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Donnerstag, 13. Dezember 2012

Owen Pallett, Paris, 11.12.12

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Konzert: Owen Pallett (Pinkunoizu & Wolves & Moons)
Ort: La Gaité Lyrique
Datum: 11.12.2012
Zuschauer: leider nur zu 65% gefüllt 
Konzertdauer: 90 Minuten


Eine kostenlose Einladung zu einem Konzert von Owen Pallett weist man nicht einfach so zurück, oder? Eben. Genau das habe ich mir auch gedacht, als mein Kumpel Vincent in unserer privaten Facebook Runde, die wir Pariser Konzertnerds gegründet haben, gegen 20 Uhr am Tge des Konzertes bekannt gab, daß er noch ein Plätzchen für den Wundergeiger übrig hätte. Ich nahm also dankend an, obwohl ich mir eigentlich fest vorgenommen hatte, mich auszuruhen. Aber ausruhen kann ich mich noch, wenn ich tot bin und wer weiß wie lange ich bei meinem Lebenswandel noch lebe. Also rein in die Klamotten und raus in die eisige Pariser Nacht Richtung Gaité Lyrique, wo Owen spielen würde. Die moderne und gut sonorisierte Location besuche ich eigentlich recht selten, obwohl hier immer wieder sehr gute Bands auftreten. Nun aber war ich endlich mal wieder hier und nahm am Empfang dankend mein Gratiskärtchen entgegen. Wolves & Moons und Pinkunoizu hatten bereits gespielt, aber das war mir wurscht, Owen reichte mir. Zumal Herr Pallett stolze 90 Miuten rumfiedeln würde, was ja wirklich großzügig ist. 






Zusammen mit einem Drummer und einem Gitarristen/Keyboarder sang, loopte und geigte er sich in teils schwindelerregende Höhen, ließ uns aber in manchen Phasen auch etwas gelangweilt aus der Wäsche gucken. Die brillanten Passagen traten aber deutlich öfter auf als die öden, so daß sich mein kurzfristiges Kommen auf jeden Fall gelohnt hatte.





Zu sehen gibt es ja ohnehin immer eine ganze Menge bei dem ehemals als Final Fantasy auftretenden Künstler. Da ist man immer wieder verblüfft, was er mit seiner Violine so alles anstellt. Zupfen, streichen und sie sogar wie ein Tasteninstrument benutzen, das alles kannte ich schon, aber als er mit ausgestrecktem Arm seine Geige mit dem Bogen ansägte, als wolle er eine Scheibe Brot abschneiden, war ich dann doch geplättet. Das sah einfach total irre aus!

Und für den Ohrenschmaus sorgte nicht zuletzt seine ungemein liebliche Stimme. Er singt wirklich wie der holdeste aller Jünglinge und stellte in dieser Hinsicht manchmal sogar seinen engelsgleich intonierenden Artgenossen Berirut in den Schatten. "Il a une voix celeste", wie die Franzosen sagen und in der Tat, das trifft es: celeste= göttlich, himmlisch.





Bei E is for Estranged, das er zunächst zupfend dann streichend vortrug, klang sie besonders schön und Tryst With Mephistopheles war in jeder Hinsicht ein Highlight, stimmlich, kompositorisch und dramaturgisch. Ein mindestens 7 Minuten langer Titel, der mit vielen kleinen Details, sehr hübschen Melodien und Stimmungsänderungen aufwarten konnte.

Nach wie vor stark klangen auch die alten Final Fantasy Titel Lewis Takes Action und This Is The Dream Of Win And Regine, während Midnight Directives etwas langweilig vor sich hin plätscherte.



Neue, unveröffentlichte Songs gab es reichlich. Sie hießen unter anderem Soldier's Rock, Infernal Fantasy oder The Sky Behind The Flag und ließen auf das 2013 zu erwartende Album neugierig werden. Die Fertigstellung dieses Werkes sei ein langwieriger Prozess ließ Owen wissen und zuckte ein wenig mit den Schultern, fast entschuldigend dafür, daß es immer noch nicht draußen ist.


