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Samstag, 27. Januar 2018

Blumfeld, Düsseldorf, 16.12.2017

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Konzert: Blumfeld
Ort: Düsseldorf, zakk
Datum: 16.12.2017
Dauer: ca.100min
Zuschauer: ca.800 ausverkauft


Das ehrwürdige zakk in Düsseldorf veranstaltete bereits zum zweiten Mal das Lieblingsplatte-Festival. Zur Aufführung kommen wichtige, deutsche Alben in voller Länge.

In diesem Jahr waren Blumfeld eingeladen worden ihr Frühwerk "Ich-Maschine" zu präsentieren. Die Band, eigentlich ja aufgelöst, hatte vor Jahren ja eine kurze Reuniontour vollzogen, seitdem gab es leider, außer Distelmeyers Solo-Aktivitäten keine weiteren Lebenszeichen mehr.

Jetzt also der Monolith der Hamburger Schule in Düsseldorf. Blumfeld haben im Laufe ihrer Tourneen oft das zakk besucht, das "Ausverkauft" Schild war daher Formsache und der Altersdurchschnitt im Publikum lag auch deutlich über 35 Jahre.

Distelmeyer kommt auf die Bühne und beginnt, wie eigentlich immer, mit einem mehr minütigen Stimmen seiner Gitarre. (Seit jeher ein fester, aber nahezu unergründlicher Bestandteil jeder Blumfeld-Show). 

Ich-Maschine wird sofort nonstop präsentiert. Jede der auf dem Festival spielenden  Band gestaltet den Ablauf anders. Leider ist der Sound an diesem Abend etwas sehr rau, die so wichtige Stimme wirkt laut und hart und scheint sich gegen die anderen Instrument behaupten zu müssen. 


Das ist schade, denn die große Stärke der Blumfeld Songs liegt ja gerade darin, dass sie auch nach x-maligem Hören nicht langweilig werden, was mir  bei deutschen Texten ja sehr selten passiert. Jochen ist jedenfalls bester Laune, preist sich "Ich bin der geilste" (ironisch) und das kleine Festival, erzählt wie immer Herrenwitze und bedankt sich überschwänglich bei seinen Mitmusikern.

Diese, so betont er, haben sich seit Jahren "nicht mal mehr zum Kaffee" getroffen. Vielleicht wirkt auch deshalb dieser erste Teil der Show etwas hölzern. Nur ganz selten weichen die Versionen von denen der Platte ab, alles wirkt sehr konzentriert. 

Das ist der Preis, den man für die Exklusivität der Lieblingsplatten manchmal in Kauf nehmen muss. Es ist eben nicht die übliche Standardshow. Das kann toll sein, aber auch anstrengend. 


Blumfeld bekommen aber anschließend noch spielend die Kurve. Sobald die Pflicht erfüllt ist startet ein Best-of Programm, welches die alten Stärken sofort markant aufblitzen lässt. "Ich, wie es wirklich war" und "Diktatur der Angepassten"  lassen selbst die letzten Zurufe aus dem Publikum verstummen. Selbst das tot gespielte "Verstärker" strahlt hier nochmal mit seinem pumpenden Bass und vertracktem Arrangement.

Als Rausschmeißer dient heute "Kommst du mit in den Alltag", eine von Distelmeyers schönsten Liebeserklärungen an die Zeit nach der großen Verliebtheit, hier mit einem Snippet von Dylans "You`re a big girl now" veredelt.

"Quo vadis ?" Blumfeld, bleibt die letzte offene Frage nach dem Konzert....die Rückbesinnung auf alte Stärken ist erfolgt, warum dann nicht auch wieder zusammen in die Zukunft blicken ? 


Dienstag, 19. April 2016

Jochen Distelmeyer, Düsseldorf, 18.04.2016

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Konzert: Jochen Distelmeyer
Ort: Düsseldorf - ZAKK-Club
Datum: 18.04.2016
Dauer: 90min
Zuschauer: 350(ausverkauft)

Meine erste Begegnung mit Jochen Distelmeyer war eine SPEX-Ausgabe aus dem Jahr 1992, in der ein Interview zur Debüt-Platte "Ich-Maschine" erschienen war. Für mich war der Text damals nur außerhalb der Substantive als deutsche Sprache erkennbar, verhandelt wurden die hohe Kultur und Politik, sowie philosophische Kniffe in Blumfelds Texten.

