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Donnerstag, 2. Februar 2012

Papier Tigre (en première partie d'Explosions In The Sky), Paris, 30.01.12

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Concert: Papier Tigre (en première partie d'Explosions In The Sky)
Lieu: Le Casino de Paris
Date: 30.01.12
Spectateurs: environ 1.200
Durée du concert environ 40 Minuten


Récemment j'ai donné ma toute première interview radio à propos de mes activités comme blogeur de concert. On m'avait demandé entre autres, si le public français était plus enthousiaste que le public allemand. J'ai répondu, que ni en Allemagne ni en France se trouvaient les fans les plus enthousiastes du monde et que ça bougeait certainement beaucoup plus en Angleterre.

J'ai encore eu la preuve de ma thèse au Casino de Paris. Pendant le concert des fulgurants Explosions In The Sky, qui pourtant donnaient tout et se déchiraient littéralement, cela restait étrangement calme et il y avait très peu de réactions dans le public.


Mais ce 30 janvier 2012 j'ai dû encore constater autre chose. Il y a quand même un désavantage par rapport à l'Allemagne. Les concerts en France commencent trop tôt! J'arrive essoufflé à 20h 15 et les excellents nantais Papier Tigre avaient déjà commencé depuis bien longtemps. Mais finalement mon retard n'était pas si dramatique que ça, parce qu'il n'y avait pas besoin de me chauffer! Les français allaient droit au but, jouaient de manière complètement libérée, sans aucun frein et avec une énergie et une agressivité folle! Leur son était très original, ultra rythmique, bien groovy et rentre-dedans. Un groupe très novateur, qui mélangeait savamment le post-harcore, le mathrock et le rock indé pour un résultat frais, moderne et captivant. Parfait aussi leur présence sur scène. Le fait que le ultra puissant batteur se défoulait au beau milieu de ses confrères, permettait une performance dense, offensive et directe.



Ils jouaient vraiment comme si leur vie en dépendait! La rage dans la voix du chanteur était énorme et me faisait penser à Nirvana, mais aussi Mars Volta. Malgré ces références potentielles, Papier Tigre ont leur propre univers et n'ont pas du tout besoin de se cacher derrière des groupes internationaux. Leur rôle dans le collectif nantais muraillesmusic souligne leur satut indé et experimental. Ils vont publier leur nouvel album Recreation (le troisième après Papier Tigre (2007) et le sublime The Beginning And End Of Now (2008) ) le 1 mars et, pour le défendre, ils partiront en tournée à travers en France en passant par le Point Ephémère à Paris le 7 avril. J'y serai à coup sûr! Voici deux titres prometteurs du nouvel album:




Afternoons | Live from Papier Tigre on Vimeo.



Setlist Papier Tigre, Casino de Paris, Paris

01: Restless Empire
02: Office Hours
03: Afternoons
04: Demand
05: Intelligent Horses
06: Wandering Cage
07: Pricing
08: A Killer Gets Ready
09: I'm Someone Who Dies
10: Home Truth

Dates de concert de Papier Tigre:


24.02.2012: Nantes, Le Stakhanov
29.02.2012: Limoges, La Fourmi
01.03.2012: Lausanne (CH), Le Romandie
02.03.2012: Mâcon, Les 20 ans de la Cave à Musique
03.03.2012: Vagney, L'Estaminet
04.03.2012: Strasbourg, Le Mudd Club
05.03.2012: Besançon, La Cour Des Miracles
06.03.2012: Clermont-Ferrand, Le Raymond's Bar
22.03.2012: Bourges, Emmetrop
23.03.2012: Mouscron (B), El Bar
25.03.2012: Bruxelles (B), le Magasin 4
05.04.2012: Brest, La Carène (tbc)
07.04.2012: Paris, Le Point Ephémère, Release Party
18.04.2012: Toulouse, Le Connexion Café
19.04.2012: Montpellier, tba



Freitag, 4. Februar 2011

Maps & Atlases & Oh No Oh My, Paris, 03.02.11

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Konzert: Maps & Atlases & Oh No Oh My

