Mittwoch, 28. Januar 2009

Kaiser Chiefs, Paris, 27.01.09

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Konzert: Kaiser Chiefs

Ort: Olympia, Paris
Datum: 27.01.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ca. 75 Minuten



Die noch im Jahre 2005 wahnsinnig angesagten Britrockbands haben anno 2009 schwer zu kämpfen. Selbst Platzhirsche wie Maximo Park, Bloc Party und auch die heute auftretenden Kaiser Chiefs sind davon betroffen. Zumindest in Frankreich füllen sie keine großen Hallen mehr.

Maximo Park traf es hierbei am härtesten. Nach ihrem desaströs schlecht besuchten Konzert im Bataclan 2007 (der 1000 Personen Platz dienende Saal war maximalopark zur Hälfte ausgelastet) haben sie sich nie wieder in Paris blicken lassen und auch 2009 steht Frankreich nicht auf ihrer Tourneeplanung. Bloc Party spielen immerhin demnächst im ausverkauften Olympia, aber das hat mit circa. 2000 Plätzen nur 1/3 des Fassunsgvermögens des Zénith, wo Bloc Party Ende 2005 auftraten. Höchstwahrscheinlich wird die Band um Kele Okereke es nie wieder in den Zénith schaffen. Und die Kaiser Chiefs, die auch einmal in dieser großen Halle auf dem Gelände des Parc La Villete Nananananaa und Oh My God schmettern wollten, mussten ihre diesbezüglichen Ambitionen schnell begraben. Im Zénith angesetzt, wurde das Konzert aufgrund der dürftigen Nachfrage nach kurzer Zeit ins Olmypia verlegt. Kleinere Brötchen backen nennt man so etwas klassischerweise. Aber die können ja auch gut schmecken, vor allen Dingen den Zuschauern, die somit näher dran waren. Eine Enttäuschung für die Band und ihr Management, ein Gewinn für die Fans!

Nicht mit Euphorie, aber zumindest mit Vorfreude machte ich mich schließlich zusammen mit meiner Frau auf den Weg ins Olympia. Wir beide haben alle Konzerte der Kaiser Chiefs gemeinsam erlebt, inzwischen sind wir - wenn wir richtig gerechnet haben - bei Nummer 14 angekommen. Unvergesslich natürlich das allererste Konzert der Band aus Leeds in Paris! Im Mai 2005 fand es statt und zwar in der winzigen Boule Noire. Ich hatte meiner Süßen damals von den unvergleichlichen Livequalitäten der Engländer vorgeschwärmt, obwohl ich mein Wissen lediglich aus Berichten des britischen NME bezog. Sie war reichlich skeptisch, aber schon nach ein paar Liedern hatten es ihr Ricky, Peanut und die anderen Chiefs mächtig angetan. So euphorisch habe ich mein Schätzchen selten erlebt, sie ist ansonsten eher nüchtern und bricht eigentlich nur in Begeisterung aus, wenn sie die Pfoten unserers dicken Katers bewundert, oder schicke Schuhe in einem Schaufenster erspäht. Die Kaiser Chiefs waren von nun an ihre Band, worunter ich in der Folge irgendwann zu leiden hatte. Ich erinnere mich an einen gemeinsamen Urlaub, wo im Mietwagen 14 Tage lang Employment, das erste Album, rauf und runter lief. Mir hing es fast zum Halse raus...

Eine gewisse Nostalgie war also mit im Spiel, aber auch eine nicht zu leugnende Skepsis. Würde uns die Band,die uns schon so viel Vergnügen bereitet hatte, enttäuschen? War es nicht ein ausgeprochen schlechtes Zeichen, daß das neue Album Off With Their Heads nahezu ungehört wochenlang in unserer Wohnung Staub fing?

Andererseits: Ricky Wilson hatte uns noch nie enttäuscht! Eine Rampensau par excellence der es normalerweise schafft, auch die größten Schnarchnasen aufzuwecken und zum Mitmachen zu animieren!

Aber was war los? Die Band ließ unglaublich lange auf sich warten. Hörten sie etwa noch in der Kabine die Heavymetalband Panterra, ein Ritual das sie nach Pressberichten abhalten, um sich aufzuheizen? (Ricky hatte mal gesagt, daß man unmöglich Coldplay zur Einstimmung laufen lassen könne, dabei würde man glatt einschlafen). Es dauerte fast bis halb zehn, ungewöhnlich spät für Pariser Verhältnisse, bis die Helden einmarschierten. Chef Ricky wirkte dabei alles andere als frisch. War er damals noch in der Boule Noire mit einem gewaltigen Sprung ins Programm gestarte, schlich er heute geradezu auf die Bühne. Herr Wilson also ein zahnloser Tiger? - Nein, nicht ganz! Zwar war er schon einmal wilder drauf, aber selbst mit angezogener Handbremse ist er aktiver als die allermeisten seiner Kollegen. Und sein Bemühen, sein Bestes zu geben, war deutlich erkennbar, was auch vom Publikum honoriert wurde. Die Stimmung war dementsprechend gut und ausgelassen und dies obwohl die Kaiser Chiefs eigentlich nur ihr Standardprogramm abspulten. Die Setlist war mir schon aus Köln hinreichend bekannt, sie wurde auch in Paris in keinem Punkt abgewandelt. Everything Is Average Nowadays? Hinsichtlich der Variation ihrer live gespielten Lieder muss man diese Mittelmäßigkeit leider auch den Engländern vorwerfen! Aber egal, schließlich wollten die Kaiser Chiefs nie den Preis für die originellte, innovativste und abwechslunsgreichste Band der Welt gewinnen. Das überlassen sie lieber den Kollegen von Radiohead. Mit der Trübsal eines Thom Yorke können die Burschen ohnehin nichts anfangen, ihre Antwort auf tottraurige Songs wie Karma Police heißt Ruby. "Ruby, Ruby, Ruby!" Die Schlachtrufe der englischen Fans aus dem Konzert im Londoner Hyde Park 2007 habe ich heute noch in den Ohren! Da wird wohl niemals ein Publikum außerhalb von England rankommen, auch wenn sich die Pariser bei dem Hit wirklich Mühe beim Mitgrölen gaben. Bei dem späteren Good Days, Bad Days, das irgendwie dahinplätscherte fiel die Stimmung aber auch einmal kurzfristig ab. Das wollte Ricky Wilson keinesfalls zulassen, er griff jetzt in seine Animationstrickkiste! Kurzerhand hielt er ein Schild mit der Aufschrift: "nananananaa" in die Luft und schon hatte er wieder das Publikum im Griff, die Nummer zog sehr ordentlich. Bei The Modern Way durfte dann auch einmal Peanut das Lied einklatschen und Ricky kam plötzlich auf die Idee, daß man Verstärkung auf der Bühne brauche. Er zog ein kleines Mädchen aus dem Publikum nach oben, ließ sie mittanzen und machte sogar mit ihrer kleinen Kamera ein Erinnerungsfoto für sie, mit dem sie jetzt in der Schule mächtig angeben kann. Der Knoten war endlich geplatzt und auch ein nur mäßig euphorisch angenommenes Half The Truth konnte die Kaiser Chiefs jetzt mehr bremsen. Sie legten ein fulminantes Finale aufs Parkett, angeführt von dem besten Lied des neuen Albums Never Miss A Beat, gefolgt von dem immer noch nicht totgenudelten Klassiker I Predict A Riot, der ständig gespielten B-Seite Take My Temperature und beschlossen von dem gelungensten Lied des zweiten Albums, der Hymne The Angry Mob.

Der Saal tobte und die Helden ließen sich feiern. Der Zugabenteil wurde dann schließlich von zwei neuen Titeln bestritten, bevor mit Oh My God standesgemäß minutenlang abgerockt wurde.

Alles in allem ein grundsolides, ein gutes Konzert! Bands mit Livequalitäten, wie sie die Kaiser Chiefs zu bieten haben, wachsen auch in England nicht auf den Bäumen, was man sehr deutlich an der Vorgruppe sehen konnte!

Bevor ich deren Namen mit den vielen nananas im Mittelteil gelernt haben werde, sind die hoffentlich schon bald wieder in der Versenkung verschwunden! Schon erstaunlich, wer in England alles einen Plattenvertrag bekommt. Ist dieses shouten wirklich noch in? Die Blood Brothers haben das Gleiche vor Jahren schon einmal packender geboten, The Automatic hatten neben der Schreierei wenigstens 1-2 Hits zu bieten und Los Campesinos! 3 schöne Mädchen und das Glockenspiel dazu. All dies fehlte bei diesen Bananenkroyd, oder wie immer die auch hießen. Zum Glück gab es wenigstens eine recht niedliche Bassistin, die mir die Langweile, die trotz solcher Gimmicks wie des Einsatzes zweier Schlagzeuger, herrschte, ein wenig vertrieb. Erstaunlicherweise gab es aber wirklich auch Leute, die mit der Kapelle aus Schottland etwas anfangen konnten. Fabien, z.B., seines Zeichens Chefredakteur von Soundofviolence, der bekanntesten französischen Musikseite im Netz, die sich auschließlich auf englische Bands konzentriert, fand hinterher lobende Worte. Vielleicht auch deshalb, weil er wirklich gute experimentelle Bands wie z.B. Deerhoof in Amerika suchen müsste und über amerikanische Gruppen berichten die Leutchen von SOV nun einmal nicht...


Setlist Kaiser Chiefs, Olympia, Paris:

01: Spanish Metal
02: Everyday I Love You Less And Less
03: Everything Is Average Nowadays
04: Heat Dies Down
05: You Want History
06: Ruby
07: Thank You Very Much
08: Good Days Bad Days
09: Nananananaa
10: The Modern Way
11: Half The Truth
12: Never Miss A Beat
13: I Predict A Riot
14: Take My Temperature
15: The Angry Mob

16: Can't Say What I Mean
17: Oh My God

Anmerkung: Es wurden drei Titel als Zugabe geboten. Den fehlenden Song, der auf der getippten Liste nicht vermerkt war, werde ich nachtragen. Achso: Die Setlist war bis auf das I-Tüpfelchen mit der von Köln identisch. Ein bißchen mehr Abwechslung und Variation könnte nicht schaden!




Links:
- aus unserem Kaiser Chiefs Archiv:
- Kaiser Chiefs, Köln, 21.01.09
- Kaiser Chiefs, Paris, 28.08.08
- Kaiser Chiefs, Köln, 05.11.07
- Kaiser Chiefs, Offenbach, 02.11.07
- Kaiser Chiefs, Hohenfelden, 19.08.07
- Kaiser Chiefs, Evreux, 07.07.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 06.07.07
- Kaiser Chiefs, London, 19.06.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 05.06.07
- Kaiser Chiefs, Wuppertal, 05.02.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 08.11.06
- Kaiser Chiefs, Offenbach, 07.03.06
- Kaiser Chiefs, Paris, 28.02.06

- Fotos von den Kaiser Chiefs. Klick!
- Fotos von der Atmosphäre und den Fans. Tolle Stimmung! Klick!

- Video Modern Way live, Paris Olympia 27/01/09 von meinem Kumpel Rockerparis.




Montag, 26. Januar 2009

Interview: Marie-Flore

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Seitdem ich die junge Pariserin Marie-Flore mit ihrer schönen Stimme im Vorprogramm der New Pornographers für mich entdeckt habe, verfolge ich gespannt ihren weiteren Werdegang. 2008 hat sie etliche Konzerte in kleineren und mittleren Pariser Konzertsälen gegeben. Im Divan Du Monde, wo auch schon Kultbands wie die Libertines aufgetreten sind, mag man sie besonders und hat ihr gleich 4 Konzerttermine eingeräumt, wo sie ihre hübschen und sinnlichen Kompositionen einem interessierten Publikum vortrug. Schnell wurden Vergleiche mit Cat Power gezogen und wie es der Zufall so wollte, fand sie sich im Herbst in einem Aufnahmestudio von Gregg Foreman in Philadelphia wieder, der in der Band (Dirty Delta Blue Band) von... genau!, Cat Power Piano spielt!

Eigentlich mag die zarte Sängerin die Vergleiche mit Chan Marschall aber nicht sonderlich. Sie ist gewillt ihren eigenen musikalischen Weg zu gehen und das ist auch gut so. Mark Lanegan war von ihrer Stimme und ihren melancholischen Liedern so angetan, daß er ihr prompt eine CD abgekauft hätte, aber das scheiterte daran, daß bisher noch gar kein Album vorliegt...

Der Kontakt mit dem rauhbeinigen Ex-QOTSA - Sänger kam deshalb zustande, weil Marie-Flore Campbell & Lanegan im Pariser Trabendo supportet hatte. Desweiteren trat sie 2008 im Vorprogramm von talentierten Singer/Songwritern wie dem Schweden Peter von Poehl (mit dem sie auch die Managementfirma teilt) und dem Isländer Teitur auf.

Es war also ein gutes Jahr für Marie Flore, die Ende 2008 sogar in der Schweiz (Zürich, Davos) auftrat. 2009 sollte ihr mit EP und späterem Album der Durchbruch gelingen und dann wird man mit Sicherheit auch in Deutschland auf die talentierte junge Frau aufmerksam!

Ich habe Maire-Flore in einem typischen Pariser Bistro unweit des Bahnhofs St.Lazare zu einem Interview getroffen. Typisch pariserisch war auch ihr Look: szenig, aber nicht zu aufgebrezelt, mit stylischem Hütchen, das ihre künstlerische Ader unterstrich und inviduell zusammengestellten Accessoires, wie z.B. dem farbenfrohen Halstuch. Ein Beweis dafür, daß Pariserinnen keine Modezeitschriften brauchen und keinem Diktat folgen, sondern ihren eigenen persönlichen Stil pflegen. Genauso hält sie es auch mit ihrer Musik, wie man in dem nun folgenden Interview erfahren wird.

Zum ausführlichen Interview geht es hier (klick!)







Sonntag, 25. Januar 2009

Mareva Galanter, Paris, 22.01.09

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Konzert: Mareva Galanter

Ort: Fnac Montparnasse, Paris (Showcase)
Datum: 22.01.2009
Zuschauer: gab es ein paar
Konzertdauer: ca. 40 Minuten



Eine Unverschämtheit! Jetzt hetzt uns die Musikindustrie auch noch Schönheitsköniginnen auf den Hals! Und willenlose Typen wie ich, die schon beim leisesten Lächeln dieser Beauties dahinschmilzen wie das Eis in der Sonne, verlieren endgütig den Verstand!

Aber was tut man nicht alles gegen seine Winterdepressionen. Wenn es im Januar in Paris kalt und grau ist, nimmt man doch gerne ein kostenloses Konzertchen im CD-Kaufhaus mit und läßt sich von der zuuckersüßen gehauchten Stimme einer Mareva Galanter berieseln!

Die sogenannten Showcases, Gratisveranstaltungen zur Ankurbelung des dahinsiechenden CD-Geschäfts, finden im Kulturkaufhaus Fnac regelmäßig statt. Da die Fnac mehrere Dependancen in Paris hat, kann man sich so kostenlos durch ein paar passable Konzerte schnorren. Die auftretenden Künstler sind allerdings sehr unterschiedlicher Güte. Im Bemühen , alle Kunden anzusprechen, lädt man sowohl skandalträchtige Indierocker wie Pete Doherty, als auch die jeweils letzte Heulboje dieser unsäglichen Castingshows ein, die auch in Frankreich nach wie vor nicht totzukriegen sind.

Mareva Galanter selbst entspringt keinem Popstarkonzept, aber sie hat in ihrem früheren Leben zumindest einmal so etwas Ähnliches gemacht. Sie war nämlich... Miss France! Ich wußte das zum Zeitpunkt des heutigen Konzertes noch gar nicht, ehrlich! Meine Frau hat es mir hinterher gesagt, schließlich war ich ja wegen der Musik hier...

Nein, auf Mareva bin ich nicht durch eine Misswahl, sondern ausnahmsweise durch MySpace gestoßen. Da gibt es ja diese schöne Rubrik: "Sind sie eigentlich schon Freund von xy?" Und einmal stand da eben auch: "Sind sie schon Freund von Mareva Galanter.?" - Dann bin ich einfach dem Link gefolgt, habe kurz in die Titel reingehört und mich zu einer Freundschaftsanfrage breitschlagen lassen. Hat die Künstlerin auch prompt angenommen, bestimmt weil ich auf meinem MySpace Foto so romantisch gucke und geschickt mein Doppelkinn kaschiert habe. Die hat sich dann bestimmt gedacht: "Mann, das ist aber ein hübscher Kerl, dieser Deutsche! Mit seinem weißen Hemd und der lässig gebunden schwarzen Krawatte sieht der ja glatt zum Anbeißen aus!"

Genau das Gleiche habe ich dann auch beim Showcase von Mareva gedacht. Dieses hübsche taillierte weiße Blüschen und die dünne schwarze Retrokrawatte, dazu die dunkelblaue Jeans, einfach klassisch schön! Und dann erst dieses Gesicht! Eine Augenweide! So gut würde Carla Bruni bestimmt auch gerne noch aussehen, so mit den hohen Wangenknochen, dem kleinen Schmollmund und den wunderschönen blauen Augen, die auf das Beste mit den schwarzen Haaren harmonieren. Hach, ich weiß schon, warum ich in Frankreich gelandet bin...

Genau, wegen der französischen Popmusik! Wie, glaubt mir das jetzt etwa niemand? Dann sei Spöttern gesagt, daß an dem (inzwischen zweiten ) Album von Mademoiselle Galanter ein anerkannter Kritikerliebling wie Rufus Wainwright und Indiemusiker wie der Pianist von Primal Scream und Mitglieder der Band Little Barrie mitgewirkt haben. So, da habt ihr's! Mareva will kein Popsternchen für die Charts sein, nein, die will anpruchsvolle Musik machen, die in einer elitären Zeitschrift wie "Les Inrockuptibles" gelobt wird. Jaja!

Ob dieses Unterfangen allerdings gänzlich gelingt, kann man zumindest ein wenig anzweifeln. Die Kompositionen sind nämlich trotz ihres unbestreitbaren Charms und ihres beschwingten Charakters nicht ganz auf dem Niveau von sehr guten französisch singenden Künstlerinnen wie Barbara Carlotti oder Françoiz Breut, Rufus Wainwright hin oder her!

Ansonsten aber ist eigentlich nicht viel auszusetzen an den hier und heute mit viel Spielfreude präsentierten Songs. Leicht wie eine Sommerbriese, sinnlich und Laune machend, was will man eigentlich mehr? Hmm, die Handynummer von Mareva vielleicht?

Nun, man soll nicht träumen! Ich meine Mareva soll jetzt nicht davon träumen, daß ich sie anrufe, ich bin schließlich glücklich verheiratet!

Aber ein wenig Honig lass' ich mir schon von der Süßen da vorne auf der Bühne um den Bart schmieren. Wenn sie mit charmantem Akzent die Balade Miss U auf englisch singt, kann man ja schon ein wenig wehmütig werden. Irgendwann ertappe ich mich sogar dabei, daß ich gedanklich mit der schönen Sängerin auf einer frühlingshaften Wiese spazieren gehe und sie mir verliebte Sprüche ins Ohr flüßtert.

In meiner Fantasie bekomme ich gerade sanft den Nacken massiert, als mich das recht rockige C'est Demain aus meinen Tagträumen reißt. Dann säuselt die Dame, die von zwei Musikern begleitet wird, noch ein Lied über das Paradis und lässt sich von dem Publikum - überwiegend alte, komplexbeladene Mäner, die mit 50 noch nie eine Frau angefasst haben - feiern. Die gleichen Lustmolche stehen auch kurze Zeit später sabbernd in einer Schlange und lassen sich die CD Happy Fiu und vergrößerte Fotos von der Künstlerin signieren...

Das Fazit:

- Die Frau: 10/10
- Die Musik: sex, ähem 6/10


Setlist Mareva Galanter, Showcase Fnac Montparnasse:

01: Sunny Side Up
02: Un Jour Je Basculerai
03: Miss U
04: Jungle Drum
05: Le Point De Mire
06: Rendez-Vous
07: La Vide D'Artiste
08: C'est Demain
09: Paradis

Links:

- Mehr Photos von Mareva Galanter hier
- Videoclip Mareva Galanter - Miss U
- Videoclip - Pourquoi Pas Moi




Samstag, 24. Januar 2009

DKDENT, Köln, 23.01.09

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Konzert: DKDENT
Ort: Stadtgarten Restaurant, Köln
Datum: 23.01.2009
Zuschauer: das Restaurant war voll - aber nicht aufmerksam
Dauer: vielleicht 45 min.


DKDENT kenne ich schon eine ganze Weile. Ich glaube, die Köln/Düsseldorfer Elektroband ist mir bei myspace über den Weg gelaufen, kurz nachdem ich mich da angemeldet hatte. 2006 muß das wohl gewesen sein. Gelegenheit, DKDENT zu sehen, bot sich aber seitdem nicht, da die Gruppe nicht häufig auftritt. Das wohl bislang spektakulärste Konzert war der Support der Pet Shop Boys auf der Bonner Museumsmeile im Juli 2006.

Ich muß gestehen, daß in den letzten Jahren DKDENT etwas aus meinem Focus gerückt sind. Ich besitze zwar ihre tolle Debut-EP, habe aber auch die lange nicht mehr gehört. Leider gehen auf klasse Sachen im Wust der vielen CDs und neuen
Bands und was auch immer unter. Nichtsdestotrotz war ich hocherfreut, beim Durchklicken von Clubseiten, ein DKDENT Konzert im Kölner Stadtgarten zu entdecken. Ganz genau sollte der Auftritt im Rahmen der Cologne Music Week (von der ich vorher noch nichts gehört hatte) im Restaurant des Stadtgartens stattfinden.

Die Entscheidung, nach Köln zu fahren, war dann aber doch sehr spontan, weil ich eigentlich zu lustlos und unmotiviert war, mich noch einmal Richtung Tür zu bewegen. Neugierde schlägt aber
glücklicherweise meist Trägheit, also erreichte ich drei Minuten vor dem angesetzten Konzertbeginn das überfüllte Restaurant.

Für ein Konzert, daß man bewußt sehen möchte, ist solch ein knackevolles Bistro der denkbar falsche Ort. Vor der Bühne standen erste einmal die normalen Tischreihen, die alle besetzt waren, allerdings nicht von Leuten, die sich furchtbar für den Liveauftritt zu interessieren schienen. Dahinter in den Gängen stapelten sich die Gäste. Dadurch
- und durch die vielen Gespräche im Raum, enstand eine Unruhe wie in einer Bahnhofskneipe.

Nach ewigem Soundcheck begannen DKDENT etwa um elf ihr Set. Es gab offenbar massive Probleme mit Rückkopplungen, die die Band zwangen, leiser zu spielen. Vor allem Sängerin Stephanie war zu Begin kaum zu verstehen. Da DKDENT-Lieder zwar elektronisch aber auch mit viel Gesang funktionieren, fehlte durch die Tonprobleme eine ganze Menge. Es wurde zwar irgendwann besser (lauter!), allerdings nicht ohne das Publikum nicht auch seine Lautstärke erhöht hätte...

Dabei hätte es spannend sein können, denn Stephanie und Keyboarder Dirk, beide in weiß gekleidet, wie auf allen PR-Bildern (die Vorlage für meine erste Lego-Spielereien waren), hatten zwei weitere Musiker dabei. Unterstützt wurden die beiden von
Schlagzeuger Hendrik und Bassist Markus Brachtendorf. Mir gefiel die zusätzliche Liveunterstützung sehr - vermute ich, denn das meiste ging wirklich im Gebrummel unter.

Dirk, der die meiste Zeit an seinen Samplern verbringt, um immer wieder neue elektrische Sounds hervorzuzaubern, griff irgendwann zu einer Gitarre und wurde ganz analog. Auch das war äußerst pfiffig, wie ich fand! Daß Stephanie Akkordeon spielt, hatte ich gewußt, daher überraschten mich die zahlreichen Einsätze des Instruments nicht.

Zu einzelnen Liedern kann ich leider zu wenig sagen. Erstaunlicherweise erinnerten mich DKDENT oft an Pizzicato Five, eine Referenz, auf die ich eigentlich vorher nicht gekommen wäre. Auch wenn die Japaner musikalisch keine "80er Band" sind, klangen DKDENT auch immer wieder wie Elektropop Gruppen aus dieser Zeit.

Ich möchte DKDENT ganz sicher noch einmal sehen, dann gerne kleiner und leiser. Denn auch wenn die Musik der beiden Rheinländer vielleicht nicht wahnsinnig neu ist, ist sie doch sehr gut und macht Spaß.




Freitag, 23. Januar 2009

Syd Matters, Paris, 21.01.09

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Konzert: Syd Matters, u.a. (anniversaire 3rd side records)

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 21.01.2009
Zuschauer: (fast) ausverkauft
Konzertdauer: ca. 45 Minuten



Zweiter und letzter Tag der Geburtstagsfete zu Ehren des siebenjährigen Bestehen des Pariser Lables 3rd side records. Gleich vier Bands mit unterschiedlicher musikalischer Ausrichtung sollten heute für Feierstimmung sorgen. Erneut wurden Blumenketten Im Hawaiistil an die Besucher ausgeteilt, von dem grauen Wetter wollte man sich schließlich nicht die Party vermiesen lassen!

Der Zulauf war heute deutlich größer als gestern, schon bei der ersten Künstlerin, der französischen Blondine Austine, waren die Ränge gut gefüllt und sogar musikalische Prominenz war im Publikum auszumachen. Die Folk/Pop-Künstlerin Rose, eine charmante Brünette, die selbst in Zeiten der Krise der Musikindustrie unglaublich viele CDs verkauft, stand gleich neben mir und als ich den Kopf drehte, erkannte ich auch eine gothisch anmutende junge Frau, Brisa Roché, eine in Paris lebende Amerikanerin, die vielleicht etwas weniger CDs als Rose verkauft, dafür aber bei den Kritikern einen Stein im Brett hat ( sowieso immer besser als ein Brett vor dem Kopf!).

Auch die Künstlerin auf der Bühne, die erschreckend dürre Austine, hat schon gute Kritiken für ihre Musik bekommen. Am Merchandising Stand konnte man auf einer ihrer zwei CDs eine Lobschrift der renommierten Zeitschrift Les Inrockuptibles lesen, die die Chanteuse gar mit Nico und Françoise Hardy verglich. Und selbst wenn der Schatten dieser beiden klassischen Sängerinnen doch ein wenig arg lang sein dürfte, kann ich ebenfalls konstatieren, daß Austine eine hübsche Stimme und feine Folk Popsongs zu bieten hatte. Die Auftrittszeit war mit gerade einmal knpap 30 Minuten aber zu kurz bemessen, um ein fundiertes Urteil abzugeben; daß die Gitarristin, die übrigens, als eine der wenigen Künstler bei dieser Veranstaltung französisch sang, eine angenehme Entdeckung für mich war, kann ich jedoch mit Fug und Recht behaupten.

Setlist Austine, La Maroquinerie, Paris (anniversaire 3rd side records):

01: Cupide et Stupide
02: Mais
03: Mars
04: Bottom
05: Rhume
06: Au Soleil


Im Anschluß wurde es deutlich lauter und testosterongetriebener. Steeple Remove, vier französische Rauhbeine, enterten die Bühne und machten gleich von Beginn an einen Höllenlärm. Einer der Typen, der Bassist und Keyboarder, sah wirklich krass panne aus! Er trug ein weißes T-Shirt mit dem Aufdruck "Hash Ultra" (natürlich eine Anspielung auf das Waschmittel) und dazu eine Retrofliegerkappe mit der passenden Brille. Die anderen drei waren optisch weniger auffällig. Der Gitarrist und der Schlagzeuger schienen schon reiferen Alters zu sein, während der smarte Sänger und Keyboarder Arno mit seiner schwarzen Lederjacke britrockiger wirkte.

Amüsterweise hörten sich dann auch die ersten beiden Stücke recht stark nach Oasis oder den Sterophonics an. Yellow Loop, von dem neuen Album Electric Suite, rockte wie Hölle! Ein wahnsinnig tightes Stück mit noisigen Gitarren und psychdelischen Windungen. Seit My Bloody Valentine hatte ich nicht mehr solche Noisekeulen um die Ohren gepfeffert bekommen! Die Lautstärke lag wirklich an der obersten Grenze des noch ertäglichen Bereichs. Hatte der Beginn des Sets noch konventionelle Songstrukturen, wurde es im weiteren Verlaufe immer krautrockiger und experimenteller. Der Geist von deutschen Pionieren des Genres wie Can oder Faust durchdrang den französischen Club. Vieles hatte einen stark hypnotischen, psychedelischen und mystischen Charakter, der auch durch den grünlichen, bläulichen oder rötlichen Nebel unterstrichen wurde. Der Song Cathedrale war schließlich gänzlich instrumental gehalten, bevor auf Love Machine, einem der bekannesten Songs der Band, entnommen von dem Album Radio Silence, wieder gesungen wurde. Ein äußerst (schweiß) - treibendes Stück, bei dem dem glatzköpfigen Gitarristen der Schweiß nur so von der Stirn tropfte. Auch mich hatten die vier Bastarde inzwischen weichgeprügelt, ich ließ mich von dem wuchtigen und intensiven Sound dahintragen und genoß den Trip, der ganz ohne Drogen zustande kam. Nach circa. 40 Minuten hatten Steeple Remove dann irgendwann alle Zuschauer taub gerockt und bei mir einen ziemlichen starken Eindruck hinterlassen. Ich muss hier am Ball bleiben, eine interessante Sache ist das...

Setlist Steeple Remove, La Maroquinerie, Paris (anniversaire 3rd side records):

01: Intro
02: Yellow Loop
03: Gonzo Gazing
04: Images
05: Unclean
06: Cathedrale
07: Love Machine
08: Free U Part
09: Sex
10: Banana