Die Fans werden sich gedulden können und man hat ja zum Trost die alten Nummern. Lewis Takes Off His Shirt als letzte Zugabe eines 90 minütigen Konzertes war allein schon das Kommen wert!

Eine Einladung zu einem Konzert von Owen Pallett weist man in der Tat nicht zurück, ich wäre blöd gewesen, wenn ich zu Hause geblieben wäre!

Setlist Owen Pallett, La Gaité Lyrique, Paris (nicht in dieser Reihenfolge, merci à Florianne!

Midnight Directives 
Song Song Song
Keep The Dog Quiet- Mount Alpentine
Lewis Takes Action (Final Fantasy)
The Great Elsewhere
Tryst With Mephistopheles
This Is The Dream Of Win And Regine (Final Fantasy)
E is for Estranged
Many Lives ->49MP
Lewis Takes Off His Shirt
Soldier's Rock
Song For 5 And 6
Infernal Fantasy
The Sky Behind The Flag





Mittwoch, 23. Februar 2011

Owen Pallett, Paris, 22.02.11

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Konzert: Owen Pallett (Karaokake & Buke and Gass & Gaspar Claus)

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 22.02.2011
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: etwa 65 Minuten


Musikindustrie in der Krise? Zumindest die Konzertveranstalter können sich diese Woche in Paris mitnichten beklagen:

21.02.2011: Razorlight, La Flèche d'or: ausverkauft; Timber Timbre, La Maroquinerie: ausverkauft; Esben & The Witch: fast ausverkauft; Keren Ann, Canal +: ausverkauft
22.02.2011: Owen Pallet, Café de la Danse: ausverkauft; Razorlight, La Fléche d'or: ausverkauft; Skunk Anansie, Olympia: ausverkauft
23.02.2011: Joan As A Police Woman, La Flèche d'or: ausverkauft
24.02.2011: PJ Harvey, Olympia: ausverkauft
25.02.2011: PJ Harvey, Olympia: ausverkauft
26.02.2011: Band Of Horses, La Cigale: ausverkauft

Da fragt man sich, wie das Ganze in Boomzeiten aussehen soll. Müssen wir die Karten dann 1 Jahr im Voraus reservieren?

Dass Shows von Owen Pallett ausverkauft sind, wundert mich allerdings nicht im Geringsten. Der kanadische Geiger ist zweifelsohne ein großes Talent, vielleicht sogar ein Wunderkind.

Bevor die zahlreichen Zuschauer allerdings in den Genuß der Violin- und Loopkünste des Blondschopfs kamen, musste zunächst noch eine ziemlich schräge Vorgruppe erduldet werden. Buke and Gass ein gemischtes Duo aus Brooklyn spielte schrammeligsten Lofi-Punk, der ins Vorprogramm von Scout Niblett oder Hole gepasst hätte, aber hier nicht hingehörte. Warum man den beiden über eine Stunde Spielzeit eingräumt hat, blieb mir und vielen anderen ein Rätsel. Zumal Buke and Gass bereits die zweite Vorgruppe waren, denn ganz am Anfang hatten die tollen Elektropopper Karaokake (die französische Antwort auf Au Revoir Simone und Ladytron) aus Paris gespielt (ausführlichere Reviews siehe unser Archiv). Und damit nicht genug, während der Umbaupause vor dem Konzert von Owen durfte sogar der französische Cellist Gaspar Claus (Foto) noch fiedeln was das Zeug hält. Ich hatte den talentierten Burschen bereits einmal bei einer Home Show erlebt und weiß auch, daß er schon mehrfach von Vincent Moon (auf dem Foto hinten links mit dem weißen Hemd) gefilmt wurde.



Um 22 Uhr dann aber endlich Herr Pallett. Ganz alleine mit Schirmmütze, Violine, Keyboard und seinen Pedalen erschienen, brillierte der Sympath* mit der engelsgleichen Stimme und den verblüffenden Zupfkünststückchen von Anfang an. Er hielt das hohe Niveau durchgängig (abgesehen von zwei verpatzten Loops, menschlich) und lediglich im Mittelteil wurde es ein klein wenig zäh und anstrengend (was bestimmt auch meiner chronischen Müdigkeit geschuldet war), bevor er dann nach gut einer Stunde zu einem furiosen Finale einsetzte und die Intensität seines Geigenspiels noch einmal erhöhte. Himalaja hohe Gipfel wurden erklommen, Owen ging ins Hohlkreuz, lief mit seiner Violine auf und ab und gab noch mal alles. Die Zuschauer schnalzten mit der Zunge und stürmischer Applaus brandete auf. Eine Zugabe, dann war das hochfeine Konzert auch schon beendet. Fragt mich bitte nicht nach einzelnen Songs, ich kenne mich da bei Owen Pallett viel weniger gut aus als mein Kollege Christoph, der zu recht von dem Geiger in den höchsten Tönen schwärmt.



Stellt sich natürlich die Frage, warum Owen so spät gespielt hat (normal ist hier 21 Uhr für die Hauptgruppe). War er etwa verpätet in der Location angekommen, gab es Probleme mit den Transportmitteln, oder was war der Grund warum mit Buke und Gass eine nicht vorgesehene zweite Vorgruppe auf die unschuldigen Zuschauer gehetzt wurde, die genauso lange (!) spielen durfte, wie der Headliner?? Fragen über Fragen...

Die hohe Musikalität von Owen Pallett ist allerdings unfraglich. Ich sehe und höre ihn wieder gerne!



* Sympath auch deshalb, weil er im Gegensatz zu seinem spröden und introvertierten Widersacher Andrew Bird oft und spontan lächelt, auf angenehm bescheidene Weise mit dem Publikum kommuniziert (" Oh, ihr werdet euch sicherlich fragen, wie ihr auf die seltsame Idee kamt, für einen Typen wie mich 20 Euro auszugeben") und sich nicht zu ernst nimmt. In der witzigsten Szene des Abends griff er sich spontan eine Pulle Weißwein (einen Chardonnay, wie mir Weinkenner soufflierten) und trank ungeniert aus der Flasche. Haha!

Anmerkung: die beiden Fotos stammen von Christoph und entstanden in Eindhoven. Meine kommen in Kürze.

Setlist Owen Pallett, Café de la Danse, Paris:

01: A Man With No Ankles
02: Scandal At The Parkade
03: This Is The Dream Of Win & Régine
04: Arctic Circle
05: Midnight Directives
06: Keep The Dog Quite
07: Lewis Takes Action
08: E Is For Estranged
09: What Do You Think Will Happen Now?
10: Took You Two 2 Years To Win My Heart
11: This Lamb Sells Condos
12: Many Lives - 49 MP
13: Honour The Dead, or Else
14: Odessa (Caribou)
15: Lewis Takes Off His Shirt

16: The CN Tower Belongs To The Dead

Aus unserem Archiv:

- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
- Owen Pallett, Haldern, 14.08.09
- Karaocake, Paris, 09.12.10
- Karaocake, Paris, 06.09.10





Samstag, 19. Februar 2011

Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11

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Konzert: Owen Pallett
Ort: Muziekgebouw Eindhoven, Cross Linx Festival
Datum: 18.02.2011
Zuschauer: vielleicht 200
Dauer: 60 min


Mein Hauptgrund, zum Eindhovener Cross Linx Festival zu fahren, war der Auftritt von Owen Pallett. Nachdem ich eine Weile gebraucht hatte, die Musik des kanadischen Geigers liebenzulernen, gehört der Musiker mittlerweile zu meinen Lieblingskünstlern. Daß Efterklang und The National weitere Teilnehmer des Cross Linx' sein würden, war selbstverständlich auch kein Nachteil und rechtfertigte den Ausflug.

Das Cross Linx Festival findet in vier niederländischen Städten an vier aufeinander folgenden Tagen statt. Für uns kam aus terminlichen und geografischen Gründen nur Eindhoven in Frage. Nachdem bereits Efterklang im Kulturhaus Effenaar gespielt hatten (Bericht folgt), zog der Festivaltroß durch die Eindhovener Fußgängerzone zum Muziekgebouw, das in einer Shoppingpassage liegt und mehrere klassische Konzertsäle beherbergt. Owen Pallett war in einem der kleineren Säle angesetzt, der bestuhlt war und etwa 300 Zuschauern Platz bot. Ganz gefüllt war er allerdings zu Beginn nicht, parallel trat im großen Saal Sharon van Etten auf, die offenbar deutlich attraktiver wirkte.

Owen Pallett macht zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftige Musik. Für das Radio-Ohr ist der Kanadier vollkommen unhörbar. Da die Mehrzahl des Festivalpublikums kulturinteressiert, aber nicht unbedingt Stammgast in Indieclubs war, war gut nachvollziehbar, daß die amerikanische Singer/Songwriterin den großen Saal füllte, während für Owen Pallett eine überschaubarere Zuschauergruppe blieb.

Owens Musik ist nicht (auf den ersten Blick) eingängig, weil im Regelfall klassiche Songstrukturen fehlen. Der Musiker baut seine Stücke mit eigentlich sehr einfachen Mitteln auf, er benutzt eine Geige, ein Keyboard und seine Stimme. Dabei baut er - wir haben das häufiger beschrieben - die Lieder schichtweise auf, er nimmt zunächst etwa ein paar Geigenzupfer auf, spielt sie wiederholt ab und hat einen Rhythmus. Dazu kommt vielleicht eine Geigenspur oder eine Keyboardmelodie, die auch aufgenommen und wiedeholt abgespielt - geloopt werden. Im Gegensatz zu vielen (auch guten) Musikern, die sich dieser Technik bedienen, ist dieser Entstehungsprozess aber beim Kanadier so homogen, daß kein großes Vorbereiten passiert, das den Fluß des Konzerts stört.

Owen Pallett spielte ein Best off Set. Seine letzte Platte Heartland ist vor gut einem Jahr erschienen und bildete das Grundgerüst des Konzerts. Da Heartland von seinen drei Alben (die ersten beiden entstanden unter dem Namen Final Fantasy) das mit der größten Hitdichte ist und dazu die Knüller der beiden ersten Platten und der EP A Swedish Love Story vom vergangenen September gespielt wurden, hatte der Auftritt trotz der langen Dauer von einer Stunde keinerlei Hänger - im Gegenteil, ich hätte dem Kanadier gerne noch viel länger zugehört.

Neben meinen Lieblingen This is the dream of Win & Régine, Midnight directives, This lamb sells condos und den beiden Lewis-Liedern war ein Geräusch der schönste Moment für mich. Owen klopfte nämlich irgendwann auf die Decke seiner Violine. Statt eines Klopfgeräuschs ergab das einen fast elektronisch klingenden, peitschenden Ton, der geloopt einen Doppelgänger eines Diskobeats erzeugte, unglaublich, auf wie viele Arten einer Geige offensichtlich Töne entlockt werden können!

Wenn man ein Haar in der Loopsuppe suchen wollte, was ich will, weil ich viel zu oft viel zu unkritisch wirke, dann war das das Fehlen eines lustigen Covers. Owen Pallett spielt häufig vollkommen anders klingende Versionen mehr oder weniger bekannter Lieder. Es macht schrecklich viel Spaß, die zu erkennen zu versuchen. In Eindhoven war keines dabei, obwohl gegen Ende, als der Sänger um eine Idee bat, jemand hinter mir vehement Owens Caribou Cover Odessa forderte. Das Cover, das ich schon einmal erlebt hatte, kam leider nicht, auch kein anderes. Aber das gibt mir einen zusätzlichen Anreiz, mich auf sein Konzert kommende Woche zu freuen. Vielleicht dann irgendwas von Lady Gaga?

Setlist Owen Pallett:

01: E is for estranged
02: A man with no ankles
03: The great elsewhere
04: Lewis takes action
05: What do you think will happen now?
06: Took you two years to win my heart
07: This is the dream of Win & Régine
08: Scandal at the parkade
09: This lamb sells condos
10: Arctic circle
11: Midnight directives
12: Many lives -> 45p
13: Lewis takes off his shirt

Links:

- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10




Samstag, 29. Mai 2010

Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10

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Konzert: Owen Pallett
Ort: Edificio Fòrum, Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 28.05.2010
Zuschauer: 3.200 (voller Konzertsaal)
Dauer: 50 min


Außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes des Primavera liegt ein dreieckiges Tagungs- und Veranstaltungsgebäude, das Edificio Fòrum, in dem sich ein großer, klassischer Konzertsaal befindet. Diesen Saal nutzen zu können, ist ein Prunkstück des Festivals, weil er die Möglichkeit bietet, besonderen Künstlern einen außergewöhnlichen Rahmen zu bieten.