Ich legte das Interview und das Album zur Seite und wurde erst mit "L`etat et moi" Fan der Band. Entscheidende 2 Jahre älter Verstand ich immer noch wenig von dem, was Distelmeyer der Welt mit seinen Songs sagen wollte, aber die Musik packte mich durchgängig. So dringlich und intensiv hatte ich deutsche Musik bis dahin nicht wahrgenommen.

Blumfelds weiterer Weg war konsequent und mutig. Jede Platte die folgte, war eine Schritt hin zum Ende des Tunnels, so als wäre alles von langer Hand über die fast 14 Jahre geplant worden. Es wurde poppiger, dann unpolitischer, liebevoller und am Ende stand der "Apfelmann". Sinnbild des in sich ruhenden Künstlers, der von seinem Ego "Ich" zur Natur und zur Fabel gefunden hatte.

Ein weiter Weg. Immer wieder wurde versucht, auch in den späteren Texten politische oder kulturelle Sinnbilder und versteckte Deutungen zu finden, ob es sie wirklich gab kann nur der Künstler beantworten. Dabei wurde die Musik nie belanglos. Komponieren und seine warme, markante Stimme blieben immer sein Trumpf.

Nachdem das Kapitel Blumfeld sinnvoll beendet war, gab es erstmals einen Bruch in Distelmeyers Werk. Ein Soloalbum folgte, schön zwar, aber ohne greifbaren, neuen Ansatz. Danach folgte, was vielen Künstlern in einer solchen Situation einfällt: Ein Buch, eine kurze Reunion und dann als zweites Soloalbum, eine CD mit Coverversionen.



Auch wenn Distelmeyer mit Sicherheit Monate mit der Zusammenstellung verbracht hat, rund klang es nicht wenn auf Britney Spears, Radiohead folgt und die Platte nur spärlich instrumentiert ist. Um so erstaunter war ich als die jetzt laufende Akustik-Tournee angekündigt wurde. Würde das Konzept tragen ? 

In Düsseldorf brauchte sich der Künstler darüber wenig Gedanken machen. Auf fast jeder Tour ist er hier zu Gast, das Kulturzentrum ZAKK (diesmal wurde der kleinere Saal gebucht) ist eine feste Größe aus Blumfelds Zeiten, auch auf seiner Lesereise machte er hier Station. Das Konzert beginnt auf die Minute pünklich, ohne Vorband um 20:30 Uhr.

Zum Glück hat Distelmeyer einen Keyboarder mitgebracht, dies sollte dem Sound des Abends sehr gut tun. Der Künstler ist bester Laune, scherzt von Beginn an mit den Zuschauern und startet mit dem Aztec Camera Song "On the Avenue". Danach sofort das erste Highlight: "Tragedy" von den Bee Gees, leider nicht auf dem Album, entfaltet eine ganz eigene Stimmung.

Die ruhige Version ist äußerst gelungen, die Stimme Distelmeyers und das Keyboard schmeicheln dem Song und es passiert das, was bei einer guten Coverversion passieren muss: Es wird zu seinem Song. 

Supertramps "Take the long way home" ist dagegen eine zu einfache Wahl, den Song kann nun wirklich keiner mehr hören, doch danach wird es direkt wieder besser. Mit "Toxic" von Britney Spears gelingt die zweite Kunst des guten Covers.

Er skelettiert den Song, bis nur noch die Stimme (der Text) und der Rhythmus übrig sind. Laut Distelmeyer steht dieses Stück für ihn im Kontext zu dem folgenden, Radioheads "Pyramid Song", der textlich das Motto der "giftigen" Sirene aufgreift und weiterführt: "I jumped into the river, black eyed angels swam with me". 

Hier will der Funke nicht überspringen. Die Version von Radiohead wirkt bedrohlicher, und so singen wie Thom Yorke kann nicht mal Jochen Distelmeyer. Das ganze Set bis zur Zugabe besteht nur aus Coverversionen, das ist mutig aber auch konsequent. Neben einigen weiteren, schwächeren Songs ist Lana del Rey`s "Video Games" das vielleicht schönste Stück des Abends.

Hier passt alles: Stimme, Text und Instrumentierung machen den Song intensiver und stärker. Als Zugaben folgen vier Blumfeld Songs ("Murmel" stand auf der Setlist, wurde aber nicht gespielt). Das lange nicht gehörte "Wir sind frei" und "Ich, wie es wirklich war" erinnern daran, dringend nochmal alte Blumfeld CD`s zu hören. 



Als zweite Zugabe dann noch "April" und der Beatles-Song "Free as a bird". Als Lied zwar keine Heldentat, für Distelmeyer (lt. Ansage) aber ein Song der zeigt, das Freundschaft über den Tod (von Lennon) hinaus für ihn ein besonderes Gut ist. Die Beatles stehen für ihn beispielhaft dafür.

Am Ende dieser Tour (die noch das ganze Jahr läuft) wird sich endgültig die Frage stellen, ob der so talentierte Künstler noch die Kraft und die Songs hat, ein weiteres, relevantes Album zu veröffentlichen. Ohne das ich den gestrigen Abend missen möchte: Es ist lange her.


Montag, 15. September 2014

Blumfeld, Berlin, 13.09.2014

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Konzert: Blumfeld
Ort: Berlin Astra
Datum: 13.09.2014
Zuschauer: ausverkauft

Text: Susanne aus Berlin
Fotos: Markus aus Berlin



Über was hat sich der der Blumfeld Hörer wohl vor 20 Jahren unterhalten? Die anstehende Bundestagswahl, den Völkermord in Ruanda? Während ich heute auf die Band warte, werden hinter mir vegane Kochrezepte ausgetauscht. Soweit, so authentisch. 
Die Band betritt äusserst früh und ohne Vorband die Bühne. Dafür mit dem Hubschrauber. Wie von den eingefleischten Fans neben mir erhofft und erwartet. Die Jungs sind alt geworden. So wie wir und wollen früh ins Bett. Erst zum Schluss wird klar, dass sie die zusätzliche Zeit gut für ihre 3 Zugaben brauchen können. Das Gefühl, dass hier was Grosses stattfinden wird, stellt sich ein. Wird aber leider sofort mit dem ersten Lied 'Draußen auf Kaution' vernichtet. Der Sound ist schlecht, matschig, ich kann Jochens Gesang kaum verstehen. Der Bass dominiert. Dabei bin ich doch auch und gerade wegen den Texten gekommen. Ich wollte wissen, ob Jochen mir noch etwas zu sagen hat. Ob mich das noch berührt, was er singt. Doch schon beim 2. Stück keimt leichte Euphorie auf. 'Jetset' packt mich und meine Nachbarn, Jochens Stimme wird klarer.
 Nach 30 Minuten Konzert hat sich sein Verstärker aufgeraucht. Er sagt, bisher wars gut, aber mit Verstärker wärs besser. Und dass der Verstärker jetzt ein bisschen vorausgreift. Nomen est Omen usw. Die mühsam errungene Stimmung ist dahin. Auch wenn Jochen Distelmeyer den Abgang seines Verstärkers authentisch findet und uns mit den Worten: Keep it real! versöhnen will, bin ich enttäuscht, dass wir jetzt 5 Minuten ohne Musik und Band vor uns hinstehen müssen, bis der Verstärker repariert ist. Nach jedem weiteren Stück bedankt er sich freundlich und gut gelaunt, für mich gibt es keine großen Highlights in der Setlist, ausser 'Ein Lied von zwei Menschen'. Mag auch daran liegen, dass ich im Gegensatz zu den meisten Blumfeld Fans wohl eher auf die neueren Sachen stehe. 

Eine nette Anekdote gibt Jochen  Distelmeyer noch zum Besten, wie es zu der Jubiläums Tour kam: Er fragt ob der junge Mann anwesend ist, der ihn vor Monaten ansprach und fragte, ob was zu 20 Jahren L'etat et moi geplant sei: Nicht dass er wüsste. Und da war die Idee geboren. Diesen Mann suchen sie nun, um sich zu bedanken. Aber auch hier in Berlin scheint er nicht anwesend gewesen zu sein. Nach 120 Minuten verlassen die vier die Bühne um noch einmal für drei Zugabenblöcke zurück zu kommen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde natürlich unzählige Male nach 'Verstärker' und 'Ich-Maschine' gerufen. Klar, dass die Stücke nicht fehlen dürfen und bis zum Schluss aufgehoben werden. Jochen Distelmeyer klemmt seine Kippe unter die Saiten seiner Gitarre und versichert uns, dass wir super sind. Und dann bekommen wir, was wir wollen. 

Gross war es nicht, aber authentisch auf jeden Fall. Vor 20 Jahren war der Klang sicher auch nicht besser. Und wenn ich seine Texte verstehen will, dann höre ich eben die Alben zuhause. Da habe ich sie für immer. Ich bin versöhnt.

Setlist:
Draußen auf Kaution
Jetset
2 oder 3 Dinge
Walkie Talkie
Ich wie es wirklich war
Eine eigene Geschichte
Pickelface is back in town
Aus den Kriegstagebüchern
Sing Sing
Anderes Ich
Evergreen
Ein Lied von zwei Menschen
Zeittotschläger
Penismonolog
-
Ghettowelt
Von der Unmöglichkeit Nein zu sagen
Einfach so
Superstarfighter
-
Kommst Du mit in den Alltag / Old Nobody
Verstärker
-
Ich Maschine





Donnerstag, 28. August 2014

Blumfeld, Köln, 27.08.14

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Konzert: Blumfeld
Ort: Live Music Hall
Datum: 27.08.2014
Dauer: 92 min
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft



Als Blumfeld nach 18 Stücken um kurz vor zehn zu den Zugaben zurück auf die Bühne kamen, hatte sich der beste Zwischenruf des Abends erledigt. Einige Lieder vorher hatte jemand in eine der Pause "warum rauchst Du nicht mehr?" gefragt. Der Gefragte, Jochen Distelmeyer, kam mit brennender Zigarrette zurück auf die Bühne. Seine erste während des Konzerts. Das Instrumentestimmen vor den Zugaben ist der beste Zeitraum Liedwünsche reinzubrüllen. Mehrere Zuschauer wünschten sich Apfelmann und ernteten ein energisches "schämt Euch!" von Bassist Eike Bohlken! Apfelmann stammt von der letzten Platte der Hamburger und selbst ein Blumfeld-Amateur wie ich weiß, daß Bohlken (Dr. Bohlken - er ist promovierter Philosoph) da schon lange nicht mehr Mitglied der Band war. Das sind die Leute, die bei Coversongs einer Band am lautesten klatschen, auch das gehört sich nicht.


Blumfeld hatten die kurze Tour als Feier zum 20jährigen Jubiläum ihrer zweiten Platte L'état et moi in Originalbesetzung angekündigt.  Irgendwo hatte ich vorher aufgeschnappt, daß die Band das so ernst nehme, daß nur die Titel des Albums gespielt werden würden. Köln war der Tourauftakt, es gab also keine Informationen von anderen Konzerten, ob das so stimmte, Und ja, die ersten Minuten des Abends wirkten danach. Vorgruppenlos traten die drei Gründer - Jochen Distelmeyer, Eike Bohlken und André Rattay - nach halb neun auf und spielten die ersten vier Lieder von L'état et moi. Ich hatte sie lange nicht gehört und viele dieser "ja-genau"-Momente.


Ich mochte Blumfeld immer, ich war aber erst 2007 erstmals bei einem Konzert der Gruppe. Bei der Kölner Station der Abschiedstour. Es gefiel mir ausgezeichnet, ich weiß allerdings nicht mehr viele Details. "Sie waren früher dynamischer", sagte mir ein Freund, als wir von der Live Music Hall zu den Autos gingen. Das glaube ich gerne. Mir war irgendwann während des Konzerts durch den Kopf gegangen, daß die Musik, die ich gerade gespielt bekam, irgendwie wie aus einer Zeitkapsel stammend klang. Nicht die Texte, nur die Musik. Nicht, daß das unbedingt schlecht wäre, mein Konzertvergnügen litt unter dieser (vermeintlichen) Erkenntnis keinen Deut. Aber es verblüffte mich ein wenig, daß mich das so beschäftigte. Bei anderen Konzerten von Künstlern, die ich 2014 gesehen habe und die Lieder von vor zwanzig Jahren gespielt haben (Dean Wareham und vor allem Slowdive) war mir das anders gegangen.

Aber das ist alles wenig relevant, geht es ja bei der Tour, die in Köln begann ausschließlich um das Jubiläum und nicht um eine Reunion. So war es also toll, die unzähligen großen Stücke der ersten Bandphase zu hören. Blumfeld hatten dann doch nicht nur Lieder des Geburtstagsalbums gespielt. Schon recht schnell streuten sie Titel vom Debüt Ich-Maschine (das sie natürlich in gleicher Besetzung eingespielt hatten) ein. Die B-Seite von Verstärker (Anderes Ich) und Ein Lied von zwei Menschen von Old nobody, bei dem Eike noch einmal als Gast mitspielte, komplettierten das Set.

Auch personell war alles nicht so streng wie (von mir) gedacht. Nach ein paar Liedern kam ein zusätzlicher Gitarrist auf die Bühne (Daniel Flohr? - den Nachnamen habe ich nicht verstanden), der bei fast allen Stücken blieb.

Die Zugaben stammten wieder von Ich-Maschine, von Old Nobody (Kommst Du mit in den Alltag) und aus Distelmeyers Nach-Blumfeld-Schaffen (Einfach so - denke ich wenigstens), bevor Verstärker, wenig überraschend - den Abschluß bildete, als Medley mit Electric guitars und Everytime we say goodbye Schnippseln. 

Es war ein stimmiger Abend. Das Publikum im erwarteten Alter kam immer mehr in Fahrt und applaudierte am Ende euphorisch. Das hätte auch ohne die kölschen Ansagen des Sängers, die ich aber überhaupt nicht als Anbiederungen verstanden habe, funktioniert. Höhepunkt der Annäherung des gebürtigen Bielefelders an die rheinische Fröhlichkeit war ein kurzes "isch binne ne Kölsche Jung, watt willste maache", das "von Herzen kam".


Es war schön, einmal die vielen alten Stücke, die so viel Einfluß auf unsere Musikszene hatten, live zu erleben. Daß alles ein wenig "aus der Zeit" klang, spielte da wirklich keine Rolle. Auch Jochen Distelmeyer gefiel es sehr, das sagte er einige Male. Und die Apfelmann-Wünscher können ja in 12 Jahren auf eine Geburtstags-Tour hoffen.

Setlist Blumfeld, Live Music Hall, Köln:

01: Draußen auf Kaution
02: Jet Set
03: 2 oder 3 Dinge, die ich von Dir weiß
04: Walkie, Talkie
05: Ich - wie es wirklich war
06: Eine eigene Geschichte
07: Pickelface is back in town
08: Aus den Kriegstagebüchern
09: Sing Sing
10: Anderes Ich
11: Evergreen
12: Ein Lied von zwei Menschen
13: Zeittotschläger
14: Penismonolog
15: Superstarfighter

16: Ghettowelt (Z)
17: Von der Unmöglichkeit Nein zu sagen, ohne sich umzubringen (Z)
18: Einfach so (Z)

19: Kommst Du mit in den Alltag (Z)
20: Verstärker (Z) 

Links:

- Blumfeld, Köln, 13.04.07



Samstag, 14. April 2007

Blumfeld, Köln, 13.04.07

2 Kommentare
Konzert: Blumfeld
Ort: Bürgerhaus Stollwerck Köln
Datum: 13.04.2007
Zuschauer: randvoll

Wahrscheinlich hätte ich mir keine Karte für Blumfeld in Köln gekauft, wenn es nicht die Abschiedstournee der Hamburger Band wäre, die sie heute ins Bürgerhaus Stollwerck geführt hat. Ich mag Blumfeld lange schon, höre auch immer wieder ihre ausgezeichnete Musik, hätte aber vermutlich gedacht, die kannst Du irgendwann noch mal sehen, zur Zeit gibt es Spannenderes.

Eine Mischung aus Torschlußpanik und Katastrophentourismus ließ mich dann aber doch frühzeitig eine Karte bestellen, eine gute Idee, denn das Stollwerck war sehr schnell sehr voll.

Im Saal war der Bühnenaufbau bereits abgeschlossen und alles deutete darauf hin, daß keine Vorgruppe auftreten würde. Und so sollte es dann auch sein. Gegen neun kamen die Bandmitglieder im Saal an, um halb zehn traten Jochen Distelmeyer und Kollegen auf die Bühne, die dankenswerterweise wieder nicht durch Gitter geschützt war. Das war aber auch vollkommen unnötig, denn das Publikum war gereifteren Alters und alles andere als auf Krawall gebürstet. So war das nämlich vermutlich auch mein erstes größeres Konzert, bei dem viele der Besucher Rotwein tranken, den es an den beiden Theken im Stollwerck gab.

Ich hatte nichts Näheres über die Gründe der kommenden Auflösung der Lieblingsband aller deutschen Musikkritiker gelesen, hatte aber vermutet, daß solche Auflösungen meist nach Streitereien in Bands erfolgen. Das Verhalten der vier Bandmitglieder (Sänger Distelmeyer, Bassist Precht, Keyboarder Albrecht und Schlagzeuger Rattay) ließ allerdings auch nicht ansatzweise auf Streit schließen. Alle vier wirkten ausgesprochen fröhlich, besonders Jochen Distelmeyer und Lars Precht schienen viel Spaß zu haben und grinsten sich permanent an. Jochen Distelmeyer vergaß aber nicht, deutlich darauf hinzuweisen, daß wir alle aus einem traurigen Grund heute da seien, uns Blumfeld aber auf Platte erhalten bleibe. Allerdings sagte er auch irgendwann: [...] "sollte das die letzte Blumfeldtour sein"... Also, wer weiß, was da noch kommt.

Wie unglaublich viel Talent in der Musik der Hamburger steckt, wurde heute
eindrucksvoll klar. Distelmeyers einprägsame Stimme und die darauf abgestimmte Musik erzeugen allerbesten Indiepop, den ich in einem Atemzug mit beispielsweise Sufjan Stevens nennen würde.

Das reguläre Set bestand aus 15 Titeln aus allen Phasen der Band, von "Draußen auf Kaution" bis "Tics". Besonders gut kamen meiner Meinung nach "Diktatur der Angepaßten" und "Armer Irrer" an. Vor "Armer Irrer" (wie auch in anderen Pausen)
brüllten Leute ununterbrochen Titelwünsche, was Jochen Distelmeyer grinsend die Stimmpausen verfluchen ließ!

Daß das heute keine lästige Pflicht für die Band sein würde, war schnell klar. Also hatte auch niemand Bedenken, daß es keine Zugaben geben könnte. Die Band tauchte auch schnell wieder auf, um dann insgesamt neun (!) zusätzliche Lieder in zwei Zugaben zu spielen, eigentlich also ein zweites Konzert direkt im Anschluß. Bei "Graue Wolken", Lied 20
immerhin, sagte Distelmeyer, er sei jetzt warmgespielt... Später, bei einer der letzten Zugaben, war ihm allerdings schon so warm, daß der immer wieder kurz auftretende zusätzliche Gitarrist (und Gitarrenstimmer) ihm während des Stücks den Schweiß von der Stirn wischte!

Die erste Zugabe endete mit "Verstärker" und den Zeilen: "Everytime we say goodbye, I die a little bit." Ein so trauriges Ende hätte dem Konzert aber vollkommen
widersprochen, also kamen noch zwei zusätzliche Lieder, "Schmetterlings Gang" und "Die Welt ist schön". Und ja, die Welt war heute abend im Bürgerhaus Stollwerck schön. Sehr schön sogar.

Ich wäre ein Idiot gewesen, hätte ich das verpaßt. So dachten das sicher auch die zahlreichen Zuschauer, u.a. Visions Chefredakteur Carsten Schumacher. 135 Minuten Konzert, eine Band die sich zweimal verbeugend aber auch klatschend von ihrem Publikum verabschiedete, "Danke" und "Kommt wieder" Rufe aus dem Saal, es war ein feierlicher und sehr würdiger Abschied. Aus einem traurigen Anlaß wurde etwas, was die Leute guter Laune nach Hause gehen ließ. Zuletzt habe ich so etwas im Mai 1998 auch in Köln erlebt. Da stieg der 1. FC Köln vor feiernden Fans und Trude Herrs "Niemals geht man so ganz" erstmals ab...


Mehr Fotos hier.

Setlist Blumfeld:

01: Draußen auf Kaution
02: Mein System kennt keine Gnade
03: 2 oder 3 Dinge, die ich von Dir weiß
04: Weil es Liebe ist
05: Ich - Wie es wirklich war
06: Tics
07: Der Apfelmann
08: Wir sind frei
09: Eintragung ins Nichts
10: In der Wirklichkeit
11: Armer Irrer
12: Der Sturm
13: Sonntag
14: Die Diktatur der Angepaßten
15: So lebe ich

16: Tausend Tränen tief (Z)
17: Immer wieder Liebeslieder (Z)
18: Penismonolog (Z)
19: Zeittotschläger (Z)
20: Graue Wolken (Z)
21: Kommst Du mit in den Alltag? (Z)
22: Verstärker (Z)

23: Schmetterlings Gang (Z)
24: Die Welt ist schön (Z)

Last Chance to see:

16.04.07: Frankfurt
17
.04.07: Heidelberg
18
.04.07: Freiburg
20
.04.07: Konstanz
21
.04.07: Dornbirn (A)
25
.04.07: München
29
.04.07: Berlin
30
.04.07: Berlin
20.05.07: Würzburg
24.05.07: Hamburg
25.05.07: Hamburg



 

Konzerttagebuch © 2010

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