Ort: La Maroquinerie, Paris

Datum: 03.02.11

Zuschauer: voll, aber nicht ausverkauft

Konzertdauer: Oh No Oh My knapp 1 Stunde, Maps & Atlases 75 Minuten


Zu dumm nur, daß es schon die Shins gibt, die das Gleiche in besser machen! Dergestalt waren meine Gedanken, als ich am Dienstag die texanische Indiepop Band Oh No Oh My* bei einem Showcase im Plattenladen Fnac gesehen hatte. Die wohlgenährten Jungs aus Austin (haha, ich muß grad' reden, ich fetter Sack!) sind dabei ihr zweites Album People Problems ("it's absolutely great ",wie sie selbst sagten) zu promoten und touren gerade durch Frankeich, bevor sie im Laufe des Februars auch durch deutsche Indieclubs ziehen werden.



Heute durften sie als Vorgruppe von Maps & Atlases in der Pariser Maroquinerie ran. Und es war durchaus gefällig und Laune machend, was man hörte. Eine Band mit gleich zwei Sängern, die sich je nach Stück immer wieder abwechselten und dem typisch amerikanischen College Rock/Indiepopsound. Neben den Shins könnte man problemlos auch noch The New Pornographers, Death Cab For Cutie, Cursive, The Good Life, REM, Someone Still Loves You Boris Yeltsin und noch einige andere nennen. Bei sovielen ähnlichen Bands, fiel es mir schwer, das Eigenständige bei Oh No Oh My zu erkennen. Aber was soll's, man stößt halt eben nicht alle Nase lang auf eine essentielle Gruppe, die die Musikwelt revolutioniert. Und ein paar gute Songs hatten die Texaner ja allemal zu bieten. Die Variationen entstanden durch die wechselnden Sänger. Wenn der bärtige Greg Barkley sang Jamesmercerte es und wenn der rundliche Daniel Hoxmeier zum Mikro griff, Robersmithte es sogar ein wenig. Das allerletzte Lied des Sets bestritt allerdings ausnahmsweise Tim Reagan mit seiner bluesigen Whiskeystimme. Unter dem Strich ein passables Konzert, gut zur Einstimmung.

Dann durften Maps & Atlases ran. Die zahlreichen Amerikaner im Publikum scharrten schon mit den Hufen und johlten als die Truppe um den bärtigen Brillenträger die Bühne berat. Ohne die amerikannische Gemeinde in Paris wären Konzerte von US-Indierockkapellen wohl deutlich schlechter besucht und kaum einer würde die Texte kennen. Hipster nennt man diese Typen wohl. In der Regel gutsituiert, gebildet und betont lässig auftretend. Kinder reicher Eltern, die sich locker machen, den Schlips in die Ecke donnern, sich lange Haare und Bärte wachsen lassen und den Mainstream verachten. Individuell und kreativ will man sein, um sich von den anderen Pappnasen, die Jura studiert haben, abzugrenzen. Zu dumm nur, daß durch die rasend schnelle Informationsverbreitung im Internet, Bands wie Maps & Atlases in der Szene schnell bekannt werden und über kurz oder lang auch ein paar Mainstreamler anziehen werden, die der Hipster hasst. Blame it on pitchfork.

Maps & Atlases scheinen mir ohnehin der Inbegriff der Bloggerlieblinge zu sein. Schräg, gegen den Strich gebürstet, mit zahlreichen Ecken und Kanten und Tempiwechseln aufwartend und einem Sänger mit Hippielook und nasaler Stimme. Clever wie sie sind, vereinen sie alle angesagten Stile der letzten 5 Musikjahre auf sich. Mathrock, Afro-Indie, Psychedelic-Folk. Mit dieser Mischung und ihrem nonchalanten, netten Auftreten, versuchen sie an unsere Kohle zu kommen. Wenn es die Truppe aus Chicago nicht gäbe, mussten man sie als Indieplatten-Boss klonen! Schon eine clevere Masche das Ganze. Aber hey, halt, warte! Jetzt nicht aufschreien und mir Boshaftigkeit unterstellen. Wohlgemerkt, ich mag Maps & Atlases, sie sind toll, haben mir einen prima Abend beschert. Ich wollte nur anmerken, daß eine kleine Kapelle wie Maps & Atlases genau wie großkotzige Arroganzler wie die Killers ganz genau durchdachte Karrierpläne einhalten und keinen Bock darauf haben, auf immer und ewig ein paar CDs an Freude und Bekannte aus dem Kofferraum ihres bemalten VW- Busses zu verscherbeln. Das sind eben Amerikaner, denen wurde in der Schule nicht eingebläut, daß Konsum per se etwas Schlechtes ist und ein Brainwashing durch die wirren Thesen eines Karl Marx haben sie auch nicht erfahren. Daß der Sänger Dave Davison schon fast aussieht wie der Enkel des Trieres ändert daran nichts. Und wir wissen ja auch, wie Oberkomunarde Rainer Langhans geendet ist. Im Dschungel, aber anschließend mit 50.000 Euro mehr auf dem Konto.

