Posts mit dem Label Klee werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Klee werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 22. August 2010

Klee, Köln, 22.08.10

1 Kommentare

Konzert: Klee
Ort: gamescom Festival, Köln
Datum: 22.08.2010
Dauer: ca. 60 min
Regen/qm: 45 l


Nach Olli Schulz folgte am letzten Tag des gamescom Festivals Klee. Die Band um Frontfrau Suzie hatte ein wirkliches Heimspiel, die Bühne zwischen Ehrenstraße und Belgischem Viertel liege in Laufweite, sagte die Sängerin, als wir noch nicht über das Wetter sprachen.

Am Anfang war der Auftritt ein normales Konzert für beide Seiten. Klee begannen ein best-off Konzert sondergleichen - Indiepop-Perlen wie Die Stadt, Zwei Herzen und Tausendfach können nicht viele Bands an den Anfang eines Sets stellen.


Suzie Kerstgens, die sich normalerweise beim Geschichtenerzählen nicht hinter Olli Schulz verstecken muß, war heute deutlich ruhiger als sonst. Allerdings nur das Erzählen betreffend. Ansonsten legte die Sängerin
vermutlich wegen des vielen Laufpublikums eine besonders große Show hin. Sie tanzte, streckte sich, hob Bein um Bein in wahnwitzige Höhen, um wieder zu tanzen oder sich zu drehen. Offenbar hatte Suzie auch ihr Turnoutfit angezogen. Als der Welt-Volleyball-Verband vor einigen Jahren Kleidervorschriften für Volleyballerinnen erlassen hat, um den Sport sexier zu machen, schwebten den Herren vermutlich Suzies Hot Pants vor. Die knallrote kaum-Hose, dazu ein rot-weiß geringeltes Oberteil und rote Schuhe; das war schon ein Hingucker.

Trotz des vielen Rots fiel mir gleich auf, daß Gitarrist Tom und sein rotes Instrument fehlten, den Grund dafür kenne ich allerdings nicht. Toms Ersatz spielte seinen Part für meine Ohren vollkommen souverän, nur waren die Gitarren insgesamt recht leise, das lag aber sicher nicht am Spieler.

Zwischen Zwei Herzen und Tausendfach setzte dann das ein, was Wettervorherseher Starkregen nennen. Es schüttete dermaßen stark, daß das Wasser vom Platz kaum ablaufen konnte. Hektisch zog jeder Jacke an oder spannte Schirme auf - oder flüchtete, an ein entspanntes Zusehen war kaum noch zu denken.

Dabei lohnte sich das Konzert so sehr, weil eine Art Single-Collection gespielt wurde. Klee spielten zwar nichts Neues (die Band arbeitet gerade im Studio), die geballten Hits nacheinander, trösteten allerdings ein wenig über das Wetter hinweg.

Und als sie dann nach 55 Minuten eigentlich fertig waren, kamen die fünf Klees wohl aus Mitgefühl noch einmal raus und stimmten als Zugabe Erinner dich an. "Die Sonne schien, es riecht wie früher, die Farben leuchten."

Bei allem anderen wären wir wohl weggelaufen, hier war ich froh, den Regen bis zuletzt zu ertragen.

Setlist Klee, gamescom Festival, Köln:


01: Die Stadt
02: Zwei Herzen
03: Tausendfach
04: Berge versetzen
05: 2 Fragen
06: Für alle die
07: 7 Schritt
08: Standard kompakt
09: Solang du lebst
10: Die Königin
11: Nicht immer aber jetzt
12: Gold

13: Erinner dich (Z)



Donnerstag, 10. September 2009

Klee, Frankfurt, 09.09.09

0 Kommentare

Konzert: Klee
Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 09.09.2009
Zuschauer: gut 150
Dauer: 110 min brutto


Viel hat sich geändert seit meinem letzten Klee Konzert: das Bett in Frankfurt ist jetzt nicht mehr klein, verhutzelt in Sachsenhausen sondern groß, lässig-modern und im Gallusviertel, Suzie hat kurze Haare, Tom eine neue Gitarre und Ralf aus Bielefeld mittlerweile ein T-Shirt zu Ehren seines 250. Klee Konzerts. Aber einiges ist auch gleich geblieben. Das dann in Kürze!

Setlist Klee, Das Bett, Frankfurt:

01: Wie weit
02: Berge versetzen
03: Unverwundbar
04: 2 Fragen
05: Zwei Herzen
06: Tausendfach
07: Ich lass ein Licht an für dich
08: Weil es Liebe ist
09: Für alle, die
10: Mo Li Hua
11: 7 Schritte
12: Lichtstrahl
13: Standard kompakt
14: Solang du lebst
15: Die Königin
16: Nicht immer aber jetzt
17: Gold

18: Die Stadt (Z)
19: Judy Garland (Z)
20: Über mir die Sterne (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Klee, Köln, 17.10.08
- Klee, Köln, 22.08.08
- Klee, Melt!, 18.07.08
- Klee, Köln, 07.06.08
- Klee, Köln, 17.05.08
- Klee, Saarbrücken, 30.05.07
- Klee, Köln, 22.03.07
- Klee, Köln, 26.10.06
- Fotos folgen!



