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Samstag, 30. September 2017

Keston Cobblers' Club, 19.09.17, Karlsruhe

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Konzert: Keston Cobblers' Club
Ort: Jubez in Karlsruhe
Datum: 19. September 2017
Dauer: 90 min
Zuschauer: etwa 40


Schon seit einigen Jahren hat sich mein Herz auf die Frequenz der Musik der Keston Cobblers eingeschwungen. Es ist einfach die überbordende Lebensfreude, der Schalk in den Augen und der unwiderstehliche Charme - nicht zuletzt von einer Tuba auf der Bühne. So hat es mich mit großer Freude erfüllt, als die Tourpläne für Deutschland bekannt wurden und dazu noch ein Stop in Karlsruhe eingeplant war, um das Fass zum überlaufen zu bringen.


Aus Keston in Kent waren Matthew Lowe (Gitarre, Akkordeon), Tom Sweet (Trompete), Julia Lowe (Tasten und Akkordeon) und Harry Stasinopoulos (Drums) gekommen - Bethan Ecclestone an der Tuba war für die Tour ersetzt worden durch Daniel (dessen Nachname ich nicht herausfinden konnte und der auch noch fleißig Noten brauchte, um mit zu halten). Vor drei Jahren - 2014 - waren sie bei den Wohlfühlfestivals OBS, in Haldern und beim Maifeld aufgetreten. Leider war das Konzert im Juni 2014 in Karlsruhe geplatzt, aber im Januar 2015 im Indiewohnzimmer in Stuttgart hatte es noch einmal geklappt.


Wenn man es ganz einfach begründen will, warum ich die Musik der Briten so sehr mag: sie macht einfach gute Laune! Das macht sie u.a. indem sie unvermeidlich in die Beine geht. So war meine erste Handlung im Konzert, dass ich meinen sorgfältig vor der Bühne platzierten Stuhl, meinen Ruheplatz, sich selbst überließ, um mir einen Platz zum tanzen zu finden...


Geboten wurde jedoch nicht nur tanzbare Musik, sondern auch Witzeleien mit dem Publikum und untereinander, kleine Gymnastikübungen auf der Bühne und Mitsing-Gelegenheiten. Das Bestreben, den Raum direkt vor der Bühne zu füllen war jedoch von wechselndem Erfolg gekrönt. Es braucht ja auch als Publikum ein bisschen Abstand, um alles, was dort oben passiert, im Auge behalten zu können bei immerhin fünf Musikern!! Und das nie gleichförmig einfach weitergeht, sondern Plätze und Instrumente getauscht werden was das Zeug hält.


Es ist schön, wenn unter der Woche ein Konzert zur versprochenen Zeit beginnt und tatsächlich 22:00 Uhr zu Ende ist. Abgesehen davon, dass ich die Tanzerei echt nicht mehr gewohnt bin... Es bleibt zu hoffen, dass nicht mehr ganz so viel Zeit vergehen muss, bis die Cobblers wieder einmal den Weg nach Deutschland finden!




Setlist:
01: Bicycles
02: Your Mother
03: Won't look back
04: Almost Home
05: Demons
06: Wildfire
07: Contrails
08: Graceland (Paul Simon cover)
09: Parade
10: St. Tropez
11: The heights of Lola
12: Win Again
13: Forest Hill
14: Pett Level
15: We will heel
16: Dun Dun Dun

17: Half full (Z)
18: Wrecking Ball (Z)
 


Tourdaten:
12.09. Münster, Gleis 22
13.09. Dresden, Ost-Pol
14.09. Nürnberg, Muz Club
15.09. Erfurt, Franz Mehlhose
16.09. Darmstadt, Golden Leaves Festival
17.09. Basel, Parterre Kultur
19.09. Karlsruhe, Jubez
20.09. Köln, Studio 672
21.09. Hannover, Feinkost Lampe


Aus unserem Archiv:
Keston Cobblers Club, Mannheim, 01.06.14


Samstag, 24. Dezember 2016

Viktoriya Yermolyeva, Karlsruhe, 14.12.16

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Konzert: Viktoriya Yermolyeva
Ort: Jubez in Karlsruhe
Datum: 14. Dezember 2016
Dauer: 90 min
Zuschauer: etwa 150


Gerade war ich in meinem Lieblings-Podcast über die Frage gestolpert, wer eigentlich heutzutage ein Star ist. So jemand wie Justin Bieber wohl. Die Pianistin Viktoriya Yermolyeva ist auch ein Star - bekannt unter dem Namen vkgoeswild. Ihre (klassische) Ausbildung erhielt sie im heimischen Kiev und in meiner Heimatstadt Weimar. Tatsächlich war ich auf Youtube schon über ihre wilden Metal-Piano-Cover-Versionen gestolpert und fasziniert hängen geblieben. Deshalb fiel die Entscheidung für dieses Konzert schnell und bestimmt, war aber vor allem von der Neugier bestimmt, wie es wohl live rüberkommen würde. Im jubez angekommen war klar: mit Begleitung am Schlagzeug und laut Ansage vor dem Konzertbeginn auch laut.


