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Samstag, 8. Oktober 2011

Ichi, Paris, 27.09.11

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Konzert: Ichi, Le Cargo Session # 326
Ort: ein wilder Garten irgendwo in Paris

Datum: 27.09.2011
Zuschauer: ein paar Kinder



Liebe Freunde, das müsst ihr euch ansehen! Zwar handelt es sich nicht um eine Oliver Peel Session, aber dafür um eine ähnlich tolle Geschichte, die immerhin einen Bezug zur Oliver Peel Session # 39 hat. Die Rede ist von einem famosen Videodreh unserer lieben französischen Kollegen von Le Cargo. org. Renaud und sein Team filmen seit geraumer Zeit unfassbar gute Künstler ab (Vic Chesnutt, Low, Sebadoh, Alela Diane, um nur ein paar zu nennen)
und zur Nummer # 326 wurde der kuriose Japaner Ichi (Archivfoto) ins rechte Licht gerückt. Renaud hatte den experimentellen Künstler in unserer Bude kennengelernt und war so begeistert, daß er mit ihm kurze Zeit später unbedingt drehen musste. Die Videos (insgesamt sechs), die in dieser Le Cargo Session # 329 in einem wilden Garten in einem alternativen Viertel entstanden sind, kann man sich alle genüßlich auf der Webseite der Franzosen ansehen (klick!)

Zwei davon will ich euch hier vorstellen. Kinkan and Folkdancer Type Light und Furai. Enjoy:







Dienstag, 27. September 2011

Rachael Dadd & Ichi & Emma Gatrill, Paris, 24.09.11

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Konzert: Rachael Dadd & Ichi & Emma Gatrill

Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 40
Datum: 24.09.11
Zuschauer: sehr viele, Schätzungen reichen von 45-60 (!)
Konzertdauer: Emma Gatrill und Ichi jeweils 25 Minuten, Rachael Dadd 1 Stunde


Update vom 28.09.2011 (erweitert um den Bericht über Ichi)

Update vom 27.09.2011 (Text erweitert um Konzertbericht Emma Gatrill)


Als es am Sonntag gegen 16 Uhr 30 an der Tür klingelt, bin ich noch nicht einmal mit dem Staubsaugen fertig. Eine sehr schöne Stimme flötet durch das Haustelefon: "Hello, this is Rachael!" Meine Güte, sie ist tatsächlich schon da! Mein Stargast der heutigen Session, Rachael Dadd aus Bristol in England! Ich laufe hektisch die Treppenstufen herunter und treffe zunächst eine sehr nette junge Dame, die sich als Emma Gatrill herausstellen wird. Sie und ein herzensguter Kerl namens Chris werden Rachael später bei ihrem Konzert begleiten, Emma sogar einige Songs auf ihrer kleinen Harfe solo vortragen. Zudem ist der Japaner Ichi dabei, seines Zeichens Ehemann von Rachael und mir seit geraumer Zeit wohlbekannt. Die vier wahnsinnig höflichen und liebenswürdigen Menschen haben tonnweise Material dabei. Koffer, Taschen und Tüten, wo man nur hinschaut, angekarrt mit dem Auto aus Karlsruhe, wo sie am Vortag gespielt hatten (wir berichteten hier). Emma war die Fahrerin und macht sich nun Sorgen, wo sie die Kiste abstellen könnte, ohne abgeschleppt zu werden. Glücklicherweise finden wir einen Parkplatz in der Nähe für sie und tragen nun den ganzen Krempel nach oben. Zwei Nachbarsdamen sehen das Ganze und grinsen mir ein wenig schelmisch hinterher. Sie kennen mich inzwischen in diesem Hause ("dieser verrückte Deutsche"), wissen, daß wir gerne und laut feiern und ständig tolle Musiker in der Bude haben. Beschwert hat sich noch niemand, was beweist, daß unser als spießig geltendes Viertel wesentlich toleranter ist, als viele meinen.



In der Wohnung angekommen, bringe ich den durstigen Musikanten erst einmal ein Glas Saft. Bio natürlich. Folksänger sind schließlich alle ökologisch wertvoll drauf und das ist auch gut so. Später verlangen sie nach Espresso mit etwas Milch, um die Müdigkeit zu bekämpfen und auch diesen Wunsch erfülle ich ihnen sehr gerne. Dann ist auch schon Soundcheck angesagt und meine herrschsüchtige Frau befielt mir unbarmherzig, die Zeit zu nutzen, um den Teppich zu saugen und noch eine verbliebene Tüte Müll runterzutragen. Mit einer Französin verheiratet zu sein ist nicht immer ein Zuckerschlecken, das kann ich euch sagen!

Aber ich bin mit meinen Vorbereitungen noch lange nicht durch, muss noch frische Blumen kaufen, das ist mir wichtig. Und genügeng Kaka Cola light ist auch nicht im Haus. Also verabschiede ich mich kurzfristig Richtung Supermarkt und komme mit Rosen und Lilien zurück.

Rachael Dadd möchte jetzt kurz mal duschen, denn die Fahrt war heiß und anstrengend. Zu dumm nur, daß wir im Moment Probleme mit der Warmwasserversorgung haben (Frankreich, ich sag nur...) und ich befürchte, daß sie weitestgehend kalt duschen muss. Aber das soll ja gesund sein...


Gegen 19 Uhr scheint alles perfekt zu sein, der Teppich ist sauber, der Müll runtergebracht, die Blumen stehen in der Vase und der Soundcheck wurde zu Jedermanns/Jederfraus Zufriedenheit absolviert. Dann stelle ich jedoch fest, daß mir Batterien für mein Aufnahmegerät fehlen und Rachael klagt über Halzschmerzen und hätte gerne Lutschbonbons mit Honig, die wir ihr nicht anbieten können, so daß wir gezwungen sind, noch einmal rauszugehen und den Kram zu besorgen.

Die Laune ist bei allen blendend und ich schieße von den drei jungen Leuten (Ichi ist in der Wohnung geblieben, um unsere Katze zu streicheln) Fotos vor dem Hintergund des Eifelturms. Die Session wird gut werden, ich fühle es.


Meine Hauptsorge ist allerdings immer, ob genug Gäste kommen. Wie so oft ist diese aber völlig unbegründet, denn schon gegen 20 Uhr platzt die Bude fast aus allen Nähten. Ich habe so ziemlich jedes hübsche Mädchen dieser Stadt eingeladen und stelle zufrieden fest, daß Frauenüberschuss herrscht. Die Situation gnadenlos ausnutzend, schieße ich wie im Rasuch Porträtfotos von den ganzen Grazien. Als Gastgeber darf ich das...

Mit dem musikalischen Teil geht es schließlich um 20 Uhr 45 los. Ich hatte mich mit den Künstlern des heutigen Abends darauf verständigt, daß Emma Gatrill beginnen sollte. Sie war ein absoluter Überraschungsgast. Ich kannte die junge Frau aus Brighton vorher nicht, wußte lediglich aus einer E-mail von Rachael Dadd, daß sie als Klarinettistin mit dabei sein wird, war mir aber nicht darüber bewußt, daß Emma Gatrill Harfespielerin ist und auch eigene Songs zum Vortrage bringen würde.

Und schon nach wenigen Sekunden wird klar, daß hier ein genialer Joker ins Spiel gebracht worden war. Die lebensfrohe Emma singt so lieblich und betörend schön, daß sie damit Steine erweichen könnte. Ihr Harfespiel schafft eine ganz spezielle, fast mittelalterlich zu bezeichnende Atmosphäre, von der eine ungemeine Ruhe und ein starker Liebreiz ausgeht. "I am waiting for the answers, I am waiting for them to come" singt sie wehklagend im Refrain und zu meiner hellen Freude wird dieser im zweiten Durchlauf von Rachael Dadd mitgezwitschert, wodurch ganz wundervolle Harmoniegesänge entstehen.

Auch das zweite Lied ist ein Kleinod, es wird erneut auf der kleinen Harfe vorgetragen. Im Gegensatz zum ersten Stück ist aber dieses mal das Harfespiel temporeich und fließend, der Gesang weniger in die Länge gezogen. Zweites Lied, zweiter Stich ins offene Herz!