Samstag, 18. Oktober 2008

Klee, Köln, 17.10.08

2 Kommentare

Konzert: Klee
Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 17.10.2008
Zuschauer: fast ausverkauft, denke ich
Dauer: Klee 130 min, Neuser 35 min


Als um zehn nach zwölf die letzten Takte von Wie das Wetter verklungen waren, hatte ich wieder einmal ein Klee Konzert erlebt, an das ich mich lange erinnern werde. Klee ist zwar mittlerweile die Band, die ich am häufigsten gesehen habe (ein Wettstreit mit Los Campesinos!), aber keiner der Abende war langweilig, keines der Konzerte mit einem anderen vergleichbar.

Zuletzt hatte ich Klee beim wundervollen Konzert in der
Kölner KulturKirche erlebt. Danach hatte ich nichts über die ersten Stationen der Berge versetzen Tour gelesen, war also herrlich unvorbereitet und sehr gespannt!

Im Stollwerck war ich ewig nicht mehr, zuletzt vor gut einem Jahr. Und ich hatte es vermisst! Das Bürgerhaus Stollwerck hat nämlich einen der schönsten Konzertsäle Kölns, der nur leider zu selten gebucht wird.

Bei Heimspielen verpflichten Klee gerne andere Bands aus Köln als Vorgruppe. Heute war es Neuser, die ich bisher nur ganz vage kannte. Sprich, ich hatte den Namen aber noch keine Musik vorher gehört. Was die vier Musiker in gut 35 Minuten ablieferten, gefiel mir recht gut und war ein ordentlicher Auftakt. Neuser bestehen aus vier Musikern, Sänger Henning Neuser (irrer Zufall!), Bassist Tim Rashid, Keyboarder Philipp Sutter und Schlagzeuger Michael Klaukien.

Setlist Neuser, Bürgerhaus Stollwerck, Köln:

01: Autopilot
02: Downunder
03: Ohne uns
04: Einbahnstraße
05: Von vorn anfangen
06: Glut
07: Es ist nie zu spät
08: Das perfekte Gefühl
09: Die Welt steht still

Schon in der KulturKirche war uns die fabelhafte Musikauswahl vor dem Klee Konzert aufgefallen. Da lief ein Hit nach dem anderen von Band. Und was ging nach Neuser mein Herz auf, als eines der schönsten Belle & Sebastian Lieder als
Pausenhighlight lief, Fox in the snow. Das ist natürlich eine Kleinigkeit, die vielen vollkommen egal ist, mich kann man mit solchen Dingen sofort erobern. Unmittelbar vor Klee folgte dann noch das wundervolle Somebody von Depeche Mode, dessen letzte Klänge übergingen in Wie weit von Klees aktueller Platte Berge versetzen.

Hinter der Bühne war die portugiesische Strandlandschaft vom Plattencover als Dekoration angebracht. Davor, zwischen zwei Pfosten, flatterten die bunten Bänder von dieser Motivserie. Da war es also nicht überraschend, daß auch Suzie das Kleid trug, das auf Berge versetzen zu
sehen ist. Tom, Sten, Daniel und Pele hatten aber auf ihre Seemannskleidung verzichtet, wobei die Seefahrt im Laufe des Abends noch eine größere Rolle spielen sollte.

Wie weit also war der Auftakt, es folgte Unverwundbar, bevor Suzie uns begrüßte bei diesem Heimspiel. Seit Berge versetzen gibt es viele neue Klee-Fans, die Sängerin erklärte also erst einmal, wie so ein Abend funktioniert: "Auf einem Klee-Konzert ist es so, daß ich zwischen den Liedern auch was sage. Ist doch langweilig, wenn man hinterher sagt: 'War super, war wie auf Platte!'"
Keyboarder Sten ergänzte: "Ihr habt Zeit mitgebracht? Wird spät heute..." Das klang da vielleicht noch übertrieben, er sollte aber Recht behalten.

Keyboarder traf es aber nicht so richtig, denn nach dem dritten Stück 2 Fragen wechselte Sten an ein Klavier, das links neben Daniels Schlagzeug aufgebaut war. Suzie kündigte das nachfolgende Lied Zwischen Glauben und Vertrauen mit der Entstehungsgeschichte an. Ursprünglich sollte es Barcelona
heißen und von der katalanischen Stadt handeln. Das fasste man dann aber allgemeiner. Suzie hinderte das nicht daran, als kleine Einstimmung den kölschen Hit Buenos Dias Matthias anzustimmen (was gut war!).

Und bei jedem der nächsten Lieder passierte auch irgendetwas Urkomisches, weil die Band neben tollen Liedern auch wahnsinnig hohe Entertainerqualitäten hat. Bassist Pele grinste und lachte den ganzen Abend über das, was Suzie von sich gab. Es war aber auch zu gut und unterhaltsam - all die kleinen Geschichten...

Bei Offene Wunden hatte Suzie plötzlich eine schlauchförmige Tröte in der Hand, der sie ein paar Töne entnahm, zu Judy Garland, dem traumhaften Lied, das nur auf der
Deluxe Ausgabe der CD enthalten ist, ruderte sie mit den bunten Flügeln, die sie auch bei anderen Konzerten schon dabei hatte. Weil es Liebe ist, sollten wir schunkelnd begleiten. Jeder habe seinen Nachbarn zu umarmen und eben zu schunkeln. Bei 7 Schritten schließlich zündete die Sängerin eine riesige Wunderkerze an, ohne sich allerdings direkt klar zu sein, wohin damit nach Ende des Lieds. Die Kerze brannte nämlich noch. Tourmanager Pese wollte sie von der Bühne tragen, während Pele vom Feuerlöscher Backstage und den Brandschutzbestimmungen sprach. Suzie, ganz pragmatisch, stopfte das Ding in eine feuerfeste Wasserflasche auf dem Klavier und wurde so Brandschutz- und Romantikanforderungen gerecht.

