Posts mit dem Label Pelle Carlberg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pelle Carlberg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 15. September 2014

Pelle Carlberg, Duisburg, 14.09.14

0 Kommentare

Konzert: Pelle Carlberg
Ort: Zum Hübi, Duisburg
Datum: 14.09.2014
Dauer: 65 min
Zuschauer: knapp 40


Eines der schönsten Konzerte, die ich dieses Jahr erleben durfte, fand im März bei Ursula und Dirk in Montabaur statt. Die beiden hatten für ihr erstes Wohnzimmerkonzert Pelle Carlberg eingeladen, dessen Musik ich seit Jahren liebe und den ich einige Male in regulären Clubs in Köln gesehen hatte. Nicht nur für die Veranstalter, auch für die meisten Gäste war es eine Premiere, aber eine, die saß! Das Konzert war fabelhaft, das Drumherum ebenso und der Abend damit einer, an den wir uns erinnern werden!

Die schönste Episode dabei war eine echte Weltpremiere. Pelle hatte vor einigen Jahren mit seiner Band Edson in Malaysia gespielt und den dortigen Sponsor Tiger Beer wegen seines Nachnamens, der zu sehr dem des Hauptkonkurrenten gleicht, dazu gebracht, nur den Vornamen des Schweden auf die Plakate zu drucken. Darüber hat Pelle CARLBERG* ein Lied geschrieben (Pelle Carlsberg), das er aber nie live gespielt hat. Mit einer cleveren Intrige und einem Asia-Shop in Frankfurt gelang es den Gastgebern, den Sänger dazu zu bringen, das Stück in ihrem Wohnzimmer zu spielen. Und es war toll!

Als die kurze NRW (und nördlicher) Tour, die Montag in Düsseldorf endet, angekündigt wurde, passte der Köln Termin leider nicht, weil er mit unserem Ausflug zu Kraftwerk nach Karlsruhe kollidierte. Dann eben Duisburg am Sonntag! Ein Konzert in einer Fischerkneipe "Zum Hübi" zu sehen, hat ja auch etwas.

Weil wir dem Anfangstermin 20 Uhr nicht trauten, fragte ich beim Sänger nach, wann er beginne. "Pünktlich um acht, es findet draußen statt", klang erst gut, in Staus stehend plötzlich schlimm, als wir fünf Minuten vor acht am Duisburger Rheinhafen ankamen und einen Tisch mit Blick auf den Schweden und den Rhein fanden aber wieder nach einem entspannten Abend.

Und der wurde es natürlich auch. Ich bin bei Lieblingskünstlern nicht objektiv und Pelle Carlberg gehört zu denen. Aber auch den Zuschauern, die ihn vorher nicht kannten und zum Abendbierchen oder -tee dem Sänger mit den traurigen Liedern zuguckten, schien das Konzert ausgezeichnet zu gefallen. Leider hatten sich nicht furchtbar viele auf der Hafenpromenade eingefunden. Aber in einer Kneipe, die an der Horst-Schimanski-Gasse liegt, erwarten die Leute zur Tatort-Zeit vermutlich kein Konkurrenz-Programm.

Pelle spielte ein ähnliches Set wie bei den Konzerten im Frühling. Alte Lieblinge wie Go to hell, Miss Rydell, Clever girls..., Musikbyrån makes me wanna smoke crack oder 1983..., neue Stücke, wie das wunderschöne und enorm traurige Salt oder Loser of the century, aber auch das in Montabaur wiederentdeckte Pelle Carlsberg (ohne daß Ursula und Dirk eine Flasche mitbringen mussten) und ein Lied seiner alten Band Edson (I didn't mean to be mean). Ach, es war wieder großartig und natürlich das viel bessere Programm als ein oller Tatort!

Nachdem er uns vorher gesagt hatte, daß er ganz selten Cover spiele, war die Zugabe das schönste Cover, das ich bisher von Pelle Carlberg gehört habe, Rocket man von Elton John (schöner als das Original).

Hoffentlich gefällt es dem schwedischen Sänger weiter so gut in Deutschland! Hoffentlich ärgert ihn Ryanair auf dem Rückflug nach Schweden nicht so sehr, daß es lange dauert, bis er zurückkommt. Zum einen haben wir fürs nächste Mal Middleclass kid (und das in Duisburg vergessene Pamplona) versprochen bekommen, zum anderen, tausche ich viele Abende mit mittelmäßigen aber sehr angesagten Hype-Bands liebend gerne gegen einen mit dem großartigen Pelle Carlberg!

Setlist Pelle Carlberg, Zum Hübi, Duisburg:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: Fly me to the moon
04: 1983 (Pelle & Sebastian)
05: Go to hell, Miss Rydell
06: I didn't mean to be mean (Edson)
07: Loser of the century (neu)
08: I love you, you imbecile
09: Metal to metal
10: Salt (neu)
11: Pelle Carlsberg
12: Because I'm worth it
13: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

14: Rocket man (Elton John Cover) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:

- Pelle Carlberg, Stuttgart, 26.03.14
- Pelle Carlberg, Montabaur, 24.03.14 (Ursula)
- Pelle Carlberg, Montabaur, 24.03.14 (Christoph)
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14 (Ursula)
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14 (Christoph)
- Pelle Carlberg, Köln, 22.09.11
- Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09
- Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07



* wir sind nicht gesponsort von Tiger Beer! Carlsberg schmeckt bestimmt noch viel toller!



Sonntag, 30. März 2014

Pelle Carlberg, Stuttgart, 26.03.2014

0 Kommentare

Konzert: Pelle Carlberg
Ort: Ein Wohnzimmer, Stuttgart
Datum: 26.03.2014
Dauer: 114 Minuten (exklusive Pause)
Zuschauer: 45-50 

Alle Fotos: David C. Oechsle

Schwedischer Folk-Pop ist schwermütig, düster und stimmungsvoll. Das gängige Klischee trifft zu, dachte man nach den eindringlichen Wohnzimmerkonzerten der hervorragenden tapete-records-Künstler The Grand Opening im November und Christian Kjellvander vor wenigen Wochen. Pelle Carlberg schlägt einen anderen Weg ein, scheut sich nicht vor fröhlichen Akkorden und verpackt selbst Sentimentales farbenfroh.  

„Als Kind war ich der einzige Junge in meiner Klasse, der Abba mochte. Die Jungs standen alle auf Kiss, ich war da eher wie ein Mädchen“, gesteht der 44-Jährige Schwede angelehnt an den Kühlschrank in einem Gespräch nach dem Konzert und verdeutlicht seine Herangehensweise. In Verbindung mit der tiefen Verehrung Morrisseys und der Smiths, deren „Frankly, Mr. Shankly“ dem Heranwachsenden einst lehrte, dass Songs richtige Geschichten fernab vom Boy-meets-Girl-Topik erzählen können, erschließt sich das künstlerische Selbstverständnis eines der großartigsten Popmusikers, die Schweden in den letzten zwanzig Jahren hervorbrachte. „I don't wanna be a fireman / I just wanna blow out candles“, singt Carlberg. Der Einstieg gerät intensiv: „Oh no! It's happening again“ vom Solo-Debüt „Everything. Now!“ ist in der unverstärkten, dezent reduzierten Präsentation die passende Eröffnung eines ruhigen Wohnzimmerkonzerts voller feiner Momente.  

