Montag, 5. September 2011

Other Lives, Paris, 01.09.11


Konzert: Other Lives

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 01.09.2011
Zuschauer: recht viele
Konzertdauer: gut 45 Minuten
Raumtemperatur: gefühlte 60 ° Celsius


Von gefühlvoll orchestrierten Westernballaden war im Musikexpress die Rede, aber auch von der Stadt Stillwater in Oklahoma, von endlos weiten Prärielandschaften und von Ennio Morricone. Und immer wieder fällt der Begriff Red Dirt Music im Zusammenhang mit der amerikanlischen Band Other Lives. Red Dirt Music ist der typische Sound von Stillwater, ein Amalgam aus Folk, Country und Blues.

Other Lives aus Stillwater kann man stilistisch durchaus in die Folkecke stellen, aber ihr Klangbild wird bereichert durch Elemente des Shoegaze, des Dreampop und der Klassik. Nicht weniger als sechs Musiker waren in der Pariser Flèche d'or notwendig, um die komplexen Soundlandschaften live darzubieten, darunter eine Cellistin, ein Trompeter und ein Pianist. Instrumententechnisch kamen auch Harmonium, Geige, Orgel und ein Xylophon zum Einsatz.

Dabei ist das Projekt Other Lives eigentlich das Baby eines Mannes, des Multiinstrumentalisten und Sängers Jesse Tabish. Der kann freilich nicht alles alleine machen und so hat er live ähnlich wie Konstantin Gropper von Get Well Soon eine ausgewachsene Band dabei.

Wunderschön war das, was die zahlreichen Musiker aus dem mittleren Westen der USA boten. Ein verhuschter Schwebesound mit Countryparfum erfüllte die bullenheiße Flèche d'or und wer nicht schon von der Hitze benebelt war, war es nun von der Musik. Die Zuschauer schwitzten und staunten. Komplimente wurden zwischen den Songs ausgesprochen. Auch mir sagte das Gehörte zu, allerdings wurde für meine Begriffe die Grenze zum Bombast manchmal hart angetestet. Aber das Ganze war zu gekonnt arrangiert, zu subtil, zu schön, um wirklich meckern zu können. Hatte man sich darauf eingelassen, daß Other Lives kaum Bodenhaftung und Geerdetheit aussenden, konnte man herrlich davonschweben und sich berieseln lassen.

Mit ruhiger und markanter Stimme trug Jesse Tabish Songs vor, die zum Großteil vom zweiten Album Tamer Animals stammten. Dark Horse war sicherlich ein Highlight. Wunderschön hier das Cello, aber auch die Trompete vefehlte ihren berauschenden Effekt nicht und als eine Geige hinzukam, war der Wohlklang perfekt. Aber auch For 12 erwärmte die Herzen, beamte einen gedanklich in amerikanische Wüstenlandschaften und entführte einen ins Reich der Träume.

Jäh aus meinem Traum geweckt wurde ich allerdings, als beim Leonhard Cohen Cover The Partisan ein Franzose den Text laut und unfassbar schief mitsang. Er wollte wohl seine Freunde beeindrucken und zog die Nummer komplett durch. Gräßlich!

Den insgesamt guten Eindruck konnte dieses Vorkommnis jedoch nicht erschüttern und auch die unerträgliche Hitze, die an jenem Abend in der Flèche d'or herrschte, war hinterher nur noch eine schwache Erinnerung. Was blieb war das Entzücken ob des Entdeckens einer vielversprechenden neuen Band, von der wir sicherlich noch einiges hören und lesen werden.

Achso ich habe das schönste Lied des Abends nicht erwähnt: Tamer Animals. Zum Niederknien!






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