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Montag, 7. September 2015

Owen Pallett, Essen, 06.09.15

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Konzert: Owen Pallett & s t a r g a z e
Ort: PACT Zollverein, Essen
Datum: 06.09.2015
Dauer: gut 70 min
Zuschauer: knapp 350 (wohl ausverkauft)



Als ich vor einigen Monaten sah, daß Owen Pallett im September zwei Konzerte im Rahmen der Ruhrtriennale spielen würde, wollte ich da natürlich hin, hocheuphorisch war ich allerdings nicht. Owen Palletts Konzerte sind grundsätzlich toll, ich habe aber eine ganze Menge davon in den letzten Jahren gesehen. Mal Owen alleine, mal mit mehr oder weniger rockiger Band, mal als Final Fantasy, mal unter seinem Namen. Daß in Essen ein Orchester dabei sein würde, war auch nicht vollkommen neu, in Eindhoven hatten wir den Kanadier schon mit einem großen Ensemble in einer Kirche gesehen.

Als ich ein paar Stunden vor dem Konzert nach der Anfangszeit suchte, fand ich die Beschreibung des Abends und den Hinweis, Owen Pallett spiele mit dem s t a r g a z e Ensemble Stücke eines neuen, unveröffentlichten Albums. Und schon war meine Aufmerksamkeit da. 

Das PACT auf dem Gelände der Zeche Zollverein ist einer dieser modernen Theaterräume in einer ehemaligen Industrieanlage. Der Gang vor dem Saal ist weiß gefliest, was uns vermuten ließ, daß hier früher die Bergleute geduscht haben werden. Der Raum selbst hat hohe Decken, eine hervorragende Lichtanlage und war vorne fünf Reihen bestuhlt und hatte hinten eine Tribüne. Auf der Bühne stand ein Flügel und um ihn eine Menge Notenständer, ganz links ein Schlagzeug.

Um kurz nach acht traten die Musiker des s t a r g a z e Orchesters auf, fünf Bläser (Horn, Posaune, Oboe, Saxophon und Bassflöte), fünf Streicher (Kontrabass, Cello, drei Geigen) und ein Schlagzeuger (und Glockenspielist). Owen Pallett kam nach einer kleinen Kunstpause dazu und stellte sich zunächst ans Mikro vorne am Bühnenrand und begann On a path von der letzten Platte In conflict.

Bei seinen Konzerten in einem weniger hochkulturellen Rahmen spielt der Kanadier Violine und Keyboard und baut die Songs mit seiner Loop-Technik auf. Er nimmt kleine Melodie- oder Rhythmus-Schnippsel auf, spielt darauf etwas anderes und bastelt so nach und nach die Lieder zusammen. Das ist enorm spannend anzusehen und klingt viel aufregender als meine Beschreibung vermuten lässt. Bevor er das macht fliegen allerdings seine Stiefel im hohen Bogen in die Ecke. Owen Pallett ist Barfuß-Künstler.

Der Abend in Essen war komplett anders. Owen behielt die Schuhe an und spielte nur Klavier. Seine Geige, sein rotes Keyboard und die Loopstation waren nicht mitgekommen. Aber natürlich fehlte nichts an seiner üblichen Souveränität, obwohl es erst das dritte Konzert mit diesem Orchester war. Sänger, die sonst immer auch ein Instrument spielen, wirken oft schrecklich hilflos, wenn sie nur singen sollen. Davon war Owen Pallett nichts anzumerken, wenn er alleine vor dem Mikro stand und sich nicht aufs Loopen oder sein Keyboard konzentrieren musste.

On a path stand die orchestrale Begleitung ausgezeichnet. Ich bin zu wenig Experte, um die Güte eines Orchesters seriös beurteilen zu können. Die elf Musiker des Ensembles unter Leitung von André de Ridder klangen in meinen Ohren aber fantastisch. Wenn er nicht sang, drehte sich Owen Pallett zur Seite und beobachtete die Musiker.

Nach On a path erklärte der Kanadier, was uns erwartete. Er arbeite an einem neuen Album namens Island, das sich inhaltlich an sein vorletztes Heartland anschließe und u.a. inspiriert sei von der deutschen Romantik. In einem Lied werde Protagonist Lewis (der auf Heartland schon auftauchte und u.a. sein Hemd auszog) "fucked into space", damit ende die Platte.

Selbstverständlich kannte ich keines der neuen Lieder, leider auch keine Titel. Daher ist es etwas mühsam, sie zu beschreiben, vor allem, weil die Instrumentierung dann letztendlich vermutlich eine andere sein wird. Die ersten drei dieser Lieder gingen ineinander über. Owen Pallett saß dabei am Klavier. Das erste neue Stück (mit der Textzeile "this emptiness is a gift") begann sehr getragen mit schweren Bläsern, bevor mit dem Einsatz der Streicher etwas Luftigkeit dazukam. Ein toller Einstieg! Das anschließende zweite Stück war durch einen Schlagzeug-Rhythmus eine Spur flotter und hätte von Hearland stammen können. Wie schwer es ist, über solche unveröffentlichten Lieder zu schreiben, habe ich jetzt hoffentlich bewiesen.

Alle neuen Stücke - Owen spielte neun, also mindestens einen Großteil der Platte - waren hervorragend, keines langweilig. Drei ragten für mich heraus, Lewis is fucked into space, das mit Flöten- und klackernden Schlagzeug-Tönen begann und mich damit an Step into my office, baby von Belle & Sebastian erinnerte, dann ein sehr getragen klingender Song unmittelbar davor (im Text kommt der Inhalt seines Magens vor und die Zeile "we made a pact") und das fünfte Stück mit viel Glockenspiel und Bläsern, von dem ich leider keinen Text mitbekam.

Das - die neuen Stücke, die wundervolle Instrumentierung, der fabelhafte Klang im Saal - machte die ersten zehn Lieder (On a path und die neuen) schon zu einem riesigen Vergnügen. Ich hätte gar nicht mehr gebraucht für ein perfektes Konzert, halte mich mit solchen Aussagen aber zurück, da der Sänger irgendwann fragte, ob wir den German Music Opinion twitter kennten. Dort seien Kritikpunkte von deutschen Konzertbesuchern gesammelt, denen ausländische Bands ausgeliefert seien. Am ersten Abend in Essen habe ein Gast ihn gefragt, warum er nur 60 min gespielt habe? "Weil sie mich gebeten hatten, 60 min zu spielen." Daß es am Sonntag länger ging, gefiel mir aber auch ohne Angst vor Twitter-Ruhm gut. 

Nach den letzten Tönen des letzten neuen Lieds machte Owen eine Kreisbewegung. Ich verstand das als Hinweis, The Arctiv Circle spielen zu wollen, das Orchester auch. Es folgte ein weiterer seiner alten Songs, als er noch als Final Fantasy Musik gemacht hat, The Pooka sings. "I don't know if I played this one before!" (auch auf die Gefahr hin... click).

Die Zugaben, die wir dem mündigen Konzertgänger vom Vorabend zu verdanken hatten, begannen mit The secret seven von In conflict, das Owen Pallett alleine am Klavier spielte. Das Orchester setzte sich zwanglos auf den Bühnenboden. Das war eine dieser Sachen, die die Musiker grundsympathisch machten. Da war nichts Aufgesetztes auszumachen. Sie machten ihren Job offenbar mit großer Freude und genossen den Auftritt. Davon daß das Publikum sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren konnte, lenkten allenfalls die zum Teil (für einen Laien wie mich) ungewöhnlichen Instrumente ab (die Flöte und das sehr lange Saxophon). Und das wundervoll schwarz-weiß gestreifte Kleid der Flötistin.

Zum letzten Titel I'm not afraid spielte das s t a r g a z e Ensemble wieder mit. Das plötzlich einsetzende Schlagzeug war dabei ein besonderer Moment.

Islands wird eine tolle Platte, gar kein Zweifel. Eine der Premieren (jaja, ist Quatsch) mit solch aufregender Instrumentierung miterlebt zu haben, war aber sicher noch eine ganze Ecke toller. Und wie schön, daß die "habe ich alles schon gesehen"-Ignoranz, die ich an mir so hasse, sich als großer Blödsinn rausgestellt hat.

Setlist Owen Pallett & s t a r g a z e, PACT Zollverein, Essen:

01: On a path
02: neu ("this emptiness is a gift")
03: neu
04: neu ("collapsing buildings")
05: neu

06: neu ("we talked about the drugs")
07: neu ("wild horses")
08: neu ("we made a pact")
09: neu ("fucked into space")
10: neu ("mistaken for a planet")
11: The Arctic Circle (Final Fantasy)
12: The Pooka sings (Final Fantasy)

13: The secret seven (Z)
14: The riverbed (Z)
15: I am not afraid (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Storkow, 22.08.15
- Owen Pallett, Münster, 15.04.15
- Owen Pallett, Karlsruhe, 30.11.14
- Owen Pallett, Köln, 29.11.14
- Owen Pallett, Dresden, 17.06.14
- Owen Pallett, Paris, 11.12.12
- Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
- Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
- Owen Pallett, Köln, 23.06.11
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
- Final Fantasy, Haldern, 14.08.09



Montag, 24. August 2015

Alinae Lumr Tag 2, Storkow, 22.08.15

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2. Tag Alínae Lumr Festival - meine Auswahl
  Martin Kohlstedt 65 min
  Owen Pallett 60 min
  Sea & Air 80 min
  Ásgeir Trausti 60 min
Ort: Kirche und Burg in Storkow (Mark)
Datum:  22. August 2015
Zuschauer: 250, 500, 150, 500


Der zweite Tag hätte für mich mit einer Überraschung um 15 Uhr beginnen können. Leider kam die Nachricht darüber zu knapp als dass ich es noch von unserem Quartier nach Storkow geschafft hätte. So blieb es beim Ursprungsplan, dass ich ab dem Konzert von Martin Kohlstedt dabeisein würde. Damit hatte ich bewusst schon einiges auch für mich interessantes beiseite gelassen, um am Abend noch fit zu sein für Sea & Air und Ásgeir.


Als ich ankam, war allerdings noch genug Zeit, mich zunächst gründlich auf dem Marktplatz um zu sehen, was viel Spaß machte. Dort war munteres und fröhliches Treiben im Gange und es ergab sich die Gelegenheit zu sehr netten Gesprächen. Alles im Schatten einer gigantischen Eiche und vieler jüngerer Linden.

(c) Stephanie Eilenberger (Danke!!)
Mein erstes Konzert für diesen Tag war dann wie geplant Martin Kohlstedt in der Kirche. Zwei Reihen hinter mir saß auch Peter Broderick, der der nächste im Programm der Kirche sein würde (parallel zu Sea & Air im Saal der Burg). Eigentlich war diese mittelgroße und schlicht elegante Kirche der absolut perfekte Rahmen für diese Art von Musik, die auch sehr leise Töne umfasst und deshalb die Aufmerksamkeit ganz ungeteilt bindet. Leider zeigte sich schon gleich zu Anfang, dass das Pfund des tollen Konzertortes nicht recht wuchern konnte, weil ein ständiges Kommen und Gehen war (und ein lautloses Heraustreten aus den traditionell geschlossenen Kirchenbänken war schlicht unmöglich). 

(c) Stephanie Eilenberger (Danke!!)
Bei einem Festival mit sich überlappenden Konzerten muss man natürlich die Möglichkeit geben, nur reinzulauschen und dann auch wieder zu gehen, aber vielleicht hätte man hier eine andere Lösung suchen sollen. Z.B. Einlass nur bis Konzertbeginn und in der Mitte einmal nachrücken bzw. wieder gehen. Viele taten es dann wie ich - schlossen die Augen und versuchten die Unruhe dadurch auszuschalten und sich nur auf die Reise einzulassen, auf die Martin Kohlstedt uns mitnahm. Und die hatte es in sich. Seine Musik ist in Teilen so hoch dramatisch und dann wieder so klar und bis sie fast ein nichts wird. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das letzte Stück OMB, in dem er über den Ton - oder eher die Taste für das - A auf dem Flügel meditierte. Im Konzert zu hören waren außerdem EXA, GOL, NIO, ANT, ENT,  VET, PHY, LEH (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge).

Seine Ansagen waren eher sparsam, aber es fühlte sich so an, als würde er das Konzert, die gebannte Aufmerksamkeit und den stets enthusiastischen Applaus sehr genießen. Er ließ sich sogar zu einer kurzen Zugabe überreden, was ja bei Festivals eher nicht eingeplant ist. Jedenfalls eine wunderbare Stunde an diesem Samstag Abend für mich, die mich auch sehr neugierig auf die Person gemacht hat.


Durch Verspätungen war die Anfangszeit für Owen Pallett im etwa 7 min entfernt gelegenen Burghof schon verstrichen bevor ich mich überhaupt in Bewegung setzen konnte. Aber ich ließ mich (entgegen meinem Naturell) nicht verrückt machen. Als ich vor dem Eingang zum Burghof stand (wo man natürlich die Musik genauso gut hören konnte wie drinnen), ging gerade mit Pauken und Trompeten die Sonne unter und dem Schauspiel widmete ich für die nächsten Minuten meine ganze Aufmerksamkeit. Alle, die schon Owen Pallett live erlebt haben, werden mir zustimmen, dass dies eine herrliche Kombination ist - seine etwas verrückte und mitreißende Musik und ein so wunderbares Naturschaupiel.


Im Hof gab es eine große Gruppe, die sich wirklich vom Spektakel auf der Bühne ganz mitreißen ließ und die Musik bejubelten (neben denen weiter hinten, die es als Soundtrack zu essen, trinken uns schwatzen nahmen, was aber alles gut zusammen passte). Owen selbst machte den Eindruck, als würde er gerade von ein paar Kumpels überredet worden sein, doch etwas zu spielen. Gerade vom Ballspiel am Strand zurückgekommen und mit Sonne aufgetankt. Auf der Bühne stand er barfuß und hüpfend und schien eine gute Zeit zu haben. Freilich ist das bei ihm in dem Moment ja trotzdem voll professionell (er spielt einfach zu viele Konzerte als dass es anders sein könnte) - aber auch immer ganz auf das Publikum bezogen. Und das schloß er für diese Stunde in seine Arme. Ich konnte trotz Verspätung noch ganz leicht bis zur ersten Reihe vordringen und mich von diesem Teufelsburschen bezaubern lassen. Vom Balkon des Gebäudes mit dem Saal, sahen auch einige der anderen Künstler zu, die selbst auf dem Festival schon aufgetreten waren. Auf der Bühne war außer ihm noch sein Mann am Bass Matt Smith.


Setlist Owen Pallett
01: Audience 
02: Arctic 
03: Scandal 
04: Dog 
05: Soldiers 
06: Tryst 
07: Seven 
08: Infernal 
09: Riverbed
10: Elsewhere
11: Win & Regine 
12: Many Lives 
13: This Modern Love



nächste Tourdaten:
Lausanne 21.08.
Storkow 22.08.
Brecon Beacon 23.08.
Frankfurt 25.08.
Berlin 26.08.
Edinburgh 28.08.
Gdansk 30.08.
Bergen 02.09.
Essen 05.09.
Essen 06.09.
Raleigh 12.09.



Nach Owen, der sich ziemlich genau an die geplanten Zeiten hielt, war nun also für mich der Moment gekommen, endlich etwas mehr des neuen Materials von Sea & Air zu hören und zu sehen und auch das erste Mal den Saal als Festivalraum zu sehen. Ich denke, der Saal war für die Art Musik, die Sea & Air mitgebracht hatten, eine perfekte Bühne und obwohl wir Zuschauer mehrfach Zeugen davon wurden, wie Songs ein zweites Mal angesetzt werden mussten und auch wie eine Saite riß, fand ich das Konzert rund und gelungen.


Das neue Material hat mich sofort wieder am Haken (auch wenn ich immer noch nur Ausschnitte kenne, weil ich meine erworbene CD ohne Abspielgerät nicht hören kann) - das war wohl ganz tief drin für mich das wichtigste. Die Chemie zwischen Band und Publikum war super und fast ein bisschen übermütig und sicher haben diejenigen, die Sea & Air zum ersten mal sahen, sich in diesem Rahmen so richtig anfixen lassen können. Auch wenn es keine perfekt inszenierte Bühnenshow war. Aber die Bühne war wieder voller Instrumente wie Gong und Pauke und Cembalo/Harmonium-Multi, um nur einige zu nennen. Die beide so einsetzten, dass es einen einmaligen und wunderbar mitreißenden Sound ergab.


Daniel und Eleni gingen zum Glück flapsig über die Pannen hinweg und hatten auch sonst einige Sprüche parat: Indiekinder - willkommen im Mainstream war die Ansage zu dem Track, der schon vor erscheinen des ganz frischen Albums Evropi öffentlich gemacht worden war: Should I care. Und irgendwie stimmt das ja auch, denn es ist ein richtig hymnischer Ohrwurm. Später bei Yeah, I know sollten wir 20täusiges Publikum imitieren und entsprechend mitsingen, was wir natürlich taten und was schließlich auch zur Überbrückung für die nötige Stimmpause bei den Instrumenten (aus)genutzt wurde.


Und die Zugabe war ein von mir sehr geliebtes Lied - also ein besonderes Geschenk - in einem wieder neuen und sehr passenden Gewand. Fast sakral mit Gong und Wehklagen eingeleitet hat es mich ganz umgehauen. Zweimal musste ich sehr an Christoph denken - einmal, als sich direkt hinter mich (echt auf die Pelle gerückt nah, was im Raum nicht not tat) zwei Quatschnasen gestellt hatten, die alles auf der Bühne kommentieren mussten. Und als ich feststellte, dass das Konzert mit dem ersten Track des aktuellen Albums begonnen hatte...

Setlist:
01: We all have to leave someday
02: Lady evropi

03: Should I care
04: Do animals cry
05: hahahahahaha
06: Yeah I know
07: Pain is just a cloud
08:
09:
19: Mercy
11: Heart of the Rainbow

12: Take me for a ride (Z) 



Tourdaten:
21.08. Tübingen - Sudhaus Waldbühne
22.08. Storkow - Alinae Lumr Festival
24.08. Berlin - Klunkerkranich
25.08. Hamburg - Uebel & Gefährlich Dachterrasse
26.08. Köln - Yuca
27.08. München - Cord Club


Als ich aus dem Saal wieder in den Hof trat, war Ásgeir dabei, alle dort mit seinen isländischen Weisen zu verzaubern. Leider hat er ja inzwischen alles verenglischt, um besser verstanden zu werden... Er war mit ganzer Band auf der Bühne und etwas rockig aufgestellt (so wie ich es in Karlsruhe erlebt hatte). Und das passte sehr gut in die späte Stunde dieses Festivals. Ich war aber nur eher passiv dabei und noch mit dem bisher gehörten innerlich sehr beschäftigt. Aber auch als quasi Soundtrack habe ich die Show sehr genossen.

Aus unserem Archiv:
Tag 1
Tag 3 
Owen Pallett, Karlsruhe, 30.11.14
Owen Pallett, Köln, 29.11.14
Owen Pallett, Dresden, 17.06.14
Owen Pallett, Paris, 11.12.12
Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
Owen Pallett, Köln, 23.06.11
Owen Pallett, Paris, 22.02.11
Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
Owen Pallett, Paris, 01.06.10
Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10

Sea + Air, Karlsruhe, 03.10.13
Sea + Air, Ludwigsburg, 30.11.13
Sea + Air, Karlsruhe, 21.07.13
Sea + Air, Mannheim, 31.05.13
Sea + Air, Darmstadt, 03.03.13
Sea + Air, Köln, 24.10.12

Ásgeir Trausti, Karlsruhe, 08.07.13 



Freitag, 17. April 2015

Owen Pallett, Münster, 15.04.15

3 Kommentare

Konzert: Owen Pallett
Ort: Schloßgarten-Café, Münster
Datum: 15.04.2015
Dauer: knapp 80 min
Zuschauer: 200 vielleicht



Hmm, ein wenig komisch war dieses Konzert von Owen Pallett schon. Vor etwa zehn Jahren hatte ich den Kanadier erstmals gesehen, damals nannte er sich noch Final Fantasy und supportete eine Band, in der er selbst mitspielte, im Gebäude 9 in Köln. Und weil diese Arcade Fire damals einen grandiosen Auftritt ablieferten, verblasste in meiner Erinnerung der Support ein wenig. Danach sah ich Owen Pallett glücklicherweise unzählige Male wieder, zuletzt im vergangenen Sommer wieder vor Arcade Fire und beim tollen Weekend Fest in Köln - und jedes dieser Konzerte beeindruckte mich enorm. Nur mit Geige, Keyboard und Loop-Station spielt Owen bessere Konzerte als diese ganzen hippen Bands, die überall gefeiert werden, zusammen.

Daß bei nur zwei Deutschland-Terminen (und dem näheren der beiden in Münster!) trotzdem ein Owen-Konzert gesehen werden musste, hatte also nicht nur mit der allgemeinen Sucht und dem bisher livemusikalisch erstaunlich ereignislosen Frühjahr zu tun, es lag vor allem an meiner besonderen Wertschätzung für den Kanadier. Denn ansonsten rechtfertigt  nichts, mitten in der Woche Stunden entfernt zu einem Konzert zu fahren, daß für 22:15 Uhr angesetzt war.

Das Schloßgarten-Café in Münster scheint eine typische Hochzeitsgastronomie zu sein, überall lagen Magazine über das richtige Heiraten. Der Rote Salon, der als Konzertort ausgegeben war, war wohl hübsch, er war aber zunächst einmal sehr düster, als wir während des Vorprogramms kurz reinguckten. Diese Art elektronischer Musik, die dem dabei sitzenden Publikum vorgespielt wurde, fand ich langweilig, also reichte es auch passiv aus dem Vorraum. Das komische Metall-Gestell das unmittelbar mittig vor der Bühne stand und auf dem zwei Projektoren standen, würde ja für Owen sicher weggeräumt werden. Es schien mir Teil des Vorprogramms zu sein.