Dann betrat Vika die Bühne und setzte sich an ihr E-Piano mit dem Rücken halb zum Publikum. Dort spielte sie stark zusammengekauert und sagte auch vom Publikum abgewandt ihre Stücke an. Nach jedem Song stand sie auf, um sich zu verbeugen - klassische Ausbildung eben. Das Lied des Tages für mich wäre wohl System of a downs Lonely day gewesen, das auch zu ihrem Repertoire gehört, diesmal aber leider nicht auf dem Plan war.
 

Während des ganzen Konzertes überlegte ich, warum sie mich nicht richtig kriegte, denn sie spielte hoch kunstfertig und dramatisch und ziemlich laut. Aber wahrscheinlich ist der Ansatz, mit einem Klavier metal nachzuempfinden doch kein tragendes Konzept? Was so absolut auch nicht stimmen kann, denn ich mag z.B. Master of Puppets sehr in der Version der Dresden Dolls, die ja in der gleichen Besetzung spielen. An diesem Abend war es das Eröffnungsstück leider (noch) ohne Drummer und für mich nicht so recht überzeugend. Das nächste Stück von Queen war mir auch zu romantisierend. Zu Tool erschien dann auch ihr funny Hungarian drummer Gabor (Kovacz) - leider riß er es auch nicht richtig heraus, weil er nicht filigran spielte, sondern rockigen Grundbeat gab.
 

Schließlich spielte sie auch ein eigenes Stück, was sich aber vom restlichen Programm nicht arg abhob. Für das versprochene klassische Stück von Chopin schwiegen die Drums, aber leider konnte sie mich damit erst recht nicht überzeugen. Die Tempi waren so frei, dass das ganze Stück total zerfaserte. Was vielleicht auch Teil meines Problems mit ihrer Spielweise an und für sich war. Zu wenig Ordnung, keine spröden Passagen und irgendwie kriegte sie so in ihren Bearbeitungen das Herz der Stücke nicht zu fassen, sondern berauschte sich an Oberflächlichkeiten. 


Im Prinzip ging es im zweiten Teil ähnlich weiter. Sie ließ uns einmal wählen (statt Black Sabbath wäre auch Guns'n Roses im Angebot gewesen). Anschließend hatte Gabor wieder Dienst. Tatsächlich gab es schließlich doch noch ein Stück, dass mich überzeugte: Chop Suey! von System of a Down, aber Toxcity kam in Teilen wie hopsasa daher und machte mich damit ärgerlich. Zu sichtlich vorfreudigem durchatmen im Publikum führte die Ansage von Space oddity. Allerdings war das dann richtig schlecht. Und hinter mir sprach das tatsächlich jemand laut aus: Das war richtig schlecht. Ja. War es - weil es eine belanglose Barpianisten Version war. Und so blieb von dem Abend doch ein recht gemischtes Gefühl zurück.
 

Setlist
01: Metallica - Master of Puppets
02: Queen - Who wants to live forever 
03: Tool - Vicarious
04: Deftones - Minerva oder Change
05: V. Yermolyeva - Stone
06: Sepultura - Kaiowas
07: Chopin - Etude Op 10 No 3
08: Slipnot - Before I forget
   - Pause -
09: V. Yermolyevy - Questions
10: Black Sabbath - God is dead
11: Rammstein - Seemann
12: System of a Down - Toxicity
13: System of a Down - Chop Suey!
14: System of a Down - Aerials
15: David Bowie - Space odditiy
16: Nirvana - Smells like teen spirit

17: AC/DC - Highway to hell (Z)



Freitag, 22. April 2016

Locas in Love, Karlsruhe, 21.04.16

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Konzert: Locas in Love
Ort: Jubez Café in Karlsruhe
Datum: 21. April 2016
Dauer:  65 min
Zuschauer: etwa 30


Wer meine Konzertempfehlungen liest, weiß, dass ich mich auf dieses Konzert ganz besonders gefreut habe (*). Bevor die Band Locas in Love 2007 in mein Leben trat, hatte ich gedacht, ich würde niemals deutschsprachiger Musik verfallen können. Dann kam das Album Saurus und ich war wie elektrisiert. Und diese Begeisterung hat sich über die Jahre seitdem erhalten. Leider beschränkten sich unsere Live-Begegnungen auf viel zu wenige der Wintergalas in Köln - auch weil ich es schweren Herzens zweimal wegen Wetters lassen musste (Züge und Wintereinbrüche und Sturm usw...). 


