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Montag, 1. Juli 2013

Cat Power, Duisburg, 22.06.13

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Konzert: Cat Power
Ort: Kraftzentrale, Duisburg (Traumzeit Festival)
Datum: 22.06.2013
Zuschauer: vielleicht 2.000, am Ende weniger als die Hälfte
Dauer: gut 90 min



Ich mag Cat Power, ich bin aber kein riesiger Fan. Einige ihrer Platten (aber bei weitem nicht alle) besitze ich, ein Konzert hatte sich bisher aber nicht ergeben. Entweder war sie gerade in einer unzuverlässigen Phase oder sie hatte einen Gospel-Chor dabei, beides wäre kein guter Einstieg für mich gewesen.

Als bekannt wurde, daß Cat Power das Traumzeit Festival in Duisburg headlinen würde, stand für mich fest, daß ich die Amerikanerin dort nicht verpassen wollte - obwohl die Konkurrenz mit dem neuen Best Kept Secret Festival in Holland nicht klein war.


So schön das Traumzeitfestival auch ist - die Kulisse alleine ist wundervoll!, das Lineup gut - so wenig durchdacht erscheint der Zeitplan. Samstag spielten drei größere Namen, Cat Power, Get Well Soon und CocoRosie. Get Well Soon überschnitten sich aber zum großen Teil mit Cat Power, und weil ich die einen bereits zigmal und die andere noch nie gesehen hatte, konnte ich also nur ein paar Lieder meiner deutschen Lieblinge in der wundervollen Giesshalle angucken. Cat Power spielte in der Kraftzentrale, in der die Editors sich am Vorabend aus meiner Gunst gespielt hatten. Kurz vor Konzertbeginn der Amerikanerin war die Halle ähnlich gut gefüllt wie bei den Editors. Mir war bekannt, daß Chan Marshalls Alben auch in Deutschland Charterfolge waren. Daß ihretwegen so viele gekommen waren, hatte ich aber nicht gedacht.


Der Start des Konzerts war spektakulär schön. Nach der Intromusik Bad religion von Frank Ocean kam eine Gitarristin alleine auf die vernebelte Bühne, die an Chans Platz mit Räucherstäbchen dekoriert war, und spielte immer wieder die gleichen wenigen Töne. Irgendwann kam Cat Power dazu und stieg in The greatest ein. Obwohl das Lied noch lauter wurde, war diese Version wohltuend abgespeckt - keine Geigen, keine Background Sängerinnen. Ein Traum und eines der besten Livelieder, die ich dieses Jahr gesehen habe!

Mich auf die Schönheit der Musik zu konzentrieren, war aber nicht ganz einfach, weil ich unentwegt an Beverly Hills Cop II denken musste. Chan Marshall hat ihr Aussehen schon häufig geändert, der Brigitte Nielsen Look war mir neu und... - nunja, es muß ihr schließlich gefallen.


Mit The greatest war der beste Song bereits gespielt, das war schon während des Eröffnungsstücks klar. Aber auch danach blieb es (weitestgehend) sehr schön. Die meisten Lieder des Abends stammten von ihrem aktuellen Album Sun, das sie mit zwei Ausnahmen komplett spielte. 

Vor allen bei dem ruhigeren Stücken, die mit wenig Gitarren auskamen, wurde mir deutlich, daß meine Einschätzung, das Publikum sei wegen der Künstlerin da und kenne ihr Werk, vollkommener Blödsinn gewesen war. Um mich rum standen nur Festivalgänger, die Hintergrundmusik zum Bier suchten. Und als es in der Halle nicht mehr spannend genug war, gingen sie dann raus. Das machten so viele, daß Chan zur Hälfte des Konzerts den Saal schon ziemlich leer gespielt hatte. Ich habe wie gesagt keinen Live-Vergleich, bin aber sicher, daß es keine schöneren Versionen von Cat Powers Liedern gibt. Zuschauer, die auf einen Skandal hofften und enttäuscht wurden, kann ich mir beim besten Willen auch nicht ausmalen, es waren vermutlich wirklich in der Mehrzahl Leute, die sich das mal angucken wollten und dann in (für sie) nette und (für mich) laute Gespräche verfielen. So etwas macht wirklich sehr wenig Spaß und beeinträchtigt ein Konzerterlebnis, wie sehr auch immer man sich bemüht. 


Ob der Mittelteil des Konzerts jetzt wirklich deutliche Längen hatte, wie ich es empfand, oder ob das an meine fehlenden Aufmerksamkeit wegen der Idioten in meiner Umgebung lag... ich weiß es nicht. Lieder wie Bully (der Bonustrack von Sun) oder das Cover Angelitos negros empfand ich nicht als sonderlich spannend. Aber spätestens mit I don't blame you (dem Stück über Kurt Cobains Suicid) und dem wundervollen Metal heart hatte mich die blondierte Sängerin wieder.

Bevor mit Peace and love und Ruin zwei Sun-Stücke das Konzert nach anderthalb Stunden und ohne Zugaben beendeten, spielte Cat Power noch eine Merkwürdigkeit, ein Meshup, wie es auf Hip heißt (wir sagten früher "Medley") dreier Stücke, die ich im Leben nicht erkannt  hätte. Oh sweet nuthin' von The Velvet Underground, Never tear us apart von INXS und Shivers von Rowland S. Howard. Ich hätte aber auch gut und gerne geglaubt, es handele sich um einen Song, der von Chan selbst stamme.

Mich hat Cat Power halb begeistert zurückgelassen. Das Konzert hatte wirklich wundervolle Passagen, stellenweise hat es mich wenig berührt. Und was das Wolfsgeheul bei Manhattan soll, kann ich mir so gar nicht erklären!

Setlist Cat Power, Traumzeit Festival, Duisburg:

01: The greatest
02: Cherokee
03: Silent machine
04: Manhattan
05: Human being
06: King rides by
07: Bully
08: Angelitos negros (Pedro Infante Cover)
09: Always on my mind
10: 3, 6, 9
11: Nothin' but time
12: I don't blame you
13: Metal heart
14: Oh sweet nuthin' / Never tear us apert / Shivers (Velvet Underground / INXS / Rowland S. Howard Cover)
15: Peace and love
16: Ruin


Samstag, 22. Juni 2013

Editors, Duisburg, 21.06.13

9 Kommentare

Konzert: Editors
Ort: Landschaftspark Nord, Duisburg (Traumzeit Festival)
Datum: 21.06.2013
Zuschauer: 3.000 vielleicht
Dauer: gut 90 min




Mein achtes Editors Konzert war leider auch mein letztes.* Das, warum Lieblingsbands Lieblingsbands sind, die emotionale Bindung, ist vollkommen weg. Nachdem die Briten einige Lieder gespielt hatten, viele neue, aber auch Munich oder Bones, wurde mir schmerzhaft klar, daß mir das heutige Konzert vollkommen egal war und ich nur blieb, weil ich immer bleibe und halbe Konzerte hasse. Diese schmerzende Erkenntnis ist zwar auch eine Emotion, aber keine von der Sorte, die mich so oft in Editors Konzerte gehen ließ.


Ich habe die Band und ihre Auftritte geliebt, mag die erste Platte extrem, die zweite sehr und hatte mir die dritte (und die Tour dazu) damals noch schöngeredet. Daß mir dies mit The weight of your love, dem vierten Album, das bald erscheint, auch gelingen könnte, halte ich für ausgeschlossen, obwohl ich die neuen Stücke vorhin zum ersten Mal gehört habe. Ich möchte es auch gar nicht. Zu belanglos erschien mir das meiste. Und das beste Lied unter den neuen (Two hearted spider) ist ein netter Pop-Song, allerdings keiner, der zu den Editors passt. Die anderen trieften vor Pathos (Sugar) oder waren sterbenslangweilig (The phone book - kein Wunder! Wie soll ein Song über ein Telefonbuch auch sonst sein?). Das schlechteste der neuen Stücke war das mit dem schönsten Titel, Formaldehyde. In unserer Schule lief alle paar Monate der Schulelternsprecher durch die Anbauten, um zu schnüffeln, ob irgendwo Formaldehyd feststellbar sei. Das damals anzusehen, war spannender als das Lied zum Gift. Viel spannender!


Die Editors waren einer der Headliner des ersten Tages beim Traumzeit-Festival im Duisburger Landschaftspark, einem ehemaligen Zechengelände. Die Konzerte finden in der Giesshalle, der Kraftzentrale, der Gebläsehalle oder draußen vor dem Gasometer statt. 

Die Editors waren in der Kraftzentrale angesetzt. Diese eindrucksvolle 170 m lange Halle diente der Strom- und Hochofenwind-Erzeugung, als die Hütte noch im Betrieb war. Sie erinnert an die Bochumer Jahrhunderthalle, was wenig verwundert, da diese einen ähnlichen Zweck erfüllte.


Sehr passend zum Ort spielte als "Vorgruppe" der Knappenchor Homberg. Und herrlich klischeehaft kündigte dessen Dirigent gerade das Steigerlied an, als ich reinkam. Nach dem anschließenden Schnaps sang der Chor noch Amazing Grace als Zugabe.


Die herrlich dunkle Halle füllte sich danach recht flott. Wie ich später merkte, waren viele wegen der Editors da und nicht etwa Festival-Laufkundschaft.


Im vergangenen Jahr ist Gitarrist und Keyboarder Chris Urbanowicz ausgestiegen. An seinem Platz stand ein Synthesizer, der aber zunächst unbesetzt blieb, als die Band auf die Bühne kam. Auf der linken Seite der Bühne** stellten sich die beiden neuen Mitglieder Justin Lockey (Gitarre) und Elliott Williams (Keyboard, Gitarre und Anklatschen) hintereinander auf.


Daß mich die beiden ersten Stücke Sugar und A ton of love nicht beeindruckten, sah ich noch nicht als Problem an, es würden schon noch bessere Lieder der neuen Platte folgen. Die Engländer spielten auch eine ganze Menge der unveröffentlichten Stücke, einen Großteil des Albums, der Funke sprang aber nicht über, es blieb mau. Und es wurde mir auch wieder deutlich, daß auch die Titel der dritten Platte (vielleicht mit Ausnahme von Papillon, das aber ohnehin sehr untypisch ist), sehr viel schlechter als die frühen Stücke sind. Erstaunlicherweise (oder eben auch nicht) kamen gerade die Lieder von In this light... am besten an. Hier wurde am meisten mitgesungen und geklatscht.


Offenbar ist die Meinung, daß die frühen Editors die guten Editors waren, nicht weit verbreitet. Der Band wäre es zu gönnen, weil das dafür spricht, daß der Broterwerb noch eine Weile gesichert ist.

Der Synthesizer-Tisch rechts blieb lange unbesetzt. Als er dann erstmals
bespielt wurde, machte das nicht der neue Keyboarder sondern Tom Smith. Das über weite Strecken verwaiste Pult machte schmerzhaft bewußt, wie groß die Lücke ist, die Chris Urbanowicz hinterlassen hat. Aber die Musik, auch die alten Stücke, machten dies noch eine Spur deutlicher. Vielleicht bilde ich mir das bei Bullets oder The racing rats (schrecklich abgehetzt und mit stumpfem Beat!) auch nur, weil meine Laune von Lied zu Lied schlechter wurde - aber ich fürchte nicht.

Nein, das war nicht nur nichts, es läßt auch keine Hoffnung zurück, daß das Konzert (eines der ersten laut Tom) ein Ausrutscher war. Sobald sich genug Leute finden, die brav und begeistert mitmachen, wenn Animateur Elliott den Mitklatsch-Anfeuerer gibt, ist das Konzert schließlich toll für die. Für mich nicht. Eine gute Stimmung bedeutet eben leider noch kein gutes Konzert und sie konnte nicht über die mangelnde Qualität aller neuer Stücke hinwegtäuschen.

Vielleicht bis 2025, zum Jubiläum von The back room, ansonsten farewell...

Setlist Editors, Traumzeit Festival Duisburg:

01: Sugar (neu)
02: A ton of love (neu)

03: Munich
04: Bones
05: Two hearted spider (neu)
06: An end has a start
07: Bullets
08: Formaldehyde (neu)
09: Bird of prey (neu)
10: No sound but the wind
11: In this light and on this evening
12: Bricks and mortar
13: Eat raw meat = blood drool
14: Smokers outside the hospital doors
15: The phone book (neu)

16: Papillon (Z)
17: The racing rats (Z)
18: Honesty (neu) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Editors, Paris, 14.12.09
- Editors, Köln, 12.11.09
- Editors, Haldern, 08.08.08
- Editors, Melt!, 18.07.08
- Editors, Reims, 30.05.08
- Editors, Paris, 07.04.08
- Editors, Krefeld, 14.03.08
- Editors, Paris, 11.11.07
- Editors, Köln, 08.11.07
- Editors, Paris, 06.07.07
- Editors, London, 17.06.07
- Editors, Köln, 13.06.07
- Editors, Paris, 26.08.06


* es sei denn, sie spielten irgendwann eine The back room Jubiläums-Tour!
** vom Publikum aus




 

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