„Entschuldigt, dass ich nicht so laut singe. Christian Kjellvander hat da schon eine viel voluminösere Stimme“. Das Understatement ist sympathisch, die Ausstrahlung des einstigen Frontmanns der schwedischen Indie-Hoffnung der späten 90er, Edson, füllt den Raum mit Leichtigkeit. Als schon mit „Musikbyrån makes me wanna smoke crack“ der zweite Song den Ausnahme-Songwriter und Storyteller zum Vorschein bringt, deutet sich ein denkwürdiger Abend an. „It was a wednesday night“, beginnt Carlberg in einer solchen und verzaubert daraufhin mit der beispiellosen Schilderung eines traurigen Fernsehmoments. Die bemerkenswerte VH1-Doku von Billy Bob Thornton über den Krebstod Warren Zevons nutzt der Schwede für Reflexionen über sein eigenes Leben, sein künstlerisches Schaffen, seinen Nachlass und Freunde: „Warren had many friends / Springsteen was one of them“, stellt er fest, um anschließend traurig zu schließen: „I thought about my friends / regular busy friends / I wonder if they would come / If I was dying from some kind of strange disease“. Carlbergs lyrische Umsetzung interessanter Gedanken gelingt mit außergewöhnlicher Finesse. Während er auf der einen Seite mit geschicktem Wortwitz und grandioser Komik brilliert – wie in „Fly me to the moon“ und „Go to hell, Miss Rydell“, seinen Abrechnungen mit Ryan Air und einer Kritikerin, die das letzte Edson-Album in der größten schwedischen Tageszeitung verriss –, gelingt es ihm an anderer Stelle auch Melancholie und Ausweglosigkeit mit einem Lächeln zu begegnen. 


Wohnzimmerkonzerte würden ihm, der bisher nur vereinzelt solche spielte, den Raum geben, Songs vertieft zu erklären, Gedanken zu äußern, für die in einem Rockclub keine Zeit sei. So werden hier und da Anekdoten geliefert, deren Schilderung mehr Zeit in Anspruch nimmt als das darauffolgende Lied. Mit enormer Aufmerksamkeit hängen fast 50 Zuschauer an seinen Lippen. 
Nachdem ich Carlbergs letztes – und bisher einziges – Stuttgart-Konzert im Herbst 2011 im Club Zwölfzehn verpasste, weil es mir vor dem riesigen Fan-Ansturm zum DJ-Set des gerade durch die Decke gegangenen Bielefelder Rappers Casper beim „Geek Chic“ im direkten Anschluss an das Konzert graute, erfülle ich mir heute Abend einen Traum. Carlberg tänzelt umher, blickt um sich, bewegt sich immer wieder auf die Zuschauer um ihn herum zu. In seiner Kindheit in Uppsala war der spätere Bestseller-Autor Håkan Nesser einer seiner Lehrer am Gymnasium, der seinen Sinn für Sprache und sein Interesse an Literatur mit Ausflügen und gutem Unterricht weckte. Die damals entfachte Leidenschaft blüht noch heute in den starken Songs auf.

Direkt vor der Pause spielt er beispielsweise „Pelle Carlsberg“, seine pointierte Verarbeitung eines skurrilen Konzerterlebnis in Kuala Lumpur, zum zweiten Mal. Nach der Live-Premiere in Montabaur zwei Tage zuvor wird sein Song über die Kürzung seines Namens auf Konzertplakaten zu „Ex-Edson Pelle“, weil dem Tour-Sponsor – die Brauerei Tiger Beer – die scheinbare Nähe seines Nachnamens zum dänischen Bierriesen zu eng erschien, besonders gefeiert. Während der Song seinem Label nicht ernst genug war, sodass er es nicht auf das letzte Album schaffte, quittiert große Begeisterung heute Abend seine Klasse. 
Zwischen all den großartigen Texten, der Erwähnung des „Law of Jante“ und wichtiger philosophischer Strömungen in Skandinavien, klärt der Mitinhaber einer Stockholmer Herren-Boutique das Stuttgarter Konzertpublikum über die Historie des Kleidungsherstellers „Merz b. Schwanen“ auf. Die schwäbische Arbeitermarke habe in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts besonders gute – weil nahtfreie und beständige – Unterhemden hergestellt, deren Produktion heute wiederaufgenommen worden sei. Nach dem Hinweis, dass er sich in Schwaben befände und Freiburg zu Baden zähle, folgen auf kollektives Lachen weitere großartige Songs. 


Mit Brille und Siebentagebart unterstreicht der stilvolle Mitt-40er gleichzeitig die Relevanz popkultureller Dresscodes. Während des eindringlichen, zweigeteilten Sets kommen zwischen Perlen aller drei Soloalben auch einige neue Stücke zu Gehör, mit denen der bisher beim etablierten schwedischen Indie-Label Labrador Records veröffentlichende Künstler klarstellt, woran heute keiner zweifelt, nämlich, dass er schon längst ein Star sein oder zumindest bekannter sein müsste. Derzeit auf Labelsuche, steht schon jetzt fest, dass sein kommendes, viertes Album großartig wird  (Tapete Records, wäre das nicht etwas für euch?). 

Als die melodiöse Qualität der Stücke mit „Riverbank“ und dem unübetrefflichen, auf einem Natalie-Portman-Zitat beruhenden „Clever Girls Like Clever Boys Much More Than Clever Boys Like Clever Girls“ endgültig offenbar wird, blickt man in durchweg strahlende Gesichter. Mit Understatement, Stil, starken Songs und jeder Menge Witz veredelt Pelle Carlberg einen gewöhnlichen Mittwochabend, den man zum Glück nicht vor dem Fernseher verbringt. Der poppige Chor der Zugabe „Pamplona“ wird schließlich leidenschaftlich mitgesungen, sogar rhythmisch korrekt, was den Sänger zu aufrichtigem Lob verleitet. Mit ironischer Überbetonung entlässt Carlberg das Publikum daraufhin mit einem Cover von „I Believe In A Thing Called Love“ von den augenzwinkernden Glam-Posern The Darkness in die gemütliche Aftershow-Party. In die Kopfstimme verfallend, konterkariert er noch einmal die dünne Linie zwischen Hardrock und übertriebenen Popauswüchsen, zwischen Kitsch und Pomp und – wenn man so will – zwischen Kiss und Abba. Das Gute hat endgültig gewonnen und Pelle Carlberg mit großer Leichtigkeit einige Dutzend neuer Fans. 
Im November wird es vermutlich ein Wiedersehen in unserer Wohnzimmerreihe geben, diesmal mit Band. Die Vorfreude wächst. Bis dahin dürfen wir im Geiste weiter singen: I need a matador's hat, I need a moustache... Nanananana.


Pelle Carlberg, Montabaur, 24.03.14

0 Kommentare

Konzert: Pelle Carlberg
Ort: Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 24.03.2014
Dauer: zweimal 45 Minuten
Zuschauer: ca. 23




In meinem eigenen Blog habe ich hier in epischer Breite darüber berichtet, wie es zu Pelles Auftritt in Montabaur kam. Das ist aber nicht wirklich ein Konzertbericht, deshalb steige ich hier etwas später ein.

Am frühen Abend holte mein Freund wie verabredet Pelle Carlberg in seinem Hotel ab. Dieser hatte sich bereits im Laufe des Tages per SMS gemeldet, also wussten wir bereits, dass er unsere Kleinstadt gut gefunden hatte. Bei uns daheim lauteten dann die ersten Programmpunkte Soundcheck und Abendessen. Ersterer schien ganz gut zu funktionieren, letzteres ... nun, man sollte, wenn man Arrabiata kocht, und im Supermarkt keine regulären Chilis bekommt, diese nur sehr, sehr vorsichtig durch Habaneros ersetzen. Mein Sauce war unglaublich scharf und mir ziemlich peinlich, immerhin scheinen aber alle Beteiligten ihren Genuss überlebt zu haben. Nach dem Essen waren wir schon relativ spät dran, es musste schnell noch das Buffet für die Gäste aufgebaut werden, dann trafen bereits die ersten Konzertbesucher ein.

