Sonntag, 20. September 2015

Incubate Festival, Tilburg, 18.09.15


Konzert: Incubate Festival
Ort: Tilburg
Datum: 18.09.2015
Dauer: 1 Tag
Zuschauer: 20-1.000

Festivalsaison ist immer. Ähnlich wie Südfrüchte sind Festivals mittlerweile ganzjährig erhältlich. In diesem Fall sogar ein Mix aus Indoor-und Outdoor Veranstaltungen. Das Incubate Festival in Tilburg ist ein Fass ohne Boden aus unzähligen Clubgigs, Minifestivals auf einer Naturbühne, DJ Sets und Kino sowie Theateraufführungen in der gesamten Stadt. Die Länge von einer Woche und die Bandbreite der Stile von Deathmetal bis Folk machen das Ganze nicht übersichtlicher. Zum Glück gibt es auch Tages-und Wochendtickets, als Schnupperstunde sozusagen. Die holländische Kulturförderung macht es möglich.

Tilburg, eine Stadt mit nur etwas mehr als 200.000 Einwohnern bietet so viele neue, schöne und zweckhafte Kultureinrichtungen wie bei uns keine Millionenstadt. An einem Tag besuchte ich ca. 8 Locations die allesamt nicht nur über beste Tontechnik und tolle Sicht verfügten, sondern auch fast neuwertig waren. Das hier noch am ehesten bekannte, ebenfalls neu umgebaute 013 mit diversen Sälen war dabei noch nicht einmal beteiligt. 

Eigentlicher Auslöser für meinen Besuch war ein weltweit exklusives Konzert von Mercury Rev mit Orchester über das ich ausführlich in einem eigenen Bericht schreiben werde. Bei näherer Betrachtung des Programms ergaben sich jedoch weitere interessante Acts, so dass sich der Tag auch wie ein Festival anfühlte. Nach einem Besuch des Incubate eigenen Pop-Up Stores mit diversen Vinyl-und CD Ausgaben der beteiligten Bands und Label, führte der erste Besuch in die Studiobühne des Theaterkomplexes. Hier gaben Errors einen guten Einstand in den Abend. Die Band war ja vom Mogwai eigenen Label verpflichtet worden, daher war die Richtung klar.


Noisiger Pop mit leichten Kraftausbrüchen aber durchaus melodisch. Das neue Album Lease of life kam bei nur 45min Spielzeit nicht voll zur Geltung. Der Sound, hier unterstützt durch eine junge Sängerin war gefällig und am Ende der Saal auch gut gefüllt und begeistert. Danach nur 100m weiter rechts in einen imposanten Innenhof, der einer Open-Air Bühne inclusive Essens-und Getränkeständen Platz bot. 

Hier zeigte sich leider der Nachteil des unübersehbaren Programms. Die tolle Band Husky (siehe Bericht vom Maifeld-Derby), schlich müde auf die riesige Bühne vor der sich gerade einmal 20-30 Leute eingefunden hatten.


Die Müdigkeit war, laut eigener Aussage der Band, einer 8-stündigen, nervigen Busfahrt von Berlin am gleichen Tag geschuldet. Dazu jetzt dieser trostlose Auftritt nach einer heftigen Schauer, es roch nach Mitleid. Doch Husky kamen mit jedem Song besser in Fahrt, bedankten sich in ihrer fast zu netten Art noch für die Zuschauer die gekommen waren. Wer Folk mag, muss dieses Jahr Husky's Ruckers Hill CD hören. Nicht umsonst sind sie bei Sub Pop als Qualitätslabel untergekommen. Der Sänger heißt übrigens wirklich Husky Gawenda

Aus purer Neugier danach kurz in den wohl schönsten Saal der Stadt. Der "kleine" Theatersaal ist ein futuristischer, weißer Quader mit fantastischen Logen und bunter Neonlichtkunst an der Decke. Der Sound von Burial Hex war für mich natürlich nicht länger als 10 Minuten zu ertragen (Künstler die ihre Musik selber als Funeral Doom beschreiben sind einfach nicht mein Fall), der Saal aber war sehr gut mit den, im positiven Sinne, verrücktesten Menschen gefüllt.


Nach dem so nicht ganz erwarteten Höhepunkt von Mercury Rev dann noch zu Camera. Eine Berliner Band die hier mit ihrem typisch, stoischen Gitarren-und Schlagzeugsound viele Niederländer kurz zum smoken vor die Tür lockte, um dann mit verträumten Augen den Auftritt weiter zu verfolgen. Zu sehen gab es einen einstündigen Song/Vortrag mit nach unten gesenkten Köpfen und einem stehenden Drummer mit Minikit (die Band hat so früher immer spontan in der Berliner U-Bahn gespielt). 

Sehr hypnotisch das ganze, so gar nicht deutsch und hier definitiv in der Nacht perfekt besetzt. Die CD Radiate bildet das ganze für zu Hause etwas runder ab und ist wirklich zu empfehlen. 

Danach zeigen die bisherigen 8 Stunden Programm sowie die Einladung netter Tilburger zu gefährlichen, belgischen Trappistenbieren Wirkung. Daher nur noch ein kurzer Abstecher zum Damenbandabend in die Tilburger Altstadt. Peach Kelli Pop waren schon fertig und La Luz hatte ich bereits dieses Jahr beim Best Kept Secret Festival gesehen. Der überfüllte Club bot da keinen neuen Anreiz. Nebenan im Midi mussten es zu später Stunde mal wieder die deutschen Techno DJ's richten, ein Markt der in den Niederlanden wohl nie enden wird. 

Alles in allem ein wahrlich imposantes Mini-Festival, eingebettet in ein wunderschönes Stadtbild mit lauter netten und entspannten Menschen. 6 Tage am Stück natürlich für kaum jemand machbar, aber für einzelne Tage und die exklusiven Highlights im Programm sollte man das Festival definitiv einplanen. (An anderen Tagen spielten u.a. Sophia, The Knife, Cabaret Voltaire, 2x die Melvins und unzählige Metalbands)

Aus unserem Archiv
Husky, Mannheim, 24.05.15 


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