Die längste Ansage meiner Konzertgeschichte erlebte ich aber vor Ich laß ein Lich an für Dich. Erst einmal erschien Suzie mit einem großen Papierschiffchen und erzählte die traurige Geschichte eines Seemanns, der den Rhein hoch, dann runter (nach Aushilfe der Band) fuhr, dann über diverse Meere, da fiesen Tentakeln (vermutlich mit Tieren dran) und anderem Unbill begegnete und dabei nach und nach Teile seines Schiffs verlor. Sie wollte danach aber auch noch erzählen, was jahrelang ihre Theorie war, wieso man keine Zigaretten an
Kerzen anzünden solle, war sich aber nicht sicher, ob das nicht zuviel Geschichten und zu wenig Musik war. Sie erzählte aber - und es war wie üblich köstlich und sehr unterhaltsam! Zwischendurch sang sie noch ihren Lieblingsseefahrersong Jamaica farewell von Harry Belafonte an. Hach!

Vor Berge versetzen passierte gar nichts... Aber das Lied, die nächste Single, ist auch ohne Geschichten eine große Sache.

Zu Du und Ich gab es für mich die nächste große Überraschung: Gitarrist Tom schnallte sich ein Akkordeon um. Sten saß immer noch am Klavier. Gegen Ende dieses wirklich unglaublich schönen Lieds, stieg dann Suzie zu ihm und begleitete Sten am Piano. Ein großartiges Arrangement dieses Highlights! Hinterher stellte Suzie fest, daß sie sehr wohl selbst gespielt habe, Sten ihr aber zur Hilfe Pünktchen auf die Tasten geklebt habe, die sie spielen musste. "Aber die brauchst Du doch gar nicht..."

Zu Tausendfach wechselte er wieder ans Keyboard, Suzie stimmte zwischendurch kurz Hey Kölle, du bis e Jeföhl an, tanzte Macarena... und das Konzert ging seinem
Ende entgegen - mit den tanzbarsten Stücken Standard kompakt, Die Königin, Zwei Herzen und Lichtstrahl. Wer die kennt, weiß, was für ein perfekter Konzertabschluß ist - vor den Zugaben!

Zu denen kam Suzie dann umgezogen in scharzem Kleid und mit Zylinder. Gottseidank ist Erinner Dich wieder im
Live Programm der Band, das Lied ist schließlich einer meiner ganz großen Lieblinge und eines der besten deutschen Popstücke. Der Zylinder wich einer Krone, unter der Suzie erklärte, daß Klee für den gleichnamigen Einslive-Preis als beste Band nominiert seien, Aus "as best band" wurde zwischen Suzie und Pele schnell Asbest-Band (hier kann man die anderen Asbest-Band Nominierten sehen und vor allem abstimmen!).

Gold, das wahrscheinlich bekannteste Lied, war aber auch noch nicht Abschluß dieses Homecoming gigs. Die Band erschien wieder, Suzie diesmal mit einer schwarzen Jugendstil Federkappe ("mein Rabenkostüm"). Ein
nächstes Lieblingslied, das grandiose Die Stadt und Wunschfrei kamen und waren wie immer klasse. Und dann kam der anfangs erwähnte Abschluß mit Wie das Wetter. Bei ersten Hören der Platte fiel mir dieses Stück als ganz besonders auf, nicht nur, weil es ein Duett zwischen Suzie und Sten ist. Für die Band ist es das auch, wenn es als letztes Lied eines langen Konzerts angesetzt wird. Und es war nicht bloß musikalisch aufregend!

Der Roadie hatte zwischendurch einen Ventilator auf die Bühne gestellt. Daniel, Tom
und Pele hatten anfangs keine Parts und hatten sich unbemerkt Winteroutfits angezogen. Und Suzie ließ es schneien... Wundervoll! Mit einfachen Mitteln entstand eine zauberhafte Stimmung, für die die Madonnas dieser Welt vergeblich Hunderttausende für Special effects bei ihren Shows ausgeben. Ein großartiger Abend mit einer unfassbar sympathischen Band!

Setlist Klee, Bürgerhaus Stollwerck, Köln:

01: Wie weit
02: Unverwundbar
03: 2 Fragen
04: Zwischen Glauben und Vertrauen
05: Offene Wunden
06: Judy Garland
07: Weil es Liebe ist
08: 7 Schritte
09: Ich laß ein Licht an für Dich
10: Berge versetzen
11: Du und Ich
12: Für alle, die
13: Tausendfach
14: Standard kompakt
15: Die Königin
16: Zwei Herzen
17: Lichtstrahl

18: Erinner Dich (Z)
19: Nicht immer aber jetzt (Z)
20: Gold (Z)

21: Die Stadt (Z)
22: Wunschfrei (Z)
23: Wie das Wetter (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Das Klee Fankonzert in der KulturKirche in Köln am 22.08.08
- Klee, Melt!, 18.07.08
- Klee, Köln, 07.06.08
- Klee, Köln, 17.05.08
- Klee, Saarbrücken, 30.05.07
- Klee, Köln, 22.03.07
- Klee, Köln, 26.10.06

- mehr Fotos aus dem Bürgerhaus Stollwerck





Samstag, 23. August 2008

Klee, Köln, 22.08.08

0 Kommentare

Konzert: Klee Privatkonzert
Ort: KulturKirche Köln
Datum: 22.08.2008
Zuschauer: 500 vielleicht
Dauer: ca. 120 min


Es gibt viel zu erzählen...

