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Donnerstag, 26. Oktober 2017

French for Rabbits, Darmstadt, 19.10.17

2 Kommentare

Konzert: French for Rabbits
Ort: Grey Sky Sessions Darmstadt - diesmal im Hoffart-Theater
Datum: 19. Oktober 2017
Dauer: 90 min
Zuschauer: etwa 60


Ich scheine ja hier diensthabende in Bezug auf Konzertberichte zu French for Rabbits zu sein. Wobei ich mir sicher bin, dass ich nicht die einzige unter den Autoren dieses Blogs bin, deren Herz schmilzt, wenn Brooks Stimme erklingt. Immerhin hat sich Oliver nach mehr als 2 Jahren Pause entschieden, ein Konzert in Paris zu organisieren - für die Charmeure aus Neuseeland. Sehr gut kann ich mich noch erinnern an den Tag, wo ich zum ersten Mal eine e-mail erhielt. Damals waren sie als Duo zum ersten Mal auf Erkundungstour in Deutschland. Seitdem kehren sie gern zurück. Leider sind inzwischen auch die Leute auf der britischen Insel aufgewacht und so müssen wir uns inzwischen die vier Wochen French for Rabbits in Europa mit vielen anderen teilen. 


Diesmal reichte es nur vier Stationen in Deutschland. Zum Glück war eine davon in Reichweite und auch noch an einem besonders schönem Ort, der für mich mit sehr vielen schönen Erinnerungen verknüpft ist. Insofern hatte ich mir den Termin fest vorgemerkt. Trotzdem war es dann kurz vorher wieder spannend, ob meine Form hält... Was ich dann geboten bekam, war allerdings die Fahrt und die Aufregung allemal wert - Brooke und John hatten diesmal die neuseeländischen Mitmusiker mitgebracht: Hikurangi am Bass und Ben an den Drums. Und obendrein auch noch Penelope, die zuletzt mit Brooke in Deutschland unterwegs gewesen war als John keine Zeit hatte für die Tour.


Eine volle Band, ein voller Sound und das tat den in meiner Erinnerung immer so zart daherkommenden Liedern richtig gut. In der Setlist spielte natürlich das aktuelle Album The weight of melted snow (*) die hervorstechende Rolle, aber auch Stücke, die mir schon lange lieb und vertraut sind vom ersten ganzen Album Spirits (+) und der EP des Anfangs Claimed by the sea fehlten nicht. 

Insofern spielte die Band virtuos mit meinen Gefühlen und Erwartungen und fügt dem von Anfang an runden Bild immer noch neue und für mich überraschende Facetten hinzu über die 90 Minuten des Konzertes.


Dabe war Brooke bei den Ansagen gewohnt witzig und verschmitzt und es wurde zwischendurch auch gelächelt und laut gelacht. Das Publikum war vom ersten Moment an ganz gebannt dabei und gab sich der musikalischen Reise hin. Mein privater Höhepunkt war wohl in der ersten Zugabe das wiegende Spirits, das so wunderbar hymnisch ist im zweistimmigen Gesang und mit leuchtenden Zymbelpunkten von den Drums die entscheidende neue Qualität in Bandformation erhielt.


Setlist:
01: Time did not*
02: It will be ok*
03: Goat+
04: The other side+
05: Cold+
06: Your Halo*
07: Lean+
08: Woke up to a Storm+
09: One and only*
10: Bird's eye Point of View*
11: The Weight of Melted Snow*
12: Dead Wood*

13: Days Shift (Z)*
14: Spirits (Z)+
15: Gone gone gone (Z)+

16: Claimed by the sea (Z)


Aus unserem Archiv:
French For Rabbits, Karlsruhe, 07.10.15
French For Rabbits, Stuttgart, 25.05.14
French For Rabbits, Karlsruhe, 14.10.13 



Montag, 5. Juni 2017

Julien Baker, Darmstadt, 03.06.17

1 Kommentare

Konzert: Julien Baker
Ort: Evangelische Friedenskirche, Darmstadt (Bedroomdisco)
Datum: 03.06.2017
Dauer: Julien Baker knapp 60 min, Lauren Denitzio 25 min, Allman Brown 35 min
Zuschauer: 120 vielleicht (volle Kirche)



 

Irgendwann (nach meinem Lottogewinn) werde ich eines meiner Lieblingsprojekte umsetzen und den durchschnittlichen Musikgeschmack in Deutschland näher untersuchen. Besonders interessiert mich, wie äußere Einflüsse diesen Geschmack beeinflussen. Wie mies (Hypothese) er also in der Eifel (Rock am Ring) und "SWR3-Land" ist, wie folkig rund um Haldern und wie gut in Rüsselsheim (Phono Pop Festival) oder Darmstadt. Wer Interesse an dieser Studie hat und nicht auf meinen überfälligen Lotteriegewinn warten will: teile meine Paypal- und Kontoverbindung gerne auf Anfrage mit.
 

Darmstadt ist musikalisch so viel spannender als Frankfurt beispielsweise, weil es dort seit einigen Jahren die Bedroomdisco gibt, eine private Initiative, die u.a. Wohnzimmerkonzerte veranstaltet. Neben den Konzerten, die lange den Rahmen von Wohnzimmern sprengen, veranstaltet die Bedroomdisco auch Kirchenkonzerte. Ich war bisher leider erst bei einem, das von Lanterns On The Lake und Sophie Jamieson war aber umso toller!


Julien Baker hatte ich im vergangenen Jahr mehrfach gesehen, zum ersten Mal beim Primavera Sound Festival in Barcelona. Das Konzert später in Frankfurt fand ich nicht mehr so spannend wie das erste in Barcelona, vermutlich lag das aber an der Tagesform (meiner). Als die Bedroomdisco das Kirchenkonzert ankündigte, war meine Vorfreude jedenfalls groß.

Die evangelische Friedenskirche in Darmstadt war wie alle Bedroomdisco-Veranstaltungen, bei denen ich war, ausverkauft (also die kostenlose Version von ausverkauft). Um 19 Uhr kam die erste Band auf die Bühne, also den Altarraum, der mit einer Dornenkranz-Skulptur und einem rotbeleuchteten Kreuz schlicht aber dramatisch dekoriert ist / war (Game of Thrones Stil). Den Auftakt machte Allman Brown, ein englischer Singer / Songwriter, der von einem zweiten Gitarristen und einem Percussionisten, der auf einer Box saß, auf der er trommelte, begleitet wurde. Einen seiner Songs beschrieb Allman als "von Bruce Springsteen beeinflusst - aber viel schlechter", in meinen Ohren klang die Musik wie diese vielen Singer / Songwriter der letzten vielen Jahre eben klingen. Das kam gut an, wird sicher sehr erfolgreich sein, ließ mich aber vollkommen kalt. Meine Aufmerksamkeit hatte der Künstler bei der Ansage seines Lieds Foolish love, das er in einer Phase geschrieben habe, als mit gebrochenem Herzen alle Folgen Lost gesehen habe. "I have no idea what this song is about, much like Lost. The polar bears!"



