Donnerstag, 10. September 2015

Torres, Köln, 09.09.15


Konzert: Torres
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 09.09.2015
Dauer: Torres 70 min, Harkin 30 min
Zuschauer: vielleicht 170



Ende Mai spielte Torres beim Primavera Festival in Barcelona eine Show, die uns so sehr beeindruckt hatte, daß wir sie am nächsten Tag gleich noch mal sehen wollten. Bei einem Festival, bei dem am Tag mehr als 70 Bands auftreten, die fast alle toll sind, kann man sich eigentlich nicht den Luxus erlauben, Künstler doppelt zu sehen. Im Fall von Torres ließ es sich aber nicht verhindern.

Beim Primavera war Mackenzie Scott solo aufgetreten und hatte ihre Stücke nur von ihrer E-Gitarre begleitet vorgetragen. Das stand zum Teil in großem Kontrast zu den Platten, war aber enorm eindrucksvoll. Die Sängerin entschuldigte sich irgenwann dafür, daß sie alleine da sei. Das nächste Mal hoffe sie, eine Band mitzubringen. Das war dann auch meine erste Nerd-Frage, als ich ins Gebäude 9 kam, "ist sie mit Band da?" Sie war.

Daß der Support ohne Band auftreten würde, wusste ich. Allerdings habe ich Katie Harkin noch nie solo gesehen. Die Britin, die Frontfrau der grandiosen Sky Larkin war (und damit auch im Gebäude 9), dann die Wild Beasts live unterstützt hat (auch im Gebäude), war zuletzt bei der kompletten Sleater-Kinney Tour als zusätzliche Gitarristin und Keyboarderin dabei. Und jetzt also solo unter ihrem Nachnamen Harkin. Wenn die Bands, über die wir hier schreiben, strenggenommen (also außerhalb der Indie-Blase) nicht eh alle unbekannt wären, wäre Katie Harkin die beste unbekannte britische Musikerin. Ich liebe die Platten, die Sky Larkin veröffentlich haben. Leider war damit offenbar keine große Karriere möglich, verdient wäre sie sicher!

Katie Harkin spielte eine halbe Stunde lang neue Lieder. Eines davon (Charme and tedium) sei erst letzte Woche entstanden. "So it's a baby!"


Als Katie ihr letztes Lied ankündigte, war ich sicher, daß sie höchstens fünfzehn Minuten gespielt habe, es war extrem kurzweilig. Obwohl da ja nur eine Frau mit E-Gitarre auf der Bühne stand. Wie schon bei Sky Larkin leben die Songs von der Mischung aus Katies wundervoller Stimme und den rohen Gitarrenklängen. Diese letzte Lied (Nothing the night can't change) war neben Bristling, das mit herrlich abgebrochenen Gitarrenklängen begann, das beste Lied des dann doch halbstündigen Sets. Hoffentlich erscheint bald etwas davon auf Platte!

Setlist Harkin, Gebäude 9, Köln:

01: Carve it out
02: National anthem of nowhere (Apostle Of Hustle Cover)
03: Charme and tedium
04: Decade
05: Bristling
06: Dial it in
07: Nothing the night can't change


Als Mackenzie und ihre Band auf die Bühne kamen, war es düster. Die Sängerin hatte eine brennende Kippe in der Hand und schwenkte die andächtig ins Publikum. Mir machte des ein wenig angst, es sah aus, als käme jetzt eine große Inszenierung. Groß ja, gekünstelter Quatsch nein. Torres beschränkten sich auf die Musik. Daß das vollkommen ausreicht, wusste ich ja.

Beim ersten Lied (Mother Earth, father God) war ich noch nicht davon überzeugt, daß die Bandversion mir genauso gut gefallen könnte wie Mackenzie alleine. Bei New skin danach war es genau umgekehrt. Die Instrumentierung mit zweiter Gitarre, Schlagzeug und Keyboard war atemberaubend schön! Manchmal (später) schrammte sie einige Male an der Grenze zum Bombast, bei Strange hellos fehlte nicht viel und es wäre fies rockig geworden, das Scorpions-Land winkte schon rüber. Die Instrumentierung blieb aber immer auf der geschmackvollen Seite. Und dann wieder kamen Stücke, die mit den zusätzlichen Musikern noch einmal massiv aufblühten. Das akustisch auch schon tolle A proper Polish welcome (ich weiß immer noch nicht, was das ist) war phänomenal, Sprinter mit Zweitstimme von Keyboarderin Erin (?) nicht weniger gut. 


Es war ein großartiges Konzert - ganz anders als die beiden im Mai - aber gleich gut. Nur manchmal gab es kleine Solo-Momente. Bei der Zugabe November baby begann die Sängerin alleine, von ihren Begleitern beobachtet. Erst ganz am Ende setzten die anderen drei Instrumente ein.Was nun besser ist? Keine Ahnung. Jedenfalls war das hier hervorragend!

Setlist Torres, Gebäude 9, Köln:

01: Mother Earth, father God
02: New skin
02: Cowboy guilt
04: Sprinter
05: A proper Polish welcome
06: Son, you are no island
07: Strange hellos
08: Honey
09: The harshest light 

10: November baby (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Torres, Barcelona, 30. & 31.05.15
- Sky Larkin, Köln, 17.11.10
- Sky Larkin, Köln, 25.02.09
- Sky Larkin, Paris, 23.02.09
- Sky Larkin, Amsterdam, 22.02.09
- Sky Larkin, Paris, 18.12.08
- Sky Larkin, Köln, 10.11.08
- Sky Larkin, Brüssel, 09.11.08
- Sky Larkin, Köln, 11.09.08


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