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Dienstag, 9. April 2013

Daughter, Köln, 08.04.13

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Konzert: Daughter
Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 08.04.2013
Zuschauer: 500 (ausverkauft)
Dauer: Daughter gut 85 min, Bear's Den 40 min



Irgendwann verliert wohl jede Band ihren Reiz. Davor schützt vermutlich selbst die leidenschaftlichste Liebe nicht. Man kann sich dann als Fan Strategien überlegen, wenig Konzerte ansehen beispielsweise, um die Zuneigung zu erhalten. Auf Dauer funktioniert auch das nicht. So geht es mit mit Depeche Mode, die einmal bis vor 20 Jahren sehr wichtig für mich waren. Die kontroverse Debatte um das neue Album (dessen Name ich nicht einmal erinnere) habe ich mitbekommen, ich habe aber keinerlei Interesse daran, mir eine eigene Meinung zu bilden. Da unterscheidet sich die DM-Platte nicht von der von Heino. Schlimm, schlimm, schlimm!


Wie gut, daß Daughter und ich an einer ganz anderen Stelle unserer Band-Hörer-Beziehung sind! Wobei es schon ein großes Risiko ist, eine Lieblingsgruppe in einem kurzen Zeitraum häufig zu sehen. Eigentlich nehme ich mir vor, mich selbst zu bremsen und pro Jahr (oder Tour) höchstens zwei Konzerte zu sehen, eine Art freiwillige Selbstkontrolle. Es hatte sich aber ergeben, daß ich nunmal für drei Konzerte der aktuellen Tour Karten hatte - Brüssel, weil es da noch keine deutschen Termine gab - und als die kamen Köln und Frankfurt, weil ich doch zwei Monate vorher wirklich nicht einschätzen kann, welches Datum mir besser passt. Und wo sie jetzt schon da sind, will ich auch hin. So viel zum Thema Kontrolle.* Daß ich Daughter auch beim Maifeld Derby (noch nicht ausverkauft - gute Chance, sie zu sehen!) und beim Primavera (ausverkauft) kommt dazu.


Warum diese dröge Einleitung? Weil ich mir halt schon überlegt hatte, ob mir Daughter nicht recht schnell zum Hals raushängen werden. Ich liebe ihren besonderen Sound, dessen leicht gelangweilter Gesang sicher nicht für Jedermanns Sache ist. Bei der ersten Hälfte des ruhig beginnenden Shallows war ich sicher, daß an meinen Zweifeln etwas dran wäre. Es ließ mich am Anfang kalt, Daughter zu hören. Und im Saal waren so viele Leute, die ich kannte, und denen ich penetrant immer wieder erzählt hatte, wie sehr ich die Engländer liebte.

Diese Grübeleien dauerten eine, höchstens zwei Minuten,** danach überrannten mich Elena, Igor und Remi mit ihrer Musik. Als sie fast anderthalb Stunden später fertig waren und die Zugabe damit angekündigt hatten, daß sie eben gerne mehr Zeit mit uns verbringen wollten, ging es mir genauso. Trotz großer Müdigkeit (und 23:35 Uhr), hätte ich mir das Set sofort noch einmal angehört! Trotz ausverkauftem Stollwerck und Platz in der Nähe der Bar war das Konzert herausragend gut! Und mein holpriger Beginn lag ausschließlich am ruhigen Start des ersten Songs. Meine Lust auf Daughter ist nicht abgestumpft, sie ist größer denn je.


Die letzten beiden neuen Bands, die mich so umgehauen haben, waren Warpaint und The xx, die beide etwas komplett Neues boten, zumindest in meiner Wahrnehmung, und diese Originalität bisher bewahren konnten. Gerade an The xx erinnert natürlich auch Daughter. Dieses von mir schon oft bemühte Gelangweilte in der Stimme der wundervollen Sängerin, mag ich auch bei den Londoner Kollegen so sehr. Während Elena "I was drunk again, causing accidents" sang, ging mir durch den Kopf, wie großartig doch ein Home Cover von The xx sein müsste!


Aber natürlich sind Daughter kein The xx Abklatsch, sie sind originell genug, ohne Referenz-Nennungen auszukommen.

Und sie sind verflucht erfolgreich! Bei lastfm hatte sich jemand beschwert, das Konzert sei viel zu teuer. "Sicherlich ist das Material da und auch qualitativ gut. Aber man kennt ja MLK. Ich finde es aber dennoch schade das Bands wie Daughter & Co, die nun einmal noch keinen wirklichen Bekanntheitsgrad haben schon über die Zwanzig Euro Grenze gehen. Nächste Tour im Herbst/Winter dann für Fünf Euro mehr. Wäre keine Seltenheit." Das ursprünglich im Gebäude 9 angesetzte Konzert wurde schnell ins Stollwerck hochverlegt und war jetzt auch ausverkauft, so wie alle Termine der ersten richtigen Deutschlandtour. Auch sonst ist es extrem schwierig, die jungen Engländer live zu sehen, die meisten ihrer Shows sind schnell dicht (...Maifeld Derby!). Umso überraschender für mich, daß Elena sagte, das heutige Konzert sei das bisher größte außerhalb Londons!


Obwohl die Frontfrau durch ihr vieles Kichern auf mich immer unsicher wirkt, merkte man während der Stücke keinen Hauch Nervosität. In Brüssel hatte Elena Textprobleme bei Candles, danach wurde außerdem Lifeforms von der Setlist gestrichen. Heute war es perfekt, ohne routiniert zu wirken. Unsicherheit war also nicht spürbar, die Freude an solch einem großen Konzert und an der für deutsche Verhältnisse überschäumenden Begeisterung schon! Besonders Igor griff die gerne auf. Während Elena auf die vielen lobenden Zwischenrufen kichernd antwortete (hach!), ging der Gitarrist auf die Rufe ein. "Du hast Geburtstag? Heute? Wollen wir Happy birthday singen? Ich kann das sogar auf Deutsch! 'Zum Geburtstag viel Glück!'" Nach dem Ständchen rief einer, daß er im Juli Geburtstag habe. Igor empfahl, das nachher draußen zu besprechen. "I take requests. Yeah, we play weddings!" So redselig hatte ich den Mann mit der Kappe bei keinem meiner vorherigen drei Daughter Shows erlebt. Aber so gut war die Stimmung bisher eben auch noch nicht gewesen. Wie schön doch, wenn so ein Saal nicht mit Leuten gefüllt ist, die zufällig da sind, weil sie die Karten gewonnen haben, sondern mit Musikfans, sie sich lange und intensiv auf eine Band und ihr erstes Kölnkonzert gefreut hatten. Wäre das bloß immer so.



Daughter mischten die Setlist von Brüssel ein wenig durcheinander, spielten aber natürlich das gleiche Songgerüst, also Stücke des Albums und der beiden EPs sowie die sagenhaft tolle B-Seite Run (eines der besten Lieder des Abends). Bei Candles (einem meiner Lieblinge) war etwas anders als im vergangenen Jahr. Die Liveversion hat sich wohl verändert, ihr fehlte es etwas an Biss. Aber das ist nun wirklich der einzige Makel, den ich festgestellt habe.

Daughter, die wieder von dem mir unbekannten vierten (Tour-)Musiker begleitet wurden, betonen immer wieder, daß sie keine Zugaben spielen. Im Botanique am Donnerstag hatten sie ihr für eine Radiosession eingespieltes Doppelcover Perth / Ready for the floor gespielt. Bei der viel größeren  Begeisterung heute bestand kein Zweifel daran, daß sie es noch einmal spielen würden.

