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Dienstag, 13. November 2012

The Maccabees & Spiritualized, Paris, 08.11.12

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Konzert: The Maccabees & Spiritualized (Team Me, Citizens!)
Ort: La Cigale, Paris, Festival des Inrocks
Datum: 08.11.2012
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft
Konzertdauer: The Maccabees 45 Minuten, Spiritualized eine knappe Stunde



Seltsam zusammengewürfeltes Line Up an jenem Donnerstag in der Pariser Cigale beim Festival des Inrocks. Zwei junge britische Bands (Citizens! und The Maccabees), die besonders den 16 jährigen Mädchen im Publikum gefielen, eine norwegische Band, die viel zu früh angesetzt war und bloß 25 Minuten spielen durfte (Team Me) und ein kultiger Headliner zum Abschluß (Spiritualized), der vor allem alte Säcke wie mich anzog. Kein Wunder, daß sich die Cigale nach den an dritten Stelle auftretenden Maccabees sichtlich leerte und die älteren Leute bei Sprittualized fast unter sich blieben.


Aber kommen wir sofort zur Sache, erwähnen kurz, daß ich die erfrischende Team Me verpasst habe, Citizens! so grottenschlecht und poserhaft waren, daß ich die Flucht Richtung Bar ergriff und steigen sofort mit den Maccabees ein.


Die Maccabees also, einstige Oliver Peel Lieblingsband der jungen britischen Post Punk Revival Szene hatte mich beim Haldern Pop Festival 2012 nicht vollständig überzeugt. Zu episch und breit ist ihr Sound mit dem dritten Album geworden, zu wenig war übrig geblieben von den kurzen, messerscharfen Riffs, der schrammeligen Unbeschwertheit der Jugend und den rasant schnellen Songs der ersten zwei vorzüglichen Longplayer. Stattdessen tragen sie nun Spurenelemente von Coldplay in ihrem Sound, sind weit entfernt von der Gang Of Four, die man vor allem beim ersten Album als Referenz nennen konnte. 

Ob es heute anders, sprich besser, im Idealfall sogar so euphorisierend wie vor ein paar Jahren werden würde?


Besser ja, euphorisierend nicht wirklich. Letztlich sahen und hörten die Zuschauer ein recht gutes Konzert, das logischerweise bei den alten Hits seine Highlights erfuhr, aber beim Spielen des neuen Materials auch nicht miserabel wurde. Also so schwach sind die neuen Stücke nun auch nicht. Die Single- Auskopplung Pelican ist sogar ein veritabler Knüller, hätte auch gut auf Colour It In oder Wall Of Arms drauf sein können und Feel To Follow gefiel nach verhaltenem Start mit seiner rasanten Tempobeschleunigung am Ende und seinen spacigen Gitarren. 


Der Sound der Gitarren ist es letztlich auch, der sich im Vergleich zu früher geändert hat. Sie klangen geleckter, runder, weniger zackig und roh als zuvor, was zur Folge hatte, daß das ganze Set eine Spur zu glatt und poliert wurde. Weniger Punk, mehr Pop, so der stilistische Werdegang, den man auch an den Frisuren ablesen konnte. Sänger Orlando Weeks trug früher ganz unpretentiös raspelkurze Haare, nun aber ähnlich wie Gitarrist Hugo White (was für ein posender Schönling!) eine Schmalztolle, die sicherlich mit viel Gel getrimmt wird.

"If you have no kind words to say than just say nothing?" Soll ich also nichts mehr sagen, wenn mir nichts mehr Positives einfällt? Doch, denn es gab ja noch ein paar positive Dinge. Precious Time z.B. das kam fast noch genauso scharf und berauschend rüber wie damals und Love You Better war ebenfalls tadellos gealtert.

Nach lediglich 45 Minuten war dann aber auch schon Schluß und ich immerhin um die angenehme Erkenntnis reicher, daß ich die einst so heiß geliebten Maccabees noch nicht völlig abschreiben muss. Das war ein kompakter Auftritt, tighter und mehr auf den Punkt gebracht  als In Haldern und durchaus stimmungsaufhellend.

Was nach 15 Minuten Umbauarbeiten folgte, gehörte sicherlich zu den Highlights der diesjährigen Ausgabe des Festivals. Spiritualized aus England hatte ich vor ein paar Jahren mal beim Haldern Pop Festival gesehen, aber ich habe seltsamerweise kaum noch Erinnerungen daran, weder gute noch schlechte (ist das der Beginn von Alzheimer oder war ich damals blau?). 
  
Insofern wusste ich nicht so recht, was mich heute erwarten sollte, obwohl mir natürlich klar war, daß nun Spacerock bzw. Shoegaze auf dem Programm stand. Aber das sind ja immer solch vage Begriffe, daß sie kaum zur genauen Beschreibung dienen. Zunächst einmal fiel auf, daß die Truppe sehr vielköpfig war und insgesamt 7 Musikerzählte.Bandchef und Sänger Jason Pierce saß mitsamt Gitarre auf dem Schoß ganz links vom Zuschauer aus auf einem Hocker und hatte zwei soulige Backgroundsängerin hinter sich stehen, die aber glücklicherweise relativ dezent agierten und mit der Kraft ihrer Stimmen nicht unnötig protzten. So blieb genug Platz für die einzigartige Stimme von Jason. 