Cocosuma, ein Trio aus Paris, gingen als vorletzte Band ins Rennen. Bevor ich auf die drei Akteure näher eingehe, muss ich aber zunächst einmal ein paar Worte zu dem Drummer verlieren, der live aus dem Trio ein Quartett macht. Jean heißt der Bursche und er ist derjenige Schlagzeuger, den ich in den letzten Jahren mit Abstand am häufigsten auf Pariser Konzertbühnen in Aktion gesehen habe. Der sympathische Bursche spielt nämlich bei unzähligen lokalen Bands mit. Jean trommelte breits für Soko, The Rodeo, Fugu, Mina Tindle, Constance Verluca, Tahiti Boy and The Palmtree Family, Joseph D'Anvers, Robin Le Duc, My Girlfriend Is Better Than Yours, Toyfight und wahrscheinlich auch noch anderen Bands, die ich vergessen habe. Unglaublich, oder!? Vor allem, wenn man bedenkt, daß die vorgenannten Gruppen wirklich regelmäßig Konzerte geben und zudem auch tourneebedingt reisen. Ein Wahnsinnspensum! Jean, die Allzweckwaffe an den Drumms, der mit Abstand meisteingesetzte Trommler von Paris! Heute nun also mit Cocosuma am Start und auch bei diesem Konzert machte er mächtig Druck. Während andere Schlagzeuger oft vorbildlich mit geradem Oberkörper ihr Instrument bedienen, spielte er regelmäßig mit vollem Körpereinsatz und rudert mit dem Rücken und den Armen wie ein Wilder. Wie er es schafft, diese Dauerbelastung auszuhalten, ist mir ein Rätsel, aber anscheinend spielt da sein Körper problemlos mit...

Nun zur Stammband selbst: diese besteht aus den beiden Gründungsmitgliedern Michelle (Bass) und Chab (Gitarre) und seit ihrem aktuellen vierten Album We'll Drive Home Backwards auch der blonden Engländerin Amanda, die die vorherige Sängerin Kacey ersetzte.

Kacey selbst kannte ich nicht, aber beim Blick auf die unglaublich charmante und schnucklige Amanda, war mir dies auch ziemlich egal! Was für eine Zuckerschnecke! Und dazu dann noch diese süße, kindliche Stimme, wahrlich ein Frontalangriff auf einen Burschen wie mich, der sich innerhalb von ein paar Sekunden zumindest für die Dauer eines Konzertes in eine Künstlerin verknallen kann! Bei Last Fm wird behauptet, daß sich Amanda stimmlich wie Land Of Talk oder Metric anhöre, aber ich persönlich dachte hinsichtlich des Gesangs vor allem an die Tante von den schwedischen Cardigans. Wie auch immer, Amanda klang jedenfalls gut!

Und auch die indiepoppigen Lieder des Trios wussten meistens zu gefallen. The Servant beispielsweise, ein Song von dem 2005 er Machwerk Reindeer Show The Way, bestach durch seine zarte Melancholie, die man so ähnlich von Stereolab her kennt. Ältere Lieder wie dieses, bildeten aber eine seltene Ausnahme im Set, der Hauptschwerpunkt wurde auf neue Sachen von We'll Drive Home Backwards gelegt. Bester Titel jenes Outputs aus dem Jahre 2008 ist wohl Charlotte's On Fire, ein herrlich luftiger und beschwingter Popsong, der klare Hitqualitäten hat und mir auch live auf Anhieb gefiel. Bei solchen Knüllern wundert man sich, warum Cocosuma eigentlich international noch nicht bekannter sind und nicht auch außerhalb Frankreichs für Schlagzeilen sorgen. Allerdings scheinen auch deutsche Indie-Fans so langsam von Cocosuma Notiz zu nehmen, denn die Band hat gerade erst im vergangenen Dezember sechs Konzerte in Deutschland absolviert, darunter Gigs im Grünen Jäger in Hamburg und im Intersoup in Berlin. Es läuft also zur Zeit recht gut für die zwei bärtigen Männer und die eine blonde Frau und wenn es im Set nicht den ein oder anderen Hänger gegeben hätte, würde ich sogar noch einen Tick mehr von Cocosuma schwärmen. Aber auch so konnte ich unter dem Strich ein ansprechendes und gefälliges Konzert verbuchen, das am Ende noch ein wahres Glanzlicht zu bieten hatte: In einer wirklich tollen Coverversion wurde The Model von Kraftwerk noch einmal aufgewärmt und alleine für diese spitzenmäßige Neuinterpretation des Hits der kultigen Düsseldorfer Elektropioniere hatte es sich gelohnt, hier und heute mit dabei zu sein!...

Setlist Cocosuma, La Maroquinerie, Paris:

01: Twilight Zone
02: The Servant
03: My My My
04: Polly (Has My Disease)
05: Athletes!
06: Broken Glass
07: Charlotte's On Fire
08: Must Try Harder
09: The Model (Kraftwerk)
10: Minefield


Austine, Steeple Remove und Cocosuma waren allesamt gut und sehenswert, aber insgeheim sehnte ich doch den baldigen Auftritt meiner Lieblingsband Syd Matters herbei. Ich mußte bis kurz nach 23 Uhr warten, bis meine Helden endlich loslegten. Wurde aber auch wirklich höchste Zeit, länger hätte man mich nämlich nicht mehr auf die Folter spannen dürfen! Zunächts gab es noch gewisse technische Probleme auszuräumen, aber dann war alles für das große Finale angereichtet, hurra!

