten Festivals, quasi eins durch Rock am Ring. 

Der Boston Music Room war knüppelvoll. Da wir ziemlich weit hinten standen, brauchte ich eine Weile, um zum Ausgang zu kommen. Dummerweise wurde das erste Lied der Proper Ornaments sekündlich besser. Als ich endlich am Durchgang zum Hof war, blieb ich stehen und guckte weiter Konzert. Essen ist öfter.

Ich hätte etwas wirklich Tolles verpasst! Eines der Konzerte des FortunaPOP!-Wochenendes. 

The Proper Ornaments sind James Hoare und Max Oscarnold, James ist bekannt durch Veronica Falls und Ultimate Painting und durch zu kurze Hosen, Max stammt aus Argentinien und spielt mittlerweile auch in Toy. Die Geschichte des Kennenlernens von Max und James ist zu schön, um echt zu sein. James war Verkäufer, Max' Freundin wollte Schuhe stehlen, Max hatte den kommenden Bandkollegen abzulenken.

Live wurden die beiden von einem Bassisten und einem Schlagzeuger verstärkt. Die drei Gitarristen saßen während des Konzerts.

Die Musik, die mein Essen verhinderte, war wunderschön! Harmonischer Gesang, toll passende Stimmen, akustische Gitarren - ich mochte das alles sehr! Natürlich steckt in jeder Band dieser Art eine Portion Beatles, für mich (naja, einer meiner anwesenden Konzertfreunde brachte mich drauf) hörte sich das Konzert aber so wie diese akustischen Ride-Auftritte an, von denen ich leider nur Videos gesehen habe. Hätte man mir Aufnahmen vorgespielt und behauptet, das seien akustische Ride-Songs, ich hätte es erst einmal geglaubt. Memories, das ruhigste der Lieder, erinnerte mich an die Pastels.


Vielleicht um nicht von mir auch noch mit Simon & Garfunkel verglichen zu werden, schrammelten sich The Proper Ornaments bei den letzten beiden Lieder richtig in Rage. Beim vorletzten bin ich nicht sicher, was es war, es war wohl keines der veröffentlichten Lieder. Das letzte Stück (Recalling) zog die Band auf sieben, acht Minuten, von denen der größte Teil instrumental war.

Gottseidank waren Tigercats danach nicht ganz so spannend (wie der Esswagen im Hof).


Setlist The Proper Ornaments, Boston Music Room, London:

01: Baggy

02: Step into the cold
03: Magazine
04: Stereolab
05: Back pages
06: Cremated (Blown away)
07: Memories
08: Kraut (?)
09: Recalling


Foto: Archiv. Meine SD-Karte hat die aktuellen gefressen. 




Montag, 8. Mai 2017

Flowers, London, 24.03.17

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Konzert: Flowers
Ort: Islington Assembly Hall, London (20 Years Of Trouble)
Datum: 24.03.2017
Dauer: knapp 40 min
Zuschauer: 400 vielleicht



Eigentlich sollte ich es mittlerweile kapiert haben, schließlich war es nicht mein erstes Flowers-Konzert. Trotzdem stand ich auch nach diesem Mal wieder mit offenem Mund da und war hin und weg, was für eine grandiose Musik diese drei jungen Londoner immer wieder erzeugen!

Flowers spielten als zweite Band am Freitag des FortunaPOP!-Festivals. Auch ihr Auftrittsort (die Islington Assembly Hall) alleine wäre den Besuch wert gewesen, der Saal aus den 30er Jahren ist herrlich prachtvoll, mit einem großen Balkon, so wie diese vielen alten, hergerichteten Londoner Konzertsäle eben  sind.

Flowers sind Rachel Kenedy (Gesang und Bass), Sam Ayres (Gitarre) und Jordan Nathan Hockley (Schlagzeug). Das so zurückhaltend gespielte Schlagzeug und die Gitarre, die mal nur sanft unterstützt, sich mal mogwaiesque aufspielt sind toll, wer einmal bei Flowers war, wird aber hinterher nicht so genau wissen, ob ein 20-köpfiges Streichorchester oder Hochseilakrobaten da waren, so sehr steht Rachels dunkle Stimme im Vordergrund. Bei Liedern wie Joanna wirkt der Gesang der Frau fast operettig, gücklicherweise aber nur fast. Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, Rachel diesmal endlich zu fragen, ob sie meine Mobilbox bespricht.


Die Londoner Band spielte in dem 40minütigen Set drei neue Songs, die sich nahtlos ins Repertoire einpassten. Nur AI unterschied sich etwas, weil es eine ganze Spur rockiger als die beiden anderen (Blanket, Nightmare in the supermarket) war. Hoffentlich wird sich ein Label finden, daß die mögliche dritte Platte der Band herausbringt!

Natürlich war der Auftritt von Flowers eines der Konzerte am 20 years of trouble Wochenende, der mir in Erinnerung bleiben wird! Und so wird das auch bei jedem nächsten sein!

Setlist Flower, Islington Assembly Hall, London:

01: Be with you 
02: Pull my arm 
03: Knock you out 
04: Ego loss 
05: Blanket (neu)
06: Nightmare in the supermarket (neu)
07: How do you do 
08: I don't mind 
09: Joanna 
10: AI (neu)
11: Stuck 
12: Young

Links:

- aus unserem Archiv:
- Flowers, Ripley, 30.07.16
- Flowers, Brighton, 30.07.15
- Flowers, Madrid, 20.04.15



Sonntag, 7. Mai 2017

Comet Gain, London, 25.03.17

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Konzert: Comet Gain
Ort: The Dome, London (20 years of trouble)
Datum: 25.03.2017
Dauer: brutto 60 min
Zuschauer: knapp 500



"Indie is over! This is the death of everything tonight! You're not supposed to be happy!" - "We'll have to find jobs now!" - "Because Sean Price is a selfish asshole, leaving for a foreign country, western, eastern, somewhere. He just leaves us in this shit. Leaving all of you to die! Cheers, Sean!" - "Jetzt müssen Plattenlabel sich unsere Demos anhören!"



Wenn ein Label, das vielen Menschen viel bedeutete, nach zwanzig Jahren (of trouble) seinen Abschied mit einem Festival feiert, wäre es merkwürdig, wenn es nicht auch emotional werden würde. Comet Gain waren ganz offensichtlich eine der liebsten Bands von FortunaPOP! Gründer Sean Price. Der Labelchef stand weit vorne im Dome und hatte Tränen in den Augen, als Comet Gain Sänger David Feck sich für "alles" bedankte, also für die kostenlosen Biere. Sie hätten zusammengelegt und Sean ein Geschenk gekauft, eine Uhr. "Da ist auch Dein Name eingraviert. Made in China, your nickname. Chinese Sean." Um dann Seans Egotrip zu beschimpfen, all die Musiker ins echte Leben zu schicken!



Comet Gain waren Headliner des Samstag und spielten als achte Band des Tages. Die Band aus London war aber auch der Headliner des ganzen Festivals, das Konzert trotz vieler Pausen fantastisch!

Eine dieser Pausen kostete am Ende zum Beispiel den Überhit You can hide your love forever, der auf der Setlist (einem Pappteller) stand. Aber es war wirklich die Zeit für genau diese Art Konzert: viele tolle Lieder, dazwischen aber immer wieder bitterböse und melancholische Momente. Because heaven is a lie. 


Vermutlich hatte David schon ein paar der kostenlosen Drinks gehabt, als die Band gegen zehn auf die Bühne kam. Er traf auch nicht jeden Ton, das gehört aber dazu. Nur als nach Why I try to look so bad eine Saite riss, kam bei seiner Gesangspartnerin Rachel Panik auf. "If David Feck is trying to change the strings of his guitar we are fucking screwed!" Einen Eindruck davon bekamen wir. Es dauerte ewig! Irgendwann erbarmte sich Simon Love und stellte sich direkt vor David und stimmte das Instrument löffelnd. Es war wundervoll!


Musikalisch eh! Was hat Comet Gain für viele Riesenhits! Daß sie am Ende Herbert Huncke zwanzig Minuten lang mit einer kleinen Jamsession verlängerten (meine ich wenigstens) - geschenkt! Dafür sang Rachel vorher irgendwann ein kleines improvisiertes Lied, nachdem sich David und ein Schreihals im Publikum vorher angebrüllt hatten, bis David den Brüller zu einem Faustlampf aufforderte. Der Rufer wollte irgendein Lied, Rachel griff das auf und sang "we're gonna sing the fucking song. Just shut your mouth, motherfucker" mit einer großartigen Melodie! Würde ich kaufen!

Setlist Comet Gain, The Dome, London:


01: The ballad of a mix tape
02: Hard times
03: One more summer before I go
04: Saturday night facts of life
05: Why I try to look so bad



06: The fists in the pockets
07: Long after tonite's candles are blown
08: Love without lies
09: Herbert Huncke, pt. 2

Links:

- aus unserem Archiv:
- Comet Gain, Ripley, 31.07.16



Donnerstag, 6. April 2017

The Ballet, London, 23.03.17

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Konzert: The Ballet
Ort: Bush Hall, London (20 Years Of Trouble)
Datum: 23.03.2017
Dauer: 40 min
Zuschauer: 250 bis 300



28 Konzerte an fünf Tagen in sechs verschiedenen Konzertsälen... FortunaPOP!-Gründer Sean Price weiß, wie man Parties feiert, auch einen Leichenschmaus. Der erste offizielle Tag des Abschieds-Festivals (der Mittwoch war nur für Dauerkarten-Inhaber) fand in der fantastisch-schönen Bush Hall statt.

Mein Highlight am Donnerstag waren The Ballet aus New York - solange, bis sie ihr Konzert nach Pete Astor begannen. Was hatte ich mich auf die Amerikaner mit den schönen Popsongs gefreut!

40 Minuten später wäre ein Abendessen die bessere Entscheidung gewesen. Das Konzert der New Yorker war lieblos, klang flach und war selbst für eine Szene, in der DIY zu den Grundwerten gehört, in Phasen erschreckend stümperhaft. 

Das Keyboard der Band war am Vormittag kaputtgegangen. Sean Price hatte bei Facebook nach einem Ersatzgerät gefahndet und war offenbar dort erfolgreich. Vermutlich gibt es bei Leih-Keyboards dann durchaus Probleme, die richtigen Einstellungen zu finden, die vielen, oft sehr schief klingenden Verspieler erklärt das nicht. Dazu hörte sich alles so lahm und lustlos an, so wie mein Bericht gerade, schlimm!

The Ballet - Greg und Craig - spielten am Anfang Lieder ihrer ersten beiden Platten, bis sie zur dritten, die bei FortunaPOP! erschienen ist, umschwenkten. Dazwischen packten sie drei neue Stücke eines kommenden Albums, die sicher auf Platte toll klingen. Ich bin nur gerade nicht sicher, ob ich große Lust habe, mir das anzuhören.

Setlist The Ballet, Bush Hall, London:

01: Personal

02: Love letter (neu)
03: Chinatown
04: Dangerous
05: Looking (neu)
06: Feelings
07: Is anybody out there?
08: Turn you
09: Ghosts (?) (neu)



Montag, 3. April 2017

Would-Be-Goods, London, 23.03.17

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Konzert: Wood-Be-Goods
Ort: Bush Hall, London (20 Years Of Trouble)
Datum: 23.03.2017
Dauer: ca. 40 min
Zuschauer: 250 - 300



"The camera loves me", ist einer der großen Hits der Would-Be-Goods aus London (und der Name des ersten Albums). Autobiographisch schien uns dieses Lied aber nicht zu sein, als die Band den zweiten Abend der FortunaPOP!-Beerdigung eröffneten, Sängerin Jessica Griffin guckt auf jedem meiner Fotos mürrisch, als machte ihr das Konzert keinerlei Spaß. Erst nach Ende des Auftritts lächelte die Bandgründerin zum ersten Mal. Das war beruhigend.


Die Would-Be-Goods spielten vor Pete Astor, The Ballet und Withered Hand in der wunderschönen Bush Hall in Shepherd's Bush im westlichen London. Der Saal von 1904 ist einer der schönsten Konzerträume, die ich kenne. Ganz voll war es nicht, als die Would-Be-Goods begannen, es waren wohl gut 250 Leute da, das Konzert begann bereits um 19 Uhr, offenbar zu früh für viele Zuschauer.

Jessica Griffin gründete die Band 1987, naja, damals veröffentlichte sie eine Single mit zwei Liedern. 1988 erschien Jessicas Debüt-Platte mit The Monochrome Set als Begleitband. Ihre Musikkarriere schien danach wieder beendet, bis 1993 die zweite Platte veröffentlicht wurde. Danach dauerte es fast ein Jahrzehnt bis zum nächsten Lebenszeichen. Als die Wood-Be-Goods mit Single, EP und Platte 2001 und 2002 zurückkamen, gab es eine wirkliche Band. Seitdem gehört Peter Momtchiloff (u.a. von Heavenly und Talulah Gosh) zur Gruppe. Diese Veröffentlichungen erschienen auch zum ersten Mal auf FortunaPOP!



Mittlerweile sind die Abstände kürzer geworden, 2004 und 2008 erschienen weitere Platten.


Ich hatte die Would-Be-Goods noch nie gesehen und war gespannt. Stars des zweiten Tages würden aber die danach auftretenden The Ballet sein, da war ich mir vollkommen sicher. 


Das Set der einheitlich in gestreifte Shirts gekleideten Band war im Gegensatz zu den Outfits sehr heterogen. Manche der Lieder sind folkig-langsam, andere melncholische aber schnelle Pop-Songs. Ich mochte besonders die flotteren Stücke. Herausragend waren dabei natürlich der Riesenhit The camera loves me, Pinstriped rebel, Velázquez & I, Le crocodile und Emmanuelle Béart, bis auf das Krokodil alle aus der frühen Phase der Gruppe. 

Als zum Konzertende die wundervolle Single Emmanuelle Béart lief, fragte ich mich, für wie viele Bands die Wood-Be-Goods trotz ihrer überschaubaren Berühmtheit wohl Vorlagen waren. Die Long Blondes haben ganz sicher vor ihren ersten Gehversuchen Wood-Be-Goods-Songs gehört.

Am Anfang hatte mich das Konzert trotz Pinstriped rebel nicht richtig erwischt, je länger es dauerte, desto besser gefiel es mir. Und dann lächelte Jessica ja auch irgendwann.

Setlist Would-Be-Goods, Bush Hall, London:


01: Morning after 
02: Pinstriped rebel 
03: Temporary best friend 
04: Heart of tin 
05: The ghost of Mr Minton 
06: The camera loves me 
07: Baby Romaine 
08: Tears for Leda (neu) 
09: Too old 
10: Pleasure Island
11: Velázquez & I
12: Le crocodile
13: Emmanuelle Béart

 

 

Mittwoch, 29. März 2017

Simon Love and the Old Romantics, London, 22.03.17

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Konzert: Simon Love and the Old Romantics
Ort: MOTH Club, London (20 Years Of Trouble)
Datum: 22.03.2017
Dauer: knapp 40 min
Zuschauer: rund 100



Die große Abschiedsgala des wundervollen FortunaPOP! Labels hatte Roxy Brennan als Two White Cranes mit Coversongs von Labelkumpels (vor allem Martha) eröffnet. Der MOTH Club in Hackney war am Mittwoch nur "season ticket holders" vorbehalten. Trotzdem hatten wir mit einem vollen Club gerechnet. Und erstaunlicherweise wurde es nach dem Auftakt noch eine Spur leerer, obwohl die Band um Simon Love bereits um neun auf die Bühne kam.

Simon Love and the Old Romantics stammen aus Wales und hatten im vergangenen Sommer beim Indietracks und kurz vorher (wenn ich mich recht erinnere) bei Indiewohnzimmer in Stuttgart gespielt. Ein großer Teil des Charmes der Band besteht aus dem Humor des Pilzkopf-Sängers. Dummerweise geht ein Großteil von Simons Sprüchen in seinem schlimmen Genuschel unter. 



Zwischen meinen drei Konzerten der Band habe ich Simons Platte It seemed like a good idea at the time nie gehört. Mir ist der Pop etwas zu... ja zu was? Zu bluesig? Zu altbacken? Zu hüftsteif? Zu männlich? Ich weiß es nicht genau. Aber einige der Lieder sind sehr schön, Motherfucker, Not if I see you first und Tennis fan vor allem. Wahrscheinlich sollte ich die Platte und die seiner früheren Band The Loves einfach häufiger hören.


Im Mittelpunkt der guten halben Woche standen aber eh nicht die Bands, im Mittelpunkt stand FortunaPOP!-Chef Sean Price. Jeder Künstler, jede Band dankte ihm - in der Regel dafür, daß es seine Band überhaupt gab. Simon Love, der im echten Leben gar keinen poetischen Job hat, ließ es sich aber nicht nehmen, der Abschied von Sean Price etwas spezieller zu gestalten. Mit seinen vier Begleitern (dazu gab es einen Trompeter, der ab und zu auf die Bühne kam) stimmte er einen Song an, den sie für Sean geschrieben hätten "Goodbye indie's rose... And it seems to me you lived your life like a candle in the wind." Und danach: "This next song is called Elton John." Mein Humor!


Simon Love sollte Samstag noch mehrere Auftritte haben, vor allem mit den zu einer Allstar-Band umfunktionierten The Loves. Aber das kommt später.


Setlist Simon Love and the Old Romantics, MOTH Club, London:

01: God bless (?)

02: The new Adam and Eve
03: Tattoo girl
04: Golden boy
05: Motherfuckers
06: Candle in the wind (kind of) (Elton John Cover)
07: Elton John
08: Tennis fan
09: Not if I see you first
10: I fucking love you

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Simon Love and the Old Romantics, Ripley, 29.07.16



 

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