Daß Klee eine besondere Band ist, habe ich hier schon oft geschrieben. Suzie Kerstgens und Kollegen sind nicht nur die deutsche Popgruppe mit den besten Liedern, sie spielen auch die sympathischsten Konzerte. Das sind alte Hüte für alle,
die hier schon einmal einen Bericht über einen Klee-Auftritt gelesen oder selbst einen erlebt haben. Nur ist leider wie bei vielem Gutem die Anerkennung nicht die, die die Band verdient hätte. Als "große" deutsche Popgruppen werden Silbermond oder Juli wahrgenommen - (oder schlimmere, hätte ich fast geschrieben). Klee, von denen jede B-Seite mehr Charme hat, als Silbermond-Hits, waren vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums leider einem viel zu kleinen Publikum ein Begriff, obwohl Lieder wie Erinner Dich, Die Stadt, Zwei Herzen, Gold, Zwei Fragen, Tausendfach, Du und Ich oder Für alle, die alle in die Top 10 der besten deutschen Popsongs aller Zeiten* gehören**. Ich verheddere mich gerade. Das tat Suzie in der Kulturkirche auch, das kommt aber später.

Auf alles Tollsein bisher setzten die Kölner jetzt aber noch eine Krone. Sie luden die Käufer ihrer neuen Single Zwei Herzen als Dankeschön zu einem Fankonzert in eine
der schönsten Kölner Konzertstätten ein, in die Nippeser KulturKirche. Der Eintritt zu diesem besonderen Auftritt war frei, es reichte als Ticketersatz der Aufkleber, der sich auf der Single befand.

In den letzten Wochen war die Vorfreude überall riesig, zu diesem besonderen Konzert zu gehen. So war es wirklich kein Wunder, daß die KulturKirche recht schnell ausverkauft (ausverschenkt?) war.

Gemeindepfarrer Thomas Diederichs begrüßte uns - eine schöne Einrichtung in der KulturKirche, die ich auch schon bei anderen Konzerten erlebt hatte. Kleetypisch machte das aber Suzie selbst dann noch ein wenig pointierter, als die Band auf die Bühne gekommen war: "Oh mein Gott!" Sie schien ernsthaft gerührt zu sein von der feierlichen und gespannten Stimmung.

Da Klee vor allem neue Lieder spielen wollten, wunderte es nicht, daß mit
7 Schritte eines der Stücke vom neuen Album als Startsong kam. Danach folgten aber gleich zwei alte Lieblinge (2 Fragen und Tausendfach). Suzie erklärte das in ihrer unvergleichbaren Art: "Wir haben uns überlegt, es wäre langweilig, wenn wir nur Nummern vom neuen Album spielen würden, deshalb haben wir uns gedacht..." - Sten: "... wir spielen nur Lieder von alten Alben!" - "Ne, wir machen das so, wie bei einer Mortadella" - Pause - "Kinderwurst. Wir spicken das ganze Drumherum. Der Mäusespeck sind die neuen Nummern. Und das Drumherum ist das, was schmeckt!"

Diese köstlichen Ansagen, vor denen der restlichen Band wohl manchmal graut, weil sie nicht weiß, was kommen mag, machen auch einen Teil des Reizes von Klee-Konzerten aus. Heute, bei diesem besonderen Anlaß, war Suzie auch in besonderer Redelaune.

Die beiden nächsten Stücke Mäusespeck folgten anschließend: Zwischen Glauben und Vertrauen, urprünglich ein Lied über Barcelona, und der Titelsong des Albums Berge versetzen. Schon nach wenigen Malen Hören erscheinen beide vollkommen vertraut und wundervoll. Bei Berge versetzen diente Tourmanager Pese als zweiter Gitarrist.

Daß es ein Fankonzert war mit mehrheitlich Zuhörern, die Klee gut kennen und besonders schätzen, wurde beim nachfolgenden Lied klar. Judy Garland ist nämlich nur auf der Deluxe-Edition der CD erschienen, war trotzdem aber den meisten Kirchgängern bekannt. Nicht so Suzie... Die Sängerin vergaß nämlich offenbar den Text. Weil Judy Garland so neu war und Suzie Angst davor hatte, den Text nicht mehr zu wissen, hatte sie wohl mit Keyboarder Sten abgesprochen, sich gegenseitig
anzusehen, vermutlich als Zeichen, wann der Einsatz kommt. "Dann gucke ich ihn an und er guckt weg!"

Kurz später hatte sie Probleme mit den Stiefeln... "Die sind eine Nummer zu groß. In meiner Größe gab es die nicht, ich wollte sie aber unbedingt haben."

Weil im Gegensatz zum Saal ihre Band nicht immer zuhörte, mußte die Kölsche Kylie nach einer ihrer Ansagen Bassist Pele und Schlagzeuger Daniel zurechtpfeifen. Die beiden waren nämlich gedanklich abwesend und bekamen sofort ihren Rauswurf angedroht: "Es gibt ja viele Bassisten und Schlagzeuger..."