Nun wechselt Emma zur Gitarre, die sie im Schneidersitz zupft. Textlich dreht es sich erneut um sentimentale Gefühle ("Please know, I miss you") aber es ist auch von Monkeys die Rede. Alles sehr poetisch und fast auf literarischem Niveau, was die junge Brightonerin da abliefert, immer wiederkehrende Themen sind die Natur ("the ocean, the wind, the sand"), aber auch Liebe und Liebeskummer, ohne das zu viel Schmalz beigemischt wird. So heißt es dann auch im fünften und letzten Lied "I'm in love with a man that doesn't love me... waht a fool I've been" und man fragt sich, wer denn dieser Typ gewesen sein soll, der ein solch süßes Wesen wie Emma Gatrill abgewiesen hat, falls denn der Text überhaupt autobiografisch gemeint war.

Dann ist aber leider auch schon Schluß, vorerst Schluß muss man genauerweise sagen, denn später drehen wir mit Emma noch im Hausflur vor der Tür der Nachbarn, die ausgegangen waren. Eine abenteuerliches und prickelndes Unterfangen, denn draußen ist es dunkel und wir müssen leise sein, um nicht im gesamten Haus gehört zu werden. Etwas Licht wird von den Bewegungsmeldern gespendet (die immer wieder ausgehen), aber ansonsten ist alles sehr gedimmt, auch der Gesang von Emma ist leiser als in unserer guten Stube und den Applaus halten wir bewußt kurz und dezent. Und für diejenigen die nicht dabei waren, gibt es eine gute Nachricht: Renaud von Le Cargo.org hat gefilmt und wird die Videos bald auf Youtube einstellen. Yeah, baby!!

Setlist Emma Gatrill, Oliver Peel Session # 40, Paris:

01: Cast Out
02: Twisted Threads
03: Squiggles And Ballons
04: Starlings
05: The Birds
06: Where The Wind Blows (während Rachael Dadds Set)

Von Ichi, der als zweiter dran ist, wird es hoffentlich auch Videodokumente geben. Seine Show ist nämlich in jeglicher Hinsicht spektakulär. Schon sein Einmarsch lässt viele unserer Gäste verdutzt gucken. Er kommt auf Stelzen reingestakst, spielt dazu Mundharmonika und findet sich schließlich hinter seiner Fußtrommel ein, die er nun mit Tempo antreibt. Gleichzeitig bläst er einen roten Luftballon in Wärmflaschenform auf, erzeugt durch den Druck kuriose Geräusche und lässt am Ende die Luft aus dem Ding raus, was auch wieder sehr krass und piepsig klingt. Die Leute johlen.

Ichi stellt sich kurz vor und setzt sich nun auf dem Boden kauernd hinter eine Schreibmaschine. Er schreibt auf dem alten Ding ein paar Zeilen und es tackert laut und unüberhörbar. Kurze Zeit später singt er wie ein Eunuch (ist das japanisch?), wiederholt den Gesang aber noch einmal in deutlich tieferer Tonlage, was zum Schreien komisch ist.

Nun ist das japanische Alphabet dran. Hierzu spielt Ichi auf seiner sebstgebastelten Harfe, bevor er am Ende mit seiner Frau Rachael Dadd in kindlicher Manier Hände abklatscht. Die beiden haben sich wirklich ihr infantiles Gemüt beibehalten und auch wir im Publikum werden noch einmal zu Kindern, die mit glänzenden Augen im Zirkus sitzen und aus dem Staunen nicht mehr rauskommen.

Nach dem japischen Alphabet ändert der Japaner stimmlich die Tonlage und klingt nun wie ein Muezzin. "Heidahoooo, mamam, heidahohoooo mama" höre ich da raus und ein wenig wirkt Ichi auch wie ein Hirte, der durch seine Gesänge eine Schafsherde zusammenhalten will. Hinterher erfahre, daß dieses Lied auf vietnamesisch vorgetragen wurde.