Um zehn spielte der Support immer noch. Auch um viertel nach, also zu Owens Startzeit. Der verprochen pünktliche Beginn war dahin. Bei zweieinhalb, drei Stunden nächtlicher Rückfahrt tut jede Minute mehr weh. Aber allein der Abbau des Metalldings würde eben Zeit kosten, nahm ich an. Als dann der erste Geigenton erklang (Owen fängt Konzerte immer sehr unvermittelt an) und wir in den Saal kamen, stand der Projektorhalter aber noch da. Den Künstler sah ich aber erst im zweiten Anlauf, er stand hinten links irgendwo. Da wir keine Stühle mit Jacken reserviert hatten und vorne alles voller Stühle war (hier ärgerte ich mich über zu wenig Strandurlauberfahrung), blieben uns die paar Stehplätze ganz hinten. 

Owen begann sein Konzert mit drei Solo-Stücken. Ob That's when the audience died dem Sitz-Publikum gewidmet war? Wahrscheinlich nicht, es wäre aber eine schöne Geschichte. Arctic circle und Many lives -> 49 MP waren die beiden anderen, bevor er seine Begleitband auf die Bühne bat. 

Die nächsten zehn Stücke, die er mit Ausnahme* von I am not afraid in der Dreierbesetzung spielte, stammten von seinen beiden Alben, die unter seinem Namen veröffentlicht wurden. Man kann und muß da nichts hervorheben, ich kenne kein schlechtes Owen Pallett-Lied. Weder unter dem eigenen noch unter dem alten Namen.

Zwischendurch fragte der seit einiger Zeit bärtige Sänger, ob wir etwas wissen wollten. Niemand wollte. "Dabei habe ich so viel zu erzählen!" Es ergab sich nur ein kurzer Dialog, der - weil nach vorne gesprochen - kaum verständlich war. Ich meine, ein Zuschauer vorne habe den Künstler mit der Aussage überrascht, Owen sei ein Genie. Er wollte sich dazu nicht äußern und fand den Dialog ganz offenkundig überflüssig.

Das Hören allgemein war kein Problem, im Gegenteil! Der Sound im Saal war brillant (und laut), man sah aber wenigstens hinten kaum etwas. Oder besser, man sah nur animierte Blumen. Teil des AV-Picknicks sind Animationen. Rund um die Bühne hingen Papierblumen, die von den beiden Projektoren angeleuchtet wurden. Ein angeleuchteter Künstler hätte mir auch gefallen, man kann aber nicht alles haben.

Als er nach dem großartigen The riverbed und dem Schlußsong The great elsewhere zu den Zugaben zurückkam, fragte Owen Pallett nach Wünschen. Ich bin leider nicht so der Reinschrei-Typ. Jemand in meiner Nähe schon - er wünschte sich This lamb sells condos. Owen antwortete, er spiele etwas von Steve Reich. Das machte er - und das herrlich minimalistische Stück dauerte bestimmt zwölf Minuten und lichtete die Reihen deutlich. Wie schade, denn zum einen war diese Steve Reich Demonstration hörenswert, zum anderen folgten mit The CN Tower... und ...Win and Régine noch zwei Final Fantasy Perlen zum Abschluß.

Wie dem Künstler das Konzert wohl gefallen hat? War die lange erste Zugabe sein Weg, Mißfallen auszudrücken? Ich weiß es nicht. Mir hat es musikalisch wie immer ausgezeichnet gefallen. Und wie Owen Pallett aussieht, weiß ich mittlerweile ja langsam auch.

Setlist Owen Pallett, AV-Picknick, Münster:

01: That's when the audience died (Final fantasy)
02: The arctic circle (Final fantasy)
03: Many lives -> 49 MP (Final fantasy)
04: In conflict
05: Keep the dog quiet
06: Soldier's rock
07: Tryst with Mephistopheles 
08: Song for five & six
09: I am not afraid
10: The secret seven
11: Infernal fantasy
12: The riverbed
13: The great elsewhere

14: Violin phase (Steve Reich) (Z)
15: The CN Tower belongs to the dead (Final Fantasy) (Z)
16: This is the dream of Win and Régine (Final Fantasy) (Z)

Links:


- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Karlsruhe, 30.11.14
- Owen Pallett, Köln, 29.11.14
- Owen Pallett, Dresden, 17.06.14
- Owen Pallett, Paris, 11.12.12
- Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
- Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
- Owen Pallett, Köln, 23.06.11
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10 


* wahrscheinlich... Sehen konnte man von hinten kaum etwas. 
 

Montag, 1. Dezember 2014

Owen Pallett, Karlsruhe, 30.11.14

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Konzert: Owen Pallett mit Support Foxes in Fiction
Ort: Jubez in Karlsruhe
Datum: 30. November 2014
Dauer: 90 min + 35 min
Zuschauer: knapp 100



Owen Pallett ist - auch Dank meiner Kollegen hier im Konzerttagebuch - schon sehr lange auf meinem musikalischen Horizont. Aber den Ausschlag dafür, dass ich mir das Konzert im Jubez ansehen wollte, war der Kommentar unseres kanadischen Gastes David Simard: He blew my mind (wir hatten an unserem gemeinsamen Abend im Jubez das Plakat gesehen). So war an diesem Samstag vor dem ersten Advent für mich Konzert-Schicht #2 angesagt. Christoph hat über das freitägliche Konzert in Köln als alter Hase berichtet. Ich war einen Tag später als totales Greenhorn dabei und weiß nun auch nicht so richtig, wie ich über das Gehörte vernünftig reden und nicht nur mit glücklichen Augen stammeln soll...


Der Abend begann sehr pünktlich mit Foxes in Fiction. Warren Hildebrand an der Gitarre und mit Hauptgesangspart wurde an vielen Keys, Elektronik & Omnichord von Emily Reo begleitet. Und ganz zurückgenommen stand auch Owen Pallett mit seiner Geige als dritter im Bunde schon auf der Bühne. Im Bericht zum Album nennt das klienicum den jungen Kanadier kindgesichtig. Ganz so empfand ich auch das Konzert. Das Adjektiv gibt die Inbrunst sehr treffend wieder und die Tiefe, aber auch das noch suchende im Ausdruck. 


Und Owen griff auch quasi väterlich (aber ganz zurückhaltend) mehrfach ein, um den Sound zu verbessern. Einmal stellte er das Mikro resolut viel tiefer und hatte ansonsten oft den Blick zum Soundmenschen hinten mit Signalen (leider gab es am Anfang einige Rückkopplungen vom Gesangsmikro). Die jungen Leute sind ganz schön umtriebig und gar nicht so grün hinter den Ohren, wie ich im Konzert dachte, aber (erst recht im Vergleich zu Owen Pallett anschließend) so recht überzeugt haben sie mich noch nicht. Da fehlen mir wohl die Ecken und Kanten so ein wenig.


Gegen 21:30 Uhr trat Owen Pallett von vorn auf die Bühne, rückte ein bisschen, prüfte das Mikro und fing einfach mit dem Konzert an. Er hatte ein unauffälliges T-Shirt und Hose an und war sozusagen der Gegenentwurf zum Stargeiger. Mit seinen ersten drei Stücken blieb er solo und es zeigte sich, dass er über die Bandstrecken der Setliste des Vorabends folgte.


Das Karlsruher Publikum wurde sehr nett begrüßt. Es sei wohl die kleinste Schar auf der Tour und so könnte er ja mit jedem reden. Tatsächlich gab es später mehrfach die Möglichkeit, Fragen zu rufen, die alle sehr nett beantwortet wurden.  Die durchlaufende Lobesphrase war you are kind, denn natürlich wurde aufmerksam zugehört und frenetisch applaudiert.
 


Im dritten Stück wurden die Geigenseiten sogar längs gespielt und im Scheinwerfer-Gegenlich sah man wie Qualm aufstieg. Irgendwie passte das in dem Moment sehr gut zu dem Feuer, das die Musik entfachte. Für das vierte Stück kamen Schlagzeug und Bass (mit sechs Saiten!) auf die Bühne. Die Stimmung wechselte zu sehr dunklen Tönen und wurde dann mit Soldiers Rock immer durchgeknallter. Irgendwann brach Owen auch ganz kurz ab und bat seinen Kollegen Matt Smith am Bass, doch mal den Filter anzumachen (das bezog sich auf das Keyboard, das der auch noch bediente). Einige Fasern am Bogen waren danach zerfetzt und wurden einfach ohne viel Federlesens abgerissen.



In conflict war anschließend klickernd und treibend wieder anders unterwegs. Inzwischen tropfte Owen schon ganz schön der Schweiß. Tryst for Mephistopheles führte dann in regelrechte Rockerekstase - sogar am Schlagzeug - und ich konnte endgültig mein Urteil entsorgen, der Schlagzeugerjob sei hier wohl ein bisschen langweilig. Der Schluss am Keyboard holte uns dann alle runter und normalisierte auch die Atmung. Danach gab es eine verdiente Pause für die Drums und eine Frage ans Publikum: What do you do for fun?


In zwei Stücken waren nun die alten Hasen allein auf der Bühne und Scandal at the parkade zelebrierte ein sehr entschiedenes Geigen-Thema, das bei mir Assoziationen zu den Vier Jahreszeiten (das finale Presto im Sommer) weckte. Das zweite Stück The great elsewhere hatte ein Drehorgel Thema und eine traurige Clownsmelodie.
 



Schließlich kam auch der Drummer zurück für The great seven. Anschließend war wieder Fragestunde und ich hatte die Gelegenheit, ihn zu seinem Eindruck vom Kölner Festival zu befragen. Er erzählte daraufhin, dass dort die erste Show für Drummer gewesen sei. Eindrücke von Karlsruhe hatte er noch keine, weil sie im Dunkeln angekommen sind. Er müsse dann wohl am nächsten Morgen etwas tweeten (das ist er aber schuldig geblieben...)

Eingelöst wurde jedoch das Versprechen, noch vier Bandsongs in petto zu haben. Das waren das sehr kurze Infernal Fantasies und das zunächst Keyboard-zentrierte This is the dream of Win and Régine. Bei Riverbed wurde ein Rhythmus-Teppich ausgelegt wie für We will rock you. Das ganze Stück war über die gesamte Länge extrem drängend und hymnisch und führte sehr gut auf den abschließenden Hexensabbat und die Gefühlsexplosion von Lewis takes off his shirt hin.



Natürlich baten wir um Zugaben und erhielten noch drei Solonummern. Beim ersten bat er um Rücksicht: I never play this song. Er war innigst und vielleicht das für mich eindrucksvollste (wenngleich es wirklich schwer ist, so etwas zu sagen bei der Qualität des Programms). Das nächste Stück The Passions begann wieder am Keyboard und war ziemlich düster und bedrückt. Im Zwischenteil gab es so eine interessante Verschiebung von Tonart und damit auch der Hörerwartung, die mich total fasziniert hat. Better than worse beendete den Abend auf einer eher feierlichen Note: Gehet hin in Frieden.


Ein Abend, der mich ordentlich durchgeblasen und restlos glücklich gemacht hat.

Setlist:
01: That's when the audience died (solo)
02: This lamb sells condos (solo)
03: Song for five & six (solo)

04: Keep the dog quiet
05: Soldiers rock
06: In conflict
07: Tryst with Mephistopheles
08: Scandal at the parkade
09: The great elsewhere
10: The secret seven
11: Infernal fantasy
12: This is the dream of Win and Régine
13: The riverbed
14: Lewis takes off his shirt

15: ?? (Z, solo)
16: The passions (Z, solo)
17: Better than worse (Z, solo)
 
aktuelle Tourdaten
29.11. Köln WEEK-END Festival
30.11. Karlsruhe Jubez
01.12. München Feierwerk
02.12. Zürich Rote Fabrik
09.12. Leipzig Schauspiel
10.12. Wien brut (im Künstlerhaus)



Das klienicum zu Foxes in Fiction
Konzertmitschnitt Juli 2014 



Aus unserem Archiv: 
Owen Pallett, Köln, 29.10.14 
Owen Pallett, Dresden, 17.06.14
Owen Pallett, Paris, 11.12.12
Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
Owen Pallett, Köln, 23.06.11
Owen Pallett, Paris, 22.02.11
Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
Owen Pallett, Paris, 01.06.10
Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
Final Fantasy, Haldern, 14.08.09


Sonntag, 30. November 2014

Owen Pallett, Köln, 29.11.14

5 Kommentare

Konzert: Owen Pallett
Ort: Stadthalle Mülheim, Köln (Week-End Fest #4)
Datum: 29.11.2014
Dauer: 70 min




"Ich begrüße ihn mit den Worten, die er jetzt sein Leben lang hören wird: 'Here comes Academy Award nominee, Owen Pallett!'" 

Daß mein kanadischer Liebling Teil des Week-End #4 Lineups sein würde, war mir lange schon klar. Owen Pallett ist "Freund des Hauses" und musste irgendwann einfach das Kölner Festival spielen. 2014 war ideal, da das das Owen Pallett Jahr war. Im Frühjahr die Oscars (er gewann zwar leider mit der Musik für Her nicht und war daher auch nicht auf diesem doofen Selfie), im Mai sein eigenes Album und anschließend das erneute Touren als Support und zweite Geige* bei Arcade Fire.

Diese Doppelfunktion bei Arcade Fire hatte Owen Pallett auch schon beim vermutlich besten Konzert meines Lebens gespielt. 2005 hatten Arcade Fire im 3 km entfernten Gebäude 9 gespielt. Vorgruppe war Final Fantasy, also Owen solo mit Geige.

Seitdem habe ich den Kanadier immer wieder gesehen - in allen erdenklichen Konstellationen. Mal alleine, mal mit Gitarrist, mit ganzer Band oder mit Orchester. Am liebsten mochte ich aber bisher die Auftritte, bei denen der Musiker nur mit Geige, Keyboard und Loopstation seine herrlich kauzigen Melodien reproduzierte. Vor dem Week-End Fest hatte ich mich gefragt, ob es auch diesmal (wie zuletzt beim Arcade Fire Support) ein Solo-Auftritt werden würde. Der Aufbau beantwortete die Frage. Owen wurde von einem zweiten Keyboarder (und Bassisten) und einem Schlagzeuger begleitet. 