Zu den gespielten Songs: allesamt quirlig, bunt, federnd, perlend, euphorisierend. Opener Pigeon kommt mit Afroeinschlag à la Vampire Weekend daher, Israeli duftet nach dem Saft kalifornischer, sonnengereifter Apfelsinen und hätte so ähnlich auch von den Magic Numbers stammen können, CavesWill erinnert mit seiner verwunschenen Psychedelic- Note an Grizzly Bear und Closer Solid Ground ist der Hit der Band schlechthin. Ein Ohrwurm, der Maps & Atlases noch deutlich bekannter machen wird.

Schön auch, daß die Band am Schluß vier akustische Lider inmitten des Publikums performt. Die Zuschauer bilden einen Kreis und können den Künstler aus nächster Nähe beim Musizieren zusehen.

Exklusiver geht es bei der Aftershow Session zu. Renaud von Le Cargo kam mit seiner Kamera vorbei und filmte noch zwei Tracks mit der Band in der Kabine. Zutritt für Normalsterbliche verboten. Ich selbst hätte die Chance gehabt, reinzukommen, war aber zu lahm. Aber wie das Ganze war, können wir dann ja später auf der Seite von Le Cargo bewundern.

Setlist Maps & Atlases, La Maroquinerie, Paris:

01:Pigeon
02: The Sound They Make
03: Artichokes
04: Israeli Caves
05: Ted Zancha
06: Will
07: The Charm
08: Witch
09: If This Is
10: Was
11: Every Place is A House
12: Living Decorations
13: Daily News
14: Is
15: Solid Ground

2 der akustischen Songs hat mein Freund Laurent (merci!) erkannt, es handelet sich um Carrying The Wet Wood und The Ongoing Horrible. Laurent merkte auch an, daß die Reihenfolge der getippten Setlist nicht immer eingehalten wurde.

* aufgepasst beim Namen! Nicht zu verwechseln mit Oh No Oh No. Außerdem muss man wissen, daß Oh No Oh My die ursprünglich verwendeten Ausrufezeichen aus seinem Bandnamen gestrichen hat.

Ausgewählte Konzerttermine Oh No Oh My (ohne Gewähr):

11.02.2011: Baden (Schweiz) - One Of A Million Festival
13.02.2011: Wien - Fluc
14.02.2011: Innsbruck, Weekender
15.02.2011: Dresden, Ostpol
16.02.2011: Berlin, Café Zapata
17.02.2011: Hannover, Feinkost Lampe
18.02.2011: Leipzig, UT Connewitz
19.02.2011: Offenbach, Hafen 2
20.02.2011: Karlsruhe, Kohi
25.02.2011: Köln, King Georg

Ausgewählte Konzertermein Maps & Atlases (ohne Gewähr)

07.02.2011: Oberhausen, Drucklufthaus
08.02.2011: Münster, Gebäude 9
09.02.2011: Berlin, Festsaal Kreuzberg
14.02.2011: Leipzig, UT Connewitz
15.02.2011: Prag, 007
16.02.2011: Wien, Szene
17.02.2011: München, Orangehouse
18.02.2011: Zürich, Plaza
19.02.2011: Köln, Gebäude 9

Aus unserem Archiv:

Maps & Atlases, Paris, 14.10.10



Freitag, 10. Dezember 2010

Karaocake & Munch Munch & Marnie Stern, Paris, 09.12.10

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Konzert: Karaocake & Munch Munch & Marnie Stern