Neues Stück, neue Gags. Jetzt geht es um einen Seemann und eine Ente, die er fabelhaft imitiert (köstlich sein Geschnatter!) und so ein Lied entstehen lässt, das fast nach japanischem Rap klingt. Und er kann sogar jodeln, das beweist er bei der letzten Nummer, bei der er Steel Pan und Tischtennis spielt, den Ping Pong Ball plötzlich ins Becken fallen lässt und ein Glas Wasser hinzuschüttet. Die Geräusche die dadurch enstehen, sind mystisch und fast hypnotisch, sie ziehen den Zuhörer in ihrer Bann. Zur Krönung des Ganzen spielt er schließlich noch eine jazzige Trompete, bevor er sich seine Stelzen schnappt und Mundharmonika spielend aus dem Zimmer stakst. Der Applaus ist unfassbar donnernd und langanhaltend, so etwas wie das eben haben die meisten Zuschauer noch nie erlebt.

Gute Nacht!

Obige Fotos: Archiv: erstes Bild (von links nach rechts): Kate Stables aka This Is The Kit, Little Mo (Tochter von Kate), Rachael Dadd), zweites Bild: Ichi in Aktion.

- Video: Archiv, Oliver Peel Session # 20

- Rockerparis hat schon schöne Fotos von dieser Session und einen ausführlichen Bericht, klick!

Weiterführende Links:

www.rachaeldadd.blogspot.com

www.myspace.com/rachaeldadd

www.myspace.com/ichijapan

www.twitter.com/rachaeldadd

www.listn.to/rachaeldadd


Aus unserem Archiv:


Ichi, Paris, 24.05.10
Ichi, Paris, 09.06.09
Rachael Dadd, Paris, 27.03.10
Rachael Dadd, Paris, 11.03.09
Rachael Dadd, Paris, 06.03.09






Sonntag, 25. September 2011

Rachael Dadd & Ichi & Anica & Emma Gatrill, Karlsruhe, 23.09.11

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Konzert: Rachael Dadd & Ichi & Anica & Emma Gatrill

Ort: Kohi, Karlsruhe
Datum: 23.09.11
Zuschauer: etwa 50
Konzertdauer: insgesamt 3 Stunden


Bericht von Gudrun Thäter (vielen lieben Dank, auch für die nette Karte!!)

Im September bin ich besonders vielen Konzert-Tipps von Oliver gefolgt. Nicht alle dieser durchweg positiven Erlebnisse sind hier im Konzerttagebuch dokumentiert, aber der letzte Termin der Liste soll mir Anlass sein zu berichten.

Eingeladen hatte das Kohi in Karlsruhe http://www.kohi.de/index.php zu Musik mit Rachael Dadd (Bristol, UK), Anica und Ichi (Japan). Den online gegebenen Hinweisen folgend konnte man herausfinden, dass Anica eine lokale sehr junge Songwriterin ist und Ichi irgendwie ziemlich abgefahrene Laute als Musik verkauft.

Aber das Risiko, hinterher mit dem Abend nicht zufrieden zu sein, ist klein (auch unabhängig vom Tipp aus Paris):

Am Freitag Abend ins Kohi zu fahren ist immer nett. Es liegt an einem Platz, der um die Zeit nur so von Leben strotzt, wobei man immer das Gefühl hat, es trifft sich "nur" die Nachbarschaft. Tagsüber spielen die Kinder hier oder es ist Markt. Es gibt eine prima Eisdiele, ums Eck ist mein liebstes Kino und mit dem Fahrrad bin ich in 15 min zu Hause.

Also so oder so würde das ein schöner Abend werden.

Als wir gegen 20:40 Uhr ankommen, ist es im Kohi noch recht ruhig. Aber kurz vor neun füllen sich die Bänke ganz fix auf etwa 50 Hörer und pünktlich um 21 Uhr beginnt Anica. Sie überrascht damit, mit Frau am Kontrabass und einer zweiten Gesangsstimme plus Gitarre/Akkordeon als Band aufzutreten - zum ersten Mal in der Besetzung. Das Set ist sympatisch und mitreißend. Die Sängerin ist überraschend souverän - das Publikum sofort dabei. Sicher liegt es auch daran, dass viele Freunde dazugekommen sind. Aber es ist durchaus verdienter Applaus. Ich bin positiv überrascht. Nach 45 min ist Schluss und ich hätte mir noch ein paar Lieder mehr gewünscht. Es gibt eine kurze Umbaupause und als erstes Extra des Abends nimmt eine junge Dame (Emma Gatrill) im Schneidersitz auf der Bühne Platz und bezaubert uns mit ihrer kleinen Harfe und leisen Liedern. Vor dem ersten Lied sagt sie noch an, es würde jetzt ein sehr leises Lied werden, weil hinten noch ein bißchen geplaudert wird. Ab dann ist gespanntes Zuhören dran, das nur durch Applaus unterbrochen wird. Ab und zu nehmen die anwesenden anderen Musiker am Geschehen auf der Bühne teil mit Steeldrum und Banjo, oder zweiter Gesangsstimme. Es ist sehr familiär und das Publikum fühlt sich zur Familie gehörig. Entsprechend ist das Echo - sehr gute Stimmung, alle sind zufrieden.