Beim letzten mal - am Nikolaustag 2015 aber - fuhr ich mit besonders leichtem Herzen nach Hause, denn dort wurde mir verraten, dass sie im April im Jubez in Karlsruhe auftreten würden. Seitdem hatte ich mich regelmäßig gezwickt und halb neben mir stehend vermutet, dass da bestimmt noch etwas dazwischen kommen würde - weil es zu schön wäre zum wahr werden.
 


Seit in meinem Leben wieder Zeit für Konzerte ist, waren die Locas tatsächlich nicht ganz so fleißig unterwegs wie ich mir das gewünscht hätte. Zuletzt in Karlsruhe waren sie wohl 2004 im Vorprogramm von Superpunk. Nun gut - 2004 wohnte ich noch 400 km weiter nördlich und außerdem wußte ich ja noch gar nicht, dass es die Band gibt.
 


Leider fiel das Konzert in Karlsruhe im Jahr 2016 auf einen Tag, an dem ich nur hoffen konnte, dass meine Abschätzung so einigermaßen hinkommen würde und ich es noch zu den Locas schaffen würde. Während ich noch das Fahrrad abschloss, erklang schon der erste Akkord von drin - puh! das war knapp gewesen! Im hereinkommen war es als erstes Bennie, den ich direkt vor der Bühne stehen sah und der mir das Gefühl von Kontinuität vermittelte, war er doch bisher auf allen Konzerten (in Köln) prominent mit von der Partie gewesen. 
 

Beim Blick auf die Bühne, fand ich dort

am Bass Stefanie Schrank,
an der Gitarre Björn Sonnenberg und

am Schlagzeug Saskia von Klitzing.

Ein kleines inneres Oh: ganz ohne Niklas und ganz ohne Tasten ... !? Das instrumentale Intro (auf der Setlist hatte es den Namen 2 Bass) war laut und rockig und rotzig und zeigte damit schon die Färbung für die nächste Stunde. Danach wurden wir  von Stefanie willkommen geheißen. Björn blieb tatsächlich über den Abend hinweg untypisch (verglichen mit seiner Wintergala-Laune jedenfalls) ruhig. Ein wenig vermisste ich seine mäandernden Einlassungen. Als mir heute der Spruch unterkam: Die Möglichkeiten der deutschen Grammatik können einen, wenn man sich darauf, was man ruhig, wenn man möchte, sollte, einlässt, überraschen - dachte ich sofort - ja, darin hätte sich Björn köstlich und mit viel Enthusiasmus verheddert haben können.
 


Im Publikum waren wir nur mittelviele. Das wirkt im Café im Jubez trotzdem ok, aber es spiegelte zurück was Björn von der Bühne aus als Delle bezeichnete. Nach der ganz frischen Todesnachricht von Prince und wohl auch dem Rhythmus der Tour folgend, waren sie ein wenig suboptimal aufgelegt. Nun gut - sagte ich mir - eine Wintergala-Stimmung wäre wohl auch für Karlsruhe ein wenig zu hoch geschraubte Erwartung meinerseits gewesen.
 


Aber was soll's - schon im nächsten Stück war der Funke bei mir übergesprungen. Mein so heißgeliebtes Sachen - ein evergreen; mit der zugleich lakonischen wie tröstlichen Grundstimmung. Und überhaupt hatte ich in dem Moment das Gefühl, dass sie es mit dem Publikum im Jubez nicht schwer hatten. Das waren viele, die wie ich die Locas tief im Herzen immer bei sich tragen. Einige, die sogar 2004 schon beim Konzert waren und sich recht textsicher zeigten.
 


Tatsächlich ist es so, dass das Album Saurus immer noch so einen ganz besonderen Status in meinem Herzen hat mit fast all seinen Stücken. Wobei ich die Menschen dahinter eigentlich wirklich ins Herz schloss mit dem Album Winter und den Videos dazu (**). Nach dem Lemminge-Album hat erst das aktuellste Album Kalender wieder so richtig gezündet und daran sind vor allem solche Stücke schuld wie Ich werd ein Lied für alle schreiben. Das hat nämlich diese Hymnen-Qualität, die ich so besonders schätze. Ein Großer Gott wir loben Dich-Moment, wie ihn so feierlich und realistisch in einem Atemzug wohl nur die Locas hinkriegen.
 