Danach wurde es viel spannender! Der nächste Programmpunkt war Lauren Denitzio, die Sängerin der New Yorker Punkband Worriers. Lauren spielte nur mit E-Gitarre und leicht schiefem und dadurch wundervollem Gesang Lieder ihrer Band ("alternative Versions"), die so klangen, als covere die Schwester von Stephen Malkmus sehr gekonnt Torres. Ich mochte das sehr, auch Lauren kam gut an, mit meiner großen Begeisterung stand ich aber vermutlich etwas alleine da.

Lauren spielte Songs vom 2015er Album Imaginary life, von einer 2013er Single (Sinead O'Rebellion), ein neues und ein wundervolles Robyn Cover. Mit der Schwedin kann ich nicht viel anfangen, das von allem Schnickschnack befreite Hang with me macht mich aber ein wenig zum Robyn Fan.

Doof war, daß das Konzert nach 25 min vorbei war, mehr konnte Lauren solo wohl nicht spielen. Aber auch 25 min können eben eine Fahrt nach Darmstadt und einen Abend in einer Kirche locker rechtfertigen. Strenggenommen hätte dafür Precarity rules ausgereicht!


Setlist Lauren Denitzio, Bedroomdisco, Damstadt:

01: Jinx
02: Good luck
03: Precarity rules
04: Chasing
05: Happy here
06: Hang with me (Robyn Cover)
07: (neu)
08: Sinead O'Rebellion
09: They / them / theirs

Nach Pflicht und Kurzprogramm kam um zehn vor neun Julien Baker auf die Bühne. Der Auftritt der Sängerin aus Memphis unterschied sich auf den ersten Blick nicht von den Konzerten im vergangenen Jahr. Er wirkte auf mich aber von Beginn an eine Spur souveräner. Aufmerksamere Kenner der Künstlerin wiesen mich auf die vielen kleinen Gesten von Julien hin, die eben vor einem Jahr nur still hinter ihrer Gitarre stand und ihre traurigen Lieder vortrug. Jetzt ist da etwas mehr "Performance", allerdings in kleinsten Portionen. Aber die Sängerin wirkt, als fühle sie sich wohler bei dem, was sie tut. Und das das nicht ganz einfach ist, kann man sich leicht vorstellen, wenn man auf die Texte ihrer Lieder achtet. Wenn auch nur ein Teil ihrer Texte auf ihrem eigenen Leben basiert, hat Julien viel Tristesse erlebt. Dies in Liedern zu verarbeiten, ist die eine Seite der Medaille, es vor fremden Leuten vorzutragen, eine ganz andere. 


Mich überzeugte Julien Baker wieder von Beginn an. Heute passte alles, das aufmerksame, vollkommen stille Publikum, der souveräne, nie aber abgezockt wirkende Auftritt und vor allem die Lieder. Die ersten drei kannte ich. Everybody does, Sprained ankle und Vessels stammen vom 2015er Debüt Sprained ankle

Das neue Lied danach - Happy to be here - wird auf dem neuen Album sein, das im Oktober erscheint. Das Lied begann mit sphärischen Gitarrenklängen, die mich an Streicher erinnerten - wundervoll! Es war für mich das beste Stück des Abends. Julien spielte noch zwei andere Lieder, die nach der ersten Platte entstanden sind, Funeral pyre, das auf eine Single erschienen ist und Turn out the lights vom neuen Album. Bei Turn out the lights brüllte die junge Amerikanerin den Refrain, ein neues Stilmittel. Wenn die beiden neuen Lieder repräsentativ für die Platte sind, wird die ein großer Wurf!

Julien Baker spielte zwar nur neun Lieder und eine Zugabe (Go home), das Konzert dauerte aber ziemlich genau eine Stunde. Lauren Denitzio brauchte für neun Songs nicht mal die Hälfte. Juliens Geschichten sind eben weniger schnell erzählt als ein Punksong.

Ich hätte Allman Brown nicht gebraucht, der Rest des Abends war aber - Bedroomdisco Standard - hervorragend! Ich bin sehr sicher, meine Studie wird ergeben, daß Darmstadt eine Insel des guten Musikgeschmacks ist. Dafür braucht es nicht viel Wissenschaft.


Setlist Julien Baker, Bedroomdisco, Darmstadt: 

01: Everybody does 
02: Sprained ankle 
03: Vessels 
04: Happy to be here (neu) 
05: Funeral pyre 
06: Turn out the lights (neu)
07: Rejoice 
08: Good news 
09: Something 

10: Go home (Z)

Links: 

 - aus unserem Archiv: 
 - Julien Baker, Barcelona, 02.16.16



Sonntag, 9. April 2017

Desperate Journalist, Darmstadt, 08.04.17

0 Kommentare

Konzert: Desperate Journalist (& Dynarchy)
Ort: Tag & Nacht Studio, Darmstadt (Bedroomdisco)
Datum: 08.04.2017
Dauer: Desperate Journalist gut 55 min, Dynarchy gut 40 min
Zuschauer: ca. 120




Die Bedroomdisco in Darmstadt ist ein großartiger Musik-Gemischtwarenladen, den man gar nicht genug loben kann. Besonders das Golden Leaves Festival im Herbst (das es seit 2012 gibt) und die Wohnzimmerkonzerte sind fantastisch!


In Wohnzimmern finden diese Konzerte wohl kaum noch statt, dafür ist der Rahmen zu groß geworden. Die Gewinner der Tickets erfahren erst kurz vorher, wo sie stattfinden. Das Tag & Nacht Studio als Auftrittsort für Desperate Journalist sagte mir nichts, "Studio" ist schließlich dehnbar. Auf die naheliegendste Antwort, es könne sich um ein Tonstudio handeln, war ich nicht gekommen. Da das Wetter schön war, hatten die Veranstalter kurzerhand entschieden, statt im Studio im Hof spielen zu lassen. Dadurch konnte ein ganzer Schwung weiterer Zuschauer zugelassen werden.

Desperate Journalist! Seit 2015 verfolge ich die Band aus London und ihren steigenden Erfolg. Live hatte ich das Quartett erstmals (natürlich) auf dem Indietracks gesehen. Das nächste Konzert war schon ein selbst veranstaltetes im Tsunami-Club in Köln und dann zuletzt im letzten Sommer in York. 

Vor zwei Wochen erschien Grow up, das zweite Album der Desperate Journalists, das in England hervorragende Kritiken erhielt. Die Vorabsingles liefen regelmäßig im britischen Radio und wurden dort besprochen. Grow up passt also. Am deutlichsten zeigte sich das wohl vor ein paar Tagen, als die Band ihr bisher größtes eigenes Konzert in der Scala in London spielten, zu dem rund 550 Leute kamen. 