Nach Emma gibt es wieder eine kleine Pause und anschließend eine große Überraschung. Das Set von Ichi macht uns alle zu staunenden und manchmal laut lachenden Kindern. Er betritt den Raum auf Stelzen und anschließend benutzt er selbst gebaute Instrumente und alle möglichen und umöglichen Dinge um eine Musik zu produzieren, die irgendwie weit hineinreicht in rituelles, aber sich andererseits überhaupt nicht ernst zu nehmen scheint. In meiner Heimat würden wir sagen: Der macht sich voll zum Obst. Er versucht seine Lieder mit deutschen Ansagen ein Stück weit zu erklären. Auch das führt dazu, dass er uns allen sehr ans Herz wächst. Der Höhepunkt für mich ist ein Lied mit Megaphon, wo die Ente die ganze Zeit klingt wie Donald Duck in den Zeichentrickfilmen meiner Kindheit und ein Song, wo Tischtennisbälle in der Steeldrum ihre eigene zufällige Musik machen. Es ist ein bißchen traurig, als er fertig ist. Weil allen ist klar: das sehen wir so schnell nicht wieder und das läßt sich auch durch die akustische Reserve nicht ersetzen.



Ein Blick auf die Uhr verrät, dass es schon 23 Uhr ist - die zwei Stunden sind wie im Flug vergangen und wir sind alle munter nach der ausgiebigen Kinderstunde mit Ichi. Nach einer kurzen Pause hat Rachael Dadd die Bühne für sich und singt uns noch mehr als eine Stunde ihre wunderbaren Lieder mal mit mal ohne Mit-Musiker (bis zu vier Personen sind auf der Bühne). Sie gibt zwischendurch sehr nette Einführungen zu den Liedern und versucht sich in deutsch (kommt immer gut an!).

Nach Mitternacht stehe ich dann am Merchstand und kann mich gar nicht entscheiden, welche Musik ich mitnehmen möchte, um ein Andenken an einen ganz besonderen Abend zu haben. So kaufe ich gleich 4 CDs und weiß, ich werde wohl den ganzen Samstag brauchen, um da überhaupt hinein zu hören... Wie schön!

Anmerkung: unbedingt das Video von Ichi ansehen. Der lachende Mann im Publikum ist geil!





Dienstag, 25. Mai 2010

The Hand & Ichi & Andy Skellam, Paris, 24.05.2010

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Konzert: The Hand & Ichi & Andy Skellam

Ort: Le 7 ième Ciel, eine Terrasse über den Dächern von Paris mit Blick auf Sacré Coeur
Datum: 24.05.2010
Zuschauer: etwa 25 (18 Frauen und 7 Männer oder so, was für eine Quote!)
Konzertdauer: Ingesamt über 2 Stunden


Was für ein herrlicher Frühsommerabend in Paris! Perfekt, wenn man ihn wie ich und ein paar andere Glückliche auf einer spektakulären Dachterrasse verbringen kann und frei Sicht auf Sacré Coeur hat. Aber nicht nur die Aussicht war atemberaubend, sondern auch das musikalische Programm! Le 7ième Ciel, eine private Veranstaltung, die ähnlich wie die Oliver Peel Sessions funktioniert, hatte Musiker aus dem englischen Bristol und den Japaner Ichi zu Gast. Bei sensationell gutem Wetter und einer leichten Brise, die für angenehme Abkühlung sorgte, saß man bei Laternenlicht draußen und lauschte feierlich den sanften Klängen der erlesenen Musiker. Eine unglaublich heimelige Atmosphäre machte sich breit und man war in der Tat dem siebten Himmel (7ième Ciel) sehr nahe. Die Gastgeber, ein sehr nettes Pariser Pärchen mit einer riesigen und bestens bestückten CD- und Plattensammlung (besonders toll fand ich die alten Singles von Barbara und Jaques Brel), hatten sich große Mühe gegeben und Salate, Quiches und Kuchen vorbereitet.