Daß hinter Klee mehr als eine viel erzählende Frontfrau steckt, wird von Leuten, die bei der Band gleich abwinken und deren Musik als belanglos abtun, gerne übersehen. Dabei reicht eigentlich wenig, um festzustellen, daß die Lieder der Band nichts mit dem seichten Pop vieler Landsleute zu tun hat. In den Melodien findet man so viele Referenzen, Andeutungen, die für ein gigantisches musikalischen Wissen, Gespür und Talent der Band spricht. Einem Musikzeitungspraktikanten mit Emohintergrund mag sich das nicht erschließen, dem breiten (und geschmacklosen) Wetten-Dass guckenden Publikum auch nicht, einer steigenden Zahl anderer glücklicherweise aber schon. Beispiel für diesen nicht direkt ersichtlichen Tiefgang ist Du und Ich, das wundervolle Duett von Berge versetzen, bei dem Sten Suzies Gesangspartner ist. Das sehr persönliche aber überhaupt nicht kitschige Stück ist für mich einer der Glanzpunkte des neuen Albums. Suzie erzählte, wie nah ihr die Aufnahmen des Lieds gegangen seien.

Aber Suzie wäre nicht Suzie sondern irgendeine Susanne, wenn wenn sie danach nicht auch wieder für großen Spaß gesorgt hätte. Vor
Weil es Liebe ist warf die Sängerin einen Zylinder und einen Brautschleier ins Publikum mit der Aufforderung, bitte gefälligst ein Paar zu werden. Die beiden Fänger kamen auch brav nach oben, ob sie allerdings danach auch anbandelten, weiß ich nicht.

Suzie war richtig in Verteil-Laune geraten... Auch Rekordbesucher Ralf aus Bielefeld wurde beschenkt. Das KulturKirchen Konzert war sein 199. von Klee. Alles Türken habe nicht geholfen, es zum 200. zu machen. Also bekam Ralf eine Madaille. Das "200. Konzert" war mit einem Aufkleber überklebt, auf dem "199. Konzert" stand. Bei seinem nächsten Klee-Gig solle er den einfach ablösen. Dazu gab es 200 Rosen, von denen Suzie aber wieder eine entnahm. Klee eben...

Auch Gitarrist Tom hatte seinen Moment in einer der Pausen. Er spielte ein paar
bekannte Gitarrenpassagen (ich erinnere mich an Song 2, Seven nation army und Holiday in Cambodia (glaube ich zumindest)). "Daß Gitarristen immer das spielen müssen, was sie selbst gerne geschrieben hätten...", kommentierte Tom seine Einlage.

Obwohl die Band vorher wohl sehr aufgeregt war, war das
Konzert, vor allem die neuen Stücke fabelhaft. Ein schöner Abend!

Hoffentlich bescheren solche Konzerte und ihr intelligenter Pop Klee den lange verdienten Erfolg. Dann kann sich Suzie nämlich auch ein drahtloses Mikro leisten. "Ich habe mich verheddert", gestand sie irgendwann, was bei ihren Bandkollegen für große Freude sorgte. Aber das macht ja auch einen Teil des besonderen Charmes von Klee live aus. Große Melodien und große Unterhaltung.

Danke für dieses schöne Dankeschönkonzert!

Setlist Klee, KulturKirche Köln:

01: 7 Schritte
02: 2 Fragen
03: Tausendfach
04: Zwischen Glauben und Vertrauen
05: Berge versetzen
06: Judy Garland
07: Weine nicht
08: Die Stadt
09: Du und Ich
10: Weil es Liebe ist
11: Wie weit
12: Für alle, die
13: Die Königin
14: Zwei Herzen
15: Gold

16: Der größte Moment (Z)
17: Nicht immer aber jetzt (Z)
18: Lichtstrahl (Z)

19: Wunschfrei (Z)
20: Erinner Dich (Z)
21: Über mir die Sterne (Z)

* bis jetzt. Ich weiß ja nicht, was noch für Zeiten (und Klee-Lieder) kommen.
** ein weiterer Top 10-Titel ist Stella Maris, über das zehnte muß ich nachdenken.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Klee, Melt!, 18.07.08
- Klee, Köln, 07.06.08
- Klee, Köln, 17.05.08
- Klee, Saarbrücken, 30.05.07
- Klee, Köln, 22.03.07
- Klee, Köln, 26.10.06


Freitag, 1. August 2008

Interview: Klee, Köln

0 Kommentare


Heute erscheint mit "Berge versetzen" das mittlerweile vierte Klee-Album; das erste,
daß die Kölner Band bei einem Majorlabel veröffentlicht. Die Vorabsingle "Zwei Herzen" stieg auf Platz 29 der deutschen Charts ein. Trotz des Vermarktungs- und Interviewstresses finden Gitarrist Tom und Keyboarder Sten an einem Samstagnachmittag Zeit, mit uns lange über die neue Platte, Konzerte und die Liebe zur Musik zu sprechen.

Wir treffen uns mit Tom und Sten in einem Kölner Café. Erster Star des Nachmittags ist Olivers Rezensionsexemplar der neuen Platte. Die beiden Musiker haben selbst noch keines und sehen sich Booklet und CD erst einmal genau an.

Zuletzt haben wir Klee auf dem chaotischen Melt!-Festival gesehen und gesprochen. Der Auftritt der Kölner war zwar gewohnt mitreißend - aber wie so vieles auf dem Melt! nicht ganz pannenfrei. Ein Ordner war während des Konzerts über ein Kabel gestolpert und hatte einen Stromausfall verursacht. Am Anfang unseres Gesprächs hatten wir gemeinsam festgestellt, daß Festivals oft schrecklich anstrengend und unorganisiert sind.

Das vollständige Interview findet ihr hier.








