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Mittwoch, 26. August 2009

Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09

3 Kommentare

Konzert: Pelle Carlberg
Ort: Stereo Wonderland, Köln
Datum: 25.08.2009
Zuschauer: vielleicht 80 (gut gefüllt)
Dauer: Pelle Carlberg gut 75 min, Henning Neuser 40 min


Warum höre ich eigentlich nicht ununterbrochen Pelle Carlberg CDs? Der nette Schwede hat auf seinen bisher drei Soloplatten unzählige Hits veröffentlicht, die es verdienten, dauernd gehört zu werden. Mein Vorsatz für das letzte Jahresdrittel ist also klar.

Gotteseidank sind nicht viele so musikvergesslich wie ich, denn letztendlich hatten
doch einige den Weg ins Stereo Wonderland gefunden. Für mich war vorher überhaupt nicht kalkulierbar, wie voll es werden würde. Ein überfülltes Stereo im Sommer gehört nicht in meine Top 100 der angenehmsten Orte, Konzerte zu sehen. Als ich etwa zeitgleich mit der Vorgruppe (mit dem Vormusiker besser) ankam, waren vielleicht 40 Leute da, nach und nach füllte es sich so weit, daß man zwar bequem Platz hatte, die Bar aber recht voll aussah - ein annehmbarer Kompromiß.

Auf der Plakatwand im Stereo Wonderland hingen die Konzertposter der letzten Monate. Alle hatten eines gemeinsam: den Namen Neuser, der auf zig Plakaten stand. Ich hatte die Kölner Band erst einmal gesehen, als sie im Bürgerhaus
Stollwerck für Klee eröffnete. Mit gleichem Hemd wie damals aber ohne Band hatte Henning Neuser (ich will immer Phillipp schreiben, irgendwie sieht Henning wie ein Phillipp aus) heute die selbe Aufgabe. Seine Band ersetzte eine Loopstation. Die erklärte er dann auch sehr bildhaft: "Ihr fragt euch sicher, ob das alles playback ist. Dazu kann ich nur sagen: Ja, ist es!" Bis auf kleinere Pannen mit einem roten Pedal, dem unter Strom stehenden Mikro und der Loopmaschine ("meine Band spielt verrückt!") funktionierte das alles ganz hervorragend. Henning Neuser spielte ein paar alte und viele neue Lieder (soweit ich das beurteilen kann), wobei mir besonders die schnelleren Sachen gefielen. Das war kurzweilig und voller Talent.

Auf der Bühne blieb allerlei interessantes Zeugs stehen, nachdem der Vorsänger abgeräumt hatte. Da standen zwei Glockenspiele
(sehr schöne, die ich noch nicht kannte), Gitarren, eine auf 90° gekippte Trommel und ein Koffer. Vor allem der Koffer neben der Trommel machte mich neugierig. Was da wohl noch für twee-e Instrumente drin sein würden. Es dauerte etwas, bis ich kapierte, daß der Koffer das Instrument war. Hinter ihm - wie hinter der Kipptrommel - stand eine Fußmaschine; das Gepäck war also vermutlich die Bassdrum. Bedient wurde dieses aufregende Schlagzeug von Jonathan, dem Begleiter Pelles. Außerdem spielte der Fußtrommler Bass und Mundharmonika und sang eine ganz wundervolle zweite Stimme.

Pelle Carlberg wirkte gut gelaunt und spielte einen Hit nach dem anderen. Die ersten sechs Stücke klangen schon wie ein best of des Schwedens. In seinen Liedern erzählt
Pelle Geschichten, die ihm offenbar alle passiert sind. Go to hell, Miss Rydell handelt zum Beispiel von einer sehr schlechten Kritik des letzten Albums von Pelles erster Band Edson, Metal to metal von einer Autopanne in Berlin und Fly me to the moon ("I'll never fly with you, Ryan") von seiner liebsten Fluglinie (das Lied ist so schön, daß es bei mir zu einem Ritual geworden ist, das an Bord meiner meistbenutzen Fluggesellschaft zu hören). Das allerdings sei eine gelogene Geschichte, sagte Pelle. Er sei mindestens 15 mal mit dieser Gesellschaft geflogen, seit er den Song geschrieben habe.

All die Entstehungsgeschichten erzählte Pelle Carlberg auch uns und amüsierte sich dann, wenn die Geschichte vorher länger als das Lied wurde!

