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Donnerstag, 5. November 2015

Beach House, Köln, 04.11.15

1 Kommentare

Konzert: Beach House
Ort: Gloria Theater, Köln
Datum: 04.11.2015
Dauer: Beach House knapp 90 min, Dustin Wong gut 30 min
Zuschauer: 400 - 500 (nicht ausverkauft)



Wie sage ich es am besten?
Beach House, das franko-amerikanische Duo aus Baltimore, hat sich in den letzten Jahren immer mehr in mein Herz gespielt. Wundervolle Platten, vor allem aber atemberaubend schöne Konzerte hatten da keine große Mühe. Als für 2015 ein neues Album angekündigt wurde, nahm ich also sehr vorfreudig auf. Bei den meisten Neuveröffentlichungen bin ich lahm. Ich höre keine Streams vorab, lasse mich nicht "bemustern" (schreibe ja auch nicht über Platten - das kann ich nämlich noch weniger) und brauche auch, wenn ich die Platte schließlich in der Hand halte, oft noch ewig bevor ich sie höre. Neue Musik auf Konzerten kennenzulernen, ist ja eh viel spannender (und spart Zeit), da sind wir Konzertjunkies uns wohl einig. Das Ende August erschienene Album Depression cherry habe ich daher zunächst einmal über viele Kritiken kennengelernt. Die meisten dieser Urteile waren wenig euphorisch, was meine Motivation hemmte, die Platte endlich zu hören. Bei Herzensangelegenheiten, bei denen man ahnt, daß es nicht mehr so passt, verdrängt man ja gerne mal alles weg. Bevor ich mich dann wirklich mit dem Album mit dem Samt-Cover beschäftigen konnte, erschien plötzlich im Oktober schon wieder eines (mit schönerem Cover und dem Titel Thank your lucky stars). 


Thank your lucky stars erhielt in meinem Umfeld bessere Noten, selbst habe ich die Platte bisher nur ins Regal geräumt. Ich muß auch beim Hören die Reihenfolge beachten.

Mein Konzertabend war also weniger von beachhousetypischer Vorfreude als von Skepsis geprägt. Daß noch dazu meine Konzertverabredungen nach und nach absagten ("wissen die mehr als ich?"), verkleinerte meine Unsicherheit nicht. 

Als ich um kurz vor acht im Gloria ankam, war der Saal noch sehr leer. Auf der Bühne stand ein Stuhl, auf dem ein einzelner Musiker mit Gitarre Platz nahm und etwas später anfing, ein Lied mit immer wieder aufgenommenen Gitarrenloops aufzubauen. Ich mochte das am Anfang (R.E.M.-Phase des Auftritts), irgendwann glitt der eine Song, den Dustin Wong spielte, aber immer mehr in die Gitarrenversion eines Mike Oldfield Megamixes ab. Ich war mit 13 (oder so) riesiger Mike Oldfield Fan, bin es aber nicht mehr, wie ich beim Vorprogramm feststellen musste. Gegen Ende des halbstündigen Sets sang Dustin noch (wortlos und sehr laut).

Der Umbau zu Beach House bestand vor allem darin, Beamer auf der Bühne aufzubauen bzw. auf den Hintergrund auszurichten. Als die Band um neun auftrat, bleib es auf der Bühne aber zunächst stockdunkel. Victoria Legrand und Alex Scally wurden von zwei weiteren Musikern begleitet, einem Keyboarder und Bassisten und einem Schlagzeuger (Skyler Skjelset und Graham Hill?).

Viele der ersten Lieder stammten von den beiden neuen Alben. Am Anfang war mit Walk in the park nur ein alter Liebling dabei. Es klang an diesem Abend alles restlos großartig, der Sound im Gloria war brillant. Und die (mir) neuen Stücke hatten sehr viel Beach House in sich, es war ein harmonisch-schönes Konzert, das ich sehr geliebt hätte, hätte ich die Band nicht vorher schon gesehen. Der Fluch der frühen Platten ist nämlich, daß Beach House Konzerte bisher eine Aneinanderreihung von Riesenhits war. Natürlich ist es unfair und vermutlich auch unseriös, wenn ich über Lieder urteile, die ich vorher noch nie gehört hatte. Aber von den vielen mir unbekannten Stücken bleib keines hängen, wie das Myth, Lazuli, Norway, Zebra, New year, Irene, Wishes, 10 mile stereo und die vielen anderen taten. Es war nicht etwa so, daß die Beach House Ästhetik  bei den Stücken der beiden 15er Platten fehlte, sie klangen alle sehr schön, keines hatte aber den besonderen Pfiff, um es irgendwann in die Reihe oben einzuordnen.

Victoria und Alex verzichteten offenbar ganz bewußt auf viele ihrer Standards. Ein Beach House Konzert ohne Zebra oder Lazuli erschien mir bisher unmöglich zu sein.  Ob es daran lag, daß die Tour keine bloß zu einem Album ist oder an bewußtem Verzicht auf die immer gleichen ollen Kamellen, kann ich natürlich nicht beurteilen. Daß aber gerade die in meiner Wahrnehmung größten Hits fehlten, fand ich komisch.

Den jüngeren Lieder gegenüber war es ungerecht, ans Ende des Abends - als zweite Zugabe - Irene zu setzen. Der Song von Bloom (2012) war herrlich lang, wurde immer lauter und machte deutlich, was für große Songschreiber Victoria und Alex sind. 

Noch etwas war komplett anders als bei meinen ersten Beach House Konzerten... Sängerin Victoria sprach. Bisher hatte ich die lockige Frau wortkarg in Erinnerung, in Köln sprach die Frau dauernd. Sie war blendend gelaunt, antwortete auf Zurufe, fragte, ob das Gloria wirklich früher ein Pornokino gewesen sei und welche Filme da gelaufen seien (auf die Antwort eines Zuschauers reagierte sie mit "you teach me dirty stuff") und überbrückte technische Probleme mit Geplauder über Sprachen in anderen Ländern.

Nein, das war nicht mein bestes Beach House Konzert. Objektiv (bin ich nicht) war es sicher ein gutes, mir fehlte all der verhutschelte Zauber (puh...) früherer Auftritte.

Setlist Beach House, Gloria, Köln:

01: Levitation 
02: Beyond love 
03: Walk in the park 
04: PPP 
05: All your yeahs 
06: Silver soul 
07: Space song 
08: Gila 
09: 10 mile stereo 
10: The traveller 
11: Master of none 
12: Sparks 
13: One thing 
14: Myth 

15: 10:37 (Z) 
16: Irene (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beach House, Esch-sur-Alzette, 21.03.13
- Beach House, Köln, 16.11.12
- Beach House, Frankfurt, 29.08.12
- Beach House, Duisburg, 28.08.12
- Beach House, Paris, 26.08.12
- Beach House, Barcelona, 03.06.12
- Beach House, Paris, 29.05.12
- Beach House, Köln, 14.11.10
- Beach House, Paris, 04.11.10
- Beach House, Frankfurt, 16.08.10
- Beach House, Paris, 03.06.10
- Beach House, Paris, 20.02.10
- Beach House, Paris, 24.05.08



Freitag, 22. März 2013

Beach House, Esch-sur-Alzette, 21.03.13

1 Kommentare

Konzert: Beach House
Ort: Rockhal Club, Esch-sur-Alzette (Luxemburg)
Datum: 21.03.2013
Zuschauer: vielleicht 600
Dauer: Beach House 68 min, Sun Glitters 30 min



Liebes Tagebuch,

gut, daß es Dich gibt. Denn Du verstehst die Probleme eines Konzertabhängigen und hörst zu, ohne mitleidig die Augenbrauen zu heben. Du kannst meinen Ärger nachvollziehen, als ich erfahren hatte, daß meine Vorfreude auf Beach House in Luxemburg verfrüht war, weil ich an dem Tag ein anderes Konzert hatte - und meine Erleichterung, als Claudia Brücken, die Propaganda-Sängerin, ihre Tour verschieben musste, und Beach House damit wieder möglich machte. Und die erneute Erleichterung, dann das Crossroads Festival in Bonn mit Get Well Soon vergessen zu haben, denn wenn ich daran gedacht hätte, wäre da wieder eine schwierige Abwägung zwischen zwei Lieblingen nötig gewesen. Versteht man nicht, oder? Mein Tagebuch versteht das! Deswegen mag ich es so.


Was soll ich noch erzählen, nachdem ich 2012 vier hochklassige Beach House Konzerte gesehen und beschrieben habe? Bei Wild, dem Eröffnungsstück, war ich sehr unsicher, ob ich es mit der Band nicht langsam übertrieben habe, ob sie mir nicht anfängt, aus dem Hals zu hängen. Immerhin war die Bühnendeko anders als im vergangen Jahr. Statt der hochkant aufgestellten Lattenroste mit eingebauten Ventilatoren (siehe Archivberichte von Duisburg und Frankfurt), gab es eine Konstruktion aus unterschiedlich hohen Streifenvorhängen. Wie bei der letzten Tour war dies ein Weg, mit einfachen Mitteln viel Effekt zu erzeugen. Beach House beschäftigen offenbar einen sehr begabten Bühnendekorateur, der mit kleinen Budgets die hübschesten Hasen aus dem Zylinder zaubert.