Um kurz nach zehn (zehn Minuten vor dem Zeitplan) kam aber der von Conférencier Dave Doughman angekündigte Violinist zunächst alleine auf die Bühne und begann mit That's when the audience died vom Final Fantasy Debüt-Album. Vermutlich hatte er das auch damals im Gebäude 9 gespielt (da hat aber niemand die Setlist dokumentiert - shame on me). Bevor er mit Song song song ein Lied vom zweiten Album He poos clouds spielte, erklärte er, daß er das für Kölner Freunde mache. "Some old songs. 'Yeah, old songs!'"


Nach Keep the dog quiet (ich: "yeah, newer songs!"), das der Künstler auch noch solo vortrug, kam die Band dazu. Der Schlagzeuger sei Ersatz für den normalen Trommler (Geburtsauszeit) und spiele sein erstes Konzert! Der Bassist (der aber doch eine Gitarre hatte? Oder einen sechssaitigen Bass? Das Instrument klang bassig) kam mir bekannt vor. Die Namen der beiden habe ich leider nicht verstanden. Daß der Drummer neu war, merkte man ihm nicht an. Sicher ist es fürs Lampenfieber auch nicht hilfreich, wenn der Chef immer wieder betont, daß es das Debüt ist. Aber Schlagzeuger (und besonders er) scheinen Stoiker zu sein - der Owen-Trommler machte seinen Job hervorragend!

In Bandkonstellation spielten die drei nur neuere Songs, also Lieder der Platten In conflict und Heartland. Nach Tryst with Mephistopheles verschwand der Schlagzeuger vorerst wieder. Der Bassist zögerte, bis Owen ihn fragte "willst du bleiben?" Er wollte. Zu zweit spielten sie einen der stärksten Songs, das wundervolle Scandal in the parkade von der EP zwischen den beiden letzten Plattem (der Hintergrund des Textes ist alles andere als wundervoll, die Melodie und das Arrangement aber in der Owen-Top-3). 


Bei Konzerten mit Band spielt das Loopen zwar auch eine Rolle, es steht aber nicht so im Vordergrund wie bei Owens Solo-Auftritten. Dieses schichtweise Aufnehmen der Rhythmen hat für mich nichts von seiner Faszination eingebüßt. Bei zwei oder drei Mann auf der Bühne achtet man natürlich nicht nur darauf. Außerdem gibt es das Schlagzeug als Rhythmusgeber. Alleine erloopt sich der Kanadier die Songstrukturen. Aber - lange Rede, kurzer Sinn - mir gefiel die Band-Herangehensweise diesmal so gut wie bisher nie. Ich bin nicht mehr sicher, wie ich Owen Pallett am liebsten mag (doch: möglichst oft!). 

"We have to fill 70 minutes!" sagte der Sänger irgendwann. Gottseidank! Wenn ich all die Lieblingslieder aufzählen müsste, die er nicht gespielt hat (CN Tower, Lewis I, Midnight directives, This lamb sells condos, Many lives...), hätte Owen auch gut und gerne zwei Stunden spielen dürfen. Aber ich will mich nicht beschweren. Das Konzert war zwar nicht weiter überraschend, weil ich wusste, daß seine Auftritte immer herausragend sind und weil kein absurd-schönes Cover gespielt wurde (wir hatten uns vorher etwas von einer der Kölner Folk-Bands gewünscht) - er war aber eben auch... wieder herausragend. Wie gut, wenn Festivalmacher solche Freunde haben!

Setlist Owen Pallett, Week-End Fest #4, Köln:

01: That's when the audience died**
02: Song song song**
03: Keep the dog quiet**
04: Soldiers rock
05: In conflict
06: Tryst with Mephistopheles
07: Scandal at the parkade
08: The great elsewhere
09: The secret seven
10: Infernal fantasy
11: This is the dream of Win and Régine
12: The riverbed
13: Lewis takes off his shirt

14: Song for five & six**

Links:

- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Dresden, 17.06.14
- Owen Pallett, Paris, 11.12.12
- Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
- Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
- Owen Pallett, Köln, 23.06.11
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
- Final Fantasy, Haldern, 14.08.09

* 'tschuldigung!
** Owen solo





Mittwoch, 18. Juni 2014

Arcade Fire, Dresden, 17.06.14

4 Kommentare

Konzert: Arcade Fire
Ort: Junge Garde, Dresden
Datum: 17.06.2014
Dauer: Arcade Fire 100 min, Owen Pallett knapp 45 min
Zuschauer: vielleicht 5.000 (offenbar fast ausverkauft)


Im vergangenen Herbst hätte ich zu gerne Arcade Fire (unter ihrem Tarnnamen The Reflektors) auf ihrer kurzen Europa-Tour gesehen. Die geheimen Konzerte waren natürlich alles andere als geheim, nur der (weltgrößte oder zweitgrößte) Online-Tickethändler rechnete nicht mit einem Ansturm und versagte amateurhaft. Ich hatte meine Karten für das Mini-Konzert bereits im Warenkorb, hatte die Kreditkartendaten eingegeben, war sogar bis zur Eingabe meines Secure-Codes auf einer externen Sparkassen-Seite gekommen und bin auf dem Rückweg zum Ausdruck der Tickets abgestürzt. Ich habe irgendwann mal in einem Sozialpsychologie-Buch über das unterschiedlich starke Maß an Verlangen nach Keksen gelesen, wenn a) keine Kekse auf dem Tisch standen und b) welche da waren, aber wieder weggenommen wurden. Das funktioniert auch mit Konzertkarten.

Vor drei Wochen waren die Kanadier dann einer der Headliner des Primavera Festivals. Ich mag die aktuelle Platte immer noch weniger als die ersten drei, sie wird aber immer besser. Das Konzert auf dem Primavera war trotzdem nach dem sagenhaft-irren Auftritt im Gebäude 9 2005 mein bestes Arcade Fire Konzert bislang.

In Barcelona gehörte Owen Pallett wieder zur Live-Besetzung der ohnehin schon großen Band. Damit schloss sich der Kreis meiner Arcade Fire Konzerte, denn auch vor neun Jahren war der kanadische Geiger Teil der Truppe. Und wie im Gebäude 9 bestritt Owen Pallett (damals jedoch noch als Final Fantasy) das Vorprogramm. Und wenn ich ganz ehrlich bin, war ich ganz froh, daß nach ihm noch eine Lieblingsband kommen würde, denn ich wäre auch nur wegen des Vorprogramms nach Dresden gefahren, das wäre aber schwerer zu erklären gewesen.

Owen Pallett hat im Mai auch sein viertes Album veröffentlicht - zwei als Final Fantasy, zwei unter seinem Namen. Und im Gegensatz zu Reflektor ist In conflict mindestens so gut wie die Vorgänger. Die neuen Stücke des Geigers, der im März für einen Oscar nominiert war, sind mit mehr Instrumenten arrangiert. Owen spielt seine Solo-Konzerte (zuletzt etwa in Berlin und Paris) auch mit Band. Ich hatte vor ein paar Jahren schon Konzerte von ihm mit Gitarristen oder mit kompletter Band gesehen, mochte aber Owens Solo-Auftritte immer am liebsten. Ihm zuzusehen, wie er mit seiner Loopmaschine die Geigenarrangements schichtweise erzeugt, hat auch beim x-ten Male nichts an Faszination verloren. Daß Owen Pallett vermutlich der talentierteste Indie-Künstler ist, beweisen nicht nur die zahllosen Kooperationen, dazu reicht eigentlich nur das erstaunte Zugucken bei einem seiner Konzerte.

