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Donnerstag, 20. Februar 2014

Balthazar, Stuttgart, 19.02.2014

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Konzert: Balthazar
Vorband: Champs
Ort: Club Schocken, Stuttgart
Datum: 19.02.2014
Dauer: Balthazar 82 Minuten / Champs 28 Minuten
Zuschauer: vllt. 200

Alle Fotos: © David Oechsle

Die Gruppe Balthazar darf auf größere Hallen schielen. Spätestens seit der Tour mit den Editors im vergangenen Herbst sind die Belgier aus Gent in aller Munde. Nach zwei Alben und ausgiebigen Touren zahlt sich die Erfahrung aus. Live ist das Quintett in der ersten Liga melodiösen und tanzbaren Indie-Pops angekommen. Die aktuelle Tour dürfte eine der letzten Möglichkeiten sein, die Band in Deutschland in wirklich intimen Rahmen zu sehen. Am wachsenden Erfolg der Band ist kaum zu zweifeln. Viele Konzerte der Tour sind ausverkauft, auch in Deutschland. In Brüssel spielt man im Anschluss an das Stuttgarter Konzert gleich an zwei Abenden vor vollem Haus. Umso überraschender ist das Bild, das sich beim Eintreffen am Schocken bietet. Zwanzig Minuten vor dem angekündigten Beginn ist der Club in der Stuttgarter Innenstadt kaum gefüllt. Sind die beiden dominierenden Zuschauerkategorien der für diese Band wichtigsten Zielgruppen auf anderen Konzerten? Die Connaisseure gesetzteren Alters vielleicht bei Momus im Theater Rampe und die ultrahippen Indie-Girls nicht etwa doch bei den unsäglichen 30 Seconds to Mars in der Schleyer-Halle? Als sich der Saal während der Vorband doch noch füllt und sogar die Empore geöffnet wird, bin ich beruhigt.


 Die Stimmung ist entspannt aber redselig, als drei junge Männer mit Bärten und Hemden die Bühne betreten. Drei Gitarren, mehrstimmiger, versetzter Gesang, herzzerreißende Harmonien und wunderbare Melodien tragen die Songs des Trios von der Isle of Wight. Ein Abend im Zeichen des reinen Wohlklangs liegt vor mir.
Zum Glück darf englischer Folk sich mittlerweile auch wieder auf seine eigenen Wurzeln berufen. Nach Jahren, die von amerikanischen Einflüssen, von Dylan, Simon & Garfunkel oder Crosby, Stills, Nash & Young und der West-Coast-Leichtigkeit geprägt wurden, wagen britische Formationen die Rückbesinnung auf ihre Stärke. Erland & The Carnival machten es mit feinster nordenglischer Lyrik vor, während die formvollendete Inkarnation des Folks der 60er in Form des vermeindlichen Wunderkinds Jake Bugg die britischen Charts beherrschte. Es ist der Schatten des lange zu unrecht verschmähten Donovan, den man mit Ausnahme seiner Kollaboration mit den No Angels(!) wirklich nicht viel vorwerfen kann, der über den Songs einer jungen Generation englischer Troubadeure schwebt. Während die Musikpresse lieber auf Simon & Garfunkel oder irritierenderweise die epigonenhaften Fleet Foxes als Blaupausen verweist, sind Donovan und Martin Carthy und bedingt auch Fairport Convention die passenderen weil naheliegenderen Referenzen. In diesem wohligen Fährwasser schwimmen Champs und spielen ein sehr überzeugendes Support-Set. Ob man wirklich drei Gitarren braucht, darüber lässt sich freilich streiten, doch lassen bestechende Stücke wie „Down Like Gold“ oder „Pretty Much (Since Last November)“ über derartige Kritik hinwegsehen. Live ist das unheimlich melodisch und berührend.

Was schon in der Reduktion glänzt, kann sicher auch in opulent produzierten Studioversionen überzeugen. Am dritten März erscheint das Debütalbum „Down Like Gold“, das der Musikexpress als „Folkpop für die Generation WLAN“ bezeichnet. Wo dieses Label als reine Worthülse seinen Sinn verfehlt, punkten die Champs um die Brüder Michael und David Champion mit vielversprechenden Stücken in bewährter Tradition. Während auf der Insel jeder vor Verzückung über den psychedelischen Modpop der Temples jauchzt, kommen von einer kleinen Insel mit großer Musikgeschichte vor der Südküste bei Portsmouth große Folksongs. Die Rückbesinnung auf englische Tugenden ist seit langem der große Trumpf der größten Popnation. Auch wenn One Direction die Brit Awards dominieren, ist nichts verloren. Das erste Stuttgart-Konzert der aufstrebenden Folk-Band, deren Debüt, wie bekannte Studioaufnahmen belegen, mit Bass und Schlagzeug auch die Tür zum tanzbaren Indie-Pop offen hält, endet mit „Savannah“, einem gefälligen Ohrwurm und geschicktem Spiel mit Zitaten. Als sich der Sänger lächelnd für die Aufmerksamkeit bedankt und eine lange Strähne aus dem Gesicht streicht, haben sich Champs längst große Sympathien erspielt. Merkt euch den Namen. Travelling through all the inbetweens.


Setlist Champs, Stuttgart:

01: Down Like Gold
02: Sweet Marie
03: Pretty Much (Last November)
04: Rebel
05: St. Peter's
06: My Spirit Is Broken
07: Savannah



Dass großartige Vorbands für den Hauptact zu einer ärgerlichen Angelegenheit verkommen können, ist bekannt. Balthazar kennen dieses Phänomen aus eigener Erfahrung. Auf der gemeinsamen Tour mit den Editors schwärmte so mancher in weit höheren Tönen vom belgischen Support als von der einstigen Speerspitze englischer Formationen, äußerte so den Frust über das enttäuschende vierte Album der Band aus Birmingham. Auch ich war vor dem Editors-Konzert in der Berliner Columbia-Halle im Oktober gespannt, wie gut Balthazar sein würden, die ich zuvor im Keller Klub verpasst habe und von denen scheinbar jeder schwärmte. Tatsächlich war der Auftritt grundsolide, die Songs erstklassig und mitreißend. Doch als die Editors anschließend ein für alle Mal manifestierten, dass sie nach zweieinhalb starken und einem schwachen Album zumindest live noch immer großartig sind, vergaß man die Spielfreude, den gekonnten Einsatz verschiedenster Elemente und die Hits Balthazars. 

