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Samstag, 24. September 2011

H-Burns & Neal Casal, 19.09.11

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Konzert: H-Burns & Neal Casal

Ort: Crêperie West Country Girl, Saint Ambroise, Paris

Datum: 19.09.2011

Zuschauer: 30-35



Diese Konzerte sind mir die liebsten! Intimes Ambiente, sympathische, musikbegeisterte Zuhörer und exquisite Künstler, die ohne Netz und doppelten Boden akustisch vom Leder ziehen.

Der gute Erwan Le Floch hatte in seine urige Crêperie West Country Girl geladen und etwa 30 Insider folgten seinem Ruf. Die Shows sind halbwegs geheim, weil der Laden nicht sonderlich groß ist und Erwan nicht überrannt werden will. Es soll ja schließlich gemütlich bleiben. Eintritt kostet das Ganze nicht, Crêpes kann man am Tag der Konzerte alleridngs auch keine essen. Ist aber egal, denn man kommt ja wegen der Musik und nicht um sich die Wampe vollzuschlagen.

Anberaumter Konzertbeginn war 21 Uhr. Als ich um diese Zeit am Ort des Geschehens eintraf, war das West Country Girl noch nicht sonderlich stark bevölkert, der von mir erwartete Massenansturm blieb aus. Allerdings war der Amerikaner Neal Casal schon da. Ich erkannte ihn kaum wieder. Er trägt inzwischen einen grauen Bart, auf den er sehr stolz ist, wie er mir schmunzelnd erzählte. Als ich ihn 2007 solo und später mit Ryan Admas und den Cardinals auf der Bühne der Maroquinerie gesehen hatte, war er noch glattrasiert. Ich fragte ihn, ob die Weiber auf seinen Bart stehen würden. Er verneinte. Daraufhin riet ich ihm: "dann mach ihn sofort wieder weg!"

15 Minuten später kam mein eigenes Weib eingetrudelt, sie war mit Freunden noch essen gewesen. Während ich hungrig auf meinem Stühlchen saß, erzählte sie mir von ihrem vollen Bauch. Gemeinheit. Zum Trost kippte ich mir einen staubtrockenen Cidre die Kehle runter und verfolgte nun ganz leicht besäuselt das Akustikkonzert des Franzosen Renaud Brustlein aka H-Burns. Seit Jahren schon bin ich Fan des erdigen Folkrockers, der hier im West Country Girl gern gesehener Gast ist. Er gehört fast zum Establishment. Während er auf "richtigen" Bühnen mit seiner mehrköpfigen Band richtig Krach machen kann, besann er sich hier auf seine ruhige Seite. Seine whiskygetränkte Stimme klang wie immer sensationell. Würde ihn sein kleiner Akzent nicht verraten, man könnte ihn für einen waschechten Ami halten. Dabei stammt der kräftige Bursche aus Valence und nicht aus Nashville.

Inzwischen ist der gute Renaud schon bei Album vier angekommen, daß er zusammen mit dem australischen Kultmusiker Chris Bailey (The Saints) eingespielt hat. Und von diesem Album brachte er auch ein paar Songs (New Sidewalks, Postcards), freilich ohne Chris Bailey. Zudem gönnte er uns We Go Back von seinem gleichnamigen dritten Album und gegen Ende mit Death Of A Salesman auch ein gelungenes Cover von Low (Album The Great Destroyer).

Die Leute (unter ihnen Michel Pamplune, der Chef des famosen Labels Fargo) hörten aufmerksam zu, belohnten H-Burns mit verdientem Applaus und waren teilweise überrascht, daß es in Frankreich so tolle Countrysänger gibt.



Etwa zehn Minuten später war Neal Casal an der Reihe. Der smarte Womanizer steht bei Frago (damals war er bei Glitterhouse) unter Vertrag und hat zuletzt 2010 das nicht kleine Café de la Danse (Fassungsvermögen etwa 500) gefüllt. Er ist als kein Unbekannter hier in Frankreich und hat sich praktischerweise gleich auch noch eine französische Freundin angelacht (ein süßes Ding!). Es dürfte ihm allerdings schwer fallen, diese regelmäßig zu sehen, denn der Singer/Songwriter wohnt in L.A, also nicht gerade um die Ecke.

Aber schwierige Liebesbeziehungen sind ja meist der ideale Nährboden für verzweifelte Lovesongs und Neal bot uns allen wirklich ein paar sehr feine Kostproben seines umfangreiches Werkes. Je nach Zählweise stehen 11 bzw 13 Alben auf der Habenseite (eine Anthlogie und ein Coveralbum könnte man eventuell abziehen) und ich besitze offengestanden kein Einziges davon. Dennoch fiel mir heute auf Anhieb der Song Lost Satellite positiv auf. Fast im Stile eine Paul Mc Cartney trug er mit fabelhafter Stimme und gekonntem Fingerpicking diese Ballade vor und gefiel mir nicht nur in dieser Phase richtig gut. Im Vergleich zu H-Burns klang bei Neal Casal alles süffiger, süßlicher, weniger erdig und trocken, allerdings auch ein klein bißchen professioneller und routinierter. Aber man schaftt es nun einmal nicht in die Begleitband von Ryan Adams (den Cardinals), wenn man nicht exzellent spielen kann.



So genoßen wir Pariser Folkfans in intimer Atmosphäre also zwei hervorragende Musiker, die sich auch hinterher sympathisch und offen präsentierten und für Schwätzchen zur Verfügung standen.

Feine Sache das!


Obiges Video von H-Burns by Le Hiboo.com, copyright. Check out their other great videos with H-Burns, click!



Montag, 7. März 2011

Gaspar Claus, Sir Alice & Gaspar Claus, She Keeps Bees (solo), Paris,05.03.11

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Konzert: Gaspar Claus, Sir Alice & Gaspar Claus, She Keeps Bees (Jessica solo)

Ort: Crêperie West Country Girl, Paris
Datum: 05.03.11 (eigentlich 06.03.11, 1 Uhr morgens)
Zuschauer: etwa 40-50 Konzertdauer: Gaspar Claus, ein Lied à 20 Minuten, Gaspar & Alice und Jessica jeweils 3 Lieder


Eine ganz spezielle Sache, diese nachmitternächtliche Session in der stimmungsvollen Crêperie West Country Girl des Bretonen Erwan Le Floch und seiner Frau Sophie!

Ich gehörte zu den Auserwählten, die eine geheime Einladunsgmail erhalten hatten, um an der privaten Veranstaltung teilzunehmen. Erwan hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, diese Mail an niemanden weiterzuleiten, keine Tweets zu versenden und auch keine Facebook-Events auszurufen. Ich hielt mich an die Vorgaben, nahm aber meinen konzertbegeisterten Freund Michael mit. Zusammen hatten wir vorher das explosive Konzert von She Keeps Bees im International gesehen und es war reichlich spät geworden. 0 Uhr 30 um genau zu sein, und die Session sollte planmäßig eigentlich um 23 Uhr 30 beginnen. Trottelig wie wir nun einmal sind, hatten wir uns glatt auch noch verlaufen und kamen erst deutlich nach 1 Uhr in der zur Konzertbühne umfunktionierten Creperie an. Hier hatten in der Vergangenheit schon Größen wie Josh T. Pearson (Foto links), Bosque Brown und sogar Micah P. Hinson akustisch vom Leder gezogen und die Geschichte in Insiderkreisen bekannt gemacht. Sogar eine Platte auf Vinyl ist schon über das flux gegründete Label erschienen und über den Konzertabend im Nouveau Casino hatte ich ja berichtet. Seitdem ist es etwas stiller um die West Country Night Sessions geworden, aber Erwan und Sophie denken gar nicht daran, aufzuhören. Josh T. Pearson ist zwar aus den über der Crêperie liegenden Räumlichkeiten ausgezogen, aber mit She Keeps Bees aus Brooklyn konnte man eine Band gewinnen, die hier die allererste West Country Night- Session überhaupt gespielt hatte.

Bevor die Bienenzüchter Jessica und Andy aber loslegten, standen erst noch andere Künstler auf dem Zettel.

Kein Geringerer als der Pariser Ausnahme- Cellist Gaspar Claus hatte den Abend mit seinem innovativen und experimentellen Stil eröffnet. Der klassisch ausgebildete Musiker ist durch Videos von der Blogothèque bekannt geworden, aber auch dadurch, daß er mit der Schwester des frankophilen Bryce "The National " Dessner liiert ist.