In Dresden trat Owen Pallett um Punkt sieben alleine auf. Er trug noch seine Zivilkleidung, T-Shirt und Jeans (und keine Schuhe, die zieht er immer als erstes aus) und stellte sich mit seiner Geigen ans Keyboard und begann... mit keinem der neuen Stücke. E is for estranged von der mittlerweile vier Jahre alten dritten Platte Heartland war das erste Lied. Wenn ich eine Liste mit den besten Owen-Pallett-Titeln machen müsste, käme E is... wahrscheinlich nicht vor, weil ich das immer wieder vergesse. Und wenn es dann live gespielt wird, fällt mir wieder auf, was für ein Knüller der Song ist. 

Es ging weiter mit That's when the audience died vom ersten Final Fantasy Album, Midnight directives von Heartland (bestes Lied des Sets!) aber nichts Neuem!

Vor dem nächsten alten Hit (Keep the dog quiet) riss eine Saite an Owens Geige. Oh, no! Er wollte sie schnell flicken, ihm fiel aber gleichzeitig ein, daß das zu lange dauere, also lieh Owen sich (ohne fragen zu können) das Instrument von Kollegin Sarah Neufeld. "Sarah's gonna kill me!" - "Nein, das ist schon ok, ich leihe ihr meine Geige auch dauernd!" Es beschäftigte ihn aber weiter. Owen Pallett benutzt seine Geige nicht nur im klassischen Sinne, er klopf aufs Gehäuse, um Rhythmen zu erzeugen, spielt sie wie eine Mandoline oder singt in das Mikro im inneren der Geige. Mit Sarahs Instrument fühlte er sich offenbar eingeschränkt. Ob er sein Programm daran anpasste, kann ich nicht sagen, ich könnte es mir aber vorstellen. "I'm sure she is fine!"

Das nächste Lied hielt ich für ein Cover, es war aber eines der von mir selten gehörten Final Fantasy Stücke Song song song vom zweiten Album He poos clouds, das ich offenbar dringend wieder hören muß! Danach kam mit Panic at the parkade ein weiterer - ich weiß, ich langweile - Liebling, Scandal at the parkade von der wundervollen 2010er EP A Swedish love story bevor er endlich, endlich das erste neue Stück anstimmte. Daß eines (und das) noch kam, hatten wir am Einlaß mitbekommen, der sich verzögert hatte, weil Owen noch seinen Soundcheck machen musste, und den absolvierte er mit Song for five & six. Ich hätte gerne viel mehr von In conflict gehört, aber scheinbar geht das ohne Band nicht so gut, wie der Künstler das möchte. Es blieb also bei dem einem Stück, bevor natürlich sein Arcade Fire Lied (This is the dream of Win and Régine) und Lewis takes off his shirt als Abschluß folgten. Die beiden Wachleute mit "Sicherheit"-Polos mochten den weibischen Kram nicht so, mich begeisterte Owen Pallett einmal mehr! Hätte Kanada außer Kevin McKenna Fußballspieler, die so viel Talent in ihrem Job haben wie Owen Pallett in seinem, Kanada käme sicher ins WM-Halbfinale!

Setlist Owen Pallett, Junge Garde, Dresden:

01: E is for estranged
02: That's when the audience died
03: Midnight directives
04: Keep the dog quiet
05: Song song song
06: Scandal at the parkade
07: Song for five & six
08: This is the dream of Win and Régine
09: Lewis takes off his shirt

"Ich ziehe mich jetzt um, dann komme ich wieder mit Arcade Fire!"

Es dauerte eine Weile, bis dafür alles vorbereitet war. Die Ansetzung Owen Pallett 19 Uhr, Arcade Fire 21 Uhr konnte nur funktionieren, wenn der Support nur 30 Minuten dauerte, damit hatte ich gerechnet. Die zusätzliche Viertelstunde Vorprogramm war aber ein toller Preis für längeres Warten auf die Hauptgruppe! Auf der anderen Seite bedeutete dies aber bereits da, daß das Konzert kürzer als das beim Primavera Festival sein würde. Die Junge Garde ist eine in den 50er Jahren in einem Stadtpark errichtete Freiluft-Bühne, die nah genug an Wohnhäusern steht, daß Konzerte um zehn vorbei sein müssen. Der Festival-Auftritt hatte fast zwei Stunden gedauert, so viel Zeit blieb bis zum ersten möglichen Anruf bei der Polizei nicht mehr.

Der Bühnenaufbau war dem von Barcelona sehr ähnlich, auch wenn die Bühne in Dresden kleiner war. Auch die Bandbesetzung war fast identisch, es fehlte lediglich ein dritter Blechbläser. In Dresden waren zwölf Musiker auf der Bühne, zwei Bläser, zwei Percussionisten, Owen Pallett und Sarah Neufeld (Geige und Keyboard) und die sechs festen Bandmitglieder um Régine Chassagne und Win Butler. Die Musiker waren diesmal nicht einheitlich in weiße Dinge mit schwarzen Verzierungen gekleidet, nur die Tour-Mitglieder trugen diese Outfits. Die Band hatte andere Sachen gefunden, Win zum Beispiel ein güldenes Jacket, sein Bruder einen blauen Camouflage-Anzug.

Nachdem das Alufolien-Roboterwesen, das die Tour begleitet, auf der Bühne erschienen war und uns (durch einen etwas hölzern wirkenden Sprecher) auf Deutsch begrüßt hatte, kamen die zahllosen (nein, 12) Musiker auf die Bühne und begannen die Party mit Reflektor, dem besten Song des neuen Albums. 

Die Setlist glich zu Beginn der von Barcelona sehr. Mit Empty room von Reflektor wich sie erstmals ab. Das Stück von The Suburbs war neu im Set. Sehr schön!

Auf Tunnels war beim Primavera Laika gefolgt, die besten zehn Minuten des Festivals! Darauf hatte ich mich wieder gefreut, es kam aber kein Laika. Der Ersatz war allerdings auch nicht verkehrt, Win Butler stimmte Common people von Pulp an. In den letzten Tagen habe ich das Album Different class einige Male gehört, Common people gehört auch nach fast 20 Jahren noch zu meinen unbedingten Lieblingsliedern! Die Arcade Fire Version war kurz, schön, ließ aber im Publikum vor allem fregende Gesichter zurück. Erstaunlich!

Wir hatten uns vorher unterhalten, welchen deutschen Song die Band wohl covern würde und kamen auf Nena, Hyper Hyper, Can oder Wind of change. Daß es Common people sein würde, hatte ich wirklich nicht erwartet. Es war toll!


Danach ging alles furchtbar schnell! Furchtbar schnell, weil so viel auf der Bühne passierte, daß die Lieder nur so dahinflogen. Immerhin dauerte es rund 75 min, bis die Band die Bühne erstmals verließ. Es fühlte sich aber wie eine gute halbe Stunde an. Neben all den anderen Knüllern überzeugt mich Sprawl II live immer mehr. Vermutlich ist das eines der besten, vielleicht das beste Livestück der Kanadier. Aber auch Ready to start, No cars go und wie sie alle heißen, kamen toll an!

Bei Afterlife hatte sich das Alumonster auf ein Podest vor dem Mischpult gestellt. Für uns in den ersten Reihen bot sich ein tolles Bild mit den Zuschauermengen hinter der lebenden Discokugel. Bei It's never over übernahm Régine seinen Platz uns lieferte sich mit Win ein Duett, das schon ein wenig an Kleine Taschenlampe brenn' (das ich mag!) oder Stella Maris erinnert. Dazu erschien Régines Gesicht auf der Leinwand, es ist ein wirklich schöner Moment, dieses Duett!