Die Klasse der belgischen Band offenbart sich mir folgerichtig erst bei ihrem ersten Headliner-Konzert, das ich besuche. Zwei Alben hat man bisher veröffentlicht, die sich mit dem alles umgreifenden Satzgesang und dem wunderbaren Einsatz der Violine über aufgetürmten Keyboard-Passagen und schnellen Indie-Gitarren ausgezeichnen. Die letzte Platte, „Rats“, ist jetzt auch schon zwei Jahre alt, das nächste Album dürfte in den Startlöchern stehen. „I just wanted you to taste the ink“, singt Maarten Devoldere in „Lion's Mouth (Daniel)“ vom 2012er Album und deutet zwischen den Zeilen mehr oder weniger an, dass es heute auch Neues zu hören gibt. So werden neben der aktuellen Single „Leipzig“ mit „No More“ und „Will My Lover Be Found“ gleich zwei weitere Stücke des kommenden Albums gespielt. Die Öffnung hin zu stadiontauglichen Klängen war immer eine Frage der Zeit, die Chöre der großen Hits der Gruppe zielten schon immer auf ein großes Publikum ab, die neuen Stücke machen diesen Weg nun gänzlich offenbar. Was man als Schwäche auslegen könnte, ist die Stärke der Band. Mögen insbesondere die populärsten Songs regelrechte Versatzstücke bekannter Indie-Klassiker aufweisen, sind sie doch so geschickt gestrickt, dass es eine wahre Freude ist. 

Jinte Deprez hält die Akustik-Gitarre wie Dylan in den 60ern, während er „The Boatman“ und vor allem „Listen Up“ zur Darstellung seiner Frontmann-Qualitäten nutzt. Vom auffälligen Spiel der beiden Sänger und Gitarristen und der Keyboarderin und Violinistin Patricia Vanneste ein wenig versteckt, erfüllen Bassist Simon Casier und Schlagzeuger Christophe Claeys, die grundlegende Aufgabe der Rhythmusfraktion tadellos, halten das Gesamtbild zurückhaltend zusammen. 
Die bebrillten Mädchen in der ersten Reihe, die vor dem Konzert Radioheads „Idioteque“ noch Justice zuschrieben, sind aus dem Häuschen. Balthazar werden wie Helden gefeiert, als „Fifteen Floor“ mit seinem eingängigen Beat erklingt. Mit „Sinking Ship“ und „Do Not Claim Them Anymore“ erreicht die Euphorie vor den Zugaben weitere, ungeahnte Höhen. Die Band improvisiert hier und da, Patricia Vanneste zupft ihre Violine, während die perkussive Komponente des Bandsounds besonders ausgereizt wird.


„Sides“, den Closer des letzten Albums, und „Blood Like Wine“ gibt es als Zugaben. Der Schluss wird herausgezögert, der Applaus ist frenetisch. Jan Georg Plavec von der Stuttgarter Zeitung bekennt anschließend, er habe das bisher beste Konzert des Jahres gesehen. So weit gehe ich nicht, aber Balthazar überzeugen mit großen Indie-Pop-Hymnen an der Grenze zum Stadionrock, die am Ende doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen können. Wie den Editors in Berlin gelingt es dem Hauptact doch noch einmal den großartigen Support auszustechen. Zurecht. Der steile Weg, den die fünf Musiker aus Gent mit Pathos und Melodie zielstrebig beschreiten, dürfte unaufhaltsam sein. Im Sommer spielt man auf den großen Festivals. Offen bleibt lediglich die Frage, wohin sie dieser Weg führt. Von der klassischen Nachmittagsband der Hurricanes dieses Kontinents, über ein Zerbrechen nach dem dritten Album bis hin zum Platz inmitten des kollektiven Mainstream-Gedächtnis' ist alles möglich. Die Band hat es weitgehend selbst in der Hand.




Setlist Balthazar, Stuttgart:

01: Lion's Mouth (Daniel)
02: Later
03: The Boatman
04: I'll Stay Here
05: The Man Who Owns the Place
06: No More (neu)
07: The Oldest of Sisters
08: Leipzig (neu)
09: Will My Lover Be Found (neu)
10: Joker's Son
11: Listen Up
12: Fifteen Floors
13: Morning
14: Sinking Ship
15: Do Not Claim Them Anymore

16: Sides (Z)
17: Blood Like Wine (Z)


Links:
- aus unserem Archiv:
- Balthazar, Wiesbaden, 01.11.2013
- Balthazar, Wien, 08.10.2013
- Balthazar, Frankfurt, 22.04.13
- Balthazar, Paris, 20.07.12
- Balthazar, Mannheim, 18.05.12
- Champs, Paris, 12.02.2013
 

Dienstag, 5. November 2013

Editors, Wiesbaden, 01.11.13

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Konzert: Editors
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum: 01.11.2013
Dauer: Editors 110 min, Balthazar ca. 40 min
Zuschauer: ca 1.800 (ausverkauft)



von Ursula von neulich als ich dachte
 

Nanu, schon wieder ein Editors-Bericht? Tatsächlich war der zweite Konzertbesuch bei der Band innerhalb eines Monats eher ein Unfall, da ich die Karte geschenkt bekam. Das Angebot, die Tickets für den ausverkauften Auftritt weiter zu verkaufen und andere zu besorgen, schlug ich dann aber aus. Das Konzert in Wien hatte mich daran erinnert, wie sehr ich viele Editors-Songs mag. Darüber hinaus hatte mein Genuss des Wien-Auftritts ja sehr unter der übergroßen Begeisterung der Jugendlichen um mich herum gelitten, so dass ich mich darauf freute, das Ganze noch einmal mit weniger Störfaktoren genießen zu können. 

Den Wiesbadener Schlachthof hatte ich seit seiner Renovierung nicht mehr von innen gesehen und stellte bei der Ankunft erfreut fest, dass er irgendwie geräumiger geworden war. Ich erinnere mich an Konzerte in der Vergangenheit, während denen ich relativ weit hinten in einem Engpass vor der Bar gefangen war, das passiert in Zukunft sicherlich nicht mehr, denn der Raum vor der Bühne scheint jetzt breiter zu sein. 