Was Gaspar so alles mit dem Cello anstellt, verschlägt einem glatt die Sprache. Er zupft, streicht, zwirbelt und lässt Töne erklingen, die ich in dieser Form noch nie gehört hatte. Man sah deutlich, daß er eine Symbiose mit seinem Instrument einging, es fast herzte und im Arm hielt wie eine geliebten Menschen. Zwanzig Minuten dauerte der einzige Titel, den er heute abend spielte und keiner im Raume wagte es , sich auch nur zu räuspern. Die totale Stille. Diese war allerdings auch unerläßlich, denn manchmal berührte Gaspar sein Cello nur hauchzart.

Ein bizarrer, verstörend schöner Auftritt.

Fünf Minuten später leistete ihm die blondgelockte Alice Daquet aka Sir Alice aka Viva & The Diva Gesellschaft. Die ausgebildete Naturwissenschaftlerin spielte Akustikgitarre und keifte wie zu den Hochzeiten des Grugne aggressive Töne ins Rund. Ein Mikro hatte sie nicht. Gaspar spielte Cello dazu und er und Alice ergänzten sich meisterhaft. Das Cello, die Gitarre und die tiefe Stimme von Sir Alice schufen eine düstere, aber anziehende Atmosphäre. Da es extrem spät war, schienen schon einige Leute hinwegzudämmern, aber das kurze, dreistückige Set (darunter ein Cover von k.d. Lang) hatte es in sich!

Auch Jessica Larrabee äußerte sich euphorisch und meinte Richtung Sir Alice: "My goodness, I would love to have your voice!" Sympatisch, wenn man bedenkt, daß Jessica für ihre vokalen Fertigkeiten Lobhudelei von allen Seiten (z.B. von Sharron von Etten etc.) erfährt und in der New Yorker Indieszene einen extrem guten Ruf genießt. Ihr Partner Andy saß an der Bar während sie ebenfalls drei Songs auf der Akustikklampfe performte, den letzten 'a cappela.

Inzwischen war es 2 Uhr geworden, viele Mitbürgerinnen und Mitbürger verdrückten sich, noch in der Hoffnung die letzte U-Bahn zu kriegen. Ich persönlich führte aber noch ein schönes, angeregtes Gespräch mit Jessica, bei dem ich die ganze Herzlichkeit und Warmherzigkeit der Amerikanerin erfahren durfte. Besonders der Gig im Deutschen Theater in Berlin war ihr in bester Erinnerung geblieben.

Dann war es Zeit zu gehen. Von draußen blickte ich auf den Laden und sah das obere Stockwerk in dem Jessica und Andy nächtigen würden, genau wie Josh T. Pearson damals. Nun ist der legendäre Bartträger gerade dabei, Karriere zu machen. Hier im West Country Girl werden Helden gemacht. Eine tolle Sache das, Riesenkompliment an Erwan und Sophie!






Mittwoch, 23. Juni 2010

Bosque Brown, Josh T. Pearson, Tom Cooney, H-Burns, Thousand, Paris, 21.06.10

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Konzert: Bosque Brown, Josh T. Pearson, Tom Cooney, H-Burns, Thousand

Ort: Fargo Store Paris
Datum: 21.06.10
Zuschauer: etwa 25 Konzertdauer: eine gute halbe Stunde


Eine Pariser Crêperie mausert sich zum Konzertveranstalter und Plattenlabel! In der Tat eine kuriose und spannende Geschichte, die sich gerade ereignet. Wie das Ganze in Gang kam? Nun, der Bretone Erwan und seine Frau Sophie führen ein schönes kleines Bistro namens West Country Girl im trubeligen Oberkampfviertel und bieten dort ihre mit viel Liebe zubereiteten Pfannküchlein feil. Einer ihrer Stammgäste ist der texanische Folksänger Josh T. Pearson, der im gleichen Haus lebt. Da kam ihnen spontan die Idee, Akustiksessions in der Crêperie zu organisieren, denn Josh kennt etliche musizierende Landsleute, die bei Konzerten in der französischen Metropole gerne mal bei Erwan und Sophie vorbeischauen, um bei Crêpes und Cidre über die Liebe, das Leben und die Musik zu plaudern. Künstler, die sich vor einem folkverliebten Publikum bereiterklärten, ohne Bezahlung auf der Klampfe zu kratzen, fanden sich sehr rasch. Die West Country Night Sessions waren geboren.* Aus Frankreich rekrutierte man Thousand und den grandiosen H-Burns, aus den USA neben dem Gastgeber Josh T.Pearson die ungemein talentierte Mara Lee Miller aka Bosque Brown und sogar Micah P. Hinson (Letztgenannten allerdings nur für einen Abend). Australien schickte zudem Tom Cooney ins Rennen.

Diese Fünfer- Truppe ist inzwischen so eng zusammengewachsen, daß man sich entschloss, ein ganzes Album von den Sessions aufzunehmen und dieses auch außerhalb der Crêperie zu promoten. Bei der Fête de la Musique am Montag (ich berichtete hier) war bereits die gesamte Mannschaft versammelt und heute war der Anfang 2010 eröffnete Recordstore des Labels Fargo an der Reihe. Am Donnerstag wird die Promotour dann mit einem Konzert im Nouveau Casino feierlich beschlossen.



Als ich gegen 18 Uhr 30 in den Plattenladen von Fargo eintrat, war die Truppe bereits seit ein paar Minuten zu Gange. Der Franzose Renaud Brustlein aka H-Burns sang gerade mit seiner whiskeygetränkten Stumme und die anderen saßen um ihn rum, steuerten bisweilen Backgroundvocals und Percussions hinzu. Stephane Milochevitch aka Thousand saß mit Sisters Of Mercy- T Shirt ganz links (vom Zuschauer aus), dann folgten Tom Cooney, H-Burns (T-Shirt The Saints), Josh T. Pearson mit seinem obligatorischen schwarzen Cowbyhut und Bosque Brown. Das Quintett gab den Staffelstab der Reihe nach weiter, jeder durfte einmal singen. Besonders erfreut war ich, als die einzige Frau in der Runde dran war. Sie sang ein Towns Van Zandt Cover namens Fort Worth Blues und legte wie immer jede Menge Inbrunst und Leidenschaft in ihren Gesang. Obercowboy Josh T. Pearson sorgte hingegen immer wieder für die richtige Vermarktung: "Kauft dieses schöne Album, für 20 kleine Euros habt ihr ein Werk, das euch das ganze Lebne begleitet. Ihr könnt es schon heute abend hören. Und wenn ihr keinen Plattenspieler habt, auch kein Problem, es ist eine CD beigefügt. Alle Smash Hits, die wir hier und heute spielen, sind da drauf." Dieses Werbesprüchlein wiederholte der rauschebärtige Mann, der mit einer deutschen Fotografin verheiratet ist (war?) gleich mehrfach und alle schmunzelten. Aber auch ohne Kaufdruck stand mein Entschluss zum Erwerb dieses schönen Machwerks schon vorher fest. Die knisternden und intimen Countrysongs, die darauf enthalten sind, sind nämlich wirklich zum mit der Zunge schnalzen und ungefähr 25 Zuschauer im Fargo Store waren in der glücklichen Lage, ein paar feine Kostproben davon geboten zu bekommen. Schön!

Aftershow: Nach dem Instore Gig inspizierte ich den Fargo Laden ganz genau. Es gibt eine ungemein gute Auswahl an exzellenten Folk-und Indierock CDs und auch Vinyliebhaber kommen auf ihre Kosten. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht in einen Kaufrausch zu verfallen. Neben den Tonträgern (die nicht ausschließlich von ihrem Label stammen) bieten die Leute von Fargo ihr hauseigenes Fachmagazin namens Eldorado an und auch Rockbücher, DVDs und T-Shirts gibt es zu kaufen. Darüber hinaus kann man sich mit sehr hübsch gemachten Postern und kunstvollen Drucken eindecken und wer auf Nippes steht, wird mit Plastikfiguren von den Beatles, ZZ Top, Doors und Jimi Hendrix bedient. An den Wänden hängen bunt bemalte Gitarren, Bilder von Johnny Cash und June Carter Cash und Elvis. Ein Ambiente, da wirklich Lust aufs Verweilen, Stöbern, Kaufen und Fachsimpeln macht! Ich könnte hier gleich mehrere Stunden verbringen und wenn es einen Schwachpunkt gibt, dann ist es die Tatsache, daß ich Angst habe in einem solchen Laden in einen Kaufrausch zu verfallen und mit 27 CDs, 3 Musikbüchern, sämtlichen Eldorado Magazinen und 5 Postern rauszugehen.