Bevor die Band wieder auf die Bühne kam, liefen die Doppelgänger mit den großen Köpfen auf. Der Papst fehlte, im protestantischen Osten passte der vielleicht nicht. Stattdessen führte eine Figur mit Bildschirmen als Kopf, auf denen das Gesicht von David Bowie zu sehen war. Bowie sang seine deutsche Version von Heroes. Danach waren Arcade Fire wieder bereit und coverten jetzt wirklich einen deutschen Song, Sexy von Westernhagen. Sie nennen dieses Bluesstück Normal person - und ich mag es mit Abstand am wenigsten von allen gespielten Liedern. Rebellion (lies), Here comes the nighttime und Wake up entschädigten aber dafür und bildeten einen sagenhaft guten Abschluß im Konfetti-Regen.

Der Abend gefiel mir außerordentlich gut. Hätte ich die Band nicht vor zwei Wochen noch eine Ecke besser gesehen, wäre das vermutlich das Konzert, an das ich mich in Jahren noch erinnern werde. Mein Frust, die kleinen Auftritte im Herbst nicht gesehen zu haben, ist wieder ein kleines Stückchen kleiner geworden.

Setlist Arcade Fire, Junge Garde, Dresden:

01: Reflektor
02: Flashbulb eyes
03: Neighborhood #3 (Power out)
04: Joan of Arc
05: Empty room
06: The suburbs
07: Ready to start
08: Neighborhood #1 (Tunnels)
09: Common people (Pulp Cover)
10: No cars go
11: Rococo
12: My body is a cage (kurz)
13: Afterlife
14: It's never over (Hey Orpheus)
15: Sprawl II

16: Normal person (Z)
17: Rebellion (lies) (Z)
18: Here comes the nighttime (Z)
19: Wake up (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Arcade Fire, Barcelona, 29.05.14
- Arcade Fire, Luxemburg, 26.06.11
- Arcade Fire, Wiesen, 22.06.11
- Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10
- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07
- Owen Pallett, Paris, 11.12.12

- Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
- Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
- Owen Pallett, Köln, 23.06.11
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10


Schlechte Fotos folgen. Bessere hat vermutlich der örtliche Veranstalter.





Donnerstag, 13. Dezember 2012

Owen Pallett, Paris, 11.12.12

2 Kommentare


Konzert: Owen Pallett (Pinkunoizu & Wolves & Moons)
Ort: La Gaité Lyrique
Datum: 11.12.2012
Zuschauer: leider nur zu 65% gefüllt 
Konzertdauer: 90 Minuten


Eine kostenlose Einladung zu einem Konzert von Owen Pallett weist man nicht einfach so zurück, oder? Eben. Genau das habe ich mir auch gedacht, als mein Kumpel Vincent in unserer privaten Facebook Runde, die wir Pariser Konzertnerds gegründet haben, gegen 20 Uhr am Tge des Konzertes bekannt gab, daß er noch ein Plätzchen für den Wundergeiger übrig hätte. Ich nahm also dankend an, obwohl ich mir eigentlich fest vorgenommen hatte, mich auszuruhen. Aber ausruhen kann ich mich noch, wenn ich tot bin und wer weiß wie lange ich bei meinem Lebenswandel noch lebe. Also rein in die Klamotten und raus in die eisige Pariser Nacht Richtung Gaité Lyrique, wo Owen spielen würde. Die moderne und gut sonorisierte Location besuche ich eigentlich recht selten, obwohl hier immer wieder sehr gute Bands auftreten. Nun aber war ich endlich mal wieder hier und nahm am Empfang dankend mein Gratiskärtchen entgegen. Wolves & Moons und Pinkunoizu hatten bereits gespielt, aber das war mir wurscht, Owen reichte mir. Zumal Herr Pallett stolze 90 Miuten rumfiedeln würde, was ja wirklich großzügig ist. 






Zusammen mit einem Drummer und einem Gitarristen/Keyboarder sang, loopte und geigte er sich in teils schwindelerregende Höhen, ließ uns aber in manchen Phasen auch etwas gelangweilt aus der Wäsche gucken. Die brillanten Passagen traten aber deutlich öfter auf als die öden, so daß sich mein kurzfristiges Kommen auf jeden Fall gelohnt hatte.





Zu sehen gibt es ja ohnehin immer eine ganze Menge bei dem ehemals als Final Fantasy auftretenden Künstler. Da ist man immer wieder verblüfft, was er mit seiner Violine so alles anstellt. Zupfen, streichen und sie sogar wie ein Tasteninstrument benutzen, das alles kannte ich schon, aber als er mit ausgestrecktem Arm seine Geige mit dem Bogen ansägte, als wolle er eine Scheibe Brot abschneiden, war ich dann doch geplättet. Das sah einfach total irre aus!

Und für den Ohrenschmaus sorgte nicht zuletzt seine ungemein liebliche Stimme. Er singt wirklich wie der holdeste aller Jünglinge und stellte in dieser Hinsicht manchmal sogar seinen engelsgleich intonierenden Artgenossen Berirut in den Schatten. "Il a une voix celeste", wie die Franzosen sagen und in der Tat, das trifft es: celeste= göttlich, himmlisch.





Bei E is for Estranged, das er zunächst zupfend dann streichend vortrug, klang sie besonders schön und Tryst With Mephistopheles war in jeder Hinsicht ein Highlight, stimmlich, kompositorisch und dramaturgisch. Ein mindestens 7 Minuten langer Titel, der mit vielen kleinen Details, sehr hübschen Melodien und Stimmungsänderungen aufwarten konnte.

Nach wie vor stark klangen auch die alten Final Fantasy Titel Lewis Takes Action und This Is The Dream Of Win And Regine, während Midnight Directives etwas langweilig vor sich hin plätscherte.



Neue, unveröffentlichte Songs gab es reichlich. Sie hießen unter anderem Soldier's Rock, Infernal Fantasy oder The Sky Behind The Flag und ließen auf das 2013 zu erwartende Album neugierig werden. Die Fertigstellung dieses Werkes sei ein langwieriger Prozess ließ Owen wissen und zuckte ein wenig mit den Schultern, fast entschuldigend dafür, daß es immer noch nicht draußen ist.


Die Fans werden sich gedulden können und man hat ja zum Trost die alten Nummern. Lewis Takes Off His Shirt als letzte Zugabe eines 90 minütigen Konzertes war allein schon das Kommen wert!

Eine Einladung zu einem Konzert von Owen Pallett weist man in der Tat nicht zurück, ich wäre blöd gewesen, wenn ich zu Hause geblieben wäre!

Setlist Owen Pallett, La Gaité Lyrique, Paris (nicht in dieser Reihenfolge, merci à Florianne!

Midnight Directives 
Song Song Song
Keep The Dog Quiet- Mount Alpentine
Lewis Takes Action (Final Fantasy)
The Great Elsewhere
Tryst With Mephistopheles
This Is The Dream Of Win And Regine (Final Fantasy)
E is for Estranged
Many Lives ->49MP
Lewis Takes Off His Shirt
Soldier's Rock
Song For 5 And 6
Infernal Fantasy
The Sky Behind The Flag





 

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