Montag, 21. Juli 2008

Klee, Melt! Festival, 18.07.08

2 Kommentare

Konzert: Klee
Ort: Melt! Festival, Ferropolis, Gräfenhainichen
Datum: 18.07.2008
Zuschauer: randvoll gepacktes Zelt (Gemini Stage)
Dauer: etwa 40 min


Als der große Regen auf dem Melt! Festival einsetzte, war die "Gemini Stage", das große Bühnenzelt neben der Hauptbühne bereits voll. Die sintflutartigen Schauer spülten dann im wahrsten Sinne des Wortes enorm viele weitere Leute in das luftige Zelt, das leider einen entscheidenden Nachteil hatte; von den Rändern vorne sah man nämlich nichts außer Vorhängen und Suzie alle paar Minuten. Da ich nach den ersten drei Liedern im Fotograben* wieder vorne am Rand im Saal auftauchte und gleichzeitig gefühlt hunderte andere in die Mitte des Raums wollten, gab ich auf und blieb links außen und erlebte damit quasi mein zweites Klee-Radiokonzert, allerdings das erste, bei dem ich die Band nur hörte.

Dabei hätte sich Sehen wieder einmal sehr gelohnt, weil schon Suzies Outfit ganz großartig war. Die Klee Sängerin trug ein vielleicht taubenblaues Kleid mit bunten Bändchen, die von den Armen runterhingen. Das passte sehr schön zum Albumcover
der in zwei Wochen erscheinenden Platte "Berge versetzen", auf dem die Klees mit solchen bunten Bändern winken. Tanzend erzeugten die Stoffstreifen wundervolle Effekte - und tanzen war das Motto des Auftritts...

Das Set der Kölner Band war maßgeschneidert fürs Melt! Festival, schließlich sind dessen Wurzeln und Schwerpunkte sehr elektronisch. Also spielten auch Klee deutlich elektronischer als sonst. Wenn das nötig wäre, wieder einmal ein Beweis großer Qualität, daß eine Band
so etwas beherrscht und ein solch großes Repertoire hat, daß sie 40 Minuten ein ganz anders geartetes Programm spielen kann.

Es fing an mit dem elektronischsten der Klee Lieder, "Standard kompakt", das , obwohl es nicht mein Lieblingslied der Band ist, grandios war. Es war genau das richtige Stück zum exakt richtigen Zeitpunkt. Was wäre es noch schön gewesen, dazu die beleuchteten Bagger auf dem Ferropolis Gelände zu sehen.

Klee hatten wieder Alex Jezdinsky (ehemals Angelika Express) an den Percussions
als Gast mitgebracht. Percussions und elektronisch hätte ich vorher als nicht zusammenpassend betrachtet, es funktionierte aber ganz ausgezeichnet.

Als drittes Stück kam (für mich zumindest) mit "Oh oh" eine Premiere - ein Lied, das wohl auf der Deluxe Edition von "Berge versetzen" veröffentlich wird und perfekt zum Abend passte!

Es folgten "Lichtstrahl", "Die Königin" von "Berge versetzen", das mittlerweile als Liveversion bei iTunes verfügbar ist, und "Nicht immer aber jetzt", bevor die mit ganz großem Abstand besten zehn Minuten des Melt!-Freitags kamen. Daß "Zwei Herzen" eine ganz großer Knüller ist, habe ich schon bei meinen ersten beiden Livebegegnungen mit der Single nicht richtig verheimlichen können. Wie der auf Platz 29 in die deutschen Charts eingestiegene Song aber live funktionieren kann, hatte ich nicht erwartet. Das knallvolle Zelt war eine einzige Tanzfläche. Dabei war besonders schön, daß der Holzboden so heftig vibrierte, daß er trampolinhaft wirkte und jeden auch noch so tanzmuffeligen in Bewegung brachte. Wow und noch mal wow!

"Gold" dann noch als perfekter Abschluß vollendete das
großartige Konzert, von dem ich so gerne mehr gesehen hätte. Die Pannen, die nicht funktionierende Konfettikanone oder der Stromausfall, den ich verpasst habe, änderten daran natürlich überhaupt nichts. Ich bin ganz sicher, alle im Zelt hatten ein "ja ja!" auf den Lippen, als Suzie am Ende ein Schild mit "U melt my heart" hochhielt (natürlich mit zwei Herzen). Meines auch. Wieder einmal.

Setlist Klee, Melt! Festival, Ferropolis:

01: Standard kompakt
02: Tausendfach
03: Oh oh (neu)
04: Lichtstrahl
05: Die Königin
06: Nicht immer aber jetzt
07: Zwei Herzen
08: Gold

Links:

- aus unserem Archiv:
- Klee, Köln, 07.06.08
- Klee, Köln, 17.05.08
- Klee, Saarbrücken, 30.05.07
- Klee, Köln, 22.03.07
- Klee, Köln, 26.10.06
- mehr Fotos von Klee beim Melt!

* irgendwann kletterten zwei Leute von den grundsätzlich (aber in dieser Situation undramatisch) überforderten "Ordnern" übersehen in den Fotograben und hatten da viel Spaß...



Samstag, 7. Juni 2008

Klee & Tocotronic, Köln, 07.06.08

1 Kommentare

Konzert: Klee & Tocotronic (medienfest.nrw)
Ort: Mediapark, Köln
Datum: 07.06.2008
Zuschauer: am Ende mehrere Tausend
Dauer: Klee 55 min, Tocotronic 85 min


Franz Beckenbauer hat einmal den UEFA-Cup den Cup der Verlierer genannt, weil der die Teams vereint, bei denen es nicht für den Pokal der Landesmeister gereicht hat. Glaubt man dem Musikmarketing, findet an diesem Wochenende in der Eifel die Champions League der Indie-Szene statt. Parallelveranstaltungen zu Rock am Ring könnten also immer nur die UEFA-Pokale der Festivals sein. Komisch, ich hätte mich am Samstag für mehrere Bands entscheiden können, keine davon spielte am Nürburgring. Natürlich hat Köln eine klassische Affinität zum UEFA-Cup, aber auch objektiv sind Klee und Tocotronic an einem Abend wahrlich keine Veranstaltung für Verlierer!

"Deine Zukunft" war das Motto des "medienfest.nrw", in dessen Rahmen Freitag und Samstag namhafte Künstler auf der großen Bühne im MediaPark in Köln auftraten. Mehr oder weniger namhaft, während Freitag mit Tocotronic und Klee zwei Großkaräter engagiert wurden, entsprach das Samstag Programm mit Dickes B! und Stefanie Heinzmann schon eher meinen Vorstellungen von einem Medienfest.

Vor Klee sollte um 18 Uhr Nil beginnen. Vor einigen Wochen hätte ich die Band schon einmal sehen können, verpasste den Auftritt im Blue Shell aber. Warum mit Traditionen brechen, dachte ich und betrat das zwar durch Zäune abgetrennte aber nicht kontrollierte Festivalgelände erst kurz vor Klee. Auf dem Platz vor dem
Cinedom trudelten glücklicherweise dann auch mehr Leute ein, vorher hatten sich die wenigen Zuschauer auf dem Gelände verlaufen oder eine der Attraktionen der Messe aufgesucht (z.B. die Wurstbude aus dem Kölner Tatort).

Daß Moderatoren bei Medienfesten (und ähnlichem) dazugehören, nehme ich in Kauf. Die Damen, die die Ansagen hier offenbar gewonnen hatten, waren allerdings ganz schrecklich. "Jetzt kommt Klee, die sind noch etwas besser als Nil..." Gruselig!

Zu den passiv gehörten Nil kann ich mir kein Urteil erlauben, Klee waren aber von Beginn an wieder toll! Leider war der Festivalplatz bei weitem nicht voll, ein großer
Teil der zu Beginn vielleicht 500 Zuschauer (ich kann so etwas nicht schätzen) war allerdings gezielt wegen der Kölner Band da, denn überall sangen Leute mit, tanzten und hatten viel Spaß.

Sängerin Suzie - Spitzname Kölsche Kylie - trug diesmal schwarz - Bluse, Jacket und kurze Hose Ton in Ton. Wäre die Hose etwas weniger knapp gewesen, hätte man von einem braven Outfit sprechen können... "Die Stadt", die
wunderschöne Pophymne der Klees, eröffnete den Auftritt. Schöner geht es kaum. Aber gleichschön, denn es folgte ein weiterer meiner Lieblinge, "Tausendfach", bevor mit "Zwischen Glauben und Vertrauen" das erste Lied des in Kürze erscheinenden Albums "Berge versetzen" kam. Mit der neuen CD bei Universal wird Klee hoffentlich bald einem größeren Publikum bekannt, es wäre ihnen so zu gönnen. Die drei neuen Lieder, die ich nach dem Melt! Club im Gloria zum zweiten Mal hörte, sind dafür alle sehr geeignet!

Im Vergleich zu meinem letzten Klee Konzert waren "
Bis an den Rand der Klippen" und "Liebe mich Leben" neu im Set. "Standard kompakt" dagegen scheint gesetzt zu sein. Suzie forderte uns vorher auf zu tanzen. Das wäre ganz einfach, sagte sie und stampfte abwechselnd wenig grazil mit den Beinen auf: "Wie in der Dorfdisko!"

Als zweites der neuen Lieder folgte "Die Königin", ein Hit, ohne Zweifel. Und auch eine radiotaugliche Single.

Mittlerweile hatten sich immer mehr Türkeifans vor dem Festivalgelände versammelt, die ihre Mannschaft auf Kinoleinwänden spielen sehen wollten (es ist gerade EM...). Die türkischen Kölner machten ziemlich viel Radau von außen und fingen an, ordentlich zu nerven. Als einige von ihnen in eine Ansage von Suzie herein Schlachtrufe sangen, reagierte die Sängerin in typischer Suzie-Art, sie stimmte einen Fußballgesang an (zum Nachsingen: "shalala lalalalalaaaaa, shalala lalalala, shalala lalalalalaaaaa, das Lied heißt 'Zwei Herzen'"). Danach war es draußen still und auf der
Bühne toll, denn diese erste Single aus "Berge versetzen" ist auch beim zweiten Hören der wundervolle große Hit. Das ist das schönste Stück deutschen (Indie-) Pops, das ich in den letzten Jahren gehört habe.

Mit "Nicht immer aber jetzt" und natürlich "Gold" endete das kurze aber schöne Konzert nach 50 Minuten. Obwohl die Stadt Köln wieder einen Finger drauf hatte (und die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte laut Suzie die Lautstärke kontrollierten), durfte Klee eine Zugabe spielen. "Für alle, die" bildete dann einen schönen Schlußpunkt.