Und demnächst soll hier auch Alela Diane spielen. Der Termin ist aber noch "top secret". Mir werden die Leute von Fargo doch hoffentlich früh genug Bescheid sagen? Meine Güte, man kann sich jetzt schon vorstellen, wie eng und heiß es in dem Laden sein wird, denn schon heute schwitzte man sich fast zu Tode und war froh an die frische Luft zu kommen! ...

Boutique Fargo, 42 rue de la Folie Méricourt, Paris 11 ième, Metro Oberkampf, geöffnet von Dienstag bis Samstag 11-19 Uhr.

Mehr Fotos vom Fargo Store und dem Showcase, klick!

* hier gibt es einen ausführlichen Konzertbericht davon.

Aus unserem Archiv:

Bosque Brown, Paris, Café de la danse, 19.03.2010



Dienstag, 16. März 2010

Bosque Brown, The Rodeo, Josh T.Pearson,u.a., Paris, 15.03.10

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Konzert: Josh T Pearson present: West Country Night, mit Josh T Pearson, Bosque Brown, The Rodeo, Mark Trecka und Tom Cooney
Ort: Crêperie West Country Girl, 6 passage Saint Ambroise, Paris
Zuschauer: knackig voller Laden, schätze um die 80
Konzertdauer: pro Künstler je drei Lieder


Was macht man, wenn am gleichen Abend zwei Konzerte in unterschiedlichen Locations stattfinden (Under Byen in der Maroquinerie* und Los Campesions! im Point FMR), die einen beide interessieren? Klarer Fall, man besucht ein drittes Konzert und pfeift auf die beiden anderen Gigs!

Erwan Broussine, seines Zeichens Labelchef von Waterhouse Records und inzwischen ein Freund geworden, hatte mich gestern abend über eine sehr spannende Veranstaltung informiert. In einer Crêperie im 11. Arrondissement würde ein amerikanischer Countrysänger ein akustisches Konzert mit verschiedenen musikalischen Gästen organisieren. Josh T Pearson (aus Denton, Texas) heißt der rauschebärtige Knabe mit dem schwarzen Hut, der über der Crêperie West Country Girl seine Wohnung haben soll. Da musste ich hin! Die coolste Veranstaltung in ganz Paris, zumindest an jenem März-Montag. Obwohl cool eigentlich so gar nicht passte, den in dem Laden war es brechend voll und dementsprechend warm und auch die Atmosphäre und die gebotene Musik würde ich eher als herzerwärmend und nicht als kalt und abweisend bezeichnen. Genau das richtige für mich also. Zudem kein Eintritt* aber viele bekannte Gesichter von Sympathen, die auch schon bei Oliver Peel Sessions auf unserem Teppichboden gekauert oder gefilmt (Benoit, auch heute im Einsatz!) haben. Und Laurent Orseau von den Hinah Sessions habe ich auch kennengelernt. Schön!

Aufgrund des großen Andranges hatte ich den ersten Musiker des Abends nicht zu Gesicht bekommen. Ich hielt mich im vorderen Teil der Bar auf und hatte keine Chance, einen Blick auf die kleine improvisierte Bühne zu erhaschen. Vermutlich spielte Tom Cooney, aber sicher bin ich mir nicht, da das ursprüngliche Line-Up kurzfristige Veränderungen erfahren hatte.* So war beispielsweise die Pariser Countrysängerin The Rodeo eigentlich nicht vorgesehen. Dorothée, wie die mir bestens bekannte Musikerin bürgerlich heißt, wurde ganz spontan mit in den Kreis der performenden Künstler aufgenommen und sie spielte drei Songs, die ich bereits von früheren Konzerten her kannte, als da wären Little Soldier, das Pete Seeger Cover If I Had A Hammer und Modern Life. Eigentlich war alles wie immer bei Dorothée, knarzig-launische Stimme, französischer Akzent beim Singen der englischen Texte und viel Herzblut. Schön, daß ihr der plötzliche Ruhm nicht zu Kopfe gestiegen ist und sie immer noch die Alte ist. Man muss nämlich wissen, daß ihr kürzlich erschienenes Debütalbum Music Mealström, daß vom amerikanischen Produzenten Stuart Sikes (Cat Power, White Stripes, The Walkmen) gemixt wurde, so einige Wellen in der Indielandschaft geschlagen hat, The Rodeo inzwischen zweimal als Vorgruppe das legendäre Olympia bespielt hat und sie mehrfach im Kulturblatt Les Inrockuptibles positiv besprochen wurde. Zudem steht eine Deutschland Tour an, wo sie unter anderem auch im Ampere in München Station machen wird (Termine unten). Bitte Hingehen!

