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Dienstag, 19. Juni 2012

Terror Bird, Paris, 16.06.12

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Konzert: Terror Bird (Showcase)
Ort: Gals Rock, Paris
Datum: 16.06.2012
Zuschauer: etwa 30
Konzertdauer: ungefähr 50 Minuten


So lob ich mir das! Der für 20 Uhr angesetzte Showcase der Kanadierinnen Terror Bird fand letztlich erst um 21 Uhr statt. Nichts hasse ich nämlich mehr als Konzerte die pünktlich beginnen. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Ich komme fast immer zu spät und verpasse dann regelmäßig einen Teil. Kurioserweise war ich aber heute eigentlich pünktlich da und durch die Konzertverspätung sogar zu früh. Die beiden Musikerinnen aus Vancouver wollten erst noch einen Happen essen gehen und sich in Ruhe fertig machen. Nach einem kurzen Soundcheck sah ich sie dann den Laden Gals Rock verlassen und auch ich hatte nun Zeit, bei überraschend gutem Wetter noch eine Runde durch das schöne Viertel zu gehen.


Ich mag das 9. Pariser Arrondissement, vor allem die "Nouvelle Athène" genannte Gegend, wo der Showcase heute stattfand. Hier gibt es viele interessante Häuser, ein Museum mit dem hübschen Namen "Musée de la vie romantique" und unzählige Gitarren-und Musikläden. Wenn man die ganzen Shops für Musikinstrumente so sieht, könnte man fast glauben, jeder Pariser sei Musiker. Aber das täuscht, die Seine-Metropole ist nicht Stadt der Künstler sondern der Beamten. Statistisch alles nachweisbar. Hat sicherlich auch damit zu tun, daß es hier so teuer ist und Leute lieber ein gesichertes Einkommen haben, als von einer unwahrscheinlichen Karriere im Musikbusiness zu träumen.


Nikki Never aka Terror Bird aus Vancouver in Kanada gehört zu jenen lobeswert mutigen Zeitgenossen, die dennoch versuchen, als Künstler über die Runden zu kommen. Das verheißt oft ein spannendes, abenteuerreiches Leben, aber auch viele Probleme, Sorgen und Nöte. So hatten sie und ihre Bandkollegin Bianka bis mittags noch nicht einmal ein Bett zum Schlafen für die Nacht! Erst durch die Mithilfe der Labenbetreiberin von Galsrock konnte mittels Facebook kurzfristig eine Übernachtungsmöglichkeit arrangiert werden.

Mit vollem Magen und befreit von der Sorge über den Schlafplatz lgten Nikki und ihre Freundin Bianka Karre los. Beide klimperten sie hinter dem Keyboard, aber lediglich Nikki sang und dies mit tiefer-gothisch angehauchter Stimme. Klarer Fall, hier wurde das elektronische 80 er Jahre New Wave Revival gepriesen und in vollen Zügen ausgelebt! Assoziationen zu Yazoo, Propaganda, Lene Lovich, Toyah, Anne Clark oder The Human League wurden wach. Am ähnlichsten ist Terro Bird aber der jungen Schwedin Molly Nillson, die ich erst vor ein paar Monaten gesehen und für toll befunden hatte. Und genau wie Molly ist Nikki eher introvertiert und mstteriös, bleibt live ziemlich unnahbar und wortkarg. Insofern passte auch wieder die Schublade Dream Pop ganz gut, laut wurde es selten bis gar nicht, träumen war bestens möglich und nicht unangebracht.


Aber es gab auch schnelle Songs wie das wirklich tolle Thrill Killer von der Waiting For Nothing EP, die komplett durchgespielt wurde. Da flogen die kleinen Finger der beiden Mädels so richtig über die Tasten und auch die Hüften wurden etwas geschwungen. "Normalerweise bewegen wir uns noch mehr, aber wir hatten eben ein deftiges Mahl", sagte Nikki diesbezüglich schmunzelnd.



Das düstere Ambiente der Lieder (allein schon die Titel: Cemetries oder Hurting Me Feels Good) gefiel mir richtig klasse und am liebsten hätte ich so getanzt wie in den 80 er Jahren als sich schwarz gekleidete Menschen mit spitzen Waverschuhen mit schlenkernden Armen ständig nach unten bückten als hätten sie ihre Kontaktlinse verloren. Aber Spaß bei Seite, das hier war schon ziemlich geil! She Kissed Me (And I Fell Ill) - eine Antwort auf Kate Perry? und vor allem das treibende Waiting For Nothing kamen richtig gut rüber und ich war hinterher so angefixt, daß ich mir das neue Album namens Secret Rituals auf Vinyl zulegte.


Wieder einmal ein schöner Showcase in angenehmen Ambiente, hat Spaß gemacht!

Setlist Terror Bird, Galsrock, Paris

01: Outside
02: Cemeteries
03: Grade Me
04: Hurting Me Feels Good
05: She Kisse Me And I Fell Ill
06: Turn To Stone
07: Thrill Killer
08: Secret Rituals
09: Shadows In The Halls
10: Twin Helmets
11. Waiting For Nothing
12: Dream For You Bathwater

Aus unserem Archiv:

Terror Bird, Paris, 07.03.11



Donnerstag, 10. März 2011

Ela Orleans & Terror Bird, Paris, 07.03.11

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Konzert: Ela Orleans & Terror Bird (Holy Strays)

Ort: L'International, Paris
Datum: 07.03.2011
Zuschauer: 150 oder so
Konzertdauer: Ela Orleans 45 Minuten


Nach Julianna Barwick in der Kirche noch eine hochinteressante Künstlerin, dieses mal im nicht weit entfernten International. Erneut gratis, erneut Brooklyn. Ela Orleans stammt aus Polen und bot ein experimentelles Set voller Ideen und Innovationen. Eine moderne, avantgardistische Nico? Ian Curtis als Frau wiedergeboren und nun mit Loops arbeitend? Ich sag nur: wow!

Zu verdanken hatten wir die Präsenz von Ela dem jungen französischen Label La Station Radar, das diese ungewöhnliche Musikerin beherbergt und behutsam aufgebaut hat und den Onlinemagazinen Hartzine und Backyardvacation, die Veranstalter waren.

Unfassbar wie weltentrückt und traumversunken diese kreative Polin auf der Bühne agierte, sie schien ganz in ihrem Element und völlig von allem anderen abgeschottet. Ihren Mixtabel hatte sie am hinteren Ende der Bühne aufgebaut und war somit so weit wie möglich von den Zuschauern entfernt. Sie spielte immer mal wieder Gitarre, verzerrte diese mit einem Kunststoffring, sampelte und loopte einzelne Sequenzen und bot Lieder voller Mystik und Bizarrheit, die aber trotz des experimentellen Charakters vor allem eins waren: schön und bewegend. "Filme für die Ohren" wolle sie machen, hatte sie den Journalisten des französischen Musikmagazins Magic in die Blöcke notiert und abwegig ist diese Beschreibung ihrer düster-geheimnsivollen Kunst nicht. Ich fühlte mich stark angezogen vom Geiste Velvet Undergrounds, der durch die eigenwilligen Keyboard- Kompositionen wehte, dachte aber wegen des reglosen Gesichstausdrucks von Orleans und ihrer tiefen Stimme aber auch immer wieder an Nico, witzigerweise zudem an Katie Sketch von The Organ. Und Orgelsound gab es auch im Set der Wahl- New Yorkerin reichlich zu hören, was wirklich das schlechteste nicht war. Ob man dazu dann auch so tanzen konnte (musste?) wie die beiden jungen Leute, die völlig ungestört auf die Bühne sprangen und dort minutenlang abhotteten? Security-Menschen kamen jedenfalls keine angelaufen, wahrscheinlich hat das International keine. Auch als gegen Ende ein junger Typ mit Suicidal Tendencies- Kappe (eine scheußliche Band!) über die Stage rollte, hinderte ihn niemand an seine Albernheiten.

Ela Orleans trug die Vorfälle mit Fassung, lächelte ein wenig irritiert und beendete nach etwa 45 Minuten ein Set, das vor überraschenden Gimmicks und guten Einfällen nur so strotzte. Schade, daß es ihr Album Lost nur auf Vinyl gab. Denn: Isch abe doch ga kein Plattenspieler! Demnächst soll jedoch das neue Werk Mars Is Heaven erscheinen, hoffentlich dann auch auf Vinyl.

Wer sich für das 1980 er Jahre New Wave Revival interessiert, dem seien auch Terror Bird aus Los Angeles ans Herz gelegt. Eine grell geschminkte Sängerin mit Keyboard und Siouxsie Sioux Stimme und ein paar männliche Mistreiter, zelebrierten dort einen Sound, den man so ähnlich 1983 überall hören konnte.

Insgesamt eine gelungene Veranstaltung im International!



Vor Terror Bird traten in meiner Abwesenheit zudem Holy Strays auf.



Hier gibt es auf französisch alle Infos zu dem Abend, der vom Onlinemusikmagazin Hartzine und von Backyard Vacation organisiert wurde.

Ela Orleans bei MySpace, klick!

Deutsche Konzerttermine Terror Bird:

17.03.2011: Rote Flora, Hamburg
18.03.2011: AJZ, Bielefeld
19.03.2011: TBA, Mülheim
25.03.2011: Madame Claude, Berlin
26.03.2011: King Georg, Köln






 

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