Als ich mit reichlich Zeitreserve am Edificio ankam, war da schon eine lange Schlange, die ums komplette Gebäude führte. Das machte mich zunächst noch nicht nervös. Es ging dann aber so schleppend voran, daß ich immer mehr Panik bekam, überhaupt noch ins Gebäude zu kommen. Der Frust stieg Minute um Minute. Zum angekündigten Konzertbeginn stand ich immer noch endlos weit von der Einlaßkontrolle entfernt. Na toll, also dann kein Owen Pallett für mich. Weil aber bisher kaum jemand drinnen sein konnte, blieb ich stehen und hoffte, vielleicht doch noch etwas mitzubekommen (wobei angebrochene Konzerte ja extrem übel sind). Irgendwann war ich drinnen, rannte in den stockdunklen Saal und fand einen freien Sitz vorne. Owen Pallett hatte noch nicht angefangen, der Konzertbeginn war verschoben worden, puh!

Zwei Minuten später begann der Auftritt des loopenden und geigenden Kanadiers. Ich hatte ihn bereits dreimal vorher gesehen, dabei wusste ich, was mich erwartet. Owen spielt Geige und Keyboard, wird ab und zu von einer Gitarre begleitet, und erzeugt mit seiner Looptechnik aus wenigen Takten komplexe Melodien, die durch das Wiederholen einzelner Teile schichtweise aufgebaut werden. Quasi eine Art musikalisches Töpfern vor Publikum.

Auch Owens Lieder kenne ich mittlerweile sehr gut - aber auch in Barcelona gab es wieder das Spiel, das ich so liebe. Der Kanadier coverte nämlich etwas, das mir bekannt vorkam, das ich aber partout nicht erkannte. Es dauerte, bis ich in dem Cover in seiner speziellem Art Odessa von Caribou heraushörte. Owen Palletts Version des Stücks war natürlich fabelhaft, der Rest seines viel zu kurzen Sets war es aber auch. Und die Entscheidung der Veranstalter, den Künstler in diesem Saal auftreten zu lassen, war perfekt. Dieser dunkle Saal mit seiner ausgezeichneten Akustik ließ vergessen, daß es ein sonniger Mittag in Barcelona war. Man konzentrierte sich ausschließlich auf die Musik - welch tolle 50 Minuten! Dafür stelle ich mich immer wieder gerne ewig an!

Setlist Owen Pallett, Auditori, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: E is for estranged
02: This is the dream of Win and Régine
03: Scandal at the parkade
04: That's when the audience died
05: Keep the dog quiet
06: The great elsewhere
07: Lewis takes action
08: Odessa (Caribou Cover)
09: He poos clouds
10: Many lives 45p
11: Lewis takes off his shirt

12: The CN Tower belongs to the dead (Z)

Links:

- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
- Owen Pallett beim Haldern Festival 2009




Dienstag, 16. März 2010

Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10

4 Kommentare

Konzert: Owen Pallett
Ort: Mousonturm, Frankfurt
Datum: 15.03.2010
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft (vielleicht 350 Zuschauer)
Dauer: gut 75 min


Wie unglaublich beruhigend, daß auch einem Künstler wie Owen Pallett nicht alles gelingt. Der verpatzte Start der Zugabe That's the dream of Win & Regine und das
Neu-Anzählen bei Lewis takes action gaben einem unglaublich guten Konzert den letzten Schliff, weil es verdeutlichte, wie überaus kompliziert Owen Palletts Musik ist, und weil ganz perfekt eben manchmal schlechter als perfekt ist.