Der Kerl hatte ein ganz außergewöhnliches, leicht verrauchtes Kehlchen und klang nach vielen Kultsängern gleichzeitig. Nach Loud Reed, aber auch nach David Bowie, Jeff Tweedy und Richard Ashcroft. Das beeindruckte mich und sofort war mir klar, daß ich das Konzert mögen würde. Es war dann auch nicht weiter schlimm, das das Intro zum ersten Lied Hey Jane ellenlang wurde, daß es Balladen gab, die textlich und musikalisch knapp an der Kitschgrenze vorbeischrammten (beispielsweise So Long You Pretty Thing und Jason weder "guten Tag", noch "auf Wiedersehen" oder "danke" sagte und durchgängig stoisch und unnahbar blieb. Seine Stimme machte das alles wett und die spacigen Gitarren kamen einfach spitzenmäßig rüber. Ich will ja hier nicht mit dem vielzitierten Spruch von der Wall Of Sound kommen, kenne mich mit Phil Spector auch viel zu wenig aus, aber als Beschreibung passte das ziemlich gut zu dem Gehörten. 


Wer die Gabe dazu hatte, ließ sich von den Gitarren stimulieren und nickte wild entschlossen mit dem Kopf im Takt, wem das nicht zusagte, der verließ den Saal. Und in der Tat gab es nicht wenige, die die Cigale vorzeitig verließen, warum auch immer. Blieben also die Fans, die Labelleute von Domino und ein paar Neugierige unter sich und erlebten eine packende Schlussphase, die aus zwei alten Songs bestand. Zuvor war bis auf Ausnahme von Electricity quasi das ganze neue Album Sweet Heart Sweet Light durchexerziert worden. Take Your Time (von Lazer Guided Melodies) fing auf fast peacige Weise sehr lahm an (klar, man sollte sich auch ja auch Zeit lassen!) und wurde dann... nein, falsch! Das Stück wurde nicht schneller, plätscherte fast sieben Miunten lang vor sich hin, hatte aber dennoch eine tranceartige, hypnotische Wirkung.

Für mehr Tempo und Druck sorgte schließlich der alte Klassiker aus den 1990er Jahren Electric Mainline. Der rein  instrumentale Song schoß den Vogel am heutigen Abend ab! Ebenfalls langsam und repetitiv beginnend, etnwickelte sich der Song mit Einsetzen des Schlagzeuges und den immer lauter werdenden Gitarren zu einer brachialen Noisekeule, die mir fast den Schädel in zwei Teile spaltete. Ich stand gleich neben den Boxen, bekam so richtig was aufs Trommelfell. Das war geil, geil, geil!

Ein famoser Abschluß eines Konzertes das man auf jeden Falls als gut, mit etwas Wohlwollen sogar als sehr gut bezeichnen konnte. In Noten ausgedruckt: 8/10.

Setlist Spiritualized, Festival des Inrocks, Cigale, Paris 2012

01: Hey Jane
02: Electricity
03: Too Late
04: Headin' For The Top
05: Freedom
06: I Am What I Am
07: Mary
08: So Long You Pretty Thing
09: Perfect Miracle
10: Take Your Time
11:Electric Mainline

12: Ladies & Gentlemen (vorgesehen, aber nicht gespielt)







Montag, 12. November 2012

Festival des Inrocks, Paris, 07.11.12

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Konzert: Festival des Inrocks 2012
Ort: La Cigale
Datum: 7.11.2012
Zuschauer: ausverkauft, bzw. fast ausverkauft (8.11)
Konzertdauer: Daughter noch nicht einmal 30 Minuten, Lambchop 52, Tindersticks 55 Minuten



Wieder einmal Festival des Inrocks in Paris, dieses Mal gesponsort von Volkswagen. Deutsche Bands gab es dennoch keine, was aber nicht weiter schlimm war. In der 25 jährigen Geschichte dürften ohnehin noch nicht viele (noch keine?) Gruppen aus l'Allemagne angetreten sein. Interessanterweise sind aber auch die französischen Formationen eher rar gesät. Die Zeitschrift Les Inrockuptibles, kurz les Inrocks, mag es international und lädt deshalb vor allem Gruppen aus England und Amerika ein. Dennoch ist es ein sehr französisches, in insgesamt 7 Städten stattfindendes Clubfestival, ganz im Gegensatz zum Pitchfork. Das Publikum ist typisch pariserisch und es wimmelt nur so vor bohème bourgoise, kurz bobos, Leuten die für Indielabel arbeiten und vor Journalisten  und Bloggern aus der Seinemetropole.


Den Abend in der wundervollen Cigale mit Lambchop und den Tindersticks wollte natürlich jeder sehen, wenngleich der Gig erst zwei Tage vorher ausverkauft wurde.

Um 19 war es in meiner Abwesenheit mit der französichen 10er Kapelle Mermonte losgegangen, die rein instrumental agierte und damit viele langweilten.


Zu Daughter um 19 Uh 45 war ich aber pünktlich mit dabei. Es galt die guten Eindrücke vom Auftritt beim Haldern Pop Festival bestätigt zu bekommen. Gespannt wartete ich darauf, daß es endlich losging und ich stand glücklicherweise auch sehr weit vorne, um alles ganz genau mitzubekommen. Dann ging das Licht aus und die jungen Briten um die schwarzhaarige Bobfrisur Trägerin Elena Tonra marschierte fast lautlos ein. Eine stille Truppe, diese Daughter, sehr bescheiden und angenehm, aber nicht wirklich charismatisch, obwohl Christoph das in seinem Bericht aus Luxemburg  anders gesehen hat. Dafür sind sie einfach noch viel zu schüchtern und es ist fast bezeichnend, daß sich die Sängerin hinter ihren Haaren versteckt und man nur ganz selten ihre Augen sieht. Oft kicherte sie in sich hinein, überließ das Reden aber sonst dem Hütchen tragenden Gitarristen, der extrem gut französisch sprach. Viel Zeit zum Plaudern gab es aber nicht, denn die Spielzeit war extrem kurz bemessen. Noch nicht einmal 30 Minuten lang durften Daughter zeigen, was sie drauf haben.




Aber was hatten sie denn drauf? Gab es bei ihnen irgend etwas zu hören, was man bisher noch nicht kannte? Nein, das bei aller Liebe nicht. Der sehr klare und ungemein schöne Gesang von Elena erinnerte auch vor allem hinsichtlich der Betonung der einzelnen Wörter an Laura Marling, Lucy Rose, Emmy The Great oder Tiny Ruins, während die epischen Gitarren so oder so ähnlich auch bei Post Punk Bands wie Interpol oder Postrockbands wie Explosions In The Sky zu hören sind. Nichts Neues also, aber Altbekanntes wurde äußerst wohlbekömmlich zusammengerührt. Das war hübscher Folk mit Postrockelementen, ganz der Moderne verpflichtet. Erdig klang hier nix, eher dreampoppig und der Einsatz der akustischen Gitarre kam konsequenterweise eher selten vor. Der Aufbau der Lieder ähnelte sich. Nach langsamen Beginn, spitze sich die Atmosphäre zu, wurde dichter und intensiver und am Ende gab esfast wie auf Bestellung das große Finale wütender Gitarren und erregter Schlagzeugsalven. Diesbezüglich dachte ich deshalb auch an die Band Lanterns On The Lake

Letztlich war das ein Sound, der in aktuellen britischen Folk- und Dreampopszene förmlich in der Luft lag, der aber bisher noch von keiner jungen Band so bezaubernd, charmant und elegant umgesetzt wurde.

In einem sehr ausgewogenen Set schoss das letzte Stück Home den Vogel ab. Hier wurde die Leise-Laut- Formel so perfekt dargeboten, das selbt Skeptiker zumindest über dieses Stück jubelten. "Mir alles ein bißchen zu ruhig, das letzte Lied war aber super", diesen (oberflächlichen) Spruch hörte man  hinterher gleich mehrfach.

Setlist Daughter, Festival des Inrocks 2012

01: Landfill
02: Love
03: Candles
04: Youth
05: Tomorrow
06: Home


Wem Daughter zu ruhig waren, der muss sich bei Lambchop erst recht gelangweilt haben. Die nach den Briten startende Band aus Nashville, spielte durchgängig leise auf, was Fans aber natürlich wussten. Mich störte das nicht im Geringsten, ich genoß diese Entschleunigung in vollen Zügen, war begeistert von den süß-sauren Stories des tief und gestenreich intonierenden Käppiträgers Kurt Wager und hatte auch viel Spaß an der feinen Instrumentierung mit Klarinette, Saxophon, Kurzweil und einem gerührten Schlagzeug. 



Es war wirklich ein Konzert für Kenner und Genießer, die die Geduld aufbrachten, in Ruhe zuzuhören, zu relaxen und  alles andere auszublenden. Dies gelang mir und ich tauchte tief ein in die herrlich warme Atmosphäre dieser sentimentalen, warmherzigen und trostspendenden Lieder, die fast alle vom aktuellen Album Mr. M stammten, in dem es einen starken Bezug zum Tode von Vic Chesnutt gibt. Ich besitze dieses Machwerk gar nicht, bin aber nun fest entschlossen, es mir schleunigst zuzulegen, um mich mit eleganten Kleinoden wie Kind Of, Gone Tomorrow oder Mr. Met zu belohnen. Mr. Met war eines der auffälligsten Stücke, bei dem es sogar am Ende eine richtige Tempobeschleunigung gab, die die Ruhe kurzzeitig beendete. Lautestes Stück war aber Nothing But A Blur From A Bullet Train von dem Album Aw C'Mon, bei dem es Kurt Wager fast nicht auf seinem Stuhl hielt. Ohnehin rotierte der Brillenträger ständig herum und ich fragte mich, warum er eigentlich nicht im Stehen performte, bei seinem Temperament. Er freute sich sichtlich über den tosenden Applaus nach jedem Lied und in einer bemerkenswerten Szene feuerte er die Leute sogar an, noch viel lauter zu werden. Beim endgültigen Abgang nach gut 50 Minuten klatschte er fest in die Hände, ließ sich feiern und schien ziemlich gerührt von dem warmherzigen Empfang.


Er und seinen Band bekamen diesen vollkommen zu recht, das war ein ganz ausgezeichnetes Konzert!

Setlist Lambchop, Festival des Inrocks 2012

01: Kind Of (Mr. M)
02: Gone Tomorrow (Mr. M)
03: Nothing But A Blur From A Bullet Train (Aw Cmon)
04: If Not I'll Just Die (Mr. M)
05: 2B2  (Mr. M)
06: Interrupted (What Another Man Spills)
07: Mr. Met (Mr. M)
08: The New Cobweb Summer (Pet Sound Sucks)
09: Nice Without Mercy (Mr. M)


Tja und dann kamen noch die Headliner Tindersticks aus England. Vielgerühmt ist deren Eleganz und Klasse und die tiefe Grabesstimme von Sänger Stuart Staples wird von Fans auch immer wieder mit euphorischen Kommentaren bedacht. Auch ich hatte die seit fast 20 Jahren bestehende Band aus Nottingham schon einmal in ausgzeichneter Verfassung erlebt, erinnere mich aber auch an einen anderen Auftritt im Bataclan, bei dem ich mich phasenweise gepflegt gelangweilt habe. Ist halt eben Altherrenmusik, genau wie Lambchop auch, selbst wenn die Tindersticks deutlich rockigere Stücke im Repertoire haben als die Gruppe von Kurt Wagner. Heute in der Cigale bekamen wir eine Mischung geboten, dynamischere Titel hielten sich mit geruhsameren Tracks die Waage. Letztlich war es eine Darbietung ihres aktuellen Albums The Something Rain + 3 Stücke aus dem Backkatalog.


Highlighst waren für mich die flotteren Sachen, allen voran This Fire Of Autumn und Frozen. Anders als auf dem Album gab es glücklicherweise keine weiblichen souligen Backgrondgesänge, unnötiger Zierrat wurde hier also weggelassen. Dennoch war die Instrumentierung gewohnt fein und ausgewogen und mein besonderes Interesse galt dem Drummer in seinem schicken Anzug, der ganz lässig seinen Part spielte und dabei Können und Klasse bewies.


Unbedingt Erwähung finden muss auch noch der vom Album Simple Pleasure stammende Song I Know That Loving. Die Atmospähre war hierbei so herrlich knisternd und siedend heiß, die Gitarren so düster und gefahrverheißend.


Auch toll der Sleepy Song, der zwar seinem Namen gemäß wahnsinnig verschlafen anfing, aber mit seinem fantastischen Trompetenpart auftrumpfen konnte.

Ingesamt spielten die Tindersticks knapp eine Stunde, verweigerten aber den heftig klatschende Fans eine Zugabe.

Unter dem Strich ebenfalls ein gutes Konzert, wenngleich mir Lambchop an diesem Tag einen Tick besser gefallen haben

Setlist Tindersticks, Festival des Inrocks 2012

01: If You Are Looking For A Way Out (Simple Pleasure)
02: Show Me Everything (neu)
03: This Fire Of Autumn (neu)
04: A Night So Still (neu)
05: Sleepy Song
06: I Know That Loving (Simple Pleasure)
07: Slippin' Shoes (neu)
08: Frozen (neu)
09: Come Inside (neu)
10: Goodbye Joe (neu)




Montag, 7. November 2011

Dog Is Dead & Dry The River, Paris, 06.11.11

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Konzert: Dog Is Dead & Dry The River

Ort: La Boule Noire, Paris
Datum: 06.11.2011
Zuschauer: nicht ganz voll


Wenn Dog Is Dead der neuste heiße Scheiß, die spannendste neuste Band aus England sein soll, dann gute Nacht Great Britain!

Jungsche Typen, die noch nicht grün hinter den Ohren sind und aussahen wie eine Schülerband bedienten sich schamlos bei den Kooks (die gekünstelte Stimme des Sängers), den Mystery Jets (die Harmoniegesänge) und den Maccabees (die rasant schnellen, melodischen Gitarren). Auch von den Rumble Strips und Larrikin Love haben die Burschen aus Nottingham abgekupfert. Dennoch gefielen sie dem unkritischen Publikum in der Pariser Boule Noire wahnsinnig gut, was ich mir nur mit dem der Jugend geschuldeten ungestümen Auftritt erklären kann. Oder mochten die Leute etwa das Saxofon?

Setlist Dog Is Dead, La Boule Noire, Festival des Inrocks, Paris:

01: Head In Your Hands
02: ?
03: River Jordan
04: Glockenspiel Song
05: 2 Devs
06: Young
07: Hands Down
08: Teenage Daughter




Dry The River im Anschluß peppten ihre wunderbaren Folksongs mächtig auf und rockten wie Hölle. Ich hatte die Engländer im Januar bei einem akustischen Wohnzimmerkonzert bei einer Freundin kennengelernt und seitdem marschieren sie. Wie hoch geht es noch für Dry The River? Wann ist das Ende der Fahnenstange erreicht? Sänger Peter Liddle hat eine an Guy Garvey von Elbow erinnernde Reibeisentimme und konnte damit mächtig beeindrucken, aber auch die feine, von Will Harvey gestrichene Geige, verfehlte ihre betörende Wirkung nicht. Die fünf Heißsporne spielten aus einem Guss, feuerten einen packenden Song nach dem nächsten ab und gaben ihr Allerletztes beim finalen Stück Lion's Den.

Ich denke sie haben sich eindrücklich beim Publikum empfohlen. Wir sehen sie sicherlich demnächst in einer größeren Location wieder.



Samstag, 5. November 2011

Cults, Laura Marling, James Blake, Paris, 04.11.11

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Konzert: Cults, Laura Marling, James Blake, Festival des Inrocks
Ort: La Cigale, Paris
Datum: 04.11.11
Zuschauer: ausverkauft



Es ist wieder diese Zeit des Jahres. November, graues Wetter, kaum Tageslicht. Das kommt das alljährliche in verschiedenen Locations stattfindende Festival des Inrocks wie gerufen.


Zu dumm nur allerdings, daß ich es erneut nicht geschafft habe, mich rechtzeitig zu akkreditieren. Also hieß es wieder Zahlemann und Söhne. Dabei hätte ich ja eigentlich einen Freischein für sämtliche Konzerte dieser Stadt verdient. Finde ich. Könnte sich der Herr Präsident nicht einmal für mich einsetzen? Anstatt jeden zweiten Tag die Griechen zu retten? Und permanent mit unserer Angela zu flirten (läuft da eigentlich was??).

Aber wo wir gerade bei den Griechen sind. Auch beim Festival des Inrocks herrscht eine kleine Krise. Waren in den letzten Jahren die Tickets in kürzester Zeit vergriffen, waren heuer nur die wenigsten Abende ausverkauft. Auch das heutige Konzert konnte erst in den letzten Tagen das französische Schild "complet" vermelden. Schuld an der Misere ist sicherlich, daß nur ganz wenige Bands verpflichtet werden konnten, die in diesem Jahr noch nicht ein oder gar mehrer Male nach Paris gekommen sind. Es mangelt schlicht und einfach an spannenden Newcomern.

Dies wurde am Besipiel der New Yorker Band Cults überdeutlich. Die in Musikzeitschriften über den grünen Klee gelobte Kombo klang ganz und gar abstoßend. Gräßlich überzuckter 60ies Pop und ein nerviger Kleinmädchengesang ließen mich regelrecht erschaudern. Was war denn das für ein Käse? Ich traute meinen Ohren nicht. Das war Kylie Minogue mit anderen Mitteln. Nach drei schlimmen Liedern ergriff ich die Flucht und unterhielt mich im Aufenthaltsraum mit Bekannten. Die fanden den Auftritt ähnlich mies und so stand ich wenigstens nicht als alleiniger Rumnörgler da.

Dann kam Laura Marling mitsamt fünfköpfiger Begleitband, darunter mit der Cellistin eine zweite Dame. Leider hielt auch dieses Konzert nicht, was es vorher versprach. Laura wirkte recht abwesend, distanziert und kühl und dem Set fehlte der richtige Bums. Nun war die junge Britin ja noch nie die energische und schwungvolle Performerin, aber heute kam auch nicht besonders viel Leidenschaft rüber. Zudem litt das Konzert unter dem lauten Geschwätz meiner unreifen Vorderleute und überhaupt: das Publikum war insgesamt viel zu laut, was Laura zu recht störte.

Manchmal blitzte dann aber doch ein wenig Magie auf. Ghost vom ersten Album kam wirklich gut rüber und auch der Abgang mit dem Titeltrack des Zweitling I Speak Because I Can konnte als gelungen bezeichnet werden. Das Medley (!) aus My Friends und Salinas vom neuen Album verpuffte aber wirkungslos und hinterher sagte mir sogar eine Bekannte wutschraubend: "das war scheißlangweilig!" (als hätte ich was dafür gekonnt...)

So schlimm habe ich es nicht empfunden, schließlich spielte die Begleitband ja auch harmonisch und erlesen. Ein Kracher war es aber nicht und ich fragte mich hinterher schon ein wenig, warum ich Laura Marling damals so unglaublich toll fand. Die Antwort ist aber echt einfach. Damals spielte Laura zusammen mit Marcus Mumford, der an allen möglichen Instrumenten zauberte und die beiden waren als Zweierteam absolut unschlagbar. Das Feuer von Marcus und die Kühle von Laura ergaben spannende Kontraste, die heute fehlten.

Setlist Laura Marling Festival des Inrocks, Paris, La Cigale:

01: Rambling Man
02: Devil's Spoke
03: Ghosts
04: My Friends/Salinas
05: Alpha Shallows
06: Sophia
07: I Speak Because I Can

Nach Laura Marling wurde der rote Vorhang heruntergelassen und man konnte die Bühne nicht mehr einsehen. Sofort war mir klar, daß nun vor dem Auftritt von James Blake ein Akustikmusiker vor jenem Vorhang spielen würde.
In den letzten Jahren hatten es die Veranstalter geschafft, richtige Hochkaräter als "Pausenclowns" zu verpflichten, unter anderem gab dort Laura Marling ihr erstes kleines Konzert und auch Josh Tillman gratzte im Olympia drei Songs auf seiner Akustischen. Heute wurde diese Ehre der Französin Milkymee zuteil. Leider aber war ihr Vortrag nicht so richtig packend. Ich hätte mir eher Lidwine gewünscht, die in einer entzückenden Oliver Peel Session an der Harfe geglänzt hatte. Aber die Programmgestalter bei den Inrocks sind anscheinend nicht mehr so richtig auf Zack, bekommen nicht wirklich mit, was sich in der Pariser Indieszene tut und wer wirklich Talent hat. Hätten sie doch mich gefragt!

Dann kam James Blake zusammen mit seinen beiden Mitmusikern an Keboard/Gitarre und Schlagzeug. Der immens gehypte Bursche hatte mich beim diesjährigen Haldern Pop Festival ziemlich gelangweilt und so war meine Erwartungshaltung nicht sonderlich hoch. Aber ich ließ mich auf diesen seltsamen Stil, die verzerrte Kastratenstimme, den wabernden Clubsound ein und siehe da: es gefiel mir eigentlich recht gut. Zur Seite scheiben musste ich die stimmliche Assoziation mit Xavier Naidoo. James Blake singt in der Tat so ähnlich. Ich dachte lieber an das was in der Presse steht, nämlich daß Blake ein moderner Anthony and The Johnson ist. Dubstep, Soul, Elektro, Ambient, das sind ja wirklich nicht so meine Steckenpferde, aber man muss James zumindest zu gute halten, das er ein Feld beackert, daß noch nicht ganz so ausgewalzt ist. Und live werden die auf Platte öden Songs ordentlich aufgemöbelt, wirken deutlich hypnotischer und packender, dröhnen einem wirklich den Schädel zu, durchzucken den ganzen Körper. Wenn man sich drauf einlässt, kann man sicherlich berauscht werden.

Also seien wir mal nicht so, James Blake kann man gelten lassen. Ein gutes Konzert.

Setlist James Blake, Festival des Inrocks, Paris, La Cigale:

01: Unluck
02: Tep & The Logic
03: I Never Learnt To Share
04: Lindisfarne
05: To Care (Like You)
06: CMYK
07: Limit To Your Love (Feist)
08: Klavierwerke
09: Once We All Agree
10: The William Scream



Sonntag, 7. November 2010

Festival des Inrocks, 3. Tag, 06.11.10

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Konzert: Festival des Inrocks mit: The Coral, Warpaint, Agnes Obel, Stornoway, Local Natives u.a.

Orte: La Cigale & La Boule Noire,Paris
Datum: 06.11.2010
Zuschauer: jeweils ausverkauft
Konzertdauer: Warpaint nur 38 Minuten, The Coral 55 Minuten, Agnes Obel etwa 45-50 Minuten


Für mich der letzte Festivaltag in Paris, obwohl es am morgigen Sonntag weitergeht. Ich habe aber etwas Besseres vor, denn am 07.11. steigt eine neue Oliver Peel Session mit The Shelleys, Gregory & The Hawk und Snailhouse! Yeah, baby!!

