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Sonntag, 20. Mai 2012

Erland and the Carnival, Mannheim, 18.05.12

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Konzert: Erland and the Carnival
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 18.05.2012
Dauer: knapp 50 min



In den letzten zwei, drei Jahren haben sich einige Bands einen festen Platz in meinem Herzen erspielt, von denen ich das vor meinem ersten Konzert nie erwartet hätte. Tu Fawning oder Warpaint sind Beispiele dafür. Die dritte Band, die mir in dem Zusammenhang sofort einfällt, ist Erland and the Carnival. Wenn es nur nach ihren beiden Platten ginge, würde ich die Briten mögen, es wäre aber eine andere Art Freundschaft. Wenn man Gawain Erland Cooper, Simon Tong, David Nock, Danny Wheeler und Andrew Bruce einmal live erlebt hat, verändert sich das Verhältnis zur Band.

Die Stücke der Gruppe sind vor allem Adaptionen alter britischer Lieder, die durch die brillanten Musiker wahnsinnig energisch auf der Bühne umgesetzt werden. Dabei darf man sich nicht vom stoischen Ex-Blur und -Verve Gitarristen Simon Tong täuschen lassen. Simon steht ruhig und konzentriert am linken Rand, während Sänger Erland für die Show verantwortlich ist. Dabei ist vor allem sein Gesichtsausdruck herrlich! Erland scheint jede der gesungenen Geschichten auf der Bühne zu durchleben und zeigt dies deutlich.

Ich hatte die Platten der Band eine Weile nicht mehr gehört. Schuld daran war vor allem The Magnetic North, das neue Projekt von Erland und Simon, gemeinsam mit der hinreißenden Hannah Peel, die ursprünglich auch nach Mannheim kommen sollte. The Magnetic North ist eine Hymne an Erlands Heimat und ein ganz und gar großartiges Stück Musik! Das verdrängte in den letzten Monaten ein wenig die Hauptband der beiden. Es war also nicht verkehrt, sie jetzt wieder so zu sehen.

Erland and The Carnival spielten Lieder von beiden Alben, da gibt es auch eigentlich nichts besonders hervorzuheben, weil auch die Stücke, die auf Platte vielleicht ein wenig lahmer sind, live zu Knüllern mutieren. Allerdings war Trouble in mind schon besonders klasse.

Wer allerdings schon vor Konzertbeginn im startenden Regen vor der Openair-Bühne stand, kam noch ein den Genuß eines besonderen Highlights: zum Soundcheck spielte die Band nämlich noch The Derby Ram, das Lied zum Festival. Wenn das noch nötig wäre, ein weiterer Grund, dieser Gruppe bedingungslos zu verfallen!

Setlist Erland and the Carnival, Maifeld Derby, Mannheim:

00: The Derby Ram (nur beim Soundcheck)

01: My name is Carnival
02: So tired in the morning
03: Emmeline
04: Trouble in mind
05: Nightingale
06: Was you ever see
07: Everything came too easy
08: You don't have to be lonely
09: Gentle Gwen
10: Love is a killing thing

Links:

- aus unserem Archiv:
- Erland And The Carnival, Köln, 30.10.11
- Erland And The Carnival, Paris, 13.05.11
- Erland And The Carnival, Köln, 27.04.11
- Erland And The Carnival, Duisburg, 12.11.10
- The Magnetic North, Frankfurt, 27.03.12


Samstag, 19. Mai 2012

Maifeld Derby, Mannheim, 18.05.12

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Konzert: Erland and the Carnival und andere
Ort: Maifeld Derby, Mannheim (Tag 1)
Datum: 18.05.2012
Zuschauer: rund 2.000
Dauer: Susanne Sundfor 45 min, Erland and the Carnival knapp 50 min, Olli Schulz vermutlich 60 min, Balthazar knapp 45 min, Friska Viljor 75 min


Tag eins des schönen Maifeld Derbys in Mannheim. Hier ein paar erste Eindrücke:

Es begann für mich (noch ohne Regen) um 19.20 Uhr mit einem der Überraschungsgäste auf der Tribüne des Reitstadions. Der Sänger der Schweizer Band We Invented Paris spielte dort einige akustische Stücke. "Es hat Vorteile, wenn man alleine spielt. Man kann Lieder spielen, die die Band noch nicht kann." Es war sehr schön, was er vortrug, allerdings mußte ich nach der Hälfte gehen, um Susanne Sundfor zu sehen.