Andy Skellam, den jeder einzelne unserer Leser schon von einer Oliver Peel Session her kennt (wie, nein??), machte den Anfang und bestach erneut durch sein feines Fingerpicking und seine sanfte Stimme, die wohlig an Nick Drake erinnerte. Gecovert hat er den früh verstorbenen Engländer allerdings nicht, sondern auf Wunsch von Kate "This Is The Kit" Stables, Bob Dylan, der heute Geburtstag hatte. Lag ihm aber nicht so ganz, er brach den Song vorzeitig ab, weil er meinte, daß die Lieder von Dylan alle zu viel Text hätten. Ansonsten performte er eigenes Material mit dem Highlight Chase Your Tales, ein Duo mit der famosen Rachael Dadd. Ich kann die Musik von Andy Skellam wirklich jedem nur empfehlen, der Kerl hat was!

Das Gleiche kann man natürlich auch von dem Japaner Ichi behaupten. Wobei es bei ihm deutlich weniger klassisch zugeht als bei Skellam. Ach ich untertreibe: Ichi ist der verbüffendste Künstler, den ich je gesehen habe! Er spielt (oft gleichzeitig) Steel Drum, Mundharmonika, Xylophon, Tischtennis (kein Scheiß!), Trompete (und dann singt er wie Satchmo), bläst Luftballons auf, blöckt wie eine Ziege zu seiner Kuhglocke, benutzt einen alten Taperecorder, eine selbstgebastelte Harfe und ein ungewöhnliches Akkordeon. Und er singt auch. Auf japanisch, mit einer krassen Stimme. Sein Schnäuzer ist nur angeklebt, zum Glück. Ansonsten ist bei ihm alles echt, oft improvisiert und so eigenständig wie bei keinem zweiten Musiker. Gab es so etwas vorher schon einmal? Hmm? Was überhaupt? Wie könnte man den Stil beschreiben? Free Jazz? Freak Folk auf japanisch? Ambientmusik? Hier passt keine vorgefertigte Schublade, also ist es besser, wenn sich jeder einmal seine Stücke bei MySpace in Ruhe anhört oder, noch besser, die Livevideos guckt. Die Zuschauer hatten jedenfalls einen Heidenspaß im 7 ième Ciel!

Dann kamen The Hand, bestehend aus der Folksängerin Rachael Dadd und dem Barden Wig Smith (eigentlich heißt er Will Smith, ohne Witz, aber mit dem will er nicht verwechselt werden, obwohl Leute spaßeshalber um ein Cover von Men In Black baten), der genau wie Toumani Diabaté auf einer afrikanischen Kora rumzupft. Die Stimmen von Rachel und Wig passen perfekt zueinander und auch ihr Banjospiel und seine Performance auf der Kora gehen eine wunderbare Symbiose ein. Ich mag die beiden unglaublich gerne, sowohl musikalisch, als auch menschlich. Selten so nette, aufgeschlossene und natürliche Menschen getroffen. Anspieltipps, die auch heute dargeboten wurden: Maroosia und On We Skip.

The Hand sind zusammen mit Ichi auf ausgedehnter Tour durch Europa* und kamen heute aus der Schweiz. Entsprechend müde waren sie (und erwähnten ganz neidisch, daß Ichi wie eine Katze sei und als Einziger überall pennen könne) und gaben trotzdem ihr Bestes.

Insgesamt eine super Veranstaltung und so Gott will bin ich schon am Freitag wieder auf der schönen Dachterrasse zu Gast.

*Ihr Weg wird sie sogar bis zum Glastonbury Festival führen!