Heute aber noch einmal Festivalatmosphäre pur! Insgesamt wieder eine super Stimmung, gute Konzerte und nette Leute. Es passte alles. Die Konzerte in der Kurzzusammenfassung:

Agnes Obel (La Boule Noire): Entzückend! Erst durch den Ausfall von Django Django ins Feld gerückt, gefiel mir die hübsche dänische Pianistin heute viel besser als kürzlich in der Flèche d'or. Die Bedingungen waren einfach auch wesentlich angenehmer. Die Boule Noire war nicht überlaufen, ich hatte einen Platz in der ersten Reihe, es war nicht zu heiß und der Sound brillant. Regelrecht verzaubert wurde ich von dem anmutigen Klavierspiel von Agnes und auch ihre Cellistin machte ihre Sache vorzüglich. Highlights in dem feinen Set: Philharmonics, Close Watch (John Cale Cover) und der dramatische Abschluß mit On Powdered Ground. Witzigste Szene: Als Agnes den Titel Wallflower ins Französische übersetzen wollte, fiel ihr nur der deutsche Begriff ein: Mauerblümchen. Damit konnten die Franzosen aber nix anfangen, sie verstanden nur Bahnhof.

Setlist Agnes Obel, La Boule Noire, Paris:

01: Katie Cruel (Traditional)
02: Just So
03: Philharmonics
04: Brother Sparrow
05: Close Watch
06: Wallflower
07: Sons & Daughters
08: Riverside
09: On Powdered Ground

Warpaint (La Cigale): Verflixt!, von der Girlgroup aus Los Angeles habe ich gerade mal 2 1/2 Lieder mitbekommen, da sich das Konzert mit dem Auftritt von Agnes Obel überschnitt. Ohnehin durften Warpaint nur dürftige 38 Minuten spielen. Zu wenig, um sich ein aussagekräftiges Bild zu machen.

Local Natives (La Cigale): zackig, ultrarasant und hyperaktiv. Die wibbeligen Amis erfüllten ihren Vertrag und brachten die gesamte Cigale zum Tanzen. Schade bloß, daß sie klingen wie eine Mischung der 15 erfolgreichsten Indiebands der vergangen 5 Jahre (CYHSY, Fleet Foxes, Yeasayer, Grizzly Bear, Vampire Weekend etc.). Ein Tip an den Sänger: Rasier dir den fiesen Pornobalken ab!

Stornoway (La Boule Noire): der Sänger der folkigen Band aus Oxford trug ein hochgradig häßliches Hemd, gefiel mir aber mit seiner Stimme und seiner Rumdruckserei (wenn er Ansagen machte, klang das immer wie wenn High Grant in einer englischen Schnulze einer Frau einen Liebesantrag machen will, aber erst einmal zehn Minuten drumrumredet, bevor er sich traut, das zu sagen, was er eigentlich sagen wil) richtig gut. Die Stimmung war vor allem auf Grund der Anwesenheit zahlreicher textsicherer Engländer prima. Eine Britin neben mir hatte so einen verführerischen Schlafzimmerblick, daß ich sie am liebsten..., ähem..., gefragt hätte, ob sie mit mir zusammen in die Cigale rübergeht, wo The Coral bereits angefangen hatten!

The Coral: Fantastisch! Melodiös, tight und deutlich rockiger als auf Platte. Ohnehin eine meiner britischen Lieblingsbands, haben sie mich nun auch live endlich einmal restlos überzeugt. The Coral kommen aus Liverpool und sind besser als die ollen Beatles. Ich meine, wer mochte denn schon John Lennon? Jetzt mal ehrlich, seine peacige Kacke (Give Peace A Chance, ein Brechmittel!) und die runde Brille waren doch immer unertäglich, oder etwa nicht? Und dann noch diese Yoko Ono, Hilfe!

Setlist The Coral, La Cigale, Paris:

01: More Than A Lover
02: Roving Jewel
03: Walking In The Winter
04: Jaqueline
05: In The Rain
06: 1000 Years
07: She's Comin' Around
08: Rebecca You
09: Spanish Main/Who's Gonna
10: Pass It On
11: Butterfly House
12: Falling All Around You
13: Goodbye
14: Dreaming Of You
15: North Parade

June & Lula (vor dem Vorhang der Cigale): Es ist eine schöne Tradition geworden, daß beim Festival des Inrocks Künstler in der Pause drei Lieder vor dem roten Vorhang singen. Die "Pausenclowns" der letzten Jahre waren absolut hochkarätig. Unter anderem entdeckte ich hier Laura Marling und Josh Tillman für mich. Dieses Jahr hetzte man aber leider weniger starke Musiker auf das ahnungslose Publikum. Die beiden Französinnen June & Lala waren zwar schön anzusehen, aber musikalisch eher mittelmäßig. Die beiden Mädels hatten zudem zunächst unter Tonproblemen zu leiden, verschwanden sogar für ein paar Minuten von der Bühne, um dann wiederzukommen und mit richtig eingestelltem Sound zwei Liedchen zu trällern. Conutry, vorgetragen mit einem starken französischen Akzent. Ob die Amerikaner und Engländer im Publikum überhaupt verstanden haben, was da gesungen wurde? Wie auch immer, June & Lula haben von der veranstaltenden Zeitschrift Les Inrocks eine unglaublich lobpreisende Plattenkritik für ihr Debüt Sixteen Times zugeschustert bekommen, sind bereits bei Sony gesignt und werden sicherlich kommerziell erfolgreich werden. Für eine Oliver Peel Session würde das Niveau aber nicht reichen...





Samstag, 6. November 2010

Festival des Inrocks 2. Tag, 05.11.10

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Konzert: Festival des Inrocks 2. Tag mit Carl Barât, The Drums, Free Energy, Surfer Blood

Ort: La Cigale

Datum: 05.11.10

Zuschauer: ausverkauft



Carl kam, sah und siegte! Wow, so ein famoses Konzert hatte ich dem ex- bzw. wider Libertines- Mann gar nicht zugetraut! Die Stimmung war famos und orgasmische Höhepunkte der Begeisterung wurden vor allem bei Abfackeln der Libertines und Dirty Pretty Things Hits erreicht. Aber auch das neue Solomaterial war gar nicht übel. Den jungen Mädels im Publikum war es eh egal, was gespielt wurde. Für sie war spannender, daß sich Carl im Laufe der Show immer mehr entblätterte. Erst fiel das blaue elegante Sacko, dann das erste Shirt und am Ende rockte der Brite nur noch im knappen Muskelhemdchen.

Der Konzertgenuss wurde mir persönlich dadurch versüßt, daß ich neben einer bildhübschen, schönbeinigen Österreicherin stand, die ich vor einem Jahr nach einem Gig von Peter Doherty kennengelernt und seitdem nicht mehr gesehen hatte. 23 Jahr, blondes Haar, hach die Jugend von heute...

Die restlichen Konzerte waren leider Grütze. Free Energy habe ich mir erspart, Surfer Blood klangen unerträglich happy (das deprimiert mich immer zutiefst) und beliebig und die Stimme des babybackigen Sängers erinnerte mich an den verfluchten Brandon "The Killers" Flowers. The Drums am Ende waren nahezu unerträglich. Der blonde Sänger mit dem Pisspott-Harrschnitt nervte mit seinem Gehampel à la Ian Curtis gewaltig, seine Stimme war gräßlich und den rumhopsenden Bassisten hätte ich am liebsten eigenhändig von der Bühne gezogen. Eine schauderhafte Band!

Setlist Carl Barât, La Cigale, Paris:

01: Je Regrette, Je Regrette
02: Run With The Boys
03: Man Who Would Be King (The Libertines)
04: Carve My Name
05: She' Something
06: Deadwood (Dirty Pretty Things)
07: The Magus
08: So Long, My Lover
09: Up The Bracket (The Libertines)
10: The Fall
11: What Have I Done
12: Death On The Stairs (The Libertines)
13: Bang Bang You're Dead (Dirty Pretty Things)
14: Don't Look Back Into The Sun (The Libertines)

Setlist The Drums, La Cigale, Paris

01: Best Friend
02: Submarine
03: Book Of Stories
04: Make You Mine
05: Let's Go Surfing
06: Me And The Moon
07: Fun In My Life
08: We Tried
09: Forever And Ever Amen
10: Skipping Town
11: The Future
12: Down By The Water


Aus unserem Archiv:

The Drums, Paris, 25.02.10
Surfer Blood, Brüssel, 16.05.10
Carl Barât, Köln, 31.10.10





Freitag, 6. November 2009

Bad Lieutenant, Bat For Lashes u.a., Paris, 04.11.09

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Konzert: Bad Lieutenant & Bat For Lashes (Wave Machines, Violens), Festival des Inrocks

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 04.11.2009
Zuschauer: ausverkauft? Oder doch nicht?



Bernard Sumner ist ein ganz Großer der britischen Musikszene der letzten 30 Jahre, das wollen wir hier mal festhalten. Wer aktiv bei Indielegenden wie Warsaw, Joy Division und New Order* Impulse gesetzt hat und 27 Jahre lang (brutto, eigentlich müßte man die Pause in den 90ern abziehen) die Stimme von New Order war, der hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern des Indierock für immer sicher. Aber er denkt noch nicht daran, Golf spielen zu gehen, oder den ganzen Tag auf einer Finca Rotwein zu trinken, sondern braucht immer noch den Duft der Bühne. Und die bekam er heute mit seinem neuen Projekt Bad Lieutenant im altehrwürdigen Olympia geboten. Zwar nicht Headliner (warum eigentlich nicht?), aber dennoch zweitbestbezahlter Act des Festivalabends und zu einer guten Uhrzeit angesetzt. Früh am abend waren schon The Wave Machines und Violens aufgetreten und hatten mehr (Violens) oder minder (The Wave Machines, laut Angaben von Leuten, die schon da waren) gelangweilt. Violens aus New York, deren Auftritt ich noch fast komplett mitbekam, blieben vollkommen blass und ich fragte mich, warum man die Burschen verpflichtet hatte.

Bei Bad Lieutenant fragte man sich dies natürlich nicht, es war ja klar, daß man Nostalgiker (also alte Säcke wie mich, mit Bauch und Haarausfall) mit dem Namen Bernard Sumner locken konnte, egal unter welchem Moniker er auftritt. Und der alte Knabe machte seine Sache wirklich ausgezeichnet! Auch schon etwas rundlicher geworden und mit seiner Brille, die er im Showcase in der Fnac aufhatte, fast an Elton John erinnernd, bewies er doch, daß er es noch drauf hat und noch keinen Krückstock braucht. Zumal er im Olympia ohne Brille spielte (wahrscheinlich um jugendlicher auszusehen) und auch im Auftreten etwas mehr den Rockstar raushängen ließ, als am Nachmittag in dem CD-Laden. In einer Szene fluchte er sogar: "Turn the fucking lights of, there is no atmosphere!" Soviel Rohheit hätte ich ihm gar nicht mehr zugetraut. Auch seine Band, darunter ex New Order Phil Cunningham und Jake Evans (der auch einen Song singen durfte), machte ordentlich Krach und war besonders am Anfang gitarrenlastig. Kein Wunder, es gab in der Band drei (!) Gitarren und einen Bass. Später dann wurde es mitunter elektronischer (z. B. bei dem stark an New Order erinnernden Poisonous Intent). Tja und es gab sogar Lieder von New Order! Drei an der Zahl, mit dem grandiosen, noch in der Zeit von Joy Division enstandenen Ceremony, dem recht neuen Crystal (2001) und dem abschließenden Temptation. Dazwischen auch die Gemeinschaftsarbeit mit den Chemical Brothers (Out Of Control), die sehr gut aufgenommen wurde und mit Tighten Up ein Lied des Projekts Electronic. Gut verührt unter die Lieder von Bad Lieutenant ergab dies ein wohlschmeckendes Gericht, das sowohl Fans von elektronischer als auch von rockiger Musik mundete. Und nicht nur Nostalgiker mochten das, ich habe auch junge Leute gesehen, die sich angetan zeigten!

Well done, Sir Bernard!

Setlist Bad Lieutenant, Olympia, Paris:

01: This Is Home
02: Summer Days
03: Ceremony (New Order)
04: Sink Or Swim
05: Shine Like The Sun
06: Phoisonous Intent
07: Crystal (New Order)
08: Twist Of Fate
09: Tighten Up (Electronic)
10: Out Of Control (Sumner/ Chemical Brothers)
11: Temptation (New Order)

- Hervorragende Fotos von Bad Lieutenant im Olympia bei Robert Gil. Klick!
- Bad Lieutenant am gleichen Tag mittags in der Fnac . Hier

- Bericht Bat For Lashes in Kürze!


* im Grunde genommen ja ein und die gleiche Band, wobei bei New Order natürlich nur noch der Geist von Ian Curtis mitwirkte und dies auch nur bei dem ersten Album (Movement) nach seinem Tod

Als Headlinerin trat schließlich Natasha Khan alias Bat For Lashes auf. Die junge Engländerin, die aus einer pakistanischen Squash Familie stammt, knallte zwar keine Bälle gegen eine Steinwand, dafür schmetterte sie aber mit Hilfe einer saucoolen Drumerin und zahlreichen anderen, zum Großteil weiblichen Musikern (Charlotte Hatherly am Bass) die Hits ihrer beiden Alben. Wie immer auffällig gekleidet (hier zu bewundern), begann "Black Beauty" mit Glass und gefiel mir auf Anhieb deutlich besser als noch im Bataclan vor ein paar Monaten. Zwar wird es aufgrund der veränderten Bandkonstellation und des wuchtiger und elektronischer gewordenen Sounds wohl nie wieder den fragilen Zauber der ersten Konzerte geben, aber zumindest ein Teil des feenhaften Charmes ist noch übriggeblieben. Bereichernd wirkte sich heute die Präsenz von zwei Streichern im Hintegrund aus (eine Frau, ein Mann), die ihre Instrument oft zupfenderweise bearbeiteten. Auch Charlotte Hatherley, "The Girl From Mars", die gerade ihr drittes Soloalbum nach dem Ausscheiden bei Ash veröffentlicht, war ein Pluspunkt. Mit kurzem Rock und cooler Pose sang sie auch im Background mit und überzeugte vor allem bei einer Zugabe mit schöner Stimme.

Hinsichtlich der gespielten Songs ragte ganz klar der alte Hit Horse And I heraus. Das Lied hatte einen unglaublichen Bums und sorgte für die beste Stimmung innerhalb eines zwar gut aufgenommenen, aber nicht euphorisch gefeierten Sets. Horse and I wurde in der bsten Phase des Konzertes abgefackelt, in der auch noch What's A Girl To Do und Daniel hinterhergeschickt wurde. Die Spannung und Intensität konnte aber nicht immer gehalten werden, manchmal flachte das Ganze etwas ab und es wurde deutlich ruhiger im Publikum.

Der Zugabenteil dann noch einmal sehr erfreulich. Das romantische Wilderness offenbarte die sensible Seite von Natasha Khan und kam völlig ohne Elektrogefrickel aus. Ein wunderchönes Lied. Das schwungvolle Prescilla beendete dann ein gelungenes Konzert von Bat For Lashes. Eigentlich hatte ich die Künstlerin schon fast abgeschrieben, aber heute zeigte sie doch, daß sie mehr beherrscht als die perfekte Pose. Schön!

Setlist Bat For Lashes, Olympia, Paris:

01: Glass
02: Sleep Alone
03: The Wizard
04: Bat's Mouth
05: Horse And I
06: What's A Girl To Do
07: Daniel
08: Tahiti
09: Siren Song
10: Trophy
11: Two Suns
12: Pearl's Dream

13: The Big Sleep
14: Wilderness
15: Moon And Moon
16: Prescilla

Aus unserem Archiv:

Bat For Lashes, Paris, 27.05.09
Bat For Lashes, London, 24.06.08
Bat For Lashes, Paris, 10.06.08
Bat For Lashes, Paris, 24.10.07
Bat For Lashes, Paris, 26.08.07
Bat For Lashes, Paris, 11.11.06


Livevideo: Bat For Lashes Horse And I



Donnerstag, 13. November 2008

Franz Ferdinand, Paris, 13.11.08

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Konzert: Franz Ferdinand
Ort: La Cigale, Paris (Festival des Inrocks)
Datum: 13.11.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: circa 1 Stunde



Ich selbst hatte leider kein Plätzchen für diese Konzert ergattern können, bei dem auch die Deutschen Get Well Soon und Yo Majesty mit von der Partie waren. Franz Ferdinand sollen sehr gut gewesen sein, so berichteten es mir Freunde, die da waren.

Setlist Franz Ferdinad, La Cigale, Paris (Festival des Inrocks) (Merci à SOV!):

01: Bite Hard
02: Do You Want To
03: Matinée
04: Kathryn, Kiss Me
05: Walk Away
06: 40 Ft.
07: Turn It On
08: Take Me Out
09: Ulysses
10: What She Came For
11: Michael

12: Outsiders (Z)
13: This Fire (Z)

Links:

- Lire une très bonne chronique de ce concert en francais sur Soundofviolence de Anne-Laure ici
- Les belles photos de Franz Ferdinand de Robert Gil ici
- Hervorragende Fotos hat auch Alain G. von www.le-hiboo.com
- Ausführliches Video von les Inrocks mit allen Bildern von diesem Tag, Interview mit Konstantin Gropper, Blicke hinter die Kulissen, Soundcheck, etc. Sehr sehenswert!




 

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