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Freitag, 6. November 2009

Bad Lieutenant, Bat For Lashes u.a., Paris, 04.11.09

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Konzert: Bad Lieutenant & Bat For Lashes (Wave Machines, Violens), Festival des Inrocks

Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 04.11.2009
Zuschauer: ausverkauft? Oder doch nicht?



Bernard Sumner ist ein ganz Großer der britischen Musikszene der letzten 30 Jahre, das wollen wir hier mal festhalten. Wer aktiv bei Indielegenden wie Warsaw, Joy Division und New Order* Impulse gesetzt hat und 27 Jahre lang (brutto, eigentlich müßte man die Pause in den 90ern abziehen) die Stimme von New Order war, der hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern des Indierock für immer sicher. Aber er denkt noch nicht daran, Golf spielen zu gehen, oder den ganzen Tag auf einer Finca Rotwein zu trinken, sondern braucht immer noch den Duft der Bühne. Und die bekam er heute mit seinem neuen Projekt Bad Lieutenant im altehrwürdigen Olympia geboten. Zwar nicht Headliner (warum eigentlich nicht?), aber dennoch zweitbestbezahlter Act des Festivalabends und zu einer guten Uhrzeit angesetzt. Früh am abend waren schon The Wave Machines und Violens aufgetreten und hatten mehr (Violens) oder minder (The Wave Machines, laut Angaben von Leuten, die schon da waren) gelangweilt. Violens aus New York, deren Auftritt ich noch fast komplett mitbekam, blieben vollkommen blass und ich fragte mich, warum man die Burschen verpflichtet hatte.

Bei Bad Lieutenant fragte man sich dies natürlich nicht, es war ja klar, daß man Nostalgiker (also alte Säcke wie mich, mit Bauch und Haarausfall) mit dem Namen Bernard Sumner locken konnte, egal unter welchem Moniker er auftritt. Und der alte Knabe machte seine Sache wirklich ausgezeichnet! Auch schon etwas rundlicher geworden und mit seiner Brille, die er im Showcase in der Fnac aufhatte, fast an Elton John erinnernd, bewies er doch, daß er es noch drauf hat und noch keinen Krückstock braucht. Zumal er im Olympia ohne Brille spielte (wahrscheinlich um jugendlicher auszusehen) und auch im Auftreten etwas mehr den Rockstar raushängen ließ, als am Nachmittag in dem CD-Laden. In einer Szene fluchte er sogar: "Turn the fucking lights of, there is no atmosphere!" Soviel Rohheit hätte ich ihm gar nicht mehr zugetraut. Auch seine Band, darunter ex New Order Phil Cunningham und Jake Evans (der auch einen Song singen durfte), machte ordentlich Krach und war besonders am Anfang gitarrenlastig. Kein Wunder, es gab in der Band drei (!) Gitarren und einen Bass. Später dann wurde es mitunter elektronischer (z. B. bei dem stark an New Order erinnernden Poisonous Intent). Tja und es gab sogar Lieder von New Order! Drei an der Zahl, mit dem grandiosen, noch in der Zeit von Joy Division enstandenen Ceremony, dem recht neuen Crystal (2001) und dem abschließenden Temptation. Dazwischen auch die Gemeinschaftsarbeit mit den Chemical Brothers (Out Of Control), die sehr gut aufgenommen wurde und mit Tighten Up ein Lied des Projekts Electronic. Gut verührt unter die Lieder von Bad Lieutenant ergab dies ein wohlschmeckendes Gericht, das sowohl Fans von elektronischer als auch von rockiger Musik mundete. Und nicht nur Nostalgiker mochten das, ich habe auch junge Leute gesehen, die sich angetan zeigten!

Well done, Sir Bernard!

Setlist Bad Lieutenant, Olympia, Paris:

01: This Is Home
02: Summer Days
03: Ceremony (New Order)
04: Sink Or Swim
05: Shine Like The Sun
06: Phoisonous Intent
07: Crystal (New Order)
08: Twist Of Fate
09: Tighten Up (Electronic)
10: Out Of Control (Sumner/ Chemical Brothers)
11: Temptation (New Order)

- Hervorragende Fotos von Bad Lieutenant im Olympia bei Robert Gil. Klick!
- Bad Lieutenant am gleichen Tag mittags in der Fnac . Hier

- Bericht Bat For Lashes in Kürze!


* im Grunde genommen ja ein und die gleiche Band, wobei bei New Order natürlich nur noch der Geist von Ian Curtis mitwirkte und dies auch nur bei dem ersten Album (Movement) nach seinem Tod

Als Headlinerin trat schließlich Natasha Khan alias Bat For Lashes auf. Die junge Engländerin, die aus einer pakistanischen Squash Familie stammt, knallte zwar keine Bälle gegen eine Steinwand, dafür schmetterte sie aber mit Hilfe einer saucoolen Drumerin und zahlreichen anderen, zum Großteil weiblichen Musikern (Charlotte Hatherly am Bass) die Hits ihrer beiden Alben. Wie immer auffällig gekleidet (hier zu bewundern), begann "Black Beauty" mit Glass und gefiel mir auf Anhieb deutlich besser als noch im Bataclan vor ein paar Monaten. Zwar wird es aufgrund der veränderten Bandkonstellation und des wuchtiger und elektronischer gewordenen Sounds wohl nie wieder den fragilen Zauber der ersten Konzerte geben, aber zumindest ein Teil des feenhaften Charmes ist noch übriggeblieben. Bereichernd wirkte sich heute die Präsenz von zwei Streichern im Hintegrund aus (eine Frau, ein Mann), die ihre Instrument oft zupfenderweise bearbeiteten. Auch Charlotte Hatherley, "The Girl From Mars", die gerade ihr drittes Soloalbum nach dem Ausscheiden bei Ash veröffentlicht, war ein Pluspunkt. Mit kurzem Rock und cooler Pose sang sie auch im Background mit und überzeugte vor allem bei einer Zugabe mit schöner Stimme.

Hinsichtlich der gespielten Songs ragte ganz klar der alte Hit Horse And I heraus. Das Lied hatte einen unglaublichen Bums und sorgte für die beste Stimmung innerhalb eines zwar gut aufgenommenen, aber nicht euphorisch gefeierten Sets. Horse and I wurde in der bsten Phase des Konzertes abgefackelt, in der auch noch What's A Girl To Do und Daniel hinterhergeschickt wurde. Die Spannung und Intensität konnte aber nicht immer gehalten werden, manchmal flachte das Ganze etwas ab und es wurde deutlich ruhiger im Publikum.

Der Zugabenteil dann noch einmal sehr erfreulich. Das romantische Wilderness offenbarte die sensible Seite von Natasha Khan und kam völlig ohne Elektrogefrickel aus. Ein wunderchönes Lied. Das schwungvolle Prescilla beendete dann ein gelungenes Konzert von Bat For Lashes. Eigentlich hatte ich die Künstlerin schon fast abgeschrieben, aber heute zeigte sie doch, daß sie mehr beherrscht als die perfekte Pose. Schön!

Setlist Bat For Lashes, Olympia, Paris:

01: Glass
02: Sleep Alone
03: The Wizard
04: Bat's Mouth
05: Horse And I
06: What's A Girl To Do
07: Daniel
08: Tahiti
09: Siren Song
10: Trophy
11: Two Suns
12: Pearl's Dream

13: The Big Sleep
14: Wilderness
15: Moon And Moon
16: Prescilla

Aus unserem Archiv:

Bat For Lashes, Paris, 27.05.09
Bat For Lashes, London, 24.06.08
Bat For Lashes, Paris, 10.06.08
Bat For Lashes, Paris, 24.10.07
Bat For Lashes, Paris, 26.08.07
Bat For Lashes, Paris, 11.11.06


Livevideo: Bat For Lashes Horse And I



Donnerstag, 5. November 2009

Bad Lieutenant, Paris, 04.11.09

3 Kommentare

Konzert: Bad Lieutenant

Ort: Forum Fnac Montparnasse, Paris
Datum: 04.11.09
Zuschauer: recht großer Andrang
Konzertdauer: 15 Minuten



"Fängt man in der Fnac an, endet man wie Roberto Blanco im Kaufhof", hatte Eike einst geätzt, als ich über Mareva Galanter geschrieben hatte.

Mag teilweise stimmen, aber heute musste der Satz richtigerweise lauten: "Fängt man nachmittgas in der Fnac an, endet man abends im legendären Pariser Olympia! Jawohl! Vorraussetzung ist natürlich, daß man Bernard Sumner heißt, mal in der besten Band aller Zeiten namens Joy Division gespielt hat (Fans der allerersten Stunde nennen immer noch den Vorläufer Warsaw) und mit New Order nicht nur mainstreamtechnisch viel bekannter geworden ist, sondern auch ordentlich Kohle gemacht hat.

Nun also sein neues Projekt Bad Lieutenant. Umringt von zwei Akustikgitarristen (Phil Cunningham, Jake Evans) betritt der alternde Indiestar die Bühne und setzt sich auf sein Stühlchen. Er trägt Brille, kurze Haare und Gesundheitsschuhe. Nie würde man ihn für eine Ikone der Postpunk Ära halten, wenn man es nicht genauer wüsste! Er sieht aus wie der Herr Kaiser und könnte einem sicher nicht nur eine Versicherung verkaufen. So vertauenswürdig und gutherzig wie er erscheint, würde man ihm sogar sein Geld anvertrauen, damit er es in Lehman-Brothers Zertifikaten anlegt. Oder so.

Dabei hat er jahrelang mit dem besessenen Ian Curtis zusammengespielt, ihn permanent gesehen. Unglaublich! Wenn er seine Memoiren schreibt und über Ian auspackt, könnte er sicher eine hübsche Stange Geld verdienen. Aber ich vermute, Fragen zu Hern Curtis nerven ihn gewaltig. Wenn er in Interviews gelöchert wird, wie die ganze Bandgeschichte verlaufen wäre, wenn Ian nicht Selbstmord begangen hätte, antwortet er immer nur, daß Ian krank war und eh nicht mehr lange hätte weitermachen können. Aber er, der Bernardo, ist immer noch im Geschäft! New Order ist abgewickelt, aber er macht munter weiter. Gut so! Sein kurzes Konzert war nämlich unglaublich charmant und berauschend. Ich habe jede einzelne Sekunde in vollen Zügen genossen und mit leuchtenden Augen meinem Helden aus Jugendtagen zugesehen. True Faith von New Order war damals eines meiner Lieblingslieder und auch in meiner Studentenzeit habe ich noch sehr gerne New Order gehört (stimmt's Cecile?). Seit ein paar Jahren habe ich die Band aber nicht mehr weiterverfolgt. Die letzten regulären Alben (vor den ganzen Deluxe Reeditionen) waren mir regelrecht schnuppe. Und dann heute solch ein Flashback! Kaum zu glauben, mir zitterten regelrecht die Knie, als ich Sumner singen hörte. Gespielt wurden zwei Tracks von Bad Lieutenant (auf jeden Fall das tolle Sink Or Swim und zu 90 % sicher Dynamo) und... Bizarre Love Triangle! Eine Sensation! Nie hätte ich gedacht, heute etwas von New Order zu hören zu bekommen! "Every time I see you falling, I get down on my knies and pray, I'm waiting for that final moment you'll say the words that I can't say", ich sang die Zeilen still und andächtig mit. Eine Mitdreißigern in der ersten Reihe war derartig gerührt, daß ihr Tränen die Wange runterkullerten. Ich konnte ihr gut nachempfinden, denn diesen Song in einer herrlichen Akustikversion zu hören, war einfach ergreifend. Bernard gab sich richtig Mühe, hing sich rein und man merkte, daß in ihm wieder viele Erinnerungen hochkamen.

Dann war aber leider abrupt Schluß, schließlich mussten die drei Jungs zu ihrem Konzert im Olympia. Trotzdem gaben sie noch geduldig Autogramme, ließen sich ablichten und waren sehr bescheiden und höflich. Bernard ist ein Gentlemen , soviel steht fest. Er hat von einem Fan eine Flasche Rotwein bekommen und bedankte sich aufrichtig und mit einem Strahlen im Gesicht. Schön!


Und morgen berichte ich dann vom "richtigen" Konzert im Olympia. Natürlich war es großartig und erneut wurden drei Titel von New Order geboten!

Setlist Bad Lieutenant, Olympia, Paris:

01: This Is Home
02: Summer Days
03: Ceremony (New Order)
04: Sink Or Swim
05: Shine Like The Sun
06: Phoisonous Intent
07: Crystal (New Order)
08: Twist Of Fate
09: Tighten Up (Electronic)
10: Out Of Control (Sumner/ Chemical Brothers)
11: Temptation (New Order)

- saucool: Bizarre Love Triangle, New Order, live Fanc Montparnasse Paris. Klick!
- Die besten Fotos von diesem Showcase gibt es auf dem Fotoblog meiner Freundin Michaela. Sie ist Profi. Hier!
- Rockerparis war auch dabei. Hier sein englischer Bericht.



 

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