Irgendwann wurde es bei Wild ein wenig heller, vorher hatte man die drei Musiker nur schemenhaft gesehen. Das Licht präsentierte die nächste Neuerung: Victoria Legrand trug 2012 ausschließlich einen zweireihigen Blazer mit Schulterpolstern, heute war es eine blaßgrüne Jeansjacke. Außerdem schien sie ihre Haare etwas gelichtet zu haben. Diese Beobachtungen waren der fehlenden großen Aufmerksamkeit beim Eröffnungslied geschuldet. Aber sie sind auch beruhigend. Beach House entwickeln sich weiter, auch wenn es nur Äußerlichkeiten waren. Aber so war eben schon einmal vieles anders als zuletzt.


Die acht (!) Lieder nach Wild waren brillant, mit den ersten Takten von Other people war ich angesteckt und wieder voll drin in der grandiosen Musik dieser Band, die für mich in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist, nachdem ich am Anfang mit ihr ziemlich gefremdelt hatte. Also irgendwie so, wie der Verlauf des Konzerts heute.

Was war bei diesen glorreichen Acht (Other people, Lazuli, Norway, Silver soul, The hours, New year, Zebra, Wishes) hervorzuheben? Bei Lazuli gab es eine Projektion auf die Dekokonstruktion hinter der Band, die mir neu war. Ich deutete die bunten Farben als den namensgebenden Stein, ähh, das namensgebende Mineral (vgl. hier), es sah auf jeden Fall hübsch aus. The hours hatte einen besonders sexy gehauchten Anfang! Und diese Stelle bei New year, wenn die Tonart nach oben transformiert wird, ist immer der beste Moment eines Konzerts der Amerikaner.

Heart of chambers von Devotion war das besondere, überraschende Lied des Sets, ein feststehendes Element der Band. Allerdings ist das Stück auch im Vergleich zu den Ohrwürmern ein wenig schlicht. Es bremste den Schwung etwas ab, vermutlich vollkommen beabsichtigt.

Denn mit den finalen vier Stücken drehten Beach House im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal richtig auf. Jedes der Lieder wurde zum Ende hin enorm laut, Myth und 10 mile stereo ganz besonders!

Victoria hatte die Jeansjacke irgendwann gegen eine silberne Pailletten-Jacke ausgetauscht, die aber auch irgendwann wegkam. Dafür glitzerte die Rückwand immer häufiger. Auch hier waren die Mittel wieder einfach aber sehr wirkungsvoll! Beim grand finale, bei Irene, blitzten Stoboskop, Lichtstrahlen dahinter, der funkelnde Streifenvorhang um die Wette, während laute Explosions-In-The-Sky Gitarren musikalisch strahlten - umwerfend!

Heute morgen bekam ich bei Facebook um die Ohren gehauen, daß die Foals seit Jahren nur noch langweilig seien. Bei Beach House ist das vielleicht auch Hipsters Meinung. Auf so etwas gebe ich nichts. Das war heute wieder ein großer Knüller einer Band, ohne die es nicht geht.

Und jetzt klappe ich Dich für heute zu, liebes Tagebuch.*

Setlist Beach House, Rockhal, Esch-sur-Alzette:

01: Wild
02: Other people
03: Lazuli
04: Norway
05: Silver soul
06: The hours
07: New Year
08: Zebra
09: Wishes
10: Heart of chambers
11: Take care
12: Myth
13: 10 mile stereo
14: Irene

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beach House, Köln, 16.11.12
- Beach House, Frankfurt, 29.08.12
- Beach House, Duisburg, 28.08.12
- Beach House, Paris, 26.08.12
- Beach House, Barcelona, 03.06.12
- Beach House, Paris, 29.05.12
- Beach House, Köln, 14.11.10
- Beach House, Paris, 04.11.10
- Beach House, Frankfurt, 16.08.10
- Beach House, Paris, 03.06.10
- Beach House, Paris, 20.02.10
- Beach House, Paris, 24.05.08

* Sun Glitters, das Vorprogramm, war ein einzelner DJ, der ein halbstündiges Stück spielte, dazu Knöpfe drehte und tanzte. Auf der Vorderseite seines Pults liefen Animationen. Klingt das spannend? War es nicht.





Samstag, 17. November 2012

Beach House, Köln, 16.11.12

2 Kommentare

Konzert: Beach House
Ort: Gloria, Köln
Datum: 16.11.2012
Zuschauer: 700 (wild geraten - nicht ausverkauft, eher angenehm voll)
Dauer: 80 min 



Als ich zum ersten Mal vor ein paar Jahren von Beach House gehört habe und über ein paar ihrer geleierten Lieder gestolpert bin, hätte ich nie vermutet, mir die Band irgendwann ganz regelmäßig freiwillig anzusehen, ich fremdelte extrem. Heute habe ich mein viertes Beach House Konzert in knapp sechs Monaten gesehen und würde vermutlich nächste Woche auch wieder hingehen, wenn sich die Gelegenheit böte! Keine Liebe auf den ersten Blick (wie so oft), aber dafür mitterweile eine sehr intensive.


Das heutige Konzert gehört noch zur Bloom-Tour, also zum im Mai erschienenen vierten Beach House Album. Darin steckte auch mein Risiko, schließlich hatte ich das bereits dreimal gesehen, der Start mit Crockett's Theme von Miami Vice, die Setlisten mit den immer gleichen (und bei aller berechtigter Euphorie ja nicht wahnsinng unterschiedlichen) Liedern; das hätte sehr langweilig werden können, weil ja auch nicht schrecklich viel auf der Bühne passiert. War es aber nicht, auch wenn nicht so viel anders als im August war.


Langweilig war nur die Wartezeit vorher. Ich hatte mir nicht die Zeit genommen, in Holy Other (Manchester) reinzuhören, wusste also nicht, was mich erwartete. Als ich im Gloria ankam, spielte der Musiker schon. Spielte trifft es aber nicht richtig, er drückte Knöpfchen an seinem Synthie und erzeugte wenig aufregende elektronische Instrumental-Musik. Ich hatte den Fehler gemacht, auf der Hinfahrt Kraftwerk zu hören, aber auch ohne diesen gemeinen Vergleich wäre Holy Other nichts gewesen. Öde und unpassend.

Und dann Beach House...


Beim zweiten Stück Walk in the park wurde des Trio in ein grün-gelbes Licht getaucht. Durch die aufrecht aufgestellten Lattenroste im Hintergrund der Bühne, die von hinten beleuchtet wurden, und hinter denen Ventilatoren stehen, enstand die Original-Optik von 80er Jahre Hitparade-Auftritten! Denen ist Sängerin Victoria Legrand ja auch entsprungen, die Bühne war also passend zum Outfit der Frontfrau dekoriert. Das machte schon ohne die Musik Sinn, zu den Liedern, die so viel Anregungen in der Musik der 80er gefunden hat, umso mehr! Sehr toll dabei war diesmal das Licht und der vollkommene Verzicht auf doofen Bühnennebel. Soviel wie heute habe ich bei keinem meiner bisherigen Beach House Konzerte gesehen.

Das Programm bestand zu etwa gleichen Teilen aus Songs der beiden letzten Alben (Bloom, Teen Dream) und Heart of chambers von Devotion (2008). Weil sich viele der Lieder sehr ähneln, und es selten Pausen zwischen ihnen gab, hatte das Konzert einen herrlichen Fluß. Nur die Phase in der Mitte mit Heart of chambers und Silver soul war etwas lahmer, der Rest des Konzerts bestand ausschließlich aus großen Hits!


Natürlich ist Victorias tiefe, leicht gelangweilte Stimme das prägende Stilelement der Amerikaner. Mir fiel aber heute besonders auf, wie grandios die Gitarre ihres Partners Alex Scally ist; eigentlich ist das das mit Abstand beste an Beach House! Wenn die Instrumente der drei Musiker dann noch so exzellent abgemischt sind, ist ein Konzert zwangsläufig hervorragend! Der Schlagzeuger der Band (Daniel Franz?) schüttelte zwar mittendrin einmal energisch den Kopf, mir war aber nichts aufgefallen, was nicht geklappt haben könnte. Lediglich bei zwei Liedern möchte ich nörgeln: Norway (das ich früher gehasst habe, über das ich dann aber auch den Einstieg in meine Liebe zu Beach House gefunden habe), klang schon wieder lustlos. Den Eindruck hatte ich auch in Duisburg. Es wirkte nach einem lästigen Lied, das man halt spielen muß. Norway war immer noch toll, aber mit angezogener Handbremse.