Die Vorband war auch an diesem Abend Balthazar aus Belgien. Während mich der Wiener Auftritt vor den Editors so gar nicht hatte beeindrucken können, erinnerte ich mich nun schon an einige Songs und fand diese auch (möglicherweise deshalb) besser. Fifteen Floors, bei dem alle Bandmitglieder unheimlich viel Text zu einer sehr repetitiven Melodie singen, ist und bleibt allerdings nervig. Beim wieder als letztes gespielten Blood Like Wine mit seinem einprägsamen "raise your glass"-Refrain zeigte sich allerdings auch, dass dieser Konzertabend eher nicht unter übergroßem Fan-Engagement leiden werden würde: Während in Wien schon von fast zu Beginn des Songs die Plastikbecher des Publikums zu dieser Textzeile emporgehoben worden waren, passierte das in Wiesbaden selbst am Ende nur sehr, sehr vereinzelt. 

Setlist Balthazar, Schlachthof, Wiesbaden: 

01: Later 
02: Sinking Ship 
03: Fifteen Floors 
04: Listen Up 
05: Lion's Mouth (Daniel) 
06: Do Not Claim Them Anymore 
07: Blood Like Wine 

Die Editors spielen bei ihrer gegenwärtigen Tournee immer dieselbe Setliste, insofern war hier nicht mit Überraschungen zu rechnen, und tatsächlich begann ihr Auftritt auch an diesem Abend mit Sugar. Zuerst dachte ich, die Band sei heute Abend nicht vollzählig erschienen, aber dann wurde mir klar, dass sich im dichten Bühnennebel noch einige Musiker versteckt hatten. Die Sicht auf die Band sollte für das ganze Konzert nicht sonderlich klar werden. 

Anders war an diesem Abend definitiv das Publikum. Wie sich bereits bei Balthazar abgezeichnet hatte, litt dieses Konzert keineswegs unter übergroßem Enthusiasmus auf der Publikumsseite. Gerade in meiner direkten Umgebung standen einige selbst aus meiner greisenhaften Perspektive ältere Konzertbesucher, die den Auftritt eher stoisch über sich ergehen ließen und sich auch kaum zu einem Applausklatschen hinreißen ließen. Das machte den Genuss wiederum etwas schwierig - anscheinend ist es sehr komplex, die Umgebungsbegeisterung für meinen Geschmack richtig zu dosieren. Während sich in Wien das Publikum beispielsweise bei Smokers outside the hospital doors laut mitsingend in den Armen lag, schien in Wiesbaden in meiner Nachbarschaft kaum jemand den Song zu kennen. 

Von der Bühne her blieben die meisten Vorgänge gleich - Tom Smiths Klavierklettereien etwa fielen sehr ähnlich und zu demselben Lied (Eat raw meat = blood drool) aus, wie wir es bereits gesehen hatten - allerdings blieben die Mitklatschanimationen der Bandmitglieder dieses Mal weitgehend aus. Ob das daran lag, dass man sie im Nebel ohnehin nicht gut gesehen hätte oder daran, dass man sich keinen Erfolg versprach, kann ich nicht sagen. Wieder waren alle Musiker in schwarz gekleidet und ich fragte mich kurz, ob Tom Smith möglicherweise eine Tourneegarderobe hat, die aus zwanzig schwarzen T-Shirts und ebenso vielen schwarzen Jeans besteht. 

Eine musikalische Überraschung hatte der Abend dann aber doch noch für uns zu bieten: Nachdem Smith zur Akustikgitarre The phone book vorgetragen hatte, erklärte er, er müsse nun einen Song für den morgigen Auftritt in Belgien üben, da er ihn normalerweise zu schnell spiele. Es folgte das sehr schöne No sound but the wind, das wir in Wien nicht gehört hatten. Ich fragte mich nach dieser Ankündigung kurz, ob die Tatsache, dass vor dem zahlenden Wiesbadener Publikum ein Song "geprobt" wurde, damit er für die Belgier am kommenden Abend richtig sitzt, nicht vielleicht als Beleidigung zu verstehen sei. Inzwischen habe ich gelesen, dass No sound but the wind in Belgien - und sonst nirgendwo - eine Nummer-1-Single war, was mich diese Anmerkung verstehen lässt. Insgesamt gefielen mir diese ruhigen Passagen des Konzertabends am besten - sicherlich, weil ich sie in Wien nicht so recht hatte genießen können. 

Der Rest des Abends, inklusive der Zugaben, folgte dann wieder dem bereits bekannten Muster, wobei ich in Wiesbaden den Eindruck hatte, dass die gothic-inspirierte Synthesizer-Single Papillon hier von allen Songs am besten ankam. 

Während wir bereits in Wien gesehen hatten, dass die Bühnenarbeiter nach Konzertende freigiebig die Setlisten verteilten, setzte in Wiesbaden nun sogar eine Art Schlussverkauf ein: Ein als Bühnendeko genutzter Editors-Schal und ein Plektrum waren bereits während des Konzerts ins Publikum geflogen, nun folgten auch noch zahlreiche Drumsticks, weitere unbenutzte Plektren und Dutzende von Setlisten - ein bisschen fragten wir uns, ob gleich auch die Gitarren verschenkt werden würden, aber so weit kam es dann doch nicht. 

Als Fazit kann ich sagen, dass keiner der beiden Editors-Abende ein absolut optimales Konzert war. Dennoch, und obwohl sich speziell Tom Smiths Gestik und Mimik natürlich extrem wiederholten, fühlten sich für mich die beiden Auftritte weniger "eingeübt" an als der von Woodkid. Das liegt aber sehr wahrscheinlich an mir selbst. Musikalisch bin ich mit der Band nun wieder mehr im Reinen, als ich das nach der Veröffentlichung der U2-inspirierten Single A ton of love für möglich gehalten hätte. 