Die gefiel mir aber nicht.

Danach folgte mit Erland and the Carnival eine sichere Bank. Ich habe die Band einige Male gesehen, allerdings noch nie auf einer Bühne, die größer als 10 Quadratmeter groß war. Die zusätzliche Freiheit hemmte die Briten nicht, sie spielten gewohnt großartig, was den einsetzenden Regen erträglich machte. Sensationelles Konzert!

Setlist Erland and the Carnival, Maifeld Derby, Mannheim:

00: The Derby Ram (nur beim Soundcheck)

01: My name is Carnival
02: So tired in the morning
03: Emmeline
04: Trouble in mind
05: Nightingale
06: Was you ever see
07: Everything came too easy
08: You don't have to be lonely
09: Gentle Gwen
10: Love is a killing thing

Olli Schulz hatte da schon angefangen. Wie viel ich verpasst habe, weiß ich nicht. Viele seiner Geschichten kannte ich schon, es war trotzdem großes Entertainment, wie der Liedermacher das volle Zirkuszelt bespaßte!

Setlist Olli Schulz, Maifeld Derby, Mannheim:

- Schrecklich schöne Welt
- Spielerfrau
- Halt die Fresse, krieg ein Kind
- Song ohne Grund
- Bettmensch
- Du bist so lange einsam
- Wonderwall (Oasis Cover mit Patricia)
- Die Ankunft der Marsianer
- Bloss Freunde
- Und dann schlägt dein Herz
- Der Rumäne
- Nimm mein Mixtape, Babe
- Safe tonight (Eagle Eye Cherry Cover)
- Der Moment

Danach eine Band, die ich nicht kannte. Balthazar aus Belgien machen experimentellen Pop, vielleicht vergleichbar mit den Guillemots oder sogar Tu Fawning (die morgen auftreten; bzw. nachher). Mir gefiel die Musik der fünf Musiker sehr gut, das tollste Stück war ein neues, das der Keyboarder (der André Schürrle gleicht) singt.

Anschließend dann noch die schwedischen Höhner. Friska Viljor haben mir vor einigen Jahren in Haldern große Freude mit ihren alkoholdurchtränkten Lala- und Ohoh-Liedern gemacht. Danach hatte ich schnell das Interesse verloren, wollte sie mir aber nach der längeren Pause gerne wieder einmal ansehen. Allerdings kannte ich alles. Es kamen nur Lieder, die sie auch in Haldern vor Jahren gespielt hatten. Die beiden (begleitet von drei anderen Musikern), klärten nach acht Liedern auf: "wir spielen heute unser erstes Album!" Ein Konzept, das gerade hip ist. Allerdings wäre ich bei Friska Viljor zuletzt drauf gekommen, daß sie dies auch mit ihrem klassischen ersten Album macht. Nun denn, so konnte ich wenigstens mitgröhlen. Erst die Zugaben waren mir neu.

Setlist Friska Viljor, Maifeld Derby, Mannheim:

01: Shotgun sister
02: Gold
03: Four points
04: Oh oh
05: I gave my life
06: Friskashuffle
07: Puppet cabaret
08: We are happy now (la la la)
09: Goldfish
10: Monday
11: Tell me

12: On and on (Z)
13: What you gonna do? (Z)
14: If I die now (Z)
15: Wohlwill (?) (Z)
16: Arpeggio (Z)
17: Old man (Z)



Montag, 31. Oktober 2011

Erland and the Carnival, Köln, 30.10.11

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Konzert: Erland and the Carnival

Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 30.10.2011
LinkZuschauer: ca. 100
Dauer: Erland and the Carnival 75 min, Blue Roses 30 min