Link:

- Oliver Peel Session mit Rachael Dadd, This Is The Kit, Andy Skellam und Whalebone Polly, klick!

Aus unserem Archiv:

The Hand, Paris, 09.06.09
The Hand, Paris, 11.03.09
Rachael Dadd, Paris, 11.03.09
Rachael Dadd, Paris, 06.03.09
Ichi, Paris, 09.06.09



Mittwoch, 10. Juni 2009

The Hand, Ichi & This Is The Kit

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Konzert: The Hand & Ichi & This Is The Kit

Ort: Le Pop In, Paris
Datum: 09.06.2009
Zuschauer: der Keller war voll!
Konzertdauer: insgesamt weit über 2 Stunden



Vor ziemlich genau 3 Monaten hatte ich ja bereits an dieser Stelle in den höchsten Tönen von This Is The Kit, Rachael Dadd, The Hand und Wahlebone Polly (das gemeinsame Projekt von This Is The Kit und Rachael Dadd ) geschwärmt und die flotte Truppe machte heute erneut Station im Pariser Pop In, nachdem sie erst kürzlich die Bar 25 in Berlin beehrt hatten.

Den wunderbaren Folkabend eröffnete Kate Stables aka This Is The Kit, die aus Bristol, UK, stammt, aber seit einigen Jährchen in Paris lebt. Ihr Paradeinstrument ist das Banjo und mit Songs an diesem pluckernden Instrument legte sie auch los, aber recht schnell wechselte sie zur elektischen Gitarre und trug teilweise ungewohnt rockige Songs vor, die auf ihrem zweiten, noch nicht veröffentlichten ,Album landen dürften. Am Debüt Krulle Bol, das Kultproduzent John Parish (PJ Harvey), fabriziert hatte, konnte man sich das Herz wärmen, aber die bloße Einstufung von This Is The Kit als Folksängerin schien mir schon damals zu eng. Die stets zöpfchentragende Engländerin entwickelt sich nämlich kontinuierlich weiter, verbessert ihr Songwriting und macht inzwischen auch Songs, die man unter dem Bergiff Indierock verorten könnte. Ich bin auf ihr neues Werk sehr gespannt und kann den Release kaum erwarten. Bis dahin vertröste ich mich aber mit dem bisher bekanntesten Lied der Künstlerin nämlich Birchwood Beaker, das die französisch singenden Belgier Soy Un Caballo gecovert haben (A Travers La Neige). Es ist als Vinyl Single in schickem Weiß erhältlich und hat ein wunderschönes Cover. Das mit viel Gefühl vorgetragene Original bleibt aber weiterhin ein Highlight und begeisterte heute abend nicht nur mich!

Gegen Ende des Sets bat Kate Stables schließlich ihre englische Freundin Rachael Dadd auf die Bühne zu treten, um gemeinsam 3 Lieder ihres Projekts Whalebone Polly vorzutragen. Wie herrlich das war! Die beiden traumhaft schönen Stimmen der beiden harmonieren auf das Wundervollste und das Banjospiel von Rachael ist atemberaubend sicher und präzise. In den letzten Jahren habe ich etliche Künstler am Banjo agieren sehen, aber niemand bedient dieses Instrument so spielerisch leicht, so elegangt, so filigran. Racheal Dadd und Kate Stabbles zusammen, das ist geballte Lebens-und Spielfreude im Doppelpack! Die beiden Mädels verstehen sich prächtig, lächeln unentwegt und sind so natürlich und ungekünstelt wie man sich das nur wünschen kann. Man Herz schlägt regelmäßig höher, wenn ich sie über die Bühne fegen sehe. Kaum eine andere "Girlgroup" hat mich je glücklicher gemacht, Rachael und Kate schaffen es, noch dem letzten Grieskram ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Ich bin Fan, riesiger Fan und kann das Erscheinen der zweiten EP (vorgesehen für den September) kaum erwarten!