Das Konzerte endete also mit zwei fremden Stücken, die zusammengefügt ausschließlich nach Daughter klingen und mit der Erkenntnis, daß ich mich enorm auf Frankfurt freue!

Setlist Daughter, Bürgerhaus Stollwerck, Köln:

01: Shallows
02: Candles
03: Love
04: Still
05: Amsterdam
06: Landfill
07: Run
08: Human
09: Smother
10: Winter
11: Tomorrow
12: Youth
13: Home

14: Perth /Ready for the floor (Bon Iver / Hot Chip Cover) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Daughter, Brüssel, 04.04.13
- Daughter, Luxemburg, 10.11.12
- Daughter, Paris, 07.11.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12

* ja, es wäre schon netter, das irgendwem zu überlassen, der kein Glück hatte, eine Karte zu bekommen - aber das geht halt nicht
** ich kann sehr schnell grübeln!


Sonntag, 18. November 2012

Anne Clark, Köln, 17.11.12

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Konzert: Anne Clark
Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 17.11.2012
Zuschauer: nicht ausverkauft, gut gefüllt
Dauer: knapp 120 min 



Was macht eigentlich... Anne Clark?

Our darkness und Sleeper in Metropolis kennt jeder, selbst Menschen, die Castingshows für musikalische Avantgarde halten. Mit diesen beiden Titeln aus den 80er Jahren hat sich die Londonerin Anne Clark ins unser musikalisches Gedächtnis gespielt. Mit großer Sicherheit habe ich die Künstlerin auch über einen der Songs kennengelernt, besonders mochte ich aber ihr Album Hopeless cases, das eine Weile in meinem Kassettendeck hoch und runter lief. Höhepunkt meiner Anne Clark Phase war Abuse von 1990, das heute noch zu meinen liebsten Liedern gehört, danach ließ mein Interesse nach. Ich habe zwar noch ein paar spätere Platten, wirklich gehört habe ich die aber (wohl) nicht.

Vor anderthalb Jahren gab es dann die Gelegenheit, Anne Clark nach langer Zeit wieder einmal live zu sehen. Chance gab es sicher häufiger, für mich war Annes Auftritt in der Bonner Harmonie aber der erste nach sehr langer Zeit. Im Gegensatz zu anderen Jugendhelden - nie werde ich das abscheuliche Sisters Of Mercy Kirmes-Konzert im E-Werk vergessen! - ist Anne Clark nicht nur musikalisch in Würde gealtert. Die Britin kann man guten Gewissens immer wieder ansehen, wenn man ihre Musik mag.

Ausverkauft war das Stollwerck nicht. Das Konzert war bereits vom Gloria runterverlegt worden. Das ist eben doch Nischenmusik, die treue Anhänger hat, vermutlich aber in den letzten Jahren nicht viele neue dazubekommen hat. Das Stollwerck war aber gut gefüllt, optisch war die Entscheidung der Verlegung also absolut sinnvoll.

Es gab keine Vorgruppe, auch kein Soloprogramm eines der Begleitmusiker. Als fünf Männer um kurz nach neun auf die Bühne kamen und ihre Positionen einnahmen, war das der Beginn des Konzerts. Anne Clark wurde von Gitarrist Jeff Aug, Cellist Michael Engel, Schlagzeuger Tobias Haas, Keyboarder Murat Parlak sowie Steve Schroyder am Notebook begleitet.


Anne Clarks Bühnenpräsenz passt perfekt zu ihrer Musik. So, wie sie nicht singt sondern ihre Texte spricht, steht sie auf der Stelle - beim Sprechen am Mikro, sonst weiter hinten - und wippt höchstens einmal mit dem Fuß. Meist blickt sie in Sprechpausen nach oben über den Saal und wartet auf den nächetn Einsatz. Ihre Musiker sind das Gegenteil der Frontfrau. Insbesondere Gitarrist Jeff und Keyboarder Murat kompensieren Annes Bewegungsmangel mehrfach. Jeff Aug lebt die Rhythmen auch in seinem Gesicht mit, da gab es eine Menge zu sehen! Der Unterschied zwischen den rockenden Musikern und der stoischen nicht-Sängerin war frappierend. Wenn man auf so etwas nicht vorbereitet ist, muß ein Anne Clark Konzert sehr merkwürdig aussehen.

Weil ich bei ihr so lange nicht mehr auf dem laufenden bin, kannte ich einen großen Teil des Sets nicht. Prinzipiell mag ich Annes schnellere Lieder lieber als die ruhigen Stücke, die nur Gedichte mit Hintergrund-Melodie sind. Shell song, As soon as I get home und Mundesley Beach, waren mir eine Ecke zu getragen. Im Gegensatz dazu war Elegy for a lost summer (live besser als auf Platte) ein flotter Popsong, der mich entfernt an Mumford & Sons erinnerte (auch wenn er viele Jahre älter als die ist - ich kann es aber heute auch nicht mehr nachvollziehen, warum ich mir das gestern notiert hatte!).

Erstaunlich jedenfalls, wie viel Abwechslung man rund um den immer extrem ähnlichen Sprechgesang aufbauen kann!

Mein Liebling des Abends war Abuse, eben einer meiner Anne Clark Lieblinge. Bei diesem Stück habe ich immer das Gefühl, daß es nur einen kleinen Schubser bräuchte, damit Anne den Text singt - sie macht es nicht. Im Gegensatz zu Abuse mündete Sleeper in Metropolis in einer rheinischen Mitklatschorgie - das bekommt man hier aus den Leuten eben ab November nicht raus, wenn sie Lieder hören, die sie kennen. Das war in der Zeit, als das Lied in keiner Indiedisko fehlte, nicht vorstellbar, aber die Leute werden ja auch älter.

Our darkness als letzte Zugabe hat auch von seinem damaligen Charme nichts eingebüßt. Mich nervte dabei ein wenig das knallende Schlagzeug, ansonsten aber ein würdiger Abschluß eines schönen Konzerts. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie die Auftritte der Engländerin, die ich damals gesehen habe, im Vergleich waren. Mir waren seinerzeits die Stücke näher und wichtiger, stilistisch kann es sich aber eigentlich nicht sehr geändert haben.

Schöner Abend!

Setlist Anne Clark, Stollwerck, Köln:

01: Full moon
02: Alarm call
03: Short story
04: Leaving
05: Heaven
06: Killing time
07: Off grid
08: The hardest heart
09: Echoes remain forever
10: So quiet here
11: Be drunk
12: Shell song
13: Seize the vivid sky
14: Elegy for a lost summer
15: Ajde Jano (instr.)
16: The haunted road
17: Empty me
18: As soon as I get home
19: Mundesley beach
20: Virtuality
21: Sleeper in Metropolis
22: Boy racing

23: The panther (Z)
24: Abuse (Z)

25: Our darkness (Z)



Donnerstag, 1. November 2012

M83, Köln, 31.10.12

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Konzert: M83
Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 31.10.2012
Zuschauer: annähernd ausverkauft (und jung)
Dauer: M83 70 min, TomFoolery gut 30 min


Mein letztes Konzert einzuschätzen, fiel mir enorm schwer. I Like Trains bedeuten mir enorm viel, haben sich musikalisch aber nicht immer so entwickelt, wie ich es mir gewünscht hätte. Ach, das ist so herrlich anmaßend! Verwirrt hatte mich dann am Montag im Gebäude 9, daß das Konzert so gut war, obwohl es irgendwie mit Fußballmannschaften in der Saisonvorbereitung vergleichbar war. I Like Trains spielten viele Ergänzungssongs und schonten die größten Stars (mich erinnerte das schmerzhaft an ein FC-Testspiel mit Patenkind in Limburg, um Poldi anzugucken, bei dem dann aber nur namenlose Spieler ohne Bundesliga-Erfahrung spielten - also der jetzige Kader).