Anschließend bekam mein Fan-Herz weiteres Futter. Wie immer wenn Stefanie singt Ich gebe zu ich habe dies Tür eingetreten trat ich neben mich und musste einerseits lächeln, weil das so unwahrscheinlich klingt und dabei so liebenswürdig und die Musik fast eine Schunkelnummer ist und nebenbei wird im Text mal eben eine ganze Welt oder eine ganze Beziehung brutalst demoliert. Weiter im Programm ging es mit drei aktuellen Songs. Ultraweiß rührt mich immer mit seinen Versprechungen und seiner Transparenz, aber es schwingt auch immer eine Portion Angst mit, dass all das Leuchten und Aufheben von Schmerz die finale Explosion unseres Heimatplaneten meinen könnte. Richtige Mitsing-Qualität für mich hat der Song Oh!. Wobei hier von Stefanie auch ganz schöne Tretminen unters Volk gebracht wurden:  Eine Müdigkeit, die ganz tief innen sitzt hat mich befallen. Oh oh oh oh, nichts ändert sich in mir. Oh oh oh oh. So fein eingebettet in die Ohs kann man das schon mal überhören und erschrickt sich dann jäh, wenn die message auf's Hirn trifft.
 


Die einzige Ansage zu einem der Lieder war Ruinen gewidmet - also ein Trennungslied, wo es eine/r nicht hinkriegt:  Und wenn wir für immer auseinandergehen, kannst du mich nicht einfach mitnehmen? Dann ... Monkey! Bei den hingeseufzten einleitenden Ah ah hatte ich schon Gänsehaut, dann das vertraut tickende Schlagzeug - wieder so ein Evergreen vom Saurus Album, der so tröstlich versöhnlich vom Affen auf dem Rücken spricht. Richtig schön zum mitgrölen eignet sich ja der Refrain von Nein und in der rotzigen live-Fassung wurde das dann doch eher eine Art Manifest. Die Band versuchte dann mit einem weiteren Instrumental  und einem ganz rockigen Black Box (riesig!) - das voll die von mir so geschätzten Stärken ausspielte: realpolitische und rockig Strophen neben einem hochpoetischem Refrain - aus dem Konzert zu gleiten. Aber natürlich baten wir - zum Glück erfolgreich - um Zugaben!


Nach etwas Plenum wurde uns ein weiterer alter Kracher angeboten. Nur die Locas kommen damit durch Schande, Scham, Schuld  in so einen Song zu packen, dabei ganz poetisch zu klingen und voll zu rocken! So etwas zu hören und um die Ohren geschlagen zu kommen, dafür war ich gekommen. Und es hätte gut als Gehet hin in Frieden dienen können, nur natürlich gänzlich unversöhnt mit den Zumutungen der Welt und des Lebens. Dafür hatte Björn aber seine ganz eigene Variante. Er ging nämlich durchs Publikum und umarmte jede/n und verabschiedetet sich damit ganz persönlich. Als Praline gab es anschließend noch ein Angebot zum mitsingen Run away, turn away. Popvorbilder, die auch so prima traurigen (leider wahrhaftigen) Text zu tanzbarer Musik boten. 



Mein Fazit des Abends: 35 Tausend Millionen leuchtende Augen, die Hoffnung, dass es nicht wieder zwölf Jahre braucht und Mabuse im Set wäre eigentlich auch sehr schön gewesen.

(*) So wie auf die wenig und immer zu für mich unpraktischen Zeiten tourenden Afenginn (zuletzt in Basel abgepasst) und Arstidir (für die ich 2014 extra nach Gera gefahren bin)
(**) Ich hasse Videos eigentlich.


Setlist:
01: 2 Bass
02: Sachen
03: Ich werd ein Lied für alle schreiben
04: Zum Beispiel ein Unfall
05: Ultraweiß
06: Oh!
07: Ruinen
08: Monkey
09: Über Nacht Ist Ein Ganzer Wald Gewachsen 
10: Nein
11: Leyendeckerstraße
12: Black Box

13: Auto destruct (Z)
14: Small town boy (Z, Bronsky beat-cover)

Tourdaten:
15.04. Düsseldorf Zakk (Staatsakt Labelabend mit LIL & Isolation Berlin)
16.04. Dortmund Sissikingkong
17.04. Offenbach Hafen 2
18.04. große Überraschung
19.04. München Feierwerk
20.04. Nürnberg MUZclub
21.04. Karlsruhe Jubez
22.04. Jena Glashaus im Paradies
23.04. Bremen Etage 3  Lagerhaus
24.04. Münster Skater's Palace