Wie bereits in der Vorberichterstattung erwähnt, hatte mein Freund einen Plan: Pelle Carlberg hat ein Lied namens "Pelle Carlsberg", in dem er von einer Asientour erzählt, bei dem sich der Sponsor Tiger Beer verbat, Pelles Nachnamen, der für sie zu sehr nach dem Brauerei-Konkurrenten Carlsberg klang, auf die Plakate zu drucken. Pelle hieß plötzlich nur noch Pelle. Also ging mein Freund vor dem Auftritt mit je einer Flasche beider Sorten Bier zu dem Sänger und fragte ihn, welche von beiden er beim Konzert trinken wollte. Pelle verstand fast sofort, worum es ging, erklärte aber, dass er diesen Song überhaupt noch nie live gespielt habe und auch eigentlich gar nicht mehr wisse, wie er geht. Als netter Künstler war er aber bereit, dem Wunsch nachzukommen, und verschwand erst einmal mit seiner Gitarre in meinem Zimmer, wo er sich den besagten Song in iTunes anhören und üben konnte. 



Inzwischen waren erfreulich viele weitere Gäste eingetroffen, die nun auch langsam und vorfreudig ihre Plätze einnahmen. Ein mit meinem Freund befreundetes Pärchen überreichte Pelle sogar ein Schokoladenpräsent und erklärte ihm, dass sie das Baby, das sie gerade erwarten, auch Pelle nennen möchten. Freundlicher kann man von einem Publikum ja eigentlich kaum empfangen werden ... 

Das Konzert konnte nun beginnen. Pelle spielte zum Großteil dieselbe Setliste wie am Vorabend, ich hatte sie ihm nämlich persönlich aus Christophs Bericht ausgedruckt. Wie bereits in Köln hatte Pelle zu seinen Liedern viel zu erzählen. Teils, etwa bei "Replaceable", war die Geschichte in etwa dieselbe wie am Vortag. Andere kamen neu hinzu, so erfuhren wir zu "Fly me to the Moon", dass der im Song beschriebene Ryanair-Flug nach einem Auftritt in Barcelona stattfand, der den spanischen Gewohnheiten entsprechend erst gegen 1 Uhr früh begonnen hatte - entsprechend müde und frustriert reagierte die Band, als sie horrende Zusatzgebühren für den Transport eines Tamburins bezahlen sollte. 



Auch zu "1983" gab es an diesem Abend eine längere Geschichte darüber, wie der junge Pelle mit seinem besten Freund Nachtspaziergänge in Uppsala unternahm und dabei aus Angst, ausgeraubt zu werden, einem Fremden Geld schenkte. Zu "I love you, you imbecile" gab es zwar keine Geschichte, aber immerhin die deutsche Übersetzung des Titels: "Ich liebe dich, du Schwachkopf". Als letztes Lied vor der Pause kündigte Pelle schließlich den gerade erst geübten Bier-Song an. Dem restlichen Publikum erklärte er, dass Dirk ein "peculiar guy" sei, und wie er ihm die Bierflaschen gezeigt hatte. "Pelle Carlsberg" hatte einst Pelles Plattenfirma nicht gefallen, weshalb der Sänger es seit der Aufnahme 2008 überhaupt nicht mehr gespielt hatte. Statt auf einem Album war der Song nur als Bonus-Download erschienen, angeblich mit einem extra unleserlichen Passwort. Der eben noch geprobte Song klappte dann, nach einer Textpanne ganz am Anfang, sehr gut. Montabaur hatte eine Live-Premiere erlebt.

Es folgte eine Pause für alle Beteiligten, während der Pelle etwas nervös meinen Freund fragte, ob er glaube, dass den Gästen das Konzert gefalle - was dieser bejahte. Anschließend führte er noch ein Gespräch mit Christoph über deutsche und schwedische Bands und Lieder in Originalsprache - was wohl Spuren hinterließ, denn nach der Pause hörten wir als erstes ein schwedischsprachiges Lied, das Pelle Carlberg mit seinen Kindern aufgenommen hat - mit diesen betreibt er nämlich eine Band, die anscheinend anders als er allein bei einem Major Label unter Vertrag ist. 



Kurz danach folgte "Metal to metal", zu dem Pelle wieder dieselbe Geschichte von der Autopanne in Berlin erzählte, dieses Mal mit einer besonders liebevollen Beschreibung des Automechanikers und Imitation von dessen deutschem Akzent.

Zu "Riverbank" erzählte uns Pelle, dass es in dem Song darum ginge, sein ganzes Geld einfach in den Fluss zu werfen, also Konsumkritik. Als Beispiel nannte er die zahlreichen Cremes und Tonics sowie einen Porenverkleinerer, die sich alle in seinem Kulturbeutel befänden, was für deutsche Männer sicherlich befremdlich sei - der arme Christoph wurde gefragt, ob er er denn überhaupt wisse, was Tonic ist: "You don't mix it with gin!"

Nach dem weiterhin großartigen "Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls" war zunächst Schluss. Im Vorfeld hatten wir überlegt, wohin Pelle wohl nach dem letzten Lied abgehen würde. Er entschied sich dafür, ein bisschen auf der Treppe im Flur zu sitzen. Mein Freund, der die Ansage von "Pamplona" mit der Erwähnung der Band I'm from Barcelona ja bereits vom Vortag kannte, hatte die Vinylplatte gut sichtbar bereit gelegt, so dass Pelle bei seiner Erklärung darauf Bezug nehmen konnte. Bei "Pamplona" sangen auch viele, zumindest mehr als in Köln, mit. 


Bei der einen Zugabe blieb es dann auch, Pelle wollte anschließend gerne die bereitgelegte Platte hören und konnte schnell alle seine mitgebrachten CDs verkaufen und sich noch mit einigen Konzertbesuchern unterhalten. Als anschließend noch, ebenfalls auf Wunsch des Künstlers, die Stone Roses aufgelegt wurden, wurde es langsam Zeit, den sehr schönen Abend zu beenden, denn am nächsten Morgen war ja für die meisten ein normaler Arbeitstag. Vorher überreichte ihm Christoph allerdings noch Fotografien der Lego-Versionen aller seiner Albumcover, was Pelle zu der Frage "Oh, you are the Lego Man?" veranlasste. Eines der Cover war ihm nämlich bereits via Facebook bekannt gewesen, er hatte aber nicht gewusst, dass er den Schöpfer kannte.

Ich war relativ überrascht darüber, wie gut mir unser Wohnzimmerkonzert gefallen hat. Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, den Abend selbst genießen zu können, aber alles lief so entspannt ab, dass es wenig Anlass zur Sorge gab, nicht einmal für mich. Leider fängt mein Freund aber auch bereits an, darüber zu reden, dass er noch ein Konzert machen möchte. 