Nach vielen großen Hits kam dann ein erstes Cover. Das macht er ja sehr gerne. "Guckt mal, ob ihr es erkennt!" Rocket man von Elton John war leicht zu identifizieren. Später bei den Zugaben hatte ich größere Mühe. Auch wenn er es hübscher machte, war das, was Pelle da spielte, eine große Scheußlichkeit - das konnte man ahnen. So wie das halbe Publikum mußte auch er immer wieder lachen, wenn besonders fiese Falsett-Stellen kamen. Eklig aber sehr unterhaltsam! "I love this song. The guy is a great
singer!" Ich bin sehr froh, daß I believe in a thing called love von The Darkness nicht in meiner Musiksammlung ist. Aber der hüpfende Pelle dabei war sehenswert!

"Was sollen wir denn noch spielen?" - "1983!" - "Ach
Gott, wir haben 1983 vergessen! Natürlich spielen wir das jetzt!" Und so kamen wir als zweite Zugabe in den Genuss des Hits über die Abenteuer von Pelle & Sebastian nachts im Stadtzentrum ihrer Heimatstadt Uppsala.

Jonathan und Pelle mussten danach noch einmal erscheinen und baten wieder um Wünsche für den zweiten Zugabenblock. "Etwas auf Schwedisch!" - "Ernsthaft? You asked for it..." Und dann spielte Pelle Carlberg ein Stück namens
Varannan vecka. Das Lied stammt von einer Platte, die der Familienvater gerade mit seinen Kindern aufgenommen hat. "Das ist eine Platte mit Kinderliedern, die Erwachsenentexte haben!" Da Varannan vecka offenbar "alle zwei Wochen" heißt, kann man das schon am Titel nachvollziehen.

Weil wir alle noch einmal mitsingen wollten, folgte ganz zuletzt noch Pamplona! Ich weiß gar nicht, was mir am besten gefallen hat. Eigentlich sind
Middleclass kid und Riverbank meine Lieblinge. Aber heute war alles fabelhaft! Und das, obwohl Pelle und Jonathan früher am Tag einen Autounfall hatten. Ich bin sehr gespannt, wie das Lied dazu sein wird!

Setlist Pelle Carlberg, Stereo Wonderland:


01: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
02: A tasteless offer
03: Fly me to the moon
04: Middleclass kid
05: Go to hell, Miss Rydell
06: Riverbank
07: I Love you, you imbecile
08: Metal to metal
09: Because I'm worth it
10: Bastards don't blush
11: Rocket man (Elton John Cover)
12: How I broke my foot and met Jesus
13: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

14: I believe in a thing called love (The Darkness Cover) (Z)
15: 1983 (Pelle & Sebastian) (Z)

16: Varannan vecka (Z)
17: Pamplona (Z)

Links:

- Pelle Carlberg am 23.11.07 im Subway in Köln
- mehr (orangefarbene) Fotos





Samstag, 18. Oktober 2008

Klee, Köln, 17.10.08

2 Kommentare

Konzert: Klee
Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 17.10.2008
Zuschauer: fast ausverkauft, denke ich
Dauer: Klee 130 min, Neuser 35 min


Als um zehn nach zwölf die letzten Takte von Wie das Wetter verklungen waren, hatte ich wieder einmal ein Klee Konzert erlebt, an das ich mich lange erinnern werde. Klee ist zwar mittlerweile die Band, die ich am häufigsten gesehen habe (ein Wettstreit mit Los Campesinos!), aber keiner der Abende war langweilig, keines der Konzerte mit einem anderen vergleichbar.

Zuletzt hatte ich Klee beim wundervollen Konzert in der
Kölner KulturKirche erlebt. Danach hatte ich nichts über die ersten Stationen der Berge versetzen Tour gelesen, war also herrlich unvorbereitet und sehr gespannt!

Im Stollwerck war ich ewig nicht mehr, zuletzt vor gut einem Jahr. Und ich hatte es vermisst! Das Bürgerhaus Stollwerck hat nämlich einen der schönsten Konzertsäle Kölns, der nur leider zu selten gebucht wird.

Bei Heimspielen verpflichten Klee gerne andere Bands aus Köln als Vorgruppe. Heute war es Neuser, die ich bisher nur ganz vage kannte. Sprich, ich hatte den Namen aber noch keine Musik vorher gehört. Was die vier Musiker in gut 35 Minuten ablieferten, gefiel mir recht gut und war ein ordentlicher Auftakt. Neuser bestehen aus vier Musikern, Sänger Henning Neuser (irrer Zufall!), Bassist Tim Rashid, Keyboarder Philipp Sutter und Schlagzeuger Michael Klaukien.

Setlist Neuser, Bürgerhaus Stollwerck, Köln:

01: Autopilot
02: Downunder
03: Ohne uns
04: Einbahnstraße
05: Von vorn anfangen
06: Glut
07: Es ist nie zu spät
08: Das perfekte Gefühl
09: Die Welt steht still

Schon in der KulturKirche war uns die fabelhafte Musikauswahl vor dem Klee Konzert aufgefallen. Da lief ein Hit nach dem anderen von Band. Und was ging nach Neuser mein Herz auf, als eines der schönsten Belle & Sebastian Lieder als
Pausenhighlight lief, Fox in the snow. Das ist natürlich eine Kleinigkeit, die vielen vollkommen egal ist, mich kann man mit solchen Dingen sofort erobern. Unmittelbar vor Klee folgte dann noch das wundervolle Somebody von Depeche Mode, dessen letzte Klänge übergingen in Wie weit von Klees aktueller Platte Berge versetzen.

Hinter der Bühne war die portugiesische Strandlandschaft vom Plattencover als Dekoration angebracht. Davor, zwischen zwei Pfosten, flatterten die bunten Bänder von dieser Motivserie. Da war es also nicht überraschend, daß auch Suzie das Kleid trug, das auf Berge versetzen zu
sehen ist. Tom, Sten, Daniel und Pele hatten aber auf ihre Seemannskleidung verzichtet, wobei die Seefahrt im Laufe des Abends noch eine größere Rolle spielen sollte.

Wie weit also war der Auftakt, es folgte Unverwundbar, bevor Suzie uns begrüßte bei diesem Heimspiel. Seit Berge versetzen gibt es viele neue Klee-Fans, die Sängerin erklärte also erst einmal, wie so ein Abend funktioniert: "Auf einem Klee-Konzert ist es so, daß ich zwischen den Liedern auch was sage. Ist doch langweilig, wenn man hinterher sagt: 'War super, war wie auf Platte!'"
Keyboarder Sten ergänzte: "Ihr habt Zeit mitgebracht? Wird spät heute..." Das klang da vielleicht noch übertrieben, er sollte aber Recht behalten.

Keyboarder traf es aber nicht so richtig, denn nach dem dritten Stück 2 Fragen wechselte Sten an ein Klavier, das links neben Daniels Schlagzeug aufgebaut war. Suzie kündigte das nachfolgende Lied Zwischen Glauben und Vertrauen mit der Entstehungsgeschichte an. Ursprünglich sollte es Barcelona
heißen und von der katalanischen Stadt handeln. Das fasste man dann aber allgemeiner. Suzie hinderte das nicht daran, als kleine Einstimmung den kölschen Hit Buenos Dias Matthias anzustimmen (was gut war!).

Und bei jedem der nächsten Lieder passierte auch irgendetwas Urkomisches, weil die Band neben tollen Liedern auch wahnsinnig hohe Entertainerqualitäten hat. Bassist Pele grinste und lachte den ganzen Abend über das, was Suzie von sich gab. Es war aber auch zu gut und unterhaltsam - all die kleinen Geschichten...

Bei Offene Wunden hatte Suzie plötzlich eine schlauchförmige Tröte in der Hand, der sie ein paar Töne entnahm, zu Judy Garland, dem traumhaften Lied, das nur auf der
Deluxe Ausgabe der CD enthalten ist, ruderte sie mit den bunten Flügeln, die sie auch bei anderen Konzerten schon dabei hatte. Weil es Liebe ist, sollten wir schunkelnd begleiten. Jeder habe seinen Nachbarn zu umarmen und eben zu schunkeln. Bei 7 Schritten schließlich zündete die Sängerin eine riesige Wunderkerze an, ohne sich allerdings direkt klar zu sein, wohin damit nach Ende des Lieds. Die Kerze brannte nämlich noch. Tourmanager Pese wollte sie von der Bühne tragen, während Pele vom Feuerlöscher Backstage und den Brandschutzbestimmungen sprach. Suzie, ganz pragmatisch, stopfte das Ding in eine feuerfeste Wasserflasche auf dem Klavier und wurde so Brandschutz- und Romantikanforderungen gerecht.

Die längste Ansage meiner Konzertgeschichte erlebte ich aber vor Ich laß ein Lich an für Dich. Erst einmal erschien Suzie mit einem großen Papierschiffchen und erzählte die traurige Geschichte eines Seemanns, der den Rhein hoch, dann runter (nach Aushilfe der Band) fuhr, dann über diverse Meere, da fiesen Tentakeln (vermutlich mit Tieren dran) und anderem Unbill begegnete und dabei nach und nach Teile seines Schiffs verlor. Sie wollte danach aber auch noch erzählen, was jahrelang ihre Theorie war, wieso man keine Zigaretten an
Kerzen anzünden solle, war sich aber nicht sicher, ob das nicht zuviel Geschichten und zu wenig Musik war. Sie erzählte aber - und es war wie üblich köstlich und sehr unterhaltsam! Zwischendurch sang sie noch ihren Lieblingsseefahrersong Jamaica farewell von Harry Belafonte an. Hach!

Vor Berge versetzen passierte gar nichts... Aber das Lied, die nächste Single, ist auch ohne Geschichten eine große Sache.

Zu Du und Ich gab es für mich die nächste große Überraschung: Gitarrist Tom schnallte sich ein Akkordeon um. Sten saß immer noch am Klavier. Gegen Ende dieses wirklich unglaublich schönen Lieds, stieg dann Suzie zu ihm und begleitete Sten am Piano. Ein großartiges Arrangement dieses Highlights! Hinterher stellte Suzie fest, daß sie sehr wohl selbst gespielt habe, Sten ihr aber zur Hilfe Pünktchen auf die Tasten geklebt habe, die sie spielen musste. "Aber die brauchst Du doch gar nicht..."

Zu Tausendfach wechselte er wieder ans Keyboard, Suzie stimmte zwischendurch kurz Hey Kölle, du bis e Jeföhl an, tanzte Macarena... und das Konzert ging seinem
Ende entgegen - mit den tanzbarsten Stücken Standard kompakt, Die Königin, Zwei Herzen und Lichtstrahl. Wer die kennt, weiß, was für ein perfekter Konzertabschluß ist - vor den Zugaben!

Zu denen kam Suzie dann umgezogen in scharzem Kleid und mit Zylinder. Gottseidank ist Erinner Dich wieder im
Live Programm der Band, das Lied ist schließlich einer meiner ganz großen Lieblinge und eines der besten deutschen Popstücke. Der Zylinder wich einer Krone, unter der Suzie erklärte, daß Klee für den gleichnamigen Einslive-Preis als beste Band nominiert seien, Aus "as best band" wurde zwischen Suzie und Pele schnell Asbest-Band (hier kann man die anderen Asbest-Band Nominierten sehen und vor allem abstimmen!).

Gold, das wahrscheinlich bekannteste Lied, war aber auch noch nicht Abschluß dieses Homecoming gigs. Die Band erschien wieder, Suzie diesmal mit einer schwarzen Jugendstil Federkappe ("mein Rabenkostüm"). Ein
nächstes Lieblingslied, das grandiose Die Stadt und Wunschfrei kamen und waren wie immer klasse. Und dann kam der anfangs erwähnte Abschluß mit Wie das Wetter. Bei ersten Hören der Platte fiel mir dieses Stück als ganz besonders auf, nicht nur, weil es ein Duett zwischen Suzie und Sten ist. Für die Band ist es das auch, wenn es als letztes Lied eines langen Konzerts angesetzt wird. Und es war nicht bloß musikalisch aufregend!

Der Roadie hatte zwischendurch einen Ventilator auf die Bühne gestellt. Daniel, Tom
und Pele hatten anfangs keine Parts und hatten sich unbemerkt Winteroutfits angezogen. Und Suzie ließ es schneien... Wundervoll! Mit einfachen Mitteln entstand eine zauberhafte Stimmung, für die die Madonnas dieser Welt vergeblich Hunderttausende für Special effects bei ihren Shows ausgeben. Ein großartiger Abend mit einer unfassbar sympathischen Band!

Setlist Klee, Bürgerhaus Stollwerck, Köln:

01: Wie weit
02: Unverwundbar
03: 2 Fragen
04: Zwischen Glauben und Vertrauen
05: Offene Wunden
06: Judy Garland
07: Weil es Liebe ist
08: 7 Schritte
09: Ich laß ein Licht an für Dich
10: Berge versetzen
11: Du und Ich
12: Für alle, die
13: Tausendfach
14: Standard kompakt
15: Die Königin
16: Zwei Herzen
17: Lichtstrahl

18: Erinner Dich (Z)
19: Nicht immer aber jetzt (Z)
20: Gold (Z)

21: Die Stadt (Z)
22: Wunschfrei (Z)
23: Wie das Wetter (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Das Klee Fankonzert in der KulturKirche in Köln am 22.08.08
- Klee, Melt!, 18.07.08
- Klee, Köln, 07.06.08
- Klee, Köln, 17.05.08
- Klee, Saarbrücken, 30.05.07
- Klee, Köln, 22.03.07
- Klee, Köln, 26.10.06

- mehr Fotos aus dem Bürgerhaus Stollwerck





 

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