Bei M83 ist die Sache so viel unkomplizierter: die Band ist mir nicht wichtig, das Konzert wollte ich sehen, weil ich immer wieder gehört hatte, wie großartig die Franzosen live seien, also aus Neugierte, weil Abwechslung gut tut, weil ich dringend mal wieder ins wundervolle Stollwerck wollte und weil ich keine Lust hatte, zu Hause alle fünf Minuten zur Tür zu laufen, um marodierende Kinderhorden mit Süßkram abzuspeisen.

Es konnte also wenig schief gehen - und genauso war der Abend auch. Eigentlich sollte man immer zu Bands gehen, die keine Herzensangelegenheit sind, das macht das Leben leichter. Wenn bei einem Lieblingskonzert die üblichen Idioten neben mir stehen, versaut das mir den Abend. Gestern waren mir die egal.

Vor M83 trat TomFoolery aus Mannheim auf. Er sang zu elektronischen Melodien vom Band. Wie üblich bei so etwas fehlten mir die echten Instrumente, der Auftritt taugte aber trotzdem und war kurzweilig.

Für den Hauptact waren die Keyboard- und Synthesizer-Batterien natürlich noch eine Ecke eindrucksvoller. Das hört man den Platten an. Erfreulich oft schnallten sich Nicolas und Anthony aber Gitarren und Bässe um - der Hauptrhythmus kam vom Schlagzeug. Daß ich das alles nicht wusste, lag daran, daß ich M83 bisher nicht gesehen hatte. Die Chance war vor ein paar Jahren schon einmal da gewesen, als sie Depeche Mode supporten sollten. Das Konzert wurde verschoben, an Stelle von M83 traten dann Nitzer Ebb auf. Bei der 20-Jahrfeier der intro im Frühjahr gab es die nächste Gelegenheit, da hatte ich mich aber aus alter Liebe für die parallel spielenden Maximo Park entschieden.

Der Auftritt im Stollwerck begann (ganz zum Tag passend) mit diesem Rüssel-Phantasie-Viech vom Midnight city Cover. Dieses Sams kam an den Bühnenrand und strahlte mit zwei grünen Lasern durch den nebligen Saal. So eröffnen sicher auch Sccoter und Sven Väth Konzerte.

Neben Nicolas und Anthony kamen der Schlagzeuger und eine Keyboarderin auf die Bühne (Morgan Kibby vermutlich). Sehr zu meinem Schrecken tauchte auch später das Saxophon, das man auf Platte hört, live auf. Neben Klarinetten sind diese Blechteile die mit Abstand fiesesten Instrumente (Saxophone ertrage ich nur gezwungenermaßen bei meinen alten Lieblingen Hazel O'Connor und Blue thunder).

Die Musik von M83 kommt ohne viele Texte aus. Einige Stücke waren ganz instrumental, andere enthielten sehr übersichtliche Lyrics. Trotzdem war es weit weniger elektronisch (heißt hier langweilig), als ich dachte. Vieles erinnerte mich an die wenigen Elektro-Bands, die ich wirklich gut kenne (und sehr mag). Ich bin ziemlich sicher, daß M83 alle 12" Maxis von New Order gehört haben. Mit anderem Gesang wäre aber auch Ladytron nicht weit entfernt, es gab auch immer wieder kurze Kraftwerk-Momente. Es kam mir manchmal sogar Team Me oder Of Monsters And Men in den Sinn, auch wenn sich das vermutlich sehr weit hergeholt anhört. Mir gefiel das Konzert jedenfalls. 

Von den gespielten Stücken kannte ich bei weitem nicht alle. Am liebsten mochte ich Graveyard girl, wenig überraschend. Die schnelleren Stücke hatten aber  einen ganz anderen Reiz, sie ließen den Boden vibrieren, ganz großartig! Ich brauche wirklich keine Massenbewegungen; Recken der Arme, gleichmäßiges Hüpfen oder fies-rhythmisches Klatschen mag ich gar nicht. Aber wenn dann der Boden wackelt, ist das schon toll. Dadurch bleibt mir das musikalisch langweilige Reunion am meisten in Erinnerung.

Ich hatte nicht viel erwartet und hatte Spaß. Kein schlechter Abend.

Setlist M83, Bürgerhaus Stollwerck, Köln:

01: Intro
02: Teen Angst
03: Reunion
04: Sitting
05: Year one, one UFO
06: We own the sky
07: Steve McQueen
08: Wait
09: Graveyard girl
10: Bright flash
11: Midnight city
12: My tears are becoming a sea

13: Guitar and a heart (Z)
14: Outro (Z)
15: Couleurs (Z)

Fotos nachher!
 


Mittwoch, 16. Dezember 2009

Peaches, Köln, 15.12.09

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Konzert: Peaches

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 15.12.2009
Zuschauer: nicht weit von ausverkauft, schätze ich
Dauer: Peaches 83 min, Hawnay Troof 30 min


Mit einer sms ("Habe zwei Tickets für Peaches heute abend im Bürgerhaus Stollwerck gewonnen. Lust mitzukommen?") änderte sich meine Abendplanung ganz spontan um kurz vor sechs noch. Warum eigentlich nicht? Das Stollwerck ist einer meiner Lieblingskonzertorte und viel zu selten Austragungsort für Konzerte. Außerdem
schaden Horizonterweiterungen nie. Zu tun hatte ich mit der in Berlin lebenden Kanadierin bisher nämlich nichts.

Als um neun das Vorprogramm startete, kam mir sofort die Geschichte mit dem geschenkten Gaul in den Sinn. Aber da mussten wir dann durch. Und weil Hawnay Troof, ein amerikanischer Rapper, offensichtlich ein anderes Bild von seiner Wirkung hat, als Kölner Publikum, mussten wir in der ersten halben Stunde auch da durch, seinen nicht endenden Mitmach-Aufrufen zuzuhören. Jeder seiner Versuche, die Zuschauer zu irgendwelchen mitgegröhlten Hey-Hos zu bewegen, scheiterte. Zu recht übrigens, auch musikalisch war Hawnay schwer zu ertragen. Immerhin erlebte Hawnay Troof noch ein klein wenig vorweihnachtlicher Gnade. Seiner Bitte, sich beim letzten Lied hinzusetzen, folgte der Großteil des Publikums. Das scheint also wirklich immer zu funktionieren.

Danach wurde zumindest die Show spektakulär. Peaches, bürgerlich Merrill Beth Nisker, tauchte in einer Art Fantasy-Kostüm auf. Sie sah wie ein Vogelmonster aus
einem Science-Fiction-Film aus. Kaum hatte man in Peaches' Kostüm den Kopf der Sängerin gefunden, zog sich die Kanadierin schon um und sah aus wie Tina Turner in Mad Max.

In der ersten Viertelstunde passierte neben den Kostümwechseln so viel, daß ich Schwierigkeiten hatte, mich auf die Musik zu konzentrieren. Was aber auch kein
Verlust war, denn Peaches' Electroclash überzeugte mich nicht sonderlich. Aber dafür, das live auszuprobieren, sind solche Konzerte aus Neugierde ja perfekt.

Nachdem Peaches u.a. eine Projektion angesungen hat, kam der große Höhepunkt des Abends (beim
dritten Lied). Die Sängerin hatte vorher schon crowdgesurft und setzte jetzt noch ein Stück Wagemut drauf. "Wenn Jesus auf Wasser gehen kann, kann ich auf euren Händen gehen!" Und das tat sie dann auch. Peaches schritt singend über ihre Fans. "Wenn ich falle, ist das Konzert sofort beendet!" Sie strauchelte ein paar mal, sang aber unbeirrt weiter. Ganz zweifellos die tollsten Minuten des Abends.

Auch wenn sie nicht fiel, war das Konzert damit im Prinzip für mich vorbei. Musikalisch war das Programm wirklich absolut nicht meine Welt, und das Effektpulver hatte die Kanadierin irgendwann verschossen. Ein (anfangs) spektakulärer Abend, der dann aber deutlich abflachte.



Samstag, 18. Oktober 2008

Klee, Köln, 17.10.08

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Konzert: Klee
Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 17.10.2008
Zuschauer: fast ausverkauft, denke ich
Dauer: Klee 130 min, Neuser 35 min


Als um zehn nach zwölf die letzten Takte von Wie das Wetter verklungen waren, hatte ich wieder einmal ein Klee Konzert erlebt, an das ich mich lange erinnern werde. Klee ist zwar mittlerweile die Band, die ich am häufigsten gesehen habe (ein Wettstreit mit Los Campesinos!), aber keiner der Abende war langweilig, keines der Konzerte mit einem anderen vergleichbar.

Zuletzt hatte ich Klee beim wundervollen Konzert in der
Kölner KulturKirche erlebt. Danach hatte ich nichts über die ersten Stationen der Berge versetzen Tour gelesen, war also herrlich unvorbereitet und sehr gespannt!

Im Stollwerck war ich ewig nicht mehr, zuletzt vor gut einem Jahr. Und ich hatte es vermisst! Das Bürgerhaus Stollwerck hat nämlich einen der schönsten Konzertsäle Kölns, der nur leider zu selten gebucht wird.

Bei Heimspielen verpflichten Klee gerne andere Bands aus Köln als Vorgruppe. Heute war es Neuser, die ich bisher nur ganz vage kannte. Sprich, ich hatte den Namen aber noch keine Musik vorher gehört. Was die vier Musiker in gut 35 Minuten ablieferten, gefiel mir recht gut und war ein ordentlicher Auftakt. Neuser bestehen aus vier Musikern, Sänger Henning Neuser (irrer Zufall!), Bassist Tim Rashid, Keyboarder Philipp Sutter und Schlagzeuger Michael Klaukien.

Setlist Neuser, Bürgerhaus Stollwerck, Köln:

01: Autopilot
02: Downunder
03: Ohne uns
04: Einbahnstraße
05: Von vorn anfangen
06: Glut
07: Es ist nie zu spät
08: Das perfekte Gefühl
09: Die Welt steht still

Schon in der KulturKirche war uns die fabelhafte Musikauswahl vor dem Klee Konzert aufgefallen. Da lief ein Hit nach dem anderen von Band. Und was ging nach Neuser mein Herz auf, als eines der schönsten Belle & Sebastian Lieder als
Pausenhighlight lief, Fox in the snow. Das ist natürlich eine Kleinigkeit, die vielen vollkommen egal ist, mich kann man mit solchen Dingen sofort erobern. Unmittelbar vor Klee folgte dann noch das wundervolle Somebody von Depeche Mode, dessen letzte Klänge übergingen in Wie weit von Klees aktueller Platte Berge versetzen.

Hinter der Bühne war die portugiesische Strandlandschaft vom Plattencover als Dekoration angebracht. Davor, zwischen zwei Pfosten, flatterten die bunten Bänder von dieser Motivserie. Da war es also nicht überraschend, daß auch Suzie das Kleid trug, das auf Berge versetzen zu
sehen ist. Tom, Sten, Daniel und Pele hatten aber auf ihre Seemannskleidung verzichtet, wobei die Seefahrt im Laufe des Abends noch eine größere Rolle spielen sollte.

Wie weit also war der Auftakt, es folgte Unverwundbar, bevor Suzie uns begrüßte bei diesem Heimspiel. Seit Berge versetzen gibt es viele neue Klee-Fans, die Sängerin erklärte also erst einmal, wie so ein Abend funktioniert: "Auf einem Klee-Konzert ist es so, daß ich zwischen den Liedern auch was sage. Ist doch langweilig, wenn man hinterher sagt: 'War super, war wie auf Platte!'"
Keyboarder Sten ergänzte: "Ihr habt Zeit mitgebracht? Wird spät heute..." Das klang da vielleicht noch übertrieben, er sollte aber Recht behalten.

Keyboarder traf es aber nicht so richtig, denn nach dem dritten Stück 2 Fragen wechselte Sten an ein Klavier, das links neben Daniels Schlagzeug aufgebaut war. Suzie kündigte das nachfolgende Lied Zwischen Glauben und Vertrauen mit der Entstehungsgeschichte an. Ursprünglich sollte es Barcelona
heißen und von der katalanischen Stadt handeln. Das fasste man dann aber allgemeiner. Suzie hinderte das nicht daran, als kleine Einstimmung den kölschen Hit Buenos Dias Matthias anzustimmen (was gut war!).

Und bei jedem der nächsten Lieder passierte auch irgendetwas Urkomisches, weil die Band neben tollen Liedern auch wahnsinnig hohe Entertainerqualitäten hat. Bassist Pele grinste und lachte den ganzen Abend über das, was Suzie von sich gab. Es war aber auch zu gut und unterhaltsam - all die kleinen Geschichten...

Bei Offene Wunden hatte Suzie plötzlich eine schlauchförmige Tröte in der Hand, der sie ein paar Töne entnahm, zu Judy Garland, dem traumhaften Lied, das nur auf der
Deluxe Ausgabe der CD enthalten ist, ruderte sie mit den bunten Flügeln, die sie auch bei anderen Konzerten schon dabei hatte. Weil es Liebe ist, sollten wir schunkelnd begleiten. Jeder habe seinen Nachbarn zu umarmen und eben zu schunkeln. Bei 7 Schritten schließlich zündete die Sängerin eine riesige Wunderkerze an, ohne sich allerdings direkt klar zu sein, wohin damit nach Ende des Lieds. Die Kerze brannte nämlich noch. Tourmanager Pese wollte sie von der Bühne tragen, während Pele vom Feuerlöscher Backstage und den Brandschutzbestimmungen sprach. Suzie, ganz pragmatisch, stopfte das Ding in eine feuerfeste Wasserflasche auf dem Klavier und wurde so Brandschutz- und Romantikanforderungen gerecht.

Die längste Ansage meiner Konzertgeschichte erlebte ich aber vor Ich laß ein Lich an für Dich. Erst einmal erschien Suzie mit einem großen Papierschiffchen und erzählte die traurige Geschichte eines Seemanns, der den Rhein hoch, dann runter (nach Aushilfe der Band) fuhr, dann über diverse Meere, da fiesen Tentakeln (vermutlich mit Tieren dran) und anderem Unbill begegnete und dabei nach und nach Teile seines Schiffs verlor. Sie wollte danach aber auch noch erzählen, was jahrelang ihre Theorie war, wieso man keine Zigaretten an
Kerzen anzünden solle, war sich aber nicht sicher, ob das nicht zuviel Geschichten und zu wenig Musik war. Sie erzählte aber - und es war wie üblich köstlich und sehr unterhaltsam! Zwischendurch sang sie noch ihren Lieblingsseefahrersong Jamaica farewell von Harry Belafonte an. Hach!

Vor Berge versetzen passierte gar nichts... Aber das Lied, die nächste Single, ist auch ohne Geschichten eine große Sache.

Zu Du und Ich gab es für mich die nächste große Überraschung: Gitarrist Tom schnallte sich ein Akkordeon um. Sten saß immer noch am Klavier. Gegen Ende dieses wirklich unglaublich schönen Lieds, stieg dann Suzie zu ihm und begleitete Sten am Piano. Ein großartiges Arrangement dieses Highlights! Hinterher stellte Suzie fest, daß sie sehr wohl selbst gespielt habe, Sten ihr aber zur Hilfe Pünktchen auf die Tasten geklebt habe, die sie spielen musste. "Aber die brauchst Du doch gar nicht..."

Zu Tausendfach wechselte er wieder ans Keyboard, Suzie stimmte zwischendurch kurz Hey Kölle, du bis e Jeföhl an, tanzte Macarena... und das Konzert ging seinem
Ende entgegen - mit den tanzbarsten Stücken Standard kompakt, Die Königin, Zwei Herzen und Lichtstrahl. Wer die kennt, weiß, was für ein perfekter Konzertabschluß ist - vor den Zugaben!

Zu denen kam Suzie dann umgezogen in scharzem Kleid und mit Zylinder. Gottseidank ist Erinner Dich wieder im
Live Programm der Band, das Lied ist schließlich einer meiner ganz großen Lieblinge und eines der besten deutschen Popstücke. Der Zylinder wich einer Krone, unter der Suzie erklärte, daß Klee für den gleichnamigen Einslive-Preis als beste Band nominiert seien, Aus "as best band" wurde zwischen Suzie und Pele schnell Asbest-Band (hier kann man die anderen Asbest-Band Nominierten sehen und vor allem abstimmen!).

Gold, das wahrscheinlich bekannteste Lied, war aber auch noch nicht Abschluß dieses Homecoming gigs. Die Band erschien wieder, Suzie diesmal mit einer schwarzen Jugendstil Federkappe ("mein Rabenkostüm"). Ein
nächstes Lieblingslied, das grandiose Die Stadt und Wunschfrei kamen und waren wie immer klasse. Und dann kam der anfangs erwähnte Abschluß mit Wie das Wetter. Bei ersten Hören der Platte fiel mir dieses Stück als ganz besonders auf, nicht nur, weil es ein Duett zwischen Suzie und Sten ist. Für die Band ist es das auch, wenn es als letztes Lied eines langen Konzerts angesetzt wird. Und es war nicht bloß musikalisch aufregend!

Der Roadie hatte zwischendurch einen Ventilator auf die Bühne gestellt. Daniel, Tom
und Pele hatten anfangs keine Parts und hatten sich unbemerkt Winteroutfits angezogen. Und Suzie ließ es schneien... Wundervoll! Mit einfachen Mitteln entstand eine zauberhafte Stimmung, für die die Madonnas dieser Welt vergeblich Hunderttausende für Special effects bei ihren Shows ausgeben. Ein großartiger Abend mit einer unfassbar sympathischen Band!

Setlist Klee, Bürgerhaus Stollwerck, Köln:

01: Wie weit
02: Unverwundbar
03: 2 Fragen
04: Zwischen Glauben und Vertrauen
05: Offene Wunden
06: Judy Garland
07: Weil es Liebe ist
08: 7 Schritte
09: Ich laß ein Licht an für Dich
10: Berge versetzen
11: Du und Ich
12: Für alle, die
13: Tausendfach
14: Standard kompakt
15: Die Königin
16: Zwei Herzen
17: Lichtstrahl

18: Erinner Dich (Z)
19: Nicht immer aber jetzt (Z)
20: Gold (Z)

21: Die Stadt (Z)
22: Wunschfrei (Z)
23: Wie das Wetter (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Das Klee Fankonzert in der KulturKirche in Köln am 22.08.08
- Klee, Melt!, 18.07.08
- Klee, Köln, 07.06.08
- Klee, Köln, 17.05.08
- Klee, Saarbrücken, 30.05.07
- Klee, Köln, 22.03.07
- Klee, Köln, 26.10.06

- mehr Fotos aus dem Bürgerhaus Stollwerck





Mittwoch, 19. September 2007

Shout Out Louds, Köln, 18.09.07

1 Kommentare

Konzert: Shout Out Louds & The Concretes

Ort: Bürgerhaus Stollwerck Köln
Datum: 18.09.2007
Zuschauer: voll


Auf dem diesjährigen Haldern-Festival waren die Shout Out Louds eines der unbestrittenen Highlights. Kein Wunder also, daß das gestrige Konzert in Köln so nachgefragt war, daß es erst vom Prime Club ins größere Stollwerck verlegt worden und gestern wohl ausverkauft (oder nahezu ausverkauft) war.

Als Vorgruppe hatten die Shout Out Louds die hochgelobten Concretes aus Schweden mitgebracht. Nach dem Ausstieg ihrer Sängerin Victoria Bergsman (welch ein Name!) besteht die Band aus sieben Mitgliedern, den beiden Sängerinnen Maria Eriksson und Lisa Milberg, sowie fünf Männern, die teilweise mehrere Instrumente spielen. Manchmal standen drei Gitarren und Bass auf der Bühne, bei anderen Liedern spielten einige der Gitarristen Keyboard. Lisa Milberg ist angeblich
Schlagzeugerin der Band, gestern sang die blonde Frau, die wohl ein sehr knappes grünes Batik-Hemdchen trug (ich habe nur den oberen Teil sehen können), allerdings nur, am Schlagzeug saß stattdessen ein eindeutig männliches Mitglied der Concretes. Merkwürdig...

Vorher kannte ich nicht viel von der Band aus Stockholm. So richtig umgeworfen hat mich der Auftritt in Köln nicht. Ich fand es eher unaufregend. Vielleicht tue ich den Concretes damit unrecht, ich hatte aber auch nicht den Eindruck, daß das Publikum richtig ausgeflippt war.

Ausflippwillig war das Publikum im Stollwerck aber durchaus! Denn als die Shout Out Louds dann auftraten, war die Stimmung sofort sagenhaft gut. Sänger Adam Olenius, Gitarrist Carl von Arbin, Bassist Ted Malmros, Schlagzeuger Eric Edman
und Keyboarderin Bebban Stenborg, die wohl im August laut der Shout Out Louds Website noch mit Lungenproblemen im Krankenhaus lag ("And the hospital in Oslo where Bebban spent 10 days after her lung exploded"). Die zurückliegende Krankheit erklärt vielleicht die dunklen Augenränder bei Bebban, in Haldern hatte sie die allerdings auch schon, vielleicht ist es einfach nur ein sehr exzentrischer Schminkgeschmack. Bebban war jedenfalls wieder dabei und spielte während des Konzerts neben Keyboard auch Akkordeon, teilweise beides gleichzeitig!

Über der Bühne hingen die Fahnen vom Albumcover von
"Our ill wills". Da bedeuten sie ja, wenn mich nicht alles täuscht, in dieser Seefahrtsflaggensprache "Shout Out Louds - Our ill wills". Gestern stand dann da nur der Bandname (leider nicht irgendwas wie "Fuck you").

Adam trug das gleiche Hemd wie in Haldern, auch die Setlist war die gleiche, ergänzt um ein paar zuätzliche Lieder ("
Oh, sweetheart" und "Seagull") - gleich war aber eben auch, wie großartig die Stockholmer Band live ist. Es war unfassbar toll, den tanzenden, hüpfenden, staubenden, wippenden Saal von oben zu beobachten! Die grandiosen Pop-Melodien der Band (nicht nur "Tonight I have to leave it") sorgen fabelhaft für Stimmung. Dazu die Glöckchen, Rasseln, das Akkordeon, der Gesang von Adam, der einen hohen Wiedererkennungswert hat, die fünf Shout Oud Louds machen einfach eine sensationelle Popmusik, die live aber wie so vieles noch eine gute Portion besser ist. Und bei welcher Popband sieht man schon Crowdsurfer und einen Mob vor der Bühne, der tanzt, als stünden da die Ramones auf der Bühne.

Es ist wirklich schwer, irgendwelche Höhepunkte im Programm auszumachen. Natürlich sind die riesigen Hits vom aktuellen Album wie "
Tonight I have to leave it" oder "Time left for love" echte Knaller, "Please please please" ist auch einer meiner Lieblinge. Gestern hat mich aber auch "Impossible" in einer besonders langen Version vollkommen begeistert.

Überhaupt keine Frage, die Shout Out Louds sind durch zwei wundervolle Konzerte eine meiner liebsten Livebands geworden (ok, das sind nicht ganz wenige...). Die Band spielt einige Konzerte in Deutschland, der Schweiz und Österreich, die sollte man sich nicht entgehen lassen!

Setlist Shout Out Louds Köln:

01: Intro
02: Time left for love
03: The comeback
04: Suit yourself
05: Please please please
06: Impossible
07: South america
08: 100°
09: Parents living room
10: Oh, sweetheart
11: You are dreaming
12: Tonight I have to leave it

13: Hard rain (Z)
14: Meat is murder (Z)
15: Very loud (Z)
16: Seagull (Z)

Links:

- mehr Fotos
- die Shout Out Louds in Haldern

Konzerttermine Shout Out Louds:


19.09.07: München
20.09.07: Bern
21.09.07: Lausanne
22.09.07: Erlangen
24.09.07: Heidelberg
25.09.07: Innsbruck
26.09.07: Salzburg
27.09.07: Dresden
28.09.07: Leipzig
29.09.07: Hamburg (Reeperbahn Festival)
30.09.07: Regensburg
01.10.07: Berlin



Freitag, 4. Mai 2007

Ash, Good Shoes & Muff Potter, Köln, 03.05.07

1 Kommentare

Konzert: Ash, Good Shoes & Muff Potter (Visions Spring Tour)

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 03.05.2007
Zuschauer: sehr dürftig besucht


Man kann über diese Musikzeitungs-Konzerte sagen, was man will: Das Line-Up der Visions Spring Tour, die gerade durch Deutschland zieht, ist unbestritten exzellent. Neben den jungen, sehr gehypten englischen Bands The Enemy und Good Shoes waren Muff Potter und Ash aus Irland für die Mini-Tour angekündigt.

Als ich vollkommen abgehetzt im Bürgerhaus Stollwerck ankam, folgte gleich eine Ernüchterung: "The Enemy fällt krankheitsbedingt aus", stand auf einem Zettel am Eingang. Das war bitter, weil ich die jungen Engländer gerne gesehen hätte - und weil auf einmal eine Stunde zu überbrücken war.

Nach irre langem Warten ging es dann laut Zeitplan pünktlich um zehn vor neun mit den Good Shoes los. Die Debüt-Platte der Londoner (sie stammen aus Morden, einem Londoner Vorort) "Think before you speak" habe ich einige Male gehört, seit ich Sie bei iTunes gekauft habe - und sie gefällt mir außerordentlich gut. Also war ich sehr gespannt, ob die Band live hält, was ich mir von ihr versprach. Und das tat sie. Auch meine wenigen Mithörer hatten sichtbar Spaß am Auftritt der Good Shoes, denn die Stimmung war trotz des leeren Saals prima. Die Zuschauermenge war aber wirklich frustrierend. Ich denke, jede Schülerband hat bei Auftritten an ihrer Schule mehr Zuhörer. Traurig, daß eine Band, die im vergangenen Jahr (ohne bis dahin eine Platte veröffentlicht zu haben) beim Reading and Leeds Festival gespielt hat, vor 50 Leuten spielen muß. Aber das scheinen die vier Jungs um Sänger Rhys Jones erfolgreich verdrängt zu haben, denn sie spielten, als stünden sie auf einer großen Bühne. Man mag jetzt über die vielleicht wenig originelle Musik streiten, mir hat der Auftritt aber viel Spaß gemacht. Der 30-Minuten Auftritt begann wie die Platte mit dem herausragenden "Nazanin", gefolgt von "The photos on my wall." Weitere Highlights waren natürlich die Single "Mo-hor-den, Morden, Mo-hor-den" und "Never meant to hurt you." Sänger Rhys sagte mir hinterher, daß die Band im September, Oktober noch einmal in Deutschland ist, in Köln werden sie im Prime Club auftreten.

Setlist Good Shoes:

01: Nazanin
02: The photos on my wall
03: Wait
04: Ice age
05: Blue eyes
06: Everybody's talking
07: Never meant to hurt you
08: Morden
09: We are not the same
10: All in my head

Sehr angenehm war, daß der Tonmann (so wie ich) das neue Modest Mouse Album toll findet, denn das lief in jeder Pause, mindestens dreimal komplett. Die folgende Umbaupause für Muff Potter war dann auch aufwendiger, denn da mußte nicht nur ein riesiges Transparent hinter der Bühne aufgehängt werden, sondern auch die Bühne liebevoll mit gemütlichen Wohnzimmerlämpchen dekoriert werden. Zu Muff Potter hatte ich vorher keine rechte Meinung, ich kannte nur ein paar Lieder, war aber bisher nicht neugierig genug, mich damit intensiver auseinander zu setzen. Der Großteil des Publikums war aber wohl wegen Muff Potter da, denn so voll (nicht voll, nur voller) war es vor- und nachher nicht.

Mit Bands aus Münster scheine ich mich schwer zu tun. Samba und Ghost of Duweißtschonwer hatten mich dieses Jahr schon ziemlich wenig begeistert. Muff Potter gehört natürlich nicht in die gleiche Liga, wie die Nachbarn. Ich kann schon verstehen, daß die Band eine große Anhängerschaft hat. Aber mich haben sie nicht vom Hocker gerissen. Schade. Ich will jetzt auch nicht behaupten, daß die Band das schuld ist, mir gefällt dieses Virginia Jetzt! in gitarrenlastiger einfach nicht so gut wie anderes. Aber der Großteil des Publikums war restlos begeistert, tanzte, sang mit und hatte Spaß. Und der Auftritt war hochprofessionell und gut.

Und sie haben mich dann doch noch bekommen... Sänger Thorsten fragte irgendwann, ob Express-Leser da seien. Sein Schlagzeuger Brami wolle nämlich
dringend wissen, was aus Frank Fussbroich nach all dem Scheiß geworden sei. Sehr schön! Ich werde nachher mal recherchieren, denn das interessiert mich auch. Der Junge hat ja so viel Pech gehabt. Thorsten bedankte sich auch noch bei den anderen Bands und bedauerte, daß The Enemy schon abgereist seien. Aber er hätte die auch nicht kennengelernt, denn die seien 16 und hätten wohl Angst vor älteren Herren. In der Halle war übrigens striktes Rauchverbot. Das habe ich bisher nur einmal im Gebäude 9 erlebt, als The Wedding Present das gewünscht hatten. Hier liefen dann wirklich Ordner rum, die mit "Hier wird nicht geraucht" (was ja so sprachlich nicht ganz korrekt war), auf Kippenjagd gingen. Muff Potter fragten dann auch, ob das toll oder scheiße sei, daß es ein Rauchverbot gebe, sie fänden das eher scheiße. Aber ich schweife ab. Toller Auftritt von Muff Potter, auch wenn es nicht ganz meine Musik ist.

Setlist Muff Potter:

01: Punkt 9
02: Wunschkonzert
03: Wenn, dann das hier
04: Elend 16
05: Take a run at the sun
06: Bitter Lemon
07: Born blöd
08: Wir sitzen so vor Molotow
09: Fotoautomat
10: Den Haag
11: Allesnurgeklaut

Um elf kam dann der Hauptgrund meiner Anwesenheit, Ash (ausgesprochen Ash wie Asche und nicht Ash wie Esche, Thorsten!). Ich hatte die Band, die ich seit Jahren liebe, bisher erst einmal gesehen, bei einem der spektakulärsten Line-Ups, die ich bisher erlebt habe. Damals trat (ich schreibe das jetzt ganz leise) Robbie Williams im Müngersdorfer Stadion auf. Vorgruppen waren Ash und New Order. Unabhängig davon, daß es immer schon mein Traum war, im Innenraum des FC-Stadions zu stehen, traten damit zwei meiner Helden auf. Ash kannten (hatte ich den Eindruck) außer einer Freundin und mir kaum Leute und New Order verlebten sicher einen der schrecklichsten Abende ihrer Karriere. Nach einer Weile kündigte Sänger Sumner fast jedes Lied an mit "Das werdet Ihr auch wieder nicht kennen, es war aber Hit in England." Ich habe mitgelitten.

Die Tour jetzt ist die erste nach dem Ausstieg der Gitarristin Charlotte. Ash traten also in Besetzung Gitarre & Gesang, Bass und Schlagzeug auf. Und es klang wirklich gut. Die Band spielte einige liebgewonnene Lieder von den Alben "1977" und "Free all angels" und "Meltdown", vor allem aber einige neue Titel, die auf der im Juli erscheinenden CD enthalten sein werden. "You can't have ist all" ist bei iTunes bereits als Vorabveröffentlichung erhältlich, "Ritual", "Polaris", "Twilights of the innocents" und die Zugabe "I started a fire" waren neu für mich. Stilistisch bewegen die sich in der 1977-Ecke, denke ich, "You can't have it all" ist sogar eine Ecke poppiger als vieles andere, ich denke, daß darin ein großes Hitpotential liegen wird. Meine Vorfreude auf die CD hat die Band in Köln massiv erhöht.

Leider, das ist wieder der rote Faden, war es wieder merklich leerer als bei Muff Potter. Ein so tolles Konzert vor solch jämmerlicher Kulisse ist wirklich eine Verschwendung. Ash sind eine brillante Live-Band. Der Gesang ist top, die sehr retroaussehenden Instrumente bedienen die Ashs perfekt. Es war ein ganz großes Vergnügen, den Verrenkungen des Bassisten zuzusehen. Schade, daß das nicht mehr Leute erlebt haben.

Setlist Ash:

01: Burn baby burn
02: Orpheus
03: You can't have it all
04: Goldfinger
05: Ritual
06: Walking barefoot
07: Polaris
08: A life less ordinary
09: Oh yeah
10: Girl from Mars
11: Twilight of the innocents

12: I started a fire (Z)
13: Kung Fu (Z)



Samstag, 14. April 2007

Blumfeld, Köln, 13.04.07

2 Kommentare
Konzert: Blumfeld
Ort: Bürgerhaus Stollwerck Köln
Datum: 13.04.2007
Zuschauer: randvoll

Wahrscheinlich hätte ich mir keine Karte für Blumfeld in Köln gekauft, wenn es nicht die Abschiedstournee der Hamburger Band wäre, die sie heute ins Bürgerhaus Stollwerck geführt hat. Ich mag Blumfeld lange schon, höre auch immer wieder ihre ausgezeichnete Musik, hätte aber vermutlich gedacht, die kannst Du irgendwann noch mal sehen, zur Zeit gibt es Spannenderes.

Eine Mischung aus Torschlußpanik und Katastrophentourismus ließ mich dann aber doch frühzeitig eine Karte bestellen, eine gute Idee, denn das Stollwerck war sehr schnell sehr voll.

Im Saal war der Bühnenaufbau bereits abgeschlossen und alles deutete darauf hin, daß keine Vorgruppe auftreten würde. Und so sollte es dann auch sein. Gegen neun kamen die Bandmitglieder im Saal an, um halb zehn traten Jochen Distelmeyer und Kollegen auf die Bühne, die dankenswerterweise wieder nicht durch Gitter geschützt war. Das war aber auch vollkommen unnötig, denn das Publikum war gereifteren Alters und alles andere als auf Krawall gebürstet. So war das nämlich vermutlich auch mein erstes größeres Konzert, bei dem viele der Besucher Rotwein tranken, den es an den beiden Theken im Stollwerck gab.

Ich hatte nichts Näheres über die Gründe der kommenden Auflösung der Lieblingsband aller deutschen Musikkritiker gelesen, hatte aber vermutet, daß solche Auflösungen meist nach Streitereien in Bands erfolgen. Das Verhalten der vier Bandmitglieder (Sänger Distelmeyer, Bassist Precht, Keyboarder Albrecht und Schlagzeuger Rattay) ließ allerdings auch nicht ansatzweise auf Streit schließen. Alle vier wirkten ausgesprochen fröhlich, besonders Jochen Distelmeyer und Lars Precht schienen viel Spaß zu haben und grinsten sich permanent an. Jochen Distelmeyer vergaß aber nicht, deutlich darauf hinzuweisen, daß wir alle aus einem traurigen Grund heute da seien, uns Blumfeld aber auf Platte erhalten bleibe. Allerdings sagte er auch irgendwann: [...] "sollte das die letzte Blumfeldtour sein"... Also, wer weiß, was da noch kommt.

Wie unglaublich viel Talent in der Musik der Hamburger steckt, wurde heute
eindrucksvoll klar. Distelmeyers einprägsame Stimme und die darauf abgestimmte Musik erzeugen allerbesten Indiepop, den ich in einem Atemzug mit beispielsweise Sufjan Stevens nennen würde.

Das reguläre Set bestand aus 15 Titeln aus allen Phasen der Band, von "Draußen auf Kaution" bis "Tics". Besonders gut kamen meiner Meinung nach "Diktatur der Angepaßten" und "Armer Irrer" an. Vor "Armer Irrer" (wie auch in anderen Pausen)
brüllten Leute ununterbrochen Titelwünsche, was Jochen Distelmeyer grinsend die Stimmpausen verfluchen ließ!

Daß das heute keine lästige Pflicht für die Band sein würde, war schnell klar. Also hatte auch niemand Bedenken, daß es keine Zugaben geben könnte. Die Band tauchte auch schnell wieder auf, um dann insgesamt neun (!) zusätzliche Lieder in zwei Zugaben zu spielen, eigentlich also ein zweites Konzert direkt im Anschluß. Bei "Graue Wolken", Lied 20
immerhin, sagte Distelmeyer, er sei jetzt warmgespielt... Später, bei einer der letzten Zugaben, war ihm allerdings schon so warm, daß der immer wieder kurz auftretende zusätzliche Gitarrist (und Gitarrenstimmer) ihm während des Stücks den Schweiß von der Stirn wischte!

Die erste Zugabe endete mit "Verstärker" und den Zeilen: "Everytime we say goodbye, I die a little bit." Ein so trauriges Ende hätte dem Konzert aber vollkommen
widersprochen, also kamen noch zwei zusätzliche Lieder, "Schmetterlings Gang" und "Die Welt ist schön". Und ja, die Welt war heute abend im Bürgerhaus Stollwerck schön. Sehr schön sogar.

Ich wäre ein Idiot gewesen, hätte ich das verpaßt. So dachten das sicher auch die zahlreichen Zuschauer, u.a. Visions Chefredakteur Carsten Schumacher. 135 Minuten Konzert, eine Band die sich zweimal verbeugend aber auch klatschend von ihrem Publikum verabschiedete, "Danke" und "Kommt wieder" Rufe aus dem Saal, es war ein feierlicher und sehr würdiger Abschied. Aus einem traurigen Anlaß wurde etwas, was die Leute guter Laune nach Hause gehen ließ. Zuletzt habe ich so etwas im Mai 1998 auch in Köln erlebt. Da stieg der 1. FC Köln vor feiernden Fans und Trude Herrs "Niemals geht man so ganz" erstmals ab...


Mehr Fotos hier.

Setlist Blumfeld:

01: Draußen auf Kaution
02: Mein System kennt keine Gnade
03: 2 oder 3 Dinge, die ich von Dir weiß
04: Weil es Liebe ist
05: Ich - Wie es wirklich war
06: Tics
07: Der Apfelmann
08: Wir sind frei
09: Eintragung ins Nichts
10: In der Wirklichkeit
11: Armer Irrer
12: Der Sturm
13: Sonntag
14: Die Diktatur der Angepaßten
15: So lebe ich

16: Tausend Tränen tief (Z)
17: Immer wieder Liebeslieder (Z)
18: Penismonolog (Z)
19: Zeittotschläger (Z)
20: Graue Wolken (Z)
21: Kommst Du mit in den Alltag? (Z)
22: Verstärker (Z)

23: Schmetterlings Gang (Z)
24: Die Welt ist schön (Z)

Last Chance to see:

16.04.07: Frankfurt
17
.04.07: Heidelberg
18
.04.07: Freiburg
20
.04.07: Konstanz
21
.04.07: Dornbirn (A)
25
.04.07: München
29
.04.07: Berlin
30
.04.07: Berlin
20.05.07: Würzburg
24.05.07: Hamburg
25.05.07: Hamburg



Dienstag, 27. Februar 2007

Karpatenhund, The Magic Numbers & Aereogramme, Köln, 26.02.07

0 Kommentare
Konzert: Karpatenhund, The Magic Numbers & Aereogramme (Hurricane Southside Clubtour II)
Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 26.02.2007
Zuschauer: Leider bei weitem nicht ausverkauft

Als ich vor einigen Wochen die Karte für die Clubtour des Hurricane bzw. Southside Festivals gebucht habe, wußte ich nur, daß The Magic Numbers, Get Cape. Wear Cape. Fly. und Aereogramme im Bürgerhaus Stollwerck auftreten sollten. Kurz vor Razorlight in Heidelberg hatte ich dann gelesen, daß auch Karpatenhund bei diesem Minifestival dabei sein sollten. Da ich wohl nicht richtig verbergen kann, wie gut mir die Kölner Band gefällt, war ich natürlich sehr begeistert. Für 14,55 € zwei Bands, die ich sehr schätze und zwei, auf die ich neugierig war, zu sehen, ist kein so schlechter Deal. Bei einem Grönemeyer-Konzert bekommt man dafür wohl maximal ein "sich tröööööt" geboten.

Im Stollwerck war ich lange nicht mehr. Im letzten Jahr habe ich da zwei der besten
Konzerte des Jahres gesehen: Die Arctic Monkeys und Art Brut. Ich hatte damit gerechnet, daß der Abend wegen der vier Bands vermutlich nicht viel nach acht beginnen würde. Als ich um kurz vor acht ankam, war der Laden noch sehr leer und wirkte viel kleiner als ich ihn in Erinnerung hatte.

Kurz vor neun - der Laden war immer noch ziemlich spärlich gefüllt - fing dann Karpatenhund an. Mittlerweile kenne ich einige Lieder, eigentlich alle, denke ich. Aber auch beim dritten Mal habe ich mich prima amüsiert. Allerdings war die Stimmung leider nicht so gut, wie bei den ersten Malen. Ich denke, daß das an dem zu leeren Raum und dem Aereogramm-Publikum lag, das eben ein anderes ist, als das von Razorlight, nicht an der Leistung der Band, denn die war wieder sehr unterhaltsam und gut. Es war auch nicht so, daß keine Stimmung aufgekommen wäre, keine Frage. Aber es war eben merklich ruhiger als in Heidelberg oder in der Live Music Hall. Auch heute hatte ich wieder das Gefühl, daß Karpatenhund (beziehungsweise "Karpenten", wie die Magic Numbers sie nannten), das Publikum ruckzuck von sich überzeugen konnten.

Setlist Karpatenhund:
01: Ist es das, was Du wolltest?
02: Nicht wirklich glücklich
03: Sendet Gegner
04: Alles ist schiefgegangen
05: Ich will, daß Du bleibst
06: Neonlicht
07: Meer
08: Tag, der nicht vergeht
09: Ich will mich nicht mehr verlieben
10: Gegen den Rest*

Nach dem Umbau kamen für mich überraschend die Magic Numbers auf die Bühne. Erwartet hatte ich Get Cape. Wear Cape. Fly. Die hatten aber die Tour abgesagt, also traten schon früh die langhaarigen und bärtigen Londoner auf. Das erste Lied war gleich das fantastische "This is a song" vom aktuellen Album. Mich hat vom ersten Moment an fasziniert, wie perfekt die Stimmen der beiden Frauen und des Sängers miteinander harmonieren. Das ist mir selten so irgendwo aufgefallen. Auch wenn das Konzert
schrecklich laut war, war es ein einmaliger Genuß. Die Musik der beiden Geschwisterpaare hat etwas sehr Ästhetisches.

Irgendwann sagte Sänger Romeo, daß das heute ein besonderer Abend für sie sei. Denn vor genau vier Jahren hätten die Magic Numbers ihren ersten Auftritt gehabt. Herzlichen Glückwunsch! Ein weiterer Höhepunkt des Konzerts war "Slow down", das irgendwann fließend in ein "Running up that hill"-Cover übergeht. Wundervoll!

Setlist The Magic Numbers:
01: This is a song
02: Forever lost
03: The mule
04: Take a chance
05: I see you, you see me
06: Running out
07: Slow down
08: Love me like you
09: Mornings 11

Beim nächsten Umbau sah die Bühne komisch aus. Das Schlagzeug stand nicht hinten mittig sondern ganz links, rechts stand eine Pauke und ein Mikrophon für einen Sänger und in der Mitte war viel Platz. Da sollten sich dann, als der Hauptact
des Abends (für mich nicht) auftrat, zwei Typen (Gitarre und Bass), die wie die großen Brüder der Magic Numbers aussahen, aufbauen. Der glatzköpfige Sänger nahm rechts an der Pauke Platz.

Aereogramme ist sicher sehr interessant, mir hat sich die Musik der Gruppe heute nicht erschlossen. Ich hatte einige Titel vorher quergehört. Das heute war wirklich originell aber dann doch nichts für mich. Wahrscheinlich war es aber auch sehr unglücklich, vorher einen solchen Höhepunkt wie die Magic Numbers zu erleben.

Fazit: Zwei tolle und ein nettes Konzert, in der Chronologie.

*Als ich mir die Setlist von Karpatenhund einsteckte, kam die Super Nanny der Konzertordner und sagte mir: "Das macht man nicht".


 

Konzerttagebuch © 2010

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