Im Hof des Tag & Nacht Studios waren keine 500 aber immerhin gut 120 Zuschauer. Um kurz nach acht begann zunächst eine lokale Vorgruppe. Nein, Unsinn! Dynarchy kommen zwar aus Mainz, klangen aber überhaupt nicht nach 0815-Support. Stilistisch erinnern Dynarchy offenbar an London Grammar, die ich bisher ignoriert habe, daher ist das Hörensagenwissen. Da London Grammar aber so eindeutig von Daughter beeinflusst wurden und ich die immer mal wieder in den Dynarchy-Liedern raushörte, scheint der Vergleich nicht ganz falsch zu sein. Ähnliche Musik machen auch Kafka Tamura, die ich sehr schätze. Diese tollen verträumt-sphärischen Gitarren, dazu die elektrischen Beats und die leicht soulige Stimme von Sängerin Nadjana Gaffron, das hat eine ganze Menge Charme und sicher auch Potential.


Nadjana spielt auch Bass und Keyboard, dazu kommen Gitarrist Daniel Schmidt Schlagzeuger Ruben Hartwig, der dem Frühling nicht richtig traute und T-Shirt und Schal trug. Die neun Lieder plus Zugabe stammten zum Großteil vom Debüt der Band, das bereits 2015 erschienen ist und sich lohnt! 

Setlist Dynarchy, Bedroomdisco, Darmstadt:

01: Lumina
02: Warrior
03: Lay me down
04: Gravity
05: Aleph
06: Blossom
07: Moving
08: Iceland
09: Kyra

10: Mantra of courage (Z) 


Im August in York hatten Desperate Journalist schon vier neue Lieder gespielt, eines davon war I try not to, mit dem sie auch heute begannen. Dabei war der Ton noch etwas zurückhaltend leise, trotz der guten Soundanlage des Tonstudios hörte es sich nach angezogener Handbremse an. Das gab sich aber glücklicherweise schnell, denn Desperate Journalist sind eine Band, die man am besten laut hört. Die Konzerte der vier Musiker sind gerade deshalb so toll, weil die Lieder so druckvoll gespielt werden. Hauptschuld daran hat natürlich Jo Bevans irre tolle Stimme aber es wäre idiotisch, sich nur auf die zu konzentrieren, weil da drei fabelhafte Musiker neben der kurzhaarigen Sängerin auf der Bühne stehen: Schlagzeugerin Caz Hellbert, Gitarrist Robert Hardy und Bassist Simon Drowner



Einen Unterschied zwischen dem ersten Album und Grow up hört man live besonders gut, die treibenden Beats vieler der Lieder. Bei Why are you so boring? ist das besonders deutlich. Dadurch sind Desperate Journalist einen Tick popiger geworden als auf dem ersten Album. Die wavigen Gitarre und Bass dazu - und Jos Stimme - verhindern aber, daß es ein zu krasser Stilwechsel wird. 



Nach I try not to und dem grandiosen Happening vom Debüt spielten die Londoner Hollow, eine der Vorabsingles, die immer besser wird, je öfter ich sie höre. Dann Why are you so boring? und Lacking in your love. Mit zwei Alben und einer EP (bisher) hat die Band mittlerweile ein Repertoire, das Nur-Hits-Konzerte ermöglicht. Mal kurz rausgehen, um eine zu rauchen (gut, das ist bei Open-Air-Konzerten eh nicht so relevant), geht nicht mehr.

DJ spielten fast das ganze neue Album. Und jedes Lied hat totale Liveberechtigung, sie sind alle toll. Zwar waren die offensichtlichen (Hollow, Resolution) besonders gut, aber die nahmen sich alle nichts. Be kind ("I don't wanna be kind", darüber freue ich mich bei jedem Hören). Dazwischen kamen immer mal wieder Stücke der ersten Platte - auch da die Hits, Cristina, Happening, Control und Distance in einer neuen Version mit ähnlichem Beat wie bei einigen der neuen Songs.



Zur ersten Zugabe kamen erst nur Rob und Jo zurück. Da mußte man nicht lange überlegen, welches Lied das werden würde, Radiating, das letzte Lied der Platte ist eine mit Klavier instrumentierte Ballade. Klavier gab es keins, also spielte Rob Gitarre. Die Version gefiel mir auch so hervorragend! Danach kamen die beiden anderen zurück und spielten das logische Abschlußlied Resolution (über Neujahrsvorsätze). Gottseidank hörten sie aber das "sie haben mein Lieblingslied Organ nicht gespielt" neben mir und beendeten damit das Konzert.

Desperate Journalist werden noch weiter wachsen, und es ist sehr verdient!

Setlist Desperate Journalist, Bedroomdisco, Darmstadt:

01: I try not to
02: Happening
03: Hollow
04: Why are you so boring?
05: Lacking in your love

06: Be kind
07: Control
08: Your genius
09: Distance
10: Cristina
11: All over

12: Radiating (Z)
13: Resolution (Z)
14: Organ (Z)

Links:

- aus unserem wachsenden Desperate-Journalist-Archiv:
-
Desperate Journalist, York, 05.08.16
- Desperate Journalist, Köln, 30.03.16 
- Desperate Journalist, Ripley, 25.07.15 

Tourdaten Desperate Journalist:

09.04. Freiburg, Slow Club
11.04. Stuttgart, Goldmarks

12.04. Köln, Blue Shell
13.04. Hamburg, Grüner Jäger
14.04. Leipzig, Ilses Erika
15.04. Bremen, Lagerhaus




Montag, 16. Mai 2016

Troy von Balthazar, Darmstadt, 15.05.16

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Konzert: Troy von Balthazar
Ort: Oetinger Villa in Darmstadt
Datum: 15. Mai 2016
Dauer: 60 min
Zuschauer: etwa 40

(c) Christoph
Mit der Musik von Troy von Balthazar wird sich wohl für mich immer ein auch aus persönlichen Gründen sehr aufwühlendes erstes Konzerterlebnis im Jubez (Karlsruhe) verbinden. Aber tatsächlich ist sein aktuelles Album Knights of Something wieder ein guter Grund, auch einen gewissen Weg auf sich zu nehmen, um Troy live auf der Bühne dabei zu sehen, wie er diese Art von Musik verfertigt. Die gewisse typische Struktur vieler Songs  ist dabei zwar wie mit einem Echtheitssiegel versehen, aber für mich immer noch nicht ausgereizt, sondern faszinierend. Besonders, wie bestimmte Stücke überraschend einen Klammergriff um mein Herz legen. Dabei an der Oberfläche unendlich deprimierend und aussichtslos scheinen, aber auf wundersame Weise Trost spenden.

Trotzdem war die Entscheidung für einen Besuch in der Oetinger Villa in Darmstadt im Finale ein ziemlicher Krimi. Für etwa 110 km brauchen öffentliche Verkehrsmittel hier nämlich über drei Stunden bzw. auf der Rückfahrt die halbe Nacht (*). Dann aber zeichnete sich ab, dass es ein sehr seltenes Konzerttagebuchler Treffen geben könnte und ich holte meinen Mann mit ins Boot. Mit dem Auto wäre es im Zeitaufwand ok, zumal wir die Hauptverkehrszeit auf der A5 vermeiden würden. Der Plan ging dann auch (zum Glück!) bestens auf (x).

Als wir 21 Uhr ankamen, war noch kaum jemand da, aber es füllte sich langsam und Troy hatte Zeit, fast jeden einzelnen zu begrüßen und zu bitten, ein paar Sätze in sein Diktafon zu sprechen. What is your favorite animal oder What makes you happy and Why? Inzwischen waren Oliver und Christoph auch angekommen (die wußten, dass es nicht vor 21:45 Uhr losgehen würde) und wir hatten Westerwälder Keramik und Römertöpfe gewürdigt und entschieden, dass die TVB-Bühnendeko mit Lämpchen echt schau aussieht. Als dann kurz nach 22 Uhr das Licht erlosch, ging das Konzert auch (endlich) los.

Der Auftakt wurde von Troy als Happy song eingeordnet und uns wurde attestiert You look pretty. Tatsächlich schien er richtig gut gelaunt zu sein und war im Verlauf des Konzertes mitunter geradezu spitzbübisch: My brain sounds like this... Schließlich war die Stimmung seiner Meinung nach reif für ein Lied vom neusten Album, nämlich das erste: Surfer. Bis dahin waren seine Hauptzutaten E-Gitarre, Verzerrung und Stimme gewesen. Im nächsten Song Tiger vs Pideon nutzte er dann eine kleine Klaviatur auf dem Boden und ohne durch die Fesseln der Gitarre gebunden zu sein, artete es in einen regelrecht expressionistischen Tanz aus. Anschließend war es Zeit für ein wenig Augen schließen meinerseits, denn  Astrid ist wohl der mir liebste der neuen Songs. Er selbst kündigte ihn als Terrible mess song an (er würde ihm live ständig anders misslingen) und lachte tatsächlich das erste Mal ganz offen dabei (bis dahin war die gute Laune mehr so zwischen den Zeilen aufgeblitzt).
 

Auch ein Cohen Cover passte natürlich perfekt und bewies Troys These You are in the wrong concert for happy songs. Anschließend gab es tatsächlich ein kleines Disaster und Abbruch des Songs über eine (deprimierende) Fahrradtour durch Berlin. Statt dessen den (von mir sehr geliebten) Klassiker The Tigers. Zu meiner großen Überraschung führte der Text hier zu andauernden Heiterkeitsausbrüchen im Publikum. Er ist auch wirklich schwarzhumorig, aber war für mich bis dahin immer mehr so ein schwarzes Loch von Song gewesen. Nach einem gelungenen zweiten Versuch und einem akustischen (sogar ohne Mikro) Chokebore song war es Zeit, auch die gesammelten Audio-Schnipsel unterzubringen. Da huschte das Lächeln von Gesicht zu Gesicht beim wieder erkennen. 

Und so schwangen wir auf die Zielgeraden mit Smarter und anschließend einem fast tänzerischen Klangteppich (sehr geiles Stück) und einem Chokebore Song, der eine halsbrecherische Nacht-Fahrt einen Hawaianischen Berg hinab zum Anlass hatte. Klar musste es Zugaben geben. Und zwar sehr schön Tropical und Wings (als süßes Betthupferl verabreicht). Und da war sie wieder, die trostreiche Gewissheit, an diesem Abend genau das richtige getan zu haben.


Setlist:

01: Real strong love
02: Tone clusters
03: Surfer
04: I block the sunlight out
05: Astrid
06: Who by fire (Leonard Cohen Cover)
07: Touch is meat
08: The tigers
09: Thugs
10: One easy pieces (Chokebore)
11: Infinity face
12: Smarter
13: Heroic little sisters
14: Manic high
15: Valentine (Chokebore)

16: Tropical (Z)
17: Wings (Z)


(*) Es gibt noch die frühere Standardverbindung mit dem IC von Karlsruhe nach Frankfurt über Darmstadt, wo es akzeptable 75 min sind (die aber gegen 68 min bis in 20km weiter nördlich liegende Frankfurt auf der Schwesterstrecke auch nicht arg gut aussehen). Leider sehr selten und am Pfingssonntag das letzte Mal 17:10 Uhr. 

(x) Allerdings erwies sich aber auch meine Entscheidung nicht mit Öffis zu fahren nachträglich als sehr weise. Die hing nämlich daran, die Rückfahrt mit einem Bus 22:06 Uhr zu beginnen (das war die einzige, wo von der Nacht noch ein Stück zum schlafen bleiben würde). Das Konzert begann 22:08 Uhr.

Konzerttermine: 
15.05. Darmstadt, Oetinger Villa
16.05. Freiburg, Slow Club
17.05. Düsseldorf, Kassette
18.05. Namur, Belvedere
19.05. Liege, Le Hangar
20.05. Dour, tba
21.05. Offenbach, Hafen 2
22.05. Fribourg, Nouveau Monde
24.05. Wien, Rhiz
25.05. Prague, Potrvá
26.05. Berlin, Acud
27.05. Leipzig, Werk 2
28.05. Hamburg, Club Heim


Aus unserem Archiv:
Troy von Balthazar, Frankfurt, 13.04.13
Troy von Balthazar, Karlsruhe, 12.04.13
Troy von Balthazar, Paris, 20.03.13
Troy von Balthazar, Karlsruhe, 28.11.12
Troy von Balthazar, Paris, 15.04.11
Troy von Balthazar, Paris, 31.03.11
Troy von Balthazar, Paris, 23.11.09*
Troy von Balthazar, Paris, 18.04.09
Troy von Balthazar, Paris, 04.12.06



Mittwoch, 20. Mai 2015

Einar Stray Orchestra, Darmstadt, 16.05.15

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Kirchenkonzert der Bedroomdisco Darmstadt
mit Musée Méchanique und Einar Stray Orchestra
Datum: 16. Mai 2015
Dauer: 50 min + 80 min
Zuschauer: knapp 300


Alle wunderbaren Bilder von Guido - vielen Dank!

Das Jahr 2014 hatte ich mit einem ganz besonderen Neujahrskonzert in Berlin begonnen. Seitdem war für meinen Geschmack viel zu viel Zeit vergangen ohne ein Konzert mit Einar Stray (bzw. dem Einar Stray Orchstra). Irgendwie waren wir im Herbst 2014 nicht mehr zusammengekommen und beim lesen der Mai-Tour Stops hatte ich das Gefühl, dass das wieder nichts wird. Aber dann hatte meine Schwester zugesagt, dass wir das zusammen machen können und damit war Darmstadt der gesetzte Ort. Auch, weil wohl die Darmstädter Kirche einfach die beste Location und das beste Publikum der Tour bieten würde.


Vor Einar Stray hatte das Team der Bedroomdisco noch Musée Méchanique  auf dem Programm des Kirchenkonzertes, die ich während ihrer aktuellen Tour eigentlich bequem in Karlsruhe hatte sehen wollen. So trafen wir uns also auf ihrer ersten deutschen Station 2015 und mit (wie sich später herausstellte) längerem Zeitslot. Sie waren auf der Bühne mit vier (nicht fünf) Personen. Wahrscheinlich in der  Besetzung 

Sean Ogilvie & Micah Rabwin: Gitarre, Piano und Gesang 
Matt Berger: Schlagzeug
Brian Perez: Glockenspiel, Synthie, Glocken, Steelgitar, Tasten.


Man liest schon aus der Instrumentenliste heraus, dass mit Klangfarben nicht gespart werden sollte und die Songs sehr sorgfältig möbliert waren. In O, Astoria sorgte auch gleich ein sehr filigraner Beat-Teppich für ein aufhorchen meinerseits. Es wurden vor allem die Stücke der aktuellen Platte From Shores of Sleep geboten und die Live-Fassungen waren denen auf der CD bei mir zu Hause sehr ähnlich.


Ein bisschen musste ich schmunzeln, weil natürlich Sean und Brian so eine Vielzahl an Instrumenten zu spielen hatten, dass sie mitunter hoch konzentriert sein mussten und auch nicht klar war, ob die Arme von Sean mit der Gitarre vorm Bauch noch auf das hintere Keyboard reichen. So holte er sich im dritten Song The open sea mit dem Akkordeon die Tasten näher heran... Es war ein etwas verwegener (aber typischer) Stilmix mit triumphalem Finale. Ganz das, was man an der Band lieben muss. Die Ansagen teilte sich die Band auf mit etwas Deutsch und Spanisch eingemischt. Sie sorgten dafür, dass wir die Musiker als nette Zeitgenossen kennen lernten, die wohl auch den besonderen Ort sehr genossen.


Im letzten Drittel wurde für A wish we spoke auf das aktuellste Video von Rachel Blumberg hingewiesen. Für mich persönlich am überraschendsten war das Bekenntnis, dass das letzte Stück des Sets The old Shaker's Cask direkt durch Robert Schumanns Kinderszenen angeregt ist (konkret durch Der Dichter spricht). Die knappe Stunde mit Musée Mécanique war gut und unterhaltsam und ich kann also die Konzerte nur wärmstens ans Herz legen, wenngleich es auf Dauer vielleicht auch zu wenig abwechslungsreich ist.

Setlist:
01: O, Astoria
02: The Lighthouse and the Hourglass
03: The open sea  

04: Like home
05: Castle walls
06: A wish we spoke  
07: The man who sleeps
08: The old Shaker's Cask

Tour Musée Méchanique
16.05. Darmstadt – Bedroomdisco
17.05. Karlsruhe – Jubez
18.05. Dresden – Beatpol
21.05. Hasselt – Muziekodroom
22.05. Beverungen – Orange Blossom Special
23.05. Mannheim – Maifeld Derby
24.05. Hamburg – About Songs
25.05. Jena – Glashaus
26.05. Leipzig – Goldhorn
27.05. Nürnberg – MUZ
28.05. Hannover – Feinkostlampe
29.05. Köln – Die Wohngemeinschaft
30.05. Nijmegen – Merleyn
31.05. Leuwarden – Fries Straatfestival
01.06. Zürich- Bogen F
02.06. Freiburg – White Rabbit
03.06. St.Gallen – Folk Café
04.06. Le Port Franc

  

Nach dem nötigen Umbau begann schließlich der Teil des Abends auf den ich so gespannt war.  Die Bühne nahmen nämlich 

Maja Gravoermoen Toresen: Violine & Gesang
Ofelia Østrem Ossum: Cello & Gesang
Einar Stray: Piano/E-Gitarre & Gesang
Lars Fremmerlid: Schlagzeug & Gesang
Simen Aasen: E-Bass guitar & Gesang


in Beschlag und damit die mir schon wohlbekannte Besetzung von Einar Stray. Den starken Auftakt durfte das acapella Stück For the Country liefern. Damit war in wenigen Sekunden auch das letzte Schwatzen oder Flüstern im Raum erstorben.


Anschließend folgte Pockets full of Holes, das Lied wo ich unwillkürlich den vor dem Berliner Konzert noch geübten Refrain wieder mitsingen musste: Will I die inside before I die. Was für ein expressives Stück! Leider wurde spätestens im dritten Stück klar, dass wir vom Bass eigentlich nichts hörten. Das änderte sich auch über den Abend nicht. Für Politricks wechselte Einar an die Gitarre und nutzte den Moment für eine  erste Ansage. Die Stücke des aktuellen Albums Politricks würden den Abend prägen und davon handeln, was sie für Erfahrungen mit dem erwachsen werden machen.


Für Aleksander gab es ein herrliches Geigenintro, in das zunächst das Cello einstimmen durfte und erst dann entwickelte sich der Song in der Livefassung. Anschließend setzte Chiascuro einen brillianten Glanzpunkt im Programm. Welche Dynamik und welche Energie! Schließlich gab es als besonderes Geschenk noch ein als Experiment bezeichnetes neues Stück Last light, das sehr elegisch  und mit wie ein Metronom schlagendem Beat gleich mein Herz eroberte.


Auch wirklich grandios das letzte Stück des Sets: We were the core seeds. Da ging mir das Herz ganz auf. Zum Glück aber gab es noch zwei Zugaben und der Abend endete auf einer jubilierenden Note mit einem wunderschönen Caressed nach eigentlich zu schnell vergangenen 80 min. Die Fahrt nach Darmstadt hatte sich mal wieder mehr als gelohnt!


Setlist
01: For the country
02: Pockets full of holes
03: Honey
04: Politricks
05: Aleksander
06: Chiaroscuro
07: Thrasymachus
08: Last light (neu)
09: Montreal
10: We were the core seeds

11: Teargas Plateglass
12: Caressed


Tour Einar Stray
14.05. Waldsee, Freiburg
16.05. Bedroomdisco, Darmstadt
17.05. Bedroomdisco, Nürnberg
18.05. FZW, Dortmund
20.05. Schon Schön, Mainz
21.05. Rosenkeller, Jena
23.05. MAU, Rostock
24.05. About Songs Festival, Hamburg 

18.06. Schillertage Festival, Mannheim
23.06. Bremen, Lagerhaus
24.06. Berghain Kantine, Berlin

Aus unserem Archiv:
Musée Mécanique, Paris, 24.09.10
Musée Mécanique, Paris, 16.03.10
Musée Mécanique, Heerlen, 07.03.10

Einar Stray, Berlin, 01.01.14
Einar Stray, Köln, 20.06.12



Mittwoch, 29. April 2015

Plumes, Darmstadt, 16.04.15

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Konzert:  Plumes Ensemble
Ort: Oetinger Villa in Darmstadt
Datum: 16. April 2015
Dauer: 65 min
Zuschauer: knapp 20


Was ist nur mit diesem Konzertjahr 2015 los? Ein wirklich erstklassiger Jahrgang für mich bisher - und dann flatterte auch noch die Einladung für ein Plumes-Konzert ins Haus mit einem Großteil des Ensembles! Von den acht Konzerten in Deutschland befanden sich zum Glück auch einige in Reiseentfernung, nur nicht alle an für mich günstigen Tagen. Aber für die Fahrt nach Darmstadt in die berühmt berüchtigte Oetinger Villa war schließlich alles vorbereitet und es fand sich sogar eine sehr nette Darmstädter Begleitung.


Freilich musste ich am Konzerttag noch ein bisschen bibbern, ob alles klappen würde, denn obwohl es inzwischen eine 23-Uhr-Zugverbindung zwischen Darmstadt und Karlsruhe gibt, die sogar Anbindung an den Nachtbus in Karlsruhe hat, ist ein 21 Uhr-Beginn in einem studentisch verwalteten Haus kein Garant dafür, dass 60 min Konzert vor 23 Uhr zu Ende sind... Ich wollte mir aber nicht zu viele Sorgen machen, zumal es keine Option war, deswegen nicht zu fahren. Als Versicherung hatte ich meinen Schlafsack dabei und die Zusage für eine Couch, falls das Konzert sich ungefähr so verzögern würde wie vor zwei Jahren in Mainz.


Aber als ich ankam war alles gut. Die Mitglieder der Band waren bestens aufgelegt und freuten sich, wieder in Darmstadt zu Gast sein zu können. Wir erzählten uns das Neueste und ich konnte die für mich neuen Ensemblemitglieder kennenlernen. Außerdem sagte ich Bescheid: nichts dabei denken, aber kurz nach 23 Uhr flitze ich zum Bus! Während des Soundchecks fand sich die Gelegenheit mit Alex von der Gute Stube Neuigkeiten auszutauschen (z.B. gibt es am ersten Septemberwochenende wieder das tolle Forstfestival!)


Leider füllte sich der Raum in der Zwischenzeit nur wenig. Aber ich freute mich sehr, als um 22 Uhr

Veronica Charnley: Gesang, E-Gitarre
Louise Campbell: Klarinette und Bassklarinette
Pemi Pauli: Viola
 
Karl Jannuska: Schlagzeug
Geof Holbrook: Keyboard, E-Gitarre, Gesang


die Bühne für sich reklamierten. Im Vergleich zum Ensemble in Kanada fehlten nur noch Éveline Grégoire-Rousseau an der Harfe und Jean-Christophe Lizotte mit seinem Cello.


Das selbst verwaltete Haus war anscheinend so dominierend, dass sogar die Mikrofone anarchistische Anwandlungen hatten und im ersten Lied einfach ohne Grund aus dem Ständer fielen. Oder indem das Piano als Harfe zu überzeugen wusste... Jedenfalls wirkte der Ort so, dass sich die Musiker auf der Bühne ganz und gar zu Hause fühlten und spielfreudig allen anwesenden einen unvergesslichen Abend schenkten. Bei Phonebooth war ich schon mitten drin und sehr froh, mich auf den Weg gemacht zu haben (und es erschien auch in dem Umfeld des Abends sehr glaubwürdig, dass Veronica sich in einer Telefonzelle einsingen könnte, bevor sie auftritt).


Für Sweet Georgia Blue wurde dann die Kraft des großen Ensembles im Vergleich zur Trio-Besetzung, in der ich sie zuerst gesehen hatte, voll ausgespielt und ihr Vorzug bewiesen. Es gab ein langes und mich sehr begeisterndes Instrumentalintro bevor das vertraute Lied begann. Und auch der Kistenexorzismus (one box at a time) hatte einen ganz anderen Swing bei Away from home. Oder der Rhythmus bei Stray dog! Er war so mitreißend, dass Veronica am Ende selbst darüber lachen  musste.



Während es für Seaweed eine Spur weniger feurig, dafür aber einladend schunkelnd weiter im Programm ging ehe die Disconummer Fire hazard das Finale abfeierte. Bevor ich zum Bus rennen musste, konnte ich noch die einleitenden Pizzicato Viola Akkorde von Messy love hören und mich darüber freuen, dass es doch nun mit dem Konzert und meiner Heimfahrt ein Happy End genommen hatte. Im Herzen trug ich die Erinnerung an einen Abend nach Hause, der ein wahres Kleinod war und in seinen Facetten auch im nächsten Jahr weiter für mich leuchten wird. Plumes sind einfach eine ganz eigene Klasse von Musik und so ganz nach meinem Geschmack!


Setlist:
01: Look me in the eye
02: Phonebooth
03: Secret Love (Flotilla)
04: Early bird
05: Tension & release
06: Sweet Georgia Blue
07: Swimming with astronauts
08: Spawning Ground
09: Away from home
10: Hold up
11: Stray dog
12: Seaweed
13: Fire Hazard

14: Messy love (Z)

Foto von Plumes

Tourdaten:
08.04. Berlin  Schokoladen
09.04. Hamburg  FS 115
10.04. Erfurt  Franz Mehlhose
11.04. Aachen  Raststätte
15.04. Köln  Kulturcafé Lichtung
16.04. Darmstadt  Oetinger Villa
17.04. Offenbach  Parkside Studios
19.04. Ravensburg  Figurentheater


Aus unserem Archiv:
Plumes, Karlsruhe, 23.03.14
Plumes, Karlsruhe, 22.03.14
Plumes, Mainz, 26.04.13 



Samstag, 1. Februar 2014

Lanterns on the Lake, Darmstadt, 25.01.14

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Kirchenkonzert der Bedroomdisco mit
  Sophie Jamieson und Lanterns on the Lake
Ort: Friedenskirche in Darmstadt
Datum: 25. Januar
Dauer: 40 min + 65 min
Zuschauer: knapp 400


Im September 2013 habe ich mich verliebt. Die Stimme von Sophie Jamieson war in mein Leben getreten und seitdem lief die wundervolle Musik der EP Where immer und immer wieder zum morgendlichen Tee. Wir hatten schon angefangen Pläne zu machen für ein Wohnzimmerkonzert in Karlsruhe, als sich herausstellte, dass es Anfang 2014 tatsächlich einige Konzerte in Deutschland geben würde. Die Termine in Darmstadt und Stuttgart hatte ich mir fest vorgemerkt und als klar wurde, dass es sogar ein gemütliches Kirchenkonzert geben würde, konnte ich auch Begleitung mit Auto besorgen und mich ganz und gar auf den Darmstädter Abend freuen.



Christoph war scharf auf Lanterns on the Lake, ich voller Vorfreude auf das Liveerlebnis mit Sophie Jamieson - wir trafen uns schließlich in Darmstadt, um uns beide unsere Wünsche von der Bedroomdisco erfüllen zu lassen. Und die Friedenskirche erwies sich als  ein wunderbar einladender Ort mit besten Voraussetzungen für einen schönen Abend mit Musik. Alle standen unter dem Eindruck, dass dies ein besonderer Abend werden würde.



Es war der erste Abend der Tour außerhalb der britischen Insel für Sophie und ihre drei Männer Liam Hoflay, Alex Betancourt and Amos Memon. Ich glaube, sie waren ein bisschen geplättet, dass es gleich mit einem so großen Format begann und alle Ansagen von Sophie waren ganz verhuscht, weil sie sich wohl am liebsten verkrochen hätte. 


Aber musikalisch gab es nichts zu verstecken. Im Gegenteil passte die spröde und sich Minute um Minute entfaltende Musik wunderbar in diesen Rahmen. Das Publikum war ganz aufmerksam und honorierte das gehörte mit enthusiastischem Applaus.



Überraschend für mich war es, wie sehr mich beim Liveerlebnis die Beiträge der Mitmusiker fesselten. Ihre Beiträge höre ich nun auch von Konserve ganz deutlich: Das behutsame Spiel des Schlagzeugers mit einer bemerkenswerten Frisur; den Mann am Bass, der bei einigen Stücken, die Saiten strich und die ganze Zeit wie ein guter Junge rüberkam und den Mann an der E-Gitarre, der ganz kunstvoll und filigran seine Akzente setzte. Sie alle machten die Stücke erst so intensiv, dass es die Balkendecke der Kirche immer wieder mal ein Stück weit anhob, obwohl es nie wirklich laut wurde.



Nach für meinen Geschmack etwas zu langer Pause ging es schließlich mit Lanterns on the Lake weiter. Es begann mit einem zünftigen Walzer und die gestrichene Gitarre rechts vorn war der Hingucker.  Man sollte für ihn den Preis des hingebungsvollsten Gitarristen einführen! 



Später wurde es ordentlich laut, es rumste und krachte. Zum Teil intensiv, zum Teil für mich auch zu Schlagzeug-betont. Was ich besonders schade fand bei der eigentlich sehr filigran zusammengebauten Musik. Damit wurde nämlich z.B. die exzellente Geige zugedeckt, die in den leiseren Stücken für mich einfach nur wunderbar anzuhören war. Aber das ist jammern auf hohem Niveau, denn natürlich haben mich die fünf Musiker mit diesem Konzert ganz für sich eingenommen und damit einen neuen Fan gewonnen.


Liebe Bedroomdisco - bitte weiter so!



Aus unserem Archiv:
Lanterns on the Lake, Darmstadt, 25.01.14 (Christoph)
Lanterns On The Lake, Köln, 23.01.14
Lanterns On The Lake, Köln, 09.11.11
Lanterns On The Lake, Paris, 05.11.11
Lanterns On The Lake, London, 07.09.11

Mehr Bilder:





Sonntag, 26. Januar 2014

Lanterns On The Lake, Darmstadt, 25.01.14

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Konzert: Lanterns On The Lake & Sophie Jamieson
Ort: Evangelische Friedensgemeinschaft Darmstadt (Bedroomdisco)
Datum: 25.01.2014
Dauer: Lanterns On The Lake knapp 65 min, Sophie Jamieson 40 min
Zuschauer: 370 (ausverkauft)




"You're a little bit scary!" Sophie Jamieson, die junge aus London stammende Musikerin, die das erste Kirchenkonzert der Bedroomdisco eröffnete, war sichtlich beeindruckt von der vollen Kirche der evangelischen Friedensgemeinde. Sie habe mit ihrer Band schon ein paar Konzerte in Kirchen gespielt, dies sei das größte - und überhaupt das größte Publikum.



Sobald die Lieder begannen, war von Sophies Nervosität nichts mehr zu spüren. Ihre Stücke, die an Daughter erinnern, leben von der ungewöhnlich tiefen Stimme der Sängerin und den enorm spannenden Arrangements. 


So hatte das Spiel des Schlagzeugers Amos immer wieder Pausen. Er trommelte kaum wirklich lange Passagen. Mir fallen Schlagzeuger selten auf, da bin ich recht ignorant, Amos' Art, seine Instrumente zu bedienen, faszinierten mich aber sehr. Vielleicht hat er aber auch ein wenig betrogen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, die abstehenden Fasern seines Wollpullovers wurden von einem Strahler hinter ihm nämlich angestrahlt, sodaß er eine Art blaue Auro um sich hatte.



Zu Sophies Band gehören außerdem Gitarrist Liam und Bassist Alex, die sicher genausoviel Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten! Bei Stain (einem wohl unveröffentlichten Stück, es ist jedenfalls nicht auf der Debüt EP Where) spielte Liam eine ganz großartige Gitarre, sehr toll!



Sophies Stücke sind melancholisch und sicherlich nicht so (im Indierahmen) massentauglich wie die von Daughter, um noch einmal diesen vielleicht arg konstruierten Vergleich zu bemühen. Aber sie sind vor allem wunderschön und kamen sehr zu recht beim furchterregenden Publikum (und mir) hervorragend an! 

Setlist Sophie Jamieson, Bedroomdisco, Darmstadt: 

01: The weight comes (?)
02: Dinah
03: I don't
04: Stain
05: Other
06: ?
07: Ode to the east
08: Waterloo


Bei Lanterns On The Lake wusste ich, was mich erwartet. Am Donnerstag hatte ich die Band aus Newcastle in Köln gesehen und war begeistert. 2011 hatte ich schon einmal ein Lanterns On The Lake Konzert in Köln erlebt, ohne vorher viel von der Band zu kennen. Eine weitere englische Folkband hatte ich erwartet, die Postrock-Elemente, teilweise mit drei Gitarren gespielt, hatten mich überrascht und umgeworfen!



In den letzten zweieinhalb Jahre hat die Band einiges erlebt. Zwei Gründungsmitglieder, die beiden Brüder Adam und Brendan Sykes, verließen die Gruppe, die anderen entschieden sich, ihre Jobs aufzugeben und sich ganz auf ihre Musik zu konzentrieren. Adam war einer der Sänger. Auf der ersten Platte gab es Lieder, bei denen er die erste Stimme singt. Also änderte sich auch der Stil der Musik ein wenig. Zwar singen auch Schlagzeuger Oliver und Gitarrist Paul. Vor allem Paul macht dies aber sehr ungern bei Konzerten. Und weil er auch beide Platten produziert hat, regelt er auch auf Platte seine Stimme runter, wie mir Sängerin Hazel und Oliver vor dem Konzert in einem Interview verrieten. Ich mag Duett-Elemente bei Bands enorm gerne, die der Nordengländer erinnerten mich manchmal an The xx beim ersten Konzert. Das gibt es jetzt nicht mehr, es fehlt mir aber zu meiner großen Überraschung gar nicht. Sowohl die zweite Platte, als auch die beiden Konzerte in neuer Konstellation gefielen mir noch besser als die ersten.



Das Konzert in dem großen, sehr schlichten aber eleganten Kirchengebäude begann gleich wie das in dem winzigen Theater der Wohngemeinschaft in Köln. Nur saß Hazel Wilde nicht am Klavier sondern am Keyboard. Picture show stammt vom im vergangenen Jahr erschienenen Album Until the colours run und ist auf den ersten Blick nicht eines der zwei, drei auffälligsten Lieder der Platte. Aber es wird immer besser, vor allem live. Die Gitarre von Paul, die das Klavierspiel begleitet, ist grandios! Nach meinem ersten Konzert hatte ich die Ausbrüche, in die einige der Lieder münden und bei denen drei Gitarren zum Einsatz kamen, mit Bands wie Explosions In The Sky vergleichen, obwohl dies absurd erscheint. Allerdings sind diese Postrockelemente durchaus ähnlich. Aber auch bei einem eher ruhig verlaufenden Stück wie Picture show klingt Pauls manchmal wahnwitzig schnell gespieltes Instrument so gar nicht nach einer Band, die man irgendwie mit Folk verbindet (was ich getan hatte, bevor ich sie live gesehen habe). Lanterns On The Lake klingen durch die Kombination stillerer Elemente, Hazels wunderbare Stimme, das meist sehr zurückhaltend gespielte Schlagzeug und die schnellen Gitarren - und natürlich die immer wieder eingesetzten Krachelemente - vollkommen eigen und enorm toll! Je häufiger ich die Band höre, desto spannender wird sie. Und das ist wirklich eine Seltenheit.



Natürlich überraschte es mich nicht, als ich neulich gelesen habe, daß Lanterns On The Lake Explosions In The Sky in Großbritannien supportet haben.

Einer der großen Hits (der besonders großen Hits) folgte danach, Elodie, das einen symphonischen Beginn hat. "Cinematic post-pop" hat das irgendwer mit mehr Ahnung genannt. Mir sind solche Genrebezeichnungen oft vollkommen egal, diese (wenn ich sie richtig verstehe) trifft die Art der Musik aber gut. Und sie klingt toll! Bei Elodie war mir das Schlagzeug bloß einen Tick zu laut (auch schon in Köln), das einzige klitzekleine Haar in der Kirchenkonzert-Suppe.



Eines der besten Stücke des Abends war A kingdom von der ersten Platte. Dabei spielt Hazel Mundharmonika, allerdings auf eine solch zurückgenommene Art, daß ich, wenn ich es nicht gesehen hätte, das Instrument nicht erkannt hätte. Bassist Andrew bediente ein Harmonium (denke ich), und das  Stück mündete in einem dieser lauten Enden mit Gitarrist Paul, der auf die Becken einschlug, um am Schluß die drei Altartreppen runterzuspringen, um an seinen Platz zurückzukommen. Großartig!


Ships in the rain, Another tale from another English town, The ghost that sleeps in me... alles wundervolle Lieder, die im Wechsel alles Lieblinge sind.

Im Vergleich zu Köln waren zwei zusätzliche Stücke im Programm, Tricks vom Debüt und The buffalo days vom zweiten Album. Bei The buffalo days hatte ich irgendwann nur noch Augen für Paul, der in einer absurden Geschwindigkeit Gitarre spielte. Dieser sich selbst enorm toll findende Geiger David Garrett ist angeblich der schnellste Violinist der Welt (mit Guinness Rekord). Gegen Pauls Geschwindigkeit ist er nicht nur albern sondern auch lahmarschig.



Wie in Köln war auch das herrliche Sapsorrow (von der Lungs quicken EP von 2010) Teil des Programms ("that's the one, where the drummer sits behind the drumset!"). So weit, so gut. Aber die besten Stücke kamen am Ende...


Not going back to the harbour beendete das reguläre Set. Der Schluß des Lieds war für mich nicht mehr überraschend, aber es war wieder so unendlich schön! Am Ende des Stücks, wenn bei anderen Lieder die Lautstärke explosionsartig ansteigt, wird es in der Liveversion dieses Stücks plötzlich leise. Hazel, Paul und Oliver singen unverstärkt die letzten Zeilen. "I'm not going back to the harbour, I'm not going back to my old life." Der Text entstand, als die Band entscheiden musste, wie es weitergeht und sich Hazel, Geigerin Sarah, Paul und Oliver festlegten, die Band zum Beruf zu machen. Wenn nur alle schwierigen Entscheidungen solch wundervolle Folgen wie dieses Lied hätten!

Die erste Zugabe war Green and gold, ein Solo-Piano Stück, auf dessen Studioversion man laut Hazel den Staubsauger der Reinigungskraft des Proberaums hört. Die Band kam anschließend zurück, um mit Until the colours run und I love you, sleepyhead die (jetzt wirklich) besten Stücke des Abends zu spielen. Die langsame Lautstärken-Steigerung bei I love you... ist das perfekte Ende eines solchen Konzerts! 



Das Wagnis, die Wohnzimmerkonzerte des Bedroomdisco in eine mit fast 400 Leuten besetzte Kirche auszudehnen, ist vollauf geglückt. Wieder einmal hat das Darmstädter Team einen wundervollen Konzertabend veranstaltet. Ich kann die Events der Bedroomdisco nur wärmstens empfehlen!
Setlist Lanterns On The Lake, Bedroomdisco, Darmstadt: 

01: Picture show
02: Elodie
03: A kingdom
04: Ships in the rain
05: Another tale from another English town
06: The ghost that sleeps in me
07: The buffalo days
08: Sapsorrow
09: Tricks
10: Not going back to the harbour

11: Green and gold (Hazel solo) (Z)
12: Until the colours run (Z)
13: I love you, sleepyhead (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Lanterns On The Lake, Köln, 23.01.14
- Lanterns On The Lake, Köln, 09.11.11
- Lanterns On The Lake, Paris, 05.11.11
- Lanterns On The Lake, London, 07.09.11

 


 

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