Auch die anschließend startenden The Hand (Album Berries From The Rubble) mag ich sehr. Logisch, singt und spielt dort doch ebenfalls Rachael Dadd mit. Aber bei The Hand gibt es auch einen Hahn im Korb und der glänzt an einem außergewöhnlichen Instrument. Die Rede ist von Wig Smith, der seiner Kora (ein harfeähnliches Instrument) mit ein paar gekonnten Fingerpicks lieblichste Töne entlockt. Wig und Rachael harmonieren ebenfalls ganz wunderbar miteinander und die Stimmen bilden einen hübschen Kontrast. Wig singt ein wenig wie ein Geistlicher oder Chorsänger, wenn man ihm zuhört, fühlt man sich fast wie in der Kirche. Manchmal bleiben die beiden aber auch stumm und lassen nur ihre Instrumente sprechen. Bei Hovering Wasp erzählen sie beisspielsweise die Geschichte einer Wespe, ohne Texte dafür zu benötigen. Am schönsten ist es aber letztlich doch, wenn sie so herrlich zusammen singen wie auf Maroosia. Liege ich da völlig falsch, wenn ich sage, daß mich das Ganze an mittelalterliche Minnesänge erinnert? Hmm, wahrscheinlich gerate ich mit dieser Einschätzung auf's Glatteis, fest steht aber, daß die Musik von The Hand etwas stark Altertümliches hat. Ich liebe diese Band! Und dieses Jahr spielen sie sogar in Glastonbury!!

In der nachfolgenden Pause gab es Gelegenheit, sich den hübsch dekorierten Merchandising Stand näher anzusehen. Rachael ist nicht nur Musikerin, sondern stellt auch Textilien her. Ihre CDs bekommt man für einen kleinen Aufpreis in entzückenden Stoffhüllen ausgehändigt und es gibt auch tolle Sticker und Ähnliches.

Völlig vertieft in die Betrachtung der feinen Kunstobjekte,
reagierte ich völlig perplex, als plötzlich die Tür aufging und ein Bursche auf Stelzen Richtung Bühne marschierte. Lautes Gelächter machte sich unter den Zuschauern breit und erst beim genaueren Hinsehen erkannte ich, daß es sich bei dem Akrobaten um den Japaner Ichi handelte, der vorher schon ein paar Gastauftritte hatte. Nun war er mit seinem ganz eigenen Spektakel an der Reihe und das war prall gefüllt mit verblüffenden Kuriositäten! Da war zunächst einmal der abgefahrende Look des Asiaten. Er hatte sich einen Schnorres angepappt und seinen Kopf zierte eine Bedeckung, wie man sie aus Marokko kennt, bloß daß bei seinem Teil eine Art Korken das Ganze abschloß. Köstlich! Ichi hatte sich hinter einem reich gedeckten Tisch voller seltsamer Instrumente positioniert. Es gab ein Kinderxylophon, eine Mohrrübe (in die er später reinbeißen sollte!), ein kleines Keyboard und einen Tischtennisschläger(!). Was wollte er damit bloß anfangen? - Na klar, Tischtennis spielen! Mit sich selbst! Völlig abgefahren, wie alles was Ichi so anstellte! Er klöppelte auf alles drauf, was nicht niet-und nagelfest war, bediente sich einer Steel Drum, die esoterisch anmutende Geräusche erklingen ließ, trompetete, benutzte einen alten Taperecorder, auf dem eine Französich-Lern-Kassete lief (Hinatabito), bließ Luftballons auf und performte auch auf einem kuriosen Teil, das aussah wie eine aus einem Topf und Schnüren zusammengebastetelte Harfe. Sein Gesang bestand aus verrückten Mickimauslauten oder auch dem Imitieren von Louis "Satchmo" Armstrong, worüber ich mich hätte totlachen können! Ich glaube ich würde noch bis zu den Sommerferien hier schreibenderweise sitzen, wollte ich alle Gags im Einzelnen beschreiben. Deshalb empfehle ich einfach nur, sich unbedingt einmal Ichi live anzusehen, oder wenigstens seine experimentelle CD zu erwerben. Wenn man den Künstler anschreibt, schickt er sie mit Sicherheit den Fans zu! Klasse!

- Mehr Fotos von Ichi hier
- " " Whalebone Polly hier
- " " This Is The Kit hier
- " " The Hand hier


Aus unserem Archiv:

This Is The Kit & Rachael Dadd in Paris am 11.03.2009




 

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