Setliste Pelle Carlberg, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: 1983 (Pelle & Sebastian)
04: Loser of the century (neu)
05: Fly me to the moon
06: I love you, you imbecile
07: Replaceable? (neu)
08: Pelle Carlsberg

09: Varannan vecka (Tvillingarna, Truls & Jag)
10: Because I'm worth it
11: How I broke my foot and met Jesus
12: Metal to metal
13: Salt (neu)
14: Go to hell, Miss Rydell
15: Riverbank
16: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

17: Pamplona (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pelle Carlberg, Montabaur, 24.04.14 (Christoph)
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14 (Ursula)
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14 (Christoph)
- Pelle Carlberg, Köln, 22.09.11
- Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09
- Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07


Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Freitag, 28. März 2014

Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14

0 Kommentare
Konzert: Pelle Carlberg (Saender Reihe)
Ort: Theater Die Wohngemeinschaft, Köln
Datum: 23.03.2014
Dauer: 100 min (netto)
Zuschauer: fast voll (knapp 60)


Neulich vor dem Tatort: Pelle Carlberg in der Kölner Wohngemeinschaft

Am Montag fand bei mir daheim ein Konzert statt, und zwar mit dem schwedischen Sänger Pelle Carlberg. Eigentlich hätte man dessen Ankunft also bequem auf dem heimischen Sofa abwarten können, stattdessen fuhren wir aber am Sonntag nach Köln, um das Konzert des Vorabends auch mitzunehmen. Schließlich kann man ja nicht wissen, wie viel man von einem selbst veranstalteten Konzert mitbekommt, außerdem konnte sich man auf diese Weise dem Künstler vorstellen, bevor sich dieser am nächsten Tag Richtung Westerwald ins für ihn Ungewisse aufmachen sollte.


Die Wohngemeinschaft ist ein gemütliches Café im Retrostil mit zahlreichen lustigen Ecken, etwa einem Tischtennisraum und einem alten VW-Bus. Außerdem hat sie einen kleinen Konzertsaal, wobei dessen Bühne ebenfalls den Charme eines 60er-Jahre-Wohnzimmers und auch dessen Ausstattung hat. Der bestuhlte Zuschauerraum war nach dem Einlass schnell komplett gefüllt, so dass das Konzert bereits kurz nach halb sieben losgehen konnte.




Pelle Carlberg ist bei seiner aktuellen Tournee allein mit seiner Gitarre unterwegs. Er ist einer dieser Musiker, die zu so gut wie jedem ihrer Songs eine Geschichte erzählen können, entsprechend wurde zwischen den einzelnen Liedern viel gesprochen. Zunächst erfuhren wir, dass Pelles Lieblingsmannschaft aus Uppsala im schwedischen Fußballpokalwettbewerb einen der Favoriten geschlagen habe, weshalb der Sänger beste Laune hatte.


Vor dem neuen "Replaceable?" fragte er kurz in die Runde, wer ihn schon live gesehen habe und erklärte dann: "For those of you that know my music, this is a new song. For the rest of you .. I guess it's just another song." Außerdem habe er das Lied vor seiner Abreise für seine Tochter und deren Freundin gespielt, um die Behauptung der Tochter, dass er "Rockstar" sei, zu belegen. Nach der ersten Strophe habe aber ein iPhone gesummt und beide Mädchen hätten sofort das Interesse an dem Song verloren und ihn entlassen. Wenig später folgte das ebenfalls neue "Loser of the century".


Vor "Metal to metal" hörten wir eine längere Geschichte über eine Fahrt im Minivan nach Berlin, wo das neue Auto plötzlich unerklärlicherweise in Wedding liegen blieb - bis ein schließlich gerufener Mechaniker erklärte, "metal to metal" sei in einem Motor nicht so gut, weshalb es unerlässlich sei, als Fahrer auch ans Öl zu denken. Dieses Missgeschick regte Pelles damalige Frau so auf, dass es letztlich die Trennung vorbereitete, weshalb einem das Lachen bei diesem an und für sich eher humorvollen Song im Halse stecken blieb. Außerdem erklärte Pelle anschließend in Bezug auf den vorangegangenen Song, wegen dieser Geschichte sei er der "Loser of the century".

Nach einer kurzen Pause, die der recht verschwitzte Pelle nutzte, um sich umzuziehen (wobei er sich hinsichtlich des Bühnenoutfitwechsels scherzhaft mit Madonna verglich), ging es weiter mit den Liedern und Geschichten: "Because I'm Worth It" bezieht sich auf eine These von Pelles Vater, dass die Generation der in den 70er Jahren Geborenen die erste sei, die unbedingt alles haben wolle. "Crying all the way to the pawnshop" ist das von Pelle erdachte Gegenteil zur Redensart "Laughing all the way to the bank", "How I broke my foot and met Jesus" handelt von einer schmerzhaften Sportverletzung mit anschließender Morphiumverabreichung. "Salt" ist ein neuer, ernster und trauriger Song über Liebeskummer und -schmerzen und "Go to hell, Miss Rydell" ein älteres Lied über einen wütenden Anruf bei einer Musikjournalistin, die Pelles Band Edson verrissen hatte.


Manchmal nahmen die Erzählungen mehr Zeit in Anspruch als die eigentlichen Songs, und wir wurden auch an einer Stelle besorgt gefragt, ob das störe. Aber natürlich verneinten alle, denn die lustigen Geschichten machen ja gerade den Charme eines Pelle Carlberg-Konzertes aus.

Letztes Lied des Hauptteils bildete das lang-betitelte (Pelle zählte uns die 13 Worte vor) "Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls", was auch einst der erste Song war, den ich von dem Künstler kannte - es ist auch bis heute mein Lieblingslied.


Natürlich folgten noch Zugaben, zunächst das von der ebenfalls schwedischen Band I'm from Barcelona inspirierte "Pamplona", vor dem Pelle ins Publikum fragte, ob wir gerne mitsingen würden, was ein einziges, weibliches, durchaus begeistertes "Yay!" erntete - und anschließend natürlich großes Gelächter. Außerdem wurden wir besorgt gefragt, ob wir denn noch Zeit hätten, gleich käme doch diese Krimiserie, "German CSI".

Dadurch, dass wir als Publikum bestätigten, es nicht sonderlich eilig zu haben, verdienten wir uns noch zwei Zugaben, nämlich eine recht gruselige Coverversion des ohnehin eher unschönen "I believe in a thing called love" von The Darkness, zuletzt folgte "Tired Of Being PC", bei dem es einige charmante Textprobleme gab.

Anschließend und nach begeistertem Applaus hatten wir noch die wichtige Aufgabe, dem Künstler mitzuteilen, dass wir seine Gastgeber des folgenden Abends sein würden und dass es diesen komischen Ort "Montabaur" tatsächlich gibt. Ob Pelle Zweifel daran hatte, ist nicht bekannt, aber er schien sichtlich erfreut zu sein, dass wir bereits zum Kölner Auftritt erschienen waren. Anschließend begaben wir uns prompt zurück in den Westerwald und freuten uns gespannt auf den nächsten Abend.


Setlist Pelle Carlberg, Die Wohngemeinschaft, Köln:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: 1983
04: Replaceable (neu)
05: Fly me to the moon
06: I love you, you imbecile
07: Loser of the century (neu)
08: Metal to metal

09: Sunday, lovely sunday (Edson)
10: Because I'm worth it
11: Crying all the way to the pawnshop
12: How I broke my foot and met Jesus
13: Salt (neu)
14: Go to hell, Miss Rydell
15: Riverbank
16: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

17: Pamplona (Z)

18: I believe in a thing called love (The Darkness Cover) (Z)
19: Tired of being PC (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:

- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14 (Bericht von Christoph zum selben Abend)
- Pelle Carlberg, Köln, 22.09.11
- Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09
- Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07 

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Dienstag, 25. März 2014

Pelle Carlberg, Montabaur, 24.03.14

0 Kommentare

Konzert: Pelle Carlberg
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 24.03.2014
Dauer: 47 min & 43 min
Zuschauer: gut 20



"Wir sind hier nicht bei 'Wünsch dir was'", war der Lieblingsspruch meines ehemaligen Chefs und sein Allheilmittel gegen Anfragen aller Art. Das funktionierte ganz gut. Überhaupt hatte mein Ex-Chef einen guten Job, allerdings hatte er dafür einen extrem miesen Musikgeschmack. Pelle Carlberg hat aus meiner Sicht auch einen guten Beruf, vor allem aber auch einen exzellenten Musikgeschmack. Und viel wichtiger, der schwedische Sänger hat einen andere Einstellung zu Wunschkonzerten.