Ort: La Flèche d'or Paris
Datum: 09.12.10
Zuschauer: ungefähr 250


Der Winter zeigt weiterhin sein wahres Gesicht. Obwohl es so langsam taut, ist der Verkehr in Paris noch beeinträchtigt und wenn man nicht aufpasst, kann man auf den vereisten Bürgersteigen ausrutschen und sich so richtig schön auf die Fresse legen. Ich gönne das ja ein wenig den gelackmeierten Anzugträgern, die mit ihrem Blackberry in der Hand immer so sauwichtig gucken, als gehöre ihnen die Welt. Und davon gibt es nicht wenige in Paris. Schadenfreude? Nö, ach wieso denn? Leid tun mir allerdings die Clochards, die nun schon frühabends in ihre Schlafsäcke kriechen und in den U-Bahnstationen pennen. Aber was bringt ihnen Mitleid? Davon werden sie nicht satt und eine feste Bleibe finden sie dadurch auch nicht. Moloch Großstadt. Paris, die angeblich romantischste Stadt der Welt, kann so grausam sein.

Wenn man nicht weiß, wie man wirklich helfen kann, bleibt nur Ablenkung. Wegsehen. Auf Konzerte gehen und alles hinter sich lassen. Seine eigenen Sorgen und die der Mitbürger.



Die Pariser Karaocake standen als Erste auf der Bühne. Sie hatten bereits begonnen, als ich gegen 21 Uhr 15 einschneite (im wahrsten Sinne des Wortes!). Auf Grund der schwierigen Wetterverhältnisse fuhren weniger U-Bahnen und ich brauchte deutlich länger als sonst zur Flèche d'or. Dennoch sah ich den Großteil des Sets und tat mich gütlich daran. Karaocake sind ein Trio, mit der Brille tragenden Camille an der Spitze, dem Soundtüftler Domotic an der Gitarre und dem Bass und Charlotte Sampling (ein Herr wohlgemerkt, der Name ist natürlich eine Anspielung auf die Schauspielerin) am Keyboard. Ihr manchmal an Au Revoir Simone erinnernder Dreampop hat dennoch genügend Klasse und Ohrwurmigkeit um selbstständig bestehen zu können. Auf dem Debütalbum Rows & Stitches (Clapping Music) finden sich zahlreiche zartschmelzende, unschuldig süße und sanft melancholische Seelentröster, die zum Besten gehören, was dieses Jahr im Bereich Elektro Pop in Frankreich veröffentlicht wurde. Natürlich spielten sie heute fast komplett die Stücke dieses feinen Machwerks, aber gegen Ende versuchten sie sich auch an einem neuen Stück, das mir auf Anhieb gut ins Ohr ging. Der Abschluß dann mit Medications, einem schwungvollen, euphorisierenden Fetzer, der weniger veträumt und melancholisch daherkam, als der Großteil des vorgehenden Programms. Karaocake hatten mich erneut beeindruckt. Ich bleibe am Ball!

Mit Munch Munch wurde etwa zwanzig Minuten später eine junge Band aufs Publikum gehetzt, die noch nie zuvor in Paris gespielt hatte. Richard, Tom, Jack und Sarah stammen aus Bristol, klangen aber nicht nach Trip Hop wie die aus der gleichen Ecke kommenden Portishead und Massive Attack, sondern vielmehr nach Animal Collective, Deerhoof, Jonquil, Los Campesinos!, Dirty Projectors und auch den (verfluchten) Klaxons. Ihr Set war von Anfang bis Ende schwungvoll, energiegeladen und mit überraschenden Wendungen nur so gespickt. Bei Munch Munch gibt es nicht nur den Bandnamen gleich doppelt, sondern es kamen auch gleich zwei Keyboards, zwei Glockenspiele und zwei (in der Mitte der Bühne befindliche) Drumkits zum Einsatz. Ich stand gleich in der Nähe der einzigen Dame, die rasant und fingerfertig orgelte, als sei sie von der Tarantel gestochen worden. Am anderen Ende der Bühne sang ein blonder Bursche oft im Falsett und drückte dabei auf alle möglichen Knöpfchen. Die Songs galloppierten oft in völlig verschiedene Richtungen, aber irgendwie schafften es die jungen Heißsporne, halbwegs einen roten Faden beizubehalten und die Lieder vor dem Abdriften in völlig experimentelle Gefilde zu retten. Beste Titel? Vielleicht das an Yeasayer erinnerde Wolfman's Wife? Oder Wedding, bei dem Jonquil, Stereolab, Modest Mouse und Deerhoof eine wilde Ehe eingingen? Wie auch immer, Munch Munch sind etwas für Leute die schrägen Indiepop lieben und dazu abtanzen wollen.

Cooles Konzert von ihnen heute in der Fléche d'or! Spreche hiermit eine Liveempfehlung aus.



Das Gleiche gilt für die als Letzte auf das Publikum gehetzte Marnie Stern. Die Blondine gerierte sich nämlich als wahre Rampsensau, die nie den Fuß vom Gaspedal nahm, mathrockig und innovativ auf ihrer Gitarre spielte und sich die Seele aus dem Leib schrie. Richtig geil auch ihr Drummer. Der tätowierte Kerl vermöbelte sein Fell so brutal, daß es in den Ohren weh tat. Wahnsinn, wie der draufknallte! Aber er konnte nicht nur prügeln, sondern beherschte auch den abrubten Tempo-und Rhythmuswechsel auf dem Eff-Eff. Es war eine Freude ihm zuzuhören- und zu sehen. Der Bassist trat hingegen spielerisch etwas in den Hintergund, lieferte sich in den Pausen zwischen den Liedern aber immer wieder sehr komische Dialoge mit Marnie, die ihm, wenn sie nicht weiter wußte, einfach das Wort abschnitt: "Oh, shut up!"

Eine kesse Göre, diese Marnie, die bei allem was sie tat und sagte authentisch, natürlich und humorvoll rüberkam. Stilistisch erinnerte das Ganze an Hole (Courtney Love), aber auch Sleater-Kinney, Don Caballero oder The Mars Volta. Eine kunterbunte Mischung also, die nur eine Richtung kannte: nach vorne! Balladen? Fehlanzeige! Melodien? Musste man aus der Kakophonie raushören, aber es gab sie. Bestes Lied? Vielleicht For Ash? Dieses Stück blieb zumindest auf Anhieb im Ohr kleben und bestach erneut durch das völlig verrückte Schlagzeuspiel. Noch schriller war aber Nothing Left, in dem man Spurenelemente von Siouxsie and The Banshees und den Yeah Yeah Yeahs finden konnte. Mit 300 Sachen fetzte die Nummer durch die Flèche d'or und ich fragte mich, wie der Drummer ein solches Tempo halten konnte, ohne permanent die Drumsticks zu verlieren bzw. einen Tennisarm zu bekommen!

Etwa 45-50 Minuten lang wurde geküppelt und gerockt, was das Zeug hielt und das Publikum zeigte sich absolut angetan. Völlig überrascht von dem guten Empfang, war der Trommler nach dem letzten Lied schon von der Bühne gehüpft, wurde aber noch einmal zurückgepfiffen, weil noch eine nicht geplante Zugabe gespielt wurde. Er sprang also wieder auf die Stage und ließ es noch ein letztes Mal krachen. Ein hammerhartes Set!



Fotos und Setlisten gleich!

Achtung: Munch Munch heute live im Tsunmai in Köln, 10. Dezember 2010! Weitere Termine:

11.12.2010: Cafe Rocas, Luxemburg,
12.12.2010: Café Video, Ghent, Belgien





Freitag, 15. Oktober 2010

Maps & Atlases, Paris, 14.10.10

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Konzert: Maps & Atlases

Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 14.10.10
Zuschauer: nicht ausverkauft, aber auch nicht gähnend leer
Konzertdauer: eine gute Stunde


Hier brauche ich gar nicht lange drumrumzureden, denn das Konzert der Amis Maps & Atlases war einfach superspitzenklasse! Eine meiner Entdeckungen des Jahres, das kann ich mit Fug und Recht sagen.

Aber was ist das überhaupt für eine Band, die die Landkarten und Atlanten im Namen trägt? Welchen Musikstil pflegen sie? Nun, die pfiffigen Burschen kommen aus Chicago und haben eine höchst tanzbare, erfrischende und euphorisierende Mischung aus Elementen des Mathrock, des Indierock und des Folk geschaffen. Trotz des experimentellen Einschlags sind ihre Songs keine Spur anstrengend oder nervig, sondern melodienverliebt, ohrwurmig und auf Anhieb packend und mitreißend. Ich kannte vor dem heutigen Auftritt im Pariser Point Ephémère kein einziges Lied des Quartetts und war dennoch schon nach wenigen Takten hin und weg. Toll, toll, toll!

Ich hatte das gute Gefühl, eine neue potentielle Lieblingsgruppe für mich zu entdecken, die aus dem Sound angesagter Indiebands der letzten Jahre etwas Eigenes geschaffen hat. Freilich könnte man ihnen vorwerfen, einfach die Höhenflieger der letzten Jahre durch einen Mixer geschickt zu haben, aber irgendwie scheinen Maps & Atlases es zu schaffen, das jeweils Beste verschiedener Stilrichtungen herauszukristallisieren. Sie haben Stücke, die mit ihrem Afroeinschlag an Vampire Weekend erinnern, sind dabei aber nicht so streberhaft wie die biederen Jünglinge aus Cape Cod. Ihre mathrockige Gitarrenbearbeitung (die Finger liegen auf dem Mittelteil der Gitarre und drücken scheinbar Tasten, quasi wie auf einem Klavier) hat man auch schon mal anderswo gesehen, sie sind aber nicht so anstregend wie Battles oder Don Caballero und weniger verbissen und mürrisch wie Foals. Das sonnige Flair ihrer Lieder hat man in den letzten Jahren so ähnlich bei den Magic Numbers gehört, aber ihre Songs sind weniger konventionell und radiotauglich und mit mehr Brüchen versehen. Sie erwischen den Zuhörer immer wieder auf dem falschen Fuß und durchbrechen auch mal spontan einen Melodiebogen, werden dabei aber nie so schwer erträglich wie die Dirty Projectors, bei denen das Schräge Methode hat. Und die Stimme des rauschebärtigen Sängers ist der Hammer! Wie eine Indieversion von Cat Stevens. Kurzum: Maps & Atlases sind grandios! Die Amerikaner im Publikum schienen das schon zu wissen, den sie hüpften bei jedem Beat wie wild mit und waren auch erstaunlich textsicher. Schön auch, daß sich die Band so angenehm bescheiden und höflich präsentierte. Der zottelige Sänger bedankte sich gleich mehrfach bei der Vorband The Agency (die ich nicht gesehen hatte) und bei der Pariser Bookingagentur. Dabei hatten eigentlich wir, das Publikum, der Band zu danken!

Schade insofern, daß nach etwa einer flotten Stunde schon Schluß war. Vorerst. Denn es gab noch einen Zugabenteil, der es in sich hatte. Die Band kletterte von der Bühne, baute sich in der Mitte des Salles zwischen den Zuschauern auf und performte umringt von den Besuchern noch drei akustische Lieder im Sitzen, die großen Anklang fanden. Welch schönes Ende eines fabelhaften Konzertes!

Ausgewählte Konzerttermine von Maps & Atlases (ohne Gewähr):

15.10.2010: Botanique, Brüssel
16.10.2010: Hafenklang, Hamburg
17.10.2010: Festsaal Kreuzberg
18.10.2010: Beatpol, Dresden
19.10.2010: Cafe Cairo, Würzburg
20.10.2010: Paradiso, Amsterdam


Setlist Maps & Atlases, Point Ephémère, Paris:

01: Pigeon
02: Living Decorations
03: Israeli Caves
04: Ted Zancha
05: Will
06: The Charm
07: Witch
08: If This Is
09: Was
10: Every Place Is A House
11: Solid Ground
12: Is
13: Daily News
14: Glamorous Glowing
15: Artichokes

16: You And Me Ad The Mountain
17: Banished Be Cavalier
18: The Ongoing Horrible



Sonntag, 7. März 2010

dd/mm/yyyy, Paris, 06.03.10

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Konzert: dd/mm/yyy

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 06.03.2010
Zuschauer: etwa 300
Konzertdauer: ungefähr 50 Minuten



Ist schon sehr speziell, was die Kanadier von dd/mm/yyyy (sprich day, month, year), da fabrizieren. Kann man das unter Math Rock fassen? Aber in diese Schublade wurden ja auch Foals gesteckt und vom eingängigen, chartskompatiblen Sound der Engländer sind dd/mm/yyyy wirklich meilenweit entfernt. Also wen dann als Vergleich heranziehen? Battles? Könnte man, aber irgendwie klingt das doch ganz anders bei der fünfköpfigen Band aus Toronto.

Mußte heute feststellen, daß mein Geschmack doch sehr normal ist und mir bei experimentellen Bands wirklich die Vergleichsmöglichkeiten fehlen.
!!! (chk chk chk) hatte ich vor ein paar Jahren mal gesehen und da gab es auch schon den Gimmick mit den zwei Schlagzeugern, der uns auch heute präsentiert wurde und den man ansonsten von Bands wie Caribou, Go! Team und Dananananaykroyd kennt. Also gibt es gar nix Neues bei dd/mm/yyyy? Hmm. Sie schreien ziemlich viel und ziemlich wild durcheinander. Aber das hatte ich so ähnlich auch schon bei den Blood Brothers, The Automatic und Dananananaykroyd gehört. Ausnahmsweise fehlen mir die Worte und ich zitiere eine Quelle, die ich bei Wikipedia gefunden habe. The nature of dd/mm/yyyy music is explained as: "A mess of spastic, specially challenged art rock with jagged, diamondback guitars, 80s video game synthesizers, and drums that roll with all the punches of the dicordant dreamy vocals." Aha? Habt ihr's kapiert? Nö? Egal! Kurz gesagt: es ist ein einziges Geschreie, Gehaue und Gesteche, aber trendige Menschen (und Blogger) finden's trotzdem geil.* Scheint mir zumindest so. Also hier und heute in Paris zuckte es vielen Hipstern bei den stakkatischen Rhythmen ganz schön im Fuß. Vor allem die anwesenden Amis und Kanadier kamen voll auf ihre Kosten.

Was sagt eigentlich die Visions zu dem Quintett aus Toronto? Würde mich jetzt mal interessieren, schließlich fanden die ja auch gänzlich unerträgliche Bands wie The Blood Brothers und Mars Volta grandios
. So fies sind dd/mm/yyyy übrigens nicht. Es gab immer mal wieder einzelne Passagen, überraschende Wendungen, Ideen und Tricks, die mich kurzfristig packten, aber letztendlich war es doch zu harter Tobak für mich und ich verließ vor dem Ende die Flèche d'or...

Videoclip: dd/mm/yyyy- Infinity Skull Cube



* man kann sich ganz genau die Formulierungen ausdenken, mit denen nordamerikanische Fans ihre Shows beschreiben: "these guys are totally amazing live, they are fucking awesome etc."




Montag, 30. März 2009

Favours For Sailors, Electric Electric, Paris, 28.03.09

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Konzert: Favours For Sailors, Electric Electric
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 28.03.2009
Zuschauer: habe sie nicht gezählt
Konzertdauer: jeweils 30-40 Minuten




Am Tag, an dem mich Le Prince Miiaou schachmatt gesetzt hat, gab es auch noch andere Bands in der Pariser Fléche d'or zu begutachten. Die französische Elektropop Band Olympic hatte ich verpasst, was auch daran lag, daß die scheiß U-Bahn nur bis zur Station Père Lachaise (was wollte ich da? Etwa das Grab von Jim Morrison besuchen?) fuhr und ich den steilen Berg bis nach Gambetta hochkraxeln musste. Schade, denn ihre Stücke auf MySpace klingen gar nicht mal übel.

Anschließend gab es dann den bereits in schillerndsten Farben beschriebenen Auftritt von Le Prince Miiaou, bevor auch Engländer mit ins Geschehen eingriffen. Favours For Sailors hießen die vier Burschen und klangen wie tausend andere aktuelle englische Bands. Laut ihrer MySpace Seite sind ihre Haupteinflüsse Pavement, Modest Mouse, Built To Spill, aber so toll wie diese amerikanischen Großmeister des Indie Rock Genres waren sie leider nicht. Stattdessen klangen sie wie ein Abklatsch von den Good Shoes, den Cribs oder den Maccabees. Laaaaangweilig! Dabei waren ihre Songs eigentlich gar nicht weiter störend und ganz angenehm zu hören. Der Mangel an eigenem Profil ging mir allerdings auf den Zeiger und ich frage mich, ob ich nicht auch einmal ein paar junge Engländer zusammencasten soll, die dann für eine Saison lang im NME lobend erwähnt werden und durch die englischen Clubs tingeln. So schwer scheint das doch nicht zu sein! Die Typen müssen nur eine Gitarre halten können und in eine enge Jeans passen und ich recycle einen griffigen Refrain aus dem ewig gleich klingenden Kram der in den letzten Jahren aus England kam!

Also England pfui und Frankreich hui. Oder so. Halt! So einfach ist es natürlich nicht! Selbstverständlich gibt es zahlreiche riesige Talente in England, dem Mutterland des Rock, bloß schreibt der NME zu selten über die und in Frankreich wird natürlich auch jede Menge Käse produziert. Und ich meine jetzt nicht den leckeren Käse, den man sich aufs Brot schmiert, sondern beknackte Musik, die man sich noch nicht einmal in die Haare schmieren kann...

Electric Electric, die nun an der Reihe waren, sind aber ein weiterer Beweise dafür, daß sich in Frankreich musikalisch so einiges tut. Es handelt sich um ein hochinnovatives Trio aus Straßburg, daß Musik macht, die man nicht so leicht auf einen Punkt bringen kann. Mathrock wäre eine Schublade, die man ziehen kann, aber darunter hatte ich neulich ja schon La Terre Tremble!!!, eine andere Band aus Frankreich verortet. Electric Elctric klingen ganz anders. Die kredenzen einen lärmenden, funkigen Sound, der wie Hölle rockt und Genregrenzen auseinandersprengt. Post Punk, Electro, Mathrock, alles wird hier zu einem berauschenden Gebräu vermischt. Mechanisch und repetitiv, dabei aber hypnotisch, euphorisierend und unglaublich tanzbar. Das erste Stück des Abends dauerte mindestens eine viertel Stunde und der Drummer knüppelte dabei dermaßen ausdauernd und präzise auf sein Instrument ein, daß den Leuten der Atem stockte. Die Basslinien waren messerscharf und die Keyboards wurden wummernd wie beim Techno eingesetzt.

Trotzdem ist das Ganze entgegen des Namens keine elektronische Musik, sondern bleibt Rock bzw. eine Neudefinition des Post Punks (Funks). So würde die Gang Of Four vermutlich klingen, wenn sie nicht ihre alten Sachen aus den späten 70ern noch einmal aufkochen würde.
(die Gang of Four bleibt trotzdem eine der besten Bands aller Zeiten).

Kurzum: Electric Electric sind der helle Wahnsinn! Wer mir nicht glaubt, hört sich einfach in voller Lautstärke ihr 2008 er Album Sad Cities Handclappers auf ihrer Webseite an! Das fetzt!!!



Pour nos lecteurs français:

Le 28 mars 2009 il n'y avait pas seulement la fabuleuse Le Prince Miiaou à la Flèche d'or, mais aussi trois autres groupes. Arrivant à la bourre, j'avais malheureusement raté le concert de Olympic, mais après Le Prince Miiau en deuxième position, se produisaient les Anglais de Favours For Sailors. Ils avaient exactement le même son que 1000 d'autres groupes actuels britanniques (les Cribs, Les Good Shoes, Les Maccabees et tutti quanti) ce qui a fini par m'a agacer vers la fin malgré des morceaux pourtant pas désagréables.

Pour conclure la soirée les Strasbourgeois de Electric Electric ont fait une forte impression, me laissant bouche bée avec leur rythmes mécaniques et hypnotiques. Le premier morceau, epoustouflant, a duré presque 15 minutes et le reste du programme était encore plus bluffant. Ils mélangent des styles tels que le mathrock, l'electro, le krautrock et le punk-funk pour un résultant épatant, ultra efficaces et dansantes. C'est une veritable bombe sonique, une sorte de rouleau compresseur qui montre qu'en France en est souvent plus innovateur et moins formaté qu'en Angleterre. Renversant!



 

Konzerttagebuch © 2010

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