Vor sechs Monaten hatten Erland and the Carnival ein hervorragendes Konzert im
Blue Shell gespielt. Heute waren nicht mehr Zuschauer im deutlich größeren Gebäude 9. Die Konkurrenz mit Bon Iver im E-Werk war einfach zu groß. Dabei haben die fehenden Leute etwas verpasst, das Konzert der Band aus London war nämlich wieder fabelhaft und damit nicht schlechter als im April. Nunja, nicht viel zumindest. Denn die wundervolle Hannah Peel, die ursprünglich auch heute die Engländer begleiten sollte, war nicht dabei. Auch die "Ersatzvorgruppe" war eine junge Britin. Laura Groves bzw. Blue Roses, verstärkt um Erland-Schlagzeuger David Nock, spielte ein halbstündiges Set von traurigen Liedern, begleitet von vielen Keyboards. David saß zunächst nur aus pragmatischen Gründen hinter den Trommeln, er spielte da auch allerlei Tasteninstrumente. Nur bei den Stücken, die Laura auf der Gitarre anstimmte, kam ein leises Schlagzeug dazu.

Verkehrt war das nicht, Hannah Peel hätte mir aber besser gefallen. Deren Auftritt im Blue Shell war so gut, daß die Meßlatte etwas zu hoch lag.

Nach der jungen Sängerin wurde es laut. Erland and the Carnival war anzumerken, wie viel Spaß es ihnen bereitete, richtig Krach machen zu können. Meine Ohrschützer lagen währenddessen zu Hause und freuten sich über den ruhigen Abend...

Erland and the Carnival sind Sänger Gawain Erland Cooper, Gitarrist Simon Tong, Schlagzeuger David Nock, Bassist Danny Wheeler und Keyboarder Andrew Bruce. Als die fünf im winzigen Blue Shell gespielt haben, passte alles gerade so auf die Bühne. Im Gebäude 9 ist alles deutlich größer, der Platz reichte also locker dafür, sich auszubreiten. Erland and the Carnival ließen sich davon nicht verunsichern. Andrew und Danny hatten ihren Platz am hintersten Eck der Bühne, hinter Monitorboxen und Verstärkern, Andrew hockte hinter den Keyboards, die auf einer Equipment-Kiste standen. Eine herrliche Form der Bescheidenheit!

Grund dafür, zurückhaltend zu sein, hat die Band nicht. Wenn man die Platten der Briten hört (vor allem die erste), fällt immer wieder auf, wie viele Hits, Erland im Repertoire haben. Hits im Sinne von Riesenhits! Daß viele traditionelle britische Stücke verarbeitet und neu interpretiert werden, schmälert die Originalität dabei keinen Deut!
Was you ever see, Trouble in mind, Everthing came too easy, You don't have to be lonely, Gentle Gwen und wie sie alle heißen, sind live enorme Kracher. Vor allem die treibenden Rhythmen, die ich, wenn ich Pferde mögen würde, mit Reitkrams verbinden würde, sind grandios. Auch das Stilmittel, das Tempo eines Songs zu steigern, um dann am Ende wieder langsamer zu werden, ist nicht neu, Erland beherrschen es aber hervorragend. Mehrmals arteten die lauten, schnellen Passagen in wahren Postrockanfällen aus, um dann wieder die Kurve zum traditionellen, englischen Folklied zu kriegen.

Besonders schön sind auch die Duette im Set. Im Blue Shell war da Hannah Peel Erlands Partnerin, heute übernahm Laura deren Rolle. Auch ihre Stimme passte ganz wundervoll zu der des Sängers. Gemeinsam sangen die beiden
Everthing came too easy und You don't have to be lonely und Gentle Gwen am Ende des Sets.

Man kann mit Erland and the Carnival wirklich nichts verkehrt machen! Die Band spielt vorzügliche Konzerte und erspielt sich damit eine zwar kleine aber treue Anhängerschaft. Zufällige Zuschauer schienen mir keine anwesend zu sein, dafür wurde über all zu inbrünstig mitgesungen.