Nach The Rodeo stand eine junge amerikanische Folksängerin auf dem Programm, die stimmlich gar nicht weit von der Pariserin entfernt war. Bosque Brown der (Künstler)- Name der dunkelblonden Chanteuse mit den schicken milchkaffebraunen Schaftstiefeln. Ein tolles Mädel, daß Moderator Josh T Pearson mit Witz und Ironie ankündigte. Sie käme aus Dallas, was die kesse Dame sofort mit den Worten: "Forth Worth, bitte schön!", konterte. Köstlich! Bosque erschien zusammen mit einem männlichen Begleitmusiker und setzte sich auf ein Stühlchen in meiner unmittelbaren Nähe. Ich saß nämlich mit auf (!) der Bühne, ohne Scheiß! Jaja, eine abgefahrene Sache! Im West Country Girl war es nämlich so eng, daß auf dem Boden kein Platz mehr frei war und da auf der improvisierten Bühne drei Stühlchen standen, bekam ich einen davon zugewiesen und saß gleich neben den Musikern. Einmal stieß mir gar der Gitarrist seine Klampfe gegen meinen Ellenbogen. Mittendrin statt nur dabei! Oder so. Und zu meinen Füßen saß die ehemalige Bassistin der Punk Pop Band CSS. Ira heißt sie, wohnt in Paris, ist inzwischen Modedesignerin und sehr nett. Sie war völlig perplex, als ich ihr erzählte, daß ich vier Shows ihrer Band in der Vergangenheit gesehen und sie sofort wiedererkannt hätte. Intimer konnte die Atmosphäre also nicht sein und die drei Songs von Bosque Brown gefielen mir auf Anhieb. Ich brauche ihre CD, die auf dem vorzüglichen französischen Label Fargo erschienen ist. Und am Freitag spielt sie im Vorprogramm von Clare & The Reasons im Café De la Danse. Auch da muss ich hin!

Nächster Musiker war dann Mark Trecka aus Chicago, der mehrfach rumalberte, daß er eigentlich kein Countrymusiker sei, aber versuche so countrylastig wie möglich zu klingen. Seine Lieder waren ebenfalls nicht übel.

Letzter in der Runde war dann der Chef persönlich, Josh T. Pearson. Ein Hüne mit Rauschebart, der seine Körpergröße durch seine hohen schwarzen Cowboystiefel und seinen Hut noch einmal um satte fünf bis 10 Zentimeter steigerte. Ein sehr witziger Bursche, der eine Kellnerin aus Scherz auf deutsch (!) anschnauzte: "Hey, halt jetzt mal Deinen Mund! Raus jetzt!" blöckte er meine Landsfrau hinter dem Tresen mit lustigem Akzent an. Danach herrschte in der Tat absolute Ruhe und man hätte eine Stecknadel fallen hören. Seine zwei oder drei Lieder waren ewig lang, aber nicht langweilig und sein Gitarrespiel hätte nicht dezenter ausfallen können. Ich muss mich mit diesem Pariser Original aus Texas mal näher beschäftigen, ich denke es lohnt sich.

Alles in allem eine wunderbare Veranstaltung. Wenn hier wieder eine Session stattfindet, stehe ich auf der Matte, darauf kann man einen lassen!


* tolle Photos vom Konzert von Under Byen in der Maroquinerie hat Robert Gil. Klick!
* wichtig, da Paris laut einer ganz neuen Studie die teuerste Stadt der ganzen Welt sein soll!
* Ich glaube Ladybug hat auch gespielt, ich konnte sie aber nicht sehen.

Links:

- Laurent Orseau bei Last Fm. Da erfährt auch mehr über die Hinah Sessions, die man sich gratis im Netz ziehen kann.

- Deutsche Konzerttermine von The Rodeo:

16.04.2010: Bang Bang Club (Festival Les femmes s'en mêlent), Berlin
16.05.2010: Kampnagel, Hamburg
17.05.2010: Centralstation, Darmstadt
18.05.2010: Tollhaus, Karlsruhe
19.05.2010: Ampere, München




 

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