Gestartet wurde mit Filmmusik. Das Stück Heartbeat Detector befindet sich auf dem komplett von Syd Matters geschriebenen Soundtrack des Filmes La Question Humaine. Es handelt sich um eine traumhafte Ballade mit wunderschönen Chorgesängen und reduziertem Gitarrenspiel. Ein kurzer Song, den die Pariser gerne verwenden, um ihre Konzerte stimmungsvoll einzuleiten. Auch heute diente Heartbeat Detector wieder nur als eine Art Intro, denn schon nach wenigen Minuten mischte sich die herrliche Gitarrenmelodie von Everything Else, der Singleauskopplung vom aktuelen Album Ghost Days in die Klänge des Openers. Ein paar junge Mädchen in meiner Nachbarschaft seufzten vor Freude laut auf und auch mir wurde schnell ganz warm ums Herz! Desöfteren schon habe ich mich gefragt, wie die Franzosen es schaffen, solche himmlischen Lieder aus dem Ärmel zu schütteln. Immer wenn ich Everything Else höre, fühle ich mich schwerlos, fange fast an zu fliegen. Ein hypnotischer Zustand, der alle Sorgen und Schmerzen kurzfristig vergesen lässt und dafür sorgt, daß ich mich wie ein frisch gewickeltes Baby fühle. Ein fast überirdisch schönes Lied, bei dem ich mich immer zusammenreißen muß, nicht wie ein kleiner Junge loszuheulen! "I remember I cried a lot, for all the things you said"besagt der Text an einer Stelle und immer wenn ich diese höre, rast mein Herz wie verrückt...

Auch bei folgenden Cloudflakes ist mein Puls erhöht und ich gebe mich ganz dem melancholischen Spiel der Franzosen hin, das sie gekonnt mit psychedelischen Elementen würzen. Auf der CD ist der Song durchgängig ruhig, live entwickelt er aber in der zweiten Hälfte eine unglaubliche Wucht und Dramatik, die man nur schwer erahnen kann, wenn man Syd Matters noch nie auf einer Konzertbühne gesehen hat.

Cloudflakes kam für eine Singleauskopplung in Frage, aber letzten Endes kam es nicht zu diesem Relase, weil es schwierig ist, solch ein filigranes Stück im kommerziellen Radio unterzubringen. Massenkomptabiler -ohne dadurch scheiße zu werden - war hingegen der Klassiker To All Of You vom Album Someday We Will Foresee Obstacles .Er wurde sogar wegen seines Textes (" I wish I had american girlfriends) in Amerika recht bekannt und diente in der Serie OC California als Hintergrundberieselung. Amüsanterwesie ist das Stück aber ironisch gemeint, wenn Jonathan textlich von den Amerikanerinnen "schwärmt" - "American girls like dollies, with shiny smiles and plastic bodies" - ist das natürlich als Seitenhieb auf die dortige Schönheitsindustrie zu sehen und kritisiert, daß sich Frauen in den Staaten die Zähne bleichen und die Brüste operieren lassen. Bei einem Auftritt beim Festival SXSW im texanischen Austin klopften ihm aber viele Amis hinterher für den Song auf die Schulter, frei nach dem Motto: "Toll, daß diese Franzosen so von unseren Frauen schwärmen!"...

An einer Stelle schwärmte Jonathan allerdings seinerseits für Amerika, denn er wandelte den Text von To All Of You spontan ab und ersetzte "girlfriend" einfach durch "president" - I"wish I had an american president." Nicht jeder in der Maroquinerie hatte das mitbekommen, aber angesichts des Obama- Fiebers in Frankreich und der harschen Kritik der kunstschaffenden Franzosen an ihrem Präsidenten Sarkozy hätte ihm wohl kaum jemand widersprochen.

Das Ende des kurzen Sets dann noch einmal deutlich rockiger als der Beginn. Mit Anytime Now und Me and My Horses hatte man sich für die schmissigsten Albentitel entschieden und durch Handclaps und Fingerschnipsen brachten die Bandmitglieder auch das Publikum zum Mitmachen. Langsam aber sicher hatte sich eine ausgelassene Partystimmung aufgebaut, die dadurch auf den Gipfel getreiben wurde, daß sämtliche Künstler des Labels 3rds side records jetzt auf die Bühne stürmten. Luftschlangen wurden ins Publikum gefeuert und auf den Gesichtern aller Beteiligten breitete sich allerbeste Laune aus. Geschmettert wurde der alte Buffalo Springfield Klassiker For What It's Worth un den Refrain kannte irgendwie jeder hier.

Leider war damit dann auch schon Schluß, denn obwohl die Band noch einmal aus der Kabine geklatscht wurde, gab es statt eines eigenen Titels nur noch das Summen von "Bon Anniversaire".

Alles in allem eine sehr gelungene Zweitagesveranstaltung. Lange lebe das Label 3rd side records!

Setlist Syd Matters, La Maroquinerie, Anniversaire 3rd side records:

01: Heartbeat Detector
02: Everything Else
03: Cloudflakes
04: It's A Nickname
05: To All Of You
06: Anytime Now
07: Me And My Horses
08: For What It's Worth (Buffalo Springfield Cover)

Links:

- Syd Matters Everything Else in einer äuerst charmanten Wohnungssession
- Syd Matters Heartbeat Detector live, traumhaft!
- Syd Matters, Anytime Now live @ For Noise Festival, Auguts 2008
- Cocosuma- Videoclip Charlotte's On Fire
- Steeple Remove- Videclip Love Machine




 

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