Dienstag, 20. Januar 2015

Stars, Frankfurt, 19.01.15


Konzert: Stars
Ort: Zoom, Frankfurt
Datum: 19.01.2015
Dauer: 85 min
Zuschauer: 300 vielleicht



"Vielen Dank, daß Ihr uns dies hier ermöglicht!" - ich hasse solche theatralischen Plattitüden, Torquil Campbell, dem Sänger der Stars, nehme ich seine Dankesbekundungen aber ab - obwohl er im Nebenjob Schauspieler ist. Leider ist es immer weniger selbstverständlich, daß Bands Musik beruflich machen können. Wenn eine kanadische Gruppe, die immerhin live zu sechst auftritt, alle zwei Jahre nach Europa kommen kann, obwohl sich die letzten Alben vermutlich nicht schrecklich gut verkauft haben, und in fünf kleinen deutschen Clubs spielen kann, ist daran zwar sicher auch die kanadische Kulturförderung schuld, aber eben auch das seit Jahren aufgebaute Publikum, das immer wieder kommt, auch wenn die Platten nicht mehr die Brillanz früherer Veröffentlichungen haben. 


Die letzte Platte No one is lost (den Titel hatte ich wieder vergessen), hatte ich zwar im Herbst aus Gewohnheit sofort gekauft, nach einem Hören aber wieder weggelegt. Zu viel Disco, zu wenige Hits und zu viel spannendere Musik von anderen Künstlern. In den letzten Tagen habe ich das Album noch ein paar mal gehört und plötzlich mehr gemocht (bis ich den Fehler gemacht habe, zu Set yourself on fire, der Überplatte zu wechseln und die neue wieder belanglos zu finden).


Als ich im Zoom ankam, war der Club recht voll und die Vorgruppe Children bereits fast durch. Ich hatte die Berliner sehen wollen, eine gesperrte Autobahn verhinderte das aber. Also war mein erstes Livelied des Jahres das schauderliche Would I lie to you? von Charles and Eddie, allerdings in einer deutlich weniger scheußlichen Version. Die beiden eigenen Lieder danach reichten noch nicht für einen richtigen Eindruck, die Instrumentierung mit Querflöte gefiel mir aber schon einmal sehr. 

Die Stars sollten um zehn auftreten. Bis dahin war alles aufgebaut. nur die Band kam nicht. Erst gut zwanzig Minuten später kamen die Musiker auf die Bühne. "Wir haben nicht backstage gekokst, unser Bassist hat ein Bier nicht vertragen und musste ins Krankenhaus"; erklärte der Sänger. Hmmm, ein so aufgedrehter Torquil ist kein gutes Zeichen. Vor einigen Jahren hatte ich ihn so im Gebäude 9 in Köln erlebt. Das Konzert wurde entsetzlich, der gebürtige Brite traf keinen Ton, suchte vergeblich nach seinen Instrumenten und machte einen erbärmlichen Eindruck. Seitdem habe ich vor zu guter Laune des Mannes Angst. Seine Co-Sängerin Amy Millan guckte auch am Anfang recht mürrisch, stressfrei schien die Anreise von Amsterdam nach Frankfurt nicht gelaufen zu sein. Später erklärten die Frontleute, ihr Schlagzeuger Pat McGee (der heute mit Sonnenbrille, Latzhose, Kopftuch und Kappe darüber erstaunlich konservativ gekleidet war) habe am Vortrag Geburtstag gehabt und den habe man in Amsterdam gefeiert.


Als dann das erste Lied losging, waren es wieder die Stars, die ich so mag. Der Gesang von Amy und Torquil, der sich so wundervoll ergänzt und auch schwächere Lieder gut macht, hatte mich sofort wieder. Die Stimmen waren am Anfang ein wenig leise, das wurde aber irgendwann besser. 


Die Stars spielten fast alles vom neuen Album. Dadurch blieb viel zu wenig Platz für Lieblinge. Von ihren fünfzehn, zwanzig Welthits hatten sie leider nur Ageless beauty, Dead hearts, Your ex-lover is dead, Take me to the riot und Elevator love letter dabei. Das ist entschieden zu wenig, allerdings würde ich auch nur wegen eines davon zu einem Konzert gehen. Die neueren Sachen sind ok, stehen im Vergleich aber sehr blass da. Am besten waren von No one is lost Trap door und From the night.


Wäre es musikalisch nicht so gut gewesen, hätten mich die Dinge am Rande ziemlich gegruselt. Torquil, der am Anfang elegant mit Blazer (und Einstecktuch) gekleidet war, stand oft in seinen Singpausen am Bühnenrand und starrte einzelne Zuschauer an. Das war einschüchternd. Wenn er nicht guckte, umtanzte er seine Gesangskollegin. Das war teilweise herrlich absurd. Den Refrain von We don't want your body sang er unmittelbar hinter Amy stehend. Charmant war das nicht - aber komisch. Bei Elevator love letter suchte er verzweifelt seine Melodica, die irgendwo in Griffweite liegen sollte. Der Roadie, der zwar eigentlich in aller Seelenruhe aufgebaut hatte, hatte das Instrument offenbar vergessen. Also fehlte dieses Element und wurde durch merklich improvisierten abwechslenden Gesang von Amy und Torquil ersetzt. Der Roadie hatte seinen Fehler mittlerweile bemerkt und die Tastentröte bereitgelegt, für Elevator love letter reichte es nicht mehr, bei Your ex-lover is dead kam es dann aber zum Einsatz. 

So lange Konzerte der Stars so viel Spaß machen, werde ich gerne weiter mithelfen, ihnen zu ermöglichen, damit aufzutreten und immer wieder hingehen, egal wie viel weniger mir neuere Alben bedeuten. Was ich dabei aber sehr überraschend und beruhigend fand, war der hohe Anteil sehr junger Zuschauer. Die Kanadier locken also nicht nur weiter die Leute von früher an, sie scheinen auch für Zwanzgjährige attraktiv zu sein. Es wird hier also auch in der Zukunft immer wieder Stars-Berichte geben! 'tschuldigung.

Setlist Stars, Zoom, Frankfurt:

01: From the night
02: Ageless beauty
03: We don't want your body
04: Turn it up
05: Backlines
06: You keep coming up
07: A song is a weapon
08: This is the last time
09: Hold on when you get love and let go when you give it
10: Look away
11: Dead hearts
12: Trap door
13: One more night
14: Elevator love letter
15: Take me to the riot
16: Your ex-lover is dead
17: Are you ok?
18: No one is lost

19: What is to be done? (Z)


Tourdaten Stars:

20.01. Luxor, Köln (Support: Children) 
21.01. Knust, Hamburg (Support: Children) 
22.01. Bi Nuu, Berlin (Support: Children) 
23.01. Strom, München (Support: Children)

Links:

aus unserem Archiv:
- Stars, Köln, 17.12.12
- Stars, Frankfurt, 12.12.12
- Stars, Indianapolis, 04.10.12
- Stars, New York, 24.09.10
- Stars, Köln, 09.09.10
- Stars, Köln, 11.02.08
- Stars, Köln, 27.09.07
- Stars, Berlin, 20.09.07



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