Dirk, gemeinsam mit Ursula Gastgeber des Wohnzimmerkonzerts in Montabaur, hatte mich eingeweiht, daß er den Musikgast bitten wollte, seinen "Tiger Beer-Song" zu spielen. Vor ein paar Jahren spielte Pelle mit Band in Malaysia. Vor dem Konzert kam der Veranstalter und teilte dem Künstler mit, auf den Plakaten stünde nur sein Vorname. Tiger Beer, der Sponsor der Show, wolle wegen seines skandinavischen Konkurrenten keine Plakate sehen, auf denen "Carlsberg" oder so stehe. Pelle schrieb ein Lied darüber, das seinem Label aber nicht gefiel und es nicht auf die Platte schaffte. Es erschien dann nur als Bonusdownload, "wir haben den Download-Code aber extra so unleserlich gestaltet, daß das niemand runterlädt." Ohne Erfolg. Als der Sänger vor der Show vom Gastgeber gefragt wurde, ob er ein Bier wolle und Carlsberg und Tiger Beer zu Auswahl standen, verstand er das Anliegen und erklärte, er habe diesen Song noch nie live und seit 2008 gar nicht mehr gespielt (also nur für die Aufnahme). Den Text gab es im Internet, das Lied auf Festplatte, und Pelle Carlberg verbrachte die Zeit vor dem Konzert im Proberaum.

Am Ende des ersten Teils des Konzerts - es war wie das in Köln am Vorabend  in zwei etwa gleichlange Sets unterteilt - spielte der Schwede das Wunschlied, und es funktionierte wundervoll! Wäre nicht der ganze Abend besonders gewesen, das wäre der spezielle Moment des Konzerts gewesen!

Gut 20 Gäste hatten das Wohnzimmer im Westerwald gefüllt. Im Vergleich zum Vorabend begann das Konzert punkig spät, nämlich um fünf nach acht (die fünf Minuten waren meine Schuld, Pelle und ich unterhielten uns noch über die WM 74). Im ersten Teil spielte der Ex-Edson Frontmann die beiden neuen Stücke Loser of the century und Replaceable?, die hoffentlich ein neues Album ankündigen. Fast genauso wichtig wie seine Lieder sind die Geschichten zu ihnen, die er vorher erzählt. Die Erlebnisse als Kind in Uppsala, als er mit Freund Sebastian abends halbstark durch die Stadt lief, der Flug zurück vom Konzert in Barcelona, der zum Ryan-Air-Song Fly me to the moon führte, die Erklärung zu Riverbank..., auch das macht einen guten Teil des Reizes von Pelle Carlberg-Konzerten aus (was bei seinem Landsmann Jens Lekman ja ähnlich ist - der wäre doch auch mal was für euch, Ursula und Dirk?). 

Das zweite Set begann mit einem Publikumswunsch, diesmal aber einem ungeplanten. Wir hatten uns in den Pause über kulturelle Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland unterhalten und über deutsche Indiebands. Irgendwie fiel dabei, daß schwedische Bands leider viel zu selten Lieder in ihrer Landessprache singen. Pelle Carlberg nahm das auf und spielte ein Stück der Band, die er mit seinen drei Kindern hat (Tvillingarna, Truls & Jag), wenn ich richtig hingehört habe Varannan vecka. Die CD dieser Gruppe ist seine einzige, die bei einem Majorlabel erschienen ist, und ist eine "Platte mit Kinderliedern mit Erwachsenentexten", wie er vor ein paar Jahren bei einem Kölner Konzert erklärt hatte.  

Auch die zweite Hälfte mit Hits wie Riverband, Go to hell, Miss Rydell (über ein Telefonat mit der Kritikerin, die die letzte Edson Platte verrissen hatte), das sehr schwermütige neue Salt, das noch trübere Metal to metal oder das wundervolle Clever girls... Es ging alles viel zu schnell um. Glücklicherweise war aber auch die Debütplatte von I'm from Barcelona gut sichtbar im Wohnzimmer ausgelegt, sodaß Pelle das von der inspirierte Stück Pamplona als Zugabe spielen musste. Um zehn nach zehn war das wundervolle Konzert beendet und die wenig aufregende Kulturgeschichte Montabaurs ein gutes Stück vorangebracht worden.

Dieser Bericht ist nicht etwa so postiv ausgefallen, weil die Gastgeber einen perfekten Konzertabend organisiert hatten. Oder weil ich seit dem ersten Hören von Go to hell, Miss Rydell panische Angst davor habe, ein böses Wort über Pelle zu verlieren. Pelle Carlbergs Auftritte sind eben einfach so gut. Und ich hoffe, daß es nicht wieder drei Jahre dauert, bis der Schwede zurück nach Deutschland kommt. Da er auf Wünsche ja eingeht, sollte das funktionieren!
 

Setlist Pelle Carlberg, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: 1983 (Pelle & Sebastian)
04: Loser of the century (neu)
05: Fly me to the moon
06: I love you, you imbecile
07: Replaceable? (neu)
08: Pelle Carlsberg 

09: Varannan vecka (Tvillingarna, Truls & Jag)
10: Because I'm worth it
11: How I broke my foot and met Jesus
12: Metal to metal
13: Salt (neu)
14: Go to hell, Miss Rydell
15: Riverbank
16: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

17: Pamplona (Z)

Tourdaten Pelle Carlberg:

25.03.: Luxemburg - Konrad 
26.03.: Stuttgart - Wohnzimmerkonzert 
27.03.: Stein, Appenzell (CH) - Kulturhaus Rose 
29.03.: Paris - Oliver Peel Session 
30.03.: Bielefeld - Bunker Ulmenwall

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14
- Pelle Carlberg, Köln, 22.09.11
- Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09
- Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07




Sonntag, 23. März 2014

Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14

0 Kommentare

Konzert: Pelle Carlberg (Saender Reihe)
Ort: Theater Die Wohngemeinschaft, Köln
Datum: 23.03.2014
Dauer: 100 min (netto)
Zuschauer: fast voll (knapp 60)



"When does this TV show start? CSI Germany?" erkundigte sich Pelle Carlberg nach Riverbank. Schlimm, daß sonntags der Tatort dazu zwingt, die Anfangszeiten eines Konzerts auf 18:30 Uhr zu schieben, aber toll, daß der Veranstalter (Saender) das tut. Tatort ist schließlich dauernd im Fernsehen, der schwedische Sänger höchstens alle zwei Jahre in Köln. 

Um 18:40 Uhr begann der Schwede sein Programm. Pelles letztes Album The lilac times ist 2008 erschienen (wobei das nicht ganz richtig ist, 2011 hat er mit seinen Kindern gemeinsam als Tvillingarna, Truls och jag eine Platte mit Kinderliedern für Erwachsene veröffentlicht), daher war ich unsicher, wie viele Leute Pelle Carlberg am frühen Abend anlocken würde. Erst sah es nicht aus, als würden alle 60 Stühle besetzt werden, als es losging, war das kleine Theater fast voll.

Pelle sah verändert aus. Ich dachte erst, es läge am Bart, den hatte er aber im King Georg 2011 auch schon. Pelles Frisur ist etwas erwachsener geworden, aber nicht so viel erwachsener wie die von Jens Lekman über die Jahre, es war die Brille, die mir neu war. Völlig zu recht werde ich kritisiert, wenn ich zu viel über Mode oder Aussehen schreibe, also zur Musik. Die war mir nicht neu, wenigstens am Anfang. Die ersten beiden Lieder stammten vom ersten Album Everything. Now! Und es war direkt wieder wundervoll! 