Setlist Erland and the Carnival, Gebäude 9, Köln:

01: Out of sight
02: So tired in the morning
03: Everthing came too easy
04: One morning fair
05: The echoing green
06: Was you ever see
07: Trouble in mind
08: My name is Carnival
09: Stack O Lee
10: Nightingale
11: The Derby ram
12: Map of an Englishman
13: You don't have to be lonely
14: Gentle Gwen

15: ? (Z)
16: The sweeter the girl the harder I fall (Z)
17: Love is a killing thing (Z)

18: This night (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Erland And The Carnival, Paris, 13.05.11
- Erland And The Carnival, Köln, 27.04.11
- Erland And The Carnival, Duisburg, 12.11.10
- Blue Roses, Paris, 18.09.09
- mehr Fotos von Erland and the Carnival im Gebäude 9




Samstag, 14. Mai 2011

Erland & The Carnival, Parts & Labor, Paris, 13.05.11

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Konzert: Erland & The Canival & Labor (I Come From Pop, Pneu)

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 13.05.2011

Zuschauer: mittlere Raumauslastung

Konzertdauer: Erland and The Carnival 45 Minuten



Freitag der 13! Der sagenumwobene Unglückstag brachte gute Bands nach Paris. Mein Fokus lag auf Erland & The Carnival und Parts & Labor. Zwei Gruppen, bei denen die Männer in deutlicher Überzahl sind. Allerdings spielt bei Parts & Labor normalerweise die ungemein attraktive Gitarristin Sarah Lipstate (Archifoto rechts) mit. Die kam aber heute nicht (scheiße!). Dafür aber Hannah Peel als aktives Mitglied von Erland & The Carnival. Und die war auch enorm charmant.

In den Abend eingeläutet hatten die Franzosen I Come From Pop. Ihr früher Auftritt fand allerdings in meiner Abwesenheit statt, da ich zu Hause noch Dinge zu erledigen hatte. Zu Erland & The Carnival schaffte ich es aber gerade noch rechtzeitig. Eine fünfköpfige Männerrunde hatte die Bühne in Beschlag genommen. Der Bandvorstand Erland Cooper war auch gleichzeitig der körperlich längste. Er ragte deutlich sichtbar heraus und gab auch ansonsten den Ton an. Der routinierteste Musiker innerhalb der Truppe trat hingegen dezent auf. Simon Tong von The Verve (und The Good, the Bad & The Queen, Blur) spielte am rechten Bühnenrand im Halbschatten und überließ ansonsten den jungen Hüpfern die Show.

Zu den Burschen gesellte sich ab Lied drei die ungemein aparte Hannah Peel, die nicht wie in Köln nur für zwei Duette, sondern das ganze restliche Set blieb. Die rothaarige Sängerin hatte schon mit ihrem Solo-Debütalbum The Broken Wave für Aufsehen gesorgt, bewährte sich aber heute auch als Teamplayerin und brachte viel weiblichen Charme in die Sache.

Hinsichtlich der gespielten Songs war ich völlig unbeleckt. Dies stellte sich aber als wenig problematisch heraus, denn die Stücke waren auf Anhieb catchy, unverschämt melodiös und absolut euphorisierend. Erland & The Carnival spielten den charmanten Retrosound, mit dem uns auch schon die Last Shadow Puppets begeistert hatten. Gallopierende kurz angerissene Gitarren, Melodien mit Sixties Attitüde und ein Wildwest Feeling wie aus einem John Wayne Streifen. Erland Cooper cronnte hierzu wie ein moderner Scott Walker und ähnelte hierbei auch James Skelly von The Coral.

Die 45 Minuten vergingen wie im Fluge, die Songs wurde wie aus einer Maschinenpistole abgeschossen und trafen so manchen mitten ins Herz. Ein gutes Konzert! Ich bleibe hier am Ball!

Persönlich hatte ich allerdings bereits mein Pulver verschossen. Bleierne Müdigkeit übermannte mich und deshalb fiel es mir verdammt schwer, mich noch auf die kommende Band Parts & Labor zu konzentrieren. Die spielten zwar höllisch laut und mit Inbrunst auf, packten mich aber heute nur sehr bedingt. Ihr roher Lofi Sound war mir heute zu unmelodiös, zu wenig anschmiegsam. Vor zwei Jahren in Saint Ouen bei Paris hatten sie mich noch fasziniert, heute aber schlug mein Puls nicht sehr hoch aus. Vielleicht fehlte Sarah Lipstate zu sehr? Ihre attraktive Erscheinung hätte mich möglicherweise noch einmal aus meiner Lethargie gerissen. So aber plätscherte das Set an mir vorbei und ich begab mich im Anschluß auf den Nachhauseweg, die nachfolgende Band Pneu aus Frankreich schenkte ich mir.

Fotos in Kürze!

Setlist Erland & The Carnival, La Flèche d'or, Paris:

01: Emmeline
02: So Tired In The Morning
03: My Name Is Carnival
04: Map Of An Englishman
05: Everything Came Too Easy
06: Springtime
07: Was You Ever See
08: I'm Not Really Here
09: You Have Loved Enough
10: Trouble In My Mind
11: Gentle Gwen
12: Nightingale

Setlist Parts & Labor, La Flèche d'or, Paris:

01: Fractured Skies
02: Echo Chamber
03: Outnumbered
04: Wedding In A Wasteland
05: A Thousand Roads
06: Gold
07: Skin & Bones
08: Never Change
09: Nowheres Nigh
10: Changing Of The Guard

Deutsche Konzerttermine Parts & Labor:

26.05.2011 (mit Trophy Wife), Jugendkulturhaus, Würzburg
27.05.2011: Hafen 2, Offenbach
28.05.2011: Levee, Berlin

Aus unserem Archiv:

Erland & The Carnival, Köln, 27.04.2011
Erland & The Carnival, Duisburg, 12.11.10
Parts & Labor, Saint Ouen, 13.02.09



Donnerstag, 28. April 2011

Erland and the Carnival, Köln, 27.04.11

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Konzert: Erland and the Carnival (& Hannah Peel)
Ort: Blue Shell, Köln
Datum: 27.04.2011
Zuschauer: gut besucht, aber nicht ausverkauft
Dauer: Erland and the Carnival knapp 70 min, Hannah Peel 25 min


"I didn't mean to disappoint you," singt Gawain Erland Cooper im bisher größten Hit seiner Band Erland and the Carnival. Genau das tat die Folk Rock Band aber mit ihrem zweiten Album Nightingale, das vor wenigen Wochen erschien. Enttäuschung ist vielleicht ein wenig weit gegriffen, die Platte hat mich allerdings nach den ersten paar Hören nicht gepackt. Daß ich trotzdem, und trotz großer Unlust, ins Blue Shell gefahren bin, sollte sich wieder einmal als gute Idee rausstellen.

Im vergangenen November hatte ich Erland and the Carnival im Duisburger Café Steinbruch gesehen. Die Geschichte dieses Abends ist schnell erzählt: ich hatte einen netten folkigen Abend erwartet, war weder auf Lautstärke noch auf rohen Gitarrensound eingestellt und wurde restlos begeistert. Welch tolle Liveband!

Als ich um kurz nach neun im Blue Shell ankam, war der Laden recht gut gefüllt. Kurze Zeit später kletterte eine junge Frau auf die Bühne, Hannah Peel, eine Londoner Folksängerin. Der erste Eindruck von der jungen Britin war phänomenal: sie stand hinter einer Bar aus Keyboard und Orgel, hatte aber eine kleine Holzspieluhr in der Hand, in die sie einen aufgerollten Papierlochstreifen einlegte, die Kurbel drehte und Blue Monday von New Order spielte und sang! Hannah programmiert die Papierstreifen für ihre Musicbox selbst, die zarte Instrumentierung, die diese Spieluhr erzeugt, erinnerte mich an Laura Barretts Kalimbas (oder Kalimben?).

Die folgenden fünf Stücke stammten von Hannahs
Debütalbum The broken wave, das ihr hervorragende Kritiken in ihrer Heimat einbrachte. Nach Blue Monday rief Hannah Simon Tong und David Nock als Begleitung auf die Bühne. Simon spielte Gitarre, David Keyboard und elektronisches Schlagzeug. Auf Platte sind Hannahs Stücke reicher instrumentiert, heute war es etwas zurückhaltender, was es nicht schlechter machte. Ich glaube, bei vier der sechs gespielten Stücke stammte die Grundmelodie von der Spieluhr. Im Mittelpunkt steht aber zweifelsfrei Hannahs einprägsame Stimme, die auch in den sehr hohen Passagen nicht nervte.

Die Absolventin des Liverpool Institute of Performing Arts hat mich neugierig auf mehr gemacht, ihr kurzer aber knackiger Auftritt war überzeugend!


Oliver, Cousinchen Hannah solltest du dringend für dein Wohnzimmer buchen!

Setlist Hannah Peel, Blue Shell, Köln:

01: Blue monday (New Order Cover)
02: Don't kiss the broken one
03: Unwound
04: Solitude
05: The almond tree
06: Cailin deas cruite na mbo

Eigentlich wusste ich ja, was mich danach erwartete, trotzdem war es beruhigend, daß Erland and the Carnival mich live auch wieder nach wenigen Augenblicken erwischt
haben. Vollkommen egal, ob ein Stück auf Platte unspektakulär ist, auf einer Bühne machen die fünf Briten daraus einen Knüller.

Namensgeber der Band ist der von Orkney stammende Erland Cooper, prominentestes Mitglied Simon Tong, ehemaliges Verve (u.a.) Mitglied, der bei Erland and the Carnival sehr dezent als Gitarrist und Backgroundsänger auftritt.

Die Stücke der Band haben einen gemeinsamen altbackenen Grundsound, sie beruhen auch zum Teil auf britischen, traditionellen Liedern oder Texten. Aber genauso wie den Last Shadow Puppets geht genau von dieser Stimmung der besondere Reiz aus.

Live fehlt jeder Produktionsballast, jeder Weichzeichner, der die Platten wohl massentauglicher machen soll (und macht). Bei ihren Konzerten scheppern die
Gitarren, knallt das Schlagzeug roh und laut, singt sich Erland die Seele aus dem Leib. Und genau das machte das Konzert wieder hervorragend, trotz meinen Meinung vom Album. Die galoppierenden Gitarrenmelodien entfalten ihren Charme wirklich erst laut. Viele der Lieder fangen mit Bonanza-Gitarrenriffs an, die großartig sind!

Anders als auf Platte war keines der Lieder langweilig. Als besonders gut empfand ich
So tired in the morning, Was you ever see, die Hochgeschwindigkeitsgitarren von Gentle Gwen und die vier Zugaben. Eine Perle waren aber auch die beiden Duette von Erland mit Hannah Peel. Everything came too easy war das schönste Lied des Abends. Eigentlich passen die beiden Stimmen nicht richtig zusammen, trotzdem war das Duett grandios!

Bei
You have loved enough, der ersten Zugabe pfiffen Hannah und Erland eine Melodiepassage. Hannah drehte sich dabei auf der kleinen Bühne zu Simon Tong hin und pfiff ihn an, um anschließend Mühe zu haben, ernst zu bleiben!

Was für ein toller Konzertabend!

Setlist Erland and the Carnival, Blue Shell, Köln:

01: Emmeline
02: My name is Carnival
03: So tired in the morning
04: Map of an Englishman
05: Everything came too easy (mit Hannah Peel)
06: The echoing green
07: Was you ever see
08: This night (?)
09: Springtime
10: Nightingale
11: Trouble in mind
12: Gentle Gwen
13: One morning fair

14: You have loved enough (mit Hannah Peel) (Z)
15: I'm not really here (Z)
16: You don't have to be lonely (Z)
17: Love is a killing thing (Z)

Links:

- Erland and the Carnival, Duisburg, 12.11.10
- mehr Fotos




Samstag, 13. November 2010

Erland And The Carnival, Duisburg, 12.11.10

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Konzert: Erland And The Carnival (& Cama Maya)
Ort: Steinbruch, Duisburg
Datum: 12.11.2010
Zuschauer: ca. 150
Dauer: Erland & The Carnival ca. 60 min, Cama Maya 30 min


Im April, als sie schon einmal auf Deutschland-Tour waren, kannte ich Erland And The Carnival wohl noch nicht, sonst hätte ich mir die Band, die so herrlich altbacken klingt, nicht entgehen lassen. Zur Zeit (Freitag und Samstag) sind die Briten wieder im Lande, für mich im ausgebuchten November nur in Dusiburg erreichbar.

Das Café Steinbruch ist eine ziemlich große Kneipe mit ziemlich kleinem Konzertsaal - aber großen Namen, die dort auftreten. Erland And The Carnival als großen Namen zu bezeichnen, wäre sicher verwegen, allerdings ist einer der Macher der Band eine größere Nummer der britischen Musikszene, nämlich der ehemalige Verve*-Gitarrist Simon Tong. Sänger der Gruppe ist Erland Cooper, ein Folksänger von den Orkneys.

Folk ist auch das Stichwort. Das Repertoire von Erland And The Carnival setzt sich zusammen aus neu arrangierten, umgedichteten oder an ihnen orrientieren Folkfetzen. Die Originale kenne und erkenne ich alle nicht, daher ist die Entstehungsgeschichte für mich zwar spektakulär aber nicht furchtbar relevant für das Hören der Stücke. Seit dem Kennenlernen der Musik beeindruckt mich vielmehr, wie wundervoll Erlands Lieder nach den 60ern klingen, ähnlich wie die Last Shadow Puppets. Ich kann leider das Wort Retro nicht verhindern, es beschreibt die Briten einfach zu gut.

Bevor Erland And The Carnival auftraten, spielte eine Band aus Dinslaken. Cama Maya stellten sich als sehr ordentliche Vorgruppe dar. Die Bandmitglieder haben in ihrer Kindheit sehr oft die Beatles gehört, was den Stil ihrer Musik geprägt hat. Es passte sehr gut zu dem, was kommen sollte. Auch wenn sie 60s Pop spielten, erinnerte mich der singende Keyboarder stimmlich auch an den einen anderen mir bekannten Sänger aus Dinslaken, den von den Kilians.

Erland And The Carnivals bestehen (live) aus fünf Musikern. Neben Erland und Simon Tong gehören Bassist Danny Wheeler, Schlagzeuger David Nock und Organist Andy Bruce dazu.

Als sie begannen, war ich überrascht, wieviel lauter und rockiger die Briten live klingen. Ich hatte mich mehr auf Folk, vielleicht sogar sitzend eingestellt, wie druckvoll die Lieder dargeboten wurden, war zwar ungewohnt allerdings auch extrem hörenswert!

Besonders gefallen hat mir der durchgängige Hintergrundsound der Kirmesorgel von Andy Bruce. Ganz typisches 60er Jahre Georgele, das quasi den Soundtrack zur Musik von Erland bildet. Dazu kamen die treibenden Gitarrenrhythmen der beiden Hauptdarsteller, die bei manchem Stück an Westernmelodien erinnern - großartig! Gentle Gwen zum Beispiel könnte einem John Wayne Film entsprungen sein.

Das eingängigste Lied der Band ist sicher Trouble in mind, ein wunderbares Pop-Stück. Deneben gefielen mir besonders zwei andere Lieder,
You have loved enough, weil das in vierstimmigem (!) Pfeifen endete und Love is a killing thing, das erst sehr ruhig beginnt, dann aber immer lauter wird. Allerdings waren das nur die auffälligeren Titel, gut waren nämlich alle Lieder, Schwächen oder Längen hatte das Set wirklich nicht.

Eine wirklich tolle Band, live noch einmal überraschend spannender, als die Platte und die übrigen Veröffentlichungen versprachen!

Setlist Erland And The Carnival, Steinbruch, Duisburg:

01: The echoing green
02: My name is Carnival
03: Gentle Gwen
04: The Derby ram
05: Everything came too easy
06: Disturbed this morning
07: Was you ever see
08: The tempest
09: ?
10: Trouble in mind
11: You don't have to be lonely
12: Love is a killing thing

13: You have loved enough (Z)
14: ?
15: One morning fair (Z)

* der auch bei Blur und The Good The Bad & The Queen gespielt hat

Fotos folgen, dann vermutlich auch noch nähere Informationen




 

Konzerttagebuch © 2010

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