Bei Other people hatte ich das Gefühl, der Gasang werde immer langsamer und würde irgendwann wie ein Auto ausrollen und stehenbleiben. Das war eher komisch als schlecht, aber schon auffällig.


Eigentlich hatte ich das Konzert nicht mehr eingeplant. Den immergleichen Kram anzugucken, ist weder spannend noch gut fürs Hirn. Und gerade im November ist so viel, daß ich mir fest vorgenommen hatte, etwas kreativer bei der Konzertauswahl zu sein. In den letzten Tagen, beschleunigt durch Zebra, das als letztes Lied vor Daughter in Luxemburg lief, hat mich die Beach House Lust aber wieder so richtig gepackt. Vollkommen berechtigt, denn das Konzert war wundervoll!

Setlist Beach House, Gloria, Köln:

01: Wild
02: Walk in the park
03: Other people
04: Lazuli
05: Norway
06: Heart of chambers
07: Silver soul
08: The hours
09: Zebra
10: New year
11: Wishes
12: Take care
13: Myth

14: Real love (Z)
15: 10 mile stereo (Z)
16: Irene (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beach House, Frankfurt, 29.08.12
- Beach House, Duisburg, 28.08.12
- Beach House, Barcelona, 03.06.12
- Beach House, Paris, 29.05.12
- Beach House, Köln, 14.11.10
- Beach House, Paris, 04.11.10
- Beach House, Frankfurt, 16.08.10
- Beach House, Paris, 03.06.10
- Beach House, Paris, 20.02.10
- Beach House, Paris, 24.05.08


Mittwoch, 5. September 2012

Beach House, Rock en Seine, 26.08.12

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Konzert: Beach House
Ort: Scène de la pression live, Domaine National de Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 26.08.12, 21 Uhr
Zuschauer: Tausende
Konzertdauer: eine knappe Stunde



Nie hätte ich damals (am 24. Mai 2008) gedacht, daß die mal so groß werden würden, niemals! Ich stand da fast alleine in der ersten Reihe der Pariser Maroquinerie und guckte mir Beach House (Archivfoto rechts) als Vorgruppe von Scout Niblett an. Ein Strandhaus ist ja grundsätzlich ein eher kleines Gebäude, warum also sollte aus dieser Ferienresidenz denn dann auch einmal ein Palast werden?

Aber lassen wir die Anspielungen auf den Namen Beach House und ihre Berühmtwerdung und kommen zum Wesentlichen. Sängerin Victoria LeGrand nämlich. Die ist einfach absolut außergewöhnlich. Da ist zunächst ihr Stil. Weite, sehr elegante Anzugsweste, die ihr einen persönlichen Stil gibt, wallende Lockenmähne und Augen, die man unter den Haaren nicht sieht, so daß der Mythos um die Person gewahrt wird. Man kann nicht sprichwörtlich durch die Augen auf den Grund ihrer Seele schauen. Keine Ahnung wie sie tickt, sie bliebt immer entrückt und unnahbar, steht schon auf der Bühne immer weit hinten und ist höllisch schwer ordentlich abzufotografieren. Mittels ihrer einzigartigen Stimme aber vermittelt sie Gefühle, die so ungefiltert und direkt auf den Hörer einprasseln, daß dieser oft total geplättet ist und Sternchen sieht. Dieses langgezogene Hauchen, aber auch das tiefe Greinen, diese Verletzlichkeit, der Stolz der zum Ausdruck kommt, einfach unwiderstehlich! Das geht einem ganz nahe.


Natürlich hat Victoria auch beim Festival Rock en Seine 2012 bei Paris mit diesen Qualitäten wieder voll gepunktet, wenngleich das Konzert nicht durchgängig magisch war.

So plätscherte beispielsweise Norway, der Hit des Vorgängeralbums Teen Dream, in der Anfangsphase etwas trostlos vor sich hin und auch Other People blieb ein wenig stumpf.


Dann aber kamen Beach House in Fahrt. Lazuli betörte mit hell leuchtenden Synthieklängen und Used To Be brillierte mit seinem locker leichten Rhythmus und einer Victoria LeGrand, die nun warm geworden war und ihren Gesang phasenweise sekundenlang zog, als wolle sie uns alle mit ihrer Schwebestimme einwickeln und in ihr Traumreich mitrunterziehen. Nun fluschte es und auch die Gitarrem von Alex Scally erreichten immer luftigere, ja schwindelerregende Höhen.


Auch die Rahmenbedingungen stimmten, es war eine laue Sommernacht, man hatte genug Bewegungsfreiheit und eine kleine Brise wehte einem angenehm um die Nase. Hier gab es kein sardinenhaftes Gedränge wie in den kleine Indieclubs und sein T- Shirt vollschwitzen musste man auch nicht.

Genuß pur also und volles Aufgehen in dem leiernden Orgelsound mit der starken Eighties-Note. Schwelgen zu Myth, dem absolut besten Track des leicht enttäuschenden neuen Albums (alles ist relativ) Bloom, bei dem dem Bombast keine Grenzen gesetzt wurden. Die Gitarre von Alex und die Stimme von Victoria jagten fast zeitgleich Richtung Mond und die Orgel ließ sich auch nicht lumpen und stieg gleich noch mit auf die donnernde Rakete.

Verträumter, aber mit einer erneuten Phase, in der Victoria ihre Stimme bis zur Besinnungslosigkeit in die Läne zog, ging es dann mit 10 Miles Stereo weiter, bevor mit Irene ein fast postrockiger, ungewohnt noisiger Abschluß gelang, bei dem Victoria ihre Haare wie so oft wild durch die Luft schüttelte.


Das Duo, bereichert um einen gerade am Ende etwas zu wuchtig agierenden Drummer (klopfte er da einen Teppich oder was?), ließ sich zu Recht feiern und verschwand schon wieder in Richtung eines neuen Festivals.

Kein Zweifel, die werden noch größer. Aus dem Strandhaus wird noch eine riesige Strandanlage mit mehreren Luxustempeln!

Setlist Beach House, Rock en Seine 2012:

01: Wild
02: Norway
03: Other People
04: Lazuli
05: Used To Be
06: Silver Soul
07: The Hours
08: Zebra
09: Wishes
10: Myth
11: 10 Mile Stereo
12: Irene

Aus unserem Archiv:

Beach House, Frankfurt, 29.08.12
BeachHouse, Duisburg, 28.08.12
Beach House, Paris, 29.05.12
Beach House, Köln, 14.11.10
Beach House, Paris, 04.11.10
Beach House, Frankfurt, 16.08.10
Beach House, Paris, 03.06.10
Beach House, Paris, 20.02.10
Beach House, Paris, 24.05.08




Donnerstag, 30. August 2012

Beach House, Frankfurt, 29.08.12

2 Kommentare

Konzert: Beach House
Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 28.08.2012
Zuschauer: mindestens 300 (ausverkauft)
Dauer: Beach House gut 75 min, Jack November knapp 30 min


Schon wieder Beach House, muß das sein? Ehrlich gesagt hat sich mir die Frage nach dem Konzert gestern im Grammatikoff in Duisburg nicht mehr gestellt. Das Ticket für das ausverkaufte Konzert in Frankfurt hatte ich schon eine Weile, ich wäre es aber auch leicht noch losgeworden, wenn das Duisburger Konzert keinen erneuten Ausflug gerechtfertigt hätte. Weil ich aber so berechenbar bin, drehte sich mein gestriger Konzertkumpel nach den letzten Klängen von Irene schon zu mir um und sagte "du gehst morgen auch, oder?" Ja, natürlich.

Die extrem zuvorkommenden Duisburger Veranstalter hatten vorbildhaft über den Zeitplan des Konzerts und eine kurzfristige Verschiebung informiert, aus den Bett-Leuten war leider nichts an Informationen zum Ablauf rauszukitzeln. In Frankfurt fangen Konzerte eher spät an, ich wollte aber die Vorgruppe Jack November ganz gerne sehen, die ich 2010 in Köln auch schon als Support von Beach House gesehen hatte. Ich vermutete, daß es um neun losgehen würde, konnte auch kaum früher da sein. Es waren schließlich zehn Minuten, und ich betrat das Bett genau pünktlich zu den ersten Tönen der jungen Daniela Moos, die als Jack November reichlich düstere Musik macht. Damals hatten es mir die Lieder, die einen monotonen Grundton haben, durchaus angetan. Es klang ein wenig nach Anika oder Soap and Skin. Auch heute begleitete sich Daniela nur mit einem Harmonium selbst. Lediglich für ein Lied verließ sie ihren Hocker, stellte sich ans Mikro und sang zu einem an Portishead erinnernden Rhythmus vom Band. Ein tolles Lied! Insgesamt war es mir heute aber eine Spur zu dröge, auch wenn die Musik durchaus reizvoll ist. Allerdings war die Künstlerin auch eine Spur zu verhutscht. Nur ein gehauchtes "tschüß" am Ende und ein fluchtartiger Abgang von der Bühne, das kam nicht richtig gut an, bekam ich in meiner Nähe mit.