Nach 1983 (dem Lied über Pelle & Sebastian, Pelles Kindheitsfreund) kam ein ersten neues Stück, das er bisher dreimal gespielt habe. Premiere hatte der Song vor den Ohren seiner Tochter und deren Freundin. Die Tochter hatte damit angegeben, daß ihr Vater ein Rockstar sei, zum Beweis spielte er das neue Lied, bis ein klingelndes Handy der Freundinnen den Vortrag beendete. Wir waren aufmerksamer, glücklicherweise! Und wir bekamen das sehr schöne Lied ganz gespielt. Nach Fly me to the moon (dem Ryanair-Song) und dem fabelhaften I love you, you imbecile (mein Gott, hat der Schwede viele Risenhits!), kam mit Loser of the century ein weiteres neues Lied, das vom Druck handelt, erwachsen zu werden ("get a job and a haircut", fasste der Sänger es zusammen). Metal to metal über eine Autopanne auf dem Weg zum Konzert nach Berlin beendete das erste Set. "Wir machen danach zehn Minuten Pause." "Metal to metal", hatte ein Berliner Mechaniker dem Sänger erklärt, sei ohne Öl nicht gut. Darum sei der Wagen liegengeblieben. Pelle Carlberg erzählte diese Geschichte ausführlich. Ich hatte sie zwar schon mindestens einmal gehört, sie aber wieder vergessen. Als all das im Lied wieder erzählt wurde, lachten alle, die zum ersten Mal bei einem seiner Konzerte waren, bis es in der nächsten Zeile hieß, daß seine Frau sich kurz danach von ihm getrennt hatte. So sind viele Stücke des Sängers, auf den ersten Blick fröhlich, oft aber mit bitterem Inhalt. Crying all the way to the pawnshop im zweiten Set, das davon handelt, die Gitarre ins Pfandhaus zu bringen, um Milch kaufen zu können, ist ein anderes Beispiel. Es ist dieses alte Dilemma. Viele Künstler, die ich liebe, schreiben über Nöte und Ängste und sind am besten, wenn es ihnen schlecht geht, was ich natürlich nicht will. 

Nach der Pause kam der Schwede im T-Shirt ohne Hemd zurück. "Wenn ich zwei Sets spiele, kann ich mich auch wie Madonna zwischendurch umziehen!" Das zweite Set begann mit einem Lied seiner alten Band Edson, allerdings keinem von denen, die ich bisher gehört hatte. Weil heute Sonntag sei, habe er gerade entschieden, Sunday, lovely sunday zu singen. Wie passend, denn das war er!

Im zweiten Konzertteil kamen dann ganz viele meiner Lieblinge, allen voran Riverbank (Unsinn, Go to hell, Miss Rydell, Clever girls, Pawnshop stehen dem nicht viel nach). Mit Salt kam schließlich noch ein drittes neues Lied, das mir auch gut gefiel.

Obwohl CSI Cologne bereits begonnen hatte, kam Pelle Carlberg zurück - zunächst für Pamplona, nach erneutem kurzen Verschwinden für das Cover des scheußlichen Darkness-Lieds I believe in a thing called love und Tired of being PC zurück. Ich bin bei weitem noch nicht PC-müde! Daher morgen das nächste Konzert und der nächste Bericht. Clever boys mögen nämlich Konzerte sehr viel mehr als Fernsehfilme.

Setlist Pelle Carlberg, Die Wohngemeinschaft, Köln:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: 1983
04: Replaceable (neu)
05: Fly me to the moon
06: I love you, you imbecile
07: Loser of the century (neu)
08: Metal to metal

09: Sunday, lovely sunday (Edson)
10: Because I'm worth it
11: Crying all the way to the pawnshop
12: How I broke my foot and met Jesus
13: Salt (neu)
14: Go to hell, Miss Rydell
15: Riverbank
16: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

17: Pamplona (Z)

18: I believe in a thing called love (The Darkness Cover) (Z)
19: Tired of being PC (Z)

Tourdaten Pelle Carlberg:

24.03.: Montabaur - Wohnzimmerkonzert
25.03.: Luxemburg - Konrad 
26.03.: Stuttgart - Wohnzimmerkonzert 
27.03.: Stein, Appenzell (CH) - Kulturhaus Rose 
29.03.: Paris - Oliver Peel Session 
30.03.: Bielefeld - Bunker Ulmenwall

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pelle Carlberg, Köln, 22.09.11
- Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09
- Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07



Freitag, 23. September 2011

Pelle Carlberg, Köln, 22.09.11

2 Kommentare

Konzert: Pelle Carlberg
Ort: King Georg, Köln
Datum: 22.09.2011
Zuschauer: 70
Dauer: 100 min


Vor ein paar Tagen bekam ich ein mail mit dem Download-Code der neuen Loney, Dear Platte, an die
ich überhaupt nicht mehr gedacht hatte. Weil Emil Svanängen mich bisher musikalisch grundsätzlich begeistert hat, war meine Vorfreude groß. Und wie das so oft ist, verpuffte die sehr schnell, weil Hall Music leider kein großer Wurf ist und nicht an die Vorgänger mit ihren wundervollen "nanana"-Refrains ranreicht.

Glücklicherweise gilt in der Musik die alte Homer Simpson Weisheit "Wo der herkommt, gibt es noch andere"; dann eben einer von denen. Als Ersatz-Lieblingsschwede bietet sich zwangsläufig Pelle Carlberg an, der - wie praktisch! - auch heute verfügbar war und im King Georg in Köln spielte. Der ehemalige Edson-Sänger taugt aus verschiedenen Gründen für den Job; er verfügt über ein immenses Repertoire großartiger Indiepop-Songs, ist wahnsinnig sympathisch und schreibt in seine Lieder immer wieder "nanana"-Zeilen, perfekt!

Als wir im King Georg ankamen, war schon aufgebaut. Sprich, es stand ein Mikrofon und eine Gitarre auf der kleinen Tanzfläche, Pelle war also solo unterwegs. Bisher hatte ich den Sänger immer mit Band erlebt, da diese Kurztour keine neue Platte promotet, war offenbar die Einzelversion passender.

Sie passte. Sie passte sogar ausgezeichnet! Alleine gefiel mir die Musik des Stockholmers noch eine ganze Ecke besser als bei meinen ersten Konzerten. Pelles tolle Stimme und die wunderbaren Melodien funktionieren ohne zusätzliche Instrumente hervorragend, vor allem in einem kleinen Club. Weil das King Georg früher ein Stripladen (oder etwas Stripladenartiges) war, sind rund um die Tanzfläche kleine Sitzecken. Der Grundriß des Clubs gleicht einem Streichholz. Die Separée- und Bühnenfläche, der Kopf, bietet für solche akustischen Konzerte eine sehr intime Atmosphäre (so war das früher sicher auch schon, als Angelique und Karl-Heinz
noch in den roten Sitzecken saßen). Wie intim das war, merkte man immer dann, wenn der Sänger sich während der Lieder umguckte und einzelne Menschen betrachtete.

Er hatte keine neue Platte dabei, also spielte Pelle Carlberg ein Best-Of seiner drei bisherigen Alben, aber auch Musik von Edson und brandneue Stücke. Salt war eines von denen. "Ich habe mich jahrelang geweigert, über dieses wichtigste Thema in der
Musik zu singen aber vor sechs Monaten musste ich ein Liebeslied schreiben." Was vor einem halben Jahr war, weiß ich nicht, aber das Liebeslied war genau so, wie man sich eines von Pelle Carlberg vorstellt, ein romantischen Stück über Salz in Wunden, über gebrochene Herzen, ein sehr schönes Lied!