Ganz ausverkauft war der Mousonturm vermutlich nicht. Dabei war der Auftrittsort hervorragend gewählt, weil der Konzertsaal die gute Akustik hat, die ich mir für den Kanadier gewünscht hatte. Vom Konzert in Dachau hatte ich bei laxmag.de gelesen, daß ein zweiter Musiker Owen begleiten werde. Das erklärte ein abgespecktes Schlagzeug rechts auf der Bühne. Um kurz nach neun erschien Owen Pallett aber erst noch alleine, zog seine Stiefel aus, zupfte ein wenig auf der Geige, loopte das und machte daraus Adventure.exe, ein Stück von seinem ersten Album Has a good home, das er unter seinem abgelegten Künstlernamen Final Fantasy veröffentlicht hatte.

Bei den beiden Auftritten, bei denen ich den Geiger bisher gesehen hatte, als Vorgruppe von Arcade Fire 2005 und beim letzten Haldern Festival im vergangenen
Jahr, hieß er noch wie dieses Computerspiel. Um sich von solchen Assoziationen aber zu lösen, benutzt Owen seit Ende 2009 seinen echten Namen.

Zu
Midnight directives, einem der wundervollen Stücke von Owens aktueller Platte Heartland, tauchte dann seine Begleitung Thomas Gill auf. Und der steigerte den Unterhaltungswert noch mal ein gutes Stück. Thomas spielte Gitarre und Schlagzeug, wobei er die Trommeln (und ein elektronisches Drumpad) weniger als klassisches Rhythmusinstrument nutzte sondern für weitere Soundschnipsel, wie die, aus denen sich Owen Pallatts Lieder zusammensetzen. Vermutlich macht das so beschrieben keinen rechten Sinn; ich empfand das Schlagzeug aber weniger als Schlagzeug, als als Rhythmusgerät. Wie auch immer, es klang gut!

Beim Trommeln verzog Thomas Gill nur köstlich das Gesicht, wenn er seine Gitarre umgeschnallt hatte (das Anlegen des Instruments war manchmal ein richtiggehend feierlicher Akt), ließ er sich ein wenig mehr gehen und bewegte sich wie Chuck Berry (oder wer war das noch gleich?). Köstlich jedenfalls! Aber das extrovertierte Herangehen seines Schlagzeugers
machte die Qualität der Musik keinen Deut schlechter, denn die war schlicht großartig. Außer ein, zwei Momenten, in denen Bässe einmal schpperten, klang das Konzert für meine Ohren perfekt.

A propos Bässe: dafür braucht man wirklich keine Bassgitarre, wenn man Konzertgeige spielt. Auch die
Bassläufe zupfte Owen Pallett mit seiner Geige, nahm sie auf und ließ sie in Schleifen ablaufen, als eine von vielen Schichten, die übereinandergelegt, zum Teil aus der Loop Box, zum Teil echt live die orchestral klingenden Lieder zu erzeugen. Auch wenn mir dabei der Überraschungseffekt fehlte, weil ich den Künstler eben schon gesehen hatte, fasziniert mich seine Technik, Songs live zu konstruieren, immer wieder aufs Neue. Wie kompliziert das sein muß, sich ann all die kleinen Abläufe zu erinnern, um kein Bling zu vergessen, was dann gleich den Verlust ganzer Tonspuren bedeutete. Das wäre alles schon beeindruckend genug, wenn die Musik langweilig wäre. Das ist sie aber natürlich nicht - Owens Melodien sind fabelhaft!

Die ersten Lieder von Heartland spielte das Duo ohne Pause. Wir hatten keine Chance zu applaudieren, weil gleich das nächste Stück folgte.
Midnight directives, Keep the dog quiet oder The great elsewhere waren schon einmal grandios!

Danach kam ein kleiner Bruch, nämlich ein mir unbekanntes, vermutlich neues Stück. Glücklicherweise finden sich aber auch dazu schon Lyrics im Internet.
Honour the dead or else (oder so...) heißt das Lied, das aber nur weil es unbekannt war, aus dem Rahmen fiel.

Nächste Besonderheit war ein Cover von Simon Bookish namens Interview. Ich kenne das Original nicht, vermute aber, daß Owen es schon spürbar verändert und an seinen Stil angepaßt hat, wie er das bei den vielen anderen Liedern tut, die er live covert. Auch Interview paßte also perfekt ins Programm und hätte von Owen selbst
stammen können. Simon Bookish ist - ähnlich wie Owen Pallett - übrigens auch für viele andere Künstler tätig und arbeitet an deren Alben oder als Remixer mit. Daher kam mir der Name auch bekannt vor. Der Engländer hat nämlich auch Memorize the city von (der weltbesten Band) The Organ gemixt.

So nach zwanzig Minuten (jedenfalls dachte ich das) verabschiedeten sich die beiden Musiker. Ich habe selten ein so kurzweiliges anspruchsvolles Konzert erlebt, das keinen Moment langweilig war. Natürlich war da schon eine Stunde vorbei und viele Lieder von allen drei Alben gespielt (wobei die zweite Platte He poos clouds wenig vorkam), dazu der Riesenhit The butcher von einer seiner EPs. Es fühlte sich aber an, als habe der Abend gerade erst begonnen.

Die erste Zugabe habe ich nicht erkannt, sie war aber toll wie alles! In den Applaus rein begann Owen das Loopen des nächsten Lieds. Irgendetwas an der so erzeugten Hintergrundmelodie störte ihn aber, sodaß er abbrach. "Loopen, wenn die Leute noch klatschen funktioniert nicht", also ein zweiter Versuch, der klappte, und der das wundervolle, Arcade Fire gewidmete
This is the dream of Win & Regine brachte.

Nach einer letzten Zugabe - Better than worse vom ersten Album - zog der Kanadier die Stiefel an und ging. Und ließ mich mit dem Gefühl zurück, eines der ganz großen Konzerthighlights des Jahres gesehen zu haben. Endlich einmal Owen Pallett über Konzertdauer, und es hätte ruhig doppelt so lange dauern dürfen! Die Mischung aus fantastischen Melodien, toller Akustik und faszinierender Instrumentierung machte den Abend so großartig!

Und da können ruhig immer solche kleinen Pannen passieren wie bei
Lewis takes action, als beide Musiker lachend aus dem Tritt kamen und Owen mitten drin, vor dem nächsten Refrain neu anzählte und das Lied souverän beendete.

Setlist Owen Pallett, Mousonturm, Frankfurt:

01: Adventure.exe
02: Midnight directives
03: Keep the dog quiet
04: The great elsewhere
05: Honour the dead or else
06: He poos clouds
07: The CN Tower belongs to the dead
08: Interview (Simon Bookish Cover)
09: That's when the audience died
10: Lewis takes action
11: Many lives -> 49 MP
12: Flare gun
13: The butcher
14: Lewis takes off his shirt

15: Scandal at the Parkade (Z)
16: This is the dream of Win & Regine (Z)

17: Better than worse (Z)

Links:

- Owen Pallett beim Haldern Festival 2009




Freitag, 14. August 2009

Final Fantasy, Haldern, 14.08.09

7 Kommentare

Konzert: Final Fantasy

Ort: Haldern-Festival
Datum: 14.08.2009
Zuschauer: ziemlich viele für die Uhrzeit
Dauer: 45 min


Nach dem vorzüglich besetzten Haldern-Festival hörte man überall, daß dieses Jahr die Geige das Instrument des Wochenendes gewesen sei. Im Prinzip ist das schon richtig - und gut, Violinen (und andere Streichinstrumente) sind in vielen Indiebands schließlich wichtige Bestandteile der Instrumentierung. Für mich dominierte
allerdings etwas anderes das Wochenende, die Loop Station, ein Sampler, der Töne, Stimmen oder Melodien auf Fußtritt aufnimmt und wiederholt. Wir haben in den vergangenen Monaten häufig über diese Technik geschrieben, weil einige Bands, die wir gerne und oft sehen, live loopen und damit verblüffende Effekte erzielen. Entertainment For The Braindead aus Köln zum Beispiel, eine der interessantesten deutschen Künstlerinnen, erzeugt mit allerlei alleine gespielten Instrumenten sagenhaft komplexe Songstrukturen bei ihren Auftritten (weiter unten sind ein paar aktuelle Konzertberichte von EFTB).

Im Haldern-Programm fanden sich mit Andrew Bird und Dear Reader bekennende Looper, der Meister des ganzen ist allerdings Owen Pallett (bzw. Final Fantasy), der aus einer Geige, einem Keyboard und einem kleinen Kasten auf dem Boden phänomenale Lieder aufbaut. Zum ersten (und vorher) einzigen Mal hatte ich Owen gemeinsam mit Arcade Fire im Gebäude 9 in Köln gesehen. Er war da lockeres Bandmitglied seiner Kumpels und bestritt gleich den Vorgruppenpart. Ich wußte damals nicht, was auf mich zukommt. Owen fidelte und sang ein wenig, nahm dann den Violinenbogen weg, und es geigte weiter...

Seitdem habe ich Final Fantasy nicht mehr gesehen und auch nicht schrecklich oft
gehört, weil die Musik des Kanadiers nicht nur vorzüglich, sondern auch anspruchsvoll ist. Die Gelegenheiten dafür, das zu hören, sind leider selten.

In Haldern war Final Fantasy früh angesetzt, für mich nach Port O'Brien als zweite Band des Tages. Owen kam alleine, baute sein rotes Keyboard auf und fing an, auf seiner Violine zu zupfen. Diese gezupften Töne vervielfältigt wurden dann zu Keep the dog quiet, einen neuen Stück, das auf Heartland, der dritten Platte des Künstlers erscheinen wird. Keep the dog quiet endete (wie jeder anständige Postrock-Song) in wildem Geschrammel und Lärm, allerdings mit einer Konzertgeige erzeugt...

Auch der nächste Titel war neu. Er begann mit Keyboard-Tönen, die fast an Kirchenorgeln erinnerten. Erst später kamen die fast gleich klingenden Geigen dazu - jetzt spreche ich schon im Plural von ihnen ähh ihr.

Neben einigen wenigen alten Liedern (unter anderen den riesigen Hits
This is the dream of Win and Régine und The butcher), lag der Schwerpunkt deutlich auf Stücken des schon mehrfach angekündigten und verschobenen Albums Heartland. Obwohl er einige von denen schon seit langem live spielt, waren sie für mich Neuland. Man merkt den Titeln an, daß sie nicht neu sondern nur unveröffentlich sind, sie wirkten fertig und reif. Wäre Owen nicht so sehr mit anderen Projekten beschäftigt (jede Band, die etwas auf sich hält, Geld hat und Streicher braucht, engagiert den Kanadier), würde die neue Platte sicher nicht erst 2010 erscheinen.

Auch wenn ich das hasse, wenn fremde Stücke
Höhepunkte eines Konzerts sind - ich sehe sie mir schließlich wegen der Musik des Künstlers an - muß ich leider sagen, daß die Zugabe besonders toll war! Independence is no solution ist ein Lied eines Künstlers namens Steve Kado, der als The Blankket arbeitet. Beide lernten sich an der Uni kennen und spielten später gemeinsam bei den Hidden Cameras (und sie teilten eine Begeisterung für meine Lieblingsband James).*

Obwohl der Rhythmus ab und zu ein wenig schwankte, war der Auftritt von Final Fantasy ein ganz großes Highlight des Haldern-Freitags! Owen Pallett ist ein Ausnahmekünstler, der eine ordentlich große Zuschauermenge auf der riesigen Hauptbühne alleine begeistert hat. Sensationell!

S
etlist Final Fantasy, Haldern-Festival:

01: Keep the dog quiet (neu)
02: The great elsewhere (neu)
03: This is the dream of Win and Régine
04: Midnight directives (neu)
05: Flare gun (neu)
06: The butcher
07: Lewis takes action (neu)
08: Lewis takes his shirt off (neu)
09: This lamb sells condos
10: The CN Tower belongs to the dead

11:
Independence is no solution (The Blankket Cover) (Z)

Links:

- mehr Fotos von Final Fantasy aus Haldern

* es wird mal wieder Zeit für unnützes Indie-Wissen



 

Konzerttagebuch © 2010

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