Donnerstag, 24. September 2015

Circuit des yeux, Karlsruhe, 23.09.15


Konzert:  Circuit des Yeux
Ort: KOHI in Karlsruhe
Datum: 23. September 2015
Dauer: 60 min
Zuschauer: etwa 30


Circuit des yeux ist Haley Fohr aus Chicago, die gerade mit dem im Mai erschienen Album In plain speech in Europa unterwegs ist. Ihre Musik ist keine leichte Kost, aber auch nichts, was einem anderswo angeboten wird. Insofern war ich sehr froh darüber, im Kohi die Möglichkeit zu bekommen, mir davon selbst live einen Eindruck verschaffen zu dürfen. Wobei eigentlich schon vorher relativ wahrscheinlich war, dass es die Distanziertheit des "einen Eindruck verschaffen" wahrscheinlich nicht geben würde. Haley Fohr verlangt von sich selbst auf der Bühne alles und als Publikum kann man nicht ungerührt danebenstehen bleiben. 


Für die aktuelle Tour wird Haley an der Querflöte von ihrer heimischen Mitstreiterin Whitney Allen (Toupée) und an der Viola von der Irin Ailbhe Nic Oireachtaigh (*) begleitet. Mir war bei der heimischen Vorbereitung auf das Konzert gar nicht so arg aufgefallen, dass diese mehr klassischen Instrumente eigentlich viel der Musikfarben des Albums tragen. Die auffälligen Klangbeimischungen von den Loops und die zum Teil sehr verzerrte Gitarre - und auch die ganz außergewöhnliche Stimme hatten sich zu sehr in den Mittelpunkt gestellt.


Mit der Schublade war es schon vorher schwer, aber mit dieser Quasi-Folk-Besetzung (zu allem Überfluss spielte Haley auch noch eine wunderschöne 12-Saitige Gitarre!) rüttelte das Set ordentlich am Käfig der Genres. Gesprochen wurde sehr wenig. Nach 40 min erst wandte sich Haley an uns, dass ihr ihr erster Aufenthalt in unserem Städtchen so far ganz gut gefalle. Es gäbe auch Jack Daniels and stuff...


Richtig laut wurde es zum ersten Mal bei Ride Blind (wo aber wahrscheinlich mit einem Schlagzeug im Rücken noch ganz anders die Post abgegangen wäre). Aber im  Konzert habe ich drums wirklich kein bisschen vermisst. Mein liebstes Stück vom aktuellen Album Fantasize the scene durfte auch live in allen Facetten glänzen: der träumerische Einsatz (den ich immer unversehens mitsummen muss), der kraftvolle Chorus, die Wellenbewegung des laut und leise und das fast klassisch liebevolle Ende. Und im anschließenden A story of this world wurde es tatsächlich fast folkig. Zumindest vom wiegenden Rhythmus her und darin, dass es eine richtige Melodie gab. Andererseits war es natürlich auch aus dem Universum entsprungen, das sich schon vorher als nicht so heimelig gezeigt hatte. Insofern entwickelte es sich über längere Zeit zu einem fast geschrie'nen, in den Wiederholungen archaisch anmutenden Stück.

Das reguläre Set endete mit einem Stück vom Vorgängeralbum Overdue, das einem wahren Exorzismus glich. Am Ende ein Schreikrampf, der sehr viel exzessiver ausfiel als auf der Konservenversion. Normalerweise -  alltäglich beobachtet - hätte man wohl an dieser Stelle einen Arzt zu Hilfe gerufen. Ich war mir unsicher ob es nach der exzessiven Nummer eine gute Idee wäre, laut nach einer Zugabe zu rufen. Anscheinend war die Crew der gleichen Meinung und machte schon die Pausenmusik an. Aber die Klatscher ließen nicht locker und Haley stand schließlich allein ohne ihre Mitmusikerinnen auf der Bühne: Wenn ihr das wirklich wollt...?! aber ich muss euch warnen. Das nächste Stück ist echt schräg. Es ist ... ja worüber eigentlich? ... über Stille zum Beispiel! Tatsächlich war das Zugabestück dann kein zu arger Spannungsbruch sondern zeigte noch einmal von sehr leise bis sehr laut die Expressivität und war ein gelungener Schlußpunkt eines sehr eindrücklichen Konzertabends.


Setlist:
01: KT 1
02: Do the dishes
03: Ride Blind
04: Fantasize the scene
05: A story of this world
06: In the late Afternoon
07: Nova 88
08: Acarina (Z)


Tourdaten:
20.09. Tilburg Incubate
21.09. Aalst Netwerk
22.09. Düsseldorf Filmwerkstatt
23.09. Karlsruhe Kohi
24.09. Luzern Südpol
25.09. Lausanne Le Bourg
26.09. Duedingen Bad Bonn
29.09. Paris L’Olympic Café

 - Großbritannien -
05.10. Luxemburg de Gudde Wëllen

16.11. Berlin Bi Nuu
24.11. Dortmund FZW
 



Weiterlesen:
Blog
NYtimes Review Konzert am 14.09.2015
Chicago  Reader zum neuen Album (März 2015)


(*) Ailbhe Nic Oireachtaigh is a Dublin based viola player with an interest in improvised, classical and jazz musics. She has performed across Ireland and Europe with various groups including Cian Nugent & the Cosmos and Josephine Foster and regularly collaborates with David Lacey and Anna Clifford. Since 2013 she has been curating improvised music events with other musicians at #12 Rutland Place 



Alle Bilder:

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