Das Konzert war sehr schön, wenn auch nicht mein schönstes Klee-Konzert bisher. Dafür war das Publikum zu unruhig, dadurch die Stimmung zumindest in der Mitte des Platzes zu gedämpft. Auch ist es zwar sehr nett, daß man Getränke und Essen auf den Platz mitbringen durfte (neben uns stand eine Gruppe, die sich eine Pizza vom Bringdienst teilte und den gratis Wein dazu aus der Flasche trank), dauernd über leere Flaschen zu stolpern begrenzt das Nette aber ein wenig.

Setlist Klee, Mediapark, Köln:

01: Die Stadt
02: Tausendfach
03: Zwischen Glauben und Vertrauen
04: Mein Geheimnis
05: Bis an den Rand der Klippen
06: 2 Fragen
07: Liebe mich Leben
08: Standard kompakt
09: Die Königin
10: Dieser Fehler
11: Zwei Herzen
12: Nicht immer aber jetzt
13: Gold

14: Für alle, die (Z)

Tocotronic hatte ich bisher höchst wechselhaft erlebt. Im vergangenen Sommer haben die Hamburger mich vollkommen beeindruckt und damit mein Bild von ihnen als Liveband zurechtgerückt, das sie bei einem lustlosen und sehr genervten Konzert in Herzogenrath geprägt hatten. Nach den ersten paar Zeilen des Eröffnungsstücks "Hifi Science Fiction" war ich sicher, die falsche Entscheideung getroffen zu haben, nach Klee nicht in eine Kneipe zum Fußball gegangen zu sein. Die Trefferquote von Sänger Dirk v. Lowtzow entsprach ungefähr der der Türken zur gleichen Zeit. Meine Begleiter vertrieb dieser Holperstart ganz schnell, ich war zäher. Oder neugieriger. Was auch immer. Ich blieb jedenfalls.

Und das wurde belohnt, denn das Konzert wurde immer besser, auch wenn das etwas dauerte. Dann allerdings packte es mich ganz stark. Man muß nichts über die Qualität der Lieder und Platten von Tocotronic schreiben. Unbestritten sind die Hamburger eines der hellsten Lichter am deutschen
Indiehimmel. Aber die Brillanz dieser fabelhaften Stücke auch live zu vermitteln, ist etwas anderes. Wäre ich dem Impuls gefolgt, früh zu gehen, hätte ich Tocotronic jetzt für eine mittelmäßige und oft lustlose Liveband gehalten. Mit jedem Stück verblasste dieses Bild, die Band spielte meinen schlechten Eindruck fabelhaft weg.

Spätestens beim Yves Saint Laurent gewidmeten "Verschwör Dich gegen Dich" konnte ich es genießen. Stücke von "Kapitulation", dem aktuellen Album, bildeten den Schwerpunkt des Konzerts, natürlich "Aus meiner Festung", die Singles "Kapitulation" und "Imitation", dazwischen ältere Sachen wie "Sie wollen uns erzählen", "Let there be rock" oder "Hi freaks". Je dunkler es wurde, desto mehr ging
ich in der Musik auf - trotz der unglaublichen Knalldeppen* neben mir, die dauernd "lauter, lauter" brüllten, sich dann aber während der Lieder wieder laut zu unterhalten, ihre "lauter"-Rufe waren also vollkommen berechtigt...

Nach 65 Minuten beendete ein echter Knaller (Wortwitz) das Konzert, "Explosion" von "Kapitulation", ein herausragendes Stück Musik! Daß das nicht das Ende sein sollte (die Türken spielten ja auch noch), war allen klar, die Band zierte sich aber eine Weile. Für das Warten wurden wir mit "Mein Ruin", dem wundervollen "Ich bin viel zu lange mit Euch mitgegangen" und "Drüben auf dem Hügel" entlohnt. Um es mit Sven Regener zu sagen: Diese Viertelstunde Zugabe war stark! Begeistert und vollauf
zufrieden leerte sich dann der Platz. Vom Band lief eine deutsche Sängerin (war das Alexandra?), als plötzlich die Band wieder erschien.

Die Stadt Köln habe ihnen noch etwas Zeit genehmigt. Hat das Ordnungsamt mittlerweile guten Musikgeschmack? Sei's drum, das Ergebnis war gut, der Abschlußsong mehr als das. "
Ich habe Stimmen gehört" knallte noch einmal richtig Verzückung in die Gesichter. Wow, was für ein Schlußpunkt! Auch wenn es etwas dauerte, haben Tocotronic mich wieder überzeugt. Diesmal haben sie es nur ein wenig spannender gemacht. Aber das paßt ja ganz schön zum Fußball. Solange am Ende die gemochte Mannschaft gewinnt...

Setlist Tocotronic, Mediapark, Köln:

01: Hifi Science Fiction
02: Sie wollen uns erzählen
03: Verschwör Dich gegen Dich
04: Die Grenzen des guten Geschmacks 2
05: Aber hier leben, nein danke
06: Aus meiner Festung
07: Luft
08: In höchsten Höhen
09: Let there be rock
10: Kapitulation
11: Imitationen
12: Sag alles ab
13: Hi freaks
14: Explosion

15: Mein Ruin (Z)
16: Ich bin viel zu lange mit Euch mitgegangen (Z)
17: Drüben auf dem Hügel (Z)

18: Ich habe Stimmen gehört (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Klee, Köln, 17.05.08
- Klee, Saarbrücken, 30.05.07
- Klee, Köln, 22.03.07
- Klee, Köln, 26.10.06
- Tocotronic, Hohenfelden, 17.08.07
- Fotos von Klee & Tocotronic


* Ich habe bewußt den freundlichsten Begriff gesucht...



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates