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Sonntag, 24. November 2019

Fink + Sophie Hunger, Dortmund, 22.11.2019

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Konzert: Fink + Sophie Hunger
Ort: Konzerthaus Dortmund
Datum: 22.11.2019
Dauer: 105 + 40 Min.
Zuschauer: ausverkauft



Popkonzerte in klassischen Konzertsälen sind ja schon lange keine Seltenheit mehr. Das Dortmunder Konzerthaus bietet sogar ein Pop-Abo, in dessen Rahmen auch dieses Konzert, ja schon fast ein Doppelkonzert, stattfand. 



Sophie Hunger hätte wahrscheinlich alleine auch den Saal gefüllt. Als häufiger Gast im nicht weit entfernten Haldern, und durch ihre stilistische Bandbreite, hat sie sich ja mittlerweile ein größeres Stammpublikum erspielt.



Heute tritt sie nur zu zweit mit ihrem Drummer als Support von Fink auf. 40 Minuten bleiben ihr, um im schummrigen Licht eben diese Bandbreite komplett auszuspielen. Von klassischem Pop mit rockigen Einflüssen bis zu a cappella Gesang ohne Mikrofon wird alles geboten. Das alles auch noch mehrsprachig und äußerst sympatisch in der Ansprache, so fliegen ihr auch hier die Herzen zu. 

Leider wird sie zu Fink nicht mehr die Bühne betreten, ein Duett wäre sicher großartig geworden. Doch Fink ist nicht der spontane Entertainer und auch nicht der Rocker, den man hinter seinem wilden Bart und vielen Metallketten vermuten würde. 



Eher ein Soundtüftler und Perfektionist steht da diesmal mit zwei Drummern auf der Bühne. Diese arbeiten in einer Art Teilzeit, mal wechseln sie sich an den Drums ab, mal spielt einer von ihnen Gitarre und manchmal erfordern die Arrangements auch beide Schlagzeuge. 



Am Ende werden es nur 13 Songs sein, die Band wird aber 105 Minuten dafür benötigen. Fink auf CD und Live vergleichen zu wollen, ist unmöglich. Sind die Platten oft verhuscht und leise arrangiert, schwillt live fast jeder Song zu einem kleinen Orkan an. 

Unter 10 Minuten geht da fast nichts. Und fast jeder Song profitiert von dieser Transformation. Gerade bei der neuen CD muss man schon ganz genau hinhören, um die Klasse von Songs wie "We watch the Stars" oder "Once you get a taste" zu erahnen, live fällt es wesentlich leichter. Nur spontan ist an diesem Konzert nichts, auch wenn es sich oft so anhört.



Perfekt vorbereitet geht Fink mit seiner Band da zur Sache und auch bei der einzigen Zugabe, einem akustischen Cover von Chaka Khans "Walkin`in the Sun", geht der Plan auf. Fink ist ein beseelter Musiker, der sich sicherer und besser fühlt, wenn er wilde Improvisationen anderen Bands überlassen kann. Ein Umstand, der diesem Abend keinen Abbruch tut. 

Gerade in diesen Konzertsaal passt die oft fast sakrale Musik von Fink hervorragend. Ein toller Abend.

Fotos: Denis Schinner
desc Photography 


Samstag, 18. Juni 2011

William Fitzsimmons, Dortmund, 17.06.11

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Konzert: William Fitzsimmons
Ort: Konzerthaus Dortmund (Pop Abo)
Datum: 17.06.2011
Dauer: William Fitzsimmons 80 min, Slow Runner 30 min


Der Merchandising Stand bei Popabenden im Dortmunder Konzerthaus ist im Foyer des Gebäudes aufgebaut. Als wir die Treppe zum Saal hochgingen, konnte man von oben die Auslage begutachten. Neben Platten des Sängers lag da vor allem ein gruseliges Poster, das den Sänger, vor allem aber seinen grimmigen Bart zeigte. "Ra Ra Rasputin, Lover of the Russian queen..."

Daß sich hinter dem dichten Bart eine schöne Stimme verbirgt, wußte ich zwar, daß der glatzköpfige Rasputin aber auch ein echter Entertainer ist, sollte ich heute abend auch noch lernen.

Eine großartige Einrichtung bei Konzerten im Rahmen des Pop Abos im Dortmunder Konzerthaus sind die kleinen Programmzettel, die Saaldiener verteilen. Das heutige Programm verriet uns, daß William Fitzsimmons von drei Musikern der Band Slow Runner begleitet würde, die solo für ihn auch den Abend eröffnen würden. Slow Runner stammen aus dem Vom Winde Verweht Städtchen Charlston in South Carolina. Die Band besteht aus Michael Flynn, Jonathan Gray und Josh Kaler.

Die Musik im Stil von Death Cab For Cutie oder der Shins war absolut wundervoll.. Sicher trug zu diesem wahnsinnig guten ersten Eindruck die perfekte Akustik des Saals bei, aber auch in einem schmierigen Club hätte ich vermutlich Spaß an den Südstaatlern gehabt. Der Klang war so brillant, daß wir in unsere Reihe weit vorne das Bassspiel verstärkt und perfekt ausbalanciert hören konnten, gleichzeitig aber auch die Zupfgeräusche von Jonathan, ein grandioser kleiner Effekt.