Setlist Editors, Schlachthof, Wiesbaden: 

01: Sugar 
02: Someone says 
03: Smokers outside the hospital doors 
04: Bones 
05: Eat raw meat = blood drool 
06: Two hearted spider 
07: You don't know love 
08: All sparks 
09: Formaldehyde 
10: A ton of love 
11: Like treasure 
12: An end has a start 
13: Bullets 
14: In this light and on this evening 
15: The phone book (acoustic) 
16: No sound but the wind (acoustic) 
17: Munich 
18: The racing rats 
19: Honesty 

20: Bricks and mortar (Z) 
21: Nothing (Z) 
22: Papillon (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:  
- Interview mit den Editors 
- Editors, Wien, 08.10.13
- Editors, Duisburg, 21.06.13
- Editors, Paris, 14.12.09
- Editors, Köln, 12.11.09
- Editors, Haldern, 08.08.08
- Editors, Melt!, 18.07.08
- Editors, Reims, 30.05.08
- Editors, Paris, 07.04.08
- Editors, Krefeld, 14.03.08
- Editors, Paris, 11.11.07
- Editors, Köln, 08.11.07
- Editors, Paris, 06.07.07
- Editors, London, 17.06.07
- Editors, Köln, 13.06.07
- Editors, Paris, 26.08.06  
- Balthazar, Frankfurt, 22.04.13
- Balthazar, Paris, 20.07.12
- Balthazar, Mannheim, 18.05.12

Fotos: Dirk von Platten vor Gericht



Freitag, 11. Oktober 2013

Editors, Wien, 08.10.13

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Konzert: Editors
Ort: Gasometer, Wien
Datum: 08.10.2013
Dauer: Editors 105 min, Balthazar ca. 40 min
Zuschauer: ca 3.000




von Ursula von neulich als ich dachte

Nach dem Besuch des klar auf kleinere Bands orientierten Waves Vienna Festivals zeichnete sich ein Konzert der etablierten Editors in einer großen Halle als zu erwartender Stilbruch ab. Allerdings sollte der Auftritt im Gasometer stattfinden, einem Komplex aus vier alten, runden, nun, Gasometern eben, die Anfang dieses Jahrtausends unter erheblichem Aufwand zu Wohnungen, einem Einkaufscenter, einem Stundentenwohnheim und eben einer Konzerthalle umgestaltet wurden. Von außen wirkt der Komplex ästhetisch sehr ansprechend, also waren wir gespannt auf das Innenleben. 


Unsere Erwartungen hinsichtlich einer angenehm gestalteten, gleichermaßen antiken wie modernen Konzerthalle wurden allerdings erst einmal gründlich enttäuscht: Der Vorraum der gerade einmal 12 Jahre alten Halle wirkte weder altmodisch noch modern, sondern einfach nur düster, zusammengewürfelt und schäbig. Wir hatten viel Zeit, darüber nachzudenken, denn scheinbar waren alle Zugänge zum eigentlichen Konzertraum noch verschlossen, ein Ordner stand jeweils davor. Erst nach ziemlich langer Wartezeit fiel uns auf, dass der Einlass in Wirklichkeit längst begonnen hatte, man allerdings nur zwei Seiteneingänge zur Halle nutzen konnte - worauf allerdings keiner der Ordner hinwies und was bei weitem nicht jeder bemerkte. Immerhin kamen wir noch rechtzeitig vor dem Auftrittsbeginn der Vorband Balthazar in den Raum und konnten uns auch noch relativ weit vorne Stehplätze sichern. Die Halle an sich entpuppte sich als nichtssagendes schwarzes Oval, das eine sehr breite Bühne hat, so dass auch die weiter hinten stehenden Zuschauer nicht allzu weit weg vom Geschehen sind. 

Bei Balthazar teilen sich Maarten Devoldere und Jinte Deprez den Gesang und das Gitarrenspiel. Simon Casier (Bass) und Patricia Vanneste, die Violine und Keyboards bedient, unterstützen sie gelegentlich gesanglich. Christophe Claeys vervollständigt das Quintett aus Gent am Schlagzeug. In ihrer Heimat sind Balthazar mittlerweile weit mehr als ein Geheimtipp und auch im restlichen Europa erspielen sie sich mehr und mehr Fans. Sie sind bis November im Vorprogramm der Editors unterwegs auf dem europäischen Festland. 

Zu ihrem Auftritt im Gasometer fällt mir dennoch nicht allzu viel ein. An der Musik gab es im Grunde nichts auszusetzen, aber packen konnte sie mich auch nicht. Beim Publikum kamen Balthazar allerdings durchaus gut an, und gerade der letzte Song Blood like wine, in dem wieder und wieder die Zeile "raise your glass" wiederholt wird, führte zu Mitgesang und gehobenen Plastikbechern. Offensichtlich wurden auch neue Fans gewonnen, denn auf dem Weg zurück ins Hotel konnten wir bei anderen U-Bahn-Fahrgästen mehrere neu erstandenen Vinyl-Exemplare von Rats, ihrem zweiten Album, erblicken. 

Zu begeistern war das Publikum also durchaus, vielleicht allzu leicht. In unserer Umgebung hatte sich beispielsweise eine Gruppe slowakischer Schüler eingefunden, die mit endloser Energie auf- und absprangen und "E-DII-TOORS" skandierten, während sie voneinander Handyfotos machten. Das war natürlich noch gar nichts im Vergleich zu ihrer Begeisterung, als Tom Smith & Co. tatsächlich die Bühne betraten und anfingen, Sugar zu spielen. Es wurde gehopst, getanzt, gefilmt, arhythmisch geklatscht, sich singend in den Armen gelegen, zwischendurch ge-Whatsapp-t ... Und ich fühlte mich mit einem Mal noch älter als sonst, weil ich doch einfach bloß zuhören und dabei ein bisschen auf- und abwippen wollte, ohne dass mir jemand ins Ohr brüllte, sang oder klatschte. 

Die Band war übrigens komplett in Schwarz gekleidet. Es handelt sich um ihre erste Tour mit den beiden neuen Mitgliedern Justin Lockey und Elliott Williams. Der Schwerpunkt der Setliste lag mit 7 Titeln auf dem neuen Album The Weight of your love, alle anderen Platten wurden nahezu gleichrangig berücksichtigt und bunt durcheinander gewürfelt. 

Auf der Bühne folgten Someone says und mit Smokers outside the hospital doors mein Lieblingslied der Band, aber es blieb schwierig, sich auf das Bühnengeschehen zu konzentrieren. Dabei war dort oben auch nicht wenig los, denn Tom Smith (mittlerweile dankenswerterweise wieder ohne Zopf) schnitt Grimassen, verrenkte sich, erklomm gelegentlich sein Klavier und Lautsprecher und, äh, sang natürlich. 

All das klingt jetzt viel negativer als es gemeint ist, denn an und für sich liefern Editors ein sehr gut gespieltes wie gesungenes Konzert ab, das eine beachtliche Hitdichte aufwies. Nur wurde man davon immer wieder abgelenkt, etwa, wenn sich ein vielleicht Sechzehnjähriger erst durch die Menge vor uns kämpfte und ein bisschen abrockte, sich anschließend in einem Begeisterungsanfall sein soeben frisch gekauftes Editors-Shirt vom Leib riss, es auf die Bühne warf und mit nacktem Oberkörper dastand - um dann eine Viertelstunde später bei der Security darum zu betteln, das Shirt zurück zu bekommen. 

Der Band ist in diesem Kontext nur vorzuwerfen, dass sie die nervige Klatscherei, die auch so an den unpassendsten Stellen und in den absurdesten Rhythmen stattfand, mehrfach ermutigte. The Phone Book wurde immerhin von Tom Smith allein, nur in Begleitung des Gitarristen dargeboten, was so vergleichsweise wenig Mitsingmöglichkeiten bot, Racing Rats sang er vorm Klavier aus, dafür konnte man dann bei Honesty eine Art Fußballgesang hören. 

Danach war vorläufig Schluss, doch natürlich gab es auch einen Zugabenteil, der sich in seiner Konzentration aufs dritte Album In this light and on this evening als sehr synthesizerlastig erwies. Nach Bricks and Mortar und Nothing hörten wir eine unglaublich lange Version von Papillon, das sich neben der im Hauptteil gespielten aktuellen Single A ton of love beim Publikum als der Tophit des Abends erwies. 

Ende Oktober/Anfang November folgen übrigens noch fünf Deutschland-Konzerte, davon sind Hamburg, Berlin und Wiesbaden ausverkauft, Tickets gibt es noch für Leipzig und Köln. 

Setlist Editors, Gasometer, Wien: 

01: Sugar 
02: Someone says 
03: Smokers outside the hospital doors 
04: Bones 
05: Eat raw meat = blood drool 
06: Two hearted spider 
07: You don't know love 
08: All sparks 
09: Formaldehyde 
10: A ton of love 
11: Like treasure 
12: An end has a start 
13: Bullets 
14: In this light and on this evening 
15: The phone book (acoustic) 
16: Munich 
17: The racing rats 
18: Honesty 

19: Bricks and mortar (Z) 
20: Nothing (Z) 
21: Papillon (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:  
- Interview mit den Editors
- Editors, Duisburg, 21.06.13
- Editors, Paris, 14.12.09
- Editors, Köln, 12.11.09
- Editors, Haldern, 08.08.08
- Editors, Melt!, 18.07.08
- Editors, Reims, 30.05.08
- Editors, Paris, 07.04.08
- Editors, Krefeld, 14.03.08
- Editors, Paris, 11.11.07
- Editors, Köln, 08.11.07
- Editors, Paris, 06.07.07
- Editors, London, 17.06.07
- Editors, Köln, 13.06.07
- Editors, Paris, 26.08.06  
- Balthazar, Frankfurt, 22.04.13
- Balthazar, Paris, 20.07.12
- Balthazar, Mannheim, 18.05.12

Fotos: Dirk von Platten vor Gericht


Donnerstag, 25. April 2013

Balthazar, Frankfurt, 22.04.13

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Konzert: Balthazar
Support: Love like Birds
Ort:Nachtleben, Frankfurt
Datum: 22.04.2013
Zuschauer: ca. 150
Dauer: Balthazar ca. 75 min, Love like Birds 30 min




Das Team des Maifeld Derby Festivals ist schon ziemlich großartig. Sie haben nicht nur für mich persönlich eines der besten, tollsten, grandiosesten Line-Ups des Festivalsommers 2013 zusammengestellt, sondern sie sind immer im Namen der guten Musik unterwegs sind und schafften es, mich am Montag Abend aus dem Haus zu locken, um einer ihrer Bandempfehlungen nachzugehen: Balthazar aus Belgien. Frankfurt zeigte sich an diesem Montag Abend als ausgestorbene Zombiestadt und so hatten sich kurz nach geplantem Veranstaltungsbeginn nur knapp 30 Leute im winzigen Nachtleben eingefunden, das an diesem lauen Sommerabend erschreckend nach wochenaltem, schalem Bier oder wahlweise Marihuana roch – aber hey, das ist ja Teil des Charmes.
 
Den Anfang machten „Love like Birds“, das Projekt der belgischen Sängerin Elke de Mey, die sehr sympathisch und zurückhaltend zuerst alleine nur mit Akustikgitarre bewaffnet auf der Bühne erschien. Bereits nach dem ersten Song, „Drink Up“ war ich von ihrer Stimme und ihrer Art sie ganz zart und vorsichtig in die Welt zu hauchen fasziniert – sehr Lana Del Rey nur in nicht nervig und ohne zu viel zu wollen, einfach sehr schön. Das 30 minütige Set verging für mich etwas zu schnell, da ich diese Art von melancholischer Musik sehr schätze – die Art von Musik, die in einem Bilder von Sommerregen heraufbeschwören und einem dieses besondere Gefühl von seltsamerweise positiver Melancholie bescheren. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir „Sailorboy“ und das letzte Lied des Sets „Heavy Heart“, beide von der 2011er „Love like Birds EP“ entnommen. Da „Love like Birds“ in ihrem Tourblog den „yellow dancer“ erwähnt, will ich es mir auch nicht nehmen lassen, dem kuriosen Herren in buntgestreiften Hosen und gelbem Shirt eine Zeile zu widmen: selten habe ich jemanden so bedingungslos abtanzen sehen, wie diesen Gentleman – mutig bis verstörend, allerdings zur Vorband weniger passend, durchaus aber amüsant (vor allem die gekonnten Drehungen!). Trotzdem sehr lustig zu beobachten, wie die Protagonisten auf der Bühne mit solchen extravaganten Besuchern umgehen – die Reaktionen reichten von kurzem Kichern seitens Elke de Mey, trotz dem Versuch sich zu beherrschen und bitterbösen, aber sehr amüsanten Blicken des einen Leadsängers von Balthazar, Maarten Devoldere, der die Darbietung eher verstörend zu finden schien.


Zu Beginn des Hauptacts hatte sich das Nachtleben glücklicherweise gut gefüllt und jetzt gestaltet sich der Bericht etwas schwieriger, da ich gar nicht weiß, womit ich am Besten anfange, um klar zu machen, wie gut die Show war. Wie gewohnt sehr reduziert inszeniert, ganz klar Indie-Rock und doch musikalisch so vielfältig und mächtig. Bereits der Opener „Later“ begeisterte mich vollkommen – die beiden Leadsänger der Band ergänzen sich perfekt: Maarten, der im absolut positivsten Sinne Wahnsinnige, in seiner Art Tom Smith-esque Mann an Keyboards und Gitarre und sein Gegenpart Jinte, mit elektrischer Gitarre und Violine ausgestattet, gaben beide vollste Energie. Als würde das nicht schon ausreichen, gäbe es da neben einer weiteren Violinistin und dem Schlagzeuger, der unter anderem mit Schellenkranz und Holzplatten kunstvoll auf seine Drums einschlug, noch den outfitmäßig coolsten Menschen auf Erden: Bassist Simon.


Beim Soundcheck schon durch seinen Will Smith-Pulli aufgefallen, stand er dann tatsächlich mit einem T-Shirt auf der Bühne, das ebenfalls Will Smith zeigte – wer kann, der kann. Im Laufe des Abends sollte er demonstrieren, dass der Bass bei Balthazar nicht nur im Hintergrund eine Rolle spielt, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Songs ist und einem keine Möglichkeit zum Entkommen gibt – man muss Tanzen und man will sich auch eigentlich nicht wehren. Das gesamte Konzert war so, wie man es sich wünscht: intimer Rahmen, eine Band, die alles gibt, die Art von Musik, die vollkommen für sich selbst spricht und man einfach abschaltet und sich an der Bassline entlanghangelt. Weitere Höhepunkte für mich persönlich „The Boatman“, „I'll Stay Here“, das herrausragende „Fifteen Floors“, „Morning“ (diese Bassline!), „Blues for Rosann“ (!) und „Blood Like Wine“ - ach und ganz ehrlich, einfach alles.


Kurzum: ich habe selten so viele Menschen auf einem Konzert ehrlich begeistert tanzen sehen! Die Band hat eine großartige Show abgeliefert und wer sich das entgehen lässt ist leider selbst Schuld.

Setlist, Balthazar, Nachtleben Frankfurt: 

01: Later 
02: The Boatman 
03: I'll Stay Here 
04: Blues for Rosann 
05: The Man who owns the place 
06: The Oldest of sisters 
07: Sinking Ship 
08: Sides 
09: Lion's Mouth (Daniel) 
10: Listen Up 
11: Fifteen Floors 
12: Morning 
13: Do not claim them anymore

14: Any Suggestion (Z) 
15: Blood like Wine (Z) 

Tourdaten, Balthazar:

25.04.: Scheune, Dresden
26.04.: Kellerclub, Stuttgart
27.04.: Rosenhof, Osnabrück
30.04. La Botanique, Brüssel

mehr Termine unter http://balthazarband.be

Links:

http://www.maifeld-derby.de/
http://lovelikebirds.wordpress.com/
http://lovelikebirds.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/LoveLikeBirds
https://www.facebook.com/balthazarband/info
 

Dienstag, 24. Juli 2012

Festival Fnac live, Paris 20, 21, 22.07.12

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Konzert: Festival Fnac live, mit Liz Green, Liza Manili, Alt-J, Balthazar, Mina Tindle u.v.a.

Ort: Parvis de l'Hôtel de Ville, Paris
Daten: 20, 21, 22.07.12
Zuschauer: ingesamt 75.000


Ich erzähle sicherlich nichts Überraschendes, wenn ich sage, daß große Massenfestivals wie das Gratis-Festival Fnac live in Paris eigentlich nichts für mich sind.

Allerdings hatten die Veranstalter zumindest auch ein wenig an uns Indienerds gedacht und uns ein paar schöne Namen beschert. Da ließen sich auch einige regelmäßige Klubkonzertbesucher nicht lange bitten und mischten sich unter das musikunwissende Volk.


Vier Tage lang steppte bei endlich gutem Wetter vor dem herrlichen Rathaus von Paris der Bär, gaben sich französische und internationale Künstler die Klinke, nein, die Mikros in die Hand.


Den ersten Tag am Donnerstag hatte ich komplett gestrichen, interessiert hätten mich da eh nur François and The Atlas Mountains. Am zweiten Tag, sah ich als Erstes Mina Tindle, die unseren Lesern hier schon seit Jahren wohlbekannt ist. Ihr Siegeszug in Frankreich setzt sich fort und im November wird sie die 1000 er Location Le Trianon bespielen, was wirklich famos ist. Aber auch deutsche Fans können sie in diesem Jahr noch sehen und zwar am 8. August im Hafensommer in Würzburg und 10. August auf der Sommerbühne in Detmold. Beim Fnac live spielten Mina und ihre beiden Mitstreiter Olivier und Guillaume ein stark verkürztes Set in dem so hübsche Stücke wie Sister (sehr beschwingt) Pan (melancholisch und auf französisch gesungen), To Carry Many Small Things (der Hit!) Lovely Day (der samtweiche Closer) ihren Platz hatten. Trotz unzähliger Konzerttermine in den letzten Wochen und Monaten wirkten die drei Musiker frisch und spielfreudig, lachten viel und spielten wie aus einem Guß. Das viele Training hat dazu geführt, daß allles prima flutschte und inzwischen sind sie auch in der Lage, ein solch großes Geläde wie hier zu beschallen, in dem sie das Songmaterial druckvoller spielen.


Ich bin jedenfalls sicher, daß der rasante Aufstieg der Mina Tindle noch nicht zu Ende ist. Bereits vor vier Jahren hatte ich ihr eine rosige Zukunft attestiert und recht behalten (freu' dich Oliver!).


Nach den Franzosen dann Belgier auf der Bühne. Balthazar nennen sie sich und spielen frischen, melodieverliebten und druckvollen Indierock/Pop. Das klang zwar nicht weltbewegend neu, war aber so tight, daß viele voll mitgingen. Im Grunde genommen hätte das jetzt auch eine amerikanische (z.B. Eels oder Beck) oder englische Band (z.B. Franz Ferdinand oder die Arctic Monkeys) sein können, ihre belgische Herkunft merkte man ihnen jedenfalls nicht an. Die vier Jungs und das eine fesche Mädel (Patricia) an der Geige spielten sich schnell in die Herzen der Pariser und jagten nur so durch ihr knackiges Set. Am Besten gefiel mir, daß die Geigerin ihr Instrument am Ende wie eine Gitarre behandelte und ohne Geigenbogen einfach mit den Fingern durch die Saiten strich. Aber nicht nur das, die Songs an sich waren auch sehr ansprechend. Ein Aufmerker!


Am nächsten Festivaltag interessierten mich zwei Namen. Alt-J (∆) und Dominique A. Letztgenannten habe ich aber verpasst, weil ich in einem Straßencafé in netter Begleitung Bier trinken war und in diesem Moment an ganz andere Dinge als ein Festival dachte. Alt-J ∆ hatte ich aber komplett gesehen. Wobei komplett heißt: dreißig Minuten, länger war ihr Set leider nicht. Musikalisch irgendwo zwischen der Beta Band, Django Django und Tunng angesiedelt, spulten die Jungs aus Leeds ihren rhythmischen Elektro-Folk mit düsterer Note ab und wussten mich vor allem mit dem wundervollen Stück Mathilda auf ihre Seite zu ziehen. Insgesamt gefiel vor allem die Unaufgeregtheit, das angenehm Unaffektierte der Songs, die aus vielen Puzzelteilen zusammengestellt waren und ihre wahre Größe sicherlich in einem Indie-Club entfalten. Cleverer Indie Pop mit vielen kleinen schönen Melodien und einem Sänger mit markanter Stimme, die mich mit ihrem leicht bluesigen Einschlag an Timber Timbre erinnerte. Ob Alt-J nun wirklich eine Sensation sind, mag ich freilich nach diesem kurzen Auftritt noch nicht zu sagen. Dranbleiben, abwarten und Tee trinken (und vielleicht ihr Album An Awesome Wave, von dem natürlich die meisten Stücke stammten, öfter mal hören).

Blieb der Sonntag, der letzte Tag des Fnac live Festivals. Es war heiß geworden in Paris, die Fahrer der Tour de France waren heute durch die Ziellinie an den Champs- Elysées geschossen und mit der Britin Liz Green stammte auch eine Künstlerin aus dem Land des Tour de France Siegers Bradley Wiggins, dem Green (wohl zu Scherzen aufgelegt) ein Lied widmete. Vor Liz ging aber noch Liza an den Start und zwar genauer gesagt Liza Manili aus Frankreich. Die hübsche Schauspielerin und Sängerin sorgte auch heute wieder für gute Laune mit ihrem Retro-Pop der teilweise in Richtung New Wave geht. Neben ihrem auffällig gemusterten Kleid und den grasgrünen Pumps sorgte der Überhit Le Petit Train für die größte Aufmerksamkeit, aber darüber hab ich mich ja schon in der Vergangenheit detailliert ausgelassen, insofern verweise ich auf meine alten Berichte.


Und dann endlich Liz Green und ihre Band. Ich hatte mir nach dem nur 20 minütigen Auftritt von Liza Manili Sorgen gemacht, daß auch der Gig von Miss Green verdammt kurz werden würde, wurde aber mit einem 40-45 minütigen Set positiv überrascht. Liz erschien mit grünem Tirolerhütchen und einem strahlenden Lächeln, das wohl auch dem sonnigen Wetter in Paris geschuldet war. In England habe es 6 Monate in Folge geregnet, berichtete die Britin und meinte schulterzuckend, daß sie jetzt dummerweise keinen sonnigen Song im Programm habe, der zu den Pariser Temperaturen passe. Aber egal. Denn schließlich entpuppten sich die tragisch- komischen Melancholienummern der Liz Green zu einer spannenden Sommermusik. Anstatt die Stück wie am Anfang ihrer Karriere üblich, in dunklen Spelunken oder Jazzcafés geboten zu bekommen, entwickelten Klassiker wie Bad Medecine und der Displacement Song auf dem sonnenüberfluteten Festivalgelände ihren ganz besonderen Reiz. Zwei Lieder schossen mir an diesem Tag die Lampen aus. Das war zum einen Louis. Hierbei dreht es sich um eine Mann in Mexiko, der seit 20 Jahren keine einzige Beerdigung in seiner Heimstastadt verpasst hat. Ist doch verrückt, oder? Ein Lied mit einem bedrohlichen Gitarrenintro, aber einer Passage mit einem lieblicheren Refrain: "I think we are better off here." Die Band spielte hierbei ihren Part perfekt, Saxofon und Kontrabass unterstrichen immer mal wieder die von der Akustikgitarre getragenen Erzählstränge und sorgten für noch mehr Dramatik und Gänsehaut.

Und zum anderen mein schon oft zitierter Liebling The Quiet, bei dem mich Liz Green an Antony and The Johnsons und seine herzergreifenden Ballade Hope There Is Someone erinnerte. Das Lied war wie immer wahnsinnig emotional und erstaunlicherweise blieb selbst das feierfreudige Festivalvolk, das Liz Green zum Großteil nicht kannte, bei ein paar stillen und sehr bewegenden Momenten ruhig und hörte gespannt zu. Mein Herz pochte wie verrückt und ich merkte wie eine kleine Träne höher und höher stieg. Dann aber war das Lied vorbei und Liz und ihre Band lachten in den Pausen immer so laut, daß man plötzlich von traurig zu heiter überging, nur um kurze Zeit später den Schalter wieder auf traurig zu stellen.

Auch zwei neue Lieder gab es, darunter das herrvorragende Penelope und ein Lied, das einen engen Zusammenhang zu der Beerdigung ihres Onkels hatte, der riesiger Fan von Tina Turner und Kylie Minogue war, wie Liz augenzwinkernd erzählte.


Nach diesem erneut hervorragenden Konzert von Green ging es mit Ewert and The Two Dragons aus Estland weiter. Eine ganz erstaunliche Band, die mit einem flotten Glockenspielpart das erste Lied In The End There's Only Love begann. Die Stimme des Sängers gefiel mir auf Anhieb, sie erinnerte mich an Paul McCartney, den Badly Drawn Boy, aber auch The Tallest Man On Earth, hatte ein warmes und melancholisches Timbre. Der Sound klang erfreulich fein, sehr rhythmisch und temporeich, war aber immer mit der typisch slawischen Schwermut überzogen. Eine Schwermut, die aber nie deprimierend war, sondern immer wieder die Sonne durchs Fenster blicken ließ und teilweise auch weitestgehend aufgehoben wurde, um in einen schwungvollen Schunkelrhtyhmus zu driften, der einen fast euphorisch stimmte. Genau wie Loney Dear verstanden es die Esten, Freude und Leid quasi zeitgelich in ihren absolut wundervollen Liedern zu vertonen. Und dann immer wieder diese feinperlende Melodien, hach Mensch wie großartig! Von Lied zu Lied verliebte ich mich mehr in dieser Gruppe, die obendrein noch wahnsinnig sympatisch rüberkam.

Eine spekatukläre Szne gab es, als bei einem Lied gleich drei Bandmitglieder trommelten, aber das war keine Effektheischerei, sondern lediglich eine schöne Abwechslung, die auch optisch was hermachte.


Noch besser war aber, daß ich hinter mir drei semmelblonde Lettinen bemerkte, die stolz die Landesfahne im Wind wedeln ließen und zu Sailor Man aus voller Kehle mitsangen

Ich könnte jetzt noch stundenlang weiterschwärmen, hebe mir aber noch ein paar Komplimente für die Haldern-Berichterstattung auf. Da werden Ewert and The Two Dragons in der kleinen Haldern Pop Bar spielen und da bin ich definitiv dabei!

Setlist Liz Green, Festival Fnac live, Paris

01: Midnight Blues
02: Louis
03: Displacement Song
04: neu
05: The Quiet
06: Penelope
07: Bad Medecine



Samstag, 19. Mai 2012

Maifeld Derby, Mannheim, 18.05.12

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Konzert: Erland and the Carnival und andere
Ort: Maifeld Derby, Mannheim (Tag 1)
Datum: 18.05.2012
Zuschauer: rund 2.000
Dauer: Susanne Sundfor 45 min, Erland and the Carnival knapp 50 min, Olli Schulz vermutlich 60 min, Balthazar knapp 45 min, Friska Viljor 75 min


Tag eins des schönen Maifeld Derbys in Mannheim. Hier ein paar erste Eindrücke:

Es begann für mich (noch ohne Regen) um 19.20 Uhr mit einem der Überraschungsgäste auf der Tribüne des Reitstadions. Der Sänger der Schweizer Band We Invented Paris spielte dort einige akustische Stücke. "Es hat Vorteile, wenn man alleine spielt. Man kann Lieder spielen, die die Band noch nicht kann." Es war sehr schön, was er vortrug, allerdings mußte ich nach der Hälfte gehen, um Susanne Sundfor zu sehen.

Die gefiel mir aber nicht.

Danach folgte mit Erland and the Carnival eine sichere Bank. Ich habe die Band einige Male gesehen, allerdings noch nie auf einer Bühne, die größer als 10 Quadratmeter groß war. Die zusätzliche Freiheit hemmte die Briten nicht, sie spielten gewohnt großartig, was den einsetzenden Regen erträglich machte. Sensationelles Konzert!

Setlist Erland and the Carnival, Maifeld Derby, Mannheim:

00: The Derby Ram (nur beim Soundcheck)

01: My name is Carnival
02: So tired in the morning
03: Emmeline
04: Trouble in mind
05: Nightingale
06: Was you ever see
07: Everything came too easy
08: You don't have to be lonely
09: Gentle Gwen
10: Love is a killing thing

Olli Schulz hatte da schon angefangen. Wie viel ich verpasst habe, weiß ich nicht. Viele seiner Geschichten kannte ich schon, es war trotzdem großes Entertainment, wie der Liedermacher das volle Zirkuszelt bespaßte!

Setlist Olli Schulz, Maifeld Derby, Mannheim:

- Schrecklich schöne Welt
- Spielerfrau
- Halt die Fresse, krieg ein Kind
- Song ohne Grund
- Bettmensch
- Du bist so lange einsam
- Wonderwall (Oasis Cover mit Patricia)
- Die Ankunft der Marsianer
- Bloss Freunde
- Und dann schlägt dein Herz
- Der Rumäne
- Nimm mein Mixtape, Babe
- Safe tonight (Eagle Eye Cherry Cover)
- Der Moment

Danach eine Band, die ich nicht kannte. Balthazar aus Belgien machen experimentellen Pop, vielleicht vergleichbar mit den Guillemots oder sogar Tu Fawning (die morgen auftreten; bzw. nachher). Mir gefiel die Musik der fünf Musiker sehr gut, das tollste Stück war ein neues, das der Keyboarder (der André Schürrle gleicht) singt.

Anschließend dann noch die schwedischen Höhner. Friska Viljor haben mir vor einigen Jahren in Haldern große Freude mit ihren alkoholdurchtränkten Lala- und Ohoh-Liedern gemacht. Danach hatte ich schnell das Interesse verloren, wollte sie mir aber nach der längeren Pause gerne wieder einmal ansehen. Allerdings kannte ich alles. Es kamen nur Lieder, die sie auch in Haldern vor Jahren gespielt hatten. Die beiden (begleitet von drei anderen Musikern), klärten nach acht Liedern auf: "wir spielen heute unser erstes Album!" Ein Konzept, das gerade hip ist. Allerdings wäre ich bei Friska Viljor zuletzt drauf gekommen, daß sie dies auch mit ihrem klassischen ersten Album macht. Nun denn, so konnte ich wenigstens mitgröhlen. Erst die Zugaben waren mir neu.

Setlist Friska Viljor, Maifeld Derby, Mannheim:

01: Shotgun sister
02: Gold
03: Four points
04: Oh oh
05: I gave my life
06: Friskashuffle
07: Puppet cabaret
08: We are happy now (la la la)
09: Goldfish
10: Monday
11: Tell me

12: On and on (Z)
13: What you gonna do? (Z)
14: If I die now (Z)
15: Wohlwill (?) (Z)
16: Arpeggio (Z)
17: Old man (Z)



 

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