Vor dem Hit
Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls fragte der Sänger, ob es ok sei, danach eine kurze Pause zu machen, bevor es mit der zweiten Hälfte weiterginge. Wir könnten dann auf die Toilette gehen, ein Bier kaufen und danach weiter zuhören. Ich dachte, er müsse dringend seinen Tipp befolgen, Pelle nutzte die Pause aber nur, um sein Handy zu überprüfen, die lustigen Tanzschritte bei den Liedern vorher hatten nichts mit Harndrang zu tun. Da nach der Pause zweite 45 Minuten folgen sollten, war der Deal mit der Teilung ein wirklich guter.

Auch die zweite Hälfte hätte als vollwertiges Konzert durchaus getaugt. Enorm viele Hits, ein Edson Stück (I wanna be alone), ein sehr schönes neues Lied (Love Hertz)
über einen Unfall, den Pelle am Tag seines Konzerts vor zwei Jahren im Stevie Wonderland hatte. Er erzählte die Geschichte ausgiebig, so wie er viele Lieder und ihre Hintergründe beschrieb, sehr charmant, witzig und unterhaltsam. Bei dem Unfall auf der Luxemburger Straße hatte Pelle (mit dem Mietwagen) einen U-Turn versucht und ein anderes Auto gerammt. Deutsche machen aus so etwas einen Rechtsstreit, Schweden Lieder.

Als das zweite Teilkonzert und die beiden Zugaben (u.a. sein Cover des ungemein fiesen The Darkness Lieds
I believe in a thing called love) fertig waren, waren eine Stunde vierzig vorbei. Sehr viel tolle Musik für kleines Geld!

Mit der kommenden Platte wird Pelle Carlberg demnächst auch wieder nach Köln kommen. Dann zwar mit Band, aber das ist ja auch absolut nicht verkehrt.

Setlist Pelle Carlberg, King Georg, Köln:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: Birth! School! Dole! Angst! (Edson)
04: Fly me to the moon
05: Salt (neu)
06: I love you, you imbecile
07: 1983 (Pelle and Sebastian)
08: Skinnarviksberget (neu)
09: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

10: Because I'm worth it
11: Metal to metal
12: I wanna be alone (Edson)
13: Go to hell, Miss Rydell
14: Riverbank
15: Pamplona
16: Love Hertz (neu)
17: How I broke my foot and met Jesus
18: Middleclass kid

19: Crying all the way to the pawnshop (Z)
20: I believe in a thing called love (The Darkness Cover) (Z)

Links:

- Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09
- Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07




Mittwoch, 26. August 2009

Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09

3 Kommentare

Konzert: Pelle Carlberg
Ort: Stereo Wonderland, Köln
Datum: 25.08.2009
Zuschauer: vielleicht 80 (gut gefüllt)
Dauer: Pelle Carlberg gut 75 min, Henning Neuser 40 min


Warum höre ich eigentlich nicht ununterbrochen Pelle Carlberg CDs? Der nette Schwede hat auf seinen bisher drei Soloplatten unzählige Hits veröffentlicht, die es verdienten, dauernd gehört zu werden. Mein Vorsatz für das letzte Jahresdrittel ist also klar.

Gotteseidank sind nicht viele so musikvergesslich wie ich, denn letztendlich hatten
doch einige den Weg ins Stereo Wonderland gefunden. Für mich war vorher überhaupt nicht kalkulierbar, wie voll es werden würde. Ein überfülltes Stereo im Sommer gehört nicht in meine Top 100 der angenehmsten Orte, Konzerte zu sehen. Als ich etwa zeitgleich mit der Vorgruppe (mit dem Vormusiker besser) ankam, waren vielleicht 40 Leute da, nach und nach füllte es sich so weit, daß man zwar bequem Platz hatte, die Bar aber recht voll aussah - ein annehmbarer Kompromiß.

Auf der Plakatwand im Stereo Wonderland hingen die Konzertposter der letzten Monate. Alle hatten eines gemeinsam: den Namen Neuser, der auf zig Plakaten stand. Ich hatte die Kölner Band erst einmal gesehen, als sie im Bürgerhaus
Stollwerck für Klee eröffnete. Mit gleichem Hemd wie damals aber ohne Band hatte Henning Neuser (ich will immer Phillipp schreiben, irgendwie sieht Henning wie ein Phillipp aus) heute die selbe Aufgabe. Seine Band ersetzte eine Loopstation. Die erklärte er dann auch sehr bildhaft: "Ihr fragt euch sicher, ob das alles playback ist. Dazu kann ich nur sagen: Ja, ist es!" Bis auf kleinere Pannen mit einem roten Pedal, dem unter Strom stehenden Mikro und der Loopmaschine ("meine Band spielt verrückt!") funktionierte das alles ganz hervorragend. Henning Neuser spielte ein paar alte und viele neue Lieder (soweit ich das beurteilen kann), wobei mir besonders die schnelleren Sachen gefielen. Das war kurzweilig und voller Talent.

Auf der Bühne blieb allerlei interessantes Zeugs stehen, nachdem der Vorsänger abgeräumt hatte. Da standen zwei Glockenspiele
(sehr schöne, die ich noch nicht kannte), Gitarren, eine auf 90° gekippte Trommel und ein Koffer. Vor allem der Koffer neben der Trommel machte mich neugierig. Was da wohl noch für twee-e Instrumente drin sein würden. Es dauerte etwas, bis ich kapierte, daß der Koffer das Instrument war. Hinter ihm - wie hinter der Kipptrommel - stand eine Fußmaschine; das Gepäck war also vermutlich die Bassdrum. Bedient wurde dieses aufregende Schlagzeug von Jonathan, dem Begleiter Pelles. Außerdem spielte der Fußtrommler Bass und Mundharmonika und sang eine ganz wundervolle zweite Stimme.

Pelle Carlberg wirkte gut gelaunt und spielte einen Hit nach dem anderen. Die ersten sechs Stücke klangen schon wie ein best of des Schwedens. In seinen Liedern erzählt
Pelle Geschichten, die ihm offenbar alle passiert sind. Go to hell, Miss Rydell handelt zum Beispiel von einer sehr schlechten Kritik des letzten Albums von Pelles erster Band Edson, Metal to metal von einer Autopanne in Berlin und Fly me to the moon ("I'll never fly with you, Ryan") von seiner liebsten Fluglinie (das Lied ist so schön, daß es bei mir zu einem Ritual geworden ist, das an Bord meiner meistbenutzen Fluggesellschaft zu hören). Das allerdings sei eine gelogene Geschichte, sagte Pelle. Er sei mindestens 15 mal mit dieser Gesellschaft geflogen, seit er den Song geschrieben habe.

All die Entstehungsgeschichten erzählte Pelle Carlberg auch uns und amüsierte sich dann, wenn die Geschichte vorher länger als das Lied wurde!

Nach vielen großen Hits kam dann ein erstes Cover. Das macht er ja sehr gerne. "Guckt mal, ob ihr es erkennt!" Rocket man von Elton John war leicht zu identifizieren. Später bei den Zugaben hatte ich größere Mühe. Auch wenn er es hübscher machte, war das, was Pelle da spielte, eine große Scheußlichkeit - das konnte man ahnen. So wie das halbe Publikum mußte auch er immer wieder lachen, wenn besonders fiese Falsett-Stellen kamen. Eklig aber sehr unterhaltsam! "I love this song. The guy is a great
singer!" Ich bin sehr froh, daß I believe in a thing called love von The Darkness nicht in meiner Musiksammlung ist. Aber der hüpfende Pelle dabei war sehenswert!