Michael Flynn singt die meisten Parts bei Slow Runner. Er spielt ansonsten Keyboard und lag dabei oft tief über seinem Instrument. Sein Gesangsmikro hing aber irgendwie im Weg, er bewegte den Kopf immer wieder rechts und links am Mikrophon vorbei, um näher an die Tasten zu kommen, was urkomisch aussah. Star der Band ist aber Schlagzeuger Joshua. Sein Trommelspiel klang scheppernd und sehr direkt und verlieh den Stücken einen besonderen Pfiff. Bei dritten Lied (Auto happy) bediente er nur die Bassdrum und spielte beidhändig Glockenspiel. Das man mit sich mit so etwas in die Reihe meiner musikalischen Helden spielt, wird Stammleser nicht weiter überraschen.

Weitere tolle Lieder waren You're all I need mit Banjo und Steel-Guitar und Love and doubt, das immer lauter und dramatischer wurde.

Der halbstündige Auftritt gefiel mir ausgezeichnet und schien auch allgemein gut anzukommen. Die Band verabschiedete sich, um eine Viertelstunde später schon wieder auf die Bühne zu kommen, diesmal eben mit William Fitzsimmons.

Setlist Slow Runner, Konzerthaus Dortmund:

01: Devil moon
02: Damage points
03: Auto-happy
04: You're all I need
05: Love and doubt
06: It's back
07: Strange days

Nachdem William Fitzsimmons mit Passion play von seiner Debütplatte Until when we are ghosts seine musikalischen Qualitäten erstmals gezeigt hatte, folgten die unterhaltenden anschließend: "die Hälfte von euch ist heute wegen der Musik hier, die andere Hälfte wegen des Barts." Den ersten neuen Lieder von seiner im März erschienenen Platte Gold in the shadow gab er mit auf den Weg: "wir spielen heute Stücke, die ihr vielleicht noch nicht kennt, das ist aber egal, alte und neue Songs klingen gleich!"


Ähnlich hören sich Williams Stücke schon an, man erkennt leicht auch bei unbekannten Sachen, daß sie aus der gleichen Feder stammen. Mir ging es allerdings anders als den Kennern, ich bin eher zufällig beim bärtigen Sänger und Psychotherapeuten gelandet, weil ich seine Musik früher für staubtrockenen Folk hielt, der mich gerade da nicht reizte. Allerdings hatte ich auch noch nie eines seiner Stücke gehört. Erst mit dem aktuellen Album kam ich in Kontakt mit William Fitzsimmons und merkte, daß ich ihm unrecht getan hatte und mich seine Musik sehr wohl packte. Und weil ich Fitzsimmons quasi rückwärts entdeckt habe, kannte ich also auch in Dortmund eher seine neuen als die alten Lieder.


Ob neu oder alt, gemeinsam haben die Lieder das wichtigste Element, die sanfte Stimme Williams. Besser beschreiben kann die der Künstler selbst: "das ist ein schöner Saal hier! Fast so schön wie meine Stimme!" Die Begleitung durch Slow Runner war dezent aber sehr gekonnt. Ich frage mich immer wieder, wie viel Aufwand es kosten muß bzw. wie gut Musiker sein müssen, die einen Kollegen begleiten und dessen Werk eben nicht seit Jahren auswendig kennen. Noch dazu hatte William Fitzsimmons die Setlist noch auf Zuruf geändert. Man merkte Slow Runner keine musikalischen Unsicherheiten an, nur ab und zu wirkte vor allem Keyboarder Michael schüchtern. Kein Wunder, wenn man bei seinem ersten Auftritt in Deutschland gleich in einem vollen klassischen Konzerthaus spielt. Den Höhepunkt erreichte diese Schüchternheit bei der letzten Zugabe The winter from her leaving. Die drei Slow Runners standen dazu mit Banjo und Mandoline um ein Mikro rechts von Fitzsimmons. Irgendwann kam der körperlich viel größere Sänger dazu und stellte sich in den Kreis der drei Kleinen. Es sah aus, als wolle der Lehrer mit seinen Schülern musizieren!


Dieser Eindruck beendete das Konzert für uns. Das Angebot Williams, ihn am Merchstand zu besuchen und zu berühren ("nur nicht am Bart ziehen!") ließen wir sausen. Ohne war der Abend schön und unterhaltsam genug.

Setlist William Fitzsimmons, Konzerthaus Dortmund:

01: Passion play
02: Find it in me
03: Beautiful girl 
04: Wounded head
05: Tide pulls from the moon
06: ??
07: Gold in the shadow
08: If you would come back home
09: Bird of winter prey 
10: Blood and bones     
11: I don't feel it anymore (Song of the sparrow)     
12: Just not each other
13: Everything has changed
14: Good morning


15: Afterall (Z)
16: Fade and then return (Z)
17: The winter from her leaving (Z)

Leider keine Fotos, da das im Konzerthaus nicht gestattet ist (und ich schon vor Konzertbeginn erwischt wurde).


Sonntag, 9. Mai 2010

Get Well Soon, Dortmund, 08.05.10

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Konzert: Get Well Soon & Le grand ensemble

Ort: Konzerthaus Dortmund
Datum: 08.05.2010
Zuschauer: bis auf wenige Plätze ausverkauft
Dauer: ziemlich genau 90 min


"Und was machen die für Musik?" ist die Frage, vor der ich immer Angst habe, wenn ich erzähle, daß ich ein Konzert einer Band* namens Get Well Soon sehe. Ich weiß die nicht kurz und knackig zu beschreiben, auch wenn ich ihren Urheber Konstantin Gropper mit seinen Mitmusikern bereits einige Male gesehen habe. Dabei ist das Projekt mittlerweile bei Musikinteressierten natürlich lange schon bekannt und zumindest im (im besten Sinne des Wortes) Indiemainstream etabliert.

Seit ich Get Well Soon eher zufällig in einem Show Case der 07er Popkomm kennengelernt habe, wurden die Säle immer größer und die Auftritte immer besser. Das vierteljährliche Konzert mit den Groppers ist mir eine liebgewonnene Tradition, die bisher nicht die Spur langweilig war.

Nachdem ich aber bereits zwei Konzerte der aktuellen Tour gesehen hatte und damit das Programm, das durch einen begleitenden Film wenig flexibel ist, gut kannte, bedurfte es schon noch eines besonderen Anreizes, ins Ruhrgebiet zu fahren. "Get Well Soon mit großen Ensemble im Konzerthaus Dortmund" überzeugte mich da ganz schnell, denn die besondere Akustik des Profi-Konzertsaals, der eben nicht ursprünglich als Lagerhalle, Räucherkammer eines Schlachthofs, Kino oder Stadtpark genutzt wurde, wirkt bei opulenter Musik wie der von Konstantin Gropper natürlich doppelt und dreifach.

Als ich kurz vor acht im Konzerthaus ankam, strömte bereits alles in den Saal. Ich auch - und zwar eingeschüchtert durch die Rückseite meines Tickets: "ETIKETTE: Eine gute Saalakustik bedeutet leider auch, dass man Husten, Niesen und Handyklingeln deutlich hört. Wir danken für Ihre Rücksichtnahme." Mal gucken, wie mein Dauerhusten in toller Akustik klingen würde. Hoffentlich würde Get Well Soon nicht besonders leise spielen.

Um zehn nach acht ging es schon los. Nur vereinzelte Sitze blieben leer, es sah ausverkauft aus. Die meisten Auftritte drinnen hatte Get Well Soon auf zu kleinen Bühnen absolviert, heute war reichlich Platz! Neben den sechs Musikern, die auf dieser Tour Get Well Soon sind (
Verena & Konstantin Gropper, Maxxi Schenkel, Timo Kumpf, Paul Kenny und Marcus Wuest) standen im Bühnenhintergrund Stühle für das Grand Ensemble. Das bestand aus einen Bläser- und einem Streicherquartett und kam gemeinsam mit Get Well Soon auf die Bühne. Zunächst einmal merkte man davon aber noch nicht viel. Seneca's silence, das erste echte Stück des Abends lebte von ganz anderen Instrumenten, von parallel von Verena und Maxxi gespielten Marimba und Glockenspiel. Das war nicht nur akustisch ein sehr früher Höhepunkt, auch das Zusehen faszinierte mich enorm. Die beiden eindrucksvollen Instrumente am rechten und linken Bühnenrand, schnell gespielt, das war und klang fabelhaft!

Bei We are free vom aktuellen Album kamen die Streicher und Bläser zum ersten Mal richtig zur Geltung. Diese zusätzliche Dichte (oder Breite, oder was auch immer) war das versprochen Besondere! Zwei Trompeten, eine Posaune und eine Tuba (ein Sousaphon?), zwei Violinen, eine Viola und ein Cello (sofern ich das alles richtig erkannt habe) machten die Stücke von Konstantin Gropper noch einmal dramatischer. Wie toll!

Die vielen Trompeten und Violinen bedeuteten aber nicht, daß das normale Arrangement der Stücke abgespeckt wurde, zumindest habe ich das nicht bemerkt. Also spielte Maxxi Trompete, wo er das sonst auch macht, genauso wie Verena regelmäßig ihre Geige benutzte.

Was mir in diesem Maße bisher nicht aufgefallen war, ist das extrem viele Tauschen der Instrumente. Daß Keyboarder Marcus allerlei Instrumente bedient und auch Verena und Maxxi in manchem Lied auch auf offener Szene ihre Geräte wechseln, fällt sofort auf. Aber daß fast alle Get Well Soon Musiker mehr als ein Instrument spielen, war mir neu. Nur Sänger Konstantin machte keinen Ausflug ans Marimbaphon; er scheint der unmusikalischste Teil von Get Well Soon zu sein...

Das Programm enthielt wie erwähnt keine Überraschungen. Das aktuelle Programm ist umwerfend schön, auch beim dritten Konzert! Die beiden Verstärkungsquartette
kamen nur bei ausgewählten Stücken zum Einsatz, was schade aber sinnvoll war.

Konstantin Gropper hatte offenbar genaue Vorstellungen, wie der Abend sein würde. Als das immer wieder besonders aufregende
Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day irre langen Applaus auslöste, wunderte er sich: "da spielt man mal in einem Konzerthaus und denkt, die ruhigen Sachen kommen am besten an und dann ist der Beifall bei dem Lied am größten!" Ruhig gibt es eben in klassischen Konzertsälen oft. Die wilden Gitarren und der herrliche Krach am Ende von Listen!... ist aber eben auch noch eine Nummer wirkungsvoller, wenn die Akustik herausragend ist.

Ähnlich euphorisch war die Reaktion auf We are ghosts. Live ist das Stück vom aktuellen Album auch einer meiner großen Favoriten. Das gemeinsame Musikzieren der echten Musikern mit ihren Geistern auf der Leinwand ist einfach herzallerliebst! Enorm punkten konnte heute auch A burial at sea bei mir, eines der ruhigen Stücke, die Konstantin vermutlich meinte.

Die Videounterstützung der derzeitigen Tour schränkt zwar die Möglichkeiten ein, die Setlist zu variieren (etwas, das wir Bands hier eigentlich gerne um die Ohren hauen), läßt aber keine andere Wahl. Der Lohn für fehlende Überraschungen im Programm
ist dann aber so groß, daß man dies gerne hinnimmt, denn die Begleitfilme taugen wahnsinnig viel! Und es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Wie liebevoll alleine der Angry young man Film umgesetzt ist! Die stolpernden Kinder auf der Flucht aus dem Wald zum Beispiel sind fabelhaft.

Mein visueller Liebling gehörte dann aber nicht mehr zum Film und war vermutlich auch bloß Zufall.
Help to prevent forest-fires, die erste Zugabe, wurde auf der riesigen Leinwand von dünnen Lichtpunkten begleitet, die wie Funkenflug aussahen. Wundervoll!

Musikalisch überragend ist
grundsätzlich Ticktack! Goes my automatic heart. Der Aufbau des Lieds, erst als Duett der Geschwister gesungen, ganz ohne andere Musiker, die dann später nach und nach einsteigen, beschreibt die Dramatik und Melancholie der Get Well Soonschen Stücke perfekt. Wenn ich also demnächst gefragt werde, was "die denn für Musik machen", werde ich vielleicht Ticktack vorspielen!

Setlist Get Well Soon, Konzerthaus Dortmund:

01: Nausea (instr.)
02: Seneca's silence
03: People Magazine front cover
04: We are free
05: 5 steps / 7 swords
06: A voice in the Louvre
07: Listen! Those lost at sea sing a song on christmas day
08: Werner Herzog gets shot
09: That love
10: If this hat is missing I've gone hunting
11: We are ghosts
12: A burial at sea
13: Ticktack! Goes my automatic heart
14: Angry young man
15: We are the Roman Empire

16: Help to prevent forest-fires (Z)
17: Christmas in adventure parks (Z)
18: I sold my hands for food so please feed me (Z)

Termine Get Well Soon:

02.06.10 Madrid, Madrid Spring Festival
04.06.10 Athen, Synch Festival
06.06.10 Rom, Villa Medici
03.07.10 Duisburg, Traumzeit Festival
08.07.10 Nürnberg, Katharinenruine
09.07.10 Rüsselheim, Phonopop
10.07.10 Görlitz, La Pampa
15.07.10 Dour, Dour Festival (Belgien)
18.07.10 Gräfenhainichen, Melt! Festival
23.07.10 Diepholz, Appletreegarden Festival
24.07.10 Freiburg, ZMF
19.08.10 Salzburg, Frequency Festival
28.08.10 Zürich, Zürich Open Air
02.09. DE - Ulm - Donaufestival (+ Le Grand Ensemble)
11.11. NL - Amsterdam - Melkweg
12. - 13.11. DE - Rolling Stone Weekender

Links:


- aus unserem Archiv:
- Get Well Soon, Paris, 16.03.10
- Get Well Soon, Heerlen, 07.03.10
- Get Well Soon, Frankfurt, 02.03.10
- Get Well Soon, Paris, 26.01.10
- Get Well Soon, Wiesbaden, 22.08.09
- Get Well Soon, Bonn, 04.07.09
- Get Well Soon, Paris, 06.05.09
- Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.09
- Get Well Soon, Paris, 14.10.08
- Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
- Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
- Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
- Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
- Get Well Soon, Köln, 09.04.08
- Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
- Get Well Soon, Haldern, 02.08.07




Samstag, 10. Oktober 2009

Kings Of Convenience, Dortmund, 09.10.09

2 Kommentare

Konzert: Kings Of Convenience
Ort: Konzerthaus Dortmund (Pop Abo)
Datum: 09.10.2009
Zuschauer: muß ich nachrechnen, es war jedenfalls schon lange ausverkauft (Ebay-Preise 50 €)
Dauer: vermutlich 110 min


Musik toll, Band toll, Konzerthaus toll, Publikum toll, Sound toll... Rest großer Mist! Dazu nachher mehr.

Setlist Kings Of Convenience, Konzerthaus Dortmund (noch lückenhaft; wird besser...):

01: My ship isn't pretty*
02: 24-25*
03: Me in you
04: Second to numb
05: Power of not knowing
06: I don't know what I can save you from
07: Singing softly to me
08:
Little kids
09: Stay out of trouble
10: Freedom and it's owner
11: Mrs. Cold
12: Rule my world
13: Peacetime resistance
14: Misread
15: Toxic girl
16: Boat behind

17: Homesick (Z)
18: Renegade (Z)
19: I'd rather dance with you (Z)

20: Cayman Islands (Z)


* danke an den Kommentierer!



Samstag, 8. November 2008

Lambchop, Dortmund, 07.11.08

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Konzert: Lambchop (akustisch)
Ort: Konzerthaus Dortmund
Datum: 07.11.2008
Zuschauer: nahezu ausverkauft
Dauer: Lambchop 115 min, The Paper Hats gut 30 min


Auf der nächtlichen Rückfahrt von Dortmund Richtung Süden erzählte Doro aus dem Rhein-Main-Gebiet beim einslive-Talkradio Domian von ihrer Konzertsucht. Sie sehe im Monat mindestens fünf Konzerte und fühle sich schlecht, wenn es weniger wären. Leute gibt es!

Die Hinfahrt auf der A1 war anders spannend. Keinerlei Meldungen über Verkehrsstörungen an einem frühen Freitagabend. Erstaunlich und zu schön, um wahr zu sein! Wir wären laut Navi um 19 Uhr und damit ausreichend früh vor unseren Verabredungen in Dortmund gewesen, um noch den massiv steigenden Hunger zu stillen. Dummerweise verunglückte dann ein Auto in einer Baustelle, und wir standen... Der bequeme Puffer schmolz und schmolz. Als es endlich wieder lief und wir fuhren, schafften wir es, gerade so pünktlich zu den letzten Gongs im Konzerthaus anzukommen.

Hungrig und abgehetzt saß in meinem Stuhl, als vorne auf der Bühne ein junger Mann Blazer, Jeans und Gitarre erschien, sich auch setzte und ein erstes sehr akustisches Lied spielte. Während er das so tat, und nach den ersten Minuten offensichtlich wurde, daß er nicht singen würde, hatte ich viel Zeit, mich umzugucken. Der Saal war bis auf wenige Plätze voll. Auf der Bühne dominierte ein Flügel, es standen aber an allen Ecken Gitarren, auch E-Gitarren mit Verstärkern, ein Schlagzeug (ein abgespecktes) und ein Keyboard. Es sah also nach einem semiakustischen Konzert später aus. Während ich mich umguckte, spielte William Tyler, der als The Paper Hats auftrat, weiter dieses erste Lied. Ich weiß, daß ich hiermit als furchtbarer Banause auffalle, auf mich wirkte Williams Spiel aber eher wie ein Bewerbungsauftritt um einen Gitarristenposten, als das Vortragen von Liedern. Ganz sicher waren die Dinge, die er da tat, hoch komplex und sehr anspruchsvoll. Sie waren aber auch nicht richtig spannend. Aber auch nicht so unspektakulär, daß ich eingeschlafen wäre, wie mein Sitznachbar. Das zweite und dritte Achtminutenstück war ähnlich, dann tat sich etwas. William stand auf, nahm eine E-Gitarre, und rückte das Mikro vor seinem Mund zurecht. "I don't sing, I just like moving the microphone..."

Diese letzte Lied heiße Crystal Palace. "It's about a deserted building." Ich hörte mir also andächtig all die kleinen Anekdoten über Treppen, auf denen Gras wächst, über leere Säle und die Menschen, die da früher einmal feierten, Schicksale, die mit dem Gebäude verknüpft waren und all die kleinen anderen Momente des Londoner Gebäudes an
und kam langsam besser in die Instrumentalmusik des jungen Amerikaners rein...

Nach einer guten halben Stunde waren die vier Lieder beendet und William verabschiedete sich beeindruckt von Saal und Menschenmenge. "Ich habe noch nie vor solch vielen Leuten gespielt!" Und vermutlich auch noch nicht in einem solch aufregenden Konzertsaal. Denn das Dortmunder Konzerthaus ist wirklich sehenswert. Mir gefallen die klaren Linien des Raums, die extrem hohe Decke oder der Bühnenbau extrem gut. Aber herausragend ist selbstverständlich die Akustik! Man hörte schon bei den Paper Hats jedes kleinste Kratzen an der Gitarre, alles, was
William an seinem Instrument bewegte, klang laut und kristallklar im Saal wider. Das Konzept, in diesem klassischen Konzerthaus, Popkünstler auftreten zu lassen, ist brillant. Bei meinem letzten (weil bisher einzigen) Besuch hatte ich die deutsche Nummer eins Polarkreis 18 hier gesehen.

Der Vorgruppen-Sänger erschien kurz danach wieder mit den anderen Lambchop Mitgliedern, wobei dies nicht korrekt ist, denn eine eigentliche Band mit festen Musikern gibt es nicht. Heute traten neben Mastermind Kurt Wagner Pianist Tony Crow, Bassist Matt Swanson, Schlagzeuger Scott Martin und die drei Gitarristen Alex McManus, William Tyler und Ryan Norris auf. Ryan spielte zwar überwiegend akustische Gitarre, hatte aber
auch Parts am Keyboard, das, es war schließlich ein Akustikkonzert, als Orgel deklariert wurde.

Kurt Wagner erschien in dem Outfit, das er schon in Paris anhatte. Outfit ist aber sicher falsch, da ich vermute, daß Kappe, abricotfarbener Pullover und weißes Hemd keine Bühnenverkleidung sind sondern seine bevorzugte Kleidung. Ich muß Olivers Beschreibung vom Pariser Konzert widersprechen. Für mich sah Kurt Wagner nicht
nach einem US Trucker aus, nichts erinnerte mich an den Klischee-Trucker, der irgendwo in einem Diner sitzt und Kaffee und Bacon frühstückt. Aber ich glaube, darum geht es gar nicht.

Mein Sitznachbar machte sich solche Gedanken nicht, er schlief wieder, wachte meist nur beim Applaus zwischen den Stücken auf. Sicherlich war die sehr ruhige Musik gefährlich, wenn man sehr müde im Konzertsaal saß. Denn trotz der meist vier Gitarren war die Grundstimmung sehr still und leise. Kurt saß auf Bühnenkisten und hatte einen Stapel einzelner Blätter vor sich liegen. Nach jedem Lied legte er das gerade abgesungene Papier ordentlich auf einen zweiten Stapel auf dem Boden. Ob er Texte oder Noten auf den Zetteln hatte oder eine Setlist für Kurt einfach nicht leserlich ist, konnte ich nicht herausfinden, gesehen hatte ich so etwas aber noch nicht. Es war ziemlich komisch, Kurt beim Blättern zu beobachten.

Die erste Hälfte des Konzerts bestand zum Großteil aus Titeln des neuen Albums OH (ohio) . Einzige Ausnahme war das Bob Dylan Cover You're a big girl now. Ansonsten spielte der Musiker aus Tennessee (11 Wahlmänner) mit seinen sechs Begleitern anfangs zehn der elf Lieder des neuen Albums. Auch wenn jeder Titel mit großem Beifall bedacht wurde, schien Kurt Wagner Zweifel zu haben. "Gleich kommen Lieder, die ihr besser kennt", hielt er ein paarmal für nötig. Dabei wollte sicher niemand auf solche Perlen wie National Talk Like A Pirate Day verzichten! Mal abgesehen von dem wundervollen Titel (der sich auf den jedes Jahr am 19. September weltweit begangenen Feiertag bezieht), ist das Lied fabelhaft und hat mich auch live sehr begeistert! Ein nächstes richtiges Highlight für mich war Of Raymond! Hätte mein Nachbar das doch auch bloß genießen können.

Unmittelbar nach diesem musikalischen Knüller kam die dieser Tage unvermeidliche Kommentierung der US Wahl. Kurt Wagner beruhigte uns, daß sie selbstverständlich vor ihrer Abreise gewählt hatten. Und sie freuten sich sehr über Barack (nicht "Barak", Monsieur le Président)
Obamas Wahl. "Nicht, daß McCain kein guter Kerl wäre!", das Pianist Tony präzisierte: "Er ist einer der wenigen Republikaner, der an die Evolution glaubt!" - "Weil er dabei war." Der Sänger erwiderte: "A good second choice!" - Tony: "Evolution?" Ich hatte plötzlich unglaublichen Hunger auf Spaghetti.

"Das ist jetzt das letzte unbekannte Lied," leitete der
Kappenträger Popeye ein. Eine sehr gute Wahl, gerade diesen Titel ans Ende des Ohio*-Blocks zu setzen, obwohl es das drittletzte Lied der Platte ist. Eine gute Wahl deshalb, weil der Titel ganz plötzlich laut wird und sich damit von den vorhergehenden abhob. Dieser Bruch im Lied war also auch das Zeichen, daß nun ältere Titel kämen.

Aber es war natürlich nur ein symbolischer Bruch, denn es ging weiter wie zuvor -
wundervolle Lieder, mit Instrumentierung, die in diesem besonderen Konzertsaal traumhaft klang. Und diese Stimme! Das Nörglige, Genuschelte, das so gut klingt, die tollen Höhenunterschiede. Beeindruckend!

Irgendwann wurde Kurt Wagner unruhig und nahm sein
Handy aus der Tasche, um auf die Uhr zu gucken. Tony bemerkte es auch: "Expecting a call?" Irgendwie der Humor zur Musik.

Unruhig wurde ich langsam auch. Nicht wegen meines Hungers, sondern weil das Parkhaus der 500.000 Einwohner-Stadt, in dem wir geparkt hatten, um Mitternacht schloß. Aber Kurt blätterte und blätterte, und die Band spielte weiter. Ich weiß nicht, ob der Tourbus auch in unserem Parkhaus stand, die Blicke auf die Handyuhr wurden häufiger. Nach Flick nahm der Mann aus dem schönsten US-Staat die restlichen Partituren und sah durch, was noch geplant war. "Wir spielen noch ein Lied, habt ihr Wünsche?" Zum zugerufenen Is a woman gab es ein Blatt, das letzte
Lied war also ausgewählt. Mit diesem sehr schönen Titel endete um kurz vor halb zwölf der Hauptteil des Konzerts.

Nach ganz kurzer Pause erschienen die Musiker wieder. Tony zählte ab, ob alle da waren, es fehlten aber der Bandleader und Bassist oder rechter Gitarrist. Als alle da
waren, wurden wir wieder befragt, was wir hören wollten. " Your fucking sunny day!" - "For real?" entgegnete Kurt. Auch seine Kollegen schienen nicht sicher zu sein. Was macht man in einer Wahlwoche? Lambchop stimmten ab, Kurt Wagner befragte alle, ob sie einverstanden wären, um dann kopfschüttelnd "Kids!" zu kommentieren.

Ganz zum Schluß folgte dann noch der eine fehlende Titel von Ohio, I believe in you. Und ein Witz von Tony, den ich wieder vergessen habe, der aber zu erstauntem Gemurmel im Publikum führte. Es ging um einen Vater mit zwei Geschlechtsteilen und die Erklärung des Sohns dafür. Kurt Wagner, der vorher noch ein wenig erleichtert gesagt hatte, daß wir Glück gehabt hätten, daß Tony sich mit seinen Witzen zurückgehalten habe ("manchmal macht er das nicht..." ), fand, "that might be a little bit inappropriate." Ich fand nichts an diesem Abend unangemessen. Es war sehr schön. Daß ich mich nicht hundertprozentig auf die Musik konzentrieren konnte, lag an Hunger und Anreise, die innere Ruhe fehlte. Meinem Nachbarn nicht. Der konnte sich prima fallen lassen.

Setlist Lambchop, Konzerthaus Dortmund:

01: Ohio
02: Slipped dissolved and loosed
03: You're a big girl now (Bob Dylan Cover)
04: National Talk Like A Pirate Day
05: Close up
06: Sharing a Gibson with Martin Luther King jr.
07: I'm thinking of a number (between 1 and 2)
08: A hold of you
09: Of Raymond
10: Please rise
11: Popeye
12: Give it
13: The daily growl
14: The new cobweb summer
15: Autumn's vicar
16: Flick
17: Is a woman

18: Your fucking sunny day (Z)
19: I believe in you (Z)

* Obama 51%

Links:

- Lambchop am 25.10.08 in Paris
- Kurt Wagner gemeinsam mit Calexico am 08.09.08 in Paris

Die Fotos sind gefälscht. Sie stammen vom Pariser Auftritt der Band. Ich versichere aber hier reinsten Gewissens, daß die Künstler in Dortmund genauso aussahen.



Sonntag, 30. März 2008

Polarkreis 18, Dortmund, 29.03.08

3 Kommentare

Konzert: Polarkreis 18 (unplugged)
Ort: Konzerthaus Dortmund
Datum: 29.03.2008
Zuschauer: etwa 500
Dauer: etwa 90 Minuten

Polarkreis 18 in einem Konzertsaal, also in einem echten, klang im Vorfeld schon aufregend. Allerdings reichte meine Phantasie nicht aus, mir vorzustellen, wie herausragend solch ein Abend werden könnte. Aber von Anfang an - der liegt jedoch ziemlich genau ein Jahr zurück.

Im vergangenen März spielten Karpatenhund und ein paar mir unbekannte Bands bei einem Intro intim Abend im Gebäude 9. Polarkreis 18 hatten eigentlich keine Chance, mir zu gefallen, weil ihr Musikstil, wie ich dachte, gar nicht meiner ist. Auch wenn mein Bericht von diesem Konzert noch sehr deutlich meine Skepsis widerspiegelt (scheußlich, was ich da für einen Unsinn über Nervstimmen geschrieben habe), bin ich seitdem ganz großer Fan der Dresdner (und habe sie in den folgenden Monate noch dreimal gesehen).

Als Oliver und ich Bernd von Polarkreis 18 in Haldern interviewt haben, verriet er uns, daß sie wahnsinnig gerne einmal in der Semperoper auftreten würden. Ein klassisches Konzerthaus ist schon einmal eine gute Zwischenstation auf dem Weg dahin.

Als wir ankamen, war es im Vorraum des Dortmunder Konzerthauses noch recht leer. Zwei städtische Angestellte fortgeschrittenen Alters verkauften am Stand PK 18 T-Shirts und Platten, in sandfarbene Uniformen gekleidete Garderobenmitarbeiter standen in kleinen Boxen und warteten auf Jobs, es wirkte feierlich. Es füllte sich dann doch recht schnell, und als um fünf vor neun der Theatergong zeigte, daß es gleich losginge, strömten erfreulich viele Zuschauer in den Saal. Bis sehr weit hinten waren nur ganz vereinzelt Lücken in den Reihen zu sehen.

Auf der Bühne war auch schon recht viel los, in Form von ganz vielen und vor allem ganz aufregenden Instrumenten. Neben eher unspektakulären Geräten wie Schlagzeug und Flügel (den hat schließlich Elton John auch), standen da ein Metallrad neben dem Schlagzeug, mehrere Glockenspiele, ein Kinderklavier, ein Akkordeon, eine Trompete und viel kleiner Schnickschnack rum.

Sänger Felix Räuber erschien aber zunächst ohne Kollegen, die die spannenderen Dinge bedienten. Er setzte sich an den Flügel und spielte zum Start ein Instrumentalstück. Dank der phänomenalen Akustik traute sich niemand zu husten, zu kramen oder sonst wie unangenehm aufzufallen, es war sagenhaft leise. Als Felix dann zum zweiten Stück kam, gab es auch noch keinen Applaus. Erst nach dem Lied, das das schon im Underground von ihm gespielte Zugabestück war, das die Band wie man mir damals sagte "Felix solo" nennt, folgte der erste starke Beifall.

Erst danach erschien die restliche Band, fünf weitere Musiker, Bassist Uwe, der ein herrliches Spiel hat, er wippt beim Bedienen seines
(unpluggten) Bass' ununterbrochen mit, Schlagzeuger Christian, Bernd, der auch Klavier, vor allem aber eines der Glockenspiele bediente, Trompeter Ludwig (der wie die meisten auch noch zig andere Instrumente spielte) und Philipp (Akkordeon, Klavier, Gitarre). Ich habe schnell den Überblick verloren, wer wann wohin wechselte. Das zu Beobachten war aber auch schwer, weil ich (fürchte ich) von Beginn an mit offenem Mund da saß und genoß, was da an fabelhaften Melodien und Geräuschen erzeugt wurden.

Ein Beispiel: Neben Schlagzeuger Christian stand ja dieses Metallrad. Als Intro zum dritten Lied (es sollte sich als "Stellaris" herausstellen),
drehte der Trommler dieses Rad, was schleifende metallische Geräusche erzeugte, die wie kleine Rückkopplungen klangen. Diese eigentlich unerträglichen Geräusche gingen dann in ein wahnsinnig sattes Einsteigen der anderen Instrumente über. Dazu Felix' klare und laute Stimme machten schon ein wahnsinniges Klangerlebnis aus. Daß die sechs sicher seit frühester Jugend musikalisch ausgebildet wurden, bezweifele ich nicht, sie beherrschen all die verschiedenen Instrumente blind (auch wenn Felix erwähnte, daß sie einige noch nie vorher gespielt hätten), die wahre Kunst für mich als Laien war aber, dies alles so perfekt miteinander zu kombinieren, daß bekannte Lieder auf einmal ganz neu klangen. Es war nichts zu laut, die Arrangements überzeugten alle vollkommen. Die einzigen "Mißtöne", wie das Rad, waren gewünscht und effektvoll.

Nach einem mir unbekannten Lied kam etwas Sensationelles, nämlich "Comes around" in der weltschönsten Version. Anfangs war es eigentlich nicht viel anders als bei den anderen Konzerten. Die Mehrstimmigkeit, die bei vielen Stücken des Abends vorkommen sollte,
war allerdings schon einmal grandios. Dann nach dem ersten Refrain, ging Felix vom Mikro weg, stieg von der Bühne, sang unverstärkt und ging durch den Gang vor der ersten Reihe. Seine Kollegen stiegen in den Refrain ein, nur von einer sehr zurückgenommenen Gitarre begleitet. Als Felix seinen Spaziergang beendet hatte und auf der anderen Seite wieder nach oben ging, wieder ins Mikro sang, wurde es laut, denn auch Schlagzeug und Bass stiegen wieder ein - sensationelle acht Minuten, die jede müde Stunde heute rechtfertigten. Einen solchen Auftritt hätte Arcade Fire nicht besser hinbekommen.

Der überraschende Effekt beim nächste Stück, dem neuen "
Happy go lucky", waren Atemgeräusche des Frontmanns der Dresdner, aus denen sich dann sein Gesang entwickelte. Das Lied selbst war wundervoll, es wird es auch sein, wenn das Atemintro auf Platte fehlen wird.

Tja, und so ging es weiter. Bei jedem Lied neue Klangeffekte, aber nicht der Effekte wegen, es ging um den Klang, das merkte man deutlich. Die Band ist auch so sympathisch, daß musikalisches Gepose einfach nicht zu ihr paßt, Nerdtum im besten Sinne, wenn es darum geht, Geräusche zu erzeugen, aber keine Angeberei im Sinne von "wir brauchen dringend mehrere Exoten, um cool zu sein, laß' uns mit Violinenbögen auf Glockenspielen experimentieren." Nein, sie wußten ganz genau, was sie taten - und wir, was wir zu tun hatten, staunen und anschließend begeistert losklatschen.

Einer dieser ungeposten Effekte war das Schlagen auf das Metallrad von Christian bei dem instrumentalen "Triosong". Dabei passierte auch die einzige kleine Panne des Abends. Der Schlagzeuger traf das ungewohnte Gerät ein paarmal nacheinander an einer anderen Stelle, was leisere Töne machte und einen sorgenvollen Blick von Bassist Uwe auslöste. Die Sorge war unbegründet, es klang alles wieder herrlich und wurde abgeschlossen mit wild klatschenden Felix und (?, ich glaube) Bernd.

Vor "
Somedays, sundays" entschuldige Felix sich, daß das Lied eine E-Gitarre erfordere. Dem unplugged-Konzept folgend, sie diese aber nicht an Strom angeschlossen sondern habe eine Batterie und eine Box eingebaut. "Das klingt warm und satt." So warm uns satt etwas wie eine CD, die auf den Boden fällt, aber auch dieses Plastikgeräusch war so, als hätte "Somedays, sundays" immer so klingen sollen.

Es folgten anschließend "Under this big moon" und "
Crystal lake", bei dem Felix vorher warnte, er benutze dabei ein Gerät, das mit Autobatterie betrieben werde. Das Instrument stellte sich als Bohrhammer heraus, der wirklich passende Töne beisteuerte. In all diesen Dingen steckte wahnsinnig viel Liebe zum Detail, zu Verspieltheit.

Die sechs gingen danach erstmals von der Bühne und der Saal stand und klatschte begeistert!

Die zweite Zugabe, der Überhit "Dreamdancer", der einem Instrumentalstück folgte, wirke erst weitestgehend normal. Also großartig. Zur Mitte änderten sich jedoch Tempo und Rhythmus, es kamen Percussions zum Einsatz, der Ht wurde langsamer, mehrstimmig - und blieb irre gut.

Die Band verließ wieder die Bühne und Felix erschien irgendwann zu einer weiteren Zugabe, "
Chiropody". Dabei gefiel mir, daß der Sänger sich selbst am Ende quasi ausfadete. Die Band kam wieder und zum Abschluß bediente einer so eine kleine Kinderdrehorgel (ich weiß nicht, wie diese Dinger richtig heißen). Es erklange zwei, drei Takte von "Guten Abend, gute Nacht", und sicherlich nicht nur ich hatte eines der besten Konzerte meines Lebens gesehen.

Setlist Polarkreis 18 unplugged, Konzerthaus Dortmund:

01: Herbstlied (instrumental)
02: Felix Solo
03: Stellaris
04: Philsong
05: Comes around
06: Happy go lucky (neu)
07: Triosong (instrumental)
08: After all he was sad
09: Somedays, sundays
10: Under this big moon
11: Crystal lake

12: Duschwein (instrumental) (Z)
13: Dreamdancer (Z)

14: Chiropody (Z)

Links:

- Polarkreis 18 bei intro intim im März 07
- im Mai 07 im Underground in Köln
- auf dem Haldern-Festival 2007
- und auf dem Highfield Festival im gleichen Jahr
- mehr Fotos - allerdings meist von den älteren Konzerten

Konzertbesucher von Polarkreis 18 könnten auch mögen:

- Arcade Fire (diverse Konzerte)
- The Kissaway Trail in London



 

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