Aus unserem Archiv:
Locas in Love, Köln, 06.12.15
Locas In Love, Düsseldorf, 20.03.15
Locas In Love, Köln, 21.02.15
Locas In Love, Köln, 07.12.14
Locas In Love, Köln, 07.12.14
Locas In Love, Köln, 22.12.13
Locas In Love, Köln, 15.08.13
Locas In Love, Köln, 14.08.13
Locas In Love, Köln, 09.12.12
Locas In Love, Köln, 09.12.12
Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
Locas In Love, Köln, 02.10.11
Locas In Love, Köln, 24.10.10
Locas In Love, Köln, 30.11.08
Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
Locas In Love, Köln, 19.08.07




Dienstag, 16. Februar 2016

The good life, Karlsruhe, 14.02.16

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Konzert: The good life mit Big Harp
Ort: jubez in Karlsruhe
Datum: 14. Februar 2016
Dauer: 45 min + 75 min
Zuschauer: knapp 40


Als ich die Ankündigung für das Konzert von The good life in Karlsruhe sah, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Ihr Album Help wanted nights, das 2007 erschienen war, ist für mich ein innig geliebtes und ganz und gar altersloses Werk. Darauf reihen sich die Songperlen anscheinend ganz mühelos - ein wenig melancholisch gefärbt, aber doch so, dass sie mich bei jedem hören wieder ein wenig aufbauen. Tim Kasher hatte auch schon vorher im jubez gespielt, allerdings liegen mir weder die Cursive-Sachen noch das Solo"zeug" so richtig.  So würde nun dieses Konzert unsere erste Live-Begegnung werden. Darauf war ich sehr gespannt aber auch ein wenig ängstlich.


Mir war bewusst, dass nach Help wanted nights eine lange Veröffentlichungspause erst im Jahr 2015 mit einem neuen Album beendet worden war, das mich nicht so recht vom Hocker haute. Allerdings hatte ich auch nie den Impuls gehabt, nach Musik zu schauen, die evt. vor meiner Lieblingsplatte erschienen war. Und davon gibt allerhand! Je nach Mischung würde also damit zu rechnen sein dass es ordentlich von der aktuellen Platte gibt und von vielen mir unbekannten älteren Alben und ob dann meine so geliebten Lieder vorkämen: Heartbroke, You don't feel like home to me z.B.? Oder ob ich das geliebte Lalalala bei Your share of men mitgrölen könnte?


Für die aktuelle Tour, deren deutscher Teil in Karlsruhe endete, hatten The good life eine Schwesterband dabei mit der sie die Frau am Bass "teilen". Big Harp ist die Band von Chris Senseney (Gitarre, Gesang) und Stefanie Drootin-Senseney (Bass, Gesang) mit Daniel Ocanto am Schlagzeug. Mir war im Vorfeld schon klar, dass dies nicht so ganz meine Musik sein würde, aber wenigstens interessiert zusehen würde sich wohl lohnen. Als ich einmal frisch vom Regen geduscht im jubez eintraf, fand ich es jedenfalls echt toll, dass vor dem Beginn der Show die Musiker von The good life am Merchstand zu sprechen waren und kurz später Roger Lewis die Musik, die Big Harp auf der Bühne ablieferte, hinten mit Trockenschlagzeug ordentlich mitfeierte. Das wirkte sympatisch und ehrlich begeistert auf mich.


Es gab dann auch quietschende Gitarren und ordentlich Bums beim ersten Song Golden Age. Leider war der Sound so, dass es alles etwas wie Blechkiste klang und damit noch krachiger als nötig. Trotzdem verfehlten solche instant-Mitsing-Song-Kracher wie It's a shame nicht ihre Wirkung auf mich. Oder schräg schöne Harmonien wie in Diev. Überhaupt wurde im Set sehr viel Material des aktuellen Albums Waveless geboten. Und als nach 45 min Schluß war, fand ich es ganz gut, schon pünktlich dabeigewesen zu sein.



Setlist:
01: Golden Age (*)
02: It's a Shame
03: Image (*)
04: Float ??
05: Diev (*)
06: Waves (*)
07: So far ??
08: Numbers (*)
09: Opera lights (*)
10: All Bets are off
12: Woo shila ??
13: Blood ??

(*, Waveless, 2015) 



The good life brauchten anschließend nur recht wenig Zeit, um die Bühne vorzubereiten und Tim Kasher (Gitarre und Gesang), Ryan Fox für Keyboard und Gitarre - wieder am Bass und Gesang Stefanie Drootin und am Schlagzeug Roger Lewis standen oben und fühlten sich offensichtlich pudelwohl. Was eigentlich den Charme der Musik für mich ausmacht, kann ich gar nicht so einfach beschreiben. Es sind einerseits echt so geile Basslinien aber auch die schwarzhumorigen Texte, die so unangestrengt und auf den Punkt genau zu mir sprechen.


Mit Forever coming down rannten sie förmlich ins Konzert mit OH oh OH oh Parts im Gepäck.  Mir war das ein wenig zu verstolpert, krumm und schief und mir wurde wieder bewusst, dass es vielleicht doch ein großer Fehler gewesen war, die Lieblinge live zu treffen... Das war natürlich sofort vergessen, als es ganz bald eine herrliche Version von You don't feel like home to me gab. Doch doch, hier war ich schon goldrichtig und es konnte jetzt auch nichts mehr "passieren"!


Auch wenn Flotsam locked into a grove ganz schön krümelig losging. Stimmten sie noch ihre Instrumente? Taumelnd und betrunken wirkte das - die Gitarren klangen gequetscht und der Beat schob. Bestimmt wacht der Typ um den es da geht morgen mit einem Brummschädel auf! Solche Phasen gab es später im Konzert immer mal wieder. 


Das neue Album ist wohl einfach ein wenig krachiger und auch die entsprechende Spielart für die eigentlich alten Songs auch so. Aber ich hörte doch darin "meine" The good life Musik und war wieder geflasht, wie sie aus einem irgendwie fast langweilig traditionellen Song wie Empty bed oder Album of the year (wo ich mich allerdings noch mit interessantem Text "trösten" kann), dann ordentlich krachig sich so steigern, dass es zwar einerseits zerfasert, mir aber gleichzeitig die Gänsehaut über den Rücken treibt. 


Auf halber Strecke durfte mein absoluter Liebling Heartbroke endgültig mein Herz hinschmelzen lassen und auch etwas später  Some Tragedy, das sich durch die typische Basslinie schon im ersten Moment verrät. Da war ich dann doch noch zweimal total geflasht. Das Set mündete schließlich in einem kraftvollem Finale mit Everybody:

We're all bystanders of our own lives
Our own moats and it's killing us
I just wanna live my feeling
Of overwhelming again
And again is all I ask
I used to want a future perfect
Now all I want is past



Für die Zugabe gab es noch einen Spaß: Fast hatte es den Anschein, dass sich Tim Kasher selbst am meisten darüber freute, einen Mann aus dem Publikum an seiner Statt auf die Bühne zu holen und den ersten Song übernehmen zu lassen. Herrlich!



Setlist:
01: Foverver coming down (*)
02: Lovers need lawyers (Aoy)
03: You don't feel like Home to me (H)
04: Flotsam locked into a grove (*)
05: Empty bed (B)
06: How Small we are (*)
07: You're not you (Aoy)
08: Heartbroke (H) yeahyeahyeah
09: Beaten path (B)
10: Some Tragedy (H)
11: The troubadour's green room (*)
12: A Dim Entrance (N)
13: Album of the year (Aoy)
14: Everybody (*)


(N) Novena on a Nocturne, 2000
(B) Blackout, 2002
(Aoy) Album of the year, 2004
(H) Help wanted nights, 2007
(*) Everybody's Coming Down, 2015



Aus unserem Archiv:
The Good Life, Paris, 29.11.07

Tourdaten:
01.02. Hamburg - NachTasyl
02.02. Duisburg - Grammatikoff
03.02. Köln - Geneva Club
04.02. Berlin - Privatclub Berlin
05.02. Dresden - Beatpol
06.02. Zürich - El Lokal
07.02. Winterthur - Kraftfeld
09.02. Frankfurt - Brotfabrik Frankfurt
10.02. Genf - Festival Antigel
11.02. München - Unter Deck
12.02. Ebensee - Kino Ebensee
13.02. Leipzig - die naTo
14.02. Karlsruhe - jubez

15.02. Paris - Point Ephemere
16.-20. 02. Großbritannien
22.02. Amsterdam 

Dienstag, 2. Juni 2015

Carrousel, Karlsruhe, 28.05.15

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Konzert: Carrousel
Ort: Jubez in Karlsruhe
Datum: 28. Mai 2015
Dauer: 85 min
Zuschauer: etwa 40


Die Musik der Band Carrousel begleitet mich schon eine ganze Weile. So häufig begegnet mir französischsprachige Musik nicht und der Bandname bleibt natürlich im Gedächtnis und schon hatte das Aha-Erlebnis unserer ersten Begegnung einen bleibenden Effekt. Als sich herausstellte, dass sie in Karlsruhe Station machen, war klar, dass ich mir die Liveumsetzung nicht entgehen lassen würde.