"Was sollen wir denn noch spielen?" - "1983!" - "Ach
Gott, wir haben 1983 vergessen! Natürlich spielen wir das jetzt!" Und so kamen wir als zweite Zugabe in den Genuss des Hits über die Abenteuer von Pelle & Sebastian nachts im Stadtzentrum ihrer Heimatstadt Uppsala.

Jonathan und Pelle mussten danach noch einmal erscheinen und baten wieder um Wünsche für den zweiten Zugabenblock. "Etwas auf Schwedisch!" - "Ernsthaft? You asked for it..." Und dann spielte Pelle Carlberg ein Stück namens
Varannan vecka. Das Lied stammt von einer Platte, die der Familienvater gerade mit seinen Kindern aufgenommen hat. "Das ist eine Platte mit Kinderliedern, die Erwachsenentexte haben!" Da Varannan vecka offenbar "alle zwei Wochen" heißt, kann man das schon am Titel nachvollziehen.

Weil wir alle noch einmal mitsingen wollten, folgte ganz zuletzt noch Pamplona! Ich weiß gar nicht, was mir am besten gefallen hat. Eigentlich sind
Middleclass kid und Riverbank meine Lieblinge. Aber heute war alles fabelhaft! Und das, obwohl Pelle und Jonathan früher am Tag einen Autounfall hatten. Ich bin sehr gespannt, wie das Lied dazu sein wird!

Setlist Pelle Carlberg, Stereo Wonderland:


01: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
02: A tasteless offer
03: Fly me to the moon
04: Middleclass kid
05: Go to hell, Miss Rydell
06: Riverbank
07: I Love you, you imbecile
08: Metal to metal
09: Because I'm worth it
10: Bastards don't blush
11: Rocket man (Elton John Cover)
12: How I broke my foot and met Jesus
13: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

14: I believe in a thing called love (The Darkness Cover) (Z)
15: 1983 (Pelle & Sebastian) (Z)

16: Varannan vecka (Z)
17: Pamplona (Z)

Links:

- Pelle Carlberg am 23.11.07 im Subway in Köln
- mehr (orangefarbene) Fotos





Samstag, 24. November 2007

Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07

1 Kommentare

Konzert: Pelle Carlberg

Ort: Subway Köln
Datum: 23.11.2007
Zuschauer: knapp 100


Eigentlich hätte es ein Doppelkonzertabend sein sollen. Der Plan war, erst mit The Coral englischen Gitarrenrock und dann mit Pelle Carlberg besten schwedischen Pop zu sehen. Leider hat eine Erkrankung des Coral-Gitarristen diesen Plan durchkreuzt, es blieb aber mit dem schwedischen Singer/Songwriter ein echtes Highlight.

Um zehn, als es eigentlich losgehen sollte, war es im Subway noch nicht besonders voll. Es tröpfelten dann noch ein paar Leute ein, sodaß der untere Bereich des Clubs wenigstens ganz gut gefüllt war, als Pelle Carlberg gegen halb elf sein Konzert begann. Der ehemalige Edson-Sänger war im Mai zuletzt in Köln aufgetreten. Leider hatte ich das verpaßt, weil ich seine Platten, vor allem "In a nutshell" aber in den letzten Monaten immer wieder gehört habe, war ich sehr gespannt, wie die Musik live bei mir ankommt.

Pelle hatte zwei zusätzliche Musiker mitgebracht, einen Schlagzeuger namens Jonathan und Martin, einen Bassisten. Der Schlagzeuger hatte spätestens da bei mir gewonnen, als er ein Glockenspiel, das versteckt neben seinem Schlagzeug stand, spielte. Eigentlich kann man mich doch schnell glücklich machen. Aber dafür brauchte es auch keine Glöckchen, denn Pelle ist live genauso wundervoll wie auf Platte.

Die ersten drei Lieder stammten von seiner Debüt-LP "Everything. Now." Das erste Stück von "In a nutshell" mußte er erklären. Viele verstünden immer, es heiße "
Crying all the way to the pornshop", das Lied handele aber vom Weg zu einem Leihhaus, in dem man seine Gitarre versetzen müßte, um Geld zu bekommen (und sie später wieder zurückzukaufen). Danach folgte schon mein Liebling "Middleclass kid" (jedermanns Liebling, wie ich hinterher gehört habe). Leider wurde das, wie auch eigentlich das restliche Konzert dadurch versaut, daß hinten unten vor der Bühne unglaublich laut geredet und gegröhlt wurde. Ich habe mehr über die Qualitäten Kölns und andere interessante Sachen gehört, als von dem hervorragenden schwedischen Sänger vorne. Schade! Und eigentlich auch nicht ganz verständlich, wenn man zu einem Konzert geht. Pelle war das auch aufgefalln, er sagte, von vorne hätte er gemerkt, wie unruhig und laut der Raum vor der Bühne war.

Martin hatte dann größere Probleme mit seinem Bass. Er wollte erst weniger Bass auf dem Monitor, bekam aber zur Antwort, daß der gar nicht drauf wäre und verschwand am Anfang von "
I touched you at the sound check", um sich mit dem Soundmann zu beraten. Da das Lied schon begonnen hatte, spielte Pelle auf der Gitarre eine zweiminütige Schleife, bis Martin wieder da war...

Die beiden Mitmusiker hatten aber ihren großen Auftritt erst beim Hit "
Go to hell, Miss Rydell", denn da übernahmen sie herrliche Background-Parts. Was sie da sangen klang für mich wie die Rhythmus-Sequenzen (um es mal laienhaft auszudrücken) von Acapella-Bands. Das war unglaublich herrlich! Das Lied ist ja so schon wunderschön, den beiden bei ihrem Gesang zuzusehen, gab ihm aber einen besonderen Zusatzkick.

Mit "Clever girls..." endeten die Drei das Konzert. Ich hatte den Eindruck, Zugaben wären gar nicht vorgesehen, denn Pelle, Jonathan und Martin gingen schon zum Ausgang, diskutierten dann aber - noch im Publikum stehend - was folgen sollte. Pelle kam dann erst alleine auf die Bühne zurück und coverte "Grace Kelly" von Mika (mag ich überhaupt nicht, war so aber sehr erträglich). Anschließend kamen die beiden anderen zurück, um mit "Hit song" das letzte Lied des Abends zu spielen.

Wäre Pelle so resolut wie Anna Ternheim gewesen (die in Heidelberg eine Frau völlig zu recht rausschmeißen ließ, die dauernd reingerufen hat), wäre es ein noch schöneres Konzert gewesen. Aber auch so war es herrlich. Der Sänger aus Uppsala macht eine so wundvolle Popmusik, die natürlich immer wieder mit großen und (den gleichen) Referenzen verglichen wird (so war es auch kein Zufall, daß die ersten Lieder, die nach Ende des Konzerts liefen, "Everyday is like sunday" und "Boy with the Arab strap" waren), aber doch sehr eigen ist. Ach, herrlich!

Setlist Pelle Carlberg Subway Köln:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: Bastards don't blush
04: Crying all the way to the pawnshop
05: Middleclass kid
06: I touched you at the sound check
07: I love you, you imbecile
08: Go to hell, Miss Rydell
09: Riverbank
10: 14 80 20
11: Pamplona
12: How I broke my foot and met Jesus
13: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

14: Grace Kelly (Mika Cover) (Z)
15: Hit song (Z)


 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates