Donnerstag, 15. Januar 2015

My year in lists (Nelle): Die Top 12 Konzerte und anderes


Nelle aus Essen ähh Köln ist Stammgast bei guten Konzerten. Es gibt ja diese Leute, deren Anwesenheit in einem Club zumindest ein Hinweis darauf ist, daß man richtig ist. Zu dieser Gruppe zählt er. Seit einigen Jahren zählt er auch zu denen, die ihre Jahresrückblicke mit uns teilen. Danke!


Jahresrückblick 2014 - Die Top 12 Konzerte und anderes 

Während Konzerttagebuch-Christoph das abgelaufene Jahr in seinem jüngsten Blogeintrag noch als herausragend feierte, kann ich den Enthusiasmus nicht ganz teilen. Klar gab es tolle Musik und tolle Konzerte, aber mit einer Bestenliste tat ich mir recht schwer. So schwer, dass ich sie erst 2 Wochen nach Beginn des neuen Jahres schreibe. Auch ein Blick in die Jahrespolls der Musikmagazine lässt mich ratlos. Da werden Alben als Konsensalbum 2014 bezeichnet, die ich nicht kenne und am Ende ist doch alles "Happy". 

Auffällig war, dass viele Bands/Musiker Alben veröffentlich haben, die zwar gut waren und die ich wirklich gerne hörte, die aber nicht als Überalben durchgehen. Das betrifft sowohl neue Alben altbekannter Favoriten (Warpaint, Jessie Ware, Lykke Li, Lana Del Rey, Fanfarlo, Slow Club, Zaz, Spaceman Spiff, First Aid Kit, SBTRKT, Judith Holofernes) als auch neuere Bands mit sehnlichst erwarteter Debütveröffentlichung (z. B. Banks oder Bear's Den). Daher komme ich nur auf sechs Lieblingsalben 2014 - und die Unterschiedlichkeit der Musikstile zeigt schon, was für einen kruden Mischmasch ich derzeit höre: Rainy Milo "This thing of ours", The War on Drugs "Lost in the dream", Fear of Men "Loom", S O H N "Tremors", Peer "Galaktika" und Kate Tempest "Everybody down". Im Moment vor allem letzteres. Und dann noch eine EP, die fast alle Veröffentlichungen 2014 in den Schatten stellt: "Come in" von GEoRGiA, die auch mal bei gerade genannter Kate Tempest als Schlagzeugerin spielte (oder das vielleicht noch tut). Un-fass-bar. 

Bester Song des Jahres war einfach: "Newton" von Peer aus Berlin (klick). 

Das Konzertjahr war vor allem davon geprägt, dass ich vom Ruhrgebiet endlich in meine langjährige Wunschstadt, die Konzerthauptstadt Köln gezogen bin. Der weitere prägende Punkt waren die ersten beiden Wohnzimmerkonzerte, die wir veranstaltet haben. Im Sommer gastierte Pele Caster bei uns und am Nikolaustag war Domingo zu Gast. Trotz aller Unterschiede (z. B. war es einmal sehr voll und einmal sehr leer) waren beide Abende wundervoll und laufen bei meiner eigenen Bestenliste "außer Konkurrenz". 

Hier dann die Topliste der nicht selbstveranstalteten Konzerte, dieses Jahr mal 12 Auftritte: 

Platz 12: The Bohicas - Paradiso, Amsterdam (10.05.) 


Klassische Rockmusik der The-Bands der 00er Jahre gab es in letzter Zeit nicht mehr viel und wenn dann war es wenig prickelnd. Auch die Bohicas machen nichts Neues, bringen es aber so zwingend und gut rüber, dass der Auftritt wirklich, wirklich toll war. Etwa so wie die Arctic Monkeys in der Phase kurz vor ihrem Debütalbum. 

Platz 11: FM Belfast - Juicy Beats (26.07.) 


Waren im Vorjahr noch Retro Stefson und Team Me für das Konfettifeuerwerk verantwortlich, waren es 2014 wieder einmal FM Belfast. Ich höre mir das zu Hause annähernd gar nicht an, es ist live aber immer wieder fantastischer Blödsinn. 

Platz 10: The Robocop Kraus - Phono Pop (11.07.) 


Lange Jahre eine meiner Lieblingslivebands, dann genau so lange Jahre von der Bildfläche verschwunden und jetzt aus offenbar purer Lust wieder 3 Auftritte. Kein einziges neues Lied, nur ein Feuerwerk alter Hits. Und da konnten dann auch all die jungen Indiebands noch mal gucken, wie das geht. 

Platz 9: Peer - Die hängenden Gärten von Ehrenfeld, Köln (31.10.) 

Archiv (Christoph)

Bester Song des Jahres, eins der 6 besten Alben des Jahres und auch das neuntbeste Konzerte des Jahres. Peer ist neben Locas in Love vielleicht der einzige, der im Moment sensationell gute Musik in deutscher Sprache macht. 

Platz 8: John K. Samson - Blue Shell, Köln (04.12.) 


Als der Weakerthanssänger auf die Bühne kam, habe ich ihn erst für einen Roadie und als er anfing zu spielen für eine zweite Vorband gehalten. Mit langen Haaren und Vollbart habe ihn wirklich nicht erkannt! Als er anfing zu singen, war dann aber alles klar und das blieb es auch die nächsten 2 Stunden + X. Teils solo, teils im Duo mit Simon Frontzek (Sir Simon) spielte er annähernd alles, was ihm oder dem Publikum einfiel. 

Platz 7: First Aid Kid - Haldern Pop (09.08.) 


Die Königinnen des Harmoniegesangs waren das Highlight beim ansonsten hinter den Vorjahren zurückliegenden Haldern 2014. Da konnten selbst die bescheuerten Goldkleidchen nichts trüben. Lieder der 3 Alben (mit Fokus auf das neue "Stay gold"), ein Gastauftritt von Conor Oberst und am Ende das schönste Lied der Welt, "Emmylou". 

Platz 6: We Were Promised Jetpacks - Gebäude 9, Köln (25.09.) 

Archiv (Christoph)

Jahr für Jahr eines der Highlights des Konzertjahres: "It's thunder and it's lightning" als letzter Song bei einem Jetpacks-Konzert in einem beliebigen Club oder bei einem beliebigen Festival an einem beliebigen Ort. 

Platz 5: Kevin Devine - Blue Shell, Köln (21.01.) 


Letztes Jahr Platz 4, jetzt Platz 5. Ein sicherer Garant für unvergessliche Konzertabende. Alles weitere habe ich letztes Jahr schon geschrieben

Platz 4: Alcoholic Faith Mission - Gasthof Tepferdt, Haldern (25.01.)


Eine meiner Lieblingslivebands der letzten Jahre und ich freue mich schon jetzt, dass sie in etwa 2 Monaten hier in Köln spielen. Auch in 12 Monaten dann sicher wieder in der Jahresliste. Dieses Konzert war im Rahmen des "Rock im Saal", der kleinen Schwester vom Haldern Pop. Die Veranstaltung hat sich trotz meist toller Bands in den letzten Jahren ein wenig von mir entfernt, zu viel Gequatsche und zu wenig Respekt für die Bands. Daher wird am kommenden Samstag nach elf aufeinander folgenden Besuchen das erste "Rock im Saal" seit 2003 ohne mich stattfinden. An Alcoholic Faith Missions tollem Auftritt dort letztes Jahr liegt's nicht! 

Platz 3: S O H N - Gebäude 9, Köln (08.04.)


Mit Elektroauftritten tue ich mich oft schwer. Da steht dann meist irgendein Typ an seinem Laptop und macht da irgendwas, die Stimmung ist mäßig und am Ende denkt man sich, dass Rock'n'Roll doch eine nette Sache ist. S O H N hatte mich 2013 mit einigen EPs angefixt, das entsprechende Album 2014 nachgelegt und zu dem Auftritt bin ich mit mittleren Erwartungen gegangen. Es war unheimlich laut, der Bass schlug massiv auf das Publikum ein und machte es zu einem unheimlich physisch anspruchsvollen Konzert. Sprachlosigkeit. 

Platz 2: Warpaint - Klaus-von-Bismarck-Saal, Köln (20.08.) 


Das neue Album mochte ich am Anfang nicht, dann hörte ich es sehr oft und inzwischen wieder fast gar nicht. Einige Monate zuvor spielte die Band schon in der Live Music Hall, der Auftritt litt aber unter der Erkrankung der Bassistin, die teils sitzend und teils gar nicht mitspielte - dennoch ein sehr tolles Konzert damals. Im Rahmen der c/o pop spielten sie nun topfit in einem Konzertsaal des WDR, in dem sonst wohl eher das WDR Rundfunkorchester gastiert. Wieder einmal umwerfend. Christophs Bericht hier: klick

Platz 1: The National - Tanzbrunnen, Köln (11.06.) 


Vielleicht war der Auftritt gar nicht so herausragend, vermutlich war ich nach dem grässlichen St. Vincent-Vorprogramm auch nur vorbelastet, möglicherweise gibt es bessere Konzertorte als den Tanzbrunen. Aber: Das Konzert hat mich umgehauen und ich wusste nachdem der letzte Ton gespielt war, dass ich vermutlich auf längere Zeit kein Konzert mehr erlebe, das auslöst, dass ich mich so enthusiastisch fühle. Daher völlig zurecht auf der Eins! 

Sonstiges: 

• Statistik: 145 Konzerte (25 weniger als 2013) bei 56 Veranstaltungen (5 mehr als 2014). Davon 128 Konzerte in Deutschland, 15 in den Niederlanden sowie je 1x Belgien und Frankreich 
 • Musikerherkunft: 65x Deutschland, 31x UK, 23x USA, 5x Australien, 4x Niederlande sowie je 1 - 3x Belgien, Bolivien, Dänemark, Estland, Frankreich, Ghana, Island, Kanada, Schweden, Südafrika, Türkei 
• Am häufigsten gesehen: Domingo und Pele Caster (je 4x), Spaceman Spiff (3x) 
• Besonders schlimm fand ich Eliot Sumner (ehemals I Blame Coco) vor Lykke Li im E-Werk (09.11.) und St. Vincent vor The National am Tanzbrunnen (11.06.). Außerdem war das Johnny Flynn-Konzert im Gebäude 9, auf das ich mich lange gefreut hatte, so gnadenlos langweilig, dass man ins Koma fiel (03.04.).

Fotos: Nelle (bis auf Warpaint, We Were Promised Jetpacks, Peer - alle Archiv)



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