Nun fiel das Konzert zufällig auf einen für viele Karlsruher wichtigen Abend. Der lokale Fußballclub kämpfte ums Ganze und als ich am Stadion vorbeiradelte war ich einen Moment befremdet. Dort tobten die Massen - das Spiel ist doch aber in Hamburg... ?! Wenig später fiel mir ein, sicher wird es übertragen. Die Straßen ansonsten seltsam leer gefegt und der laue Sommerabend zeigte sich von seiner besten Seite.


Im jubez war dann auch das Ende der ersten Halbzeit das Startsignal für den Beginn des Konzertes mit Léonard Gogniat (Suisse), Sophie Durande (Auvergne) und ihrem Schlagzeuger. Die beiden hatten das Café im jubez ganz gut gefüllt und es rissen sich fast alle von der Fußballübertragung los. Der Unterhaltungswert auf der Bühne war auf jeden Fall höher - selbst wenn die zweite Halbzeit noch Tore gebracht hätte, wäre das so gewesen!


Die Musik von Carrousel wiegt und stampft und es dauert nicht lange, bis wir aufgefordert wurden uns zu beteiligen. Wir sangen mit bei J'avais rendez-vous, wir pfiffen die Melodie bei Dans ma tête, wir klatschten, tanzten und sangen auch öfter unaufgefordert den Refrain leise mit.


Es blieb nicht aus, dass die meisten glücklich lächeln oder irre grinsen - je nach Temperament. Anscheinend war Sophie erleichtert und auch ein bisschen überrascht, als ihr das Publikum zu Anfang signalisierte, dass sie ihre Ansagen ruhig auf französisch machen kann. Léonard zeigte allerdings, dass sein Deutsch (als Schweizer!) richtig gut ist und die Kombination funktionierte an dem Abend hervorragend.


Und die Sprachen, die ohnehin alle verstehen waren der Charme, die Spielfreude und die Musik. Die Instrumente wurden fleißig getauscht. Das Bandoneon durfte nicht fehlen (hoch lebe das Klischee!), aber auch zwei Spielzeugklaviere, Glocken, Melodica und sogar eine Spieluhr waren neben den Gitarren und einem sparsamen Schlagwerk dabei. Und auch wenn ich nicht weiß, was ihnen Arzt oder Apotheker empfehlen - gegen allen Missmut und miese Laune kann ich die Musik von Carrousel nur empfehlen. Am besten live!



Setlist:
01: Comme on l'image
02: Les cent pas
03: Reviendra
04: J'avais rendez-vous 
05: La Falaise
06: Tandem
07: Dans ma tête
08: Le prochain express
09: Dis moi encore
10: Face a l'horizon
11: Franc jeu
12: Nous suffire
13: Tu m'as dit 
14: En équilibre
15: Sergio Leone
16: Le manque de place

17: Gris-bleu (Z)
18: Eva (Z)



Deutsche Tourdaten 2015:
28.05.  Karlsruhe jubez
30.05.  Chemnitz WOZOPA
31.05.  Münster Pension Schmidt
01.06.  Frankfurt Ponyhof
10.07.  Karlsruhe
11.07.  Offenbach
12.07.  Düsseldorf
14.07.  Magdeburg


Aus unserem Archiv:
Carrousel, Leipzig, 15.04.15 



Freitag, 10. April 2015

Kofelgschroa, Karlsruhe, 27.03.15

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Konzert: Kofelgschroa
Ort: Jubez in Karlsruhe
Datum: 27. März 2015
Dauer: 95 min
Zuschauer: 250-300


Und dann warn wieda Leit do
und dann hat’s ma wieda leid do
.
 

Ich kann mich nicht mehr genau besinnen wann das eigentlich aufhörte. Lange Zeit waren Volkslieder und damit verbundene Tänze, Spaß und Spiele Teil meines Lebens. Als Kind und Jugendliche war es ein Jux. Im richtigen Kontext war Blasmusik ein Spaß. Mit den eigenen Kindern wieder neu. Aber dann wurde statt Volksmusik sogenannte volkstümliche Musik zur Mode. Und der Name ist eigentlich noch zu gut, denn volkstümelnde Musik trifft es sicher besser. Seitdem muss ich blitzartig weglaufen oder abschalten und habe mir damit auch den Zugang zu Volksmusik, wie ich sie früher kannte, verlegt.


Ich weiß nicht, ob es das Phänomen auch anderswo gibt. Aber ich beobachte, dass z.B. Briten und Amerikaner ihren Folk haben und was davon im Indiepop ankommt, nimmt diese Wurzeln einfach mit ins heute und kann darauf zählen, dass wir aus unseren Kindertagen einen Zugang dazu haben. Sogar wenn die Texte nicht oder nur teilweise verstanden werden.


Als ich im Konzert von Kofelgschroa stand, gingen mir viele solche Gedanken durch den Kopf. Aber auch viele Halbsätze und nicht in Worten umgesetzte Gefühle. Diese Blasmusik ludt nicht zum marschieren ein (was ich inzwischen auch nicht mehr so ungetrübt gut finden könnte) - eher zum wippen und Hüften wiegen. Nicht alles, was es an Text gab, war mir gleich verständlich. Aber ich fühlte mich doch ganz wohl und angekommen und in einem inneren Gespräch mit den vier Burschen auf der Bühne.


Es ist natürlich vermessen. Wir kennen uns ja gar nicht. Ich kannte nicht einmal die Stücke wirklich. Habe auch nicht den gleichen Heimatsgrund. Ich hatte mir das im Vorfeld angehört und dabei aufgemerkt. Da rührte sich was in mir und ich war neugierig ins Jubez gegangen. Auch ein bisschen mit meiner Entscheidung ringend. Was sollte das geben? Was wirklich begeisterndes?


Ja - tatsächlich war es das. Begeisternd in einer ganz wunderbar unaufdringlichen Art mit Glück und Wärme im Herzen, mit Spaß an Dadada-Dadaismus mancher Texte, die doch aber alle noch Bedeutungsebenen darunter und daneben haben:

Und i sog ned a so und a ned a so,
ned dass irgendebbad sogn kunt i sog so, oda a so



Oder so Formulierungen, die mir noch Tage später immer wieder in den Sinn kamen, die ich aber leider nicht ohne mich zum Gespött zu machen, in meinen aktiven Wortschatz übernehmen kann: das nervt mi brudal (oh, wie das schon im Kopf gedacht von der Zunge rollt und Aggressivität dabei entlädt und mich davon befreit).
Dem einfachen, das doch so schwer zu machen ist, durften wir im Konzert zusehen. Alles wirkte so aus einem Guß, so selbstverständlich. Und dann blitzte der Schalk aus dem Dreiertakt und die Taktwechsel durften sich schieben und türmen und ihre eigene Geschichte erzählen.

Auf der Bühne waren im Jubez
     Matthias Meichelböck mit Tenorhorn, Posaune
     Martin von Mücke  mit der Helikontuba
     Michael von Mücke mit Gitarre, Cornett, Maultrommel
     Maxi Pongratz mit Akkordeon und Gitarre.

Alle auch gesanglich beteiligt, außer dem Rechtsaußen an der groooßen Tuba, der alles zusammenhalten musste. Faszinierend war für mich auch die Bandbreite des Publikums. Es gab Schulkinder und Ruheständler gleichermaßen und auch dazwischen jede Altersstufe. Alt und jung fand hier etwas für Kopf und Herz und ließ die Band im enthusiastischen Applaus wissen, dass sie das hier wunderbar und ganz richtig machte. Ein Fest. Und hinzugehen war wirklich eine sehr, sehr gute Entscheidung gewesen!

Und jeda Dog sollt a Gschenk sei,
aber ned oiwei sieg i’s ei –
ob’s war a Rucksack oder Gschenk,
seng ma nach wenn ma gstorbn sen
.



Setlist:
01: Luise
02: Leit do
03: Meinzelmo
04: Blume
05: Hausnamen
06: Sofia
07: 14 Dog
08: Wäsche
09: Schlaflied

10: Wann i
11: Sieben
12: Zaun
13: Oberammergau
14: 10minutentakt
15: Bladl 

16: Eintagesseminar (Z)
17: Zahnputz Walzer (Z)


Alle Bilder:


Tourdaten:
12.03. Weyarn, Weyhalla
15.03. Austin - Texas, German House / SXSW
19.03. New Orleans / Louisiana, Café Istanbul
20.03. New Orleans / Louisiana, Allways Lounge
27.03. Karlsruhe, Jubez
28.03. Memmingen, Kaminwerk
29.03. Schwabmünchen, Ulrichswerkstätten
16.04. Wasserburg, LandWirtschaft Staudham
17.04. Tiefstollenhalle, Peißenberg
18.04. Aichach, Schloss Blumenthal
22.04. Hamburg, Mojo-Club
23.04. Berlin, Badehaus
13.05. Landsberg, Stadttheater
16.05. Ardagger Stift, ZOA-Festival
30.05. Ulm, Ulmer Zelt


Bericht & Bilder Nürnberg, Feb. 2015,  Werner Gensmantel 
 

 

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