Knapp 30 Minuten hatte das Vorprogramm gedauert. Es war mittlerweile nicht mehr nur sehr warm, es war unerträglich heiß. An die offene Tür wollte ich mich aber nicht stellen, weil ich keine Lust auf quatschende oder spät kommende, drängelnde Menschen hatte. Also leider auf die andere Seite, mitten in die Sauna. Während des Konzerts lief allen der Schweiß in Strömen von der Stirn. Vor mir stand ein Mensch mit Handtuch um den Hals. Das sah albern aus, war aber clever. Läßt man bei ähnlichen Temperaturen einen Hund in seinem Auto, wird man sehr sicher angezeigt. Hier haben einige hundert Menschen das freiwillig ertragen. Verrückte Welt. Das Bett hat eine schöne Bühne, eine gute Sound- und Lichtanlage aber keine anständige Lüftung.

Der Club in der Schmidtstraße feiert diese Woche Geburtstag. Seit sieben Jahre gibt es das Bett, erst in Sachsenhausen, seit einiger Zeit in einem Gewerbegebiet im Gallusviertel. 2007 war ich zum ersten Mal in dem ursprünglich sehr kleinen Innenstadt-Club, seitdem haben wir eine Menge guter Konzerte in den beiden Betten gesehen. In der Geburtstagswoche finden sieben Konzerte bzw. Parties statt, das heutige war das dritte, nachdem bereits Bodi Bill aufgetreten war und Cäthe morgen spielt.

Als der Soundcheck erst um zwanzig vor zehn begann, stöhnte ich innerlich, weil ich mit einem Beginn nicht vor zehn rechnete. Glücklicherweise dauerte der letzte Checkup nur noch ein paar Augenblicke, und die Band erschien kurz danach.

Das Programm war das gleiche vom Vortag, das war erwartbar. Allerdings fehlte die kleine schwächere Einlaufphase, Victoria, Alex und Dan waren sofort in vorzüglicher Form. Norway, das in Duisburg noch ein wenig lieblos daherkam, funktionierte im Bett wieder blendend und war mit dem nachfolgenden Other people ein frühes Highlight. Auch wenn der Sound im Grammatikoff schon sehr gut war, punktete die Anlage des Betts hier besonders. Akustisch war der Abend ein Hochgenuß! Glasklare Songs, Wucht an Stellen, denen Wucht guttut, perfekte Gitarrenklänge und die eindrucksvoll präsente Stimme von Victoria, das kann man sicher nicht viel besser hinbekommen. Auch das Licht (oder die optische Atmosphäre, das klingt mehr nach Musikjournalismus) schienen mir mehr den Vorstellungen der Band zu entsprechen als am Vorabend, es war deutlich düsterer und nebliger. Natürlich ist das zum Fotografieren ärgerlich, entspricht aber dem Konzept der Band.

Der Mann mit dem Handtuch hatte mittlerweile aufgegeben, so wie einige andere auch und war raus oder Richtung eines Luftzugs gegangen. Ich hatte irgendwann Glück und ein paar Frauen neben mir, die sich mit Pappstücken Luft zufächerten, und hatte damit eine Passivlüftung. Auch die Band litt mit. "Wenn es euch zu heiß ist, macht doch eine kurze Pause und geht kurz raus," riet die Sängerin, nachdem sie selbst über die Hitze geflucht hatte. Später erkundigte sie sich "are you alive", obwohl ihr die Begeisterung am Ende der Stücke nicht entgangen sein kann (Klatschen war aber auch aus einem anderen Grund toll, es bewegte die Luft). Gitarrist Alex beschrieb die Anstrengungen, die sein Instrument und die Metallsaiten bei den Temperaturen für die Finger bedeutete.

Die Setlist - überhaupt die Auswahl der Lieder - kann man sicher nicht besser machen, es gibt da keinerlei schwächere Phasen. Daher ist die fehlende Abwechslung verziehen. Auf der größeren Tour im Herbst kann Beach House ja ein wenig variieren.

Am zweiten Tag in Folge ist noch viel verwunderlicher, wie extrem kurzweilig das 75minütige Programm war! Das Trio aus Baltimore (Victoria ist bekanntlich aber gebürtige Französin) flog nur so durch seine Hits. Diesmal war es das Ende, das mich besonders begeisterte, weil ab Myth alles noch eine Spur lauter und druckvoller wurde. Bei der ersten Zugabe 10 mile stereo war dies besonders fabelhaft! Welch ein Highlight! Aber auch Irene als Abschluß (bei dem ich diesmal nicht warten wollte, ob wie auf Platte nach 12 Minuten noch der hidden track kommt) war vorzüglich - ach, das waren sie ja alle. Musikalisch unterm Strich noch einmal eine Spur besser als das Konzert am Dienstag (Duisburg war Blake, Frankfurt Bolt), dafür war das Duisburger Ausverkauft eine ganze Ecke angenehmer. Aber natürlich war es eine gute Idee, Beach House noch einmal zu sehen. Beim nächsten Mal dann eben auch mit Handtuch, passt ja auch thematisch.


Setlist Beach House, Das Bett, Frankfurt:

01: Wild
02: Gila
03: Norway
04: Other people
05: Lazuli
06: Used to be
07: Silver soul
08: The hours
09: New year
10: Zebra
11: Wishes
12: Take care
13: Myth

14: 10 mile stereo (Z)
15: Irene (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beach House, Duisburg, 28.08.12
- Beach House, Barcelona, 03.06.12
- Beach House, Paris, 29.05.12
- Beach House, Köln, 14.11.10
- Beach House, Paris, 04.11.10
- Beach House, Frankfurt, 16.08.10
- Beach House, Paris, 03.06.10
- Beach House, Paris, 20.02.10
- Beach House, Paris, 24.05.08




Mittwoch, 29. August 2012

Beach House, Duisburg, 28.08.12

4 Kommentare

Konzert: Beach House
Ort: Grammatikoff, Duisburg
Datum: 28.08.2012
Zuschauer: ca. 250 (ausverkauft)
Dauer: 75 min


Beach House und ich, wir brauchten eine Weile, um uns zu mögen. Vor ein paar Jahren konnte ich den aufkommenden Wind um die Band aus Baltimore ganz und gar nicht verstehen. Mittlerweile hat sich meine Zuneigung fundamental geändert, und ist (auch) durch das aktuelle Album Bloom noch einmal deutlich größer geworden. Im Frühjahr hatten wir Gelegenheit, Teile der Platte schon live zu sehen: das amerikanische Duo Victoria Legrand und Alex Scally spielte u.a. in Paris und beim Primavera Festival. Der Auftritt in Barcelona hatte mich vor allem wegen der Mischung aus glasklarer, wundervoller Musik und der kühlen Entrücktheit der Band im 80er Jahre Design ihrer Bühne vollkommen begeistert. Daß ich mir zumindest eines der beiden kleinen Clubkonzerte im August nicht nehmen lassen wollte, war also wenig überraschend.

Im Duisburger Grammatikoff war ich noch nie, auch im Vorgängerladen nicht. Seit November 2011 wird der Club von den neuen Betreibern geführt und offenbar sind hier Menschen am Werk, die etwas von Konzerten verstehen. Wegen der doofen Anreise hatte ich bei Facebook gefragt, wann es losgehe und ob es eine Vorgruppe gebe. Ganz schnell kam auf beides Antwort. Einige Stunden vor dem Konzert dann
ergänzt um die Information, daß der Tourbusfahrer angerufen habe und eine längere Pause brauche, daher verschiebe sich der Konzerttermin um eine halbe Stunde nach hinten, auf schlaffreundliche 21 Uhr.

Wir kamen kurz vor acht am Grammatikoff an und setzten uns in den Biergarten vor dem Haus. Der Einlass begann gerade, die Schlange war aber entschieden zu lang. Mich ließ das extrem locker, weil ich damit rechnete, daß es ekelhaft voll werden würde und wir von der Band eh nichts sehen würden, weil sie sich gerne in Nebelbänke einhüllt und auch aus der ersten Reihe nicht wahrnehmbar sein würde. Also ruhig spät reinkommen und dann hinten irgendwo ans Mischpult. Die Strategie ging nicht auf, denn im kleinen Saal im ersten Stock war noch luftig viel Platz. Ein Teil der Schlangesteher war nach oben auf eine Empore gegangen, der Rest verteilte sich in dem kleinen Raum so angenehm, daß wir zwangläufig doch nach vorne konnten. Das würde an der Sicht nicht viel ändern aber besser Nebel als Hinterköpfe.

Um kurz vor neun zog ein Helfer als letzte Vorbereitung Bettücher von der Bühnendeko. Die aus parallelen weißen Streben bestehenden Objekte an der Rückwand hielt ich für State of the art Lichtelemente, die durch die Tücher vermutlich noch vor Luftfeuchtigkeit geschützt werden müssten. Aber gleich sollte ich das ja genauer erleben.

Victoria und Alex kamen gemeinsam mit Tour-Schlagzeuger Dan Franz auf die Bühne. Vor dem (Dan) hatte ich ein wenig Angst, denn Oliver hatte vom Auftritt bei Rock en Seine am Wochenende berichtet, daß das Schlagzeug arg dominant gewesen sei. Bei fragilen Sound der Amerikaner kann so etwas ein Konzert sehr schnell kaputtmachen. Glücklicherweise war diese Angst unbegründet. Der Sound war nicht nur ausgewogen, er war für einen Club dieser Größe sogar außergewöhnlich gut!

Zu Crocket's Theme von Jan Hammer (Miami Vice) waren die drei Musiker auf die Bühne gekommen. Ich bin recht unsicher, ob diese Intro-Auswahl ironisch zu verstehen ist. Zum einen ist das Stück schließlich hervorragend, zum anderen erscheint mir auch Victorias Outfit mit Thomas-Anders-Lockenpracht und wechselnden 80er Blazern durchaus ernst gemeint. Daß es konsequent zur eigentlichen Musik passt, ist unbestritten.

Erstes eigenes Stück war Wild von Bloom. Auch wenn, wie bei allem, was folgte, Victorias tiefe und klare Stimme wichtigstes Element der Musik ist, funktionierte das Zusammenspiel zwischen dezentem Schlagzeug, Alex' Gitarre und dem 80er Keyboard hervorragend!

Zwei weiter bei Norway (ausgerechnet beim überragenden Norway!) erfuhr meine Begeisterung aber einen Einbruch. Der Hit von Teen Dream kam lustlos daher. Also doch kein überragendes Konzert? Mist! Falsch; wie mit vielen Einschätzungen lag ich heute auch hier vollkommen daneben. Denn alles, was danach kam, war schlicht wundervoll, klang hervorragend und wurde großartig vorgetragen! Other people und Lazuli machten den Auftakt für elf große Hits in Folge. Als ich bei Myth zum ersten Mal auf die Uhr guckte, stellte ich erstaunt fest, daß bereits eine Stunde gespielt war. Wenn eine Band, deren Lieder sich stilistisch kaum unterscheiden, so kurzweilig wirkt, macht sie eine Menge richtig.

Aus dieser Hitparade Lieder herauszuheben, ist eigentlich unsinnig, trotzdem verdient das Ende des regulären Teils besondere Erwähnung. New year, Zebra, Wishes, Take care und Myth direkt nacheinander sind schon
fast obszön verschwenderisch! Gottseidank war wenigstens bei Myth das Schlagzeug einen Tick zu laut und eine Rückkopplung am Anfang von Wishes fies, sodaß es ein wenig zu mäkeln gab. Wo ich schon gerade dabei bin... Natürlich gab es auch wieder die beiden Typen, die Zebra nutzten, um sich bei ihrem Bierchen angeregt laut zu unterhalten.

Victoria war auch eine Ecke redseliger als gedacht. Ich war sicher, daß ihr hingehauchtes "thank you for being with us" nach Norway der einzige Kontakt mit
der Außenwelt sein würde, lag aber auch damit daneben. Sie bedankte sich immer mal wieder höflich für die Aufmerksamkeit, als sei sie ernsthaft überrascht, den kleinen Club auszuverkaufen. Beach House nehmen schließlich gerade die nächste Hallengröße in Angriff, in Köln steht im Herbst das Gloria auf dem Plan. Nur mit der Stadt taten sie sich schwer. "Duisburg" war wohl entweder schwer auszusprechen oder entfallen. Es war nämlich nur von "this city" die Rede. Zumindest, nachdem ein mündiger Bürger durch Zwischenruf aufgeklärt hatte "it's a city not a town." Den Town-Fauxpas hatte sich Alex kurz zuvor bei einer Dank-Ansage geleistet.

Glücklicherweise war auch meine Nebel-Angst Quatsch. Es gab ihn, es gab auch düsteres Licht, die Band war aber genauso gut sicht- wie hörbar. Und auch dies hat dem entrückten Charme des Auftritts nichts genommen.

Die Lichtleisten hinter der Bühne, die ich für teuren Schnickschnack gehalten hatte, stellten sich übrigens als eine Art Lattenroste heraus, hinter denen sich Ventilatoren drehten. Dies erzeugte mit einfachen Mitteln wunderschöne Effekte. Irgendwie sinnbildlich für den Abend.

Setlist Beach House, Grammatikoff, Duisburg:


01: Wild
02: Gila
03: Norway
04: Other people
05: Lazuli
06: Used to be
07: Silver soul
08: The hours
09: New year
10: Zebra
11: Wishes
12: Take care
13: Myth

14: 10 mile stereo (Z)
15: Irene (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beach House, Barcelona, 03.06.12
- Beach House, Paris, 29.05.12
- Beach House, Köln, 14.11.10
- Beach House, Paris, 04.11.10
- Beach House, Frankfurt, 16.08.10
- Beach House, Paris, 03.06.10
- Beach House, Paris, 20.02.10
- Beach House, Paris, 24.05.08





Montag, 4. Juni 2012

Beach House, Barcelona, 03.06.12

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Konzert: Beach House
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 03.06.2012
Zuschauer: sehr sehr viele vor der Mini Stage
Dauer: genau 60 min


Auch auf die Gefahr hin, daß ich damit den Nerv der Zeit nicht treffe: meine Begeisterung für Beach House ist auch nach Veröffentlichung des neuen Albums Bloom ungebrochen. Wenn doch alle unoriginellen Platten bloß so gut wären! Für mich ist Bloom eines der Alben des Jahres, ohne jede Diskussion. Der Vertreter der leichten Muse auf dem Konzerttagebuch zu sein, hat bei solchen Platten einen enormen Vorteil.

Mit Beach House habe ich eine Weile gefremdelt. Es brauchte ein Livererlebnis, um mir die Güte der Band klarzumachen. Und auch für das benötigte ich mehrere Anläufe; einmal verdarben der Haldern-Spielplan, einmal ein ramponierter Magen Beach House Konzerte. 2010 in Köln erlebte ich die Gruppe aus Baltimore dann endlich und verliebte mich ruckzuck in die entrückten, weltfremd klingenden Melodien. Plötzlich war auch das Leiern bei Norway nicht mehr schlimm sondern aufregend.

Dann kam Bloom und der unbedingte Wunsch, Beach House möglichst schnell zu sehen.

Beach House waren Samstag auf der heimlichen Hauptbühne, auf der Ministage mit ihrem tollen Sound angesetzt. Noch strömten die Massen auf den Platz, als die Musik ein paar Minuten vor der Zeit startete. "Crocket's Theme" Jan Hammers Miami Vice Hymne eröffnete das Konzert vom Band. Dies ist für mich extrem spektakulär, weil ich das Instrumentalstück seit 20 (?) Jahren nicht mehr gehört habe, vor allem aber in meinem Konzertbericht von Köln 2010 geschrieben habe, daß die Sängerin der Band wirkte, als sei sie der Serie entstiegen: "Aber es würde wenigstens etwas zu Gucken
geben, Sängerin Victoria Legrand zum Beispiel, die mit ihrem wilden Lockenkopf und dem Zweireiher, an den Ärmeln umgekrempelt, aussah, als sei sie gerade Miami Vice entsprungen."*

Wir standen vor dem Mischpult, also angesichts der Dimensionen des Bühnenvorplatzes eine Ecke von den Musikern entfernt. Das machte aber gar nichts, durch intensiven Nebeleinsatz hätte man von den Akteuren auch vorne wenig gesehen. Hauptdarsteller bei Beach House ist eindeutig die Musik. Den Platz hinten sollte ich nicht bereuen. Auf Distanz wirkten die unnahbaren Stücke noch besser, ergaben der kühle, kristallklare Klang und das damit abgestimmte Bühnenbild mit Nebel, künstlichen Sternenhimmel und anderen blinkenden Lichtchen ein perfektes Kompletterlebnis. Daß es warm war, man rechts ein paar Häuser am Strand und links das Meer sah, machten das nicht schlechter. Nur die vielen, sehr aggressiven Dealer nervten, ansonsten war das Erlebnis perfekt.

Beach House spielten den Großteil der Lieder von Bloom und dazwischen fünf Stücke von Teen Dream (natürlich Norway und Zebra). Die beiden ersten Platten wurden nicht berücksichtigt.

Ich möchte nichts hervorheben, dafür war das Konzert zu harmonisch gut. Es ist vermutlich ohnehin als ein Gesamtkunstwerk gedacht, es gab nämlich keine nennenswerten Pausen zwischen den Liedern, erst recht keine Ansagen im Stile von "Hey Barcelona, seid ihr gut drauf?"

Es war wieder eines der Konzerte, bei denen alles stimmte und über das man nicht mehr Worte verlieren muß. Wäre der Rest des Festivals Mist gewesen, wegen der Beach House Stunde hätte ich den Ausflug trotzdem nicht bereut.

Setlist Beach House, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: Wild
02: Norway
03: Other people
04: Lazuli
05: Silver soul
06: The hours
07: New year
08: Zebra
09: Wishes
10: Myth
11: 10 mile stereo
12: Irene

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beach House, Paris, 29.05.12
-
Beach House, Köln, 14.11.10
- Beach House, Paris, 04.11.10
- Beach House, Frankfurt, 16.08.10
- Beach House, Paris, 03.06.10
- Beach House, Paris, 20.02.10
- Beach House, Paris, 24.05.08



* Steilvorlage. Man darf Chancen, sich selbst zu zitieren, nicht auslassen, macht ja sonst niemand.

- alle Fotos stammen von Oliver vom Pariser Konzert!


Samstag, 2. Juni 2012

Beach House, Paris, 29.05.12

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Konzert: Beach House

Ort: La Maroquinerie, Paris

Datum: 29.05.2012
Zuschauer: ausverkauft, also 500

Konzertdauer: 90 Minuten




Bloggerzar Eike vom sensationell guten bayrischen Klienicum ist ein veritables Trüffelschwein. Der findige Bursche gräbt die wohlschmeckenden Edelpilze immer lange vor der ahnungslosen Meute aus und tut sich daran eine Weile gütlich. Ist aber die Meute endlich auch auf die Trüffel gestoßen, spuckt der Kerl das Zeug aus und haut schnell ab. Nichts stößt ihm übler auf, als Massentauglichkeit. So war er als einer der Ersten an Bon Iver und den Fleet Foxes dran, hat sich aber mit zunehmendem Bekanntheitsgrad der Musiker aus dem Staub gemacht. Man liest bei ihm nichts mehr von den einst hochgelobten Justin Vernon und Robin Pecknold. Mit Beach House war es sehr ähnlich. Eike war es, der mich mit seinen Posts zum ersten Album (2006) des Duos aus Baltimore auf Victoria und Alex aufmerksam machte. Zu diesem Zeitpunkt fristeten die Amis noch ein Schattendasein und auch als das zweite Album Devotion 2008 rauskam und ich beim Konzert in der Maroquinerie war (das Foto rechts satmmt aus dieser Zeit), waren die Ränge weistestgehend leer. Das änderte sich mit Teen Dream, dem dritten Opus von Beach House, gewaltig. Nun stürzte sich jede Lieschen Müller auf die leiernde Orgelmusik und den Hauchgesang von Victoria und alle waren hin und weg und voll des Lobes. So einige dachten gar ernsthaft, es handele sich bei Teen Dream um das Debütalbum der Gruppe. Der einsetzende Aufstieg war atemberaubend, "das Strandhaus" wurde jeden Tag ein Stück bekannter.

So war es dann auch nicht weiter verwunderlich, daß der vor Monaten bekannt gegebene Konzerttermin in der Maroquinerie zur Tour für das vierte Werk Bloom innerhalb weniger Tage restlos ausverkauft war. Ich selbst hatte nicht zugeschlagen und mich auch nicht rechtzeitig akkreditieren lassen. Deshalb wollte ich am 29. Mai eigentlich auch zu Julia Holter und The Dirty Three ins Trabendo gehen. Außerdem liefen so tolle Sachen wie Shellac im Bataclan oder Elvis Costello im Olympia. An Beach House dachte ich eigentlich gar nicht mehr.

Am Tage des Konzertes überkam mich dann aber plötzlich Wehmut, weil ich an die wunderbaren Auftritte von Beach House in der Vergangenheit dachte und das Gefühl hatte, sie nie wieder in einer solch kleinen Location wie der Maroquinerie sehen zu können. Über einen guten Bekannten bekam ich eine überschüssige Karte, zahlte dafür den regulären Preis von recht happigen 26, 40 Euro und war plötzlich mit von der Partie.

Am Orte des Geschehens herrscht eine entspannte Stimmung. Das Wetter war schön und die Musikfans nutzten das, um auf der Terrasse ein oder zwei Bier zum Warmmachen zu trinken. Der Vorgruppenact Porcelain Raft war den meisten ziemlich egal, auch mir, denn ich hatte den gutaussehenden Italo-Amerikaner Mauro Remiddi, der hinter dem Pseudonym steckt, bereits kürzlich im Café de la Danse gesehen und war nur mittelprächtig beeindruckt. Sein 1980 er Jahre Synthiesound erschien mir nicht unverpassbar, so daß auch ich erst einmal mit Freuden auf der Terrasse rumgammelte. Es war erstaunlich zu sehen, wie viele Promis aus der Musikszene vor Ort waren. Nicolas Godin von Air war zusammen mit seiner Freundin Ira, der ehemaligen Bassistin von CSS gekommen, aber auch Gaetan Roussel von Louise Attaque trieb sich hier rum, zudem noch Musiker von Nelson, Mai, Coming Soon, Victorine etc. Sie alle wollten Beach House sehen und bevölkerten spätestens um 21 Uhr den Keller des dort für 21 Uhr 15 angesetzten Konzertes. Viele Menschen erzeugen Wärme und so tropften mir schon vor Beginn der Show die Schweißperlen von der Stirne. Allerdings war es trotzdem noch einigermaßen erträglich, so extrem wie neulich bei Spain im Pop In wurde es nicht. Dennoch war Ausdauer erforderlich, die Show würde nämlich 90 Minuten lang werden.

Pünktlich um viertel nach neun ging es endlich los. Zum Einmarsch der drei Gladiatoren (es gab einen Drummer) lief Miami Vice Theme (von 1985) von Jan Hammer. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, daß auch der Sound von Beach House saumaßen nach den Eighties klingt? Wer weiß, auf jeden Fall war das amüsant und sympathisch, Zeichen dafür, daß sich die Band selbst nicht so ernst nimmt. Und die Bühnendeko, zwei Holzverschläge aus denen von hinten das Licht drang und so Streifen erzeugte, wirkte angenehm bescheiden und nicht zu überladen.

Leider konnte man das von dem Sound nicht immer sagen. Der war nämlich phasenweise wirklich etwas überladen und bombastisch, ließ die Subtilität und Verhuschtheit der ersten beiden Alben vermissen und flirtete immer mal wieder bedrohlich mit der Kitschgrenze. Dies bezog sich nicht nur auf die neuen Sachen, sondern umfasste auch das alte Material. Gila war kaum wiederzuerkennen, mit seinem wuchtigen Giattrenriff und dem schweren Schlagzeug klang es ganz anders als damals.

Aber ich will nicht nur meckern, schließlich sang Victora Legrand wieder einmal absolut sensationell. Diese tiefe und traurige, manchmal fast versoffenen und männlich wirkende Grabesstimme, die aber auch atemberaubende Höhen erklimmen kann und so herrlich zart und cremig gerührt ist, zog mir aufs Neue die Schuhe aus. Keine singt wie Victoria, das ist wirklich so. Auch nicht Mazzy Star, die immer wieder als Vergleich herangezogen wird. Nein, in deser Hinsicht gab es nichts auszusetzen, stimmlich war die wild gelockte Dame mit der übergroßen Anzugsweste allererste Sahne. Und ihre Jungs machten ihre Sache ebenfalls ausgezeichnet.

Was störte- und da bin ich leider wieder bei der Kritik -, war das Gefühl, daß die Band auf eine Sackgasse zusteuert. Ihr Sound lässt nicht viel Spielraum für Varianten und bei den Stücken des neuen Albums hatte man den Eindruck, daß dort im Wesentlichen Teile aus den alten Sachen wiederverwertet und in leicht veränderter Form zusammengesetzt werden. Auch auf das Konzert wirkte sich das aus, da schlich sich irgendwann eine gewisse Gleichförmigkeit und Monotonität ein. Immer wieder diese melancholische Orgel, ständig der traumverhaftete Sehnsuchtsgesang von Victoria, regelmäßig die flirrende Gitarre von Alex und durchgängig der Drumcomputer zusätzlich zu den Livedrums. Gerade der Mittelteil war davon betroffen.

Glücklicherweise wurde dann am Ende aber doch noch einmal deutlich aufgedreht und mit Wishes und Myth die besten Stücke des neuen Werkes serviert. Die Band verschwand im Anschluß flugs und ohne große Geste in die Kabine, kam dann aber ein paar Minuten später zu einem umjubelten Zugabenteil zurück. Nach Turtle Island klatschten die Leute zu 10 Mile Stereo sogar mit, ließ Victoria ihre Lockenmähne wie wild hin und her wirbeln und verletzte sich sogar leicht bei dieser ungestümen Aktion. Closer Irene schließlich wurde nach schleppendem Beginn am Ende fast noisig. Man erlebte nun eine Gruppe, die die letzten Kraftreserven in dieser Hitzeschlacht freimachte und sich nicht schonte, bis irgendwann fast extatische Ausmaße erreicht wurden.

Victoria hatte sich netterweise das ganze Konzert über erkundet, ob es den Leuten nicht viel zu heiß sei. Dies in einem sehr ordentlichen französisch, schließlich ist sie die Nichte des berühmten Michel LeGrand, selbst wenn sie in den USA aufgewachsen und somit keine echte Muttersprachlerin ist.

"Victoria we love you" schallte es nicht nur wegen ihrer Sprachkenntnisse aus einigen Kehlen und ich konnte die Leute verstehen, die Sängerin hat wirklich ein enormes Charisma, wirkte heute noch etwas unnahbarer und mysteriöser als sonst, weil sie weit hinten, fast an der Wand performte.

Wie sich Trüffelschwein Eike wohl heutzutage zu Beach House äußern würde? Wahrscheinlich gar
nicht. Ich bin ziemlich sicher, daß er das neue Album nicht gehört hat und mit dieser Verweigerungshaltung hat er zumindest zum Teil recht. Es finden sich darauf nämlich neben ein paar Perlen einige wirklich dürftige (überkitschige) Lieder und insgesamt ist das Werk zu flach und vorhersehbar geworden.

An meinem insgesamt doch recht guten Eindruck von diesem Konzert, der in erster Linie durch die stimmliche Brillanz und die Präsenz von Victoria zustande kam, änderte das trotz der im Text erwähnten Mängel freilich nichts, schließlich bewerten wir hier Konzerte und keine Alben. Wenn ich es in Noten ausdrücken müsste: 7/10.

Setlist Beach House, La Maroquinerie, Paris

01: Wild
02: Walk In The Park
03: Norway
04: Other People
05: Lazuli
06: Gila
07: Equal Mind
08: The Hours
09: Silver Soul
10: New Year
11: Zebra
12: Wishes
13: Take Care
14: Myth

15: Turtle Island
16: 10 Mile Stereo
17: Irene


Aus unserem Archiv:

Beach House, Köln, 14.11.10
Beach House, Paris, 04.11.10
Beach House, Frankfurt, 16.08.10
Beach House, Paris, 03.06.10
Beach House, Paris, 20.02.10
Beach House, Paris, 24.05.08



Montag, 15. November 2010

Beach House, Köln, 14.11.10

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Konzert: Beach House (& Jack November)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 14.11.2010
Zuschauer: nah an ausverkauft
Dauer: Beach House 65 min, Jack November gut 25 min


Zweimal hatte ich Beach House dieses Jahr bereits verpasst, und auch heute brauchte ich externe Motivation, um ins Gebäude 9 zu fahren. Wieso, weiß ich jetzt hinterher wirklich nicht mehr, denn die Amerikaner überzeugten restlos!

Der Abend begann allerdings mit Jack November, einer jungen Frau (Daniela Moos) aus Hessen, die lediglich mit einem indischen Harmonium (dieser cooleren Version eines Akkordeons) und ihrer leisen, sphärischen Stimme Lieder erzeugte, die wie die 2010er Version des Twin Peaks Soundtracks klangen. Die meisten Stücke bestanden nur aus zwei Harmoniumtönen und Danielas Stimme. Auf dem Papier klingt das schrecklich eintönig*, live hatte Jack November durchaus Charme. In der Mitte des kurzen Sets kam ein Mann dazu, der vor Jack November schon ein paar tief brummende Töne auf der Bühne erzeugt hatte. Wir hatten ihn für die Pre-Pre-Show gehalten, er gehörte aber offensichtlich dazu und erzeugte ein paar Hintergrundgeräusche. Daniela verließ dann auch für ein Lied ihren Stuhl am Harmonium und stellte sich hinter ein Mikro und sang da, nur vom Bassgebrumme begleitet. Neben Julee Cruise erinnerte mich Jack November auch an eine reduzierte Version von Soap And Skin. Weil ich glaube, daß solch reduzierte Musik gerade sehr hip wird (s.a. Anika), bin ich sicher, daß wir Jack November wiedersehen werden.

Das Harmonium und der Brummkram des Helfers kamen weg, die eigenen Instrumente und Deko-Objekte standen schon auf der Bühne, also konnten Beach House sehr pünktlich beginnen. Allerdings erst nach dem erneuten Hinweis, daß die Band keinen Rauch im Saal wünsche. Nachdem sich in Köln anfangs alle an das Rauchverbot hielten, wird in letzter Zeit wieder kräftig gequalmt. Vielleicht finden Beach House es auch ekelhaft, nach einem Konzert widerlich nach Fremdrauch zu stinken, das Ergebnis war jedenfalls prima und der Abend rauchfrei.

Beach House, hmm... So ganz richtig warm bin ich
mit den Amerikanern bisher nicht geworden. Ich besitze ihre Platten, mag die, bin aber bei weitem weniger euphorisch, als ich das sein sollte, glaube ich den Meinungen der Indieszene. Beim ersten Stück (Gila) trat dann auch genau das ein, was ich befürchtet hatte, mich ließ das Treiben der vier Musiker recht kalt. Aber es würde wenigstens etwas zu Gucken geben, Sängerin Victoria Legrand zum Beispiel, die mit ihrem wilden Lockenkopf und dem Zweireiher, an den Ärmeln umgekrempelt, aussah, als sei sie gerade Miami Vice entsprungen. Oder Alex Scally, der Gitarrist, der auf einem Stuhl saß und mit den schuhlosen Füßen ein Bass-Orgel-Pedal bediente. Ich hatte vorher noch nie jemanden gesehen, der gleichzeitig Bass und Gitarre spielt! Dazu lebte Alex jeden Ton wirklich mit und begleitete ihn mit Tanzbewegungen.

Die beiden zusätzlichen Musiker (Schlagzeuger und Keyboarder/Bassist) sind keine regulären Bandmitglieder, machten ihre Sache aber (für mein Laienohr)
ausgezeichnet. Da sie allerdings verhaltensunauffällig waren, trugen sie zu meiner Unterhaltung weniger bei.

Mit dem zweiten Lied hatten sie mich dann doch. Better times legte bei mir einen Schalter um, und das Konzert wurde hervorragend!

Was mich von da an am meisten faszinierte, war der
"Gesamtklang" des Spektakels. Begünstigt durch den ausgezeichneten Sound klang das gesamte Konzert irgendwie künstlich, so als könnte man das auf keinen Fall gerade live spielen. Einen Großteil dieses Effekts machte sicher Victorias Stimme aus, die präzise aber eben auch unwirklich klingt. Auch Whitney Houston Konzerte erzeugen diesen Eindruck, allerdings aus anderen Gründen. Hier und heute war es brillant-entrückt, aber auch nicht, weil die Band es bewußt darauf angelegt hätte; die Musik, Victorias perfekte Stimme, das machte den Abend zu dem Pendent eines Fantasyfilms, (auch wenn berechtigterweise niemand verstehen wird, was ich damit meine).

Eigentlich war alles toll, einige Stücke ragten aber heraus. Norway nervt mich auf Platte, weil sich das Leiern des Lieds so
anhört wie Musikkassetten, die in der Sonne lagen. Live war das Lied hervorragend, allerdings bei weitem nicht der Höhepunkt. Ich fand Used to be, Take care oder 10 mile stereo noch deutlich besser. Oder Zebra, zu dem Victoria heftig headbangte!

Und dann hatte auch der Schlagzeuger noch einen großen Moment. Zu Used to be nahm er ein Handtuch und legte es auch das Fell seiner Trommel und spielte so frotteegedämpft! Das habe ich auch noch nicht gesehen.

Unter anderen Umständen (hier, hier, hier) bestes Konzert seit langem! Aber auch so hervorragend und oft atemberaubend schön! Vermutlich weiß die gebürtige Französin Victoria um diesen Effekt, sie fragte uns nämlich irgendwann: "are you all breathing?"

Setlist Beach House, Gebäude 9, Köln:

01: Gila
02: Better times
03: Walk in the park
04: Norway
05: Silver soul
06: Master of none
07: Astronaut
08: Lover of mine
09: Used to be
10: Zebra
11: Heart of chambers
12: Take care

13: Real love (Z)
14: 10 mile stereo (Z)

* zweitönig, strenggenommen




Freitag, 5. November 2010

Festival des Inrocks 1. Tag, 04.11.10

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Konzert: Festival des Inrocks, erster Tag mit Beach House, Midlake, Anna Calvi, Espen & The Witch und anderen

Ort: La Cigale & La Boule Noire, Paris
Datum:04.11.2010
Zuschauer: jeweils ausverkaufte Locations
Konzertdauer: Konzerte von 18 Uhr bis Mitternacht


Wenn Al Qaida gestern eine Bombe auf die Pariser Cigale geworfen hätte, wäre ein Großteil der Pariser Indieszene ausgelöscht worden. Alle waren sie da: Musiker, Labelleute, Journalisten Fotografen, Blogger, Fans. Das alljährlich im November in Paris und anderen Städten Frankreichs stattfindene Festival des Inrocks ist eines der ganz großen Highlights des Musikjahres. Ich liebe die Atmosphäre, die Stimmung, das ganze Drumherum. Man trifft so viele bekannte Gesichter, in der Regel nette, fachkundige Freaks, die ebenfalls den ganzen Tag nur an das Eine denken (und ich meine jetzt nicht Sex oder Fußball). Aber wie waren die Konzerte? Hielten sie, was sie versprachen? Auf Grund des Zeitdrucks (gleich geht schon der zweite Festivaltag los) kann ich zunächst nur ganz kurz resumieren.

John Grant: Habe ich bewusst ausgelassen. Ein Mädchen im Forum des Veranstalters Les Inrocks brachte das Problem auf den Punkt "Ich dachte jeden Moment, jetzt würde der Kerl anfangen, Candle In The Wind zu singen. Will heißen: John Grant klingt nach Elton John und Billy Joel. Igitt!

The Acorn: Die Kanadier mit dem deutschstämmigen Sänger wurden als erst aufs Publikum gehetzt. Leider habe ich sie verpasst.

Esben & The Witch: Ein Konzert (Foto rechts) in der kleinen Boule Noire. Düster, tribalisch, okkultisch, dämonisch, spannungsgeladen. Definitiv eine Band, die ich mir noch einmal bei einem "richtigen" Konzert ansehen muss!

Beach House: Für mich die Enttäschung des Tages. Ausgerechnet beim Hit Norway war der Sound beschissen und auch sonst war das Ganze nicht perfekt ausbalanciert. Victoria mühte sich zwar nach Kräften, wirbelte wieder ihr Haar wild durch die Luft und hopste wie ein Känguruh, aber ihre Stimme war heute nicht gut geölt. Leider nur gehobenes Mittelmaß.

Midlake: Das beste Konzert des Tages. Die Texaner haben mich bisher immer auf CD restlos überzeugt, aber live fehlte stets ein Tick Dynamik. In der Cigale boten sie aber ihre famosen Lieder (Roscoe, Head Home) in einer deutlichen rockigeren Version und schafften es so, das Publikum mitzureißen. Einen umfeierten Gastauftritt hate Jason Lytle von Granddaddy (Am 180).

Setlist Midlake, La Cigale, Paris:

01: Fairest Way (neu)
02: Children Of The Ground
03: Winter Dies
04: My Young Bride
05: Roscoe
06: Core Of Nature
07: Dawn Has Arrived (neu)
08: Am 180 (Grandaddy)
09: Head Home

10: Branches


Anna Calvi:

Auf die zierliche Blondine mit dem Dutt muss man aufpassen. Die elegante Frau hat Potential. Ihr Konzert in der restlos überfüllten Boule Noire, das sie zusammen mit einem Drummer und einer Harmoniumspielerin bestritt, war aber zu kurz (nur 5 oder 6 Lieder), um voll auf seine Kosten zu kommen. Kürzlich hatte sie bereits im Vorprogramm von Grinderman für postive Schlagzeilen gesorgt. Wir werden sicherlich noch so einiges von ihr hören, Anna hat ein feuriges Temperament und eine kraftvolle Stimme...



Dienstag, 17. August 2010

Beach House, Frankfurt, 16.08.10

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Konzert: Beach House

Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 16.08.2010
Zuschauer: ungefähr 260 (von maximal möglichen 400)
Konzertdauer: etwa eine Stunde


Der Frankfurter Indieclub Das Bett hat mit den Senkrechtstartern Beach House einen ganz dicken Fisch an Land gezogen. Spätestens seit der Veröffentlichung ihres aktuellen, dritten Albums Teen Love geht bei dem gemischten Duo so richtig die Post ab. in Frankfurt füllen sie zwar nicht wie vor ein paar Monaten in Paris eine 700er Location, aber gut besucht war das Bett heute trotzdem. Der nette Veranstalter Frank sprach von ungefähr 260 Gästen, die nach dem Auftritt eines Folkbarden gespannt auf die live zu einem Quartett angewachsene Band (ein echter Drummer und ein Bassist/zweiter Keyboarder ergänzten das Line-Up) wartete. Auf der noch verwaisten Bühne sah man drei Dreiecke, die man je nach Fantasie als Indianerzelte oder Pyramiden deuten konnte. Zwei dieser Dreiecke bewegten sich auch während der Songs und waren zudem Lichtquelle.

Dann endlich marschierte die Formation ein. Richtig gut zu erkennen waren die vier Musiker nie, aber das meist rosafarbene oder bläuliche nebelige Licht passte enfach perfekt zum dreampoppigen und verhuschten Sound von Beach House. Die Amis waren gerade aus Haldern (bzw. Helsinki wo sie einen Tag später gespielt hatten) gekommen und wirkten ob der Tourstrapazen anfänglich ein wenig müde. Die ersten paar Lieder verpufften somit ein bißchen. Spätestens mit dem Hit Norway war aber der Knoten geplatzt und das junge, sehr hübsche und in vielen Fällen weibliche Publikum schnalzte mit der Zunge. Victoria Legrand hauchte wieder einmal so eindringlich, daß es einem durch Mark und Bein ging! Zwar traf sie insbesonders die ganz hohen Töne nicht ganz so famos wie bei vorher erlebten Gigs, aber auch in für sie mittelmäßiger Form war sie ziemlich beeindruckend. Mein Freund Thomas, der neben mir stand, raunte mir zu: "Klingt stark nach Nico oder Mazzy Star." Und damit hatte er natürlich recht, wenngleich Victoria ihrer Stimme ihre ganz besondere Note verleiht. Die Mischung aus raunender, greinender Depressivität (manche behaupten, sie singe wie ein Mann), sinnlich gehauchter Erotik und glasklarer Purheit hat man in dieser Form noch nie zuvor erlebt. Und wie charismatisch sie ist! Trotz ihrer Distanziertheit (längere Ansagen gab es so gut wie keine, es fiel ihr einfach nichts ein) kommt bei ihr unglaublich viel Emotionalität rüber. Toll wie sie regelmäßig nach hinten hüpfte und ihre schöne Lockenpracht im Stile eines Headbangers wild über ihre Orgel schleuderte! Die Herren in der Band fielen hingegen weniger auf. Allerdings hatte der neue Keyboarder die Lacher auf seiner Seite, als er einen Song als Celin Dion Cover ankündigte, aber zum Glück nur rumalberte. Celine Dion mag zwar stimmgewaltig sein, aber als Einfluss für die Musik von Beach House wäre sie mir doch wesentlich zu schmalzig. Wobei natürlich nicht zu leugnen ist, daß der Zuckeranteil bei Victoria Legrand und Alex Scrally nicht gerade niedrig ist. Aber gerade die süßlich-kitschige Note ist es, die dem Stil des Duos die Besonderheit verleiht. Zucker macht süchtig und genau trifft auch auf die vielen tollen Songs von Beach House zu! Norway und Zebra kennen inzwischen die meisten, aber Fans der ersten Stunde wie ich, erfreuten sich besonders an alten Stücken wie Master Of None, Gila oder Heart Of Chambers. Gerade der letztgenannte Song zog mich heute am stärksten in seinen Bann. Victoria legte hierbei besonders viel Inbrunst in die Wagschale und bereitete mir ein tolles Finish, das sie noch mit einem herzzereißenden Take Care ("I'll take care of you, if you ask me to", simple Lyrics, große Wirkung!) krönte. Dann war Schluß. Vorerst. Nach einer relativ langen Pause kamen die vier Künstler aber noch einmal zurück und schafften mit einem sehr sphärischen 10 Miles Stereo auch noch einen gelungenen Abgang.

Hinterher gab es auch noch die Gelegenheit zum Plausch oder Erinnerungsfoto mit Alex und Victoria, zumindest wenn man wie ich groupiehaft lang wartete. Die beiden waren nett und herzlich und werden sicherlich auch noch die Fans in Graz (Österreich), Schorndorf (Manufaktur), Hasselt (Belgien) und Erlangen (E-Werk) begeistern, wo sie demnächst spielen werden.

Setlist Beach House, Das Bett, Frankfurt:
01: Better Times
02: Used To Be
03: Walk In The Park
04: Silver Soul
05: Norway
06: Master Of None
07: Gila
08: Zebra
09: Heart Of Chambers
10: Take Care

11: Real Love
12: 10 Miles Stereo

Anmerkung: Die Fotos stammen zum Teil aus Paris (Trabendo), aber auch aktuell aus Frankfurt.




 

Konzerttagebuch © 2010

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