Sonntag, 25. September 2011

Rachael Dadd & Ichi & Anica & Emma Gatrill, Karlsruhe, 23.09.11


Konzert: Rachael Dadd & Ichi & Anica & Emma Gatrill

Ort: Kohi, Karlsruhe
Datum: 23.09.11
Zuschauer: etwa 50
Konzertdauer: insgesamt 3 Stunden


Bericht von Gudrun Thäter (vielen lieben Dank, auch für die nette Karte!!)

Im September bin ich besonders vielen Konzert-Tipps von Oliver gefolgt. Nicht alle dieser durchweg positiven Erlebnisse sind hier im Konzerttagebuch dokumentiert, aber der letzte Termin der Liste soll mir Anlass sein zu berichten.

Eingeladen hatte das Kohi in Karlsruhe http://www.kohi.de/index.php zu Musik mit Rachael Dadd (Bristol, UK), Anica und Ichi (Japan). Den online gegebenen Hinweisen folgend konnte man herausfinden, dass Anica eine lokale sehr junge Songwriterin ist und Ichi irgendwie ziemlich abgefahrene Laute als Musik verkauft.

Aber das Risiko, hinterher mit dem Abend nicht zufrieden zu sein, ist klein (auch unabhängig vom Tipp aus Paris):

Am Freitag Abend ins Kohi zu fahren ist immer nett. Es liegt an einem Platz, der um die Zeit nur so von Leben strotzt, wobei man immer das Gefühl hat, es trifft sich "nur" die Nachbarschaft. Tagsüber spielen die Kinder hier oder es ist Markt. Es gibt eine prima Eisdiele, ums Eck ist mein liebstes Kino und mit dem Fahrrad bin ich in 15 min zu Hause.

Also so oder so würde das ein schöner Abend werden.

Als wir gegen 20:40 Uhr ankommen, ist es im Kohi noch recht ruhig. Aber kurz vor neun füllen sich die Bänke ganz fix auf etwa 50 Hörer und pünktlich um 21 Uhr beginnt Anica. Sie überrascht damit, mit Frau am Kontrabass und einer zweiten Gesangsstimme plus Gitarre/Akkordeon als Band aufzutreten - zum ersten Mal in der Besetzung. Das Set ist sympatisch und mitreißend. Die Sängerin ist überraschend souverän - das Publikum sofort dabei. Sicher liegt es auch daran, dass viele Freunde dazugekommen sind. Aber es ist durchaus verdienter Applaus. Ich bin positiv überrascht. Nach 45 min ist Schluss und ich hätte mir noch ein paar Lieder mehr gewünscht. Es gibt eine kurze Umbaupause und als erstes Extra des Abends nimmt eine junge Dame (Emma Gatrill) im Schneidersitz auf der Bühne Platz und bezaubert uns mit ihrer kleinen Harfe und leisen Liedern. Vor dem ersten Lied sagt sie noch an, es würde jetzt ein sehr leises Lied werden, weil hinten noch ein bißchen geplaudert wird. Ab dann ist gespanntes Zuhören dran, das nur durch Applaus unterbrochen wird. Ab und zu nehmen die anwesenden anderen Musiker am Geschehen auf der Bühne teil mit Steeldrum und Banjo, oder zweiter Gesangsstimme. Es ist sehr familiär und das Publikum fühlt sich zur Familie gehörig. Entsprechend ist das Echo - sehr gute Stimmung, alle sind zufrieden.

Nach Emma gibt es wieder eine kleine Pause und anschließend eine große Überraschung. Das Set von Ichi macht uns alle zu staunenden und manchmal laut lachenden Kindern. Er betritt den Raum auf Stelzen und anschließend benutzt er selbst gebaute Instrumente und alle möglichen und umöglichen Dinge um eine Musik zu produzieren, die irgendwie weit hineinreicht in rituelles, aber sich andererseits überhaupt nicht ernst zu nehmen scheint. In meiner Heimat würden wir sagen: Der macht sich voll zum Obst. Er versucht seine Lieder mit deutschen Ansagen ein Stück weit zu erklären. Auch das führt dazu, dass er uns allen sehr ans Herz wächst. Der Höhepunkt für mich ist ein Lied mit Megaphon, wo die Ente die ganze Zeit klingt wie Donald Duck in den Zeichentrickfilmen meiner Kindheit und ein Song, wo Tischtennisbälle in der Steeldrum ihre eigene zufällige Musik machen. Es ist ein bißchen traurig, als er fertig ist. Weil allen ist klar: das sehen wir so schnell nicht wieder und das läßt sich auch durch die akustische Reserve nicht ersetzen.



Ein Blick auf die Uhr verrät, dass es schon 23 Uhr ist - die zwei Stunden sind wie im Flug vergangen und wir sind alle munter nach der ausgiebigen Kinderstunde mit Ichi. Nach einer kurzen Pause hat Rachael Dadd die Bühne für sich und singt uns noch mehr als eine Stunde ihre wunderbaren Lieder mal mit mal ohne Mit-Musiker (bis zu vier Personen sind auf der Bühne). Sie gibt zwischendurch sehr nette Einführungen zu den Liedern und versucht sich in deutsch (kommt immer gut an!).

Nach Mitternacht stehe ich dann am Merchstand und kann mich gar nicht entscheiden, welche Musik ich mitnehmen möchte, um ein Andenken an einen ganz besonderen Abend zu haben. So kaufe ich gleich 4 CDs und weiß, ich werde wohl den ganzen Samstag brauchen, um da überhaupt hinein zu hören... Wie schön!

Anmerkung: unbedingt das Video von Ichi ansehen. Der lachende Mann im Publikum ist geil!





0 Kommentare :

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates